Archive for the ‘Statement’ Category

[UK] Toby Shone: Erklärung zum J11 Internationalen Tag der Solidarität mit Marius Mason und allen anarchistischen Langzeitgefangenen

Sonntag, Mai 8th, 2022

erhalten per mail, übersetzung abc wien

„Wir werden in See stechen und eine Reise ins Ungewisse antreten müssen. Es liegt an uns, den Kurs des Marsches zu wählen. Wir sind frei, Fehler zu machen.“ Gustavo Rodriguez – „Kurzer informativer Bericht über das Wetter“.

Eine Umarmung des Lebens, des Feuers und der Kompliz*innenschaft für alle inhaftierten anarchistischen Gefährt*innen an diesem 11. Juni. Ich bin von den Gefährt*innen in Nordamerika zur Teilnahme eingeladen worden, wofür sie meinen Dank und meine Zustimmung haben. Ich bin zwar nicht zu einer besonders langen Strafe verurteilt, aber bei meinem Prozess im letzten Oktober im Rahmen der „Operation Adream“ hatte ich mit weit über zehn Jahren zu rechnen, und nächste Woche, am 6. Mai, werde ich in Bristol erneut vor Gericht stehen. Diesmal fordern die „Anti-Terror“-Staatsanwälte bis zu fünf Jahre Hausarrest und besondere Überwachung, so dass ich häufig ins Gefängnis zurückkehren könnte. Das ist auch ein Präzedenzfall für den Rest des anarchistischen Raums im Vereinigten Königreich, wenn der Staat erfolgreich ist. Internationale Mobilisierungen sind wichtig, um unsere gemeinsamen Kämpfe kennenzulernen und zu verbinden. Die Eröffnung eines Raums für Diskussion und Praxis ermöglicht es uns, den Mauern und dem Stacheldraht zu entkommen, der uns trennt und isoliert. Ich bin 23 Stunden am Tag in einer Einzelzelle eingesperrt, werde verstärkt überwacht und zensiert, als „hohes Risiko“ eingestuft und auf die „Fluchtliste“ gesetzt. Das ist mir völlig egal. Ich werde diesen Ort verlassen, ohne auch nur einen Millimeter zurückzutreten.

„Wer einen Grund zum Leben hat, kann fast jedes Wie ertragen.“ – F. Nietzsche.

Es ziehen Stürme am Horizont auf.

Toby Shone

Geschrieben am Vorabend des revolutionären 1. Mai 2022. G4S Parc, Großbritannien.

[Belarus] Statement von ABC Belarus zu Dzmitry Dubovski

Samstag, Januar 15th, 2022

Quelle: abc belarus, übersetzt von abc wien

Am Tag nach der Verhaftung der Gruppe von Anarchopartisanen veröffentlichten die Propagandamülleimer ein Video, in dem Dzmitry Dubovski seine Schuld am Angriff auf das Regime zugibt und gegen andere Mitglieder der Gruppe aussagt. Die relativ eilige Veröffentlichung der Nachricht durch die Lukaschisten, die schwerwiegenden Terrorismusvorwürfe und Dubowskis eigenes langjähriges Engagement in der anarchistischen Bewegung veranlassten uns damals, den Wahrheitsgehalt der Geschichte über den Anarchisten, der begonnen hatte, mit den Ermittlungen zu kooperieren, in Frage zu stellen.

Die Tschekisten1 sperrten Dubovski und die anderen Partisanen fast ein Jahr lang in das KGB-Untersuchungsgefängnis, aus dem nur sehr selten Informationen in die Welt gelangen. Während des Jahres der so genannten Ermittlungen waren wir nicht in der Lage, Einzelheiten über die Geschehnisse herauszufinden, die es uns ermöglicht hätten, uns eine klare Meinung zu bilden, und wir unterstützten Dzmitry weiterhin, trotz einiger Stimmen, die ihn in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung des Geständnisses verurteilten.

Erst ein Jahr später teilten die Anarchopartisanen ihren Verwandten Informationen über die Folter und die Gewalt, die ihnen vom Staat angetan wurde, mit. Dubovski gab an, dass er aufgrund der Folterungen begann auszusagen. Gleichzeitig bereute er seine Aussage nicht, aber unterstützte weiterhin die politische Seite des Falles. Die Verurteilung zu 18 Jahren Haft zeigte, dass Dubovski keine Absprachen mit den Ermittlern getroffen und keinen Nutzen aus seiner Aussage gezogen hatte, außer, dass er der Folter ein Ende setzte.

Und trotz alledem sind wir der Meinung, dass die Entscheidung, Dzmitry zu unterstützen, unter anderem von den übrigen Mitgliedern der Anarcho-Parteigruppe getroffen werden sollte. Soweit wir wissen, verurteilt keiner der Anarchisten seine Tat, und alle vier bleiben trotz aller Hindernisse Gefährten.

Wir haben beschlossen, diese Frage ein für alle Mal für diejenigen zu klären, die weiterhin zum Boykott von Dubovski aufrufen. In Anbetracht der Meinung seiner eigenen Gefährten und der Umstände seiner Aussage haben wir beschlossen, ihn weiterhin zu unterstützen.

ABC-Belarus

1 Tschekist von Tscheka: 1917-1922 die politische Polizei der Sowjetunion, russ. Kurzwort aus Wserossiskaja Tschrewytschainaja Komissija po borbe s Kontrrewoljuzijei i sabotaschem = Allrussische Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution und der Sabotage – Vorgängerorganisation des KGB

[Chile]: Worte des Gefährten Ignacio Avaca Zwei Jahre nach dem Aufstand vom 18. Oktober

Montag, November 8th, 2021

quelle: schwarzerpfeil.de

Es sind zwei Jahre vergangen seit der Welle der Massendemonstrationen, die am 18. Oktober 2019 begann und viel länger auf den Straßen dauerte, als die Medien „berichteten“. Viele von uns haben vielleicht in irgendeiner Form an diesen Ereignissen teilgenommen. Und jetzt, nach dem Rückgang und anlässlich des Jahrestages, gibt es ein paar Dinge, auf die es sich lohnt hinzuweisen, immer mit dem Ziel, die Kritik zu schärfen und den Konflikt fortzusetzen.

(I) Revolte(n) und Konfrontation während des Jahrhunderts der $chilenischen Demokratie.

Die „Revolte“, wie sie von vielen genannt wurde, bedeutete einen allgemeinen Bruch der „Normalität“, die von den Demokratien in diesem Gebiet während des 21. Jahrhunderts gefestigt wurde. Diese Art von „kritischen“ Momenten ist keiner Regierung fremd, und wir müssen unbedingt berücksichtigen, dass der Konflikt mit dieser Normalität schon vorher bestand und auch nach den Ereignissen des 18. Oktober weiter besteht. Deshalb dürfen wir all die Angriffe und Konfrontationen nicht vergessen, die bisher in dieser Zeit stattgefunden haben, auch wenn sie definitiv nicht die Wucht oder Massivität der Ereignisse vom 18. Oktober hatten (und wahrscheinlich auch nicht wollten).

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[Chile] Statement der anarchistischen Gefährtin Mónica Caballero aus dem San-Miguel-Gefängnis bezüglich der Soliwoche für anarchistische Gefangene

Montag, November 8th, 2021

quelle: soligruppe für gefangene

Gefunden auf publicación refrectario, die Übersetzung ist von der soligruppe für gefangene

Worte der anarchistischen Gefährtin Mónica Caballero aus dem San-Miguel-Gefängnis

In dieser Woche ist es acht Jahre her, dass verschiedene Gruppen der Cruz Negra Anarquista (CNA)1 und verschiedene Individualitäten auf der ganzen Welt die Initiative ergriffen haben, eine Woche der internationalen Solidarität mit inhaftierten Anarchist*innen zu halten, und dass diese Woche mit dem Jahrestag der legalen Ermordung der Anarchisten Bartolomeo Vanzetti und Nicola Sacco durch die US-Regierung im Jahr 1927 zusammenfällt.

Die offizielle Geschichte, die von den Herrschenden sowie der fortschrittlichen demokratischen Linken und einem Teil des Anarchismus geschrieben wurde, war vor allem darauf bedacht, ein Opferbild von Sacco und Vanzetti zu zeichnen, das weit entfernt ist von jeglicher illegaler Praxis. All dies beruht auf dem Eingeständnis des amerikanischen Justizapparats, dass es zahlreiche Unregelmäßigkeiten in dem Strafprozess gab, in dem Sacco und Vanzetti verurteilt wurden, und dass sie rechtlich „unschuldig“ waren (eine Information, die erst viele Jahre nach der Ermordung der Gefährten bekannt wurde). Wahrscheinlich hatten die Gefährten nichts mit der Enteignung von South Braintree zu tun, was wichtig zu wissen und sichtbar zu machen ist, so wie es auch wichtig ist, zu betonen, dass Sacco und Vanzetti Anarchisten der Aktion waren, die antiautoritäre Ideen propagierten und verschiedene illegalistische Praktiken ausübten.

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[Griechenland] Erklärung des Anarchisten Giannis Michailidis vor Gericht zu den Verhaftungen in Agia Paraskevi

Sonntag, August 1st, 2021

quelle: anarchistnews.org & athens.indymedia.org, übersetzung abc wien

Wieder einmal stehe ich vor einem Tribunal, das ich nicht akzeptiere, um meine Entscheidungen und mein Handeln zu verurteilen. Ich habe bereits meinen Standpunkt zum Staat, zum Kapital, zur etablierten Ordnung der Ungleichheit und zur weit verbreiteten Versklavung und Ausbeutung von Mensch und Natur, zur allmählichen Umwandlung des Planeten in ein riesiges Gefängnis für jedes Lebewesen dargelegt. Ich habe mich gegen die Gesetze gewandt, die die mörderische staatliche Ordnung aufrechterhalten, sowohl in Wort als auch in Tat. Ich habe versucht, jedes Mal, wenn ich von den Organen zur Durchsetzung von Recht und Ordnung auf die Anklagebank gezerrt wurde, eine konsequente Haltung einzunehmen und mich nicht an den heuchlerischen Prozessen zu beteiligen, die immer vorgeben, die Kontrolle des Staates über Leben und Freiheit zu bestätigen.

Ich habe den Preis für meine Entscheidungen bezahlt, indem ich fast acht Jahre meines Lebens in Strafvollzugsanstalten verbracht habe, die das Zentrum des sozialen Panoptikums, der Angst zur Disziplinierung der Gesellschaft, aber auch ein Instrument zur Reproduktion des Verbrechens im Sinne einer Integration in die kapitalistische Schattenwirtschaft sind. Wo im Namen des Gesetzes die hintern den Mauern unter allgemeiner Ungerechtigkeit leiden. Dort, in der Grauzone des Gesetzes, wo Knochen und Seelen von Menschen gebrochen werden, die moralisch und wirtschaftlich gebrochen sind und keine andere Wahl haben, als das Monster des Strafvollzugs mit ihrer Verzweiflung zu füttern. Sie liefern das perfekte Alibi für die angebliche Notwendigkeit von Recht und Staat beim Aufbau der Gesellschaft. Natürlich sind die Schandtaten, die, wenn sie aufgedeckt werden, als Einzelfälle bezeichnet werden, in Wirklichkeit strukturelle Elemente des Systems und finden unter der Kontrolle oder Aufsicht verschiedener staatlicher Beamter und Funktionäre, der „Korrupten“ und derjenigen statt, die sie passiv dulden, um ihre Position oder Karriere nicht zu gefährden.

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