Posts Tagged ‘Texte von Gefangenen’

[USA] Brief von Eric King über “dry snitching” aus dem Knast

Monday, July 16th, 2018

Quelle: support eric king, übersetzt von ABC Wien

“Bevor ich ins Gefängnis kam hatte ich den Begriff „dry snitching“ noch nie gehört, aber das Konzept ist ziemlich klar, es ist ein indirektes verpfeifen. „Dry snitching“ bedeutet jemanden auf indirekte Art und Weise zu verraten. Das klingt vielleicht so, als wäre es keine große Sache, aber glaub mir wenn ich dir sage, „dry snitching“ wird dich verletzen, es ist verdammt beschissen. Wenn du das tust, bist du ein*e Verräter*in.

Sagen wir mal, du hast verbotenerweise ein Kissen in deiner Zelle und die Schweine nehmen dir, aber niemandem sonst, das Kissen weg. Du bist daraufhin wütend und motzt die Cops an „Jeder hier hat ein Kissen – warum nehmt ihr nur meins weg?“ Dann war das „dry snitching“. Oder ein Cop sucht nach einem Besen und du sagst ihm ganz ahnungslos „oh der ist in Joe’s Zimmer…“ – es klingt harmlos aber wer weiß, was sonst noch in dem Raum ist und du hast den Cop gerade dorthin geschickt.

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[UK] Brief von Sven aus dem Gefängnis

Monday, July 16th, 2018

Quelle: free sven, übersetzt von ABC Wien

“Liebe Freunde,

Zuerst möchte ich mich bei allen für den Support, den ich seit meiner Verurteilung im Januar erhalten habe, bedanken. Es ist ein tolles Gefühl, nachdem ich sechs Jahre warten musste, endlich mit meinem Leben weiterzumachen. Obwohl ich im Gefängnis bin, versuche ich das Beste daraus zu machen.

Die Post die ich bekomme, rettet mich über den Tag und hilft mir, meine Verbindung zur Außenwelt nicht zu verlieren. Falls ihr noch keine Antwort auf euren Brief erhalten habt, geduldet euch noch ein wenig – ich habe noch immer einen großen Stapel mit Briefen, die ich beantworten werde. Ich versuche meinen Tag zu strukturieren und beschäftigt zu bleiben. Viermal die Woche habe ich Kunstunterricht und ich genieße es wirklich, zeichnen und malen zu lernen. Den Rest meiner Zeit verbringe ich mit Lesen, dem Beantworten von Briefen, Workout in der Zelle, Yoga und Meditation. Es gibt hier im Gefängnis einen wöchentlichen Yoga-Kurs, was ich wirklich toll finde.

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[USA] 28. Juni 2018: zweiter internationaler Tag der Solidarität mit Eric King

Friday, June 29th, 2018

Quelle: support eric king

Am 28. Juni 2016 wurde er zu 10 Jahren Knast verurteilt und nun, 2 Jahre später, teilt er seine Geschichte über die Aktion, die ihn dorthin brachte. Wir hoffen, dass ihr alle mit uns feiert und Solidarität zeigt und unserem Freund schreibt, Bücher schickt, seine Geschichte weitererzählt oder Soli-Veranstaltungen organisiert.

Danke für euren anhaltenden Support!

http://Supportericking.org

„Kansas City ist im Sommer ein schöner Ort. Es ist so heiß, dass du spürst, wie deine Lunge bei jedem Atemzug schmilzt, und es ist dämmrig genug, dass die Sterne immer noch durch die Lichter der Stadt scheinen. Als ich zum Büro des Kongressabgeordneten Cleaver ging, fielen sie mir auf: die Sterne, ganze 12 Stück, die mich auf meiner Reise begleiteten.

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[Deutschland] Statement von Isa aus dem Knast von Moabit

Friday, June 29th, 2018

Quelle: indymedia

Hallo.

Mit diesen ersten Worten aus dem Knast grüße ich alle unsere Freunde und ich f**** unsere Feinde.

Am Montag habe ich Post von der Richterin bekommen. Ich soll an Händen und Füßen gefesselt in den Gerichtssaal gebracht werden – notfalls auf einer Liege. Außerdem haben Zeugen vom Gericht Anwälte beigeordnet bekommen. Ich werde im Gerichtssaal in einen Käfig gebracht, der mit Plexi-glas verkleidet ist. Alle hier im Knast sagen, dass nichtmal Mörder so behandelt werden. Ich denke, von mir soll das Bild eines Monsters geschaffen werden. Das ist eine Art Vorverurteilung und passt zu der Strategie des Staatsanwalt Fenner und der Polizei, die von Anfang an mit diesem Bild gear-beitet haben.

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Donnerstag, 28.06.2018 ABC Schreibwerkstatt

Wednesday, June 27th, 2018

Weil Gefangene leider nicht verreisen können und Solidarität gerade in Zeiten wie diesen noch wichtiger ist gibts auch morgen wieder die monatliche Schreibwerkstatt mit ABC Wien.

18-20Uhr | ekh | wielandgasse 2-4| 1100 wien | hofbar&fug essen ab 18Uhr

Seit Ende Jänner 2017 findet regelmäszig die ABC-Schreib- werkstatt statt. Wir finden es wichtig unseren GenossInnen /GefährtInnen Solidarität zu zeigen und sie wissen und spüren zu lassen, dass sie weder alleine noch vergessen sind. Deshalb wollen wir zusammen an Gefangene schreiben und unsere Erfahrungen und unser Wissen austauschen.

Am Anfang jeder Schreibwerkstatt werden wir kurz über einzelne Gefangene berichten.

Für vegane Snacks und Getränke ist gesorgt.

Solidarität ist eine Waffe!

[Deutschland] Thomas Meyer-Falk: “Neuigkeiten aus Freiburgs Sicherungsverwahr-Anstalt”

Monday, June 25th, 2018

Quelle: freedom for thomas

Vor einigen Monaten berichtete ich über einen Insassen der sich die Versorgung mit Cannabis einklagen möchte, mittlerweile liegt ein zweiter Beschluss eines Gerichts vor; ausserdem soll es um Berichte gehen, die die Bediensteten nach sogenannten Ausführungen fertigen. Wo mitunter jede Regung beobachtet und schriftlich niedergelegt wird.

 

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[Deutschland] Gegen Knast, Staat und Patriarchat!

Tuesday, May 22nd, 2018

Quelle: Indymedia

Um unsere Solidarität mit Gefangenen auszudrücken, sind wir als Gruppe aus circa 15 Personen am 10.05.2018 zum Frauenknast in Neukölln gelaufen und haben dort eine unangemeldete Kundgebung abgehalten. Wir haben vorher Redebeiträge und Briefe von Gefangenen eingesprochen, die sich mit dem Dasein als Gefangene, aber auch mit dem Knast als allgemeines Instrument der Herrschenden auseinandersetzen und diese vor Ort mittels einer Box abgespielt.

Da “Christi Himmelfahrt” als staatlicher Feiertag fungiert, war uns klar, dass auch die Personen im offenen Vollzug an diesem Tag im Knast sitzen müssen. Einige Gefangene haben Kontakt zu uns aufgenommen, indem sie uns politische Botschaften und Parolen gegen den Staat und die Knäste zugerufen bzw. mitgerufen haben. Ein paar von ihnen haben die Redebeiträge aufmerksam verfolgt und mittels Nicken und Fäuste durch die Gitter strecken, kommentiert. Dieser kollektive Moment wurde erst durch die Kettenhunde der Berliner Polizei beendet, die nach etwa 25 Minuten anrollten, aber nur noch unsere Flyer vorfanden. 

Der Knast befindet sich in der Neuwedeller Straße, Ecke Kopfstraße und ist eine sogenannte Teilanstalt der JVA für Frauen in Berlin, in der sich neben dem offenen Vollzug auch eine sozialtherapeutische Abteilung befindet. Die Frauen müssen / dürfen in der Regel tagsüber zum Malochen raus und sind den restlichen Tag im Knast. Es ist der letzte Schritt zur angeblichen Resozialisierung in die kapitalistische Welt. Auch wenn wir uns natürlich darüber im Klaren sind, dass ein offener Vollzug für die jeweilige Person mehr Privilegien mit sich bringt, als der Geschlossene, ist auch er ein wichtiger und nicht weniger repressiver Teil des Knastsystems. Jedes Privilig bedeutet eben auch den potentiellen Entzug dessen, es macht die Gefangenen erpressbar und provoziert Konkurrenz und Denunziation. Zudem zwingt der offene Vollzug alle, die ihn “genießen”, sich jeden Tag auf’s Neue selbst einzusperren und demütig hinter die Mauern zurückzukehren. Durch den Knast soll jegliche Abweichung, jegliches Ausprobieren von Grenzen, jegliches Brechen mit dem kapitalistischen Normalzustand und jeder hausgemachte Konflikt, den diese Gesellschaft hervorbringt, wie Armut, Verzweiflung und Ausweglosigkeit, weggesperrt werden. Die Frauen trifft es dabei besonders hart, da sie zusätzlich von patriarchaler Gewalt und Ausbeutung betroffen sind. Dies ist daher auch oft ein Grund, warum sie im Knast sitzen. Die gesellschaftlichen Probleme werden durch den Knast nicht gelöst, sondern sollen von der Straße und aus dem Blickfeld verschwinden. 

Abschließend möchten wir noch aus einem Text zitieren, den unsere Genossin Lisa geschrieben hat. Sie sitzt zur Zeit in der JVA Willich II ein, ihr wird vorgeworfen an einem Bankraub in Aachen beteiligt gewesen zu sein: “Das Knastsystem steht nicht ausserhalb der Gesellschaft, sondern ist ein fundamentales Element von ihr ohne die der Staat und sein Herrschafts- und Unterdrückungssystem gar nicht existieren könnte. Es wird mit Strafe und Knast gedroht, damit sich die Menschen in diese miserable Welt einfügen, bloss nicht über ihre vorgesehenen Grenzen hinausschreiten und sich selbst kontrollieren und zähmen sollen, ansonsten eben eingesperrt werden. Ständig wird von der Gefährlichkeit von Sexual- und Gewaltverbrechen gesprochen, das ganze Bestrafungssystem damit gerechtfertigt und die Gesellschaft eingeschüchtert. Dabei sitzen die meisten Gefangenen wegen Geld-, Wirtschafts-, und Eigentumsdelikten und genau das wird geahndet, besonders hart wenn es um Eigentum der Reichen und Mächtigen geht. Viele Gefangene kommen aus ärmsten und miesesten Verhältnissen und versuchen einfach ein etwas würdevolleres Leben führen zu können.” 

Knäste zu Baulücken!

Freiheit für Isa, Nero, Michal, Lisa, Thomas, Andreas und alle anderen Gefangenen!

[Deutschland] Thomas Meyer-Falk: “Wieviel Mitgefühl mit jemanden, der mal im Knast gearbeitet hat?”

Wednesday, May 9th, 2018

Quelle: freedom for thomas

Kürzlich berichtete ich über den Tod einer ehemaligen Gefängnispsychologin https://freedomforthomas.wordpress.com/2018/04/19/susanne-preusker-hat-s… . Da es zu kritischen Rückmeldungen kam, diese Ergänzung zu meinem Beitrag vo April 2018. Der Text sei missverständlich für Menschen die mich nicht kennen würden, hieß es; insbesondere könne man ihn so lesen, als würde ich klammheimliche Freude über die Vergewaltigung oder den Suizid der ehemaligen Gefängnispsychologin empfinden.

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[Deutschland] Brief von Andreas Krebs über verweigerte ärztliche Behandlung, Gewalt unter Gefangenen und den Alltag in der JVA Burg

Sunday, April 22nd, 2018

Quelle: indymedia, dort veröffentlicht am 07. April 2018

Nun sind es fast 3 ½ Monate seit meiner Zwangsverschleppung durch das SEK aus meiner Zelle in der JVA Volkstedt. 3 ½ Monate bin ich nun hier in Burg und meine Zeit geht nun langsam dem Ende zu bis zur Auslieferung. Je näher der Tag kommt, je nervöser und depressiver mit vielen Ängsten verbunden werde ich. 3 ½ Monate wurde ich jedes mal, wenn ich die Station wegen irgendetwas verlassen musste, ob Besuch oder sonstiges, von mehreren Beamten begleitet, egal wohin es ging. Selbst bei vertraulichen Arztgesprächen in der Krankenstation waren sie mit anwesend und hatten mich immer im Auge. Auf der Station kann ich mich zwar frei bewegen,aber ich weiß und merke, dass ich nach wie vor ganz genau beobachtet werde. Wenn ich während der Aufschlusszeiten mich einmal Tage lang nicht blicken lasse, weil ich ohnehin mit fast allen Gefangenen nichts anfangen kann (dazu gleich mehr), dann kommt schon mal jemand aus dem Dienstzimmer und erkundigt sich nett und höflich, ob alles in Ordnung wäre und es mir gut geht. Natürlich wissen sie auch, dass ich körperlich wie auch von meiner Psyche angeschlagen bin.

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[Deutschland] Text von Thomas Meyer-Falk: “Anna Campell ist in Afrin gestorben”

Sunday, April 22nd, 2018

Quelle: freedom for thomas, dort veröffentlicht am 10. April 2018

Immer dort wo Menschen sterben, werden so viele Träume heimatlos, und dies gilt umso mehr, wenn Menschen, die für Freiheit kämpfen, dafür ihr Leben zu geben bereit sind.

Viele Jahre hatte ich Briefkontakt zu Anna, sie lebte in Großbritannien und war unter anderem bei abc (anarchist black cross) aktiv. Zu Anfang schrieb sie mir unter einem Alias-Namen, Daisy, seit 2015 dann als Anna.

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