Posts Tagged ‘Ausnahmezustand2020’

Notizen des Seucheninstinkts [Note epide(r)miche]

Mittwoch, März 25th, 2020

Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org

italienisches Original: finimondo.org

Sein Name ist mir letzte Woche buchstäblich in den Sinn gekommen. Ich war unterwegs, um Brot zu holen, und als ich in der Bäckerei ankam, zählte ich instinktiv diejenigen der Kunden, die dort ein- und ausgingen, die die Maske trugen. Dort ist mir das passiert. Mir wurde plötzlich klar, dass ich gerade die Zählung des deutschen Philologen Victor Klemperer, eines Zeugen und Gelehrten des Aufstiegs des Dritten Reichs, wiederholt hatte: “Unsere Moral ändert sich von Tag zu Tag. Wir zählen, wie viele Menschen in den Geschäften “Heil Hitler!” und wie viele “Guten Morgen” sagen. Gestern sagten in der Bäckerei fünf Frauen “Guten Morgen” und nur zwei “Heil Hitler”: Die Moral steigt. Heute, in der Metzgerei, sagten alle: “Heil Hitler”… die Moral geht unter.” Ich gebe zu, dass ich genau in diesem Moment ein Frösteln im Nacken verspürte.

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Modena – Einige Aktualisierungen zur Revolte und Repression

Montag, März 23rd, 2020

Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org

Seit dem Inkrafttreten der Notverordnung zur Eindämmung der Ansteckung mit dem Virus hat die Wut in den Gefängnissen nicht lange auf sich warten lassen.
Tatsächlich wurde das Besuchsverbot, das in einigen Gefängissen bereits in Kraft war, auf alle Gefängnisse ausgedehnt.
Es würde sehr lange dauern, alle 27 Gefängnisse aufzulisten, in denen Unruhen ausbrachen. Revolten, die zu mehr oder weniger vorübergehenden Umwälzungen der Gefängnisrealität geführt haben (die auf nichts anderes als die Vernichtung und Entpersönlichung des Individuums abzielt): Gefängnisse und Einrichtungen für die Wärter in Flammen, besetzte Strukturen, Gefangene auf den Dächern, Umkehrung der Wärter – Gefangenen Rollen mit der Geißelnahme ersterer, verbrannte Dokumente, versuchte und erfolgreiche Fluchten.

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Einzelfälle

Montag, März 23rd, 2020

Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org

Auf der Seite der Unterdrückten Zahlenspiele zu machen, ist ein risikoreiches Unterfangen, man läuft Gefahr dabei, sich zurückzulehnen, die Arme vor dem eigenen immer fetter werdenden Wanst zu verschränken und sich in seiner eigenen Eitelkeit und “Ich habs euch ja gesagt” Mentalität zu verstecken. Ein jeder findet genug Gründe sich mit etwas unangenehmen abzufinden. Jeder trägt sein Schärflein bei zum Status Quo. Eines jeden Handlung oder nicht Handlung ist mitentscheidend, für die Entwicklung der Geschehnisse. Sich Im letztlich freiwilligen Hausarrest zu befinden, lädt einen geradezu dazu ein, sich in Texten, Büchern und der virtuellen Welt zu verschanzen und so zu tun, als könnte man nichts tun als warten, warten, bis eine kritische Masse erreicht ist, welche der Herrschaft “zuviel” wird uns sie “aus eigenen Stücken” entscheidet, die Welt wieder “Normal” werden zu lassen. Aber von welchem Normal reden wir hier eigentlich? Es gibt nie einen Weg zurück, den hat es niemals gegeben, jeden Tag trifft man bewusst, oder unbewusst Entscheidungen, auch sich die Wampe vollzufressen und sich zuzudröhnen, sei es in der virtuellen, derealisierten Welt, dem eigenen derealisierten Dasein, oder über ebenso derealisierende Substanzen oder eben Kohlenhydraten. Die Grenzen verschwimmen sehr leicht. Man kann nicht warten bis genug Einzelfälle passiert sind, wie am 18.März in Via Lucio Petrone in Salerno (Kampanien), wo sich eine 52 jährige alte Frau das Leben nahm indem sie vom Balkon sprang, Mutter von zwei Kindern, angeblich mit einem leichten Zustand der Depression, was auch immer das heissen mag. Weiters schreibt die Zeitung, soweit man diesen Aasgeiern vertrauen will, dass sie Besessen war von der Angst sich vom Corona-Virus anzustecken, bis sie ihrer Angst nachgab und sich umbrachte. Sie wird lapidar als “Corona – Opfer”, wenn auch “indirekt” geführt. Der Zynismus der Speichellecker der Herrschaft kennt keine Grenzen.

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An die Krone gekettet [Enchaînés à la couronne]

Samstag, März 21st, 2020

Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org

“Die furchterregendste Tyrannei ist nicht die, die den Anschein von Willkür erweckt, sondern die, die mit der Maske der Legalität bedeckt zu uns kommt. »

A. Libertad, 1907

Angesichts der sich weltweit ausbreitenden Covid-19-Epidemie und der drastischen Maßnahmen, die von China bis Italien nacheinander folgen, stellt sich als erstes die Frage, wer zwischen der Henne der Autorität und dem Ei der Unterwerfung derzeit den größten Schaden anrichtet. Diese abrupte staatliche Beschleunigung von Kontrollen, Verboten, Schließungen, Militarisierung, Verpflichtungen, Medienbombardierungen, roten Zonen, Priorisierung von Toten und Leiden, Beschlagnahmungen, Einsperrungen aller Art, die typisch für jede Kriegs- oder Katastrophensituation sind, fällt nämlich nicht vom Himmel. Sie gedeiht auf einem Terrain, das weitläufig durch den sukzessiven Verzicht der tapferen Untertanen des Staates auf jegliche formelle Freiheit im Namen einer illusorischen Sicherheit gepflügt ist, aber sie gedeiht auch durch die allgemeine Entmachtung jedes Aspekts unseres Lebens und durch den Verlust der autonomen Fähigkeit des Einzelnen, an eine völlig andere Welt als diese zu denken.

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Wertlos [In corpore vili]

Samstag, März 21st, 2020

Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org

“Der Zweck des Terrors und seiner Taten ist es, die Anpassung der Menschen an sein Prinzip auf vollständige Art zu erpressen, so dass auch sie letztlich nur einen Zweck erkennen: den der Selbsterhaltung. Je mehr Menschen skrupellos ihr eigenes Überleben im Blick haben, desto mehr werden sie zu psychologischen Marionetten eines Systems, das keinen anderen Zweck hat, als sich selbst an der Macht zu halten”.

Leo Löwenthal, 1945

Hier sind wir also. Vor einigen Stunden wurde der landesweite Gesundheitsnotstand ausgerufen. Eine praktisch totale Sperre. Halbverlassene Straßen und Plätze. Verboten – das Haus ohne einen von den Behörden als gültig erachteten Grund zu verlassen (von wem? aber natürlich von den Behörden). Verboten – sich zu treffen und zu umarmen. Verboten – jegliche Initiative zu organisieren, die auch nur ein Minimum an menschlicher Präsenz (von Parteien bis hin zu Kundgebungen) vorsieht. Verboten – einander zu nahe zu sein. Aussetzung jeglicher Geselligkeit. Die Ermahnung, soviel wie möglich im Haus eingeschlossen zu bleiben und sich In Erwartung von Neuigkeiten an ein elektronisches Gerät zu klammern. Die Verpflichtung zur Befolgung von Direktiven. Die Verpflichtung, immer eine “Selbstzertifikat” (Passierschein) mitzuführen, das die eigenen Bewegungen rechtfertigt, auch wenn man zu Fuß geht. Für diejenigen, die sich solchen Maßnahmen nicht unterwerfen sollten, gibt es Sanktionen, die Festnahme und Inhaftierung bedeuten kann.

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