[Deutschland] Brief eines Gefangen über die Revolte in der JVA Tegel im SothA

Quelle: Brief eines Gefangenen an abc wien

Wir haben als Antwort auf einen Artikel der Gefangenengewerkschaft über die Revolte in der JVA Tegel, abgedruckt in der Bruchstellen #40, einen Brief eines Gefangenen bekommen, den wir hier veröffentlich möchten:

“Ich las ihren Bericht wegen dem Aufstand in der JVA Tegel im SothA-Bereich [Anm.: Sozialtherapeutische Anstalt] und las nicht den wahren Grund, warum ich mich jetzt zu Wort melde. Es sammelte sich immer mehr Wut in den Inhaftierten durch einen bestimmten Beamten mit dem Namen Asslan. Wir im SothA-Bereich waren Kontrollen gewöhnt, aber nachdem der Beamte Asslan von der TA2 in die SothA verlegt wurde fing der ganze Stress an. Der Beamte wurde auch wegen Stress mit den Gefangenen und Drohungen durch die Inhaftierten aus Schutz verlegt.

Es fing damit an, dass der genannte Beamte anfing unsere Post komplett durchzulesen, nicht wie im Gesetz steht, dass Beamte unsere Post nur überfliegen dürfen (außer bei einer eingetragenen Überprüfung). Darauf erwiderte der genannte Beamte immer nur: „Mir egal, ich bin das Gesetz“.

Der Beamte sagte einen auch vor anderen Gefangenen was in deinem Brief stand, unter anderem öffnete er auch Verteidiger-Post, was nach dem Gesetz verboten ist.

Wenn dem Beamten irgendwas nicht gepasst hat, fing er auch an Inhaftierte zu beleidigen oder mit Schlägen zu drohen. Wenn es durch die Psychologen zu einem klärenden Gespräch kommen sollte, kam von dem Beamten immer dieselbe Antwort: „Ich habe mich auf das Niveau der Gefangenen runter gelassen“. Als Antwort darauf kam von den Psychologen immer nur ein „Du, Du“ und danach ging es aber wieder so weiter wie davor.

Seit seiner Ankunft in der SothA auf Station 2 wollte er uns wie Tiere behandeln, da wir uns nicht alles von ihm gefallen lassen haben.

Bei Zellenkontrollen hatte der Beamte keinen Respekt vor unserem Eigentum, wenn er bei einem Gefangenen eine Steckdose in der Zelle fand, die es offiziell beim Einkauf zu kaufen gab, fing er an den Inhaftierten unter Druck zu setzen, wo von ihm das Handy sei. Wenn man bei dem Beamten glücklich rüberkam, fing er gleich an eine UK (Urinkontrolle) anzuordnen, durch den Verdacht auf Drogenkonsum. Bei der Urinkontrolle war man gewöhnt, dass ein Beamter in einem an der Wand neben dem Klo angebrachten Spiegel schauen konnte, dass man nicht betrügt. Doch der Beamte schaute einem direkt über die Schulter. Wenn man verständlicherweise nicht pinkeln konnte, ging der Beamte gleich darauf in die Zelle und stellte sie komplett auf den Kopf, ohne darauf zu achten, was kaputtgeht. Er behauptete darauf, dass man mit Absicht nicht gepinkelt hat, da man Drogen konsumiert haben soll.

Wenn er einen auf dem Kieker hatte, machte er auch bei dem Gefangenen vier Mal am Tag eine komplette Zellenkontrolle.

Die Praktikanten, die schon ein bisschen bei uns arbeiteten, haben uns am Anfang wie Menschen behandelt, doch wo sie dann eine Weile mit dem genannten Beamten unterwegs waren, veränderten sich die Praktikanten und wurden sehr eklig zu uns und sahen uns auch mit anderen Augen.

An dem Tag der Randale im SothA-Bereich war der genannte Beamte im Dienst und den ganzen Tag mit einem anderen Beamten auf Station 2 unterwegs. Sie kontrollierten alle Räume acht Mal an diesem Tag und fanden dabei fünf Handys. Der Beamte provozierte uns mit dem Fund so lange, damit man aggressiver wurde, darauf beleidigte der Beamte auch welche und drohte manchen Gefangenen auch mit dem Rausschmiss aus dem Sotha-Bereich, wenn wir nicht unsere Fresse halten. Das reichte verständlicherweise manchem Inhaftierten worauf sich manche zu einer zusammen taten, damit diese ganze Sache endlich mal ein Ende finden sollte.

Am Abend wurde auf der Station 2 alle Fenster im Toilettenbereich und die Decke kaputtgeschlagen und im WC die Mülleimer angezündet, dadurch war im ganzen WC-Bereich alles voller Glasscherben und durch den Brand waren Fliesen mit angeschmolzen. Auf der Station wurden unter anderem die Decken zerstört und auch die Fenster zum Büro oder die Fenster in unserer Stationstür – auf der ganzen Station oder auch davor lag alles voll mit Glasscherben.

Der ganze Frust war für manchen Gefangenen nicht auszuhalten gewesen und sie wollten den Beamten zeigen, dass sie zu weit gegangen sind. Die Strafe für die Randale war, das wir erstmal unsere Station nicht verlassen durften, die Stationstüren wurden die ganze Zeit geschlossen gehalten und es fand ein Gespräch mit dem Hausleiter statt, der die Aktion als Kindergartenaktion sah und die Station noch ein paar Tage geschlossen ließ. Was eigentlich sogar ganz entspannt war, da einzige was störte war, dass wir nicht zum Kraftsport gehen durften. Daher war auf der Station 2 auch eine geladene Stimmung, zwischen Beamten und Gefangenen. Für uns Inhaftierte ist der Kraftsport wie ein Ventil, zum einfach mal abzuschalten und uns auspowern zu können.

Als die Türen wieder geöffnet wurden, beruhigten sich auch wieder die geladene Stimmung.

Meine Meinung ist, dass auch Beamte uns mit Menschlichkeit behandeln sollten, auch wenn wir Straftaten begangen haben, denn dafür haben wir ja vom Gericht unserer Strafen schon erhalten. Und dass auch die Gefangenen ein bisschen Respekt verdient haben und man auch ein bisschen Respekt vor unserem schon eingeschränkten Eigentum haben sollte.

Nicht wie manche Beamte, die in einem Fall bei einer Zellenkontrolle eines Gefangenen das Foto seines verstorbenen Kinds und das T-Shirt des Sohns auf den Boden geworfen haben und über die Sachen gelaufen sind, so dass auf dem T-Shirt wie auch auf dem Foto Abdrücke von Schuhen drauf waren. Oder wie in einem anderen Fall, als die Beamten bei einer Kontrolle alle privaten Fotos des Gefangenen zerrissen und sein ganzes Zeug auf den Boden geschmissen haben, alles lag rum, die zerstörten Fotos, Gewürze und Getränke die ausgelaufen sind, so dass der Inhaftierte alles wegschmeißen musste.

Beamten sollten das machen, was sie in ihrer Ausbildung lernen, dass sie sich nicht provozieren lassen oder es selbst machen und sich auf das angeblich schlechte Niveau der Inhaftierten runterlassen. Beamte sollen keine Gefangenen bedrohen oder sogar seine Familie beleidigen dürfen, sonst wird es immer wieder Stress zwischen Beamten und Gefangenen geben, oder auch Schlägereien.

[…]

Mit genervten Grüßen

Kalito”

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