[Italien] Neuste Infos von Andreas Krebs aus Neapel, Italien

Quelle: soliblog für andreas krebs

Im Moment hat Andreas, nur weil er eine Zelle mit weniger Menschen wollte, 23:40 Einschluss und 20 Minuten Aufschluss. Andreas Gesundheitszustand wird immer kritischer, seit einiger Zeit leidet er an Nierenversagen und scheidet beim Urinieren, deutlich sichtbar, Blut aus. Dazu kommen jetzt noch neurologische Probleme dazu. Durch die starken Bewegungseinschränkungen, die der Knast mit sich bringt, sind starke Wassereinlagerungen in den Beinen und Armen entstanden. Diesen Schmerzen kann Andreas kaum noch standhalten. Und die Reaktion von Seite des Knastes ist, ihm wahllos Medikamente zu geben, so das er kürzlich (wie berichtet) zwei Tage in Ohnmacht fiel. Der Arzt macht jedoch nichts weiter, außer eine Medikamentenunverträglichkeit zu bescheinigen. Es gab keine weiteren Untersuchungen. Es interessiert dort offensichtlich keinen Menschen, wie es den Inhaftierten geht.

Eine weitere Nebenwirkung der falschen Medikamentierung ist, dass Andreas unter starker Vergesslichkeit leidet. So konnte er sich beispielsweise nicht mehr an Herr Besken aus der Botschaft erinnern, welcher ihm mehrere Dokumente übergab. Auch stelle ich bei unseren Telefonaten immer mehr Sprachaussetzer fest. Das kann nur von den falschen Medikamenten und dem harten Knastalltag kommen, denn ich kenne Andreas als wissbegierig und gebildet, er konnte sich während seiner Zeit außerhalb vom Knast gut artikulieren und verfügte über ein ausgezeichnetes Gedächtnis.

Am 30.7 habe ich die deutsche Botschaft in Italien informiert, aber dort wird natürlich kein Finger gerührt. Die einzige Möglichkeit, diese miserablen Lebensbedingungen zu verändern, scheint direkter Protest durch die Gefangenen selbst zu sein. Zumindest dürfte dies die Schlussfolgerung der Gefangenen eines Knastes in Poggioreale (auch Neapel) gewesen sein, welche gerade im Moment mit einem Hungerstreik für bessere gesundheitliche Bedingungen kämpfen.

Andreas würde gerne selbst so viel an Alle in der Welt schreiben, aber leider ist er im Moment durch die zugefügten Torturen im Knast eingeschränkt, also psychisch wie auch physisch so kaputt, dass er es imMoment nicht schafft. Wir telefonieren einmal in der Woche 10 Minuten, mehr ist nicht erlaubt. Er hat mich gebeten, von einem Mann aus Afrika zu berichten, der im Juli in Haft kam. Der junge Kerl, ca. Anfang 20, wurde im Haftraum sofort von einigen italienischen Gefangenen angegriffen, besser gesagt zusammengetreten. Als Andreas einschreitet, kamen gleich Angestellte und holten den Mann raus. Andi dachte zuerst, dass die zum Glück helfen und einschreiten, aber was er dann sah, glaubte er nicht; anstatt zu helfen, schlugen und traten die Schweine auch auf den jungen Mann ein. Zwei Tage später sah mein Mann den Afrikaner nicht mehr. Ein anderer Vorfall als Beispiel für rassistische Gewalt, ist ein Neuzugang von einem polnischen Bürger, welcher wegen mehreren Messerstichen u.a. in den Hals jetzt im Krankenhaus liegt.

Zum Schluss will ich noch ein paar Worte von Andi zitieren:

„Bitte vergesst nicht, auch wir leben noch!! Auch wenn wir vegetieren
und Stück für Stück eingehen, bleiben wir stark, für alle die uns lieben
und uns respektieren!!
An alle in Haft lebenden, bleibt stark und glaubt an Euch.
Danke an alle, die uns in unserem Kampf unterstützen.

In Gedanken, euer Andi.“

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