[Deutschland] Unser Streben nach Freiheit ist stärker als jeder Knast – ABC Leipzig

Quelle: indymedia

[english version below] Wir sind eine autonome anarchistische Gruppe, die gegen die Knastgesellschaft kämpft. Wir wollen Solidarität mit Gefangenen und von Repression betroffenen Menschen schaffen bzw. stärken und suchen nach einem anderen Umgang mit Konflikten, anstelle des Justizsystems.

Seit unserer Gründung vor etwa einem Jahr waren wir in einen Prozess, um zu klären was wir tun wollen und haben unsere Unterstützungsstruktur aufgebaut. Nun fühlen wir uns bereit, öffentlich aufzutreten und ein paar Worte über uns und unsere Ideen zu schreiben, und wie wir von Repression betroffene Menschen unterstützen wollen.

Als Anarchist*innen kämpfen wir für eine Welt ohne Staat, Grenzen, Autoritäten und jede Art von Herrschaft. Also wollen wir eine Gesellschaft ohne Bullen, Regierung und Gesetze, in der wir in Freiheit leben können. Wir suchen nach Wegen, um Konflikte und Gewalt zwischen Menschen selbstorganisiert zu lösen und zu bekämpfen – individuell und kollektiv.

Institutionen wie Polizei und Justizsystem, die uns wegen Gesetzesbrüchen verfolgen, basieren auf Gewalt und Unterdrückung. Gesetze – durch Staaten nach einer kapitalistischen Logik definiert – verurteilen ‚Straftaten‘ (z.B. Handlungen aufgrund von Armut, Drogenkonsum oder staatsfeindliches Handeln), aber nicht Gewalt und Grenzüberschreitungen zwischen Menschen und Lebewesen, wie z.B. Abschiebungen, Waffenhandel, Umweltzerstörung.
Wir – als Menschen und Gemeinschaften – können selbst definieren, was Grenzüberschreitungen und Gewalt sind. Wir sollten gemeinsam dafür die Verantwortung übernehmen, und diese nicht den Vollzugsorganen (Bullen), dem Staat oder dem Justizsystem überlassen. Folglich lehnen wir auch Knäste als Form der Strafe und Herrschaft ab. Wir wollen andere Wege finden, um mit Konflikten zwischen Menschen und Lebewesen umzugehen.

Um es deutlich zu machen: wir wissen, dass der Staat nicht ohne Knäste oder andere, weniger offensichtliche, Formen der Einsperrung bestehen kann. Wir wollen keine längeren Ketten oder “gerechtere” Arten der Bestrafung. Die Welt, die wir ersehnen, kann nur aus der Asche des Bestehenden hervorgehen – auch wenn wir bereits einige positive Vorschläge in unseren Herzen tragen, die wir im Hier und Jetzt erproben.

Leider bedeutet für viele von uns, in einer solchen Welt zu leben, früher oder später von Repression betroffen zu sein oder im Knast zu landen. Besonders für diejenigen, die gegen die kapitalistische, patriarchale, rassistische und staatliche Unterdrückung, tägliche Gewalt und Misshandlung kämpfen oder die einfach nicht in normative Kategorien der Gesellschaft passen (z.B. aufgrund ihres Gender, ihrer Sexualität, Lebensweise…)
So versucht der Staat und als Widerstandsbewegung zu bekämpfen, uns klein zu machen, unseren Mut zu brechen und uns vom Rest zu isolieren. Repression und vor allem Knäste sind machtvolle Werkzeuge um Abweichungen anzupassen, um Angst zu machen und unseren Kampf zu brechen.

Als Anarchist*innen und Rebell*innen gegen diese Gesellschaft, finden wir es wichtig uns in solchen Situationen gegenseitig zu unterstützen. Eine effektive Waffe gegen den Staat, Unterdrückung und Repression, ist zusammen zu halten und die Herrschaft gemeinsam zu bekämpfen in dem wir uns gegenseitig unterstützen.
In einem Wort, bedeutet das für uns Solidarität zu schaffen!

Um zu klären wen wir unterstützen, müssen wir zuerst die Verhältnisse analysieren die zur Gefangenschaft führen. Die gegenseitige Bedingung von Gefangenschaft einerseits und unterschiedlichen Formen von Diskriminierung sowie Machtstrukturen in der Gesellschaft andererseits, ist die Hauptursache dafür, dass vor allem marginalisierte Menschen im Knast sind. Uns ist es wichtig die Auswirkungen eines kapitalistischen, patriarchalen, rassistischen Systems zu verstehen, also dass die meisten Gefangenen solche sind, die Diskriminierungen erfahren und viele inhaftiert sind, weil sie Schwarz, queer, trans, sozial ausgegrenzt oder arm sind. Deshalb wollen wir alle Gefangenen unterstützen. Wir lehnen die Unterscheidung in ‚politische‘ und ‚soziale‘ und andere Gefangene ab.
Trotz allem sind die meisten Gefangenen mit denen wir in direktem Kontakt stehen Anarchist*innen und Menschen mit denen wir Affinitäten haben. Gleichzeitig unterstützen wir keine Menschen, deren Handlungen im Widerspruch zu unseren Ideen von Solidarität, Gleichberechtigung und Anarchie stehen.
Da wir den Bullen und dem Justizsystem feindlich gesinnt sind, lehnen wir jede Kooperation mit diesen ab und wollen Menschen, die von Repression betroffen sind, darin bestärken das selbe zu tun.

Wir wollen vor allem mehr Aufmerksamkeit auf die Themen Knast und Repression lenken. Unsere vorrangigen Tätigkeiten sind das Sammeln von Soli-Geldern für verschiedene Repressionsfälle und das Informieren darüber, wie mensch Gefangene unterstützen kann. Wir finden es wichtig Briefe mit Gefangenen zu schreiben, wozu wir auch Menschen ermutigen wollen, da es eine sehr wichtige und direkte Form der Solidarität ist, die Isolation bricht und einen wichtigen Austausch ermöglicht.

Ihr könnt uns gern im Fall von Repression oder anstehender Haft kontaktieren, wenn ihr Infos und Unterstützung braucht. Wir werden dann mit euch die Möglichkeiten von finanzieller und juristischer Unterstützung besprechen und können euch beraten. Bitte nutzt E-Mail-Verschlüsselung, um uns zu kontaktieren!
Falls ihr noch keine Verschlüsselung nutzt, schreibt uns bitte nur eine kurze Mail ohne viele Infos über euch und euren Fall, für eure eigene Sicherheit. Wir werden versuchen eine Lösung zu finden.

Anarchist Black Cross Leipzig

abcleipzig.noblogs.org
abc-leipzig@paranoici.org

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*Our passion for freedom is stronger than any prison – ABC Leipzig*

We are an autonomous anarchist group fighting against this prison society. We want to establish and strengthen solidarity for prisoners and people facing repression and discuss about alternatives to the legal system in order to deal with conflicts.
Since we found our group one year ago, we were in a process of defining what we want to do and established our support stucture. Now we feel ready to appear in public and write some words about us, our ideas and how we want to support people.

As anarchists we fight for a world without states, borders, authorities and any kind of oppression. Thus we want a society without police, government and laws where we can live in freedom. We seek for ways to solve conflicts and violence between people in self-organised ways – individually and collectively.

Instiutions like police and legal system, who persecute us for crimes, are based on violence and oppression. Laws – defined by states in a capitalist logic – judge ‘crimes’ (e.g. activities caused by poverty, use of drugs or actions against the state), but not violence against people and living beings (e.g. deportations, deal with weapons, destruction of environment). We – as people and communities – can define boundary crossings and violence ourselves and should take responsibilty to deal with them instead of leaving the responsibility to law enforcement authorities and justice system. In consequence we also refuse the existence of prisons as a form of punishment and force. We want to find other ways to deal with conflicts between people and living beings.

To be clear: we know that the state cannot exist without prison or other less obvious forms of confinement. We don’t want longer chains or more ‘just’ forms of punishment. The world we desire can only arise out of the ashes of the existing – even if we already carry some positive proposals in our hearts, that we try to practice here and now.

Unfortunately for many of us, living in a world like this means to face repression or end up in custody at some point – especially for those, who struggle against capitalist, patriarchal, racist and state opression, daily violence and abuse, or who simply don’t fit into normative categories of society (e.g. with their gender identity, sexuality, ways of finding a living).

This is how the state tries to fight us as a movement of resistance, to make us small, to break our courage and isolate us from the rest. Repression and especially prison are powerful tools to assimilate peoples divergences, to create fear and to break our struggle.

As anarchists and rebells against this society we think, that it’s important to support each other in these situations. An effective weapon against state, opression and repression is to stick together and fight the power together, supporting each other. In a word, it means for us, to create solidarity!

Talking about who we support, we first have to analyse the conditions resulting in imprisonment. The intersection between incarceration and different forms of discrimination and power structures in society is the main reason for the imprisonment of marginalised people. For us it’s important to understand the impacts of a capitalist, patriarchal, racist system which means that most prisoners are those who face discrimination and who are captured because of being black, queer, trans, socially marginalised or poor. That’s why we want to support all prisoners. We refuse the distinction in ‘political’ and ‘social’ or other prisoners.
Nevertheless, most of the prisoners we are in direct contact with are anarchists or people we have affinity with. On the other hand we don’t support those whose activities contradict with our ideas of solidarity, equality and anarchy.
Being hostile towards police and the justice system we refuse any cooperation with those and want to encourage people facing repression to do the same.

We mainly want to raise awareness about the topics of prison and repression. Our main activities are collecting solidarity money for different cases of repression and informing about how to support prisoners. For us it is also important to write letters to prisoners, to which we want to encourage other people as well. It is a very important and direct form of solidartiy, it breaks isolation and enables exchange.

You are welcome to contact us in case of repression or pending imprisonment, if you need information or support. we will discuss with you about the possibilities of financial and legal support and can give you advices. Please use encrypted e-mails to contact us! If you don’t use encryption so far, please – for your own security – just write a short mail, without to much information about you and your case and we will try to find a solution.

Anarchist Black Cross Leipzig

abcleipzig.noblogs.org
abc-leipzig@paranoici.org

Anarchist Black Cross Leipzig

 

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