{"id":9070,"date":"2020-05-05T06:52:48","date_gmt":"2020-05-05T04:52:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=9070"},"modified":"2020-05-05T06:52:50","modified_gmt":"2020-05-05T04:52:50","slug":"plexiglas-wasserfaelle-und-antifaschismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=9070","title":{"rendered":"Plexiglas, Wasserf\u00e4lle und Antifaschismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/ausnahmezustand2020.blackblogs.org\/2020\/04\/26\/plexiglas-wasserfalle-und-antifaschismus\/\">ausnahmezustand2020.blackblogs.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt so etwas wie einen Raum, ein Raum in dessem Inneren Windstille herrscht, abgeschirmt von dicken W\u00e4nden Plexiglas, in welchem Inneren sich die neue technokratische Elite aufh\u00e4lt, die dort arbeitet, dorthinein nur einl\u00e4dt, wen sie w\u00fcnscht, und in die hinein nichts dringen darf, was st\u00f6ren k\u00f6nnte. Wenn wir fr\u00fcher als Anarchisten gegen Politiker k\u00e4mpften so sind wir heute zunehmends in der Situation, wo wir gegen einen Plexiglasw\u00fcrfel k\u00e4mpfen, der aber unerreichbar ist (der aber sehr wohl mit Energie und Informationen versorgt werden muss und diese Verbindungen k\u00f6nnen nicht alle abgeschirmt werden). Das Problem der Massen ist der Wunsch nach Dialog mit diesem W\u00fcrfel, einen Dialog, der niemals stattfinden kann, weil dieser sakrale, sterile Ort abgeschirmt ist. All die Massen an Kritiken an den Massnahmen in denen wir uns heute wiederfinden, sind als w\u00fcrde man am tiefsten Talspunkt einer Burg stehen und diese Kritiken, am Wasserfall vorbei an den h\u00f6chsten Punkt der Burg schreien wollen, dort wo der F\u00fcrst sitzt. In einer solchen Situation befinden wir uns heute. Die Linke und darunter speziell hervorzuheben die radikale Linke, hat sich glorreich hervorgetan als Umgarner und Komplize die Herrschaftsphantasien wahr werden zu lassen. Abgesehen von den offensichtlichsten aller Neuerscheinungen der herrschaftlichen Vorgehensweisen, m\u00f6chte ich hier ein paar wenige genauer betrachten. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In einer Kleinstadt in Italien kam es zu dem Fall, bei welchem die B\u00fcttel des Staates in Form von Carabinieri in eine Kirche eindrangen, und den lokalen P\u00e4dophilen mehrmals unterbrachen, und sogar von ihm verlangten, w\u00e4hrend der Messe mit dem H\u00e4uptling seiner Einheit am Telefon zu sprechen. Dieser Vorgang wurde auf Video aufgezeichnet und kann nachgeschlagen werden. Hier geht es nat\u00fcrlich nicht darum, sich \u00fcber zwei verschiedene Ausformungen meiner Feinde und der Tatsache, dass sich diese beiden gegenseitig \u00e4rgern, die eine mit der \u201cUnverfrohrenheit\u201d eine Messe, mit einer Handvoll Leute zu gestalten, Sicherheitsabstand und Masken mit eingeschlossen, und die andere \u00fcber das erzwungene Unterbrechen selbiger, Abstrafungen der Gl\u00e4ubigen und des P\u00e4dophilen inkludiert. Das was mich hierbei zum Nachdenken angeregt hat, ist der Vorgang, und die Wertigkeiten innerhalb des ausbeuterischen Systems. Einerseits sind keine R\u00fcckzugsorte gestattet, wie die Kirche traditionell einen solchen in der Gesellschaft darstellt, zumindest nach den jeweiligen \u00dcberlieferungen, gleichsam sind keine Ungehorsamen gestattet, wie das speziell in Italien mit der Vorgehensweise der zahlreichen Polizeieinheiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Die Liste der scheinbar willk\u00fcrlichen Handhabungen der Polizei ist so immens lang und scheinbar chaotisch, dass eine vollst\u00e4ndige Auflistung sinnlos w\u00e4re, abgesehen einmal von der \u00dcberfl\u00fcssigkeit und der Zeitverschwendung von einem solchen Unternehmen. Auffallend ist zweitens die Tatsache, dass der durchschnittliche Carabiniere dem katholischen Glauben angeh\u00f6rig ist. Und das ist das eigentlich Besondere. Wir wissen, dass Bullen ganz im Allgemeinen einfach ihren Befehlen nachgehen, aber wie sonst \u00fcblich geht es hier nicht um eine einfache Kontrolle von einem gesetzlichen Vergehen, der Staat und das techno \u2013 wissenschaftliche System, das nunmehr \u00fcber Jahre aufgebaut wurde, verlangt von dem Beamten und zwingt ihn in Folge, mit seiner Weltanschauung zu brechen, d.h. er setzt sich \u00fcber die Gottesf\u00fcrchtigkeit hinweg und n\u00f6tigt auch den Beamten dazu, selbiges zu tun. Die Rede vom Tod Gottes ist nun wirklich nichts neues, aber eine derartige Verdinglichung ist dennoch eine Seltenheit. Dem Pfaffen ist der Schock der Situation auch ins Gesicht geschrieben. Er kann nicht fassen, was sich dabei vor seinen Augen abspielt und in welchem Theaterst\u00fcck er sich unfreiwillig, tragisch-humoristisch wiederfindet. Er schliesst die Messe mit den Worten, seine Pfarre w\u00fcrde nat\u00fcrlich die f\u00e4llig gewordenen Strafzahlungen \u00fcbernehmen und ringt perplex um kalmierende Worte. Die Symbolik der letzten Jahre verdinglicht sich mehr und mehr in solcherlei Situationen, in denen klar wird, dass sich eine Hierarchieverschiebung innerhalb der M\u00e4chtigen vollzieht. Der Papst hielt sein Ostergebet vor einem leeren Platz ab, wo sonst tausende von Menschen zugegen gewesen w\u00e4ren. Dennoch, oder zynischer gesagt, gerade deswegen, werden als Vermittlungshelfer, technologische Kan\u00e4le auf dem Internet angeboten. Das gespenstische Gebet wird mit Hilfe des Fernsehens und des Internets schlichtweg in die Wohnzimmer der Millionen und Abermillionen von Gl\u00e4ubigen \u00fcbertragen. Wer keinen Zugang zu derlei technischem Firlefanz hat ist offensichtlich von den Gebeten ausgeschlossen. Kirchen geschlossen, Gl\u00e4ubige abgestraft, der Papst alleine auf weiter Flur, damit bleibt defacto nur mehr das Beten im eigenen Hausarrest.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Form des Glaubens wurde gerade eben vorgef\u00fchrt, von den eigentlich sonstigen Protagonisten dieses Glaubens. Der Glauben des offiziellen, staatlichen Antifaschismus. Die Linke hat gezeigt, auf welcher Seite der K\u00e4mpfenden sie sich befindet. Der 25te April ist in Italien nationaler, politischer Feiertag. Gefeiert wird die Befreiung vom Faschismus. Von 23 Jahren Faschismus um genau zu sein, und gefeiert wird (bzw. wurde) die Grundsteinlegung der Republik Italiens. Heuer war dem anders, die Leute blieben zuhause. Abgesehen von ein paar wenigen Versuchen, Partisanen in Mailand oder Rom zu ehren und der gefolgten v\u00f6llig ausufernden Repression der Beh\u00f6rden, die intensiv physische Gewalt gegen ein paar Einzelne aufbrachten, um diese dazu zu zwingen wieder nach Hause zu gehen, blieben die Leute in ihren gem\u00fctlichen Kerkern. Es war schlichtweg still im Land. Angek\u00fcndigte Flashmobs von den Knastbalkonen der Wohnzimmer der Leute in welchen <em>Bella Ciao <\/em>gesungen und gespielt werden sollte, fanden nicht statt. Oder nur sehr selten. Das Grundverst\u00e4ndnis, dass, wie auch immer man zu einer solchen Art von Antifaschismus stehen mag, Faschismus nur in den Strassen bek\u00e4mpft werden kann und somit folglich auch gefeiert werden kann, ist nunmehr Vergangenheit. Wer von diesen Linken und radikalen Linken glaubt, das einfach \u201cnachzuholen\u201d oder im n\u00e4chsten Jahr \u201cdoppelt zu feiern\u201d, hat die folgende Fabel noch nicht geh\u00f6rt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Ritter reitet des Wegs und kommt an ein Bauernhaus, bekannt f\u00fcr seinen Macchiavellismus und seiner Lust seine Position zu unterstreichen, ruft er das Bauernehepaar heraus. Er sagt dem Bauern, dass er nun dazu \u00fcbergehen wird seine Frau zu ficken, aber nicht ohne dass dieser ihm dabei seine Eier halten m\u00fcsse. Nach getaner Vergewaltigung schwingt er sich wieder auf sein Pferd und reitet weiter. Die entsetzte Frau schreit ihren Ehemann an, warum er zur H\u00f6lle nichts getan h\u00e4tte und einfach die Vergewaltigung zugelassen h\u00e4tte, worauf dieser lapidar, naiv und igorant antwortet: \u201cAber ich hab ihm doch seine Eier nicht gehalten\u201d.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht dass uns die Handlungen, oder genauer das Tun der Linken und radikalen Linken wirklich \u00fcberraschen kann, zu gut wissen wir \u00fcber die Ideologien, welchen diese folgen, aber einen Kommentar ist es dennoch wert. Vielleicht einfach nur um den Moment auf Papier zu bringen, den diese selber nicht festhalten wollen, so wie der Bauer die Eier des Ritters nicht festhalten wollte, w\u00e4hrend seine Frau vergewaltigt wurde. Irgendwas konkretes ist hier passiert. Angst vor dem Virus kann es nicht sein, dass praktisch ein ganzes Land einer solch hochgehaltener Tradition nicht nachgeht, einer Tradition, die auf den Tod von einer viel gr\u00f6sseren Zahl von Partisanen hinweist, die \u00fcber lange Jahre einem viel gr\u00f6sseren Risiko ausgesetzt waren und die vermutlich auf die Gefahr eines solchen Virus hin, nur gelacht h\u00e4tten im Angesicht des dauernd m\u00f6glichen Todes, bzw. aus dem Untergrund heraus agieren m\u00fcssens und den vielen sonstigen Entbehrungen, welchen Partisanen nat\u00fcrlicherweise unterworfen waren. Angst vor Strafen kann es auch nicht sein aus ebensolcher Unverh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit bez\u00fcglich der k\u00e4mpfenden Partisanen von offen faschistischen Epochen. Vielleicht haben wir nunmehr das Eingest\u00e4ndnis bezeugen d\u00fcrfen, sich dem neuen modernen Glauben an die Technologie zu unterwerfen und dem neuen technokratischen Staatsgebilde, welches die alte Republik abgel\u00f6st hat, um die neuen Zeiten einzul\u00e4uten. Und die Linke hat mit ihrer Stille mitgel\u00e4utet, die schon sichtbaren Zeichen der letzten Jahre offiziell gemacht. Das Grundverst\u00e4ndnis, \u201cAntifaschismus ist die Strassen zu besetzen und gegen\u00fcber den Faschisten zu verteidigen\u201d, ist abgel\u00f6st worden von der Unterwerfung der Bildschirme, phantastischen Videoheimproduktionen, sowohl pornographischer Art als auch dem Genre der Balkonvideos, die dabei auch als eine Art \u201cWiderstand\u201d gegen alles m\u00f6gliche gesehen werden wollen. Was der Sinn von diesem Genre ist, geht uns dabei nat\u00fcrlich nicht auf, denn der Glauben, dass ein Video irgend etwas ausl\u00f6sen k\u00f6nnte, ist eben ein solcher; Glaube. Das Vertrauen an die eigenen H\u00e4nde, Arme, Beine, F\u00fcsse, und das Denkverm\u00f6gen wurde mit diesem Glauben ersetzt. Wo fr\u00fcher die Leute den Weg in die Strasse gefunden h\u00e4tten, wenn jemand von der Polizei in aller \u00d6ffentlichkeit gefoltert worden w\u00e4re, hat sich im Gehirn nunmehr ein neuer Pfad gebildet, der Impuls des Sehens, wird nunmehr mit einem Aufnahmeger\u00e4t verbunden, an welchem schon der Gedanke der Ver\u00f6ffentlichung verkn\u00fcpft ist. Lange Zeit hat es nicht gedauert, dass das technokratische System den Leuten eine neue neurologische Bahn ihn ihr Gehirn legen konnte. Aber anstatt, dass Blument\u00f6pfe von den Balkonen fliegen um die Staatsb\u00fcttel aus den Strassen zu vertreiben, wird die eigene Strasse zur B\u00fchne von besagtem Balkonvideo-Genre gemacht. Ob dabei jemand misshandelt wird, ist letztlich egal, den schliesslich ist auf diese Weise die eigene Langeweile wenigstens etwas verringert worden. So sieht der neue Antifaschismus aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und um in diesem kurzen Kommentar zum 25ten April 2020 in Italien zu einem Ende zu kommen, wieder zur einleitenden Burgmetapher. Die Intentionen der Artikel, Kommentare, Balkonvideos m\u00f6gen ja nicht alle v\u00f6llig jenseitiger Natur sein, aber gegen einen Wasserfall zu schreien w\u00fcrde niemandem einfallen, all diese Arbeit, die dabei umgesetzt wird, aber sehr wohl. Nutzlosigkeiten, absolute Nichtigkeiten des neuen Nullismus in dem wir leben, der Umkehrungen der Werte. Wir sind von Psychopathen in die Knie gezwungen worden. Abgesehen von der Tatsache, dass ein Psychopath uns nicht im geringsten Aufmerksamkeit schenken w\u00fcrde, wenn wir vor ihm st\u00fcnden um unsere <em>Forderungen <\/em>und <em>W\u00fcnsche <\/em>vorzutragen und die F\u00fcrbitten und Bitte, Bitte, unser \u00dcberleben sichern zu lassen, eines Lebens, das vorher schon erb\u00e4rmlich war, hat sich dieser f\u00fcrstliche und k\u00f6nigliche Psychopath aber viel besser abgesichert, er h\u00f6rt dieses weinerliche Lamentieren gar nicht. Einerseits nicht wegen dem Plexiglas\u201dwasserfall\u201d, andererseits wegen der psychologischen Struktur eines solchen Psychopathen, die gezeichnet ist von absoluter Unf\u00e4higkeit bzw. Unwilligkeit zuzuh\u00f6ren, diesem und damit all seinen Co-Psychopathen, geht es um den eigenen Vorteil, Punkt und Aus. Solange wir auch nur andenken in Dialog mit einer Horde Psychopathen zu gehen, finden wir nur in einem Moment unsere Erl\u00f6sung, in unserem Tod. Sklaven bitten und flehen f\u00fcr das eigene \u00dcberleben, Krieger k\u00e4mpfen mit allen notwendigen Mitteln auf sowohl strategischen Ebenen, als auch \u00fcber sozial- revolution\u00e4ren Bindungen gegen die Ausbeutung. Wer wirklich Schluss machen will mit diesem idiotischen Verhalten, dieser v\u00f6llig ausser Kontrolle geratenen Psychopathie, h\u00f6rt erstens auf damit zu versuchen in Dialog zu treten mit diesen und zweitens f\u00e4ngt er auf bestm\u00f6glichem Weg an, diese klug und ernsthaft zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org Es gibt so etwas wie einen Raum, ein Raum in dessem Inneren Windstille herrscht, abgeschirmt von dicken W\u00e4nden Plexiglas, in welchem Inneren sich die neue technokratische Elite aufh\u00e4lt, die dort arbeitet, dorthinein nur einl\u00e4dt, wen sie w\u00fcnscht, und in die hinein nichts dringen darf, was st\u00f6ren k\u00f6nnte. 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