{"id":9058,"date":"2020-05-05T06:30:20","date_gmt":"2020-05-05T04:30:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=9058"},"modified":"2020-05-05T06:30:23","modified_gmt":"2020-05-05T04:30:23","slug":"kein-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=9058","title":{"rendered":"(K)Ein Vergleich?"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/ausnahmezustand2020.blackblogs.org\/2020\/04\/20\/kein-vergleich\/\">ausnahmezustand2020.blackblogs.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"168\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/1585495317949.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9059\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201cZwischen dem 11. Juni 1940 und dem 1. Mai 1945, w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges, verloren in Mailand w\u00e4hrend der Bombardierungen innerhalb von 5 Jahren 2.000 Zivilisten ihr Leben; wegen des Coronavirus lie\u00dfen in der Lombardei innerhalb von zwei Monaten 11.851 Zivilisten ihr Leben, f\u00fcnfmal mehr\u2026 Ein numerisch \u2013 \u00fcberw\u00e4ltigender Zusammenhang\u201d.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Domenico Arcuri, 18. April 2020<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>[urspr\u00fcnglich aus Kalabrien, heute ausserordentlicher Notstandskommissar f\u00fcr die St\u00e4rkung der Krankenhausinfrastrukturen in Folge des Corona \u2013 Virus]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich hat er vollkommen Recht. Die vom Notstandskommissar gestern Vormittag genannte Zahl ist wirklich \u00fcberw\u00e4ltigend. Auch wir waren beeindruckt. Es versteht sich von selbst, dass der Zweck des Funktion\u00e4rs, wie jene der verschiedenen Medien, die seine Worte aufgegriffen und amplifiziert haben, nur darin besteht, Benzin in das Feuer der Kriegsrhetorik zu streuen, mit der die Regierung eine ansonsten undenkbare nationale Einheit erreichen will. Aber dieser Vergleich zwischen den Bombenanschl\u00e4gen der Vergangenheit und der Pandemie der Gegenwart ist unter vielen Gesichtspunkten interessant, wir w\u00e4ren fast geneigt zu sagen, entlarvend. Deshalb lohnt es sich, n\u00e4her darauf einzugehen. Aber nur einen Augenblick, damit das klar ist. Am Rande des Abgrunds k\u00f6nnte zu viel Schwindel(gef\u00fchl) schlecht f\u00fcr uns sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits der krampfhafte Versuch einen medizinischen Notstand als milit\u00e4rischen Konflikt zu bezeichnen, ist peinlich. Da gesagt und bis zur Ersch\u00f6pfung wiederholt wurde, dass dieses Virus keine biologische Waffe ist und nicht in irgendeinem Geheimlaboratorium hergestellt wurde, kann ausgeschlossen werden, dass es der pl\u00f6tzliche Angriff eines ausl\u00e4ndischen Milit\u00e4rs war, der den Tod in Krankenh\u00e4usern und Pflegeheimen in der Lombardei ges\u00e4t hat. Vielmehr wurde das unvermeidliche Schicksal durch die anhaltende Dominanz der Wirtschaft \u00fcber jeden Aspekt der menschlichen Existenz beschleunigt. Tausende von alten und kranken Menschen sind gestorben, weil Profit nunmehr sowohl zum sozialen Leitmotiv von Unternehmen, zum politischen Motiv von Staaten als auch die Basis f\u00fcr menschliches Leben geworden ist, im Anbetracht dessen, von Sicherheitsma\u00dfnahmen angefangen, bis hin zu famili\u00e4ren Zuneigungen, alles verg\u00e4nglich geworden ist. Da aber das praktische Heilmittel gegen diese Offensichtlichkeit nicht nur darin best\u00fcnde, die Alltagsroutine f\u00fcr eine gewisse Zeit auszusetzen, sondern ihr vielmehr f\u00fcr immer ein Ende zu setzen, besteht der einzige Weg zur Wiederherstellung der Normalit\u00e4t darin, der unsichtbaren Natur die Verantwortung f\u00fcr eine Entwicklung zuzuschreiben, die von konkreten Menschen mit einer konkreten sozialen Rolle, die allesamt Nachnamen, Vornamen und Adresse besitzen, vorangetrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erstaunlich, wie diejenigen, die vom Wirbel dieser historisch-numerischen Referenz eingenommen sind, nicht erkennen, dass der Vergleich der Bazillen eines Virus mit alliierten Piloten nicht gerade ein brillanter Einfall ist. Noch ist es die Opfer des ersten oder zweiten Falls zu vergleichen. Die Bombardierungen, die Mailand zwischen 1940 und 1945 trafen, wurden von britischen und amerikanischen Streitkr\u00e4ften durchgef\u00fchrt, um die faschistische Regierung, die damals mit den Nazis verb\u00fcndet war, zu treffen. Die Absicht war, die Bev\u00f6lkerung zum Aufstand gegen Mussolini zu dr\u00e4ngen. Was f\u00fcr einem kranken Kopf k\u00f6nnte es einfallen, den damaligen Krieg mit der heutigen Pandemie zu vergleichen? Damals starben Tausende von M\u00e4nner, Frauen und Kinder unter den Tr\u00fcmmern einer von Bomben zerfetzten Stadt. Kann man sie nur wegen des im \u00dcbrigen immer ungewissen Ausgangs eines Teststreifens mit den Opfern vergleichen, die jetzt in einer ganzen Region gez\u00e4hlt werden? Kann man die 200 Kinder, die zweifellos Opfer des Bombardements waren, das im Oktober 1944 durchgef\u00fchrt wurde, um zu versuchen, die Fabrik in Breda zu zerst\u00f6ren, jemals mit den 160 alten Menschen vergleichen, die im Hotel <em>Pio <\/em><em>Trivulzio<\/em> (Lombardei) zum Teil an einem Virus starben?<\/p>\n\n\n\n<p>Der zahlenm\u00e4\u00dfige Hinweis des Notstandskommissars ist daher nicht nur \u00fcberw\u00e4ltigend, sondern vor allem abwegig. Aber es gibt ein Merkmal, das es fast komisch macht. Wenn der Krieg gegen das Virus in der Tat ein Krieg ist, weil er in der Lombardei in zwei Monaten f\u00fcnfmal so viele Opfer der Bombardierung Mailands w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs gefordert haben soll, was sollen sie dann in Deutschland sagen? Dass sie sich vor Gelsen sch\u00fctzen? Was sind schlie\u00dflich die mehr als 4.000 Opfer, die dem Virus heute zugeschrieben werden, verglichen mit den Hunderttausenden von Menschen, die in jenen Jahren in den Tr\u00fcmmern von Hamburg, Dresden, Berlin umgekommen sind\u2026?<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist anzumerken, dass vor etwa achtzig Jahren die Moral der italienischen Zivilbev\u00f6lkerung Gegenstand st\u00e4ndiger Diskussionen zwischen den britischen politischen und milit\u00e4rischen F\u00fchrern war, welche sich sicher waren, dass Italien das einzige Land in Europa sein w\u00fcrde, das unter den Bombenangriffen rasch zusammenbrechen w\u00fcrde. Im August 1940 schrieb Kriegsminister Anthony Eden an Churchill: \u201cIch bin der \u00dcberzeugung, dass es von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit ist, unsere Offensive gegen die Italiener im Mittelmeer auf dem Land-, See- und Luftweg zu entwickeln. Italien ist der schwache Partner [der Achse], und wir haben mehr Chancen, es mittels Bombardement aus dem Krieg zu werfen, als bei Deutschland\u201d. Vier Monate sp\u00e4ter kam ein Treffen im Kriegsministerium zu dem Schluss, dass Italien keine besonders heftigen Bombardierungen brauche, da das emotionale Temperament der Italiener so schwach sei, dass sie sich selbst kleineren Angriffen beugen w\u00fcrden; die \u201cPsychologie der Italiener\u201d wurde als \u201ckriegsuntauglich\u201d angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die durch den Bombenangriff auf Genua am 9. Februar 1941 im ganzen <em>Belpaese<\/em> hervorgerufene Furcht schien die britische Regierung in ihrer Einsch\u00e4tzung des italo-idiotischen [italiota] Mutes zu best\u00e4tigen, nachdem dieser von eine Geheimdienstquelle beobachtet worden war: \u201cObwohl die tats\u00e4chlichen Auswirkungen des Bombenangriffs begrenzt waren, sind die moralischen und psychologischen Auswirkungen enorm\u201d. Nach den Bombardierungen Ende 1941 auf einige St\u00e4dte in Norditalien, darunter Mailand, stellte der Chef der britischen Luftwaffe, Arthur Harris, fest, dass sie zwar leichter waren als die, die Deutschland trafen, \u201caber die Auswirkungen auf die italienische Moral waren enorm und v\u00f6llig unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wolle man sagen, dass die Italiener w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs nicht nur als blo\u00dfe Schlappschw\u00e4nze betrachtet wurden, die einer Witzfigur wie Mussolini die Macht gegeben hatten, sondern auch als Angsthasen, die wegen einer Kleinigkeit in Panik gerieten. So schlapp [abulici], dass sie weder in der Lage waren, ihr eigenes Regime, das sie zwanzig Jahre lang unterdr\u00fcckt hatte, zu st\u00fcrzen, noch sich jene vorzukn\u00f6pfen, die sie jetzt bombardierten (\u201cEiner der \u00fcberraschendsten Aspekte des Gef\u00fchlszustands in Italien ist der relative Mangel an Feindseligkeit gegen\u00fcber den Briten und Amerikanern. Diese Haltung scheint durch die j\u00fcngsten schweren Luftangriffe auf italienische St\u00e4dte nicht ernsthaft beeintr\u00e4chtigt worden zu sein\u201d, schrieb Eden, der 1943 zum Au\u00dfenminister wurde).<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt, es w\u00e4re zum Lachen, die heutigen Virologen gleich wie die alten Gefolgsleute in schwarzen Hemden zu behandeln \u2013 trotz eines Kriegsverbrechers wie Burioni [Roberto Burioni, ein weitbekannter Professor f\u00fcr Virologie und Mikrobiologie der Universit\u00e4t in Mailand, dem rechten Spektrum zugeh\u00f6rig]\u2026 -, aber wenn sie wirklich wollen, dass wir das feige, \u00abglauben-gehorchen-k\u00e4mpfen\u00bb derer, die den faschistischen Gruss machten, mit dem feigen, \u00abglauben-gehorchen-sich impfen\u00bb jener vergleichen, die sich freiwillig zu Hause einschliessen, wie k\u00f6nnen wir sie somit nicht zufriedenstellen?<\/p>\n\n\n\n<p>[19\/4\/20]<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/finimondo.org\/node\/2464\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org \u201cZwischen dem 11. 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