{"id":9014,"date":"2020-04-19T22:07:39","date_gmt":"2020-04-19T20:07:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=9014"},"modified":"2020-04-19T22:07:41","modified_gmt":"2020-04-19T20:07:41","slug":"lehrzeit-bis-in-alle-ewigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=9014","title":{"rendered":"Lehrzeit bis in alle Ewigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/ausnahmezustand2020.blackblogs.org\/2020\/04\/17\/lehrzeit-bis-in-alle-ewigkeit\/\">ausnahmezustand2020.blackblogs.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"121\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/img_8098.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9015\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>\u201cAuf allen Ebenen: politisch, moralisch, spirituell, materiell, <\/em><em>wird man erfahren, was hinter dem Fortschritt steht: der Tod.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was f\u00fcr eine Herausforderung! <\/em><em>Entweder das Auschwitz der Natur o<\/em><em>der das Stalingrad der Industrie<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Jede Predigt ist nutzlos. Der Fortschritt wird sich nur selbst aufhalten, <\/em><em>dank der Katastrophen, die er verursachen wird\u201d.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So schrieb Mitte der 1970er Jahre ein Schweizer Dichter, dessen Name nicht auf der Liste der Vorl\u00e4ufer der Katastrophenp\u00e4dagogik steht, die den Anh\u00e4ngern des \u201cSchrumpfungsparadigmas\u201d [decrescita] so sehr am Herzen liegt. Ihr unbestrittener Lehrer Serge Latouche \u00e4u\u00dferte sich immer auf optimistische Weise, dass Katastrophen, das Bewusstsein zu wecken im Stande seien; ja\u2026 aber welches? Das der politischen Klasse, getrieben von der Kraft der Ereignisse, eine verlorene Menschlichkeit die durch eine lang anhaltende toxische Abh\u00e4ngigkeit vom Konsumismus taub, blind und stumm gemacht wurde, wieder auf den richtigen Weg der Bescheidenheit zu bringen. Es handelt sich um eine \u00dcberzeugung, die auch heute noch nach au\u00dfen dringt, wo etwa die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung zu Hause eingesperrt ist, um einem Virus zu entgehen, von dem angenommen wird, dass er f\u00fcr den Tod von \u00fcber 100.000 Menschen auf der ganzen Welt verantwortlich ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und es seien die Anarchisten, welche die Naiven, die Verblendeten w\u00e4ren, die hinter dem Mond leben w\u00fcrden! Da haben wir Gl\u00fcck, dass diejenigen als pragmatisch, konkret, mit den F\u00fc\u00dfen auf dem Boden stehend, betrachtet werden, die vorgeben, dass der Frieden in der Welt durch Armeen garantiert wird, dass die Ziele der Banken ethisch sind, oder dass das Parlament \u201cdie Entkolonialisierung des Imagin\u00e4ren\u201d \u00fcbernimmt!<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Untermauerung seines Arguments erinnert Latouche unter anderem daran, dass die schlimme und h\u00e4ssliche Katastrophe, die durch den \u201cgro\u00dfen Smog von London\u201d verursacht wurde \u2013 die Stagnation einer Mischung aus Nebel und Kohlenrauch, die vom 5. bis 9. Dezember 1952 in der britischen Hauptstadt 4.000 unmittelbare Todesopfer und 10.000 in der Folgezeit forderte \u2013 vier Jahre sp\u00e4ter zur Einf\u00fchrung des sch\u00f6nen und guten <em>Clean Air Act<\/em> f\u00fchrte. Der arme Mann vergisst nicht nur, dass der Kohleverbrauch seither nie zur\u00fcckgegangen ist, im Gegenteil, er ist gekoppelt an die Umweltverschmutzung in der Metropole gestiegen, sondern dass bereits in Donora (USA) vom 26. bis 31. Oktober 1948 eine Mischung aus Nebel und Rauch aus den Stahlwerken 70 Todesopfer gefordert und die Lungen von 14.000 Einwohnern zerst\u00f6rt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wenig scheint die Katastrophe, die sich am 1. Juni 1974 in der Chemiefabrik in Flixborough (England) ereignete, dazu gedient zu haben, die darazf folgende in Beek (Holland) am 7. November 1975 zu verhindern, und beide verhinderten auch nicht den Dioxinaustritt, der sich am 10. Juli 1976 in Seveso (Lombardia \u2013 Italien) ereignete. Welche Lehren sind aus diesen drei tragischen Erfahrungen gezogen worden? Keine einzige. Tats\u00e4chlich stand das Schlimmste noch bevor, und dieses geschah am 3. Dezember 1984 in Bophal (Indien), als es zu einem regelrechten Blutbad kam: Tausende von Toten und \u00fcber eine halbe Million Verletzte aufgrund eines Methyl Isocyanat-Lecks. Wurden deshalb die Chemiewerke schlie\u00dflich geschlossen? Nat\u00fcrlich nicht, und man kann auch nicht sagen, dass die industrielle Nutzung von sch\u00e4dlichen Stoffen reduziert wurde, wenn wir an den Zyanidausfluss denkt, der am 31. Januar 2000 in einer Goldmine in Rum\u00e4nien begann und das Wasser mehrerer Fl\u00fcsse, unter anderen die Donau, vergiftete.<\/p>\n\n\n\n<p>Und haben uns die Katastrophen, die durch die Produktion des schwarzen Goldes verursacht wurden, jemals etwas gelehrt? Die Havarie eines ExxonMobil-Tankers, der am 24. M\u00e4rz 1989 in der Prince-William-Stra\u00dfe in Alaska auf Grund lief und mehr als 40 Millionen Liter \u00d6l ins Meer austraten, verhinderte sicherlich nicht den Untergang des Tankers Haven, der am 14. April 1991 50.000 Tonnen Roh\u00f6l in die Tiefen des Mittelmeers verteilte, nachdem dabei 90.000 Tonnen unter freiem Himmel verbrannten. Eine Lapalie im Vergleich zu dem Unfall vom 20. April 2010 im Golf von Mexiko, bei dem zwischen 500 und 900 Millionen Liter Roh\u00f6l 106 Tage lang von der BP-abh\u00e4ngigen Plattform Deepwater Horizon ins Meer ausflossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder sprechen wir \u00fcber die t\u00f6dlichste der Energieindustrien, die Kernkraft? Ohne die 130 Unf\u00e4lle der letzten f\u00fcnfzig Jahre zu erw\u00e4hnen, hat vielleicht der Unfall im US-Kraftwerk <em>Three Mile Island<\/em> am 28. M\u00e4rz 1979 den Unfall im russischen Kraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 verhindert? Ganz und gar nicht, im Gegenteil dazu haben diese \u201cVorf\u00e4lle\u201d bei den Menschen zu einem Gew\u00f6hnungseffekt beigetragen, sich auch mit der Trag\u00f6die, die am 11. M\u00e4rz 2011 in Fukushijma geschehen ist, abzufinden. Zu dem Ma\u00dfe, dass u.a. die USA, Russland und Japan auch heute noch unerschrocken die Atomenergie nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir nun an (ohne Gew\u00e4hr), es g\u00e4be wirklich die Bereitschaft zu lernen, was k\u00f6nnte uns die gegenw\u00e4rtige Epidemie, die die ganze Welt terrorisiert, also lehren? Dass wir auf Abholzung, Verst\u00e4dterung, Flugzeuge verzichten sollten\u2026 oder dass die wissenschaftliche Forschung verst\u00e4rkt, Impfungen zur Pflicht gemacht und die Kontrolle der \u201ckompetenten\u201d Beh\u00f6rden zunehmend ausgeweitet werden sollte? Mit anderen Worten, sollte der Fortschritt mit seinen t\u00f6dlichen Auswirkungen gestoppt oder beschleunigt werden, um sie zu \u00fcberwinden? Es besteht kein Zweifel daran, dass die Notwendigkeit, Wohlstand durch staatlich gelenkte Entwicklung zu erreichen, f\u00fcr fast alle ein Axiom bleibt, ein Tabu, das so absolut ist, dass es nicht einmal verk\u00fcndet werden muss. Das ist die Normalit\u00e4t, deren R\u00fcckkehr lautstark gefordert wird und die keinen Ausweg aus ihren falschen Alternativen bietet. Durch Ministerialerlass suspendiert, wird sie in noch verrohterer Form wiederhergestellt. Das Recht auf das n\u00e4chtliche Ausgehen [movida] wird mittles einer Drohne \u00fcber dem Kopf gestattet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der p\u00e4dagogische Katastrophismus ist nur das extreme Heilmittel des Determinismus. Alle Gebete zum befreienden Schicksal der Vernunft oder des Fortschritts oder des Proletariats oder der inneren Widerspr\u00fcche des Kapitalismus fanden im Staub der Geschichte ihr Ende\u2026 es bleibt nur noch eine pl\u00f6tzliche planetarische Trag\u00f6die, die denjenigen ein Happy End verspricht, die nie aufh\u00f6ren, darauf zu warten, dass etwas geschieht, anstatt zu handeln, um dies geschehen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>[13\/4\/20]<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/finimondo.org\/node\/2462\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org \u201cAuf allen Ebenen: politisch, moralisch, spirituell, materiell, wird man erfahren, was hinter dem Fortschritt steht: der Tod. Was f\u00fcr eine Herausforderung! Entweder das Auschwitz der Natur oder das Stalingrad der Industrie Jede Predigt ist nutzlos. Der Fortschritt wird sich nur selbst aufhalten, dank der Katastrophen, die er verursachen wird\u201d. So schrieb Mitte der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[114,118,1091],"tags":[297,1095,541,1144,388],"class_list":["post-9014","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anarchismus","category-kritikselbstkritik","category-ueberwachung-und-kontrolle","tag-analyse","tag-ausnahmezustand2020","tag-finimondo","tag-fortschritt","tag-technologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9014"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9014"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9014\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9016,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9014\/revisions\/9016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9014"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9014"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9014"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}