{"id":8878,"date":"2020-03-27T18:34:28","date_gmt":"2020-03-27T17:34:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8878"},"modified":"2020-03-27T18:35:20","modified_gmt":"2020-03-27T17:35:20","slug":"ein-spaziergang-am-rand-ein-sprung-ins-nichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8878","title":{"rendered":"Ein Spaziergang am Rand\u2026 ein Sprung ins Nichts"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/plagueandfire.noblogs.org\/ein-spaziergang-am-rand-ein-sprung-ins-nichts\/\">plagueandfire.noblogs.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cropped-greatfireoflondon-burningchurch.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8879\" width=\"470\" height=\"135\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cropped-greatfireoflondon-burningchurch.png 1000w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cropped-greatfireoflondon-burningchurch-300x86.png 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cropped-greatfireoflondon-burningchurch-768x221.png 768w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Die Gei\u00dfeln sind in der Tat eine \ngew\u00f6hnliche Sache, aber man glaubt kaum an Gei\u00dfeln, wenn sie auf den \nKopf fallen. In der Welt hat es zu gleichen Teilen Seuchen und Kriege \ngegeben; und doch erwischen Seuchen und Kriege die Menschen immer \nunvorbereitet.<\/em><br \/>\n<em>(Albert&nbsp;Camus,&nbsp;Die&nbsp;Pest)<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Chaos\u2026 oder nicht?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Ankunft der Epidemie in Italien ist der Ausgangspunkt einer noch \nnicht bekannten Umw\u00e4lzung. Die Wirtschaft bricht zusammen. Hunderte von \nMilliarden Euro sind verschwunden. Die Gesch\u00e4fte werden geschlossen. \n\u00d6ffentliche \u00c4mter, Schulen, Sporthallen\u2026 alles ist blockiert. Nur \nSuperm\u00e4rkte und Gesch\u00e4fte f\u00fcr den grundlegenden Bedarf bleiben ge\u00f6ffnet \nund werden t\u00e4glich geleert. Die Menschen gehen meist aus dem Haus nur \nzum Einkaufen. Aus Angst sprechen sie nicht miteinander, jeder versucht,\n so schnell wie m\u00f6glich es alles zu erledigen. Es scheint als w\u00e4re ein \nvor-apokalyptisches Szenario zu sein, manche k\u00f6nnten denken, dass dies \ndas Vorzeichen zu einer Periode des Chaos ist. Doch die heutige \nSituation scheint ganz anders als chaotisch: Millionen von Menschen \ngeben es auf, ihren Haus im Namen einer kollektiven Verantwortung voller\n Patriotismus zu verlassen, der Staat befehlt und die B\u00fcrger gehorchen; \neinige aus Angst, andere, um Vergeltungsma\u00dfnahmen zu vermeiden. \nBeziehungen werden meist durch Computermedien vermittelt, und der \nmenschliche Kontakt ist Versto\u00df der kollektiven Gesundheit geworden. Die\n Wirtschaft orientiert sich an webbasierten Plattformen, gro\u00dfe \nmultinationale Unternehmen verwalten den gesamten Warenverkehr und \nSupermarktketten werden zum Hauptbezugspunkt, um die Bed\u00fcrfnisse zu \nbefriedigen. Der Unterricht erfolgt \u00fcber eine Fernverbindung, sicherlich\n werden die Klassenzimmer jetzt ruhig sein\u2026 Was w\u00e4re bei all dem \nchaotisch?<br \/>\nNat\u00fcrlich ist die Lage in den Krankenh\u00e4usern alles andere als unter \nKontrolle, aber warum sollte es so \u00fcberraschend sein, hat sich der Staat\n jemals um die Gesundheit der Menschen gek\u00fcmmert? Krankheit ist mehr als\n eine Bedrohung sondern es ist eine Gelegenheit zu Profit oder \nKontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch wir wissen auch, dass sich in ihrer Ordnung, direkt unter der \nOberfl\u00e4che, Unordnung, Rebellion, das Gef\u00fchl des verleugneten Lebens, \nmehr oder weniger erreichbar und verst\u00e4ndlich f\u00fcr das individuelle \nGewissen, verbirgt. Es gibt ein unausgesprochenes Potential in Bezug auf\n den Wunsch. Je mehr dieses Potenzial verbannt und verleugnet wird, \ndesto gef\u00e4hrlicher wird es, denn es k\u00f6nnte jeden Moment in Brand \ngeraten. Oder vielleicht auch nicht, vielleicht ist schon alles \nverloren, nur wir (wer ist wir?) empfinden noch Leidenschaften und \nW\u00fcnsche?<br \/>\nDoch wenn keine der beiden M\u00f6glichkeiten die individuelle Entscheidung \n\u00e4ndert, den Angriff auf die Macht fortzusetzen, \u00e4ndert dies die Art und \nWeise, wie wir die Idee der unausweichlichen ewigen Reproduktion des \ngegenw\u00e4rtigen Zustands der Dinge ablehnen k\u00f6nnen. Geben wir Kraft, indem\n wir versuchen die erstickte Spannung wahrzunehmen, der Idee dass eine \nandere Welt m\u00f6glich ist bzw. dass dies nicht die beste, die einzige \nm\u00f6gliche Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alternative oder Mitverwaltung?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie es jedoch in vielen historischen Momenten geschieht, in denen die\n Autorit\u00e4t des herrschenden Gesellschaftssystems nicht an der Wurzel \nuntergraben wird, gelingt es der Alternative kaum, die Wege der \nAndersartigkeit zu beschreiten, um sich h\u00e4ufiger im Elend der \nMitbestimmung zu verfangen.<br \/>\nWas bedeutet es heute, bei der Verteilung von Masken zu helfen? Es w\u00fcrde\n bedeuten, dass man entweder mit dem Zivilschutz und der Stadtverwaltung\n verabredet und koordiniert handelt oder dass die milit\u00e4rische und \npolizeiliche Repression vor der T\u00fcr steht, weil Gesetze und Erlasse, die\n das Verlassen des Hauses verbieten, verletzt werden.<br \/>\nDieses Sozialsystem hat eine Welt geschaffen, in der 7-8-9 Milliarden \nMenschen leben. Wie Huxley in seinem prophetischen Roman \u201cDie neue Welt\u201d\n sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>Stabilit\u00e4t. Es gibt keine Zivilisation ohne soziale Stabilit\u00e4t. Es gibt keine soziale Stabilit\u00e4t ohne individuelle Stabilit\u00e4t.<br \/>\nDie Maschine dreht sich, sie dreht sich, und sie muss sich immer weiter \ndrehen. Fall sie aufh\u00f6rt, es ist der Tod. Eine Milliarde Menschen \nkribbelte auf der Erde. Die R\u00e4der begannen sich zu drehen. In \neinhundertf\u00fcnfzig Jahren gab es zwei Milliarden Menschen.<br \/>\nHalten Sie alle R\u00e4der an. In hundert-f\u00fcnfzig Wochen gab es nur noch eine\n Milliarde; tausend von tausende von tausende M\u00e4nner und Frauen \nverhungerten. Die R\u00e4der m\u00fcssen sich regelm\u00e4\u00dfig drehen, aber sie k\u00f6nnen \nsich nicht drehen, wenn man um sie sich nicht k\u00fcmmert. Es muss M\u00e4nner \ngeben, die um sie sich k\u00fcmmert, M\u00e4nner, die so best\u00e4ndig sind wie die \nR\u00e4der an ihren Achsen, zurechnungsf\u00e4hige M\u00e4nner, gehorsame M\u00e4nner, \nstabil in ihrer Zufriedenheit. Sie schreien: \u2018Mein Kind, meine Mutter, \nmeine einzige, meine einzige Liebe\u2019; sie st\u00f6hnen: \u2018Meine S\u00fcnde, mein \nschrecklicher Gott\u2019; sie schreien vor Schmerzen, zittern vor Fieber, sie\n jammern ums Alter und Armut, wie k\u00f6nnen sie die R\u00e4der pflegen? Und wenn\n sie die R\u00e4der nicht pflegen k\u00f6nnen\u2026 Es w\u00e4re schwierig, die Leichen von \ntausend von tausende von tausende M\u00e4nnern und Frauen zu begraben oder zu\n verbrennen.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Was sind unsere Probleme und wessen des Dominion?<br \/>\nM\u00fcssen wir das Problem der Umweltverschmutzung l\u00f6sen? Wir haben uns \nnicht an Biologie inskribiert, sondern wie rei\u00dfen um eine Fabrik \nstillzulegen einen Hochspannungsmast ab.<br \/>\nM\u00fcssen wir das Problem der Armut l\u00f6sen? Wir finanzieren keine ethische \nBank, wir rauben sie aus und versuchen, die Welt des Handels und auch \ndie der \u201cFair-Trade\u201d-F\u00e4lschungen zu zerst\u00f6ren.<br \/>\nM\u00fcssen wir das Problem der Krankheiten l\u00f6sen? Wir studieren nicht \nMedizin, wir versuchen, dieses soziale System aufzubrechen. Denn \nrevolution\u00e4re Aktionen strukturieren das Gef\u00e4ngnis nicht um, sie \nverbessern es nicht. Sie rei\u00dfen es nieder, um Leeres zu schaffen, um \neine Chance dem Leben aufbl\u00fchen zu geben.<br \/>\nTats\u00e4chlich kann Andersartigkeit nur dort entstehen, wo die Macht des \nStaates nicht existiert, und sie erstickt, wenn diese R\u00e4ume, in denen \nsie zu keimen versucht, sich nicht ausdehnt, sondern auf kleine \nkontrollierte Taschen beschr\u00e4nkt bleibt.<br \/>\nLeider werden die Toten durch diese Welt, durch unsere kollektive \nLebensweise \u2013 ja sogar des \u00dcberlebens \u2013 verursacht. Nicht durch unsere \nindividuelle Wahl des Kampfes. Und eine Revolution ist mit Blut und Tod \ngepflastert, denn das ist die Bedingung, in die dieses \nGesellschaftssystem die Menschheit versetzt hat: ohne sie geleugnet die \nExistenz. Wie k\u00f6nnte die Menschheit ohne die Wissenschaft der \nKernenergie existieren, von dem Moment an, in dem das erste Kraftwerk \neingeschaltet wurde und der erste Abfall produziert wurde? Der Preis f\u00fcr\n die Entscheidungen derer, die vor uns gelebt haben, wird noch viele \nJahre auf die Zukunft fallen, aber wenn wir nicht jetzt damit beginnen, \ndie Schuld des Leidens zu bezahlen, wird das ins gesamte Leiden nur noch\n gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notbremse ist eine Gefahr.<br \/>\nWenn wir es jedoch nicht anpacken, wird die Bevormundung unser Leben \nweiter vertiefen, ver\u00e4ndern und uns materiell beherrschen. Eine \nMitverwaltung ist aus diesem Grund nicht m\u00f6glich zu akzeptieren oder den\n Konflikt, der eigentlich dauerhaft sein sollte, aufzuschieben: denn die\n Katastrophe geh\u00f6rt ihnen und sie m\u00fcssen daf\u00fcr bezahlen. Und es muss \ndamit aufh\u00f6ren.<br \/>\nDiejenigen, die eine Welt der Freiheit wollen, sind nicht f\u00fcr die \nMassaker der herrschende Klasse verantwortlich, auch nicht f\u00fcr die, die \nmorgen oder nach dem Zusammenbruch der Herrschaft stattfinden werden. \nNat\u00fcrlich d\u00fcrfen wir die Konsequenz zwischen Mittel und Zweck nicht aus \nden Augen verlieren, aber wir m\u00fcssen auch in der Lage zu sein die Welt \nmit einer gewissen Distanz betrachten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist es auch wahr, dass das Tempo dieser Tage besessen ist \nund das Bewusstsein f\u00fcr die Katastrophe den meisten Menschen immer \ndeutlicher wird. Was wird geschehen, wenn die Angst das Feld dem Wunsch \nnach Hoffnung oder der Hoffnung des Begehrens verl\u00e4sst?<br \/>\nEine&nbsp;unerwartete&nbsp;Welt<br \/>\nUnd&nbsp;dann?&nbsp;Eine&nbsp;solche&nbsp;Situation&nbsp;erwischt&nbsp;einen&nbsp;unvorbereitet.<br \/>\nAls Liebhaberin der Freiheit streben wir danach, dass die Komplotte \ndieses Notstandsregimes an einer unkontrollierbaren Brutst\u00e4tte der \nLeidenschaften zerbrechen. Wir fragen uns aber auch, wie sich die \nInterventionsm\u00f6glichkeiten \u00e4ndern, wenn eine ganze Reihe von Garantien, \ninsbesondere die materiellen, verweigert werden oder einfach nicht mehr \ndurch das Sozialsystem und seine Funktionsweise garantiert sind. Wie \nk\u00f6nnen wir weiterhin Beziehungen unterhalten und uns organisieren, wenn \nwir in gro\u00dfen Entfernungen leben? Wie ist es m\u00f6glich, Ideen zu \nverbreiten, ohne sie im virtuellen Raum der Meinung zu zerstreuen, wenn \nes schwierig ist, au\u00dferhalb eines Bildschirms zu kommunizieren?<br \/>\nAu\u00dferdem, wenn die Kommunikation und das Ged\u00e4chtnis ausschlie\u00dflich den \nsozialen Netzwerken anvertraut werden, die die Macht haben, alles \npl\u00f6tzlich zu eliminieren und zu zensieren, wie k\u00f6nnen wir dann die \nErinnerung an das Geschehen bewahren, das durch die Nachrichten der \newigen Gegenwart bombardiert wird? Mit welchen Mitteln kann man dies \nautonom tun, wenn Druckereien und Druckereien per Verordnung geschlossen\n werden? Und welche Risiken birgt der Versuch, dieses makaber Schweigen \nzu brechen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">R\u00fcckblickend<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Blick in die Vergangenheit k\u00f6nnte in dieser Zeit ein guter \nAusgangspunkt sein, um zu versuchen, sich an den zu treffenden \nEntscheidungen zu orientieren. Aber ohne den Geist, die uns eine neue \nund einzigartige Perspektive bietet, von der Gegenwart abzulenken.<br \/>\nDie Erfahrungen von Einzelpersonen und anarchistischen Gruppen in der \nVergangenheit k\u00f6nnten uns dar\u00fcber aufkl\u00e4ren, wie wichtig es ist, \u00fcber \nverschiedene F\u00e4higkeiten, Kenntnisse und Mittel zu verf\u00fcgen, die es \nerm\u00f6glicht haben, dem Staat und seinen Repressionsmitteln das Leben \nschwer zu machen.<br \/>\nSelbst in Zeiten des Krieges oder der Milit\u00e4rdiktatur, als die \nBedingungen der Prekarit\u00e4t viel radikaler waren als heute, gibt es \ndiejenigen, die es geschafft haben, weiter zu k\u00e4mpfen, Ideen der Revolte\n zu verbreiten und sie in die Tat umzusetzen. Aber was sind diese \nPhantom-Mittel und F\u00e4higkeiten, von denen wir vorhin gesprochen haben? \nEin Beispiel, das so trivial wie offensichtlich erscheinen mag, ist die \nM\u00f6glichkeit, Papiermaterial in gro\u00dfen Mengen und in kurzer Zeit \nselbstst\u00e4ndig zu drucken, um es schnell verteilen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIm zwanzigsten Jahrhundert war es \u00fcblich, dass diejenigen, die eine \nZeitung schrieben, auch \u00fcber das Wissen und die materiellen Mittel \nverf\u00fcgten, um die zu verteilenden Exemplare drucken zu k\u00f6nnen. In vielen\n St\u00e4dten gab es geheime Druckereien, in denen Gef\u00e4hrten ihre \nFlugbl\u00e4tter, Plakate, Brosch\u00fcren, B\u00fccher und so weiter drucken konnten. \nSo war es zum Beispiel in vielen St\u00e4dten Russlands zur Zeit der \nzaristischen und bolschewistischen Herrschaft oder in Argentinien unter \nder Diktatur Uriburu, wo ein Severino di Giovanni \u2013 als Untergetauchter \u2013\n in kurzer Zeit vom Bankraub zum Druck von B\u00fcchern und Flugbl\u00e4ttern \n\u00fcbergehen konnte.<br \/>\nAndere M\u00f6glichkeiten h\u00e4ngen mit der gr\u00fcndlichen Kenntnis des \nTerritoriums in dem man lebt, zusammen und mit dem Wissen, wie man sich \ndarin unbemerkt bewegen kann. Mann denkt an ein Caracremada, der es \njahrzehntelang gelang, in Begleitung oder allein auf franz\u00f6sischem \nGebiet Sabotageakte durchzuf\u00fchrte und jedes Mal die Pyren\u00e4en \u00fcberquerte,\n um nur wenige Wochen sp\u00e4ter nach Frankreich zur\u00fcckzukehren. W\u00e4hrend \nFormen der Kontrolle in der Geschichte sicherlich unterschiedliche \nGestalt annehmen, k\u00f6nnte das Nachdenken \u00fcber die Bedingungen derer, die \nsich ihnen in der Vergangenheit entzogen haben, eine Vorbereitung auf \ndie Entwicklung von Fluchtformen in der Gegenwart zu sein. Wie verbindet\n man die Kenntnis des Territoriums mit der zeitgen\u00f6ssischen Neigung zum \nNomadenleben und zur st\u00e4ndigen Bewegung im Weltraum? Was w\u00e4re, wenn die \nderzeit verh\u00e4ngten Beschr\u00e4nkungen ein Anreiz w\u00e4ren, zu lernen, sich klug\n durch ein Gebiet zu bewegen und dabei irgendwie es zu vermeiden, \naufgehalten zu werden?<br \/>\nDoch das ist nur mit der Zeit und nicht sofort m\u00f6glich. Und welche Szenarien sehen wir nun vor uns?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick auf morgen<\/h2>\n\n\n\n<p>Zur Vereinfachung, vielleicht bis zum Exzess, gibt es nur zwei \nAlternativen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir mit unserem Handeln eingreifen, wir \nsind nicht von den Ereignissen \u00fcberholt worden oder wie warten nichr \ndarauf, dass die Geschichte ihren Lauf nimmt. Unser Wille hat ein \nGewicht und spielt eine Rolle bei dem, was geschieht, sowohl in der N\u00e4he\n als auch in der Ferne. Die erste M\u00f6glichkeit besteht darin, dass es dem\n Dominion gelingt, seine eigene neue Stabilit\u00e4t zu finden, die Situation\n zu normalisieren und seine Welt und die von ihr produzierten \nBeziehungen weiterhin zu reproduzieren. Die andere ist, dass dieses \nDominion beginnt, Teile zu verlieren, sich in immer gr\u00f6\u00dfere Instabilit\u00e4t\n zu schrauben, unaufhaltsam zusammenzubrechen.<br \/>\nDie Zeiten k\u00f6nnten sich f\u00fcr ein oder anderen Szenario echt schnell als unerwartet offenbar.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Fall w\u00e4re es notwendig zu verstehen, was es bedeutet, in \neinem solchen Ausnahmezustand zu leben und einen Weg zu finden, um in \nZukunft nicht durch solche \u00e4u\u00dferen Beschr\u00e4nkungen blockiert zu werden. \nEs gibt immer ein n\u00e4chstes Mal.<br \/>\nLassen wir uns \u00fcberlegen, was passieren w\u00fcrde, wenn bestimmte Webseiten \nin Zukunft verdunkelt und ausgefiltert w\u00fcrden. Oder wenn unsere \nHandy-SIM-Karten deaktiviert wurden. Wir w\u00e4ren dumm. Heute mehr denn je,\n da wir nicht einmal eine M\u00f6glichkeit zum Drucken haben, weil wir von \nDruckereien und Kopierl\u00e4den abh\u00e4ngig sind und vielleicht nicht einmal \nmehr die Adressen der Menschen haben, mit denen wir kommunizieren \nm\u00f6chten. Wir denken auch \u00fcber all jene Elemente von Wissen und \nF\u00e4higkeiten nach, die wir im Laufe der Zeit und nicht in einem Notfall \nentwickeln m\u00fcssen. Heute haben wir, was wir haben, unsere Grenzen und \nunsere Unwissenheit. Oder vielleicht f\u00fchlen sich stattdessen andere \nPersonen bereit? Und wie wollen wir uns morgen f\u00fchlen? Und was wollen \nwir tun k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Fall w\u00e4re es notwendig zu verstehen, was es bedeutet, in \neinem solchen Ausnahmezustand zu leben und einen Weg zu finden, um in \nZukunft unseren Handeln nicht durch solche \u00e4u\u00dferen Beschr\u00e4nkungen \nblockiert zu werden. Es gibt immer ein n\u00e4chstes Mal.<br \/>\nDenken wir dar\u00fcber nach, was passieren w\u00fcrde, wenn bestimmte Webseiten \nin Zukunft verdunkelt und gefiltert w\u00fcrden. Oder wenn unsere \nHandy-SIM-Karten deaktiviert werden. Wir w\u00e4ren stumm. Heute mehr denn \nje, da wir nicht einmal eine M\u00f6glichkeit zum Drucken haben, weil wir von\n Druckereien und Kopierl\u00e4den abh\u00e4ngig sind. Und vielleicht nimmer die \nAdressen der Menschen, mit denen wir kommunizieren m\u00f6chten, haben. Wir \ndenken auch \u00fcber all jene Elemente von Wissen und F\u00e4higkeiten nach, die \nwir im Laufe der Zeit, und nicht nur &nbsp;im Notfall, entwickeln sollten. \nHeute haben wir, was wir haben: unsere Grenzen und unsere Unwissenheit. \nOder vielleicht f\u00fchlen sich stattdessen Anderen bereit? Und wie wollen \nwir uns morgen f\u00fchlen? Und was m\u00f6chten wir wissen?<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Fall sollten wir in der Lage sein, erstens zu \u00fcberleben  und zweitens daf\u00fcr zu sorgen, dass das Dominion nicht in anderer Gestalt  wieder auftaucht. Die Stadt ist leicht isoliert und nicht f\u00e4hig, sich  selbst zu versorgen: Sie braucht Vorr\u00e4te, die von au\u00dfen eingebracht  werden, um weiter existieren zu k\u00f6nnen.<br \/> Die Stadt ist im Grunde ein Ort, der sich pl\u00f6tzlich als unwirtlich  erweisen k\u00f6nnte, weil er nach dem Bild und der \u00c4hnlichkeit der M\u00e4chte,  die ihn gepr\u00e4gt haben, gebaut wurde und daher nur f\u00fcr diese funktional  ist. Die Beziehungsnetze k\u00f6nnten schnell zerst\u00f6rt werden, wenn man an Orte flieht, wo ein Auskommen noch m\u00f6glich ist, wo es nicht nur Beton gibt. Wenn Benzin unm\u00f6glich zu bekommen ist und vielleicht auch gar  telefonieren oder E-Mails schreiben, wird ein Zusammenleben notwendig,  um gut zu leben und gemeinsam zu verschw\u00f6ren. Man aussucht die Menschen,  mit denen man zusammen sein wollen, denn die Zukunft kann ungewiss  sein. Wenn wir hoffen, dass die Antennen verbrannt werden und die  Infrastruktur zusammenbricht, m\u00fcssen wir herausfinden, wie und wo wir  unser Leben neu erfinden k\u00f6nnen. Und vielleicht sollten wir anfangen,  uns diese Fragen zu stellen, auch wenn wir immer gedacht haben, dass das  Problem der Zerst\u00f6rung so allm\u00e4chtig w\u00e4re, dass wir uns in unserem  Leben nie andere Fragen stellen m\u00fcssten. Und anfangen, etwas zu bes\u00e4en,  denn es ist nicht unbedingt so, dass es bei einer  Just-in-Time-Produktion immer noch Nudel-Lagerh\u00e4user gibt, die man  angreifen kann, oder Lagerh\u00e4user, die man in der N\u00e4he unseres Wohnortes  pl\u00fcndern kann(1). Die Nahrung k\u00f6nnte ausgehen, noch bevor die Blumen  bl\u00fchen.<br \/> Vielleicht h\u00e4tte die Pariser Kommune l\u00e4nger Bestand gehabt, wenn sich  Gruppen von Revolution\u00e4ren vom Land erhobten und die R\u00fcckseite der  republikanischen Armee in verstreuter Form angegriffen und ihre  Umzingelung durchbrochen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Welches dieser beiden Szenarien halten wir f\u00fcr plausibler? Je nach \nStandort und Empfindlichkeit k\u00f6nnten die Antworten unterschiedlich \nausfallen.<br \/>\nKeine&nbsp;Rezepte,&nbsp;sondern&nbsp;klaren&nbsp;Vorstellungen<br \/>\nLassen wir die Illusion hinter uns, dass der Zusammenbruch des Staates \nund des Dominion ein einheitlicher Prozess sein kann. \u00dcberall auf der \nWelt werden die Dynamik und das Timing anders sein, wie die Flecken von \nein Leoparden, was die Situation in kurzer Zeit noch chaotischer und \nverwirrender machen kann.<br \/>\nVielleicht h\u00e4tten wir nie daran gedacht, sie wirklich zu schreiben, da \nwir uns mit der unausweichlichen Realit\u00e4t unserer Welt abgefunden \nhatten. Aber vielleicht k\u00f6nnen wir tats\u00e4chlich die Geburt anderer \nLebensformen sehen. Es wird schwierig sein, die verschiedenen \nSituationen aus der Ferne zu beurteilen, wie wir es fr\u00fcher getan haben. \n30 km k\u00f6nnten verschiedene Erfahrungen und Lebensweisen voneinander \ntrennen, getrennt durch einen milit\u00e4rischen und polizeilichen \nSicherheitskordon.<br \/>\nKein Rezept kann heute weniger als gestern gegeben werden. Man braucht \nIntelligenz, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, Schamlosigkeit und Intuition, um zu \nverstehen, was man wo und wie und zu welcher Zeit tun soll. Welche sind \ndie Zeiten der Zerst\u00f6rung und des Aufbaus, das ist keine einheitliche \nAngelegenheit f\u00fcr alle Sensibilit\u00e4ten. Eines wird allerdings n\u00f6tig um \ndie Erfahrungen \u00fcbersetzbar und die Intuitionen vermittelbar zu machen: \nKlarheit der Absicht. Und dass in dieser Zeit des Wandels, der Wille \nalle Formen der Macht aus der Welt, in der wir innerhalb und au\u00dferhalb \nvon uns leben, sehr stark bleibt zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Angriff, hier und jetzt.<br \/> F\u00fcr\u00a0das\u00a0Leben,\u00a0hier\u00a0und\u00a0jetzt.<br \/> Brieffreunde<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Wir erw\u00e4hnen diesen alten Beitrag von A.M. Bonanno \u00fcber die \naufst\u00e4ndischen Perspektiven und \u00fcber einige seiner \u00dcberlegungen zu den \norganisatorischen, mentalen und physischen F\u00e4higkeiten, die man \nentwickeln sollte (siehe zum Beispiel S. 21):&nbsp;<a href=\"https:\/\/collafenice.files.wordpress.com\/2013\/09\/trascizione-incontro-23-giugno.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/collafenice.files.wordpress.com\/2013\/09\/trascizione-incontro-23-giugno.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: plagueandfire.noblogs.org Die Gei\u00dfeln sind in der Tat eine gew\u00f6hnliche Sache, aber man glaubt kaum an Gei\u00dfeln, wenn sie auf den Kopf fallen. In der Welt hat es zu gleichen Teilen Seuchen und Kriege gegeben; und doch erwischen Seuchen und Kriege die Menschen immer unvorbereitet. (Albert&nbsp;Camus,&nbsp;Die&nbsp;Pest) Chaos\u2026 oder nicht? Die Ankunft der Epidemie in Italien [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[114,119,1091],"tags":[297,147,1080,1112,1104,180,1117],"class_list":["post-8878","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anarchismus","category-direkte-aktionenangriffe","category-ueberwachung-und-kontrolle","tag-analyse","tag-aufstand","tag-corona","tag-corona-virus","tag-epidemie","tag-international","tag-the-plague-and-the-fire"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8878"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8878"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8878\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8881,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8878\/revisions\/8881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}