{"id":8859,"date":"2020-03-25T22:28:41","date_gmt":"2020-03-25T21:28:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8859"},"modified":"2020-03-25T22:28:44","modified_gmt":"2020-03-25T21:28:44","slug":"erster-toter-nach-besuchsverbot-im-deutschen-knastwesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8859","title":{"rendered":"Erster Toter nach Besuchsverbot im deutschen Knastwesen!"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/73538\">de.indymedia.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erster Toter nach Besuchsverbot im deutschen Knastwesen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 17.0.3.2020 wurde in der JVA Bruchsal (Nordbaden) ein 25-j\u00e4hriger  irakischer Gefangener, also kurz nach Inkrafttreten des Besuchsverbots  wegen Corona, tot in seiner Zelle aufgefunden. In der JVA Freiburg kam es, auch in Folge der ganzen Restriktionen wegen der Pandemie, zu einer  Auseinandersetzung eines 39-j\u00e4hrigen Sicherheitsverwahrten mit dem  Personal.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Der Suizid in der JVA Bruchsal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Lokalzeitung BNN (<a href=\"https:\/\/bnn.de\/lokales\/bruchsal\/alles-deutet-auf-suizid-im-bruchsaler-gefaengnis-hin\">https:\/\/bnn.de\/lokales\/bruchsal\/alles-deutet-auf-suizid-im-bruchsaler-gefaengnis-hin<\/a>)\n berichtete, starb ein 25-j\u00e4hriger irakischer Gefangener, nachdem das \nJustizministerium wegen der Corona-Pandemie alle Besuche in den \nHaftanstalten verboten hat. Seine Lebensgef\u00e4hrtin h\u00e4tte ihn besuchen \nwollen. Er habe zwar noch mit ihr telefonieren d\u00fcrfen, aber es steht zu \nvermuten, dass das kein echter Ersatz f\u00fcr den entgangenen Besuch war. \nDer Anstaltsleiter hingegen verbittet sich jede Schuldzuweisung und \nsieht keinerlei Zusammenhang zwischen Suizid und Besuchsverbot.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Einzelhaft f\u00fcr Herrn M. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Vor einigen Wochen berichtete ich \u00fcber Herrn M., dem die \nStationspsychologin in einem Therapiegespr\u00e4ch den Hinweis gab, ihm stehe\n es frei sich in seine Zelle zu begeben und wegzuh\u00e4ngen, nachdem er sich\n \u00fcber aus seiner Sicht bestehende Ungerechtigkeiten im Haftalltag bei \nihr beschwert hatte. Diese \u201eparadoxe Intervention\u201c, um eine solche habe \nes sich laut der Diplom-Psychologin gehandelt, wobei sie sich f\u00fcr diese \nentschuldigte, f\u00fchrte dazu, dass sich, auch bedingt durch die \nCorona-Ma\u00dfnahmen, das Verh\u00e4ltnis verschlechterte.<\/p>\n\n\n\n<p>M. h\u00e4tte in der 11. Kalenderwoche viele Besuche bekommen sollen, er \nfeierte seinen 39. Geburtstag, au\u00dferdem stand eine Ausf\u00fchrung an, bei \nder er auch jemanden h\u00e4tte treffen d\u00fcrfen (bei einer Ausf\u00fchrung \nverlassen Sicherheitsverwahrte \/ Gefangene f\u00fcr ein paar Stunden die JVA,\n freilich von BeamtInnen bewacht). Fast alles wurde abgesagt, denn das \nJustizministerium k\u00fcrzte erst die Besuchszeiten und verbot schlie\u00dflich \n(siehe oben) Besuche v\u00f6llig, ebenfalls die Ausf\u00fchrungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 18.03.2020 kam es dann zu einer lauten Diskussion von Herrn M. mit\n dem stellvertretenden Stationsleiter, Herrn T. und Minuten sp\u00e4ter auch \nmit dem Bereichsdienstleiter W.! Wir h\u00f6rten dann nur noch den \ndurchdringenden Alarmton, denn einer der Beamten l\u00f6ste Anstaltsalarm \naus, sodass binnen 2 Minuten \u00fcber ein Dutzend BeamtInnen angerannt \nkamen. M. wurde in Handschellen abgef\u00fchrt und kam in den \u201ebesonders \ngesicherten Haftraum\u201c (eine leere Zelle, nur eine Matratze am Boden, ein\n Loch im Boden als WC, eine Kamera an der Decke). Zwei Tage sp\u00e4ter \nverlegte die Anstalt ihn in den Sicherheitstrakt der Strafanstalt, wo er\n offenbar die Zelle nur in Hand- und Fu\u00dfketten verlassen darf, weil er \nHerrn W. geschubst und damit angegriffen haben soll .<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist das erst der Anfang?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Einschr\u00e4nkungen im Haftalltag, f\u00fcr Menschen die sowieso ein sehr \nreduziertes Leben f\u00fchren m\u00fcssen, treffen die Gefangenen ganz \nunterschiedlich. Allerdings sind es durchaus harte Einschnitte, \nangefangen beim Besuchsverbot, weniger Zellenaufschluss, weniger Zeiten \nim Hof, Einkommensverluste (Schlie\u00dfung der Betriebe &#8211; und eine \n\u201eLohnfortzahlung\u201c gibt es nicht), und anderes mehr. Ja, auch die \nFreiheiten und M\u00f6glichkeiten der Menschen vor den Mauern werden \nerheblich beschr\u00e4nkt und insbesondere die Sorge um das eigene \n\u00f6konomische \u00dcberleben wird von Tag zu Tag gr\u00f6\u00dfer. Ich selbst w\u00fcrde also \nnicht davon sprechen wollen, dass Gefangene mit am st\u00e4rksten betroffen \nsind (denken wir nur mal an die unbegleiteten Kinder an der \nt\u00fcrkisch-griechischen Grenze die Deutschland hatte aufnehmen wollen und \ndenen nun die Einreise verwehrt wird, und es gibt Hunderttausende in \nvergleichbarer Lebenslage), aber die Einschnitte sind gravierend! \nNiemand wei\u00df sicher, ob der Suizid des Gefangenen im Bruchsal urs\u00e4chlich\n auf das Besuchsverbot zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann, aber der Gedanke liegt\n nahe.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Wenn die Ma\u00dfnahmen nun Wochen oder Monate anhalten sollten, d\u00fcrfte \nder Unmut, und bei manchen auch die Verzweiflung gr\u00f6\u00dfer werden; damit \nteilen sie das Schicksal der Menschen vor den Gef\u00e4ngnismauern\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Meyer-Falk<\/p>\n\n\n\n<p>c\/o JVA (SV)<\/p>\n\n\n\n<p>Hermann-Herder-Str.8<\/p>\n\n\n\n<p>D-79104 Freiburg,<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/freedomforthomas.wordpress.com\">https:\/\/freedomforthomas.wordpress.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: de.indymedia.org Erster Toter nach Besuchsverbot im deutschen Knastwesen! 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