{"id":8856,"date":"2020-03-23T22:41:37","date_gmt":"2020-03-23T21:41:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8856"},"modified":"2020-03-23T22:41:39","modified_gmt":"2020-03-23T21:41:39","slug":"modena-einige-aktualisierungen-zur-revolte-und-repression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8856","title":{"rendered":"Modena \u2013 Einige Aktualisierungen zur Revolte und Repression"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/ausnahmezustand2020.blackblogs.org\/2020\/03\/22\/modena-einige-aktualisierungen-zur-revolte-und-repression\/\">ausnahmezustand2020.blackblogs.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"186\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Knast-mit-Faust.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8498\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Seit dem Inkrafttreten der Notverordnung zur Eind\u00e4mmung der  Ansteckung mit dem Virus hat die Wut in den Gef\u00e4ngnissen nicht lange auf  sich warten lassen.<br \/> Tats\u00e4chlich wurde das Besuchsverbot, das in einigen Gef\u00e4ngissen bereits in Kraft war, auf alle Gef\u00e4ngnisse ausgedehnt.<br \/> Es w\u00fcrde sehr lange dauern, alle 27 Gef\u00e4ngnisse aufzulisten, in denen  Unruhen ausbrachen. Revolten, die zu mehr oder weniger vor\u00fcbergehenden  Umw\u00e4lzungen der Gef\u00e4ngnisrealit\u00e4t gef\u00fchrt haben (die auf nichts anderes  als die Vernichtung und Entpers\u00f6nlichung des Individuums abzielt):  Gef\u00e4ngnisse und Einrichtungen f\u00fcr die W\u00e4rter in Flammen, besetzte  Strukturen, Gefangene auf den D\u00e4chern, Umkehrung der W\u00e4rter \u2013 Gefangenen  Rollen mit der Gei\u00dfelnahme ersterer, verbrannte Dokumente, versuchte  und erfolgreiche Fluchten. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aus dem Sant\u2019Anna-Gef\u00e4ngnis in Modena stiegen  am 8. M\u00e4rz 2020 dichte Rauchs\u00e4ulen auf, die bald f\u00fcr alle sichtbar  waren und die Freunde, Angeh\u00f6rige und Sympathisanten zu den H\u00e4ftlingen  kommen liessen, welche das Hin und Her aller Arten von Polizeikr\u00e4ften  beobachteten, die zur Niederschlagung des Aufstands eingesetzt wurden:  Staatspolizei, Carabinieri, Strafvollzugspolizei, GOM; sowie ein  Hubschrauber, um in der Gegend zu patrouillieren, und die Stadtpolizei [polizia municipale], die versuchte, die hinst\u00fcrmenden Personen  wegzuschicken, ohne Erfolg (die widerlichste Aufgabe derjeniger die ihr  Leben damit verbringen, nach dem Haar in der Suppe zu suchen). Von au\u00dfen  waren deutlich Sch\u00fcsse zu h\u00f6ren. Von innen heraus schrien einige Typen:  \u201cWir werden abgeschlachtet\u201d. Nach dem offiziellen Bericht h\u00e4tten die  Insassen und die H\u00e4ftlinge die Kontrolle \u00fcber die Struktur \u00fcbernommen,  die sie dann verw\u00fcsten h\u00e4tten; manche versuchten zu fliehen, aber dies  Versuche wurden sofort verhindert.<br \/> Unter den Sch\u00e4den sticht der Brand im B\u00fcro f\u00fcr die H\u00e4ftlingskennummern  auf, die Kopien der Karteikarten der Inhaftierten enthielten. W\u00e4hrend  Inhaftierte eskortiert und mit Handschellen an den Handgelenken unter  den Augen von Solidarischen und Angeh\u00f6rigen drau\u00dfen geschlagen wurden,  sah bereits jemand einen Sack mit einer Leiche.<br \/> Nachdem die Meuterei nachgelassen hatte, wurde ein Massentransfer von  etwa 500 H\u00e4ftlingen (in Richtung der Gef\u00e4ngisse von Porto Azzurro,  Cagliari, Sassari, Cuneo, Trient, Vercelli, Belluno, Perugia, Rovigo,  Sanremo, Genua, Ascoli, Terni, Parma, Reggio Emilia) beobachtet, da das  Gef\u00e4ngis wegen der Zerst\u00f6rungen nicht benutzbar ist.\u00a0 Dann die  erschreckende Nachricht: erst ein Toter, dann zwei, drei, sechs. Und in  den darauffolgenden Tagen ist die Zahl auf neun gestiegen, neun  Todesf\u00e4lle, welche man Anhand der Leichenwagen, der aus dem Gef\u00e4ngnis  kamen z\u00e4hlen konnte. Noch beunruhigender ist jedoch die Version in den  Zeitungen, zun\u00e4chst auf lokaler und dann auf nationaler Ebene: Die  Todesf\u00e4lle w\u00e4ren durch die Einnahme einer \u00dcberdosis Methadon und Drogen  welche auf der Krankenstation an die Gefangenen in der Revolte  verabreicht wurden, verursacht worden. Dieselbe Version wurde  verbreitet, als die tragische Zahl der Todesf\u00e4lle, mit vier Toten in  Rieti und zwei weiteren in Bologna anstieg. Bis jetzt wurde nur die  Version derer, die allen Grund haben, zu verdunkeln und zu l\u00fcgen,  ver\u00f6ffentlicht, n\u00e4mlich durch den Gef\u00e4ngnissbericht: zwei w\u00e4ren an einer  \u00dcberdosis Methadon gestorben, einer an einer \u00dcberdosis Benzodiazepin.<br \/> Vier weitere Todesf\u00e4lle h\u00e4tten sich nach der Verlegung in die  Gef\u00e4ngnisse in Parma, Alessandria und Marino del Tronto ereignet und  einer w\u00e4hrend der \u00dcberstellung in das Gef\u00e4ngnis von Trient, der in  Verona starb. Auch diese Todesf\u00e4lle wurden\u00a0 mit Methadon in Verbindung  gebracht, obwohl diese vor der Verlegung von einem Amtsarzt untersucht  worden waren. Vom Zeitpunkt der Evakuierung des Sant\u2019Anna-Gef\u00e4ngnisses  bis zur Ankunft der Gefangenen in den f\u00fcr Rebellen eingerichteten  Gef\u00e4ngnissen kam es fortlaufend zu Pr\u00fcgeln, es gab Augenzeugenberichte  von Repressalien der Wachen an wehrlosen Gefangenen, die dann ohne  medizinische Behandlung in Isolationszellen geworfen wurden.<br \/> Zwei weitere w\u00fcrden zwei Tage sp\u00e4ter in der Sektion tot aufgefunden werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir erlauben uns zu sagen, dass diese Version nicht glaubw\u00fcrdig ist und im Falle der \u00fcberf\u00fchrten, dann verstorbenen<br \/>\nbereits durch die Art und Weise, wie die Fakten berichtet wurden, widerlegt ist.<br \/>\nWir argumentieren, dass jeder Tod im Gef\u00e4ngnis eben solcher, ein Tod im \nGef\u00e4ngnis ist, der mit seiner blo\u00dfen Existenz des Gef\u00e4ngnisses und der \nerzwungenen Vernichtung des Individuums verbunden ist.<br \/>\nDennoch glauben wir nicht an den dramatischen Zufall, der zum Tod von \nf\u00fcnfzehn Menschen f\u00fchrt, die alle bei drei verschiedenen Unruhen an \neiner \u00dcberdosis starben. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass der Staat \nin den dringendsten Momenten sein Gesicht ver\u00e4ndert, er seine Fassade \nverliert und sich offen zeigt, die Ordnung der Dinge mit den \ntotalit\u00e4rsten, explizitesten und gewaltt\u00e4tigsten Methoden verteidigt und\n den guten demokratischen Anschein beiseite l\u00e4sst. Wir kennen die L\u00fcgen,\n die der Staat systematisch verbreitet, um seine Morde und Massaker zu \nvertuschen. Und dies um so mehr in einer so totalit\u00e4ren Institution wie \ndem Gef\u00e4ngnis, weit weg von den Augen und dem Herzen, wo jeden Tag \nMissbr\u00e4uche und Schikanen vorkommen; die Existenz des Gef\u00e4ngnisses \nselbst ist eine Schikane. Wenn die Spannung steigt, t\u00f6tet der Staat.<br \/>\nHeute, genau wie vor einem Jahrhundert, 1920, als sich Italien auf den \nTotalitarismus vorbereitete, wurde in Modena auf die streikende Menge \nauf der Piazza Grande geschossen und sieben Arbeiter bei einer \nKundgebung get\u00f6tet.<br \/>\nAls man dann 1950 auf die Strasse ging um zu demonstrieren, dass eine \nBefreiung nie stattgefunden hat, t\u00f6teten sie sechs k\u00e4mpferische \nArbeiter, was zum Massaker in den ehemaligen Gie\u00dfereien f\u00fchrte. Heute, \nw\u00e4hrend das Virus verwendet um Wahnsinn zu erzeugen, isolieren und \nkontrollieren die Ordnungskr\u00e4fte Menschen und Territorien und \nmassakrieren diejenigen, die in den Gef\u00e4ngnissen rebellieren, weil sie \nnicht bereit sind, das wenige zu verlieren, was noch \u00fcbrig ist, wie etwa\n der M\u00f6glichkeit, ab und zu einen Angeh\u00f6rigen zu umarmen oder dem Wunsch\n nach Best\u00e4tigung und Vergeltung an ihren Peinigern, mit denen sie \nt\u00e4glich konfrontiert sind: die Wachen und der Gef\u00e4ngnisalltag. Dabei \ngibt es auch Menschen, die, um Solidarit\u00e4t, Unterst\u00fctzung und W\u00e4rme \nau\u00dferhalb dieser Mauern zu bringen, sich nicht um irgendwelche \nstaatlichen Auflagen scherten und in eine blinde und verlassene Stadt \nhinausgingen.<br \/>\n&nbsp;Es scheint&nbsp; das Gef\u00e4ngnis wurde bis zum heutigen Moment geleert, weil \nes f\u00fcr die durch den Aufstand verursachten Sch\u00e4den nicht oder nur \nteilweise nutzbar ist. Das Gef\u00e4ngnis von Sant\u2019Anna di Modena wurde \nmittels Feuer geschlossen!<br \/>\nNachrichten, die einem Gesichtsz\u00fcgen des Wohlgefallens auf das Antlitz \nbringen, mit verzerrter Fratze und versch\u00e4rft von der Wut \u00fcber die \nToten&nbsp; und die Zunahme der restriktiven Ma\u00dfnahmen innerhalb und \nau\u00dferhalb. Die Lust zu schreien ist gro\u00df, aber selbst der Wind scheint \nzu Hause geblieben zu sein.<br \/>\nKontrollen, Kontrollpunkte, Rechtfertigungen, um das Haus zu verlassen, \nund ein Versammlungsverbot sind nichts anderes als die Ausdehnung des \nGef\u00e4ngnissystems \u00fcber seine Mauern hinaus. Wenn von drinnen bereits ein \nSignal ausgesendet wurde, dann ist die Umkehr dringender denn je und die\n einzige Antwort auf das gl\u00e4nzende Delirium der Sicherheit; von au\u00dfen \nder Aufruf zur Vernunft und zum Eingesperrtsein zu Hause, unter Nutzung \nder eigenen Privilegien als freier Mensch, spiegelt die Schl\u00e4frigkeit \ndes Gewissens und blinden Gehorsam gegen\u00fcber dem Dogma der Sicherheit \nwider.<br \/>\nEs scheint, dass man auf dunklere Zeiten wartet um zu handeln, aber man \nmerkt nicht, dass die Zeit dr\u00e4ngt und wir bereits sp\u00e4t dran sind, im \nHinblick auf die Praxis unvorbereitet ertappt, theoretisch schon \nbesiegt.<br \/>\nFREIHEIT F\u00dcR ALLE!<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/roundrobin.info\/2020\/03\/14646\/\">Modena \u2013 Alcuni aggiornamenti sulla rivolta e repressione<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: ausnahmezustand2020.blackblogs.org Seit dem Inkrafttreten der Notverordnung zur Eind\u00e4mmung der Ansteckung mit dem Virus hat die Wut in den Gef\u00e4ngnissen nicht lange auf sich warten lassen. 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