{"id":8820,"date":"2020-03-21T13:52:46","date_gmt":"2020-03-21T12:52:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8820"},"modified":"2020-03-21T13:52:49","modified_gmt":"2020-03-21T12:52:49","slug":"der-aufstand-in-den-tagen-des-corona-virus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8820","title":{"rendered":"Der Aufstand in den Tagen des Corona-Virus"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/72266\">de.indymedia.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"122\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/48664.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8821\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nun\n ist schlie\u00dflich jenes destabilisierende Ereignis eingetroffen, dass das\n kapitalistische System blockieren k\u00f6nnte. Und anders, als wir uns das \nvorgestellt haben, ist die Ursache daf\u00fcr nicht das Handeln einer Gruppe \nvon Revolution\u00e4ren oder einer sozialen Gruppe eines Territoriums oder \ngar einer Bev\u00f6lkerung im Aufstand. Das Ereignis entsteht im \nkapitalistischen K\u00f6rper selber und breitet sich in ihm mit der gleichen \nGeschwindigkeit aus, mit der sich ein Virus in einem organischen K\u00f6rper \nausbreitet, wobei dadurch verschiedene Funktionen des Systems blockiert \nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist schlie\u00dflich jenes destabilisierende Ereignis \neingetroffen, dass das kapitalistische System blockieren k\u00f6nnte. Und \nanders, als wir uns das vorgestellt haben, ist die Ursache daf\u00fcr nicht \ndas Handeln einer Gruppe von Revolution\u00e4ren oder einer sozialen Gruppe \neines Territoriums oder gar einer Bev\u00f6lkerung im Aufstand. Das Ereignis \nentsteht im kapitalistischen K\u00f6rper selber und breitet sich in ihm mit \nder gleichen Geschwindigkeit aus, mit der sich ein Virus in einem \norganischen K\u00f6rper ausbreitet, wobei dadurch verschiedene Funktionen des\n Systems blockiert werden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aus diesem Grund wird in einem der vielen Teile dieses \nK\u00f6rpers, genauer in Italien, ab Dienstag dem 10. M\u00e4rz, ein neuer \nNachweis des Gehorsams verlangt. Neue Reiseverbote, neue \nReglementierungen f\u00fcr bereits zuvor eingeschr\u00e4nkte individuelle \nFreiheiten werden eingef\u00fchrt, ohne die Ursachen dieser Pandemie zu \nerw\u00e4hnen. Das Verlassen des Hauses ist nur noch erlaubt, um Lebensmittel\n zu kaufen, da die M\u00f6glichkeit, diese selbst zu produzieren, den meisten\n Menschen seit langem genommen wurde. Sich durch Retweeten von \n#iorestoacasa (#Ichbleibezuhause) innerhalb der vier W\u00e4nde zu \nverbarrikadieren, ist der traurige Vorschlag, zu dem sich gute \nitalienische B\u00fcrger gezwungen sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genauso wie das \u00f6kologische Drama durch \nDifferenzierung und Kauf von Elektroautos vermieden werden soll, soll \ndie Ausbreitung der Virus blockiert werden, indem die Menschen gezwungen\n werden, ihre H\u00e4user nicht mehr zu verlassen. Das kapitalistische System\n verteilt die Last auf die R\u00fccken seiner Untertanen und greift ebenso \nwie die moderne Medizin in das Symptom und nicht in die Ursache ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein menschliches Ereignis, vom Menschen verursacht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle oder fast alle vergessen sich daran zu erinnern, \ndass der Virus urspr\u00fcnglich durch eine Fledermaus auf den Menschen \n\u00fcbertragen wurde (von den Verschw\u00f6rungstheorien einmal abgesehen, die \nvielleicht nahe liegend erscheinen, aber an der Substanz der Dinge \nnichts \u00e4ndern) und dass dies dadurch m\u00f6glich wurde, dass der vom \nMenschen gemachte Klimawandel bisher feindliche Umgebungen f\u00fcr bestimmte\n Mikroorganismen attraktiver macht. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie vergessen sich daran zu erinnern, dass gerade die \nenorme Konzentration von Arbeitskr\u00e4ften an einem Ort, Millionen von \nMenschen, obwohl einander entfremdet, in St\u00e4dte gepresst, f\u00fcr die \nVerbreitung des Virus gesorgt hat. Es hat sich aufgrund des Wahnsinns \nverbreitet, der Menschen und G\u00fcter (darunter Milliarden von Lebewesen, \ndie f\u00fcr die menschlichen Ern\u00e4hrung bestimmt sind) von einem Teil der \nWelt in einen anderen bringt. Bis vor einigen Wochen flogen \ndurchschnittlich mehr als 12 Millionen Menschen pro Tag, 4,5 Milliarden \npro Jahr, allesamt potenzielle Tr\u00e4ger eines Virus. Arbeiter, Waren, \nTouristen \u2013 nun ist es das Corona Virus, das im (Waren) Fluss ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so wird sowohl die Rhetorik der Faschisten wie auch \ndie der gegenw\u00e4rtig und weltweit herrschenden Klasse dekonstruiert: Die \nGrenzen, die f\u00fcr jene, die kein Geld und keine Dokumente haben, \ngeschlossen und jene, die beides haben, offen sind, sind die gleichen, \ndie die Verbreitung des Virus auf der ganzen Welt erst erm\u00f6glicht haben.\n Schnell und bequem in der Business-Class. Begr\u00fc\u00dfungstrunk? Corona oder \nSars?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie der Staat reagiert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gesamte Halbinsel &#8211; und bald auch Europa &#8211; wird \nmilitarisiert, es entstehen neue Grenzen, die Kontrollpunkte werden mit \nbewaffneten Uniformen besetzt sein.&nbsp;Der Warenverkehr ist dramatisch \nzusammengebrochen, und der immer weniger freie Personenverkehr ist fast \nzum Erliegen gekommen. <br \/>Jeder zu Hause h\u00e4lt sich an die Verbote, aus \nAngst, sich anzustecken oder das Virus zu verbreiten. Oder einfach nur \nbestraft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diejenigen, die keine Wohnung haben, diejenigen, die \nnicht \u00fcber die von der Souver\u00e4nit\u00e4t geforderten Dokumente verf\u00fcgen, ist \nihre alleinige Existenz verboten, sie sind Gesetzlose. Sie k\u00f6nnen nicht \nmehr unbemerkt in den ausgestorbenen St\u00e4dten sein und sind der Polizei \nund der staatlichen Kontrolle ausgeliefert, die nur noch mit den blinden\n Augen sehen kann, die in diesen blinden F\u00e4llen die Kontrolle haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausnahmezustand erlaubt au\u00dfergew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahmen, \nNotstandsma\u00dfnahmen f\u00fcr eine st\u00e4rkere soziale Kontrolle. Diese Ma\u00dfnahmen,\n wie sie zum Beispiel im gesamten Westen zur &#8222;Terrorismusbek\u00e4mpfung&#8220; \nergriffen wurden, werden dauerhaft sein.<br \/>Einige schlagen vor, das in \nS\u00fcdkorea angewandte Modell zu \u00fcbernehmen und die Epidemie zu bew\u00e4ltigen,\n indem die Bewegungen der Menschen anhand gro\u00dfer Datenmengen verfolgt \nwerden. (Anmerkung d. \u00dc.: In \u00d6sterreich wurde bekannt, dass ein gro\u00dfer \nTelefonanbieter schon jetzt die Handydaten seiner Nutzer:innen an die \nPolizei \u00fcbermittelt, um Bewegungsprofile zu erstellen \u2013 alles unter dem \nPrimat der Pandemiebek\u00e4mpfung.)<\/p>\n\n\n\n<p>Da immer mehr Menschen verunsichert sind, warum sollte \nnicht die Verfolgung &#8211; nicht nur durch die Technologie- Riesen, sondern \nauch durch den Staat &#8211; aller B\u00fcrger unter dem Vorwand der \u00f6ffentlichen \nGesundheit oder der \u00f6ffentlichen Sicherheit erfolgen? Oder besser \ngesagt, beides? Das Publikum der \u00f6ffentlichen Debatte klatscht Beifall.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso k\u00f6nnte ein Verbot von Versammlungen f\u00fcr einen \nvermeintlich h\u00f6her stehenden Zweck, n\u00e4mlich den der \u00f6ffentlichen \nGesundheit, den Massenbewegungen ein Ende setzen, die in den letzten \nMonaten die derzeitige gesellschaftliche Ordnung in der ganzen Welt \nherausgefordert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also die Revolten in Hongkong durch das Virus \nersch\u00f6pft sind und die chilenische Revolte wieder zu einem \nkonstituierenden und reformistischen Horizont zur\u00fcckkehrt, was gibt es \ndann f\u00fcr den Staat jenseits der Alpen (Frankreich, d.\u00dc) Besseres, als \nau\u00dferordentliche Ma\u00dfnahmen zur &#8222;Eind\u00e4mmung der Epidemie&#8220; und damit zum \nendg\u00fcltigen Schlag gegen die unkontrollierbare &#8211; wenn auch tendenziell \nreformistische &#8211; Bewegung der gelben Westen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie der Kapitalismus neu erfunden werden k\u00f6nnte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die kapitalistische Welt k\u00f6nnte, wenn sie diese Periode \n\u00fcbersteht, den Ausnahmezustand ausnutzen, um alle in die vierte \nIndustrielle Revolution zu bef\u00f6rdern. Der Versuch, die Aktivit\u00e4ten \nau\u00dferhalb des Hauses, die Sozialit\u00e4ten und die Zusammenschl\u00fcsse ihrer \nGegner zu entmutigen &#8211; und damit die M\u00f6glichkeit der Begegnung, der \nKonfrontation, der Organisation, der Revolte&#8230; wir beziehen uns immer \nnoch auf die Revolten, die die Herrscher der Welt erst im letzten Jahr \nersch\u00fcttert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevorzugt werden soll stattdessen nur inhaltlose \nGeselligkeit und virtuelle Zusammenkunft &#8211; es gibt bereits diejenigen, \ndie Live-Streamings als &#8222;Konzerte&#8220; definieren -, Online-Konsum, der \nAufbau immer ma\u00dfgeschneiderter und weniger risikoreicher Umgebungen, was\n dazu f\u00fchrt, dass die Menschen nach und nach unf\u00e4hig sind, mit realen \nKonfliktsituationen umzugehen, die sich nicht durch einfache Abschaltung\n l\u00f6sen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige weitsichtigere \u00d6konomen, die sich vom Lokalen zum\n Globalen bewegen, erwarten in den kommenden Jahren eine m\u00f6gliche \nUmstrukturierung des Kapitalismus, eine ernsthafte Reduktion der \nGlobalisierung und der Finanzm\u00e4rkte. Uns erwarten vielleicht mehr lokale\n und weniger vernetzte Volkswirtschaften, k\u00fcrzere Produktionsketten, \nKontinente, die auf eine Art Autarkie abzielen, noch geschlossenere \nGrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammen mit einer geringeren gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit\n besteht eine gr\u00f6\u00dfere Wahrscheinlichkeit von Konflikten, denn wenn meine\n Wirtschaft nicht mehr von Ihrer abh\u00e4ngt und Sie nicht mehr die \nKomponenten meiner Raketen produzieren, warum sollte ich einen Krieg \nvermeiden, wenn Sie meine Interessen ber\u00fchren?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie lange wird es dauern, um von einem &#8222;konventionellen \nKrieg&#8220; zur Mutter aller Kriege, dem Atomkrieg, zu werden? Derjenige, \nindem wie in einem ein Dominospiel in wenigen Stunden viele Millionen \nMenschen get\u00f6tet w\u00fcrden? <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sehen wir, wie der Planet von dem n\u00e4chsten menschlichen Parasiten befreit wird&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist zu tun? Einige Hypothesen \u00fcber die Zukunft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Epidemien dieser Art im Allgemeinen zu erwarten \nwaren, sind wir auf die Geschwindigkeit und den raschen Umbruch unseres \nt\u00e4glichen Lebens nicht vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen also verstehen, was wir jetzt tun m\u00fcssen, \nwelche Chancen uns die Militarisierung des Landes bietet und was wir von\n der Zukunft erwarten k\u00f6nnen, indem wir versuchen, sie vorherzusagen. <br \/>Im\n Moment ist das erste, was wir tun m\u00fcssen, miteinander zu kommunizieren \nund nicht, uns zu isolieren. Die Debatte um den Ausnahmezustand f\u00fchren, \nsich gegenseitig konfrontieren, Texte und Vorschl\u00e4ge und Kritiken in \nUmlauf bringen. Und dann m\u00fcssen wir versuchen, die Informationen \u00fcber \ndie Situationen in den verschiedenen St\u00e4dten, in den verschiedenen \nRegionen zu teilen, wo die Kontrollpunkte sind, welche Kontrollformen \nangewendet werden und ob die Verbote tats\u00e4chlich respektiert werden \u2013 \noder nicht. Wenn wir eine klarere Vorstellung vom Gesamtkontext haben, \nwird es uns leichter fallen, uns zu bewegen, zu treffen, zu \nkonfrontieren und zu handeln &#8211; im Bewusstsein, dass unsere Bewegungen \nneue Infektionen verursachen k\u00f6nnen, auch bei Menschen, die wir nicht \ninfizieren wollen. Jede Person entscheidet, ob sie f\u00fcr die Ansteckung \nund vielleicht f\u00fcr die Ausl\u00f6schung &#8211; die sicherlich nicht innerhalb des \nJahres erfolgen wird &#8211; oder f\u00fcr etwas anderes handelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist, dass das Bed\u00fcrfnis, sich zu verh\u00fcllen, neue \nM\u00f6glichkeiten der Anonymit\u00e4t er\u00f6ffnet, die den Liebhabern von Image und \nIdentifikation ein gutes Gef\u00fchl der Sicherheit geben. Wir werden daher \nMasken erhalten, vom ganzen K\u00f6rper abw\u00e4rts, um in \u00f6ffentlichen, \nverdeckten und heiteren Situationen handeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder muss entscheiden, ob es vorrangig darum geht, \nKontaminationen zu vermeiden oder anders zu handeln. Sicher ist, dass \ndas Tragen von Masken neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Anonymit\u00e4t er\u00f6ffnet. \nDeshalb werden wir Masken aufsetzen, um in \u00f6ffentlichen Situationen \nmaskiert und gelassen handeln zu k\u00f6nnen. Sicher werden wir jene \nunterst\u00fctzen, die sich den neuen Beschr\u00e4nkungen widersetzen. Im Moment \nsind Menschen an Orten inhaftiert, an denen fast alle individuellen \nFreiheiten verweigert werden \u2013 in Gef\u00e4ngnissen. Nach den von den Medien \nver\u00f6ffentlichten Informationen haben innerhalb von wenigen Tagen 6000 \ngefangene Menschen vom Norden Italiens bis in den S\u00fcden rebelliert, \nwobei es jemandem gelang, nach dem Lynchen einer Gef\u00e4ngnisdirektors zu \nfliehen. Unter den Gefangenen z\u00e4hlen wir die ersten gewaltsamen \nTodesf\u00e4lle dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen Periode, ein Zeitraum, der \nwahrscheinlich einige Monate dauern wird und in dem, wie einige der \nHerrschenden sagen, 60-70 % der Menschen mit dem Virus infiziert werden \nk\u00f6nnten. Er k\u00f6nnte auch viel l\u00e4nger dauern: eine lange Zeit der \nQuarant\u00e4ne, der eingeschr\u00e4nkten Mobilit\u00e4t, der Kontrollen, \nVersammlungsverbote usw. <\/p>\n\n\n\n<p>Bestimmte Verbote k\u00f6nnen mit neuen Erleichterungen \naufgehoben werden: Overalls, Masken und \u00e4hnliches. Dies wird nicht \nausreichen, um zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckzukehren, sondern vielmehr den \nBeweis erbringen, dass wir in einer Zeit vor der Apokalypse leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die derzeitige Wirtschaft, zumindest wie wir sie kennen,\n wird kaum eine lange Zeit der Ausnahmezustandes und Stagnation \n\u00fcberstehen k\u00f6nnen<\/p>\n\n\n\n<p>Schon nach wenigen Tagen werden wir Zeugen der negativen\n Bilanz der Mail\u00e4nder B\u00f6rse, der spontanen und unvermittelten Streiks \nder Gewerkschaftsmitglieder, der Blockaden der H\u00e4fen, der oben erw\u00e4hnten\n Aufst\u00e4nde und der weit verbreiteten Verst\u00f6\u00dfe gegen die Verbote.<br \/>In \neinigen Wochen k\u00f6nnten die Grundg\u00fcter, n\u00e4mlich Nahrungsmittel, anfangen,\n knapp zu werden. Menschen, die Zeit haben, sich der ungew\u00f6hnlichen \nT\u00e4tigkeit des Denkens zu widmen, k\u00f6nnten also beschlie\u00dfen, ihren Zorn \nauf diejenigen zu richten, die ihren Hunger und ihre Gefangenschaft \nverursachen: diese Welt und ihre treuesten Diener. <br \/>Und die Aufst\u00e4nde jeder historischen Periode zeigen uns, dass die W\u00fctenden, die Rebellen, immer wissen, was sie treffen m\u00fcssen.<br \/>Warten\n wir also ab, bis sich die Situation zuspitzt, und versuchen wir, \nunseren revolution\u00e4ren Beitrag zu den Ausbr\u00fcchen von Wut, \u00c4rger, \nProtesten, Pl\u00fcnderungen und Unruhen zu leisten.<br \/>Wir sind zuversichtlich, dass es ausreicht, zu warten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings k\u00f6nnten Ungeduldige den starken Wunsch \nversp\u00fcren, einen sofortigen Beitrag zu der Ersch\u00fctterung zu leisten &#8211; \nvor dem Zusammenbruch des gegenw\u00e4rtigen Systems? Also wird vielleicht \njemand den Produktionskreisl\u00e4ufen einen weiteren Schlag versetzen \nwollen, indem er ihre Energieversorgung unterbricht, dem System, das \nt\u00f6tet, Milliarden von Menschen an die Produktion kettet und die Gebiete,\n in denen es sich entwickelt, verw\u00fcstet, um G\u00fcter zu produzieren, die \nMacht zu nehmen. Sie brauchen Wirtschaft und Kontrolle, nicht wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Jemand anderes k\u00f6nnte sich dazu entschlie\u00dfen, das \nInfrastruktursystem anzugreifen, dasselbe, das dem Virus &#8211; und seinen \nsicheren Nachfolgern &#8211; erlaubt hat, sich mit einer solchen \nGeschwindigkeit zu bewegen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte dies die Versorgung der \nverschiedenen St\u00e4dte verz\u00f6gern, aber wir haben uns nicht daf\u00fcr \nentschieden, die Produktion von Lebensmitteln von den Gebieten, in denen\n sie verbraucht werden, vollst\u00e4ndig abzukoppeln.<br \/>Jemand, der \nbesonders einfallsreich ist, k\u00f6nnte stattdessen urspr\u00fcnglichere Ziele \nangreifen. Selbst wenn er blind trifft, liegt er in dieser Welt nie \nfalsch \u2013 fast. Und wer wei\u00df, ob der Angriff auf z.B. Tabakl\u00e4den, der die\n Befriedigung bestimmter S\u00fcchte verhindert, nicht endlich den Aufstand \nder Raucher und Lottospieler endg\u00fcltig explodieren lassen k\u00f6nnte?<br \/>Eine Zukunft ansteckender rebellischer Phantasie erwartet uns.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von den R\u00e4umen zu den Pl\u00e4tzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was wir tun sollten, egal ob der Ausnahmezustand nur \neinige Wochen oder l\u00e4nger andauert, ist, aus der Quarant\u00e4ne \nauszubrechen, die Luft, die Stra\u00dfen, die Pl\u00e4tze, die Gebiete, in denen \nwir leben, zur\u00fcckzuerobern. \u00dcber den Slogan hinaus bedeutet es, wieder \nau\u00dferhalb geschlossener Orte zu leben, eine Gewohnheit, die viele \nMenschen vielleicht schwer wieder zugewinnen verm\u00f6gen, die an die \nSicherheit der Mauern ihres Lazaretts gew\u00f6hnt sind. Es wird notwendig \nsein, die berechtigte Angst und das Misstrauen, die in diesen Tagen bei \njedem Treffen entstehen, wenn man sich zu nahe kommt, aus den Angeln zu \nheben, die Angst abzubauen, damit man sich wieder nahe kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir k\u00f6nnen uns vorstellen, dass das \u00d6ffnen &#8211; oder \nvorher das Erzwingen &#8211; der Quarant\u00e4nek\u00e4fige, vor allem wenn die Dauer \nendlos ist, die Menschen wieder dazu bringt, sich wie ein donnerndes \nGewitter ins Freie zu st\u00fcrzen.<br \/>Nicht zwingend, um in das fr\u00fchere \nLeben, aber mit dem Willen, mit einem Knall auf die Pl\u00e4tzen, auf die \nStra\u00dfen, in die Parks, zur\u00fcckzukehren &#8211; die Orte, an denen der \nchilenische Aufstand ausbrach, wie jeder andere aufst\u00e4ndische Moment in \nder Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kehren wir zur\u00fcck und bekr\u00e4ftigen wir mit Wort und Tat \ndie totale Ablehnung einer Welt, die auf der Herrschaft &#8211; sei es \u00fcber \ndie Natur, \u00fcber das Tier oder den Menschen &#8211; und damit auf Ausrottung, \nUmweltzerst\u00f6rung, Krieg, Patriarchat, Lohnarbeit und vielen anderen \nAbschaum beruht, den wir zerst\u00f6ren werden. <br \/>Weigern wir uns, in einer\n Welt zu leben, die von Natur aus die Verbreitung solcher Epidemien \nbeg\u00fcnstigt und die die gesamte oder fast die gesamte Arbeit infiziert \nhat und verweigern wir uns einem Zwang, der nicht nur ein ganzes Leben \nder Bereicherung und Machterhaltung der Verantwortlichen widmet, sondern\n jeden Tag systematisch t\u00f6tet. Das bedeutet auch, die Arbeit f\u00fcr die \nVerbreitung spontaner Streiks aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00fcckkehr auf die Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen, um den Moment \nder Au\u00dfergew\u00f6hnlichkeit zu \u00fcberwinden, der bei den heutigen Aufst\u00e4nden \noft gegeben ist, die sehr ausgepr\u00e4gte Konfliktphasen erreichen, ohne \njedoch das Ziel zu verfolgen, dauerhaft zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist unserer Meinung nach die gr\u00f6\u00dfte Grenze und eine\n der Hauptursachen f\u00fcr das langfristige Scheitern der Aufst\u00e4nde und \nRevolten der letzten Zeit. Zusammen mit der Blendwirkung der \nkonstituierenden Versammlungen ist dies die Absenkung des Horizontes von\n dem eines Revolution\u00e4rs zu dem eines Reformisten und eine St\u00e4rkung des \ngegenw\u00e4rtigen Systems.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir auf die Zeitgeschichte zur\u00fcckblicken, k\u00f6nnen \nwir sehen, dass die Pl\u00e4tze wiederholt die Orte waren, an denen eine \nandere Kultur versucht hat, geboren zu werden, die Tochter der \nJahrhunderte, die ihr vorausgegangen sind, aber nicht nur eine fade \nAlternative zur kapitalistischen. <br \/>Es ist stattdessen die fade Alternative, die wir leider oft an den Orten, an denen wir leben, vorschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir k\u00f6nnen es besser machen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>In einer sich st\u00e4ndigen erneuernden Diskussion \u00fcber sich\n selbst und \u00fcber uns, \u00fcber unsere Beziehungen. Eine forschende Bewegung \naus Phantasie, Neugierde, Selbstkritik, um die Kultur der Herrschaft \nzugunsten von etwas Neuem zu dekonstruieren. Damit sich in den offenen \nR\u00e4umen, die von Natur aus Sektierertum und Identit\u00e4t abwehren, jede \nKategorie, jede Identit\u00e4t zwischen den Rebellen und ihren Feuern \nendg\u00fcltig aufl\u00f6st. Damit das Unvorhersehbare und Au\u00dfergew\u00f6hnliche zu \nunserem t\u00e4glichen Leben wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Ende, das wir leben werden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ob dies der Anfang vom Ende oder nur eine weitere \nVersch\u00e4rfung der Krise ist, k\u00f6nnen wir noch nicht wissen. Sicher ist, \ndass diese Pandemie eine unausl\u00f6schliche Narbe im Leben und in der \nVorstellung aller Menschen hinterlassen wird. Wie auch im System selbst.\n Sicher ist, dass die Idee, dass dies &#8222;die beste aller m\u00f6glichen Welten&#8220;\n ist, selbst durch die hartn\u00e4ckigsten Verteidiger des Kapitalismus nur \nim Stich gelassen werden kann. Wenn auch nur die in gutem Glauben. Wenn \nalso die ideologischen Grundlagen schwanken, das Wirtschaftssystem \nzusammenbricht und die Verw\u00fcstungen das Kapital mit seiner Verantwortung\n konfrontiert wird, dann beginnt jemand, den m\u00f6glichen Niedergang des \nAnthropoz\u00e4n zu erahnen. Milliarden von Lebewesen erheben sich zu dieser \nVision und nehmen die M\u00f6glichkeit einer Zukunft in Freiheit wahr..<\/p>\n\n\n\n<p>Vor uns liegt das Unerforschte, das Unbekannte. Es geht \ndarum, unsere eigenen Gewissheiten aufzugeben, um die unendlichen \nM\u00f6glichkeiten, die uns erwarten, zu erforschen. Wir werden sie mit einem\n Nervenkitzel erforschen, mit der Begeisterung des Entdeckens, mit dem \nAnblick des v\u00f6llig Neuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir werden es mit Freude tun &#8211; Vom Rande des Abgrunds, in Richtung eines Aufstandes und der Befreiung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anmerkungen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text entstand in Italien, wurde von einer \nitalienischen Website ins Griechische \u00fcbersetzt \u2013 und nun von mir aus \ndem Griechischen ins Deutsche. Ich habe mich nach bestem Wissen und \nGewissen bem\u00fcht, Sinnentstellungen zu vermeiden und einige \ngekennzeichnete Erg\u00e4nzungen vorgenommen. Urspr\u00fcnglich waren vier \nFu\u00dfnoten angeh\u00e4ngt, die ich entfernt habe. In ihnen ging es unter \nanderem um Fluggastdaten, eine Studie, nach der ein Atomkrieg zwischen \nden USA und Russland innerhalb von 5 Stunden bis zu 34 Millionen Tote \nproduzieren w\u00fcrde und darum, dass die relativ langsame Ausbreitung von \nEbola u.a. damit zusammenh\u00e4ngt, dass die Bewohner der von dieser \nEpidemie betroffenen Staaten deutlich \u00e4rmer und dadurch kaum in der Lage\n zu Kontinente \u00fcberwindenden Urlaubsreisen sind. Ich danke Sebastian \nLotzer f\u00fcr das Lektorat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Italienisches<\/em><em> O<\/em><em>riginal: <\/em><em><a href=\"https:\/\/roundrobin.info\/2020\/03\/linsurrezione-ai-tempi-del-corona-vairus\/\">https:\/\/roundrobin.info\/2020\/03\/linsurrezione-ai-tempi-del-corona-vairus\/<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Griechische \u00dcbersetzung: <\/em><em><a href=\"https:\/\/athens.indymedia.org\/post\/1603758\/\">https:\/\/athens.indymedia.org\/post\/1603758\/<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: de.indymedia.org Nun ist schlie\u00dflich jenes destabilisierende Ereignis eingetroffen, dass das kapitalistische System blockieren k\u00f6nnte. Und anders, als wir uns das vorgestellt haben, ist die Ursache daf\u00fcr nicht das Handeln einer Gruppe von Revolution\u00e4ren oder einer sozialen Gruppe eines Territoriums oder gar einer Bev\u00f6lkerung im Aufstand. Das Ereignis entsteht im kapitalistischen K\u00f6rper selber und breitet [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[114,118,125,1091],"tags":[297,147,1080,179,181,404],"class_list":["post-8820","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anarchismus","category-kritikselbstkritik","category-repression","category-ueberwachung-und-kontrolle","tag-analyse","tag-aufstand","tag-corona","tag-insurrektion","tag-italien","tag-repression"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8820"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8820"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8822,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8820\/revisions\/8822"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}