{"id":857,"date":"2013-11-23T20:30:57","date_gmt":"2013-11-23T19:30:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=857"},"modified":"2013-11-23T22:10:04","modified_gmt":"2013-11-23T21:10:04","slug":"gesellschaft-oder-gefangnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=857","title":{"rendered":"Gesellschaft oder Gef\u00e4ngnis"},"content":{"rendered":"<h4>\n\t&nbsp;<br \/>\n<\/h4>\n<h4>\n\t<em><strong>&nbsp;(Der folgende Artikel ist aus der 4. Ausgabe der Zeitschrift <a href=\"http:\/\/aufruhr.noblogs.org\">AUFRUHR &#8211; Anarchistisches Blatt<\/a> vom Februar 2013 entnommen.)<\/strong><\/em><br \/>\n<\/h4>\n<p>\n\tEine der offensichtlichsten Charakteristiken der heutigen Gesellschaft ist unserer Ansicht nach die immer durchdringendere Pr&auml;senz der Kontrolle in jedem Bereich des sozialen Lebens. Kontrolle verstanden als die F&auml;higkeit einer Gesellschaft, die f&uuml;r unangepasst gehaltenen Verhaltensweisen ausfindig zu machen und zu bestrafen und weitere Zuwiderhandlungen zu verhindern, und somit die eigene Stabilit&auml;t sicherzustellen. Was sich im Vergleich zur Vergangenheit ver&auml;ndert hat, ist nicht die Verh&auml;rtung der Gesetze, sondern die F&auml;higkeit, ihnen Respekt zu verschaffen.\n<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\tDiese soziale Kontrolle wird durch unterschiedliche Faktoren erm&ouml;glicht, die von der technologischen Entwicklung &uuml;ber die Mentalit&auml;t und die Kreierung der Identit&auml;t des B&uuml;rgers bis zur Verwaltung der St&auml;dte reichen (welche eine weitere Vertiefung verdienen, die wir vielleicht in einem anderen Artikel machen werden).<br \/>\n\tDie Kontrolle in unserer Gesellschaft kann die verschiedensten Formen annehmen, von der Einsammlung von Informationen bis zur rohen Repression der f&uuml;r unangepasst gehaltenen Verhaltensweisen, bis zur subtileren Suche nach Zustimmung. Wenn wir von Kontrolle sprechen, ist die Verantwortung also nicht in einer einzelnen Struktur zu suchen, sondern vielmehr in der gesamten Gesellschaft und in jedem ihrer Organe (B&uuml;rokratie, Polizei, Kontrolleure, Privatdetektive, Politiker und soger einfache B&uuml;rger).<br \/>\n\tDie Aus&uuml;bung der Kontrolle geschieht also nicht nur durch die Anwendung aller zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel, um mehr oder weniger offensichtlichen sozialen Zw&auml;ngen, wie beispielsweise den Gesetzen, Respekt zu verschaffen, sondern auch durch die Pr&auml;vention von Verhaltensweisen, die nicht an das gute Funktionieren der Gesellschaft angepasst sind, beispielsweise durch die Erpressung der Arbeit: Es gibt keine Gesetze, die zur Arbeit verpflichten, doch, ohne zu arbeiten, wird f&uuml;r viele das t&auml;gliche &Uuml;berleben unm&ouml;glich.<br \/>\n\tWer sich diesem Regime verweigert oder es schlicht nicht aushalten kann, oder wer rebelliert, wird mit weiteren Einschr&auml;nkungen, mit (durch Arbeiten) zu bezahlenden Geldstrafen bestraft, oder in einigen F&auml;llen in einem wahrhaftigen Gef&auml;ngnis weggesperrt.<br \/>\n\tUnsere Welt &auml;hnelt also immer mehr einem Gef&auml;ngnis, einer kontrollierten Umgebung, in der das Leben, das uns erlaubt wird, und zu dem wir bestimmt sind, ein Leben aus Arbeit, Ablenkung und Wohnung ist, das Ganze innerhalb der Grenzen der Gesetzlichkeit, die von der Gesellschaft selbst festgelegt wurde. Wir befinden uns in einem Gef&auml;ngnis, in dem die Stunden des Hofgangs in Wochenenden, Freitagen und Ferienwochen pro Jahr gez&auml;hlt werden, in dem sich die Isolation in unseren Beziehungen mit anderen zeigt, die durch den enormen Gebrauch von Fernkommunikationsmitteln distanziert erlebt werden, welche nicht so sehr gebraucht werden, um geografische Distanzen zu &uuml;berwinden, sondern um existenzielle Schranken zu &uuml;berwinden, und in dem die Mauern und Gitterst&auml;be vom allt&auml;glichen Trott geschaffen werden, der uns zur Frequentierung derselben Orte und zur Wiederholung derselben Strecken zwingt.<br \/>\n\tUm sich der Existenz der Mauern und der unsichtbaren Ketten dieses Gef&auml;ngnisses bewusst zu werden, so gen&uuml;gt es, (freiwillig oder unfreiwillig) auf der falschen Seite ihrer Gesetze und ihrer Moral zu stehen, oder sich zu weigern, sich vor der Erpressung der Arbeit zu beugen, um sogleich ihren repressiven Apparat auszul&ouml;sen.<br \/>\n\tWenn die Arbeit, der Konsum und die Wohnung im Zentrum unserer Gesellschaft und unserer Lebensweise stehen, dann k&ouml;nnen wir die Hypothese aufstellen, dass sich auch die Kontrolle haupts&auml;chlich in eben den physischen Orten der Arbeit, des Konsums und der Wohnung konzentriert, sowie auf den Strecken zwischen diesen Orten (&ouml;ffentlicher Verkehr). Es wird also einfach, einige unserer freiwilligen und unfreiwilligen &bdquo;Gef&auml;ngnisw&auml;rter&ldquo; zu identifizieren, da sie es sein werden, die uns in diesen Bereichen unseres Lebens kontrollieren: die Chefs und die Arbeitskollegen, die unsere Produktivit&auml;t in den Stunden kontrollieren, die wir aufbringen m&uuml;ssen, um unser &Uuml;berleben zu verdienen; die Kontrolleure in den &ouml;ffentlichen Verkehrsmitteln, die zu dem &Uuml;bel, jeden Tag arbeiten zu m&uuml;ssen, den Witz hinzuf&uuml;gen, uns bestrafen zu wollen, wenn wir uns weigern, zu bezahlen, um an die Orte unserer Ausbeutung zu gelangen; die Familie als Institution, einer der St&uuml;tzpfeiler der Gesellschaft, die die Reproduzierung der sozialen Werte gew&auml;hrleistet und Druck aus&uuml;bt, damit wir nicht auf dem &bdquo;schlechten Weg&ldquo; der Subversion landen; die Privatdetektive in den Superm&auml;rkten, die uns an einer Umverteilung der Reicht&uuml;mer hindern und sicherstellen wollen, dass unser Geld in den Taschen unserer Ausbeuter landen.<br \/>\n\tOhne die Polizei zu vergessen, den Garanten der Gesetze des Staates, der sich darum k&uuml;mmert, uns in jedem anderen Bereich unseres Lebens zu kontrollieren.<br \/>\n\tAll dies sind einige der &bdquo;Gef&auml;ngnisw&auml;rter&ldquo;, mit denen wir uns konfrontiert sehen, wenn wir eine wirklich freie Gesellschaft kreieren wollen, eine Gesellschaft ohne Kontrolle, in der jeder f&uuml;r sich selbst und f&uuml;r die eigenen Entscheidungen verantwortlich ist, ohne von anderen kontrolliert werden zu m&uuml;ssen. Und von eben diesen m&uuml;ssen wir uns entledigen, wenn wir das soziale Gef&auml;ngnis zerst&ouml;ren und den Weg der Freiheit einschlagen wollen.\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp;(Der folgende Artikel ist aus der 4. Ausgabe der Zeitschrift AUFRUHR &#8211; Anarchistisches Blatt vom Februar 2013 entnommen.) Eine der offensichtlichsten Charakteristiken der heutigen Gesellschaft ist unserer Ansicht nach die immer durchdringendere Pr&auml;senz der Kontrolle in jedem Bereich des sozialen Lebens. 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