{"id":8226,"date":"2019-11-02T16:35:15","date_gmt":"2019-11-02T15:35:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8226"},"modified":"2019-11-02T16:35:18","modified_gmt":"2019-11-02T15:35:18","slug":"italien-ammas-brief-aus-dem-gefangnis-von-vallette-9-oktober-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8226","title":{"rendered":"[Italien] Ammas Brief aus dem Gef\u00e4ngnis von Vallette (9. Oktober 2019)"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/insuscettibilediravvedimento.noblogs.org\/\">in<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"suscettibile di ravvedimento (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/insuscettibilediravvedimento.noblogs.org\/post\/2019\/10\/31\/en-it-turin-italy-a-text-from-amma-in-le-vallette-prison-october-9th-2019\/\" target=\"_blank\">suscettibile di ravvedimento<\/a>, \u00fcbersetzt von abc wien<\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=8229\" rel=\"attachment wp-att-8229\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-8229\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/tettoasilo-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Wir teilen diesen von Amma verfassten Text, der am 20. September 2019 zusammen mit Patrick und Uzzo verhaftet wurde. Ihnen wird Gewalt und Widerstand gegen Beamt*innen sowie Sachbesch\u00e4digung w\u00e4hrend der Teilnahme an einer Demonstration am 9. Februar in Turin in Solidarit\u00e4t mit dem Squat Asilo Occupato nach der R\u00e4umung sowie mit den im Rahmen der Operation Scintilla verhafteten Personen vorgeworfen. Die Demonstration richtete sich ebenfalls gegen die Gentrifizierung und Militarisierung des Bezirks Aurora.<\/p>\n<p>Amma m\u00f6chte seine detaillierten Informationen \u00fcber das, was er im Gef\u00e4ngnis La Valette durchmacht, die Haftbedingungen und die Gewalt der W\u00e4rter*innen w\u00e4hrend der Wochen seiner Inhaftierung so weit wie m\u00f6glich unter seinen Gef\u00e4hrt*innen verbreiten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Kommunikation mit Amma ist schwierig und die Informationen, die wir erhalten, sind unvollst\u00e4ndig. Viele seiner Briefe werden einbehalten und bisher haben unsere zahlreich verschickten Nachrichten ihn nie erreicht. Die ausgehenden Briefe kamen in zuf\u00e4lliger Reihenfolge und mit mehr als zwei Wochen Verz\u00f6gerung bei uns an. Besuche seiner Mutter wurden drei Wochen nach seiner Verhaftung erlaubt und wir warten noch immer auf eine Antwort auf die Frage eines Gef\u00e4hrten nach einem Besuchstermin. Der Antrag auf Hausarrest wurde ohne Bekanntgabe der Gr\u00fcnde abgelehnt.<\/p>\n<p>Die Nachrichten, die wir erhalten, steigern nur unsere Wut. Am 8. Oktober fand eine Anh\u00f6rung zur Haftpr\u00fcfung statt. W\u00e4hrend der Verhandlung gegen Amma vor Gericht kam es zu Auseinandersetzungen und Konfrontationen mit den Bediensteten des Staates, insbesondere mit der*dem Ermittlungsrichter*in und der*dem Staatsanwalt*in. Nach seiner R\u00fcckkehr ins Gef\u00e4ngnis La Vallette wurde Amma von den Wachen angegriffen \u2013 das Ergebnis ist eine Perforation des Trommelfells durch die Schl\u00e4ge der Wachen \u2013Misshandlungen, Provokationen und Drohungen.<\/p>\n<p>Wir sind nicht \u00fcberrascht, dass die W\u00e4rter*innen Polizist*innen ihre dreckige Macht auch durch Schl\u00e4ge, Einsch\u00fcchterungen und psychologische Drohungen aus\u00fcben. Wir haben diesmal die Fakten, da sie einem Gef\u00e4hrten passiert sind, allerdings ist diese Dynamik keinesfalls au\u00dfergew\u00f6hnlich. Sie ist Teil des Alltags und des grundlegenden Funktionierens der verschiedenen Haft- und Repressionsstrukturen, in denen der Staat diejenigen einsperrt, die die Aus\u00fcbung der Macht behindern, diejenigen die sich ihr widersetzen, diejenigen die nicht als funktionsf\u00e4hig f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Ordnung gelten.<\/p>\n<p>Die bei der Operation Scintilla verhafteten Personen haben diese Strukturen angegriffen. F\u00fcr diese Gef\u00e4hrt*innen, die sich im Kampf gegen Gef\u00e4ngnisse, CPR [1] und Grenzen engagieren, dr\u00fcckte die Demonstration vom 9. Februar ihre Solidarit\u00e4t und Wut auf den Stra\u00dfen der Stadt aus.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u201eDer Tag des 8. Oktobers begann fr\u00fch. Um 7:20 Uhr \u00f6ffnete ein*e W\u00e4rter*in die Zelle und informierte mich, ich m\u00fcsse mich bereitmachen, da ich zu einer Anh\u00f6rung zur \u00dcberpr\u00fcfung der Untersuchungshaft, wegen der ich im Gef\u00e4ngnis bin, gebracht w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein paar Minuten sp\u00e4ter verlasse ich mit einer Tasse hei\u00dfen Kaffee und einer frisch angez\u00fcndeten Zigarette die Zelle, in der sie mich einsperren, und laufe den Flur entlang bis zu dem \u201eKreisverkehr\u201c an dem sich die Flure des Abschnitts im dritten Stock von Block B vereinigen.<\/p>\n<p>In diesem \u201eKreisverkehr\u201c steht der Tisch der diensthabenden Wachen, einige rauchen, andere starren mich nur an. Einer steht auf und sagt zu mir \u201eHeute nicht rauchen\u201c, ich nehme ein paar schnelle, tiefe Z\u00fcge und f\u00fchre den Auftrag mit knirschenden Z\u00e4hnen aus.<\/p>\n<p>Bald darauf n\u00e4hert sich mir der betreffende W\u00e4rter und befiehlt mir, meinen Kaffee wegzuwerfen. Ich sage, dass ich noch keinen Schluck getrunken habe und er kommt n\u00e4her und nimmt mir die Tasse aus meiner versteinerten Hand (ich habe keine Kraft gefunden, mich dagegen zu wehren) und wirft sie arrogant weg.<\/p>\n<p>Mir wird befohlen, ins Erdgeschoss zu gehen, wo ich in einem Raum (nat\u00fcrlich verschlossen) warte, der sich langsam mit Gefangenen f\u00fcllt, die alle zur Staatsmaschine GERICHT gebracht werden sollen.<\/p>\n<p>Sie sagen uns, wir sollen keine Feuerzeuge oder Zigaretten in den Taschen haben. Ich hatte ein Feuerzeug einstecken, also ging ich zur\u00fcck in die Zelle. Als ich am Kreisverkehr vorbeilaufen will, hindert mich der leitende W\u00e4rter daran, es in die Zelle zu bringen und zwingt mich, das Feuerzeug wegzuwerfen.<\/p>\n<p>Ich gehe wieder runter. An einem bestimmten Punkt fesseln sie uns mit Handschellen, die mit einem Kabel verbunden sind, um uns wie an einer Leine zu ziehen, sie binden die Gefangenen an die Handschellen des anderen, die erste von einer Wache gehalten, und ziehen uns so in den Bus, wo sie uns in Zellen stecken ohne die Handschellen zu entfernen.<\/p>\n<p>Als wir unser Ziel erreichen, bleiben wir genauso gefesselt und auch auf dem R\u00fcckweg.<\/p>\n<p>14:50 Uhr. Es war das erste Mal, dass ich gl\u00fccklich war, in die Zelle zur\u00fcckzukehren. Ich z\u00fcndete eine Zigarette an. Da riefen sie mich zum \u201eKreisverkehr\u201c wegen meiner Post, sie \u00f6ffnen sie vor mir und zerst\u00f6ren den Teil mit der Adresse des Absenders \u2013 als ich frage warum, sagen sie mir, dass sie das Kommando haben und sie zeigen auf einen kleinen Raum und befehlen mir, hineinzugehen, da sie mich durchsuchen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Die Situation ist mies, aber da Dinge sonst nur noch mieser werden, gehe ich. Sie befehlen mir, mich bis auf die Unterhose auszuziehen.<\/p>\n<p>Nachdem ich meine Kleidung ausgezogen habe, fangen sie an, mich mit schwarzen Handschuhen zu schlagen. Drei von ihnen, einer nach dem anderen, mit einem vierten, der die T\u00fcr beobachtet und Dinge wie sagt wie \u201eDu bist nur ein Gefangener, du hast keine Rechte, hier haben wir das Sagen, stell keine Fragen\u201c usw. An einem bestimmten Punkt sagt der vierte W\u00e4rter zu den anderen sie sollen sich bewegen oder sie k\u00f6nnten gesehen werden und dann w\u00fcrde das Geschrei losgehen.<\/p>\n<p>Sie verlassen den Raum und lassen mich dort mit klingelnden Ohren in meiner Unterhose mit dem metallischen Geschmack von Blut in meinem Mund zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ein anderer W\u00e4rter kommt und schaut mich an, zieht die Handschuhe an und gibt mir von oben einen Schlag ins Gesicht (fast so, als w\u00fcrde er einen Volleyball schlagen), dann befiehlt er mir, mich zu bewegen und anzuziehen, aber als ich nach meiner Kleidung greifen will, schl\u00e4gt er mich wieder und sagt, ich solle mich beeilen.<\/p>\n<p>Er wird von einem Kollegen unterbrochen, der ihm sagt, die Zeit sei um da jetzt die anderen Gefangenen vom Hof zur\u00fcckkommen. Ich ziehe meine Kleider an und gehe zur\u00fcck zu dem \u201eKreisverkehr\u201c, um meine Briefe zu holen.<\/p>\n<p>Dort beginnt der leitende W\u00e4rter \u201eWenn Diebe in dein Haus einbrechen \u2013 wen rufst du dann?\u201c Ich antworte nicht. Er macht weiter \u201eKomm schon, sag es, das ist ein kleines Wort, wen rufst du an, huh? Sag es, es kostet dich doch nichts\u201c (das ganze zwei cm von meinem Gesicht entfernt). An einem bestimmten Punkt langweilt er sich und sagt \u201eDa du uns von jetzt an nicht anrufen willst, wirst du auch keine Pfleger oder Krankenschwestern anrufen, nicht einmal mehr um eine Dusche bitten\u201c und f\u00e4hrt fort \u201edu wirst nicht mehr in den Hof oder die Dusche gehen, du wirst dich im Waschbecken waschen, und jetzt gehst du in deine Zelle, denn hier bist du im Gef\u00e4ngnis und hier befehlen wir\u201c.<\/p>\n<p>Zitternd gehe ich in die Zelle und werfe mich ersch\u00f6pft auf das Bett.<\/p>\n<p>Aus dem Ohr kommt Blut, abends ruft mein Zellengenosse die Wachen und l\u00e4sst mir ein Schmerzmittel bringen, nachts kann ich wegen der Schmerzen im Ohr lange nicht schlafen, irgendwann schlafe ich vor Ersch\u00f6pfung ein.<\/p>\n<p>Als ich aufwache ist das Laken an der Stelle wo mein Kopf gelegen hat voller Blut.<\/p>\n<p>Wieder dank meines Zellengenossen kommt eine Krankenschwester und sagt, dass ich wahrscheinlich Verletzungen am rechten Trommelfell habe und Gefahr laufe, mein Geh\u00f6r zu verlieren. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, ist es der Abend des 9. Oktober, es ist 21 Uhr und mein Ohr blutet noch immer.<\/p>\n<p>AMMA<\/p>\n<p>Gef\u00e4ngnis La Vallette<\/p>\n<p>Turin, 9. Oktober 2019<\/p>\n<p>P.S.: Sie rechtfertigten die Schl\u00e4ge mit einem \u201eFuck the Carabinieri\u201c Graffiti, welches ich weder geschrieben noch gel\u00f6scht habe.<\/p>\n<p>Mit erhobenem Kopf<\/p>\n<p>AMMA&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Falls ihr Geld spenden wollt, um zu helfen die Kosten f\u00fcr Anw\u00e4lt*innen, Reisekosten nach Turin und \u00e4hnliches zu decken oder die Gefangenen grunds\u00e4tzlich zu unterst\u00fctzen, haben wir ein Konto eingerichtet:<\/p>\n<p>Alice Zaffaroni [account name]<br \/>Poste-pay evolution number 5333 1710 8726 9136<br \/>Iban: IT62I3608105138291221891240<br \/>Bic code: PPAYITR1XXX<\/p>\n<p>Kontakt: tuttxliberx<em> at<\/em> protonmail.com<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] CPR \u2013 Pre-removal detention centres: Abschiebegef\u00e4ngnis<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: insuscettibile di ravvedimento, \u00fcbersetzt von abc wien Wir teilen diesen von Amma verfassten Text, der am 20. 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