{"id":8185,"date":"2019-10-30T18:29:47","date_gmt":"2019-10-30T17:29:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8185"},"modified":"2019-10-30T18:29:56","modified_gmt":"2019-10-30T17:29:56","slug":"deutschland-thomas-meyer-falk-herr-h-landet-am-2-oktober-in-strenger-einzelhaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=8185","title":{"rendered":"[Deutschland] Thomas Meyer-Falk: &#8222;Herr H. landet am 2. Oktober in strenger Einzelhaft&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/freedomforthomas.wordpress.com\/2019\/10\/25\/herr-h-landet-am-2-oktober-in-strenger-einzelhaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"freedom for thomas (opens in a new tab)\">freedom for thomas<\/a><\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=3721\" rel=\"attachment wp-att-3721\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-3721\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/foto-thomas-200x280-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Im Fr\u00fchjahr 2019 wurde Herr H. aus der JVA Straubing (Bayern) nach Freiburg verlegt. Zur Sicherungsverwahrung (SV) verurteilt wurde H., nachdem er in einer ostdeutschen Haftanstalt eine Geiselnahme begangen hatte. Seitdem wird er von JVA zu JVA weiter gereicht. Hier in der JVA Freiburg soll sich nun der Vollzugsleiter, Sozialamtmann G. von ihm bedroht f\u00fchlen, zumindest erz\u00e4hlt das so Herr H. Was war passiert?<\/p>\n<p><strong>Die Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer umfangreichen Hauptverhandlung war H. urspr\u00fcnglich wegen Mordes zu einer zeitlich befristeten Haftstrafe in Hessen verurteilt worden. Seine hessische Mundart hat er bis heute nicht verloren. Jedenfalls soll er dann in subkulturelle Aktivit\u00e4ten verstrickt gewesen sein und wurde aus \u201eSicherheitsgr\u00fcnden\u201c in ein anderes Bundesland verlegt, so gelangte er damals in den Osten der Republik, wo er sich jedoch v\u00f6llig fehl am Platze f\u00fchlte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie er erz\u00e4hlte, habe er dort zwei Geiselnahmen in Gef\u00e4ngnissen begangen, ausschlie\u00dflich mit dem Ziel, wieder \u201ein den Westen\u201c verlegt zu werden. F\u00fcr die letzte Geiselnahme wurde er neben der Freiheitsstrafe zus\u00e4tzlich zur Unterbringung in der SV verurteilt. Er trat dann seine SV tats\u00e4chlich in Hessen an, war also letzten Endes doch wieder in seine Heimat verlegt worden. Freilich war dies nicht von langer Dauer, denn erst wurde er dann nach Bayern und zuletzt nun nach Baden-W\u00fcrttemberg verlegt. Warum genau, das wurde in den Gespr\u00e4chen mit ihm nicht ganz klar.<\/p>\n<p><strong>Der Aufenthalt in Freiburg<\/strong><\/p>\n<p>In seiner ihm eigenen, durchaus dominant zu nennenden Art machte Herr H. von Anfang an keinen Hehl daraus, dass das hier in Freiburg eine \u201eDrecksanstalt\u201c sei. Alles fing damit an, dass er einen Gro\u00dfteil seiner Sachen, die er in vorherigen Anstalten besitzen durfte, hier gar nicht erst ausgeh\u00e4ndigt bekam. Tats\u00e4chlich rangiert die JVA Freiburg, was den Zellenbesitz angeht am untersten Ende im republikweiten Vergleich. Wo andernorts mondernste Spielkonsolen, USB-Sticks, Kaffeevollautomaten, Festplatten, Bastelutensilien f\u00fcr Holzarbeiten, Stereoanlagen mit vier externen Lautsprechern, ja sogar Computer in den SV-Zellen stehen, endet in Freiburg die Besitzm\u00f6glichkeit was moderne Technologie angeht bei einer X-Box 360 (die man f\u00fcr \u00fcber 300 \u20ac bei einem Monopolisten kaufen muss, der sie zuvor technisch auf Wunsch der Anstalt modifiziert hat): Mit M\u00fch und Not werden mittlerweile Stereoanlagen mit zwei externen Lautsprechern zugelassen, sowie einfache Kaffeemaschinen. Aber Computer in den Zellen, USB-Sticks, Festplatten, aktuelle Spielekonsolen und so weiter, all das ist hier in Freiburg verboten.<\/p>\n<p>Damit war die Stimmung schon im Keller, als Herrn H. bei seinem Zugang die allermeisten Sachen vorenthalten wurden. Als er dann feststellte, dass die Bewegungsm\u00f6glichkeit in der SV-Einrichtung sich weitestgehend auf die eigene Station und partiell den Hof beschr\u00e4nkte, war der Ofen ganz aus. \u201eWas f\u00fcr ein Drecksladen!\u201c, so seine Kurzzusammenfassung, denn aus den bisherigen SV-Anstalten war er gewohnt, dass man sich in der ganzen Einrichtung frei bewegen konnte. Dass die Zellen zudem nur 14 m\u00b2 gro\u00df waren, man ferner eine Dusche und kleine K\u00fcche auf der Station nutzen muss, w\u00e4hrend in Bayern die Zellen \u00fcber 20 m\u00b2 messen und zudem \u00fcber eigene Dusche und Herd, also im Haftraum, verf\u00fcgen, stimmte ihn auch nicht gem\u00fctlicher.<\/p>\n<p>Seine Abneigung gegen Sexualt\u00e4ter vereiste zu Anfang ein wenig die Atmosph\u00e4re auf der Station, zumindest bei jenen die hier wegen Sexualtaten einsitzen, denn aus seiner Abscheu vor diesen T\u00e4tern machte er keinen Hehl. Mit 59 Jahren war er nun im Blinddarm des Vollzugssystems angekommen, sa\u00df erst wenige Jahre in der SV und seine Chancen, entlassen zu werden, sie waren und sind f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf, zehn und mehr Jahre wohl verschwindend gering zu nennen.<\/p>\n<p>Er freundete sich ein wenig mit Shorty an, jenem 41-j\u00e4hrigen jungen Mann mit ADHS, von dem ich gelegentlich schon berichtet habe. Sie spielten jeden Tag Schach, kochten nahezu t\u00e4glich und waren sich einig in ihrer Abneigung gegen\u00fcber dem System Sicherungsverwahrung im allgemeinen und der Situation in Freiburg im besonderen.<\/p>\n<p><strong>Konflikte mit der Anstaltsleitung<\/strong><\/p>\n<p>Eben auch weil Herr H. \u00fcber einen eigenen direkten Vergleich der Haftbedingungen mit anderen Haftanstalten verf\u00fcgte, forderte er von der Anstaltsleitung in Freiburg eine Anpassung an jene Verh\u00e4ltnisse anderer Bundesl\u00e4nder, biss damit jedoch weitestgehend auf Granit. Der Grad der Unzufriedenheit wuchs sp\u00fcrbar Woche um Woche.<\/p>\n<p>Mittlerweile richtete H. diverse Beschwerden an das Justizministerium und wurde daraufhin vom zust\u00e4ndigen Vollzugsleiter, Herrn G. zu den einzelnen Beschwerdepunkten pers\u00f6nlich befragt. Schon in den zur\u00fcckliegenden Monaten hatten die beiden sich gelegentlich miteinander unterhalten und Herr G. bekam von ihm den Spitznamen \u201eDer Schal\u201c, weil der Vollzugsleiter oftmals einen bunten Schal um den Hals geschlungen trug. Es spitzten sich die Konflikte mit diesem immer weiter zu, denn blo\u00dfes sch\u00f6nes Reden \u00fcber Probleme im Vollzugsalltag l\u00f6st diese noch nicht auf.<\/p>\n<p>Das letzte Gespr\u00e4ch zeigte massive Folgen!<\/p>\n<p><strong>Der 2. Oktober 2019<\/strong><\/p>\n<p>Er m\u00f6ge doch bitte mal mitkommen zum Bereichsdienstleiter, so wurde Herr H. eingeladen, dem Beamten zu folgen. Was das wohl bedeuten m\u00f6ge, r\u00e4tselten die anderen Insassen im Freizeitraum der Station. Als pl\u00f6tzlich ein Vorhang vor den Sicherheitst\u00fcren der Station zugezogen wurde, war es offenkundig, Herr H. w\u00fcrde wohl abgef\u00fchrt werden und damit keine Insassen das Geschehen w\u00fcrden beobachten k\u00f6nnen, eben jener Vorhang.<\/p>\n<p>Wenige Tage zuvor soll Herr H. dem Vollzugsleiter gegen\u00fcber auftrumpfend erkl\u00e4rt haben, er wisse wo und wann dieser geboren sei. Es solle zudem mehrere Vollzugsbeamte geben, die ihn mit Informationen versorgen w\u00fcrden. Shorty war mit bei dem Gespr\u00e4ch dabei. Offenbar soll sich nun der Vollzugsleiter von Herr H. bedroht f\u00fchlen. Da Tage zuvor im Rahmen einer Razzia von Polizei und Staatsanwaltschaft in der Strafhaft nach Drogen und Schmuggelware gesucht wurde und unter anderem eine Beamtin suspendiert worden sein soll, da sie in Verdacht steht, derartiges in die Anstalt geschmuggelt zu haben, mag man auch der Aussage von Herrn H., es gebe in der SV-Abteilung Bedienstete, die ihn mit Informationen versorgen w\u00fcrden, besonderes Gewicht beigemessen haben.<\/p>\n<p>Im Falle Shortys reagierte die Anstalt \u00fcbrigens auch noch. Shorty berichtete davon, der Anstalt erz\u00e4hlt zu haben, dass er \u00fcber einen therapeutischen Abschlussbericht bez\u00fcglich des Vollzugsleiters verf\u00fcge, der selbst mal in Behandlung gewesen sein soll. Prompt wurde Shortys Zelle durchsucht und alles was nach Papieren aussah, selbst die Zeitungen, mitgenommen, gesondert eingelagert und dann Blatt f\u00fcr Blatt durchsucht. Gefunden wurde nichts.<\/p>\n<p>Herr H. kam am Sp\u00e4tnachmittag des besagten 2. Oktober in die Absonderungssation der Strafhaftabteilung. Er habe, wie er mir in der folgenden Woche schrieb, alleine Hofgang, trage es aber locker, er sei schlie\u00dflich Einzelhaft gewohnt. Einzelhaft bedeutet die getrennte Unterbringung von allen anderen Mitgefangenen, mensch befindet sich Tag und Nacht alleine in der Zelle, sieht man von der einen Stunde Hofgang ab, die einem gesetzlich zustehen.<\/p>\n<p><strong>Der weitere Verlauf<\/strong><\/p>\n<p>Zwischenzeitlich wurde die Zelle von Herrn H. durchsucht und ger\u00e4umt. Er soll wohl, wie es hei\u00dft, in ein anderes Bundesland verlegt werden. Bei Shorty ging es auch noch weiter, fast ein bisschen lustig. Er hatte auf der R\u00fcckseite einer Fotokopie \u201eHausaufgaben\u201c f\u00fcr seine Einzeltherapie erledigt. Seine Therapeutin, Frau Dr. S., die therapeutische Leiterin der SV-Einrichtung soll dann, so erz\u00e4hlt es Shorty, messerscharf die Fotokopie als R\u00f6ntgenaufnahme identifiziert haben. Hierzu befragt, habe er erkl\u00e4rt, es handele sich um die Aufnahme des Knies des Vollzugsleiters G.! Angesichts der Vorgeschichte war man nicht am\u00fcsiert, aber es kl\u00e4rte sich rasch auf, dass hier kein Kniegelenk zu sehen war sondern die etwas unscharfe Aufnahme einer Figur aus einem Computerspiel, welche Shorty als Vorlage f\u00fcr seine T\u00e4tigkeit in der Arbeitstherapie dient, wo er n\u00e4mlich aus einem Holzblock eben diese Figur schnitzen soll.<\/p>\n<p><strong>Bewertung und Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Die Vollzugsbediensteten wissen um die intimsten Details der Insassen, aber wehe es wird dann gewisserma\u00dfen seitens der Insassen \u201ezur\u00fcckbeobachtet\u201c. Ich selbst erfuhr gelegentlich auch schon irritierte Reaktionen von Bediensteten, wenn ich Gespr\u00e4che mitprotokollierte, oder dann \u00fcber Beobachtungen auf meinem Blog berichtete. Sowas sei zumindest ungeh\u00f6rig! Normal sei es schon gar nicht. In der Tat, es ist aus Sicht der Justiz \u201enormal\u201c, Insassen zu durchleuchten, aber die Durchleuchter selbst, sie wollen unerkannt im Schatten bleiben. Da ger\u00e4t dann selbst die Information, der Vollzugsleiter gehe gerne angeln, fast zur Staatsaff\u00e4re, wie mir der Mitverwahrte W. berichtet. Er habe, schon vor l\u00e4ngerem, Herrn G. einen sch\u00f6nen Feierabend und viel Spa\u00df beim Angeln gew\u00fcnscht. Daraufhin sei er von einem aufgeregt wirkenden Herrn G. befragt worden, wie er dazu komme, \u00fcber solche Informationen \u00fcber sein Privatleben zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist spannend zu beobachten, wie wirklich belanglose Informationen zu einer massiven Reaktion f\u00fchren, sollte sich herausstellen, dass es wirklich nur jenes Gespr\u00e4ch war zwischen G. und H. das zu der Anordnung der Einzelhaft f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Die Lebensbedingungen f\u00fcr Herrn H. haben sich massiv verschlechtert, daran \u00e4ndert auch nichts die Tatsache, dass ihm die Isohaft vertraut ist und er sich gut mich sich selbst zu besch\u00e4ftigen wei\u00df. Er wird mutma\u00dflich in ein anderes Bundesland weitergereicht werden. Eine realistische Perspektive auf Freilassung hat er nicht, denn mit seinem Vorleben, der weiteren Ereignisse in den Haftanstalten und angesichts der Tatsache, dass er fast schon 60 Jahre alt ist, wo man altvertraute Gewohnheiten und Einstellungen noch viel schwerer aufgibt als in j\u00fcngeren Jahren, wird er wohl auf unabsehbare Dauer hinter Gittern weilen.<\/p>\n<p>Thomas Meyer-Falk, z. Zt. Justizvollzugsanstalt (SV), Hermann-Herder-Str. 8, D-7910 Freiburg<\/p>\n<p>https:\/\/freedomforthomas.wordpress.com<\/p>\n<p>http:\/\/www.freedom-for-thomas.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: freedom for thomas Im Fr\u00fchjahr 2019 wurde Herr H. aus der JVA Straubing (Bayern) nach Freiburg verlegt. Zur Sicherungsverwahrung (SV) verurteilt wurde H., nachdem er in einer ostdeutschen Haftanstalt eine Geiselnahme begangen hatte. Seitdem wird er von JVA zu JVA weiter gereicht. Hier in der JVA Freiburg soll sich nun der Vollzugsleiter, Sozialamtmann G. 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