{"id":7554,"date":"2019-07-02T13:56:04","date_gmt":"2019-07-02T11:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7554"},"modified":"2019-07-02T13:56:04","modified_gmt":"2019-07-02T11:56:04","slug":"osterreich-wien-erklarung-zum-scheitern-der-anarchistischen-bibliothek-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7554","title":{"rendered":"[\u00d6sterreich] Wien: Erkl\u00e4rung zum Scheitern der Anarchistischen Bibliothek Wien"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: kam per mail<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\"><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=7555\" rel=\"attachment wp-att-7555\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7555\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/anarchybook2-150x150.gif\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Liebe Freund_innen, Unterst\u00fctzer_innen und Genoss_innen,<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">wie viele von euch wissen, scheiterte vor nun 2 \u00bd Jahren das Projekt Anarchistische Bibliothek. Die ganze Bibliotheksgruppe stieg auf Grund der un\u00fcberbr\u00fcckbaren Differenzen mit einer Person aus dem Projekt aus.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Unsere Gr\u00fcnde und Sicht auf die Dinge findet ihr in unserer Kurzfassung und Langfassung \u201eErkl\u00e4rung zum Scheitern der Anarchistischen Bibliothek Wien\u201c.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Die letzte noch offene Frage war die Aufteilung der Spenden, rund \u20ac 3000,-, die an die damalige Anarchistische Bibliothek gingen. Da viele der Unterst\u00fctzer_innen der Anarchistischen Bibliothek und wir (die Gruppe, die bis zuletzt aktiv war und ausstieg) finden, dass dieses Geld der Anarchistischen Bibliothek gespendet wurde und nicht der jetztigen One Man Show (auch wenn wir wissen, dass es ein, zwei Unterst\u00fctzer_innen gibt) waren wir f\u00fcr eine Aufteilung. Wir schlugen vor, dass von dem Geld die laufenden Miet- und Betriebskosten f\u00fcr das Jahr 2017 f\u00fcr die damalige Bibliothek gezahlt werden und das restliche Geld an Anarchistische Projekte gespendet werden soll. Das entsprach einer Aufteilung 55 zu 45 Prozent zugunsten des Betreibers der damaligen Bibliothek. Er lehnte dies jedoch ab.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Trotzdem wurden bis Sommer 2017 \u2013 also noch ein halbes Jahr nach dem Ende \u2013 die Miete und Betriebskosten weiter bezahlt. Da wir uns \u00fcber die Aufteilung mit dem jetztigen Betreiber der Bibliothek nicht einigen konnten, haben wir entschieden, die Spender_innen zu fragen und denen, die es wollten, das Geld zur\u00fcck zu geben. Im Konkreten betrifft dies alle Spenden, die von Dezember 2015 bis Juli 2017 auf dem Konto eingelangt sind. Der verbliebene Rest wird an anarchistische Projekte gespendet. Kein Euro wurde privatisiert.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Wir bedanken uns bei den Spender_innen, die die Anarchistische Bibliothek, oft \u00fcber Jahre finanziell unterst\u00fctzt haben und auch bei allen anderen Nutzer_innen und Unterst\u00fctzer_innen.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Mit anarchistischen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Gruppe der ehemaligen Bibliothekar_innen der ehemaligen Anarchistischen Bibliothek.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\"><b class=\"moz-txt-star\"><span class=\"moz-txt-tag\">*<\/span>KURZFASSUNG<span class=\"moz-txt-tag\">*<\/span><\/b><\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\"><b class=\"moz-txt-star\"><span class=\"moz-txt-tag\">*<\/span>Erkl\u00e4rung zum Scheitern der Anarchistischen Bibliothek Wien<span class=\"moz-txt-tag\">*<\/span><\/b><\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Bisher haben wir uns nur kurz zu Wort gemeldet, mit der Ank\u00fcndigung noch einen l\u00e4ngeren Text zu ver\u00f6ffentlichen. Nach langem Z\u00f6gern tun wir das jetzt. Die Anarchistische Bibliothek wurde 2010 von einer Einzelperson gegr\u00fcndet, in den Jahren darauf aber bald von einer Gruppe verschiedener Menschen bespielt und getragen. Der Wunsch des Gr\u00fcnders nach Zuwachs, mit der Idee die Bibliothek als Kollektiv zu betreiben, sollte nach und nach realisiert werden. Allerdings kam es sehr bald zu Konflikten zwischen einzelnen der Gruppe und dem Gr\u00fcnder. Diese eskalierten immer wieder, auch nach verschiedenen, langwierigen L\u00f6sungsversuchen und gipfelten Ende 2016 schlie\u00dflich in gegenseitigen Ausschl\u00fcssen und einer Klagsdrohung, die uns der Gr\u00fcnder \u00fcber einen Rechtsanwalt ausrichten lie\u00df. Einen Konflikt in einem anarchistischen Projekt vor Gericht auszutragen war f\u00fcr uns nicht vorstellbar, so dass wir uns entschieden auszusteigen und die Bibliothek zu verlassen. Dieser Schritt war f\u00fcr uns alles andere als leicht, wir alle haben jahrelang viel Zeit und Energie in die Anarchistische Bibliothek Wien gesteckt. Der Gr\u00fcnder ist geblieben. Von unserer Seite haben wir uns aus dem Verein zur\u00fcckgezogen und das ehemalige Bibliothekskonto geschlossen. Dies f\u00fchrte zur Situation, dass der Gr\u00fcnder einzelne von uns nach wie vor regelm\u00e4\u00dfig mit E-Mails terrorisiert und unsere Adressen an Menschen in anderen St\u00e4dten weitergegeben hat mit der Aufforderung, sich ebenfalls an uns zu wenden. Wir k\u00f6nnen verstehen, dass es f\u00fcr Au\u00dfenstehende schwierig ist den Konflikt nachzuvollziehen. Was aber bleibt, ist, dass eine Gruppe von f\u00fcnf bis zehn Personen das Kollektiv verlassen musste und die Bibliothek mittlerweile von einer Einzelperson betrieben wird, die zur Unterst\u00fctzung ihrer Interessen einen Rechtsanwalt beigezogen hat. Dieses Projekt erf\u00fcllt f\u00fcr uns damit l\u00e4ngst keinen anarchistischen Anspruch mehr. Nach dem Verlassen der Bibliothek waren wir extrem ersch\u00f6pft. Nicht nur, dass so ein Konflikt unglaublich viel Energie kostet, auch langj\u00e4hrige Freundschaften sind dar\u00fcber zerbrochen. Daher melden wir uns erst jetzt mit dieser Stellungnahme zu Wort. Uns ist es ein Anliegen, den Konflikt auch aus unserer Sicht zu schildern. Au\u00dferdem wollen wir mit dieser Stellungnahme einige Themenfelder ansprechen, die oft auch in anderen Projekten zu Konflikten f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Erkl\u00e4rung zum Scheitern der Anarchistischen Bibliothek Wien<\/strong><\/h2>\n<p><strong>CHRONOLOGIE \/ SCHLAGLICHTER DER KONFLIKT-GESCHICHTE DER ANARCHISTISCHEN BIBLIOTHEK WIEN<\/strong><\/p>\n<p>Hier eine Chronologie der Ereignisse, um die Konflikte und schlie\u00dflich die Aufl\u00f6sung der A-Bibliotheksgruppe besser nachvollziehen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Anarchistische Bibliothek wird 2010 von einer Person gegr\u00fcndet, im folgenden Gr\u00fcnder genannt. Gemeinsam mit Unterst\u00fctzer_innen richtet der Gr\u00fcnder die R\u00e4ume her. Er macht darin zun\u00e4chst seine Sammlung an anarchistischen Druckwerken \u00f6ffentlich, die er \u00fcber viele Jahre gesammelt hat und baut die Bibliothek auf.<\/li>\n<li>Im Laufe der Jahre finden sich mehr Menschen, die die Bibliothek gemeinsam betreiben wollen. Das ist im Sinne des Gr\u00fcnders, der m\u00f6chte, dass die Bibliothek von einem Kollektiv betrieben wird. Die Bibliothek w\u00e4chst, es werden immer mehr B\u00fccher.<\/li>\n<li>2013 verl\u00e4sst eine Person aufgrund von Konflikten mit dem Gr\u00fcnder die Bibliothek. In einem Mail schreibt sie: \u201eYa basta! Versucht nicht, mich davon zu \u00fcberzeugen, dass ich nochmal mit ihm rede. [&#8230;] Sicher gibt es nicht immer Grund zum Fr\u00f6hlichsein, aber ein dauerhaft vergiftetes Klima schadet der Emanzipation.\u201c<\/li>\n<li>2014 gibt es Konflikte zwischen dem Gr\u00fcnder und der Nutzer_innengruppe Pfeilgasse (R\u00e4umlichkeiten, in denen die Bibliothek angesiedelt ist), die Nutzer_innengruppe will, dass der Gr\u00fcnder auf Grund seines Verhaltens und Auftretens, nicht mehr am Pfeilgassenplenum teilnimmt.<\/li>\n<li>Da der Mietvertrag bis 2019 begrenzt ist und die R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die angewachsene Bibliothek nicht optimal sind, entschlie\u00dft sich die Gruppe im Jahr 2014 eine Spendenkampagne \u201eMehr Platz f\u00fcr Anarchie\u201c zu beginnen, mit dem Ziel Geld f\u00fcr neue R\u00e4umlichkeiten zu sammeln. Gleichzeitig wird ein Verein gegr\u00fcndet, in dem auch der Gr\u00fcnder im Vorstand ist und ein Spendenkonto er\u00f6ffnet.<\/li>\n<li>Das Stra\u00dfenfest am 1.Mai 2015 bildet den Auftakt zur Spendenkampagne. Im gleichen Zeitraum wird auch das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung aktiv und gibt seine erste Brosch\u00fcre heraus. Das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung war bis dahin nur ein Zusatz zum Bibliotheksnamen, bis ein Mitglied der Bibliothek es mit Leben erf\u00fcllt hat. Beim Aufr\u00e4umen nach dem Fest kommt es zu einem Streit zwischen dem Gr\u00fcnder und einigen der Gruppe. In<\/li>\n<\/ul>\n<p>Folge gibt der Gr\u00fcnder bekannt, die Gruppe verlassen zu wollen. Die anderen entschlie\u00dfen sich, Bibliothek und Kampagne weiter zu f\u00fchren. Schlie\u00dflich kommt der Gr\u00fcnder doch wieder zum Projekt dazu.<\/p>\n<ul>\n<li>Nach einigem hin und her \u2013 Ausstiegsank\u00fcndigungen auf mehreren Seiten, B\u00fccher die der Gr\u00fcnder aus der Bibliothek genommen und reprivatisiert hat \u2013 wird vereinbart, dass es von externen Unterst\u00fctzer_innen begleitete Gespr\u00e4che geben soll, um die Situation zu kl\u00e4ren. Von November 2015 bis M\u00e4rz 2016 finden sechs solche Gespr\u00e4chsrunden statt. Ziel ist es unter anderem, die Eigentumsfragen der Bibliothek zu kl\u00e4ren. Der Grundbestand der B\u00fccher wurde vom Gr\u00fcnder eingebracht, aber viele B\u00fccher sind sp\u00e4ter dazu gekommen. Die Regale wurden vom Gr\u00fcnder selbst gebaut. Die Miete wurde kollektiv und durch Unterst\u00fctzer_innen bezahlt. Die Gespr\u00e4chsrunden bringen teilweise Entspannung, die wesentlichen Fragen bleiben allerdings ungekl\u00e4rt. Bibliothek und Kampagne werden in dieser Zeit weiterhin betrieben.<\/li>\n<li>Sommer\/Herbst 2016 kommt es zu Konflikten zwischen Nutzer_innen der Bibliothek, die f\u00fcr einen Vortrag kamen, und dem Gr\u00fcnder. Eine Besucherin wirft dem Gr\u00fcnder vor, sie rassistisch behandelt zu haben. Nachdem das Bibliothekskollektiv daran scheitert, eine gemeinsame Stellungnahme zu verfassen, denn der Gr\u00fcnder bestreitet jegliche Verantwortung, k\u00fcndigt die Besucherin an, gemeinsam mit Unterst\u00fctzer_innen die Bibliothek besetzen zu wollen. Ziel der Besetzung ist, dass der Gr\u00fcnder die Bibliothek verlassen soll. Die Besetzung scheitert unter anderem daran, dass das Bibliothekskollektiv die Aktion zwar teilweise als durchaus unterst\u00fctzend ansieht, die Wahl der Mittel aber nicht f\u00fcr angemessen h\u00e4lt, den Gr\u00fcnder nicht physisch hinauswerfen m\u00f6chte und grunds\u00e4tzlich extrem \u00fcberfordert mit der Situation ist. Die Besetzer_innen gehen und k\u00fcndigen an, die Bibliothek k\u00fcnftig boykottieren zu wollen.<\/li>\n<li>Winter 2016: Die Bibliothekar_innen treffen sich ohne den Gr\u00fcnder um zu entscheiden, wie mit der extrem angespannten Situation umzugehen ist. Der Gr\u00fcnder \u00e4ndert daraufhin alle Passw\u00f6rter, so dass die Gruppe keinen Zugriff mehr auf E-Mailaccount und Homepage der Bibliothek hat. Daraufhin beschlie\u00dft das Kollektiv, den Gr\u00fcnder endg\u00fcltig aus der Gruppe zu werfen. Nachdem klar ist, dass der Gr\u00fcnder den Ausschluss nicht akzeptieren wird, tauscht die Gruppe die Schl\u00f6sser der Bibliothek aus. Der Gr\u00fcnder bricht die Schl\u00f6sser auf, tauscht selbst die Schl\u00f6sser aus. Die Gruppe bricht ebenfalls die T\u00fcr auf und tauscht die Schl\u00f6sser wieder aus, der Gr\u00fcnder ist ausgesperrt.<\/li>\n<li>Die Gruppe beschlie\u00dft die Situation \u00f6ffentlich zu machen und l\u00e4dt zu einem offenen Plenum ein. Am gleichen Tag bekommt die Gruppe ein E-Mail von einem Anwalt, in dem mit rechtlichen Schritten gedroht wird, sollte der Gr\u00fcnder keinen Zutritt zur Bibliothek bekommen. Auch wenn klar ist, dass es wahrscheinlich keine Grundlage f\u00fcr eine Klage gibt, ist die Idee den ganzen Konflikt vor Gericht austragen zu m\u00fcssen doch extrem abschreckend und mit anarchistischen Ideen nicht zu vereinbaren. Die Gruppe entschlie\u00dft sich die<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bibliothek zu verlassen. Auch andere in der Bibliothek angesiedelte Gruppen wie das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung, die Textdiskussion und die anarchafeministische Schreibbande verlassen die Bibliothek.<\/p>\n<ul>\n<li>Der Gr\u00fcnder f\u00fchrt die Bibliothek alleine weiter. Seine Briefe und Aussendungen unterschreibt er weiterhin mit \u201eDie anarchistischen Bibliothekar_innen\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DERZEITIGER STAND<\/strong><\/p>\n<p>Was nach dieser langen und m\u00fchseligen Konfliktgeschichte bleibt, ist, dass eine Gruppe von f\u00fcnf bis zehn das Kollektiv verlassen musste. Der Gr\u00fcnder betrieb das Projekt alleine weiter, mittlerweile d\u00fcrften ihm wieder Leute helfen. In der Bibliothek befanden sich bis M\u00e4rz 2019 (Ende des Mietvertrages) die Druckwerke, die vom Gr\u00fcnder urspr\u00fcnglich eingebracht wurden, als auch der Gro\u00dfteil der B\u00fccher, die sp\u00e4ter dazugekommen sind und vorwiegend spendenfinanziert waren.<\/p>\n<p>In gemeinsamer Absprache wurde bereits im Herbst 2017 beschlossen die Kampagne \u201eMehr Platz f\u00fcr Anarchie\u201c zu beenden. Die Gelder, die bei der \u201eMehr Platz f\u00fcr Anarchie\u201c-Kampagne gespendet wurden, und mit denen der Ankauf eigener R\u00e4umlichkeiten geplant war, sind \u2013 so die Abmachung \u2013 zu retournieren. Soweit wir dies \u00fcberpr\u00fcfen konnten, wurden jene Gelder, die auf das \u201eMehr Platz f\u00fcr Anarchie\u201c- Spendenkonto einlangten retour \u00fcberwiesen bis auf eine Gro\u00dfspende.<\/p>\n<p>Soweit uns bekannt ist, gibt es seit letztem Jahr eine neue Spendenkampagne \u201eA-Bib braucht Raum\u201c.<\/p>\n<p>Die Gelder f\u00fcr die laufenden Kosten der Bibliothek, die auf ein Konto einlangten, waren bis zum Schluss ein Streitpunkt. Da wir mit dem jetzigen Bibliotheksbetreiber keine Einigung \u00fcber die Aufteilung finden konnten, wurde schlie\u00dflich das Geld an jene Spender_innen, die das wollten, zur\u00fcckgegeben. Den Rest verteilten wir an anarchistische Projekte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>THEMENFELDER<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eigentum<\/strong><\/p>\n<p>Der Gr\u00fcnder hat gerade anfangs viel Zeit, Energie und auch Geld in die Bibliothek gesteckt. Der erste Teil der B\u00fccher wurde von ihm privat eingebracht. Diese Problematik war uns bekannt und<\/p>\n<p>wurde ausf\u00fchrlich besprochen und diskutiert. Verschiedene L\u00f6sungsans\u00e4tze wurden besprochen. Die B\u00fccher wurden schon einmal dem Kollektiv, der \u201eBibliothek\u201c \u00fcbergeben. Es wurden auch Abschlagszahlungen angeboten. Jedoch wurde hier die Eigentumsfrage als machtstrategische Frage am Beginn des Konflikts recht bald ins Spiel gebracht. Dar\u00fcber wurde Druck ausge\u00fcbt und schlussendlich auch der Konflikt entschieden. Es gab ein doppeltes Spiel \u2013 einmal hat der Gr\u00fcnder sich als Eigent\u00fcmer und Chef inszeniert, dann wieder als ganz \u201enormaler\u201c Teil der Gruppe. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Eigentumsfrage von \u201eau\u00dfen\u201c als eine Art rotes Tuch wahrgenommen wurde \u2013 an Eigentum ist offenbar auch in anarchistischen Kreisen nicht zu r\u00fctteln. Dieses war wiederum nicht hilfreich in der Kl\u00e4rung, wie z.B. das Problem wem hier welche B\u00fccher denn geh\u00f6ren, gel\u00f6st werden kann. Privateigentum, das in kollektive Projekte eingebracht wird, stellt immer ein m\u00f6gliches Konfliktfeld dar. Fr\u00fchzeitige und schriftliche Absprachen k\u00f6nnten helfen, dem zu begegnen. In unserem Fall h\u00e4tte es eventuell helfen k\u00f6nnen, die Entwicklung von einer Ein-Personen-Bibliothek hin zu einem kollektiven Projekt nicht nur intern zu vollziehen, sondern auch \u00f6ffentlich zu verk\u00fcnden, eventuell mit einem Fest zu begehen.<\/p>\n<p><strong>Wer ist l\u00e4nger dabei<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nicht das erste Mal, dass ein anarchistisches Projekt genau an dieser Stelle scheitert: Eine Person f\u00e4ngt allein etwas an, es w\u00e4chst, andere Leute kommen dazu, es entsteht eine Gruppe und damit auch eine andere Dynamik. Und dann kann es sein, dass der Gr\u00fcnder\/die Gr\u00fcnderin damit nicht umgehen kann und den drohenden Kontrollverlust durch diverse Druckmittel verhindern will. Schwierig ist das Ganze auf mehreren Ebenen. Uns wurde vorgeworfen, dass wir das \u201eLebenswerk\u201c des Gr\u00fcnders wegnehmen oder zerst\u00f6ren w\u00fcrden. Wir hatten und haben Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass es eine besondere Situation ist, ein selbstgegr\u00fcndetes Projekt zu ver\u00e4ndern und Kontrolle abzugeben. Gleichzeitig haben auch viele von uns jahrelang an und in der Anarchistischen Bibliothek gearbeitet, auch uns war das Projekt ein gro\u00dfes Anliegen. L\u00e4nger dabei zu sein, kann keinen Freibrief f\u00fcr aggressives Verhalten darstellen.<\/p>\n<p><strong>Pers\u00f6nlichkeiten und Umgang miteinander<\/strong><\/p>\n<p>Von au\u00dfen wurde uns oft mitgeteilt, warum wir uns denn \u00fcber den Gr\u00fcnder aufregen, es sei doch bekannt, dass dieser eben etwas ruppig und rau sei, das sei halt seine Art. Aber auch wenn nicht alle immer Samthandschuhe tragen m\u00fcssen, gibt es Verhaltensweisen, die eigentlich nicht entschuldbar sind. Andererseits wurde uns auch mitgeteilt, dass wir selbst schuld an der Situation seien, wir h\u00e4tten doch wissen m\u00fcssen, dass es mit dem Gr\u00fcnder schwierig sei. Das impliziert, dass alle, die sich mit komplizierteren Menschen einlassen, selbst schuld sind, wenn es zu Konflikten kommt.<\/p>\n<p>Wir haben aber auch Unterst\u00fctzungsangebote bekommen, um moderierte Konfliktgespr\u00e4che f\u00fchren zu k\u00f6nnen und diese auch angenommen. Es w\u00e4re besser gewesen, fr\u00fcher und dringlicher \u00f6ffentlich zu kommunizieren, dass unser Projekt droht zu scheitern.<\/p>\n<p><strong>Vorbeugen f\u00fcr den Streitfall<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben in der Gruppe schon fr\u00fch \u00fcber die M\u00f6glichkeit eines Streitfalles gesprochen. Thema war dies z. B. in der Formulierung der Statuten des Vereins. Real ist es aber sehr schwierig, sich bei guter Stimmung vorzustellen, dass es wirklich zu so eskalierten Streitigkeiten kommt, was es nicht vereinfacht, sich auf solche Szenarien vorzubereiten. Schwierig ist es auch, einen guten Umgang mit rechtlichen Strukturen und Systemen zu finden \u2013 etwa notwendige Vereinsstatuten, in denen Namen von Menschen genannt werden m\u00fcssen oder Mietvertr\u00e4gen. Einerseits m\u00fcsste auch in diesen Fragen ein eventueller Konfliktfall mitgedacht werden \u2013 andererseits scheint es absurd sich zu \u00fcberlegen, dass ein Konflikt in einem anarchistischen Projekt anhand rechtlicher Fragen gekl\u00e4rt werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Statement einer damaligen Nutzerinnengruppe<\/strong><\/p>\n<p>Mail der Schreibbande an das Bibliothekskollektiv:<\/p>\n<p>\u201eEs tut uns total leid, dass ihr euch entschieden habt, die Bibliothek zu verlassen. Wir k\u00f6nnen es gut verstehen, finden es aber trotzdem sehr schade, weil die Bibliothek auch f\u00fcr uns ein besonderer Raum ist\/war \u2013 mit Platz f\u00fcr verschiedene Menschen und Themen. Wenn ihr geht, gehen wir nat\u00fcrlich mit. F\u00fcr uns ist es auch nicht so einfach, einen anderen Raum zu finden. Uns ist es nicht egal, in welchem Kontext wir die Schreibwerkstatt machen. Gerade weil es in Wien derzeit kaum\/keine feministisch-anarchistischen R\u00e4ume gibt, ist es uns wichtig unser feministisches Projekt in einen anarchistischen Kontext zu stellen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: kam per mail Liebe Freund_innen, Unterst\u00fctzer_innen und Genoss_innen, wie viele von euch wissen, scheiterte vor nun 2 \u00bd Jahren das Projekt Anarchistische Bibliothek. Die ganze Bibliotheksgruppe stieg auf Grund der un\u00fcberbr\u00fcckbaren Differenzen mit einer Person aus dem Projekt aus. 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