{"id":743,"date":"2013-06-14T17:25:38","date_gmt":"2013-06-14T15:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=743"},"modified":"2013-06-14T17:31:06","modified_gmt":"2013-06-14T15:31:06","slug":"kontrollierte-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=743","title":{"rendered":"Kontrollierte Stadt"},"content":{"rendered":"<p>\n\t<em>(&uuml;bernommen von: <a href=\"http:\/\/justizzentrumverhindern.noblogs.org\/post\/2013\/06\/07\/sicherheit-und-kontrolle\/\">http:\/\/justizzentrumverhindern.noblogs.org<\/a>)<\/em>\n<\/p>\n<p align=\"CENTER\" lang=\"en-GB\" style=\"text-align: left\">\n\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"198\" src=\"https:\/\/justizzentrumverhindern.noblogs.org\/files\/2013\/01\/cropped-gerichtsheader1.jpg\" width=\"940\" \/>\n<\/p>\n<p align=\"CENTER\" lang=\"en-GB\" style=\"text-align: left\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><i><b>oder: M&uuml;nchen und das neue Justizzentrum<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\">D<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">ie zweite S-Bahnstammstrecke, diverse Luxusneubauprojekte wie das &bdquo;Seven&ldquo; in der M&uuml;llerstra&szlig;e und das Werksviertel (ein komplett neues Stadtviertel aus dem Reagenzglas, welches hinter dem Ostbahnhof entstehen soll) sind riesige Bauvorhaben die nicht nur optisch die Stadt ver&auml;ndern werden, sondern auch direkte Auswirkungen auf das Leben der Bewohner haben werden. Diese Bauprojekte beschleunigen nicht nur Aufwertung und Verdr&auml;ngung innerhalb der Stadt, sondern sind auch Mittel der Kontrolle und der Herrschaft. So soll 2014 der erste Spatenstich f&uuml;r das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz gesetzt werden. Dieser Koloss der Bestrafung und Unterdr&uuml;ckung soll sich &uuml;ber eine Fl&auml;che von 38 000 qm erstrecken und alle bestehenden Gerichte und Staatsanwaltschaften zusammenfassen. Das Gericht ist nicht nur eine Institution, die dem Erhalt des Staates dient, sondern ist auch Abbild unserer Gesellschaft, ein Abbild der &uuml;berall herrschenden Autorit&auml;t und Unterdr&uuml;ckung. Als Anarchisten sehen wir tausend Gr&uuml;nde darin, den Bau zu verhindern und das Konzept des Strafens generell, anzugreifen. Die Beziehungen die mit dieser Institution einhergehen, also Beziehungen zwischen Menschen, die keinen wirklich direkten Umgang mehr kennen, sondern allen m&ouml;glichen Reglementierungen unterworfen sind und sich nur &uuml;ber Vermittler ausdr&uuml;cken, finden in diesem Geb&auml;ude eine Struktur die (an)greifbar ist. Um eine neue Welt zu erschaffen, muss alles Alte gehen, so auch jedes Gericht und die dahinterstehende Idee. Um einen direkten, solidarischen Umgang miteinander zu kreieren, muss mit der Auslagerung unserer Probleme an Knast und Justiz gebrochen werden und verhindert werden, dass sich die Justiz in unser Leben einmischt. Genauso m&uuml;ssen wir anfangen Verantwortung f&uuml;r unsere Taten und unsere Leb<\/span><\/span><\/span><span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">en zu &uuml;bernehmen und diese Verantwortung nicht abgeben. <\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Dieser Versuch der Herrschenden die Kontrolle weiter<\/span><\/span><\/span><span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">auszubauen, indem uns ein prunkvoller Glas- und Betonpalast vor die Nase gestellt werden soll, der uns immer daran erinnert, dass diese armselige Freiheit, die uns geboten wird, immer auf Bew&auml;hrung ist, muss man auch aus dem Licht der Stadtaufwertung, Umstrukturierung und Verdr&auml;ngung sehen.<\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Eine Stadt dient, aus Sicht der Macht, erst einmal zwei Dingen, dem Konsum und der sozialen Kontrolle. Diese Gesellschaft produziert Widerspr&uuml;che am laufenden Band und es kann jederzeit passieren, dass diese sich explosionsartig ausdr&uuml;cken (siehe bspw. den Unruhen in der T&uuml;rkei, die Krawalle in Stockholm, etc&hellip;). Das bedeutet: wir sind nicht am Ende der Geschichte angekommen, diese Spannungen gef&auml;hrden das Funktionieren der Stadt. Der Staat muss also zwangsl&auml;ufig, um die Gefahr eines sozialen Wutausbruchs aufzuschieben, seine B&uuml;rger ruhig stellen. Das passiert auf zweierlei Arten: das Zuckerbrot und die Peitsche. Wir haben einerseits die M&ouml;glichkeit unsere Rolle in dieser Gesellschaft anzunehmen und zu funktionieren und d&uuml;rfen im Gegenzug vielleicht sogar ein bisschen mitbestimmen, oder wir kriegen eben die Klinge an unsere Kehlen gelegt und die Fesseln werden fester angezogen.<\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Stadt ist ein Ort der Konzentration, hier (&uuml;ber)leben des Staates B&uuml;rger, hier gehen sie arbeiten, hier kaufen sie ein, hier am&uuml;sieren sie sich in den angebotenen, also erlaubten und geduldeten Formen. Es treffen die unterschiedlichsten Interessen und Tr&auml;ume aufeinander, Leute mit den verschiedensten Geschichten und vor allem mit mehr oder weniger gef&uuml;llten Geldbeuteln. Eine Stadt ist aber vor allem immer auch ein Ort des Kapitals, der Anh&auml;ufung von Geld. Aber damit es l&auml;uft wie es l&auml;uft und keine offenen Konflikte Gestalt annehmen, muss alles sicher und sauber bleiben, Investoren muss vermittelt werden, dass hier was zu holen ist. Es wird abgerissen, umgebaut, saniert und renoviert. Aus Mietwohnungen werden Eigentumswohnungen, wo fr&uuml;her nichts war, sprie&szlig;en Boutiquen und Einkaufspassagen f&uuml;r ein Publikum mit gro&szlig;em Geldbeutel aus dem Boden. Die Ver&auml;nderung, Sanierung und Umstrukturierung ganzer Stadtviertel vertreibt durch steigende Mieten h&auml;ufig die alten Bewohner. Dahinter steckt System: Meist sind die Menschen mit weniger Geld diejenigen, die das Bild der Sicherheit, Kontrolle und des Reichtums durcheinander bringen. Den Unerw&uuml;nschten wird der Aufenthalt und das Leben in den St&auml;dten verunm&ouml;glicht. Nur wer bezahlen kann ist willkommen und gern gesehen. <\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Es werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn die potentiellen Unruheherde verlagern sich aus den Herzen der St&auml;dte, wo das High-Life sich selbst inszeniert, in die urbane Peripherie. Graue Betonbunker verteilt auf eine Riesenfl&auml;che mit einfach durch die Bullen zu erobernden Stra&szlig;en. Weit genug entfernt von den Stadtzentren um die heilige Ruhe der Arbeiten und des Konsums nicht zu st&ouml;ren. <\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">In Zeiten sechsspuriger Stra&szlig;en braucht es auch keine Mauern mehr um diese Viertel abzutrennen, Stra&szlig;en und Autobahnen sind die neuen Mauern und dienen ebenfalls als Einfallstra&szlig;en f&uuml;r die Aufstandsbek&auml;mpfung, Parks werden einsehbar gestaltet, damit sich nichts und niemand den wachenden Augen der Gesetzesh&uuml;ter entziehen kann. (Stadt-)Aufwertung ist ein ganz nat&uuml;rlicher Bestandteil von Kapitalismus, da gerade in M&uuml;nchen durch Investitionen auf dem Immobilienmarkt immer Geld zu machen ist. Der Immobilienmarkt dient sozusagen als Rettungsring, damit die Blasen auf dem Finanzmarkt sich nicht weiter aufbl&auml;hen. Es ist ein Markt wo der Gewinn garantiert ist. <\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Stadtumstrukturierung ist aber nicht zwangsl&auml;ufig ein nur an den Markt gebundenes Ph&auml;nomen, oft genug kommen bei der Stadtplanung auch die Bullen mit ins Spiel, wo wir schon bei dem Thema Kontrolle w&auml;ren. Als Ort der Konzentration, ist die Stadt auch ein Ort der Widerspr&uuml;che und somit der Konflikte, wie oben bereits erw&auml;hnt, muss der Staat die Kontrolle in den Stra&szlig;en bewahren, damit das Funktionieren gesichert ist. Das passiert nicht nur durch durch Kameras, Securities, patrouillierende Bullen, gesetztreuen Aktivb&uuml;rgern mit Adleraugen&hellip;, sondern eben auch schon durch die Architektur an sich. Es ist nicht besonders verwunderlich, dass es in M&uuml;nchen so gut wie kein soziales Leben auf den Stra&szlig;en oder in der eigenen Nachbarschaft gibt, wenn man sich anschaut wie die H&auml;user gebaut sind. Wenn es nicht einmal Pl&auml;tze zum sich Treffen und Diskutieren gibt, ist es auch kein Wunder, dass man mit seinen Nachbarn in den letzten Jahren nie mehr Worte als &bdquo;Hallo&ldquo; und &bdquo;Sch&ouml;nen Tag&ldquo; gewechselt hat. Wenn die Wohnbl&ouml;cke immer mehr der Massentierhaltung gleichen, ist es auch kein Wunder, dass die meisten Menschen ihre Zeit isoliert und einsam vorm Fernseher verbringen.<\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Damit das so bleibt und um alle daran zu erinnern wer nun mal die Macht hat, m&uuml;ssen diejenigen die sich dieser &bdquo;sch&ouml;nen neuen Welt&ldquo; nicht unterwerfen bestraft werden und daf&uuml;r braucht es die Justiz samt ihren Richtern, Gerichten, Staatsanw&auml;lten, etc. Diese wiederum brauchen f&uuml;r die schnelle und sichere Abwicklung von all jenen Gesetzesbrechern, die dieses friedliche Bild ins Wanken bringen, das dazu geh&ouml;rige Gericht, sprich das neue Justizzentrum am Leonrodplatz. Dieser Luxusneubau hat seine Funktion also nicht nur darin, die Justiz effizienter zu machen, sondern stellt sich auch in den Kontext einer allgemeinen Aufwertung der gesamten Stadt.<\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Sich gegen Aufwertung auszusprechen und dann Politiker und Staat anzubetteln, bringt nichts. Zu sagen das Justizzentrum verhindern zu wollen, weil man die Baustelle nicht ertragen will oder die Fl&auml;che anders nutzen k&ouml;nnte und daraufhin Petitionen unterschreibt, wird wenig in Bewegung bringen. Ablehnung muss mit den Konsequenzen begriffen werden. Wenn man dieses Justizzentrum verhindern m&ouml;chte, ist die daraus entstehende Konsequenz, es mit den Mitteln anzugreifen, zu sabotieren, zu verhindern die man f&uuml;r angemessen h&auml;lt. Es geht aber auch nicht nur darum, dass wenn das Justizzentrum verhindert wird, die Welt wieder in Ordnung ist, keinesfalls. Das Justizzentrum ist nur eines der unz&auml;hligen Projekte der Herrschaft, jedoch eines in dem sich die h&auml;ssliche Fratze der Macht besonders deutlich zeigt. Um sie zu Fall zu bringen, braucht es mehr als ein paar zus&auml;tzliche Kratzer, wir m&uuml;ssen ihrer Ideologie der Passivit&auml;t den Zutritt zu unseren Beziehungen verw&auml;hren und zusammenkommen um alles in Frage zu stellen, nur dann werden unsere Beziehungen bedrohlich. Dazu m&uuml;ssen aber auch die Mittel des Kampfes entsprechend gew&auml;hlt werden. Eine neue Welt zu begehren, l&auml;sst sich nicht in Forderungen formulieren, genauso wenig kann Freiheit im Dialog mit dem Feind erbettelt werden.<\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\" lang=\"en-GB\">\n\t<span style=\"color:#FFFFFF;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Solange diese Stadt zwei Dingen dient, n&auml;mlich dem Machterhalt und dem Konsum, so lange die Architektur nach der Logik der Ausbeutung und Herrschaft entworfen ist, solange alles &uuml;berschaubar und kontrollierbar bleibt, wird es hier nie einen Platz geben, der nicht der Passivit&auml;t des Konsums, der Entfremdung, der Ausbeutung und der Herrschaft gewidmet ist. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(&uuml;bernommen von: http:\/\/justizzentrumverhindern.noblogs.org) oder: M&uuml;nchen und das neue Justizzentrum Die zweite S-Bahnstammstrecke, diverse Luxusneubauprojekte wie das &bdquo;Seven&ldquo; in der M&uuml;llerstra&szlig;e und das Werksviertel (ein komplett neues Stadtviertel aus dem Reagenzglas, welches hinter dem Ostbahnhof entstehen soll) sind riesige Bauvorhaben die nicht nur optisch die Stadt ver&auml;ndern werden, sondern auch direkte Auswirkungen auf das Leben der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-743","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/743"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=743"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/743\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":747,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/743\/revisions\/747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}