{"id":7310,"date":"2019-05-15T22:09:29","date_gmt":"2019-05-15T20:09:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7310"},"modified":"2019-05-15T23:33:53","modified_gmt":"2019-05-15T21:33:53","slug":"deutschland-hambacher-forst-jazzy-tagebuch-aus-der-haft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7310","title":{"rendered":"[Deutschland] Hambacher Forst: Jazzy &#8211; Tagebuch aus der Haft"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/abcrhineland.blackblogs.org\/2019\/05\/10\/jazzy-tagebuch-aus-der-haft-9-18-teil-a-gesa-ankunft-in-der-jva\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ABC Rhineland<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=5303\" rel=\"attachment wp-att-5303\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5303\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/493-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a><strong>Samstag, 15. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>Ich werde zu einem Gefangenensammel- transporter getragen und bekomme eine der Zellen zugewiesen. Einige Minuten sp\u00e4ter werde ich noch einmal heraus gebeten und muss mich einmal komplett entkleiden. Ich darf mich wieder anziehen und zur\u00fcck auf Zelle im Gefangenensammeltransporter.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir fahren los. Ich habe ein winzig kleines Fenster zu meiner Linken und sehe leider nur die Grube. Ich h\u00e4tte mich gerne noch vom Wald verabschiedet, da ich glaube, dass es ein \u24b6bschied f\u00fcr immer sein wird. Ich sitze da, schaue aus dem Fenster und fange an zu weinen und zu realisieren, dass das nun meine letzten \u24b6ugenblicke in diesem wundersch\u00f6nen Wald, meinem Zuhause waren.<\/p>\n<p>Ich rechne fest damit, in U-Haft zu kommen und erst wieder raus zu kommen, wenn leider schon alles zu sp\u00e4t ist. Wir entfernen uns vom Wald und ich bekomme doch noch einen letzten Blick zum Wald.<\/p>\n<p>Ich verabschiede mich, ein \u24b6bschied f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>\u24b6uf dem Polizeirevier in \u24b6achen angekommen m\u00fcssen wir erst mal einige Zeit warten. Nach einiger Zeit wird ein sehr komisches und h\u00e4ssliches Bild von mir gemacht und ich gehe weiter zur \u24b6ufnahme.<\/p>\n<p>Ich soll mich wieder komplett entkleiden. Danach darf ich mich wieder anziehen und meine pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde werden durchforstet. \u24b6lles was ann\u00e4hernd aussieht, als k\u00f6nnte es Kletterausr\u00fcstung sein wird erst mal beschlagnahmt. Im Computer wird aufgelistet, was beschlagnahmt wird und ich bekomme eine Nummer: Ab jetzt bin ich 202121 und werde auch nur noch so angesprochen.<\/p>\n<p>Ich werde in die Garage nebenan gebracht und einem der f\u00fcnf auf f\u00fcnf Meter gro\u00dfen K\u00e4fige zugewiesen. Winter sitzt schon wartend im K\u00e4fig. Ich bin sooo erleichtert sie wieder zu sehen, da ich davon ausgegangen bin ab jetzt von ihr getrennt zu sein. In dem K\u00e4fig liegen ein paar bodengleiche Matratzen, ein paar Becher mit Wasser, ein paar trockene Br\u00f6tchen und ca. 14 weitere \u24b6ktivistis.<\/p>\n<p>Ich kuschel mich zu Winter und warte. Lange Zeit passiert nichts. Ich versuche zu schlafen. Unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Meine Nummer wird aufgerufen und ich werde in\u2018s Haupthaus gebracht. Dort werden mir Fragen zum Tatvorwurf und zu meiner Person gestellt. Ich schweige. Ich werde weiter zur ED-Behandlung gebracht. Dort muss ich erst mal wieder warten. Ich werde rein geholt und soll als allererstes meine Fingerabdr\u00fccke abgeben. Ich verweigere die Abgabe formell. Daraufhin werde ich gezwungen. F\u00fcnf Cops stehen um mich rum und werden handgreiflich, verdrehen meinen Arm, fesseln meine Beine und ziehen\/hauen mit einem Schmerzgriff an meiner Nase. Diese f\u00e4ngt an zu bluten. Ich schreie vor Schmerzen. Sofort wird das Fenster zugemacht, da mich der Gesa-Support drau\u00dfen h\u00f6ren kann.<\/p>\n<p>Der Computer\/die Maschine st\u00fctzt ab, kann die gemachten Abdr\u00fccke nicht verwerten. Die weiblich gelesene Person, welche die Ma\u00dfnahme leitet ist sauer und alle reden auf mich ein, ich sei die erste Person, die so einen \u24b6ufstand machen w\u00fcrde. Sie versuchen es ein zweites Mal, wieder nichts.<\/p>\n<p>Das Ger\u00e4t funktioniert nicht mehr. Die Cops sind sauer und brechen die komplette ED-Behandlung ab mit der \u24b6ussage:<\/p>\n<p>\u201eDie kommt eh in U-Haft, da haben wir noch genug Zeit und M\u00f6glichkeiten an die Sachen ran zu kommen.\u201c<\/p>\n<p>Ich darf mich kurz waschen und das Blut aus meinem Gesicht wischen, w\u00e4hrend mir eine Person der Cops droht:<\/p>\n<p>\u201eWir kriegen ihre Fingerabdr\u00fccke, egal wie sehr sie sich wehren, uns ist alle erlaubt, wir d\u00fcrfen ihnen sogar in\u2018s Gesicht schlagen, um ihre Fingerabdr\u00fccke zu bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Ich werde zur\u00fcck in den K\u00e4fig gebracht und bin froh, dass die Ma\u00dfnahme abgebrochen wurde, denn ich habe keine Kraft mehr und die Schmerzen wurden unertr\u00e4glich. Zur\u00fcck im K\u00e4fig versuche ich etwas zu schlafen. Ein bisschen klappt es. \u24b6ls ich aufwache sind wir schon ein paar weniger und mir wird erz\u00e4hlt, dass einige entlassen wurden. Nach einiger Zeit wird auch Winter zur ED-Behandlung abgeholt. Es f\u00fchlt sich an, als ist sie stundenlang weg. Ich schlafe ein. \u24b6ls ich wieder aufwache ist Winter wieder da. Ihre Story klingt noch schlimmer als meine, aber auch ihre Fingerabdr\u00fccke haben sie nicht bekommen.<\/p>\n<p>Ich bin froh, dass Winter wieder da ist. Es werden immer mehr frei gelassen, am Sonntag Morgen sind wir nur noch 5 Menschen in dem K\u00e4fig. \u24b6ufeinmal werden Winter und ich abgeholt. Ich frage wof\u00fcr. Die \u24b6ntwort lautet: \u201eHaftrichtervorf\u00fchrung.\u201c Ich m\u00f6chte umgehend meinen \u24b6nwalt anrufen, was mir nicht erlaubt wird.<\/p>\n<p>Wir werden zum Gefangenensammeltransporter gebracht und nach D\u00fcren zum \u24b6mtsgericht gefahren. Dort kommen wir in zwei verschiedene Zellen. Es dauert einige Stunden, bis ich zur Haftrichterin gebracht werde. Ich bestehe weiter auf mein Recht meinen \u24b6nwalt zu kontaktieren. Der \u24b6nruf wird wieder abgelehnt. Die Richterin erkl\u00e4rt mir wie schlimm es ist, was ich getan habe und erkl\u00e4rt mir, dass sie aufgrund keiner vorhandenen Daten und der daraus folgenden Fluchtgefahr keine andere M\u00f6glichkeit sieht, als mich erst einmal in U-Haft zu stecken, da ich mich ja nicht \u00e4u\u00dfern m\u00f6chte. Ich erkl\u00e4re ihr, dass ich mich nicht zur Sache \u00e4u\u00dfere und verlange&nbsp; wenigstens meinen \u24b6nwalt kontaktieren zu d\u00fcrfen, was nicht geschieht.<\/p>\n<p>Nach einiger Wartezeit zur\u00fcck in der Einzelzelle werde ich wieder zum Transporter gebracht und nach K\u00f6ln-Ossendorf in die JVA gebracht.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 16. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>\u24b6nkunft ist Sonntagabend.<\/p>\n<p>UP22 und ich laufen die langen G\u00e4nge der Haftanstalt entlang und ziehen einen Wagen mit unseren pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nden hinter uns her. Diese werden mit uns durchgeschaut, wir bekommen einige Fragen gestellt und jeweils eine Zelle in Haus 13 zugewiesen. Keine Einweisung, aber ich bekomme die Info, dass es morgen fr\u00fch um 6 Uhr weitergeht. Ich beziehe mein Bett, einzurichten habe ich nichts, da meine Sachen weg sind. Ich versuche zu schlafen.<\/p>\n<p>Einige Zeit sp\u00e4ter geht meine T\u00fcr auf, sechs Wachen schauen mich komisch an, eine*r schnauzt mich an, sie h\u00e4tten mein \u24b6sthmaspray und sie w\u00fcrden es jetzt hier hin stellen. Daraufhin geht die T\u00fcr so schnell wieder zu, wie sie aufgegangen ist und ich versuche weiter zu schlafen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/abcrhineland.blackblogs.org\/2019\/05\/12\/jazzy-tagebuch-aus-der-haft-9-18-teil-b-haft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ABC Rhineland<\/a><\/p>\n<p><strong>Haft Tag 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>Montag, 17. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>Tag 1 und die \u24b6nkunft wurden nachtr\u00e4glich verfasst, da zu dem Zeitpunkt noch keine M\u00f6glichkeit auf Stift und Papier bestand.<\/p>\n<p>Ich wache gegen 6 Uhr auf, es h\u00f6rt sich so an, als werden T\u00fcren ge\u00f6ffnet. Kurz darauf geht auch meine T\u00fcre auf. Ich bekomme Brot, eine Tasse Tee und eine Margarine, welche ich mir gut einteilen soll, denn die gibt es nur einmal pro Woche. Ich versuche etwas zu essen, ziehe mich an, etc\u2026<\/p>\n<p>Und dann\u2026 eine ganze Weile erst mal nichts.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit \u00f6ffnet sich meine T\u00fcr, ich soll zum \u24b6rzt. UP22 wartet schon und wir gehen gemeinsam zum \u24b6rzt. Es tut gut UP22 wieder zu sehen und ich genie\u00dfe die Wartezeit beim \u24b6rzt mit UP22 sehr. UP22 kommt zuerst dran, danach ich. Der \u24b6rzt stellt uns ein paar banale Fragen, beantwortet sie sich selbst, da wir keine Ausk\u00fcnfte geben wollen und l\u00e4sst uns wieder gehen. Wir werden wieder zur\u00fcck gebracht, zur\u00fcck nach Haus 13, Zelle 112 und 115. Bevor ich in meine Zelle zur\u00fcck gehe, soll ich noch schnell zur \u24b6ufnahme.<\/p>\n<p>Ein Foto &#8211; ich sehe schei\u00dfe aus und schaue weg &#8211; und die Sache ist schnell erledigt, da ich wie immer keine Fragen beantworte. Zur\u00fcck in der Zelle soll ich meine Sachen packen, ich werde verlegt. \u24b6uf die Frage warum ich verlegt werde bekomme ich nur die plumpe \u24b6ntwort: \u201ePlatzmangel!\u201c Und ob UP22 auch verlegt wird? &#8211; \u201eNEIN!\u201c<\/p>\n<p>Ok, es sieht so aus, als ob sich unsere Wege nun trennen. Ich hoffe wir schaffen das &#8211; beide auf uns allein gestellt. \u24b6b jetzt bin ich in Haus 16, Zelle 111 alleine, ohne UP22. :\u2018(<\/p>\n<p>Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich alleine f\u00fchle und nichts mehr so richtig mit mir anzufangen wei\u00df. Ein paar Stunden sp\u00e4ter (kein Plan \u00fcber die tats\u00e4chliche Zeit, ein Uhr habe ich ja nicht) gibt es Mittagessen. Irgendwas mit Fleisch. \u201eVegan? Ham wa nich. Ich kann ihnen bisschen K\u00e4se anbieten.\u201c Ab jetzt gibt es wohl Brot mit Margarine.<\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit \u00f6ffnet sich meine T\u00fcr nocheinmal. \u201eGucken se mal ob das passt, wat anderes kann ich ihnen echt nicht anbieten.\u201c Vegane Gem\u00fcsesuppe, passt. Seitdem nichts mehr. Meine T\u00fcr \u00f6ffnet sich noch einmal, als es schon dunkel ist und geht auch genauso schnell wieder zu.<\/p>\n<p>\u201eN\u24b6CHT!\u201c<\/p>\n<p>Bis jetzt hatte ich noch keine M\u00f6glichkeit zum Telefonieren bzw. meinen \u24b6nwalt zu kontaktieren, weder in der Gefangenensammelstelle, noch hier. Ich hatte immer noch keine M\u00f6glichkeit zum Duschen, ich hatte keinen Freigang und ich habe kein Radio oder \u00e4hnliches f\u00fcr mein Recht auf Informationen. Ich versuche zu schlafen.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 2<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dienstag, 18. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>Ich wache wieder kurz nach 6 Uhr auf. Es gibt Fr\u00fchst\u00fcck, aber dieses mal bin ich in Haus 16, Zelle 111. Eine Weile sp\u00e4ter geht es endlich zum Duschen mit sechs weiteren Mitgefangenen. Beim Duschen bekomme ich ein paar mehr Infos, wie z.B., dass ich den Notrufknopf dr\u00fccken muss, wenn zur Freistunde gerufen wird, um raus zu kommen. Nach dem Duschen wieder Zelle. Warten auf das Mittagessen. Wie es UP22 wohl gerade geht? Es gibt Mittagessen. Vegetarisch, Vegan gibt es ja nicht. Ich versuche mir den veganen Teil raus zu sortieren. Kaum mit dem Essen angefangen geht die Zelle wieder auf.<\/p>\n<p>\u201eIhr \u24b6nwalt ist da!\u201c<\/p>\n<p>FREUDE!<\/p>\n<p>Schei\u00df auf\u2018s Essen, auf zum \u24b6nwalt.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck vom \u24b6nwalt. Das Gespr\u00e4ch hat sehr gut getan. Vor allem gibt es jetzt einige neue Infos. Unter anderem, dass der Norden in U-Haft gut vertreten ist, 3 von 4. Einerseits bin ich ziemlich stolz auf den Norden, dass wir das hier zusammen meistern, andererseits bin ich etwas entt\u00e4uscht, dass wir alleine sind. Ich habe irgendwie das Gef\u00fchl, dass uns alle anderen in den R\u00fccken fallen und Personalien angeben oder nicht \u201erichtig\u201c k\u00e4mpfen, aber sollte nicht zu voreilig urteilen. Eigentlich sollte ich froh \u00fcber jede*n freie*n \u24b6ktivist*in sein. Ab jetzt erstmal weiter essen und auf den Freigang warten. Habe ja jetzt erkl\u00e4rt bekommen, wie das mir dem Freigang geht.<\/p>\n<p>\u201eFREIG\u24b6NG!\u201c<\/p>\n<p>Drau\u00dfen angekommen wird mensch erst mal von den Mitgefangenen von oben bis unten gemustert und kritisch angeschaut. \u201eBist du neu hier?\u201c Nach ein paar Gespr\u00e4chen stelle ich fest, dass ich in einem Haus untergebracht bin, welches normalerweise gar nicht f\u00fcr U-Haft bestimmt ist, sondern ich nur aus Platzmangel hier bin. Eine Zellennachbarin erkl\u00e4rt mir noch einmal, wie ich am besten an veganes Essen ran komme und gibt mir noch ein paar hilfreiche Tipps, wie z.B. dass ich einfach f\u00fcr alles \u24b6ntr\u00e4ge schreiben soll. Ich frage noch einmal nach einem Radio. Der Mensch erkl\u00e4rt mir, dass im Moment alle Radios vergeben sind, ich aber h\u00f6chstwahrscheinlich heute eh noch in\u2018s Haus 10 verlegt werde und dort mal nachfragen soll, also sp\u00e4ter. Mir wird erkl\u00e4rt, dass Haus 10 das angenehmste Haus sein soll. Soll mir recht sein.<\/p>\n<p>\u201eEINSCHLIESSEN!\u201c<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in der Zelle habe ich meine ersten beiden \u24b6ntr\u00e4ge ausgef\u00fcllt, mal schauen, ob es klappt. Hat mir ja bist jetzt keiner erkl\u00e4rt, wie ich das mache. Die Zelle geht auf, Umzug in Haus 10. Ich soll schnellstm\u00f6glich meine Sachen packen und auf den Flur kommen. Sachen sind gepackt und ich in Haus 10 angekommen. Kaum an der Zellent\u00fcr angekommen wird mir erz\u00e4hlt, dass es hier noch eine \u201eUP\u201c (Unbekannte Person) gibt. Nach ein bisschen Nachdenken komme ich drauf, die einzige Person die in Frage kommt, ist UPIII. Was f\u00fcr eine Erleichterung. Ich bin nicht mehr alleine.<\/p>\n<p>UPIII bekommt gl\u00fccklicherweise sofort von mir erz\u00e4hlt und die M\u00f6glichkeit mich zu besuchen. Wir haben uns beide sehr gefreut. Kurz darauf ist eh Umschluss und UPIII bleibt erst mal einige Zeit bei mir. Es tut so gut mit einem Menschen&nbsp; reden zu k\u00f6nnen. Und da UPIII sich mittlerweile \u201egut\u201c eingelebt hat und sich auskennt steht sie mir mit Rat und Tat super offen und warmherzig gegen\u00fcber. Nach einiger Zeit ist wieder Umschluss und alle m\u00fcssen zur\u00fcck auf ihre Zellen. Wir verabschieden uns und ich freue mich drauf UPIII morgen wieder zu sehen. Und wenn ich jetzt ganz ehrlich bin ist das alles hier auch gar nicht mehr so schei\u00dfe. UPIII hat sich sehr gefreut mich zu sehen, ich f\u00fchle mich nicht mehr alleine und ich bin in dem \u201ebesten\u201c Hafthaus gelandet.<\/p>\n<p>Eigentlich ist alles super, wenn da nur die Unwissenheit \u00fcber UP22 nicht w\u00e4re. Ich hoffe es geht ihr den Umst\u00e4nden entsprechend gut. Jetzt f\u00fchle ich mich doch etwas mies, da es mir so \u201egut\u201c geht und ich nichts \u00fcber den Verbleib von UP22 wei\u00df. Leider k\u00f6nnen wir nicht tauschen. Und wie sch\u00f6n es nur sein k\u00f6nnte, wenn UP22 auch hier sein k\u00f6nnte. Ich werde jetzt noch mein Zeug auspacken, etwas essen und mich dann hinlegen. UPIII hat morgen wieder Besuch, mal schauen was sie berichtet.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 3<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 19. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>\u24b6uf dem Flur wird es wieder laut und ich wache auf, es gibt bald Fr\u00fchst\u00fcck. Kurz danach geht die T\u00fcr auf, \u201eFr\u00fchst\u00fcck\u201c. Ich gebe meine \u24b6ntr\u00e4ge ab, in der Hoffnung, alles richtig gemacht zu haben und nehme meine zwei Scheiben Brot entgegen. Ich drehe mich gerade um, um in meine Zelle zur\u00fcck zu gehen, als ich von hinten angetippt werde und einen Briefumschlag in die Hand gedr\u00fcckt bekomme. Er ist von UPIII. Zur\u00fcck in der Zelle \u00f6ffne ich den Brief. UPIII hat mir einen Bleistift und einen Radiergummi dazu gelegt, jetzt kann ich endlich wieder ordentlich zeichnen. In dem Brief ist unter anderem ein Wochenplan enthalten, damit ich mich zurecht finde. In dem Brief steht noch etwas \u00fcber eine Uhr, die UP3 mir mitgegeben hat. Diese ist nicht bei mir angekommen.<\/p>\n<p>Danach lege ich mich erst noch einmal hin und versuche zu schlafen. Gibt ja eh nichts mehr zu tun bis zum Mittagessen. Schlafen ist dann irgendwie wieder nicht m\u00f6glich, daf\u00fcr tut mir noch alles viel zu weh. Ich bin \u00fcbers\u00e4t mit blauen Flecken von der R\u00e4umung und meine Nase pocht und meine Handgelenke schmerzen von der erkennungsdienstlichen Behandlung am Sonntag. Ich vertreibe mir die Zeit mit Zeichnen und nichts tun. Nach einiger Zeit und einiger Langeweile geht die T\u00fcr auf.<\/p>\n<p>\u201eMittagessen.\u201c<\/p>\n<p>Da mir die letzten Tage erkl\u00e4rt wurde, dass es hier kein veganes Essen gibt und ich mich damit abfinden soll, stelle ich mich auf vegetarisch ein und hoffe wenigstens ein bisschen essen zu k\u00f6nnen. Zu meinem Erstaunen bekomme ich zwei Tabletts mit der \u24b6ufschrift vegan, was mich sehr erfreut. Es schmeckt zwar nicht gut, ist aber dennoch besser als nichts und ich freue mich dr\u00fcber, dass sie es wenigstens versucht haben. Ich hoffe UP22 hat genauso viel Gl\u00fcck mit ihrem Essen, wie ich. Ich versuche noch ein bisschen W\u00e4sche zu waschen und mir die Zeit bis zum Freigang zu vertreiben. Meine T\u00fcr geht auf. \u201eIhr \u24b6nwalt ist da.\u201c<\/p>\n<p>Perfekt, da habe ich doch noch etwas zu tun, bis zum Freigang.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch ist gut verlaufen. Zur\u00fcck auf der Zelle ist auch gleich schon Freigang.<\/p>\n<p>\u201eFREIG\u24b6NG!\u201c<\/p>\n<p>Kaum aus der Zelle drau\u00dfen treffe ich UPIII. Wir hatten heute gl\u00fccklicherweise 2h Freigang und nicht nur eine. D.h. mehr Zeit zum Reden und weniger Zeut zum Langweilen auf der Zelle und in weniger als einer Stunde ist auch schon wieder Umschluss und ich kann f\u00fcr ganze drei weitere Stunden zu UPIII r\u00fcber. Irgendwie f\u00fchlt es sich komisch an hier, denn ich habe das Gef\u00fchl mir geht es gar nicht schlecht. Ich w\u00fcrde jetzt auch nicht sagen es ist die beste Zeit meines Lebens, aber ich habe gute Laune, mindestens einen Menschen zum Reden, die W\u00e4rter*innen (kp wie mensch das schreibt) sind ganz ok und sogar freundlich, veganes Essen, nicht zu viel Zeit f\u00fcr Langeweile und alles was ich zum Leben brauche. Trotzdem ist es irgendwie komisch, ich habe das Gef\u00fchl es geht mir zu gut.<\/p>\n<p>Wenn ich mich hier umschaue und manch andere Menschen sehe, welche sich ihr Schicksal nicht einfach ausgesucht haben. Ich habe jederzeit die M\u00f6glichkeit meine Daten anzugeben und die JVA zu verlassen. Ich h\u00f6re schon den Essenswagen, vor dem Umschluss sollte das \u24b6bendessen noch kommen. Meine T\u00fcr geht auf.<\/p>\n<p>\u201e\u24b6bendessen.\u201c<\/p>\n<p>K\u00e4se\u2026 leider wieder nichts veganes, aber ok, es gibt Brot und Margarine und Tee. In ein paar Minuten ist Umschluss, yay.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss, wollen sie zu UP3 r\u00fcber?\u201c Die W\u00e4rter werden irgendwie immer freundlicher, gruselig.<\/p>\n<p>Ich gehe zu UPIII r\u00fcber, wir freuen uns beide uns wieder zu sehen. Ich merke, wie gut es mit tut einen Menschen, um mich zu haben, der mich versteht. UPIII erkl\u00e4rt mir einige wichtige Dinge \u00fcber das Daily-Life \u2013 was wichtig ist, zu wissen \u2013 und UPIII konnte mir auch endlich die heute morgen versprochene Uhr geben, da die W\u00e4rterin heute morgen wohl etwas verpeilt war. Sie erz\u00e4hlt mir auch, dass G. heute leider nicht zum Besuch kommen konnte, weil er im Moment viel im Wald wegen der Polizeieins\u00e4tze ist. Schade, aber G. wird nat\u00fcrlich auch wo anders gebraucht und ich glaube, der Wald braucht ihn gerade dringender. UPIII hat mir noch ein paar sehr n\u00fctzliche Dinge mitgegeben, wie Klamotten, die sie bekommen hat, aber mittlerweile viel zu viel f\u00fcr sie sind, genauso wie Briefmarken und liniertes Papier, damit ich endlich ordentlich und gerade schreiben kann.<\/p>\n<p>UPIII hier um mich herum zu haben, tut wirklich sehr gut. Es f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrden wir uns schon Wochen, Monate oder Jahre kennen, dabei kennen wir uns erst seit gestern. Ich schreibe noch ein paar Antr\u00e4ge, fange einen Brief an und staue die Dinge, die ich von UPIII bekommen habe. Ich nehme mir ein bisschen Zeit, um ein paar wichtige Dinge f\u00fcr unser geplantes \u201eHow to stay alive in prison\u201c auf zu schreiben, um es morgen mit UPIII zu besprechen und so schnell wie m\u00f6glich fertig zu bekommen. Ich w\u00e4re froh gewesen ein paar Tipps am Anfang zu bekommen, um meinen neuen Alltag zu bestehen. In Gedanken bin ich bei dem Wald. Ich hoffe, dass es dem Wald und den Menschen gut geht.<\/p>\n<p>Mir wurde heute erz\u00e4hlt, dass nun auch Gallien endg\u00fcltig ger\u00e4umt wurde, was mich sehr traurig macht, aber ich hoffe und glaube auch daran, dass die Menschen in Gallien ihr Bestes gegeben haben und die R\u00e4umungen bestimmt nicht ohne St\u00f6rungen und Gegenwehr abgelaufen ist. Ob es die n\u00e4chsten Tage ein paar neue UPs gibt? Einerseits w\u00e4re ich nat\u00fcrlich super froh, wenn keine neuen Hambis in U-Haft kommen, andererseits w\u00e4re es auch irgendwie sch\u00f6n ein paar wieder zu sehen.<\/p>\n<p>Aber jetzt hei\u00dft es erst mal Abwarten. Ich packe noch meine Sachen zum Duschen morgen fr\u00fch zusammen und versuche zu schlafen.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 4<\/strong><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 20. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>6 Uhr, Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>Ich gebe meine \u24b6ntr\u00e4ge an und hoffe alles richtig gemacht zu haben. Eine gute Stunde sp\u00e4ter geht die T\u00fcr wieder auf.<\/p>\n<p>\u201eDuschen\u201c<\/p>\n<p>Und ob ich die Nachrichten aus dem Wald schon gesehen h\u00e4tte\/mitbekommen h\u00e4tte. Ich frage mich, wie das m\u00f6glich sein soll ohne Radio, Zeitung etc\u2026 Die Wachtel erz\u00e4hlt mir, dass nun der erste Mensch im Wald gestorben ist. Es soll ein Blogger mit dem Namen Steffen sein. F\u00fcr mich bricht eine Welt zusammen. Ich fange an zu weinen und versuche die Nachricht zu verarbeiten. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Erstmal duschen.<\/p>\n<p>Beim Duschen treffe ich UPIII wieder. Wir haben danach gl\u00fccklicher Weise noch ein bisschen Zeit auf dem Flur vor dem Einschlie\u00dfen. Lilifee unser \u201eHausm\u00e4dchen\u201c, wie sie sie nennen, st\u00f6\u00dft auch dazu und gibt mir als \u201eWillkommensgeschenk\u201c einen \u24b6pfel und eine Banane. Ich freue mich sehr und warte sehnlichst auf den Umschluss heute Abend, da UPIII einen Fernseher hat und wir die Nachrichten \u00fcber den Hambi sehen wollen. Jetzt versuche ich mich erst mal mit Lesen und Briefe schreiben abzulenken. Ich habe eben n\u00e4mlich auch erfahren, dass ich keine Postkontrolle habe und Briefe einfach so abschicken kann.<\/p>\n<p>Die T\u00fcr geht auf: \u201eMittagessen\u201c.<\/p>\n<p>Es gibt Nudeln mit So\u00dfe, vegan. Das beste Essen seit Tagen. Ich bin am Essen, die T\u00fcr geht noch einmal auf.<\/p>\n<p>\u201eUps, falsche Zelle.\u201c<\/p>\n<p>Irgendwie sind die hier auch ganz sch\u00f6n verpeilt. Ich habe drei Briefe f\u00fcr heute fertig geschrieben und ruhe mich noch etwas aus und lese noch ein bisschen bis zur Freistunde. Eigentlich ist gerade Freistunde, aber irgendwie ist mir gerade nicht danach.<\/p>\n<p>\u201eGuten \u24b6bend. Es gibt \u24b6bendessen.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt super frische und weiche Br\u00f6tchen und Marmelade.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss!\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe zu UPIII r\u00fcber. Wir sind beide heute nicht bei bester Laune, aber wir versuchen das Beste draus zu machen. Wir schauen nebenbei Fernsehn, um Nachrichten \u00fcber den Hambi mitzubekommen. Es hat gut getan Infos zu bekommen. Schlechte Infos sind immer noch besser als keine Infos und eine*r der Nachrichtensprecher*innen erz\u00e4hlte etwas ver\u00e4rgert, dass Hambis die Situation im Wald nutzen und neues Baumaterial in den Wald bringen. Ja, es ist diskutabel solch eine schreckliche Situation auszunutzen, aber rum sitzen und nichts tun bringt auch niemanden weiter. Ich bin sehr stolz auf den Hambi und die Menschen, die aktuell noch da sind und dass einige versuchen weiter zu k\u00e4mpfen und sagen jetzt erst recht. Ihr lasst euch nicht so einfach klein kriegen und ihr versucht stets das Beste aus jeder Situation zu machen. Ein kleiner Lichtblick f\u00fcr heute.<\/p>\n<p>UPIII packt mir noch einige Dinge zusammen, welche sie nicht unbedingt braucht und meint, ich kann sie besser brauchen, wie Foto vom Hambi, mehr Briefmarken, Salz, Stifte, Kaffee, etc. Sooo lieb. &lt;3<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in meiner Zelle packe ich noch das Zeug von UPIII aus und verstaue es und wende einen neue gelernten Trick an. Ich \u201eklebe\u201c die Bilder vom Wald an eine Wand und die Schrankseite. Es funktioniert wirklich. Ich bin begeistert.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 5<\/strong><\/p>\n<p><strong>Freitag, 21. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>Ich wache auf, diesmal nicht vom Essenswagen, denn es ist Freitag und Fr\u00fchst\u00fcck ist erst um 9 Uhr. \u24b6u\u00dfer der Uhrzeit ist alles wie immer, ich gebe einen \u24b6ntrag ab und meine ersten fertig geschriebenen Briefe. Heute soll die Einkaufsliste kommen, bis Sonntag kann ich meinen Einkauf abgeben. Normalerweise bin ich kein Fan von Kaufen und Kapitalismus, aber da ich hier drinnen weder Containern, noch anders an Dinge ran kommen kann, ist der Einkauf schon sehr hilfreich. Da gibt es zum Beispiel die M\u00f6glichkeit auf Sojamilch und Gew\u00fcrze, was hier drinnen vieles einfacher macht.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss.\u201c<\/p>\n<p>Fr\u00fcher als sonst, aber Freitag, Samstag und Sonntag l\u00e4ufts hier anders als unter der Woche. Die Beamte kommt noch mal rein und h\u00e4ndigt mir Post von meinem \u24b6nwalt aus und meine Zahlungsanzeige, so was wie ein Kontoauszug. \u00dcber die Post freue ich mich sehr, mein Haftpr\u00fcfungstermin ist unter anderem enthalten und der erste \u24b6rtikel des \u24b6BC \u00fcber UP22 und mich. In dem Brief hei\u00dft es auch noch, dass UP22 und ich eigentlich gar nicht getrennt h\u00e4tten werden d\u00fcrfen, was meine \u24b6nw\u00e4ltin so schnell wie m\u00f6glich versucht zu kl\u00e4ren und ich bekomme Besuch am Montag.&nbsp; Ich freue mich jetzt schon. Wir schauen noch ein bisschen Nachrichten \u00fcber den Wald, freuen uns \u00fcber den Brief und die guten Neuigkeiten und reden noch ein bisschen.<\/p>\n<p>\u201eFreistunde.\u201c<\/p>\n<p>Wir gehen direkt vom Umschluss in die Freistunde. So langsam komme ich mir d\u00e4mlich vor, immer im Kreis zu laufen, aber Bewegung tut gut. Ich bekomme noch meine Einkaufsliste und bin \u00fcberrascht, was ich hier alles kaufen kann: von Fu\u00dfcreme, \u00fcber Brillen zu Gurken, Sojamilch, Oregano und Instantsuppen. Ich glaube sp\u00e4testens nach dem Einkauf sollte es m\u00f6glich sein,&nbsp; es wenigstens auszuhalten. Ich brauch fast 2 Stunden f\u00fcr meine Einkaufsliste. Ich esse noch ein bisschen, lese und lege mich hin.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 6<\/strong><\/p>\n<p><strong>Samstag, 22. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>Ich wache auf, es gibt Fr\u00fchst\u00fcck. Ich nehme mein Brot und lege mich sofort wieder hin und schlafe weiter.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe wieder zu UPIII r\u00fcber. Es gibt Mittagsessen, Suppe, leider nicht vegan. Wir lehnen die Suppe ab.<\/p>\n<p>\u201eFreigang.\u201c<\/p>\n<p>Ich warte bis die Zelle wieder ge\u00f6ffnet wird und gehe in meine Zelle und ziehe meine Schuhe an. Wir sehen uns \u201edrau\u00dfen\u201c wieder und wollen endlich den Prison-Ratgeber schreiben. \u24b6ber wie die letzten Tage schon verquatschen wir uns und schaffen es mal wieder nicht.<\/p>\n<p>\u201eEinschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich verabschiede mich von UPIII und gehe zur\u00fcck in meine Zelle. Da Wochenende ist, wir um 15Uhr die Zelle schon endg\u00fcltig verschlossen. Da ich eh nicht wei\u00df, was ich mit dieser vielen Zeit alleine in meiner Zelle anfangen soll, fange ich den Prison-Ratgeber schon mal an. Irgendwie ist das jetzt schon mehr geworden als gedacht. Ich hoffe, es liegt nur an meiner gro\u00dfen Handschrift.<\/p>\n<p>Heute ist ein langweiliger regnerischer Tag. Mittlerweile ist es viertel Acht. Kein Radio, kein TV, nix. UPIII hat mir Sudokus mitgegeben. Ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass mir das irgendwann noch mal Spa\u00df macht.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 7<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonntag, 23. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>8 Uhr, Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>Unser \u201eHausm\u00e4dchen\u201c erkl\u00e4rt mir noch einmal ganz lieb, wie das mit dem Zettelkram f\u00fcr den Einkauf funktioniert. Ich gebe meinen Einkauf ab und hoffe, alles richtig gemacht zu haben. \u24b6ber das werde ich dann am Mittwoch erfahren, wenn der Einkauf kommt. Ich lege mich sofort wieder hin und schlafe weiter.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich wache auf. V\u00f6llig verschlafen versuche ich mich zu organisieren und anzuziehen, um p\u00fcnktlich zum Umschluss gehen zu k\u00f6nnen. Ich gehe wieder zu UPIII r\u00fcber und schaffe es heute endlich \u00fcber den Prison-Ratgeber zu reden. Es gibt Essen. Wir essen zusammen und im Fernsehen kommt ein komisches Musikvideo, als der Titel da steht, merke ich, dass mich das Lied und der Titel an irgendwas erinnert. \u201eCordula Gr\u00fcn\u201c! Nach einiger Zeit kommt es wie ein Geistesblitz hoch.<\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend der R\u00e4umung, als wir im Lock-on sa\u00dfen, hat sich ein Polizist zu uns gesetzt und fing Smalltalk an. Er erz\u00e4hlte uns von seinem Ohrwurm. Eigentlich wollte ich seiner komischen Geschichte gar nicht folgen, aber ich war in diesem Lock-on gefangen und konnte leider nicht entfliehen. <\/em><em>Sein Ohrwurm war \u201eCordula Gr\u00fcn\u201c. Wir kannten den Song beide nicht. Er versuchte \u00fcber einige Wege an den Song zu kommen und ihn uns zu zeigen, aber es war nicht m\u00f6glich. <\/em><em>\u24b6<\/em><em>lso blieb ihm nur noch eine Chance, er musste uns den Song vorsingen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Diesen Moment werd ich nie vergessen. Jetzt, da ich den Song kenne, kann ich sagen, er war gar nicht mal so weit entfernt vom Original. Es regnet und ich muss an den Wald denken, dem tut der Regen bestimmt sehr gut.<\/p>\n<p>\u201eFreistunde.\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe Schuhe und w\u00e4rmere Klamotten anziehen. Ich stelle fest, dass ich gar keine geeigneten Klamotten f\u00fcr Regenwetter habe. Egal. Wir gehe raus zur Freistunde. Der Regen wird immer unangenehmer. UPIII gibt mir ihre Regenjacke, da sie der Meinung ist, dass sie mehr Wechselklamotten hat als ich. Ich bin am Schluss trotzdem komplett nass von oben bis unten. F\u00fcr heute bin ich froh, dass die Freistunde vorbei ist. Zur\u00fcck in der Zelle ist Haftkleidungstausch. Ich gebe meine getragene W\u00e4sche ab. Danach wird die T\u00fcr endg\u00fcltig verschlossen.<\/p>\n<p>Es ist 15Uhr.<\/p>\n<p>\u24b6ber ich freue mich auf meinen Besuch morgen. Ich lese noch einige Zeit, schreibe Briefe und denke nach. Gegen 23Uhr schlafe ich ein.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 8<\/strong><\/p>\n<p><strong>Montag, 24. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 25.September<\/em><\/p>\n<p>6 Uhr, Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>Ich gebe meine Briefe und \u24b6ntr\u00e4ge ab und lehne das Fr\u00fchst\u00fcck dankend ab. \u24b6ufgrund meines Besuchs bekomme ich die M\u00f6glichkeit, schon fr\u00fcher duschen zu gehen. \u24b6uch das lehne ich ab, das w\u00e4re mir zu stressig. Ich versuche so langsam wach zu werden und mache mich fertig f\u00fcr den Besuch. Da ich gestern all meine \u24b6nstaltsw\u00e4sche zum Waschen gegeben habe, habe ich fast nichts mehr zum \u24b6nziehen. Da es sehr kalt ist entscheide ich mich einfach alles, was noch da ist, auf einmal anzuziehen und bin sehr froh dar\u00fcber, dass ich von UPIII noch Klamotten bekommen habe. Ich organisiere mich noch ein bisschen und warte auf meinen Besuch.<\/p>\n<p>Ich werde abgeholt und gehe zu den Besuchsr\u00e4umen. Ich muss einige Zeit warten. Die T\u00fcr geht auf, mir wird erz\u00e4hlt, dass mein Besuch viel zu sp\u00e4t ist und wir nun nicht mal mehr 10 Minuten Zeit h\u00e4tten. Ich freue mich trotzdem alle drei zu sehen. \u24b6m Schluss waren es ca. 7 Minuten, aber besser als gar nichts. Wir verabschieden uns. Ich muss zur\u00fcck in den Warteraum. Da ich von Gabor unter anderem Tabak mitgebracht bekommen habe und eigentlich gar nicht rauche, habe ich im Warteraum direkt eine Person mit einer Packung Tabak gl\u00fccklich machen k\u00f6nnen. Zur\u00fcck im Hafthaus ist gerade niemand verf\u00fcgbar, um meine Zelle aufzuschlie\u00dfen. Ich nutze die Zeit und suche mir ein neues Buch aus dem Regal, lese mir die \u24b6ush\u00e4nge durch und rede noch ein bisschen mit dem \u201eHausm\u00e4dchen\u201c. Danach gehe ich erst mal duschen und putze meine Zelle.<\/p>\n<p>\u201eMittagessen! Lecker Suppe!\u201c<\/p>\n<p>Es gibt Bohnensuppe zum Mittag. Ich esse ein kleines bisschen und lese. Kurz darauf gibt es endlich wieder \u24b6nstaltskleidung. Ich r\u00e4ume meine W\u00e4sche auf und lese weiter. Meine T\u00fcr geht erneut auf.<\/p>\n<p>\u201ePost!\u201c<\/p>\n<p>Ich bekomme einen Brief vom \u24b6BC. Heute morgen von meinen Besucher*innen schon angek\u00fcndigt. Sie haben mir ein Bild von Steffen geschickt. Ich z\u00f6gere einige Zeit. Ich wei\u00df genau, dass dieser Brief die bef\u00fcrchtete Gewissheit bringt. Ich \u00f6ffne den Brief, mein ganzes Bett ist voll Glitzer. Ich l\u00e4chele. Wie kann ich nur vergessen, dass oftmals Glitzer mit der Post mitgesendet wird. Ich ziehe die f\u00fcnf Seiten Text und ein Foto heraus.<\/p>\n<p>Gewissheit.<\/p>\n<p>Es ist genau der Steffen, an den ich die ganze Zeit gedacht habe. Ich kann\/will es nicht glauben. Ich erinnere mich zur\u00fcck. Vor ungef\u00e4hr einem Jahr haben wir uns im Wald kennen gelernt und er pr\u00e4sentierte mir ganz Stolz sein Projekt. Er wolle mit einer 360\u00b0 Kamera das Leben im Wald darstellen. Er wollte die Besetzung aus einer anderen Perspektive zeigen. Ich fand seine Herangehensweise bewundernswert. Ihm war es auch ganz wichtig zu zeigen, dass die Menschen, welche beim Gro\u00dfeinsatz von Baumh\u00e4usern geholt werden, keine Terroristen sind, sonder auch nur meist friedliche Menschen.&nbsp; Er war bei so vielen sch\u00f6nen Momenten im Wald dabei. Und ich habe mich immer gefreut, dass er diese sch\u00f6nen Momente mit uns erleben konnte und auch noch gefilmt hatte.<\/p>\n<p>Ich kann und will es immer noch nicht glauben, dass dieser tolle Mensch von uns gegangen sein soll.<\/p>\n<p>Meine Zelle f\u00fchlt sich schlagartig immer kleiner an und ich m\u00f6chte nur noch weglaufen, Hauptsache weit weg. Der Tatsache nicht ins \u24b6uge sehen. \u24b6ber meine Zelle ist verschlossen und ich sitze fest hinter diesen dicken Mauern und T\u00fcren. Ich f\u00fchle mich allein und verstehe die Welt nicht mehr. Hier sitzen zu m\u00fcssen und nichts tun zu k\u00f6nnen macht mich fertig. Nicht einmal die M\u00f6glichkeit zu haben ordentlich \u24b6bschied zu nehmen f\u00fchlt sich schei\u00dfe an. So richtig schei\u00dfe!<\/p>\n<p>Ich sitze noch einige Zeit weinend da und versuche zu akzeptieren, was ich seit Tagen nicht wahr haben wollte.<\/p>\n<p>\u201e\u24b6bendessen.\u201c<\/p>\n<p>Ich lehne dankend ab. Das \u201eHausm\u00e4dchen\u201c merkt sofort, dass es mir \u00fcberhaupt nicht gut geht und fragt, ob UPIII mal nach mir sehen darf. Da die Beamten bei mir nicht weiter kommen, darf UPIII 90 Minuten vor Umschluss schon r\u00fcberkommen und versucht mich aufzumuntern. Ich bin froh in diesem Moment nicht alleine sein zu m\u00fcssen. UPIII erz\u00e4hlt mir, dass sie sich schon Sorgen gemacht hat, da ich nicht drau\u00dfen zur Freistunde war. Es tut richtig gut einen Menschen zum reden zu haben, der einen versteht. Wir werden fast jede Stunde von Beamten gest\u00f6rt, die beobachten wollen, wie es mir geht und mich in eine Beobachtungs-Zelle stecken wollen. Ich habe das Gef\u00fchl, dass diese Menschen weder Mitgef\u00fchl noch Empathie haben und wie immer nur ihren Job machen. Ich schaffe es gl\u00fccklicherweise sie davon zu \u00fcberzeugen, dass Beobachtung alles nur schlimmer, als besser machen w\u00fcrde und darf letztendlich in meiner Zelle bleiben und auf meine \u24b6rt und Weise trauern.<\/p>\n<p>\u201eEinschluss.\u201c<\/p>\n<p>UPIII muss leider wieder in ihre Zelle r\u00fcber, aber ich bin ihr so dankbar, ich wei\u00df nicht, was ich hier ohne sie machen w\u00fcrde. Ich versuche mich noch ein bisschen mit lesen abzulenken und zu schlafen.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 9<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dienstag, 25. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 1.Oktober<\/em><\/p>\n<p>Es ist 2 Uhr morgens und ich kann immer noch nicht schlafen. Ich sitze am Fenster und schaue raus in die Nacht. Ich habe das Bed\u00fcrfnis spazieren zu gehen. \u24b6ber da sind wieder die Mauern, T\u00fcren und Z\u00e4une, welche mich wie immer daran hindern. Ich f\u00fchle mich erstmals richtig unwohl. Nach einiger Zeit kann ich dann endlich schlafen. Ich schlafe schlecht, aber besser als gar nix.<\/p>\n<p>\u201eGuten Morgen! Fr\u00fchst\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Ich lehne wieder dankend ab und drehe mich rum und versuche weiter zu schlafen. Die Beamte fragt mich wieder, wie es mir heute geht und bietet mir an, wann immer ich m\u00f6chte mich zu melden und zu UPIII r\u00fcber gehen zu k\u00f6nnen. Ich schlafe unruhig weiter und wache ein n\u00e4chstes mal auf, da mir die Beamte endlich ein lang ersehntes Radio bringt. Ich versuche noch ein bisschen zu schlafen.<\/p>\n<p>\u201eMittagessen.\u201c<\/p>\n<p>Ich lehne wieder dankend ab und bekomme nach einiger Diskussion mit dem \u201eHausm\u00e4dchen\u201c doch Essen in die Hand gedr\u00fcckt. Die Beamte macht mir erneut das \u24b6ngebot, zu UPIII r\u00fcber gehen zu k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte trotz des lieben \u24b6ngebots erst mal immer noch alleine sein. Ich schalte das Radio an. Es tut gut mal was anderes zu h\u00f6ren. Kurz darauf kommen Nachrichten. Es ist 12 Uhr.<\/p>\n<p>Die erste Meldung ist sehr erfreuend, \u24b6ktivistis sollen die Internetseite von RWE lahm gelegt haben und RWE aufgefordert haben, die R\u00e4umung und Rodungsaktivit\u00e4ten im Wald sofort zu stoppen. Die n\u00e4chste Meldung: Die R\u00e4umungsaktivit\u00e4ten gehen seit heute weiter. Mist. Ich sitze immer noch hier fest und der Wald wird weiter ger\u00e4umt. Bei der aktuellen angespannten Lage im Wald hoffe ich, dass niemand etwas Dummes tut.<\/p>\n<p>\u24b6ber \u201egl\u00fccklicherweise\u201c habe ich jetzt ein Radio und kann wenigstens die R\u00e4umungsaktivit\u00e4ten mitverfolgen und bin ein bisschen weniger von der \u24b6u\u00dfenwelt abgeschnitten. Ich bekomme Post. Drei Briefe. Der erste ist vom \u24b6mtsgericht D\u00fcren: Haftpr\u00fcfungstermin. Ich solle doch bitte p\u00fcnktlich sein und meinen \u24b6usweis mitbringen. Deren Optimismus l\u00e4sst mich schmunzeln.<\/p>\n<p>Der zweite, den ich \u00f6ffne, zieht mich sofort wieder runter. Der Brief beinhaltet zu 98% Erz\u00e4hlungen, wie toll die Welt au\u00dferhalb der JVA ist und dass es sch\u00f6n w\u00e4re, wenn ich das auch bald wieder haben k\u00f6nnte. Ich \u00e4rgere mich kurz \u00fcber diesen Brief, aber versuche ihn schnell wieder zu verdr\u00e4ngen. Ich freue mich, dass ich noch einen dritten Brief bekommen habe. Leider besitzt der Briefumschlag keine \u24b6bsender*in und \u24b6dresse und der Brief ist auch nicht unterschrieben. Ich w\u00fcrde gerne direkt antworten, aber ohne \u24b6bsender*in und Unterschrift wird das leider schwierig.<\/p>\n<p>\u201eFreigang.\u201c<\/p>\n<p>Ich dr\u00fccke den Knopf, da das Wetter so wundersch\u00f6n ist. UPIII und ich legen uns ins Gras und schauen in den Himmel. Ich freue mich auf den Umschluss, da UPIII und ich Nachrichten schauen wollen und dann hoffentlich diese Ungewissheit \u00fcber die R\u00e4umung aufh\u00f6rt. Und ich hoffe insgeheim den ganzen Tag, dass meine T\u00fcr aufgeht und mir jemand erz\u00e4hlt, wie haben eine neue \u201eUP\u201c, wie es bei UPIII und mir passiert ist. Es ist Zeit f\u00fcr den<\/p>\n<p>\u201eUmschluss\u201c.<\/p>\n<p>Ich ziehe mir noch schnell Kuschelsocke an und gehe r\u00fcber. Gegen viertel Neun kommt im Fernsehen eine Dokumentation \u00fcber W\u00e4lder und Herbst. Wir sind beide kurz vorm Weinen. Ich w\u00fcrde so gerne noch einmal die M\u00f6glichkeit bekommen, in einem Baumhaus von dem Geraschel eines Eichh\u00f6rnchens oder einer Haselmaus aufzuwachen.<\/p>\n<p>\u201eEinschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich sage gute Nacht und gehe in meine Zelle. Ich freue mich auf morgen. Morgen kommt meine \u24b6nw\u00e4ltin. Und ich bekomme endlich meinen Einkauf und es gibt unter anderem Gem\u00fcse *_* und Kaffee, etc. Und Handt\u00fccherwechsel. \u24b6lso keine Zeit f\u00fcr Langweile. Ich h\u00f6re noch ein bisschen Radio,lese und versuche zu schlafen.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 10<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 26. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 1.Oktober<\/em><\/p>\n<p>6 Uhr, Fr\u00fchst\u00fcck. Es gibt M\u00fcsli.<\/p>\n<p>Ich gebe meine \u24b6ntr\u00e4ge und Briefe ab, lege mich noch mal hin und warte auf den Einkauf. Der Einkauf ist da. Ich packe freudig aus, gebe die Boxen zur\u00fcck und hole mir noch schnell hei\u00dfes Wasser und kann endlich wieder Kaffee trinken. Jetzt habe ich soviel Essen da, dass es sich hier auf jeden Fall aushalten l\u00e4sst. \u24b6ber ich habe ein bisschen die Bef\u00fcrchtung, dass ich die Kilos, die ich rasant abgenommen habe, seit ich hier bin, direkt wieder zunehme. Ich genie\u00dfe meinen Kaffee und f\u00fchle mich wie im Paradies.<\/p>\n<p>\u201eMittagessen.\u201c<\/p>\n<p>Ich lehne wieder dankend ab und hole mir noch mal schnell hei\u00dfes Wasser f\u00fcr meinen Kaffee.<\/p>\n<p>PIC<\/p>\n<p>Meine T\u00fcr geht auf, es gibt wieder Post. Ich freue mich. \u24b6ber leider wieder kein Brief von UP22. Eigentlich soll der Brief schon seit Tagen auf dem Weg zu mir sein. Komisch. Ich freue mich \u00fcber die anderen Briefe und beantworte direkt einen.<\/p>\n<p>\u201eFreistunde.\u201c<\/p>\n<p>Das Wetter ist sch\u00f6n und wir legen uns in die Sonne. Es tut gut. Beim \u201eEinr\u00fccken\u201c frag ich erneut nach dem Brief von UP22. Mir wird erkl\u00e4rt, dass er bestimmt aufgrund der sog. \u201eBeschuldigten-Trennung\u201c erst gar nicht bei uns im Haus angekommen ist. Das hei\u00dft, im Computer laufen wir immer noch unter dem Vermerk \u201eTrennung\u201c, die eigentlich mittlerweile aufgehoben sein sollte. Ich suche das Schriftst\u00fcck meiner \u24b6nw\u00e4ltin dazu raus und bereite mich auf eine Diskussion zum Umschluss vor. Der Guard kommt sogar schon fr\u00fcher vorbei und meint er m\u00fcsse nur in Haus 13 anrufen und versuchen das Ganze zu kl\u00e4ren. Hoffentlich funktioniert das. \u24b6nsonsten werde ich echt sauer. Meine T\u00fcr geht auf. Der Mensch stellt sich als Kunsttherapeut vor und fragt, ob ich mit ihm gehen m\u00f6chte, da ein Platz frei geworden ist. Ich freue mich, da ich die M\u00f6glichkeit bekomme, kreativ zu sein mit mehr als nur einem Bleistift.<\/p>\n<p>Es hat gut getan mit richtigen Farben zu malen. Da eh Umschlusszeit ist, gehe ich wieder mit zu UPIII r\u00fcber. UPIII hat einen Brief vom Gericht bekommen, mal wieder in \u24b6mtsdeutsch. Ich versuche es zu \u00fcbersetzen. \u24b6ber das dauert. \u24b6mtsdeutsch ist super schwierig. Ich gehe zum Einschluss wieder r\u00fcber, lese noch ein bisschen und versuche zu schlafen.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 11<\/strong><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 27. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 1.Oktober<\/em><\/p>\n<p>6 Uhr, Fr\u00fchst\u00fcck. Ich soll direkt duschen gehen. Ich, der gr\u00f6\u00dfte Morgenmuffel der Welt. Meine \u24b6nw\u00e4ltin ist da. Keine neuen Infos, au\u00dfer, dass sie immer noch gegen die Beschuldigten-Trennung vorgehen. \u24b6uf dem Weg zum Besuch und zur\u00fcck treffe ich einen Menschen aus Haus 9. Ich frage ihn nach UP20, er meint UP20 geht es gut, das ist sch\u00f6n zu h\u00f6ren. Er bietet mir an UP20 eine Nachricht und Gr\u00fc\u00dfe von mir auszurichten. Ich bin ihm super dankbar. Zur\u00fcck in Haus 10 bekomme ich die Info, dass Haus 13 alle Briefe von UP22 zu mir aufgehalten hat, die Beamte von Haus 10 sich aber gl\u00fccklicherweise f\u00fcr uns stark gemacht hat und die Briefe jetzt auf dem Weg zu uns sind. Ich lege mich noch einmal hin, nachdem ich heute Morgen so fr\u00fch aufstehen musste.<\/p>\n<p>\u201eMittagessen.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt Nudeln mit\/ohne K\u00e4sepilzso\u00dfe und Salat. Ich glaube Nudeln mit Ketchup haben in meinem ganzen Leben noch nie so gut geschmeckt. Ich fand ein bisschen an zu malen, lese ein bisschen und warte auf die Post.<\/p>\n<p>\u201eFreistunde.\u201c<\/p>\n<p>Drau\u00dfen ist es warm. Ich laufe barfu\u00df durchs Gras. Das tut richtig gut. Zur\u00fcck in der Zelle fange ich an meine Briefe aufzugeben. Keine Post f\u00fcr mich heute. Ich sollte es einfach akzeptieren, dass die Briefe nie bei mir ankommen werden, das sollte einfacher sein, als jeden Tag darauf zu hoffen und mich zu beschweren. \u24b6ber daf\u00fcr bekomme ich das \u24b6ngebot sp\u00e4ter einen \u24b6nruf zu t\u00e4tigen. Wenigstens etwas nach fast zwei Wochen t\u00e4glich einen \u24b6ntrag daf\u00fcr zu verschwenden.&nbsp; Ich suche schon mal den Zettel mit der aktuellen Wald Nummer raus und lege ihn schon mal bereit. Hoffentlich geht dann auch jemand dran. Es w\u00fcrde mich auf jeden Fall freuen, noch mal Stimmen aus dem Wald zu h\u00f6ren, oder wenigstens eine Stimme.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe wieder zu UPIII r\u00fcber und wir schaffen es diesmal wirklich an dem Prison Ratgeber zu arbeiten. Die T\u00fcr geht auf und ich darf telefonieren. Ich rufe auf dem \u201eWaldtelefon\u201c an und stelle mich als UP21 vor und erkl\u00e4re der Person, dass ich aus der U-Haft aus anrufe und hoffe,&nbsp; dass der Mensch dadurch merkt, dass der Staat mith\u00f6rt. Ich informiere mich \u00fcber die aktuelle Lage und lasse Gr\u00fc\u00dfe ausrichten. Da mir der Mensch mehrfach erkl\u00e4rt, dass er*sie neu ist und keine \u24b6hnung hat, belasse ich es dabei. Schade. Ich habe gehofft eine vertraute Stimme am Telefon zu haben. \u24b6ber naja, es hat trotzdem gut getan ein paar Infos zu bekommen. Zur\u00fcck bei UPIII stellen wir fest, dass es sowohl Dinge und\/oder W\u00f6rter gibt, welche in Englisch existieren, aber in Deutsch nicht und andersrum. Irgendwie fasziniert uns das sehr und wir kriegen uns bis zum Einschluss nicht mehr ein.<\/p>\n<p>\u201eEinschluss\u201c.<\/p>\n<p>Ich sage gute Nacht und gehe in meine Zelle.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 12<\/strong><\/p>\n<p><strong>Freitag, 28. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 1.Oktober<\/em><\/p>\n<p>Ich wache wieder vom Fr\u00fchst\u00fcck auf, aber da Freitag ist, ist es schon 9 Uhr. Ich fr\u00fchst\u00fccke, male und warte auf den Umschluss.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe wieder r\u00fcber und wir machen den Prison-Ratgeber fertig. Ich bekomme Post. Ich bekomme einen Brief von einer sehr tollen Person, welche ich in einer anderen Community kennen gelernt habe. Das freut mich sehr. UPIII bekommt wieder einen Brief vom Gericht. Ich \u00fcbersetze. UPIII hat auch einen Termin vor Gericht n\u00e4chste Woche. \u24b6lso hei\u00dft es nicht nur f\u00fcr mich \u201ePacken\u201c f\u00fcr den Fall, dass ich frei gelassen werde, sondern f\u00fcr uns beide. Mal sehen, ob es sich lohnt. Gl\u00fccklicherweise hatten wir heute f\u00fcnf Stunden Umschluss, kein Plan warum, aber war cool. Zur\u00fcck in meiner Zelle schreibe ich wieder ein paar Briefe, lese, male, h\u00f6re Radio. Nichts spannendes. Das Wochenende wird wieder langweilig. Ich stelle gerade fest, dass meine Espresso Packung schon fast halb leer ist. Falls ich am Dienstag bei meiner Haftpr\u00fcfung nicht frei gelassen werden sollte, habe ich bis zum n\u00e4chsten Einkauf ein echtes Problem. U-Haft ohne Kaffee ist kaum vorstellbar f\u00fcr mich. Hoffentlich kann mir mein Besuch welchen mitbringen.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 13<\/strong><\/p>\n<p><strong>Samstag, 29. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 1.Oktober<\/em><\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck. Ich k\u00fcndige meinen Umschluss an und lege mich wieder hin.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich bin wieder v\u00f6llig verschlafen und gehe zu UPIII r\u00fcber. Heute ist nicht so unser Tag. Wir sind nicht sonderlich auf der H\u00f6he. Ich fange an den B\u00fccherkatalog durchzuschauen, damit ich, falls ich nicht raus kommen sollte am Dienstag, was zu lesen habe.<\/p>\n<p>\u201eEinschluss.\u201c<\/p>\n<p>Wieder in meiner Zelle lege ich mich erst mal hin und schlafe. Den restlichen Tag verbringe ich damit schon mal alles m\u00f6gliche, was ich bis zur Haftpr\u00fcfung am Dienstag nicht mehr brauche zu verstauen und in drei Kategorien zu packen. Entweder hauseigene Sachen, welche hier bleiben, mein Privatzeug, welches ich wieder mit raus nehme oder Extras, welche ich anderen Inhaftierten da lasse. Ich lese noch bis ca 24 Uhr und schlafe.<\/p>\n<p><strong>Haft Tag 14<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonntag, 30. September 2018<\/strong><\/p>\n<p><em>gesendet am 1.Oktober<\/em><\/p>\n<p>Ich wache auf, es ist sch\u00f6nes Wetter. Ich k\u00fcndige wieder meinen Umschluss an und fr\u00fchst\u00fccke in Ruhe.<\/p>\n<p>\u201eUmschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe wieder r\u00fcber. Wir schauen ein bisschen Fernsehn etc.<\/p>\n<p>\u201eFreistunde.\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe Schuhe anziehen und mein Essen in meine Zelle bringen. Drau\u00dfen angekommen laufe ich erst mal eine halbe Stunde im Kreis. Bewegung tut gut. Danach setze ich mich mit ein paar anderen Inhaftierten zusammen. Es tut gut mal wieder ein bisschen mehr sozialen Kontakt zu haben, auch wenn wir noch so unterschiedlich sind, sitzen wir doch alle im gleichen Boot.<\/p>\n<p>\u201eEinschluss.\u201c<\/p>\n<p>Ich gehe zur\u00fcck in meine Zelle und packe noch ein bisschen und versuche mich mental auf meine Haftpr\u00fcfung am Dienstag einzustellen. So nach und nach sieht meine Zelle immer leerer und grauer aus. Ich nehme meine Bilder und Zeitungsartikel von der Wand und verstaue alles von meinem Tisch und Schrank in meinen Taschen. Nur das N\u00f6tigste f\u00fcr morgen bleibt stehen, wie mein Duschzeug und das Geschirr. Gl\u00fccklicherweise kann ich morgen nochmal duschen, bevor ich \u00fcbermorgen zum Gericht fahre und morgen meinen Besuch erwarte. Darauf freue ich mich sehr. Hoffentlich wird dieser Besuch morgen ein bisschen l\u00e4nger als der Letzte. Sieben Minuten lasse ich mir nicht noch mal andrehen. Ich habe schlie\u00dflich das Recht auf eine halbe Stunde.<\/p>\n<p>Ich lesen noch das Buch zu Ende, welches ich mir hier ausgeliehen hatte und warte auf Ger\u00e4usche von drau\u00dfen. In der Hoffnung wir k\u00f6nnen die Demo vor dem Knast diese Woche h\u00f6ren. Es ist kurz vor neun. Immer noch nichts. Ich gebe auf und schalte mein Radio wieder an und schreibe noch einige \u24b6ntr\u00e4ge f\u00fcr Dienstag, falls ich nicht freigelassen werden sollte.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich einen \u24b6ntrag auf Freiheit f\u00fcr Dienstag. Ich h\u00f6re noch ein bisschen Radio und lege mich schlafen mit der Vorfreude auf meinen Besuch morgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: ABC Rhineland Samstag, 15. September 2018 gesendet am 25.September Ich werde zu einem Gefangenensammel- transporter getragen und bekomme eine der Zellen zugewiesen. Einige Minuten sp\u00e4ter werde ich noch einmal heraus gebeten und muss mich einmal komplett entkleiden. Ich darf mich wieder anziehen und zur\u00fcck auf Zelle im Gefangenensammeltransporter.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[115,412,236],"tags":[160,936,260,761,212],"class_list":["post-7310","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gefangene","category-knast","category-news","tag-deutschland","tag-hafttagebuch","tag-hambacher-forst","tag-jazzy","tag-texte-von-gefangenen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7310"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7310"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7315,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7310\/revisions\/7315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}