{"id":7256,"date":"2019-05-09T14:18:18","date_gmt":"2019-05-09T12:18:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7256"},"modified":"2019-05-09T14:25:55","modified_gmt":"2019-05-09T12:25:55","slug":"gefangenen-info-das-gefangenen-info-422-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7256","title":{"rendered":"[Gefangenen Info] Das Gefangenen Info 422 ist erschienen !"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/32384\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">indymedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=7257\" rel=\"attachment wp-att-7257\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7257\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/28057-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Liebe Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>mit einigen Verz\u00f6gerungen ver\u00f6ffentlichen wir nun endlich die zweite Ausgabe dieses Jahres. Wie Ihr bereits bemerkt haben werdet, hat sich einiges am Layout ver\u00e4ndert. Dies liegt in erster Linie daran, dass diese Ausgabe mit einem anderen Druckverfahren erstellt worden ist und wir das Layout bestm\u00f6glich an das Verfahren anpassen wollten, ohne zun\u00e4chst zu viele \u00c4nderungen vornehmen zu m\u00fcssen. Ob uns das gelungen ist, werden wir noch sehen. Einige \u00c4nderungen des Layouts wird es im Laufe des Jahres aber noch geben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In dieser Ausgabe geht es vor allem um Zust\u00e4nde in der Forensik, wobei wir einen n\u00e4heren Blick auf Bremen-Ost werfen.Wir danken allen Aktiven und Gefangenen, die den Schwerpunkt mit Inhalten gef\u00fcllt haben.<\/p>\n<p>Wir wollen Euch an dieser Stelle einige aktuelle Infos mitteilen:<\/p>\n<p>Andreas Krebs wurde zu 24 Jahren verurteilt. Am 1. April wurde das Urteil im letzten Prozesstag, in der ersten Gerichtsinstanz, verk\u00fcndet: 24 Jahre Haft f\u00fcr Andreas, so wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hat. Gerade jetzt ist es wichtig, dass ihr Eure Solidarit\u00e4t mit Andreas zeigt. Also schreibt ihm:<\/p>\n<p>Krebs Andreas<br \/>\nst.13 Sez.6<br \/>\nVia Roma Verso Scampia 250<br \/>\nMediterraneo<br \/>\nCAP 80144 (NA)<br \/>\n-ITALY-<\/p>\n<p>Seit Montag, den 25. M\u00e4rz ist Rainer Loehnert aus dem Bunker wieder raus. Er war insgesamt zweieinhalb Wochen dort eingesperrt. Jetzt kommt er &#8211; bis auf seine Schreibmaschine &#8211; wieder an seine Sachen. Schreibt ihm, seine Adresse findet Ihr hinten im Heft.<\/p>\n<p>Manfred Peter bleibt weiter im Regelvollzug. Er wird nicht entlassen, denn die gegenteilige Einsch\u00e4tzung vom 9. April 2019 basierte auf einem Irrtum. Auch er freut sich \u00fcber Post, seine Adresse findet Ihr hinten im Heft.<\/p>\n<p>In diesem Sinne:<\/p>\n<p>Kn\u00e4ste und Klapsen zu Baul\u00fccken!<\/p>\n<p>Eure Redaktion<\/p>\n<p>Inhalt<\/p>\n<p>3 Vorwort \/ Leserbrief und Bild von Conny<\/p>\n<p>Schwerpunkt<\/p>\n<p>4 Kein Schweigen<\/p>\n<p>5 Ahmets Tod &#8211; nicht justiziabel?<\/p>\n<p>6 Zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod Ahmet Agirs<\/p>\n<p>10 Gr\u00fcndungsaufruf zur Kampagne \u201eWeg mit \u00a7 63 StGB\/ Gegen Zwangspsychiatrie\u201c<\/p>\n<p>11 AAK 9. Mai<\/p>\n<p>12 Forensik-Gefangene haben das Wort<\/p>\n<p>International<\/p>\n<p>15 Gr\u00fc\u00dfe an die politischen Gefangenen aus<\/p>\n<p>der RHI-Konferenz M\u00e4rz 2019<\/p>\n<p>16 Nazi-Richter f\u00e4llt historisches Urteil<\/p>\n<p>20 Grenzenlose Solidarit\u00e4tsarbeit<\/p>\n<p>22 Festnahmen und Gef\u00e4ngnisstrafen f\u00fcr<\/p>\n<p>revolution\u00e4re Intellektuelle in Indien<\/p>\n<p>Inland<\/p>\n<p>24 Solidarit\u00e4t Hei\u00dft Weiter K\u00e4mpfen!<\/p>\n<p>26 Solidarit\u00e4t statt Angst<\/p>\n<p>27 Aktivit\u00e4ten zum Frauen*kampftag und dem Tag der politischen Gefangenen \/ Gru\u00dfbotschaft zum Solidarit\u00e4tshungerstreik vom 12.4. bis zum 15.4.2019 in Berlin<\/p>\n<p>Gefangene<\/p>\n<p>28 Zwei Beitr\u00e4ge von Thomas Meyer-Falk<\/p>\n<p>29 Briefe von Erdal und Prozesstermine<\/p>\n<p>30 Sunny W. zur Situation in der JVA Chemnitz<\/p>\n<p>32 Drei Briefe von Manfred Peter<\/p>\n<p>34 Ich w\u00e4hle die Flucht (den Ausbruch)<\/p>\n<p>36 Briefe ans GI von Rainer und Stefanie<\/p>\n<p>37 Musa \u00fcber Solidarit\u00e4t<\/p>\n<p>Kultur<\/p>\n<p>38 Frau Schlosser und der Wunsch nach Anerkennung<\/p>\n<p>Aus dem GI 422 2 Artikel:<\/p>\n<p>Ahmets Tod &#8211; nicht justiziabel?<\/p>\n<p>Das Gefangenen Info ist erh\u00e4ltlichin dem Buch-\/Infoladen eures Vertrauens und auf <a href=\"http:\/\/www.gefangenen.infooder\">www.gefangenen.infooder<\/a> \u00fc&nbsp;&#8222;&#8218;; document.write( &#8220; ); document.write( addy_text26356 ); document.write( &#8218;&lt;\\\/a&gt;&#8216; ); \/\/&#8211;&gt;&nbsp;;&gt;&nbsp;<a href=\"mailto:vertrieb@gefangenen.info\">vertrieb@gefangenen.info<\/a><\/p>\n<p>Einzelpreis: 2\u20ac. Ein Jahresabonnement kostet 25,20\u20ac (F\u00f6rderabo 28,00\u20ac), Buchl\u00e4den, Infol\u00e4den und sonstige Weiterverk\u00e4ufer erhalten bei Bestellungen ab 3 St\u00fcck 30% Rabatt. Bankverbindung: Gefangenen Info, Konto-Nr.10382200, Bankleitzahl: 20010020, IBAN: DE93 2001 0020 0010 3822 00, BIC: PBNKDEFF, Postbank Hamburg<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.political-prisoners.net\">www.political-prisoners.net<\/a> \/\/ <a href=\"http:\/\/www.gefangenen.info\">www.gefangenen.info<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2 Artikel aus dem GI 422<\/p>\n<p>&#8211; Autonomes Autorenkollektiv 9. Mai &#8211;<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht nicht, dass die Staatsanwaltschaft Bremen versucht, das Verfahren Ahmets Tod betreffend knapp zwei Jahre nach dem t\u00f6dlichen Absonderungs-Versuch in Bremen-Ost einzustellen. Von Anfang an war zu erkennen, dass Zeugenaussagen von Inhaftierten nicht den gleichen Stellenwert erhielten wie Aussagen des Personals. Auch dass es trotz des Ermittlungsverfahrens wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu keinen Suspendierungen\/Versetzungen der Tatbeschuldigten kam, verriet, wie \u201eRecht\u201c gesprochen wird. Die schriftlichen \u00c4u\u00dferungen der Staatsanwaltschaft zeigen: was nicht passt, wird passend gemacht, weggelassen oder angepasst.<\/p>\n<p>Wurde anfangs noch versucht, eine g\u00e4nzlich andere Version zu konstruieren (eine von Ahmet verweigerte Urinkontrolle), wird nun seitens der Staatsanwaltschaft Bremen nur noch der Vorgang im Raucherraum verhandelt. Die Tatbeschuldigten befanden sich angeblich in einer \u201eNotwehrsituation\u201c, da Ahmet, nach Angaben des Personals, mit einem Glasaschenbecher warf. Die \u201eNotwehrsituation\u201c: erst drei Personen gegen Ahmet, dann \u00fcber 20 Pfleger\/innen und Securitymitarbeiter gegen ihn, so verschriftlicht es die Staatsanwaltschaft, machen Zeugenaussagen von Mitinhaftierten nicht weiter notwendig.<\/p>\n<p>Auch rechtfertigt diese \u201eNotwehrsituation\u201c angeblich die angewendeten (KDM)-Kampftechniken. Eine Fixierung in Bauchlage, die von Amnesty International als Folter bezeichnet wird und in den USA seit 20 Jahren verboten ist, war f\u00fcr die Staatsanwaltschaft Bremen eine angemessene \u201eSelbstverteidigung\u201c der Tatbeschuldigten. Ahmet\u00b4s Kampf um Luft vor seiner Bewusstlosigkeit war kein Grund, von ihm abzulassen. Die Staatsanwaltschaft bewertet: da Ahmet noch lautstark schrie, kann er nicht wirklich in Not gewesen sein. Weiter, dass zu keinem Zeitpunkt Ahmets Luftzufuhr blockiert wurde. Dabei kosten angewendete KDM-Techniken und Fixierungen in Bauchlage immer wieder Menschen das Leben (\u201eGewahrsamstod\u201c).<\/p>\n<p>Dass Ahmet, bevor es im Raucherraum zur Gewalteskalation kam, zuvor von der Deeskalationsbeauftragten provoziert wurde, er sich abwandte, in den Raucherraum lief und in diesem Moment der Absonderungszugriff (Eberhardt) ausgel\u00f6st wurde, bleibt unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Dabei macht ein Teil des Personals keinen Hehl daraus, zu benennen, was Realit\u00e4t ist. S\u00e4tze wie: \u201ewenn jemand ins BEO soll, dann kommt der da auch rein, egal wie\u201c. Oder: \u201eSie k\u00f6nnen sich beschweren, wie sie wollen, wir haben immer drei Menschen, die gegen Sie aussagen\u201c, werden von einigen Mitarbeiter\/innen, ebenfalls wie Drohungen (Verlegung, Entzug von Lockerungen, BEO etc.) geradewegs ausgesprochen.<\/p>\n<p>Auch dass, nachdem Ahmet im Zuge der Gewaltorgie das Bewusstsein verlor, erst 13 Minuten sp\u00e4ter der Notruf ausgel\u00f6st wurde, betrachtet die Staatsanwaltschaft nicht als fahrl\u00e4ssig. Sie erkl\u00e4rt, dass f\u00e4lschlicherweise ein zweiter \u201eKampf-Alarm\u201c (Eberhardt) statt des Notrufs (Elonore) ausgel\u00f6st wurde. Auch l\u00e4sst die Staatsanwaltschaft Bremen unber\u00fccksichtigt, dass mehrere Defibrillatoren der forensischen Psychiatrie nicht einsatzbereit waren und im Zuge der polizeilichen Ermittlungen die Chips der Ger\u00e4te nicht ausgelesen wurden\/werden konnten.<\/p>\n<p>Die Rechtsmedizin kam zu dem Befund, dass erhebliche Vorerkrankungen Ahmet\u00b4s seinen Tod (mit)begr\u00fcndeten. Dass Ahmet in sechs Monaten \u201eF\u00fcrsorgepflicht\u201c im forensischem Vollzug unter Psychopharmaka 45 Kilo K\u00f6rpergewicht zunahm und zuvor Arztkonzile verhindert wurden, bleibt von der Staatsanwaltschaft ebenfalls ausgespart.<\/p>\n<p>Somit soll Ahmet\u00b4s Tod als einer von vielen \u201etragischen Unf\u00e4llen\u201c im Vollzug unverantwortet bleiben. Ohne uns.<\/p>\n<p>Repressive, pharmakologische Psychiatrie t\u00f6tet und geh\u00f6rt abgeschafft!<\/p>\n<p>Wir k\u00e4mpfen weiter f\u00fcr Gerechtigkeit bez\u00fcglich Ahmet\u00b4s Tod und f\u00fcr die Menschenrechte Anderer im Vollzug.<\/p>\n<p>Ahmet unvergessen!<\/p>\n<p>Kein Vertuschen! Kein Vergeben!<\/p>\n<p>Gr\u00fcndungsaufruf zur Kampagne \u201eWeg mit \u00a7 63 StGB\/ Gegen Zwangspsychiatrie\u201c<\/p>\n<p>&#8211; AK Psychiatriegewalt stoppen &#8211;<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten diesen Rahmen nutzen, um zur Gr\u00fcndung der Kampagne gegen die psychiatrische Sicherungsverwahrung aufzurufen. Das Aktionsb\u00fcndnis ist parteien- und lager\u00fcbergreifend. Jede\/r kann mitmachen.<\/p>\n<p>Der Paragraph 63 ist eine Rechtsnorm, welche im Dritten Reich zur langfristigen oder dauerhaften Aussonderung \u201epsychisch kranker\u201c und\/oder nonkonformistischer Menschen geschaffen wurde. Seit 1945 hat sich an diesem, h\u00f6chst fragw\u00fcrdigen, Normzweck nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der \u00a7 63 StGB stellt eine faktische Sicherungsverwahrung dar, er ist (daher) zudem auch ganz offiziell Teil des Ma\u00dfregelsystems (der \u00a7 66 StGB), regul\u00e4re Sicherungsverwahrung ist bspw. ebenfalls eine Ma\u00dfregel (MRV). W\u00e4hrend zur regul\u00e4ren Sicherungsverwahrung nur derjenige verurteilt wird, dessen Tat das Merkmal der besonderen Schuld tr\u00e4gt, werden hingegen bei Verurteilungen gem. \u00a7 63 StGB all jene verurteilt, die offiziell \u201efreigesprochen\u201c werden (wg. verminderter oder vollst\u00e4ndig aufgehobener Schuldf\u00e4higkeit). Bereits dies ist paradox. Zynisch wird es jedoch dann, wenn in F\u00e4llen, in denen de jure Strafmilderung greift, gleichzeitig die Verurteilung zu einer unbegrenzten Inhaftierung erfolgt.<\/p>\n<p>Alle MRV-Insassen werden l\u00e4nger inhaftiert, als ihre Parallelhaftstrafe hergibt, bzw. was das StGB im Falle einer vollst\u00e4ndigen Schuldunf\u00e4higkeit eigentlich strafrechtlich f\u00fcr die zur Unterbringung f\u00fchrende Straftat hergibt. Wird also bspw. jemand aufgrund Eigentumsdelikten oder Schwarzfahrens zu einer Parallelhaftstrafe von 12 Monaten verurteilt und zudem verminderte Schuldf\u00e4higkeit festgestellt, so wird ein solcher Mensch tats\u00e4chlich weitaus l\u00e4nger festgehalten (Bundesdurchschnitt liegt mittlerweile bei fast 9 Jahren), als dies im Falle einer regul\u00e4ren Inhaftierung vollzogen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Diverse aktuelle schlagzeilentr\u00e4chtige F\u00e4lle (Mollath, Kulac, Haselbauer, Stein, Perez, Hoffmann etc. etc.) haben die Schwere einer solchen Unterbringung wieder in das \u00f6ffentliche Bewusstsein ger\u00fcckt. Manche der Menschen waren unschuldig, andere hingegen tats\u00e4chlich \u201eschuldig\u201c und\/oder \u201ekrank\u201c. Sie alle waren aber zu Unrecht im MRV untergebracht bzw. weiterhin festgehalten; entweder weil sie nicht \u201ekrank\u201c waren oder aber weil sie viel zu lange in diesem System festgehalten worden sind.<\/p>\n<p>Anders als der regul\u00e4re Strafvollzug, ist der psychiatrische MRV in H\u00e4nden von privaten oder teilprivaten Tr\u00e4gern. Das Gesch\u00e4ft mit der Forensik ist lukrativ. W\u00e4hrend der Staat h\u00e4nderingend darum bem\u00fcht ist, Straft\u00e4ter\/innen aus dem geschlossenen Vollzug fernzuhalten bzw. wieder loszuwerden (was zum Teil erschreckende Bl\u00fcten treibt), so steigen die Einweisungen und Verweildauern im psychiatrischen Ma\u00dfregelvollzug in exorbitanter Weise. Der Staat errichtet f\u00fcr die Forensiktr\u00e4ger gratis Einrichtungen. Danach wird seitens des Staates eine monatliche pro-Kopf Pauschale an den jeweiligen Tr\u00e4ger entrichtet, \u00fcber die der Tr\u00e4ger in der Praxis frei verf\u00fcgen kann. Pro MRV-Insasse werden staatlicherseits ca. 10.500,00 \u20ac monatlich an die Tr\u00e4ger ausgezahlt. Ein regul\u00e4rer Haftplatz hingegen kostet den Steuerzahler lediglich ca. 30.000,00 \u20ac j\u00e4hrlich. F\u00fcr den Staat ist die Unterbringung \u201egesunder\u201c Straft\u00e4ter ein Minusgesch\u00e4ft, f\u00fcr die privaten bzw. halbprivaten Tr\u00e4ger jedoch eine wahre Goldgrube; sie bekommen gratis Einrichtungen gestellt und k\u00f6nnen danach kr\u00e4ftig abkassieren. Es werden immer mehr Forensiken errichtet, da die Tr\u00e4ger den Staat, durch ihre repressive Linie so wenig Leute wie m\u00f6glich wieder rauszulassen, dazu zwingen. In Bremen, bspw., wird seitens der Landespolitik (Rainer Bensch, Gesundheitspolitischer Sprecher der bremischen CDU-B\u00fcrgerschaftsfraktion) ganz offen auf den Missbrauch von eigentlich normzweckorientiertem staatlichem Budget hingewiesen. Die \u201eGesundheit Nord\u201c (GeNo) unterh\u00e4lt neben der Forensik n\u00e4mlich u.a. noch einige marode, somatische Kliniken; an diese werden Teile des Forensikbudgets \u201eabgezweigt\u201c. Bereits aus diesen Gr\u00fcnden \u2013 erhebliche Steuergeldverschwendungen und Korruption \u2013 sollte ein Umdenken stattfinden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Tatsache, dass Gutachten ein ebenfalls lukratives Gesch\u00e4ft sind; ein forensisches Gutachten kann den Steuerzahler mal eben 10.000,00 \u20ac und mehr kosten. Diese Gesetzesnovelle vom 1. August 2016, welche auf die diversen Psychiatrieskandale zur\u00fcckgeht und eigentlich \u00fcberm\u00e4\u00dfig lange Unterbringen vermeiden helfen soll, f\u00fchrt nur dazu, das Gutachtergesch\u00e4ft weiter zu beleben. Nunmehr sind alle zwei Jahre Gutachten durchzuf\u00fchren \u2013 in tausenden von F\u00e4llen. Die Gutachter\/innen k\u00f6nnen es sich leicht machen, indem sie sich f\u00fcr eine weitere Unterbringung aussprechen; so gehen sie kein Risiko ein \u2013 das Geld erhalten sie am Ende trotzdem. Viele Forensiken und Tr\u00e4ger f\u00fchren interne Listen mit derartigen \u201eGutachter\/innen\u201c &#8211; eine Win-Win Situation. Da der \u00a7 63 StGB \u2013 bis heute \u2013 knallharte Kriminalpolitik darstellt, werden Gutachten und Anstaltsstellungnahmen von nahezu s\u00e4mtlichen Gerichten in der BRD durchgewunken.<\/p>\n<p>Es existiert ein fl\u00e4chendeckendes, allgemeinpsychiatrisches Wohnheimversorgungsnetz. Auch zivilrechtlich k\u00f6nnen potentiell gef\u00e4hrliche bzw. selbstgef\u00e4hrdende Menschen geschlossen untergebracht werden. Dies erfolgt aber in einem eben weitaus zivileren Rahmen und weist in der Praxis nicht die Verweildauern auf, wie dies im psychiatrischen MRV der Fall ist.<\/p>\n<p>Diese finanziellen Gr\u00fcnde sind es aber auch, die den MRV f\u00fcr unseri\u00f6se Anbieter so lukrativ macht und somit zu immer l\u00e4ngeren Verweildauern und steigenden Unterbringungen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Gesetzesnovelle vom 1. August 2016 ist gescheitert; darin sind sich alle seri\u00f6sen Fachleute einig. Die beiden aufgef\u00fchrten Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsschwellen greifen nicht.<\/p>\n<p>Eine Therapie kann nicht erzwungen werden. All jene, die sich auf eine Therapie nicht einlassen wollen oder k\u00f6nnen, fallen durch das Raster. Die Dunkelziffer der Fehleinweisungen ist hoch.<\/p>\n<p>Wir leben in einem normativen Rechtssystem \u2013 der \u00a7 63 StGB hingegen ist ein anachronistischer Gummiparagraph.<\/p>\n<p>Daher unsere Forderung:<\/p>\n<ol>\n<li>Abschaffung des \u00a7 63 StGB als Teil der Zwangspsychiatrie<\/li>\n<li>Angebot \u201eTherapie statt Strafe\u201c. Das hei\u00dft, dass in F\u00e4llen, in denen eine verurteilte Person eine Therapie machen m\u00f6chte, sie dies tun kann. Dies wird strafmildernd bewertet. Die Person kann die Therapie abbrechen: dann R\u00fcckverlegung in die JVA<\/li>\n<li>Zeitliche Befristung des \u00a7 63 StGB. Bei Aussichtslosigkeit entweder keine Aussprache der Ma\u00dfregel im Hauptverfahren oder, falls bereits ausgesprochen und vollstreckt, Umwandlung\/\u00dcberf\u00fchrung in JVA.<\/li>\n<li>Maximal Verweildauer der Ma\u00dfregel siehe Parallelhaftstrafe (dies wird z.B. auch seit 2016 von den Gr\u00fcnen gefordert)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wir m\u00f6chten daher alle zur Mitarbeit aufrufen. Insbesondere suchen wir Leute, die in der Erstellung von Internetseiten und Medien versiert sind, aber auch Jurist\/innen. Selbstverst\u00e4ndlich sind aber auch alle anderen Menschen h\u00f6chst willkommen. Wir planen eine eigene Internetseite und weitere Projekte. Aktuell k\u00f6nnt ihr uns unter:<\/p>\n<p><a href=\"mailto:ak-psychiatriegewalt-stoppen@web.de\">ak-psychiatriegewalt-stoppen@web.de<\/a><\/p>\n<p>sowie via GI (Redaktion leitet Zuschriften weiter) erreichen.<\/p>\n<p>Am Ende wollen wir eine bundesweite Kampagne betreiben. Wir hoffen auf Eure Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>&#8211; Weg mit \u00a7 63 StGB &#8211;<\/p>\n<p>&#8211; Gegen Zwangspsychiatrie! &#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: indymedia Liebe Leserinnen und Leser, mit einigen Verz\u00f6gerungen ver\u00f6ffentlichen wir nun endlich die zweite Ausgabe dieses Jahres. Wie Ihr bereits bemerkt haben werdet, hat sich einiges am Layout ver\u00e4ndert. 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