{"id":7228,"date":"2019-05-02T17:03:51","date_gmt":"2019-05-02T15:03:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7228"},"modified":"2019-05-02T17:03:51","modified_gmt":"2019-05-02T15:03:51","slug":"deutschland-ankundigung-anti-knast-tage-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7228","title":{"rendered":"[Deutschland] Ank\u00fcndigung Anti-Knast-Tage Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/antiknasttage.blackblogs.org\/ankuendigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anti-knast-tage<\/a><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=7229\" rel=\"attachment wp-att-7229\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7229\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/cropped-52e9f7531-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Vom 23. bis 27. Oktober 2019 finden in Berlin wieder die Anti-Knast-Tage statt. Aber was hei\u00dft schon Knast? Was hei\u00dft Anti-Knast-Arbeit?<\/p>\n<p>Knast ist sichtbarer brutaler Ausdruck einer Gesellschaft, die unf\u00e4hig ist, die von ihr verursachten Probleme zu l\u00f6sen. Sei es das Problem des Privateigentums (und damit das Begehren nach \u201eFremdeigentum\u201c), das Ungleichheit schafft. Sei es die vielfach verbreitete ablehnende Haltung, dass durch herrschende Verh\u00e4ltnisse unweigerlich hervorgerufen wird. Sprich, es gilt der Logik zu widersprechen, dass gesellschaftliche Konflikte nicht au\u00dferhalb der herrschenden Gesellschaft gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass jegliche Gesellschaftsform, die am Grundprinzip Knast festh\u00e4lt, abzulehnen und zu bek\u00e4mpfen ist. Der Knast kann nicht als b\u00fcrgerliche Struktur kritisiert werden, \u00fcber deren Gestaltung kein Einfluss ausge\u00fcbt werden kann, sondern muss grunds\u00e4tzlich \u2013 radikal \u2013 kritisiert werden. Das hei\u00dft, wir wollen keine eigenen Kn\u00e4ste, in die hinein wir unsere politischen Gegner*innen oder die Aussortierten stecken. Wir wollen auch keine reformierten Unterbringungsanstalten.<\/p>\n<p>Knast zu kritisieren und abzulehnen bedeutet vor allem die heutige Gesellschaft zu analysieren die ihn produziert. Das hei\u00dft, eine Welt in der alle Menschen gezwungen sind zu arbeiten um nicht zu verhungern, eine Welt in der einige Menschen immer mehr Wert haben werden als andere, eine Welt in der Frauen immer M\u00e4nner gegen\u00fcber eine untergeordnete Rolle spielen. Am Ende ist daher der Knast immer die Kehrseite der sogenannten \u201eFreiheit\u201c. Hast du Schulden, hast keinen Job, hast du den falschen (oder keinen) Pass, hast dich an deinem Ehemann ger\u00e4cht weil dieser dich verpr\u00fcgelt hat, dann steht der Knast immer am Ende der Realit\u00e4t.<br \/>\nDer Knast ist vor allem ein Ventil um die Armen in Schach zu halten. Denn vor allem sitzen haupts\u00e4chlich die Armen im Knast.<br \/>\nIn dieser Gesellschaft basieren alle menschlichen Beziehungen auf Autorit\u00e4t, Macht, Herrschaft und Ausbeutung. Ob von der Schule bis zur Fabrik, von den Pfadfindern zur Armee, von der Familie bis zur Sekte. Der Knast ist nur eine weitere Stufe.<\/p>\n<p>Wichtig scheint es vielen offenbar zu sein, dass das Trennende aufrechterhalten wird. Sei es die Trennung zwischen politischen und sozialen Gefangenen oder aber (anhand der b\u00fcrgerlichen Kategorie Kriminalit\u00e4t) zwischen \u201eKriminellen\u201c und politischen Gefangenen. \u00dcbersehen wird dabei (wissentlich oder unwissentlich), dass die eigene Verwendung des Kriminalit\u00e4tsbegriffs dem Festhalten an b\u00fcrgerliche Rechtskategorien dient. Schlussendlich dient also diese Trennung der Aufrechterhaltung der Individualisierung gesellschaftlicher Probleme und damit der fortbestehenden Unterdr\u00fcckung des Menschen durch den Menschen. Scheinbar ben\u00f6tigen wir also mehr R\u00e4ume, innerhalb derer wir uns austauschen k\u00f6nnen, um alte Analysen der Knastgesellschaft zu \u00fcberpr\u00fcfen und m\u00f6glicherweise neue entwickeln.<\/p>\n<p>So sehr wir \u00e4hnliche Projekte, die in den letzten Jahren entstanden sind, begr\u00fc\u00dfen, vermissen wir innerhalb dieser die Verbindungslinien, die zum kapitalistischen Gesamtsystem gezogen werden m\u00fcssen, damit die Kritik und der Kampf gegen Knast und Herrschaft allgemein wirken kann.<\/p>\n<p>Solche K\u00e4mpfe, wie der gegen Kn\u00e4ste, bringen zu oft die Figur der Expert*innen hervor, professionelle Verwalter*innen des sozialen Friedens. Solange sie bestehen, kann der Kampf gegen Kn\u00e4ste sowie gegen die Gesellschaft, die sie braucht, sich nicht autonom und kollektiv entwickeln.<br \/>\nDas Problem von K\u00e4mpfen und Kritiken, welche zum Beispiel durch vermeintliche Expert*innen fremdbestimmt werden, betrifft nicht nur den Kampf gegen Kn\u00e4ste. Seit den 70er Jahren kann beobachtet werden, wie sich die staatliche Soziale Arbeit in radikale K\u00e4mpfe einschleicht. Die Hierarchien, die sich in dieser Lohnarbeit finden (zum Betreuer*in und Patient*in) finden wir leider auch in antagonistischen* K\u00e4mpfen. Dass die Unterdr\u00fcckten der Gesellschaft aber ihre Kritik und K\u00e4mpfe selbst formulieren und ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, scheinen viele Priviligiertere zu missachten. In unserem Fall w\u00e4ren es die Gefangenen, welche sich durch einen gemeinsamen Kampf und Ausdruck selbst befreien \u2013 und nicht irgendwelche Strafvollzugsexpert*innen oder Anw\u00e4lt*innen. Damit dieser Ansatz aber \u00fcberhaupt funktionieren kann, brauchen die Gefangenen f\u00fcr die Selbstorganisierung einen Raum. Nicht \u00fcber sie sollte gesprochen werden, sondern mit ihnen.<br \/>\nWas hei\u00dft also Knast? Weggesperrtsein? Sind auch Heime, Lager, Psychiatrien\/Forensik, Schulen und Lohnarbeit gemeint, wenn \u00fcber Knast gesprochen wird?<\/p>\n<p>Ist nicht die Disziplinierung der Gesellschaft das bindende Glied, das sich \u00fcberall und st\u00e4ndig reproduziert? Dass Gefl\u00fcchtete auf ihren Wegen nach Europa eingesperrt wurden bzw. ihr Ankommen mit Knast\/ Lager beginnt (oder endet), kommt in den meisten Betrachtungsweisen \u00fcber Knast gar nicht vor.<\/p>\n<p>Wieviel hat das mit unserem Verst\u00e4ndnis mit Knast zu tun bzw. mit der gesellschaftlichen Position der meisten Anti-Knast-Gruppen? Und dar\u00fcber hinaus mit allen sozial-revolution\u00e4ren Gruppen!<\/p>\n<p>Es gibt viel zu reden, noch mehr zu diskutieren \u2013 aber vor allem zu tun. Wir sind (meistens) keine Wortverliebten, die diskutieren der Diskussion willen. Wir erhoffen uns R\u00fcckschl\u00fcsse, Impulse f\u00fcr unsere Praxis und, f\u00fcr unsere Ideen, eine \u00dcberpr\u00fcfung durch die Praxis.<\/p>\n<p>Wir sehen uns im Oktober 2019!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: anti-knast-tage Vom 23. bis 27. Oktober 2019 finden in Berlin wieder die Anti-Knast-Tage statt. Aber was hei\u00dft schon Knast? Was hei\u00dft Anti-Knast-Arbeit? Knast ist sichtbarer brutaler Ausdruck einer Gesellschaft, die unf\u00e4hig ist, die von ihr verursachten Probleme zu l\u00f6sen. Sei es das Problem des Privateigentums (und damit das Begehren nach \u201eFremdeigentum\u201c), das Ungleichheit schafft. 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