{"id":7069,"date":"2019-03-26T11:10:41","date_gmt":"2019-03-26T10:10:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7069"},"modified":"2019-03-26T11:10:41","modified_gmt":"2019-03-26T10:10:41","slug":"spanien-die-isolationshaft-und-die-geschichte-der-repression-in-spanien-teil-9-die-epidemie-der-wut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7069","title":{"rendered":"[Spanien] Die Isolationshaft und die Geschichte der Repression in Spanien | Teil 9 \u2013 Die Epidemie der Wut"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/panopticon.blogsport.eu\/2019\/03\/24\/die-isolationshaft-und-die-geschichte-der-repression-in-spanien-teil-9-die-epidemie-der-wut\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">panopticon<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=7070\" rel=\"attachment wp-att-7070\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7070\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/carceles_espana-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Letzter Text der Reihe. Reflektion \u00fcber die anarchistische Bewegung auf der iberischen Halbinsel vor ungef\u00e4hr 22 Jahre&#8230;<\/p>\n<p><strong>Einleitung von der Soligruppe f\u00fcr Gefangene zu dem Text \u201eEpidemia de la R\u00e1bia\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Allererstens, danke an alle die mit der Korrektur geholfen haben. Die \u00dcbersetzung von diesem Text war an einigen Stellen mehr als eine Herausforderung. Trotzdem hat es viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mit diesem Text beenden wir die Reihe die wir vor einiger Zeit im Gefangenen Info begonnen haben. Wir werden die Textsammlung in absehbarer Zeit auch geb\u00fcndelt herausgeben.<\/p>\n<p>Einige von uns besch\u00e4ftigt seit langem die Frage \u00fcber den Sinn und Unsinn diesen Text zu \u00fcbersetzten. Daf\u00fcr gab es vielerlei Gr\u00fcnde. Erstens weil dieser Text nie vollst\u00e4ndig ver\u00f6ffentlicht worden ist, der dritte Teil fehlt. Viele Ger\u00fcchte und Theorien gibt es dar\u00fcber, doch so wirklich kann man nicht sagen, warum er nie komplett ver\u00f6ffentlicht wurde. Um nur den Ger\u00fcchten und g\u00e4ngigen Theorien zuliebe, nicht nachgehen zu m\u00fcssen, werden wir sie auch nicht streuen. Vor allem weil diese ja auch schon elf Jahre alt sind und Ger\u00fcchte immer nur Dreck sind und im deutschsprachigen Raum keinen Sinn machen, was sie ja nie tun.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus die Frage, was eine Reflexion und Selbstkritik, die komplett an die iberische Erfahrung gebunden ist, \u00fcberhaupt f\u00fcr einen Sinn im deutschsprachigen Raum machen k\u00f6nnte. Im aller schlimmsten Falle, w\u00fcrde dies ein weiterer Exzess im Konsum exotischer K\u00e4mpfe sein \u2013 Beispiele gibt es daf\u00fcr wie Sand am Meer \u2013 ansonsten w\u00fcrde er nur zur Kenntnis genommen werden und im besten Falle verstanden, damit auch hier Auseinandersetzungen stattfinden k\u00f6nnten. Das Letzte ist aber leider nicht m\u00f6glich, weil aus der Distanz \u2013 r\u00e4umlich wie zeitlich \u2013 und nur mit diesem Text in der Hand, viele weitere wichtige Details und Ereignisse fehlen. Jegliche Auseinandersetzung k\u00f6nnte nicht zu einer f\u00fchren, sondern sich schnell zu einem Fetisch entwickeln oder w\u00fcrde komplett d\u00e4monisiert werden.<\/p>\n<p>Dieser Text \u2013 mit dem wir an vielen Stellen nicht \u00fcbereinstimmen, sei es mit seiner Polemik, seinen Schlussfolgerungen, seiner Herangehensweise \u2013 ist weder der beste zu dieser Thematik, noch der schlechteste, sondern leider nur der einzige. Die anarchistische Bewegung und vor allem jene Protagonist*innen die diese Zeit erlebten, verpassten die Gelegenheit dazu eine Auseinandersetzung zu f\u00fchren, au\u00dfer eben dieser Text. Alle sp\u00e4teren Diskussionen auf der iberischen Halbinsel \u2013 die sich mit dem aufst\u00e4ndischen Anarchismus auseinandersetzten, sowie mit dieser Zeit die der Text beschreibt, im positiven wie im negativen Sinne \u2013 beriefen sich auf diesen Text, oder auf das H\u00f6rensagen. Sie waren in diesem Sinne auch meistens ein Produkt einer fetischisierten Zeit die man nicht selber kannte. Hier in Berlin kennen wir ein solches Ph\u00e4nomen nur zu gut, vor allem in Verbindung mit der autonomen Bewegung der 80er.<\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnde warum dies nicht zustande kam, warum dies auch nicht m\u00f6glich war, war eben jener Repressionsschlag von 2003 \u2013 worauf der Text am Ende nicht eingeht \u2013 als 7 Anarchist*innen in Barcelona festgenommen wurden und eine weitere Person auf der Flucht war. Dieser Schlag synthetisierte<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote1sym\">1<\/a> eine Realit\u00e4t, die zwar im spanischen Staat nicht unbekannt war \u2013 siehe die Repression gegen die baskische Befreiungsbewegung \u2013 doch der die anarchistische Bewegung, trotz vieler Anstrengungen, nicht gewachsen war. Die Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen, die bis zu 7 Jahre im Knast waren, lie\u00df auch sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Sie waren nicht die ersten und die letzten einer langen Reihe von Anarchist*innen, die eingesperrt wurden und werden.<\/p>\n<p>Das was folgte, war einer Art von Nirvana in dem sich fast alle anarchistischen Kreise aufl\u00f6sten. Viele verschwanden aus Angst und auch aus Indifferenz. Bis 2008 durchlebte, vor allem Barcelona, aber auch die ganze iberische Halbinsel eine lange Durststrecke.<\/p>\n<p>Andere fanden sich in der Organisation wieder, die sie als den Teufel selbst beschrieben und angegriffen hatten, n\u00e4mlich der CNT. Es gab auch F\u00e4lle in denen aus der Ideologie der Informalit\u00e4t, die Ideologie der Formalit\u00e4t empor kam und strafe Gruppen gegr\u00fcndet wurden.<\/p>\n<p>Was \u00fcbrig blieb, war dieser Text und der Mythos einer so krassen Zeit, die gar nicht so krass war und bei der es vor allem keine Held*innen gab. Es gab vor allem Gef\u00e4hrt*innen die vom Knast und der Repression gebrochen waren, weil die so ersehnte und verk\u00fcndete Solidarit\u00e4t ausblieb, weil der soziale Krieg zwar vorangetrieben wurde, aber nicht bis zur letzten Konsequenz. Weil am Ende der Wille gr\u00f6\u00dfer war \u2013 was niemals falsch ist, er soll gro\u00df sein \u2013 als sehen zu wollen, was auf einen zukommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Geschichte des spanischen Staates, ist die Geschichte der Folter und der Verfolgung, die sehr eng mit dem katholischen Fanatismus verbunden ist, der seine Feind*innen nicht nur verfolgt, sondern auch fertig machen will. Die Rache muss wie die S\u00fcnde auf dem K\u00f6rper gebrandmarkt werden.<\/p>\n<p>Und da waren die Anarchist*innen auch mal dran, nur dass sie weit weniger Unterst\u00fctzung hatten als andere Bewegungen (ETA(m), baskische Befreiungsbewegung und GRAPO zum Beispiel).<\/p>\n<p>Wie soll aus so einer Niederlage, der man nicht gewachsen war, eine Auseinandersetzung folgen? Um die damalige Sprache nachzuahmen, wo war denn der Ph\u00f6nix der aus der Asche empor steigen sollte? Weil ja wie bekannt ist, aus der Asche kommt nur Asche und keine in Flammen stehende V\u00f6gel. Wo blieb die Rache von der so gerne in den Texten geschrieben wurde?<\/p>\n<p>Daher, warum diesen Text ver\u00f6ffentlichen der nicht mal fertig ist, \u00fcber zehn Jahre alt ist und zu dem viele Informationen fehlen. Gerade weil es der Versuch ist eine sehr wichtige Zeit wieder zu spiegeln, die in dieser Form, auf der iberischen Halbinsel seitdem nie wieder stattgefunden hat. F\u00fcr einen gar nicht mal so kurzen Zeitraum, war eine anarchistische und revolution\u00e4re Bewegung entstanden, die so hungrig nach Wissen und Taten war, wie es seit langem nicht mehr der Fall gewesen ist. Jede Diskussion war eine Erweiterung des Geistes ins Unendliche, jede Barrikade ein Schritt in Richtung Freiheit, jede Sabotage und Direkte Aktion ein Schlag in die Fresse der herrschenden Klasse. Und es war so ansteckend und es waren mal nicht die \u00fcbliche Verd\u00e4chtigen, sondern hunderte von Zellen, Initiativen, Projekte und Gruppen! Im Gegensatz zu den leeren Phrasen unserer Zeit, die den Sprung ins unbekannte verk\u00fcnden, war damals \u2013 auch wenn mit vielen Fehlern \u2013 der Kampf nicht nebul\u00f6s oder mit metaphysischen Gelaber vergleichbar, sondern ein gemeinsames Voranschreiten.<\/p>\n<p>Einige die diese Zeit durchgemacht haben, bereuen nichts, sie schauen gerne zur\u00fcck, um den zur\u00fcck gelegten Weg betrachten zu k\u00f6nnen. Denn es geht immer weiter.<\/p>\n<p>Lang lebe die Anarchie!<\/p>\n<p>Die Anarchie ist unaufhaltsam!<\/p>\n<p>Gegen Staat und Kapitalismus, f\u00fcr den sozialen Krieg!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote1anc\">1<\/a>Zusammenfassen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Epidemie der Wut in Spanien (1996-2007)<\/strong><\/p>\n<p><em>Von der Soligruppe f\u00fcr Gefangene \u00fcbersetzt<\/em><\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich erschienen diese Artikel in der Publikation Resquicios (Bilbao) Nummer 4 und 5 im November 2007 und April 2008.<\/p>\n<p><strong>Die Epidemie der Wut in Spanien (1996 \u2013 2007)<\/strong><\/p>\n<p><em>Von den Tigern aus Sutullena<\/em><\/p>\n<p><strong>Was wir erlebt haben, kann uns keiner wegnehmen (Pr\u00e4sentation)<\/strong><\/p>\n<p><em>Glauben sie mir, dass durch die Art und Weise wie wir handeln, au\u00dferhalb des Gesetzes, alles was nicht die strikteste Ehrlichkeit ist, uns in fatale Konsequenzen bringen k\u00f6nnte.<\/em><\/p>\n<p>Jack London, Das Mordb\u00fcro<\/p>\n<p>Seit einiger Zeit empfinden wir, einige Gef\u00e4hrt*innen, die Notwendigkeit aus den Erfahrungen, die im spanischen Staat von einigen anarchistischen, kommunistischen und autonomen militanten Gruppierungen gesammelt wurden und f\u00fcr eine gewisse Zeit zu einer gewissen \u201eaufst\u00e4ndischen\u201c Idee zusammenflossen, eine Bilanz zu ziehen. Diese Notwendigkeit entspringt aus zwei Umst\u00e4nden.<\/p>\n<p>Der Erste von ihnen ist die Tatsache, dass eine Etappe abgeschlossen wurde. Wir sind nicht mehr am selben Punkt wie vor zehn Jahren \u2013 nicht mal wie vor f\u00fcnf Jahren \u2013 und wir wollen daher angemessene Schlussfolgerungen ziehen, um den Schlachten, die sich nicht in einer nebul\u00f6sen Zukunft befinden, besser die Stirn bieten zu k\u00f6nnen. Denn diese kommen auf uns zu. Daf\u00fcr ist es unumg\u00e4nglich eine Debatte zu er\u00f6ffnen, oder zumindest eine Reflexion anzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>Der zweite Umstand, der uns antreibt dies hier zu schreiben, ist die absolute Unkenntnis der Vorg\u00e4nge der letzten zehn Jahre seitens neuer Generationen von Gef\u00e4hrt*innen. \u00dcber diese Unkenntnis muss gesagt werden, dass sie mit der Intensit\u00e4t des Kommunikationsmangels der Internetnutzer*innen, die sich unter uns breit gemacht und fast den Kontakt und die direkten Beziehungen untereinander ersetzt hat, zusammen h\u00e4ngt. Aber sie zeigt auch das Ma\u00df unseres Scheiterns in dem Verschwinden von Bezugspunkten, mit denen sich diese Gef\u00e4hrt*innen identifizieren konnten: Kampfprojekte und andere Anziehungspunkte hatten die Kontinuit\u00e4t und Vertiefung an eine k\u00e4mpfende Bewegung, die nicht klein war, gegeben.<\/p>\n<p>Diesem Scheitern liegt das, was einige Zeit lang als \u201einformelle Organisation\u201c bezeichnet wurde, zu Grunde. R\u00fcckblickend, aus der Perspektive die einem die vergehenden Jahre gew\u00e4hren, haben wir erkannt, dass es ein eingeschriebenes Scheitern war. Es beruht auf den Vorschl\u00e4gen, von denen wir ausgegangen waren. Trotz alledem bereuen wir nichts. Wir glauben auch nicht, dass wir Zeit verschwendet haben, genauso wenig wie unsere Gef\u00e4hrt*innen es tun. Hinterher ist es leicht einen Aschenhaufen zu betrachten und zu sagen \u201ealles war ein Fehler\u201c, oder dass die Leute \u201esinnlos gehandelt haben\u201c. Diese falsche Kritik vergisst, aus Interesse oder aus Ignoranz, die damals vorherrschenden Bedingungen. Dies bringt uns zur\u00fcck zum Ausgangspunkt \u2013 an die l\u00e4stigen Illusionen des offiziellen Anarchismus oder an die gl\u00fcckliche Bewusstlosigkeit des jugendlichen Antagonismus \u2013 und bereitet so das Terrain vor, dass sich alles in einer unbestimmten Zeit &#8211; dieser \u201ezyklischen Zeit\u201c, die so charakteristisch f\u00fcr jene politischen Gruppierungen ist, die sich gerne den Mantel der Geschichte umh\u00e4ngen &#8211; wiederholt.<\/p>\n<p>Viel schwieriger und ungem\u00fctlicher f\u00fcr die ganze Welt ist es, eine dialektische Analyse der Geschehnisse zu erproben. Die Bedingungen von denen wir ausgingen, lie\u00dfen keine andere M\u00f6glichkeit, au\u00dfer dem was gl\u00fccklicherweise stattfand, zu. Die Epidemie der Wut war keine weitere \u00e4sthetische\/ideologische Mode des Ghettos: alle Hypothesen die damals formuliert wurden, wurden bis zur letzten Konsequenz ausprobiert. Auch wenn die Resultate meist katastrophal waren, liegt genau darin eine kollektive Erfahrung, die diesen Namen verdient und deswegen eine Selbstkritik erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Was die positiven Resultate angeht, sind sie vom Maximalismus<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote1sym\">1<\/a> weit entfernt. Das machte uns oft sauer, aber trotz dessen liegen sie vor. Diese Jahre haben es definitiv erm\u00f6glicht, zwei Jahrzehnte an Tr\u00e4gheit und L\u00e4hmung der libert\u00e4ren Bewegung, von der wir ungewollt die Erben wurden\/waren, zu \u00fcberwinden. Aber vor allem haben sie dazu gedient, so zentrale Fragen, wie die der Revolution oder die der Organisation, wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Und zwar nicht als tote ideologische Gewissheiten, sondern als lebendige, komplexe und dynamische Probleme. Diese Resultate, vielleicht kleine im unmittelbarem Ergebnis, aber qualitativ wichtige in den M\u00f6glichkeiten die sich daraus er\u00f6ffnen, hatten auch einen tragischen Preis. Diesen zahlten und zahlen die Gef\u00e4hrt*innen, die Ziel der Repression wurden und noch sind. Ihnen widmen wir diese Seiten.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen darauf hinweisen, dass dieses Schreiben nicht der Versuch ist, irgendetwas aus der Welt zu schaffen. Wir wollen versuchen, einen angemessenen Beitrag zu alldem zu leisten, was wir gesehen, gelebt und w\u00e4hrend dieser Zeit gedacht haben. Anstatt aus einer p\u00e4pstlichen Allmacht heraus oder jemanden mit \u201eunserer Meinung\u201c zu \u00fcberrumpeln, war es f\u00fcr uns wichtig, diese Geschichte so gut wie m\u00f6glich zu rekonstruieren und zu versuchen ein breites Bild zu zeichnen. Dass kann nicht nur anhand einer Chronologie gemacht werden, die Schlag auf Schlag erz\u00e4hlt wird, genauso wenig wie mit dem Entstauben vergangener Anekdoten. Es ist notwendig zu beurteilen, welche Geschehnisse wichtiger waren als andere, um eine erkl\u00e4rende Hypothese zu wagen, die zeigt, warum gewisse Dinge so stattgefunden haben und nicht anders. In diesem Prozess bekommt der Text offensichtlich eine subjektive Wendung, f\u00fcr die wir uns allerdings nicht sch\u00e4men: f\u00fcr eine objektive Version der Dinge gibt es ja schon den Fernseher und die t\u00e4gliche Presse.<\/p>\n<p>Vor allem war es unm\u00f6glich, diese Arbeit zu machen, ohne eine Schlussfolgerung zu ziehen. Das Eine oder Andere haben wir aber erreicht, auch wenn es niemals an Leuten fehlen wird, die versuchen werden, uns das streitig zu machen. So sei es.<\/p>\n<p><strong> I. Es war einmal\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Im \u00dcbergang der Jahre 1996 und 1997 befanden sich die gesamten jugendlichen, antagonistischen und antikapitalistischen Bewegungen auf der iberischen Halbinsel an der Schwelle einer Ver\u00e4nderung. Dies war sowohl die Folge von \u00e4u\u00dferen Bedingungen, als auch die ihrer eigenen Entwicklung innerhalb eines Jahrzehntes. Diese Ver\u00e4nderung im Allgemeinen, erlangte im Falle des Anarchismus, die Form eines gewaltigen Bruches. Der erste Teil unseres Textes bezieht sich auf die Art, wie dieser Bruch vollzogen wurde. Er fand auf zwei Ebenen statt: mit dem offiziellen Anarchismus und seinen Traditionen und mit den, immer mehr, offenen, integrierenden Positionen, welche sich aus dem Scho\u00df des jugendlichen Antagonismus entwickelten. Auf dem Terrain der Kritik befanden sich Gef\u00e4hrt*innen unterschiedlicher Positionen \u2013 Autonome, Anarchist*innen oder \u201eunorthodoxe\u201c Marxist*innen &#8211; die die geerbten dogmatischen Positionen beiseite legen w\u00fcrden, um gemeinsam eine effektive revolution\u00e4re Praxis zu finden. Die aufst\u00e4ndischen\/insurrektionellen Ideen wurden zum Sammelpunkt und zum gemeinsamen Nenner in diesem Moment ungew\u00f6hnlicher Umstrukturierungen.<\/p>\n<p><strong> 1. Der offizielle Anarchismus.<\/strong><\/p>\n<p>Anfang der 90er Jahre waren die Effekte der kapitalistischen Umstrukturierung in Spanien sichtbar. In diesem Kontext wird die Sklerose des offiziellen Anarchismus \u2013 die libert\u00e4re Bewegung die sich schon ohne Weiteres den Eigennamen selbst zugeschrieben hatte \u2013 immer offensichtlicher. Seit dem Ende der Diktatur wurde versucht die historische CNT nachzuahmen. Unter den vorherrschenden Bedingungen, f\u00fchrte das innerhalb kurzer Zeit zu einem Bruch und zur Bildung von zwei Fraktionen. All dies ist eine alte Geschichte und Allen bewusst. Vielleicht wurde aber nicht von Allen festgestellt, dass die Polemik zwischen diesen beiden Fraktionen \u2013 bezogen auf den Zwist zwischen \u201egewerkschaftliche Wahlen ja oder nein\u201c- f\u00fcr zwei lange Jahrzehnte die militante Debatte innerhalb des Anarchismus blockierte. Versunken in diesen autistischen Monolog, gelang es der ablehnenden Fraktion, die historische Abk\u00fcrzung der CNT zu behalten. Wir meinen mit dieser Fraktion den \u201eoffiziellen Anarchismus\u201c. Sie erlebte die Umstrukturierung des spanischen Kapitalismus in\/aus einer Position der wachsenden Isolation und Marginalisierung. W\u00e4hrend die Andere (heute die CGT) freiwillig ihre anarchistischen Referenzen verw\u00e4sserte, bis sie sich damit begn\u00fcgte nur noch einen bleichen Hauch an \u201eLibert\u00e4rem\u201c zu besitzen, der ihr respektables Bild nicht sch\u00e4digen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In den 20 Jahren von denen wir reden, war der offizielle Anarchismus g\u00e4nzlich unf\u00e4hig auch nur ein einziges Konzept zu erarbeiten, dass sich der historischen Ver\u00e4nderungen, die wir durchmachten, bewusst war. Ebenso wurde keine einzige organisatorische Neuerung eingef\u00fchrt, die es erlaubt h\u00e4tte den Ver\u00e4nderungen im sozialen Terrain und auf der Arbeit die Stirn zu bieten. Immer in der Defensive, erstarrte sie in der erneuten Bekr\u00e4ftigung der \u201ePrinzipien\u201c der Ideologie, einer aus dem Mythos geborenen Vergangenheit und einer organisatorischen Form, die nicht weniger ein Mythos war und die aus dem Jahr 1918 stammt. Zus\u00e4tzlich zu alldem, kommt noch eine erstickende b\u00fcrokratische Atmosph\u00e4re, eine Menge an Fotokopien, Stempeln, Komitees, Plenarsitzungen und Vollversammlungen f\u00fcr eine mickrige Organisation, die im Jahr 1996 nicht mehr als 3000 Mitglieder hatte<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote2sym\">2<\/a>.<\/p>\n<p>Zu den Organisationen des offiziellen Anarchismus stie\u00dfen Anfang und Mitte der 90er Jahre junge Militante hinzu. Sie waren durch ihre \u201eglorreiche\u201c Vergangenheit, ihren k\u00e4mpferischen Heiligenschein, der mehr \u00e4sthetisch als real war, und einen Diskurs, der damals, ohne zu \u00fcbertreiben, der krasseste der gesamten Situation war, verblendet. Die CNT stellte keine H\u00fcrden, f\u00fcr diese Flut an jugendlichen Beitritten auf, was aufgrund der geringen Anzahl an Militanten nicht verwunderlich war. Ein weiterer Grund f\u00fcr die unbegrenzte Aufnahme, war die vorherrschende Fixierung auf die Beitrittszahlen. Die Federaci\u00f3n Ib\u00e9rica de Juventudes Libertarias<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote3sym\">3<\/a> (FIJL) diente nicht als eine \u201eVorschule\u201c f\u00fcr diese jungen Militanten, sondern es fand ab dem Beitritt h\u00e4ufig eine Doppelmilitanz<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote4sym\">4<\/a> in beiden Gruppen, der FIJL und der CNT statt. In der zuletzt genannten landeten die Jugendlichen, ausrangiert in handlungsunf\u00e4higen \u201eSektionen f\u00fcr Sch\u00fcler*innen und Student*innen\u201c.<\/p>\n<p>Einmal in der Gewerkschaft angekommen, nahmen diese Jugendlichen eine bemerkenswerte Verzerrung zwischen der Radikalit\u00e4t des Diskurses und einer nicht existierenden Praxis wahr: zwischen der Arbeiter*innenbewegung der \u201e20er Jahre\u201c und der fehlenden Pr\u00e4senz in den Unternehmen, zwischen den \u00f6ffentlich ausgerufenen Zahlen von Mitgliedern und den realen Zahlen, zwischen der Sicht auf die Welt und der Realit\u00e4t selbst. Letztendlich zwischen dem \u201eGlanz\u201c des Mythos der Vergangenheit und dem Elend der Gegenwart. Sie trafen auch immer h\u00e4ufiger auf Verachtung und herabschauendes Verhalten durch die \u00e4lteren und erfahrenen Militanten.<\/p>\n<p>Diese jugendlichen Militanten dienten nicht selten als Kanonenfutter f\u00fcr die b\u00fcrokratischen K\u00e4mpfe innerhalb des offiziellen Anarchismus, ohne dass sie sich vollst\u00e4ndig den Manipulationen, denen sie unterzogen wurden, bewusst waren. Zweifellos konnte es gar nicht anders sein, als dass sie voller Unreife und Unerfahrenheit waren. Es muss auch gesagt werden, dass sich niemand darum scherte ihnen, au\u00dfer den vier unerl\u00e4sslichen Dogmen, etwas zu zeigen. Im Allgemeinen erlaubten sie es sich, sich mit den schlimmsten Eigenschaften der Organisation zu beschmutzen, vom extremen Sektierertum bis hin zum b\u00fcrokratischen Wahn und, durchgehend, durch intellektuelle Faulheit. Sie hatten aber auch einen ehrlichen Willen, diese erb\u00e4rmliche Situation zu \u00fcberwinden, auch wenn sie nicht wussten wie. Dieses Engagement, welches echt war und \u00fcber Jahre von vielen getragen wurde, musste mit der Unbeweglichkeit der Organisation zusammenknallen \u2013 und es knallte \u2013 weil sie von W\u00fcnschen nach Ver\u00e4nderungen getrieben waren, auch wenn jede*r die Art der Ver\u00e4nderung auf seine Weise umsetzte.<\/p>\n<p>Mitte der 90er Jahre hatte die theoretische und praktische L\u00e4hmung des offiziellen Anarchismus intern eine mehr als komische Stimmung verursacht. In solchen Situationen von Stillstand entstehen unvermeidbar interne Konflikte. In der CNT gab es viele. Aber der bekloppteste davon war, der der \u201eDesf\u00f6deration\u201c<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote5sym\">5<\/a> &#8211; ein Euphemismus f\u00fcr den Rauswurf \u2013 eines wichtigen, wenn nicht sogar mehrheitlichen Teils der katalanischen Sektion. Wie bei den meisten internen K\u00e4mpfen der Konf\u00f6deration blieben die wirklichen Gr\u00fcnde f\u00fcr den Zusammensto\u00df im Dunkeln. Es interessierte keinen der beiden Teile die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Vorg\u00e4nge zu kl\u00e4ren. Keine einzige ideologische Begr\u00fcndung wurde vorgebracht, nicht mal ein minimales theoretisches oder praktisches voneinander Entfernen der beiden Fraktionen, welches eine solche organisatorische Schlappe h\u00e4tte erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Es wurde nicht einmal versucht. Es handelte sich nur um einen Konflikt unter b\u00fcrokratischen Cliquen, in dem sich der Sektor behauptete der am meisten Unterst\u00fctzung vom b\u00fcrokratischen Netz, welches in ganz Spanien die CNT beherrschte, erhielt. \u00c4hnliche K\u00e4mpfe fanden innerhalb der ganzen Konf\u00f6deration statt. Wenn ein Disput irgendwo endete, bl\u00fchte ein anderer auf. Dies zerm\u00fcrbte die Moral der Organisation und zog ihr Ansehen durch den Kakao.<\/p>\n<p>Einer dieser Konflikte hatte eine charakteristische Relevanz f\u00fcr die Geschichte, die wir erz\u00e4hlen wollen. Es handelt sich um einen internen Kampf, welcher in der CNT von Madrid in den Jahren 1997 bis 1998 stattfand. Kaum war ein interner Konflikt, der zum Rauswurf des ganzen Sindicato de Oficios Varios<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote6sym\">6<\/a> gef\u00fchrt hatte, \u00fcberwunden, brach der n\u00e4chste Konflikt zwischen zwei gegens\u00e4tzlichen Fraktionen aus. Die Polarisierung war innerhalb der Pathologie der CNT \u00fcblich: ein in der Minderheit stehender \u201eanarchistischer\u201c Sektor, angef\u00fchrt von der Metallgewerkschaft, stand zu einem \u201esyndikalistischen\u201c, gebildet durch den neuen Sindicato de Oficios Varios, der Transportgewerkschaft und der Baugewerkschaft, in Konfrontation. Die Mitglieder der lokalen F\u00f6deration der FIJL \u2013 einer der gr\u00f6\u00dften und aktivsten innerhalb der gesamten FIJL \u2013 reihte sich bei der Metallgewerkschaft ein. Die \u201esyndikalistische\u201c Fraktion war irritiert von der Gewalt, die diese Jugendlichen, z.B. im antifaschistischen Kampf und in den st\u00e4ndigen Angriffen gegen Zeitarbeitsfirmen, entfalteten. Au\u00dferdem verziehen sie ihnen eine au\u00dfergew\u00f6hnliche und unverantwortliche<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote7sym\">7<\/a> Handlung, einen Akt der kollektiven Verantwortungslosigkeit gegen\u00fcber der CNT, nicht. Es handelt sich um die Besetzung vom CES<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote8sym\">8<\/a> im Dezember 1996.<\/p>\n<p>Der verborgene Konflikt eskalierte im Jahr 1997 im Nationalkomitee der CNT, das ein Jahr zuvor in Madrid aufgestellt wurde und in dem sich die beiden b\u00fcrokratische Sektoren die Posten aufgeteilt hatten. Aufgrund unbekannter Gr\u00fcnde wurden beide Repr\u00e4sentanten des \u201eMetall\u201c-Sektors aus der Gewerkschaft und letztendlich auch aus dem Nationalkomitee rausgeworfen. Zus\u00e4tzlich zu diesem Fall, wurde auch ein gro\u00dfer Teil der Sektion der Sch\u00fcler*innen und Student*innen \u2013 in der sich auch einige Militante der FIJL befanden \u2013 rausgeworfen. Dies alles mit der Beschuldigung \u201egewaltt\u00e4tige\u201c Jugendliche zu sein, die w\u00e4hrend der Sch\u00fcler*innendemos dieser Zeit Auseinandersetzungen verursachten.<\/p>\n<p>Mitglieder der Gewerkschaft der Sch\u00fcler*innen und Student*innen tauchten am Sitz von Tirso de Molina auf, um ihre demokratischen Beschwerden den P\u00e4psten der Organisation CNT vorzubringen. Diese warfen dann, demokratisch, die widerspenstigen Jugendlichen, die den Frieden der linken Kreise verdarben, raus. So trat man in einen offenen Konflikt ein, in dem der mehrheitliche Sektor, den \u201eMetallsektor\u201c, mittels einer Reihe von \u201egerechtfertigten\u201c Rausw\u00fcrfen mit unterschiedlichen Vorw\u00e4nden, liquidierte. Einige der Rausw\u00fcrfe waren so unsinnig wie der bereits erw\u00e4hnte. Der Gipfel der Konfrontation wurde erreicht, als einige Mitglieder der FIJL, die bereits aus der Gewerkschaft ausgeschlossen waren, auf einem Treffen des Nationalkomitees, dessen Sitz in der Calle Magdalena befand, auftauchten. Sie verlangten nach Erkl\u00e4rungen von denjenigen, die sie, angefangen mit dem damaligen Generalsekret\u00e4r, f\u00fcr verantwortlich hielten. Es kam zwischen beiden Seiten zu einem Austausch handfester Argumente. Das Nationalkomitee und die lokale F\u00f6deration von Madrid pr\u00e4sentierten dies der restlichen CNT als einen organisierten \u201e\u00dcberfall\u201c. Dadurch erhielten sie die Zustimmung, fast aller regionalen Kommitees, die bisher zu den Rausw\u00fcrfen schwiegen, da sie diese f\u00fcr eine interne Angelegenheit in Madrid gehalten hatten.<\/p>\n<p>Bis hierhin erkl\u00e4rt sich die Situation aus der Art des Umgangs mit Konflikten, der von der CNT seit 1977 entwickelt und perfektioniert wurde: b\u00fcrokratische Man\u00f6ver<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote9sym\">9<\/a>, waschechte stalinistische Rausw\u00fcrfe und eine unvermeidbare Dosis an Schl\u00e4gen. Letzteres als ein Ausdruck von Wut seitens der Besiegten oder als endg\u00fcltiges Argument der Sieger. Vom Nationalkomitee wurde nun zus\u00e4tzlich beschlossen, einen weiteren Akt des Wahnsinns durchzuf\u00fchren und die FIJL nicht nur aus der lokalen F\u00f6deration von Madrid, sondern aus der ganzen Organisation, zu vertreiben. Die Opferrolle, als eine Konsensstrategie, welche rund um den \u201e\u00dcberfall\u201c auf das Nationalkomitee artikuliert wurde, l\u00f6ste eine Hexenjagd aus. Dadurch diente die FIJL f\u00fcr die inh\u00e4renten strukturellen Spannungen in der CNT, als S\u00fcndenbock. Das Nationalkomitee der Gewerkschaft entschied sich einseitig und auf eigene Faust f\u00fcr einen Bruch der Beziehungen mit der FIJL. Genau genommen, konnte dies nur der Kongress der Organisation entscheiden. Solch ein Bruch hatte nicht nur eine symbolische Bedeutung. Er erlaubte es von nun an, die FIJL als eine \u201eexterne Avantgarde\u201c abzustempeln, die die Gewerkschaft f\u00fchren wollte. Daraufhin wurde die Hetze gegen Militante in allen Ortschaften, wo es Gruppen, die in der FIJL organisiert waren, gab, initiiert. In Bilbao und Granada wurden ihre Archive aufgebrochen<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote10sym\">10<\/a> und interne Dokumente gestohlen. In weniger als einem Jahr wurden aus allen Gewerkschaften, alle Militanten der FIJL rausgeworfen. Dies geschah entweder durch einen direkten Rauswurf, durch Ersch\u00f6pfung oder sie wurden voller Ekel ins Abseits gestellt. Es wurde der Geist einer m\u00f6glichen Radikalisierung der CNT beschworen, der, wie wir sehen werden, sofort Gestalt annehmen w\u00fcrde. N\u00e4mlich in Form jener Minderheit von Militanten, die f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Gefangenen des Bankraubs in C\u00f3rdoba waren.<\/p>\n<p>Was die FIJL angeht wird diese in der Erinnerung des offiziellen Anarchismus d\u00e4monisiert bleiben. Sie wird einen eigenen und unabh\u00e4ngigen Werdegang beginnen. Bis zu diesem Moment war die jugendliche F\u00f6deration eine Art extreme Kristallisation des eigenen Sektierertums des offiziellen Anarchismus. Ihre Existenz drehte sich um den falschen Glauben, dass eine \u201eradikalere\u201c Praxis m\u00f6glich sei, ohne die Voraussetzungen in der CNT zu modifizieren. In Wirklichkeit verteidigten die Militanten der FIJL, als Mitglieder in der Gewerkschaft, die Orthodoxie der CNT mit wildem Dogmatismus. Daher konnten sie so leicht von den \u201ereinen\u201c Sektoren manipuliert werden. Ihre Aufopferung in den H\u00e4nden jener, die eine Gewerkschaft mit einem \u201ezivilisierten\u201c und freundlichen Profil haben wollten, w\u00fcrde die FIJL komplett desorientieren und sie ins Leere laufen lassen. Bis sie sich an den Insurrektionalismus als einen Rettungsring klammern wird. Nach den Mitgliedern der FIJL werden bald weit gr\u00f6\u00dfere Sektoren von jungen Mitgliedern, die CNT verlassen. Und dies angeekelt, nach dem sie \u2013 in einigen F\u00e4llen f\u00fcr viele Jahre \u2013 gegen eine unbewegliche B\u00fcrokratie gek\u00e4mpft hatten.<\/p>\n<p><strong>2. Der jugendliche Antagonismus<\/strong><\/p>\n<p>Der offizielle Anarchismus legte auf seinen Kongressen, mit einer gro\u00dfen Begeisterung f\u00fcrs Aus- und Einschlie\u00dfen fest, dass die \u201elibert\u00e4re Bewegung\u201c aus der CNT, der FAI, der FIJL und Mujeres Libres bestand. Die Wahrheit ist, dass die Realit\u00e4t komplexer war und mit ihren st\u00e4ndigen ver\u00e4nderbaren Facetten die Bequemlichkeit des b\u00fcrokratischen und sektiererischen Konzepts in Unruhe versetzte. Au\u00dferhalb der perfekt festgelegten Grenzen der formalen Organisationen des Anarchismus, breitete sich eine weitl\u00e4ufige und heterogene Bewegung, deren Keime seit Mitte der 80er aufgetaucht waren, in alle Richtungen ein wenig aus. Diese konzentrierte sich auf Besetzungen, Fanzines, B\u00fcchervertriebe<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote11sym\">11<\/a>, Musikgruppen, Gruppen und Kollektive der Affinit\u00e4t, sowie auf die Teilnahme an breiteren Bewegungen, wie die antimilitaristische, die damals mit der Kampagne f\u00fcr Totalverweigerung startete. Diese Konstellation, die sich entweder als anarchistisch oder autonom bekannte, war am Rande der gealterten Arbeiter*innenbewegung des offiziellen Anarchismus geboren. Sie bewegte sich unter verschiedenen Koordinaten, die im Allgemeinen durch ein \u201eanti\u201c \u2013 antisexistisch, antirepression, antimilitaristisch, antifaschistisch, anti-stierk\u00e4mpfe, etc. &#8211; und das jugendliche Zusammenleben als leitenden Faden definiert waren. In diesen Netzen wurden sinnbildliche Publikationen unterst\u00fctzt wie Sabotaje, Resiste, El Acratador, La Lletra A oder Ekintza Zuzena, um einige zu nennen. Wegen ihrer Unf\u00e4higkeit eigene Koordinationsinstanzen aufzubauen und gemeinsame Linien f\u00fcr die Aktion zu finden, hielt ein Teil dieser jugendlichen Bewegung die CNT, aufgrund ihrer Stabilit\u00e4t und ihrem mystischen Heiligenschein, noch immer, wenn auch weniger respektvoll, als eine Referenz hoch.<\/p>\n<p>Dennoch genoss, in einigen Orten, der jugendliche Antagonismus eine eigene spezifische Rolle, die jene des offiziellen Anarchismus \u00fcberschreiten wird. Es ist banal darauf hinzuweisen, dass Euskadi eine Ausnahme in diesem Fall ist, da es dort anders war. Es ist bekannt, dass dort der soziale Krieg eine andere Entwicklung genommen hat. Themen wie Gewalt und Knast, welche die Epidemie der Wut nach Jahrzehnten wieder in den iberischen Anarchismus einf\u00fchrte, haben dort f\u00fcr Tausende von Menschen, und nicht nur f\u00fcr einen kleinen Kreis von Aktivist*innen, nicht aufgeh\u00f6rt eine allt\u00e4gliche Realit\u00e4t zu sein. Es handelt sich also um einen so spezifischen Kontext, dass es, trotz der Pr\u00e4senz eines jugendlichen Antagonismus, der mit Kraft Mitte der 80er in Euskadi entstand, auf vielen Ebenen das restliche Land beeinflusste und es mit vielen Ankn\u00fcpfungspunkten best\u00fcckte, notwendig ist, ihn am Rande dieser Geschichte zu belassen.<\/p>\n<p>Aus Zeit- und Platzgr\u00fcnden k\u00f6nnen wir nicht alle Ereignisse bearbeiten, welche wir gerne erw\u00e4hnen w\u00fcrden. Zum Beispiel war Valencia ein wichtiger Ort f\u00fcr Besetzungen. Au\u00dferdem wurde dort Anfang 1997 der ber\u00fchmte Text <em>Alles was du \u00fcber Besetzungen dachtest und dich nicht getraut hast in Frage zu stellen<\/em> ver\u00f6ffentlicht. Dieser war einer der ersten einheimischen Texte der Ideen beinhaltete, die die Epidemie der Wut sp\u00e4ter entwickelten, die sich Lichtjahre von der Liturgie des offiziellen Anarchismus entfernt und sich vor dem kommenden spektakul\u00e4ren Charakter der Hausbesetzer*innenbewegung befanden. So k\u00f6nnten wir weiterhin einige wichtige Orte erw\u00e4hnen. Aufgrund der Begrenzung dieser Arbeit wollen wir uns aber auf zwei H\u00f6hepunkte des jugendlichen Antagonismus, die einen starken Einfluss auf die Entwicklungen, die im restlichen Staat stattfanden, haben w\u00fcrden, konzentrieren. Hier ist die Rede von zwei Metropolen: Madrid und Barcelona.<\/p>\n<p>In Madrid fand ein einzigartiger Fall statt. Dort verschaffte sich der jugendliche Antagonismus sehr fr\u00fchzeitig die Mittel zur Koordination. Diese Strukturen w\u00fcrden praktisch ein Jahrzehnt bestehen. Es handelt sich um die Koordination von Kollektiven namens <em>Lucha Aut\u00f3noma (LA).<\/em> Sie wurde 1990 von dem Zusammenschluss der ersten frisch gebackenen Hausbesetzer*innen aus Madrid, sowie von Jugendgruppen, die sich von den Organisationen der extremen Linken wie MC<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote12sym\">12<\/a> und LCR<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote13sym\">13<\/a> \u2013 deren F\u00fchrung sie am Ende anekelte &#8211; getrennt hatten, gegr\u00fcndet. So wurde eine einzigartige Organisation geboren, die, auch wenn sie nicht f\u00e4hig war \u00fcber das Madrider Ambiente hinaus zu gehen, den Stoff f\u00fcr wirkliche Kampfdynamiken und \u201eSelbstorganisation\u201c, um die Sprache von damals zu verwenden, lieferte. LA konnte einer starken Stilisierung, die in der Bewegung \u00fcblich und eins der grundlegenden Elemente war, nicht entfliehen. Es war eine Organisation, die durch den Charakter des Aktivismus gekennzeichnet war. Dieser diente als ideologisches Sammelsurium &#8211; ein Charakterzug, der es LA anfangs erlaubte zu wachsen, sich aber im Nachhinein gegen sie wandte. Im Laufe des Jahres 1997 f\u00fchrte ihre eigene Entwicklung und die fehlende gemeinsame Diskussion zur Entstehung von entgegengesetzten Positionen innerhalb der Organisation. Dies verursachte eine Krise, die 1998 in ihrer Aufl\u00f6sung m\u00fcndete. Kurz darauf wurde versucht sie wieder neu zu gr\u00fcnden. Nach einem italienischen post-operaistischen Diktat, sollte LA von ihren \u201etraditionellen\u201c anarchistischen und autonomen Komponenten \u201eemanzipiert\u201c werden. Aber dieser Sprung ins Leere, zahlte sich durch ein schnelles und diskretes Versagen aus. Ansonsten umfasste diese Organisation nicht den ganzen jugendlichen Antagonismus in Madrid in den 90ern. Au\u00dferhalb von ihr existierte eine breite Konstellation weitl\u00e4ufiger Gruppen, besetzter H\u00e4user, B\u00fcchervertriebe, Kollektive und weiteren. Es ist ohne Zweifel richtig anzuerkennen, dass LA w\u00e4hrend dieses Jahrzehnts eine wichtige Referenz in Madrid war. Dies gilt bis zu dem Punkt, da das Verschlie\u00dfen gegen\u00fcber ihren Erfahrungen negative Folgen gehabt hat, die noch heute, zehn Jahre sp\u00e4ter, in den internen Br\u00fcchen in der Madrider Bewegung zu sp\u00fcren sind.<\/p>\n<p>Was Barcelona angeht, glauben wir nicht, dass dort die Erscheinung einer starken antagonistischen Jugend von der Tradition der Rebellion in der eigenen Stadt und ihrer Peripherie zu trennen ist. Deren letzte Ausw\u00fcchse waren die K\u00e4mpfe der Arbeiter*innen und der Nachbarschaften in den 70er Jahren. Im Gegensatz zu Madrid, strukturierte sich die Bewegung dort in informellen Netzen. Diese waren in dem sozialen Gewebe der Stadtteile, in den besetzten H\u00e4usern und in den pers\u00f6nlichen Affinit\u00e4ten unter den Gef\u00e4hrt*innen eingebettet. Dieses politische Mittel entwickelte sich abseits jedes Einflusses der katalanischen CNT, die seit Anfang der 90er zu sehr damit besch\u00e4ftigt war, sich selbst zu zerst\u00f6ren. Wie \u00fcblich fand in der CNT ein mafi\u00f6ses Spektakel der Uneinigkeiten statt. Das erste erw\u00e4hnenswerte Highlight der Bewegung in Barcelona, lag in der Kampagne gegen den Prunk von `92<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote14sym\">14<\/a>. Aus dieser gingen die Erweiterungen des Kampfes in der Gestalt von Hausbesetzungen hervor. Die Anzahl von \u201ebefreiten\u201c Wohnungen hatte eine so kritische Masse erreicht, dass sie im Staat ihresgleichen suchte. Dieser Aufruhr wird 1996, rund um die Besetzung und R\u00e4umung des schon verschwundenen Kino Princesa, das sich im Zentrum von Barcelona befand, einen qualitativen Sprung machen. Nach sieben Monaten, in denen sich in ganz Barcelona eine Dynamik von unaufhaltsamen Aktivit\u00e4ten entwickelte, wurden die Squater*innen aus der Princesa<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote15sym\">15<\/a> ger\u00e4umt. Dies geschah in Form einer mittelalterlichen Belagerung, bei der alles m\u00f6gliche auf die Cops flog. Auf der darauf folgenden Demonstration versammelten sich tausende Menschen. Sie endete in einem der gr\u00f6\u00dften Krawalle<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote16sym\">16<\/a>, an den sich Gef\u00e4hrt*innen aus Barcelona erinnern k\u00f6nnen. Die Unruhen, die in Barcelona stattfanden, \u00fcbertrugen sich auf das ganze Land. Das Echo von Princesa wurde im M\u00e4rz 1997, neben einer breiten medialen Berichterstattung, durch eine andere R\u00e4umung verst\u00e4rkt. Derjenigen von La Guindalera in Madrid, bei der \u00fcber hundert Personen verhaftet wurden.<br \/>\nDen Geschehnissen von Princesa und La Guindalera folgte eine Welle von Besetzungen im ganzen Land. Die meisten von ihnen waren von kurzer Dauer, da sie durch die schnelle Intervention der Cops ger\u00e4umt wurden. Diese hatten zweifellos die Befehle, zu verhindern, dass sich diese Beispiele verbreiten. Der Staat begann sich Sorgen zu machen. Das bewiesen auch die neuen Strafgesetze von 1996, in denen h\u00f6here Strafen f\u00fcr das Verbrechen des \u201eDiebstahls\u201c<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote17sym\">17<\/a> festgelegt wurden. Die libert\u00e4ren Teile des jugendlichen Antagonismus hatten das erste Mal einen Spiegel vor sich, der nicht mehr der der CNT war, in dem sie immer als die kleine Schwester erschienen. Sie hatten die Vollj\u00e4hrigkeit erreicht und ihre kleine Welt war in die Nachrichten vorgedrungen. Ab diesem Moment konnten sie die CNT mit einer gewissen Distanz betrachten. Ohne dass in diesem Moment ein Bruch stattfand, fing die Kritik an sich auf eine versteckte Art zu entwickeln. Es wurde den Gef\u00e4hrt*innen, die die CNT vor einiger Zeit entmythifiziert hatten, mehr Geh\u00f6r f\u00fcr die Kritik geschenkt. Falls man ihnen vorher \u00fcberhaupt jemals geglaubt hatte.<\/p>\n<p>Andererseits war es das Wichtigste, dass das verbreitete Bewusstsein eine Phase \u00fcberwunden hatte und T\u00fcr und Tor f\u00fcr den jugendlichen Antagonismus \u00f6ffnete, um neue Themen, Ideen und Konzepte einzuf\u00fchren. Hier entwickelte sich ein neuer Widerspruch zwischen unterschiedlichen Positionen. Auf der einen Seite standen jene, welche die Art der Vertiefung und Radikalisierung der Konfrontation mit dem Staat und dem Kapitalismus suchten. Auf der anderen Seite jene, die dazu tendierten diesen Konflikt zu verherrlichen und auf eine \u201esympathische\u201c und harmlose Art zu repr\u00e4sentieren, die es erlauben w\u00fcrde \u201emehr Leute zu erreichen\u201c. Es w\u00e4re eine Vereinfachung \u2013 die etliche Male vorgenommen worden ist \u2013 beide Seiten als \u201erevolution\u00e4r\u201c und\/oder \u201ereformistisch\u201c zu definieren. Die Erste von beiden konnte nicht effektiv revolution\u00e4r sein, egal wie hartn\u00e4ckig dies versucht wurde. Es fehlte an einem revolution\u00e4ren Projekt, das \u00fcber die einfache Zerst\u00f6rung, die in jenem Moment vorherrschte, hinausging. Dies geschah in einem historischen Moment, in dem die Flut der Konterrevolution, die 1968 stattgefunden hatte, noch nicht abgeebbt war. Die zweite Position strebte nicht mal danach irgendetwas zu reformieren. Sondern nur danach die \u00dcberbleibsel des \u201eSozialstaates\u201c zu bewahren und eine parastaatliche Verwaltung der F\u00fcrsorge gewisser Bereiche des sozialen Ausschlusses zu erhalten, welche durch die kapitalistische Umstrukturierung generiert wurde (soziale Unsicherheit, Migration\u2026). Dieser Widerspruch durchdrang die gesamte Bewegung. Er trat bei der Aufl\u00f6sung von Lucha Aut\u00f3noma und in den Disputen, \u00fcber die Legalisierung von besetzten sozialen Zentren in Madrid, offen zu Tage. Wenig sp\u00e4ter offenbarte sich dieser Bruch auf den gro\u00dfen Antiglobalisierungstreffen in Form einer spektakul\u00e4ren Repr\u00e4sentation, vor allem zwischen der Polarisierung des \u201eSchwarzen Blocks\u201c und der \u201eMonos Blancos<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote18sym\">18<\/a>\u201c.<\/p>\n<p><strong>3. An irgendeinem Tag in C\u00f3rdoba<\/strong><\/p>\n<p>Bis jetzt haben wir vieles rekapituliert. Wir haben versucht, ein Bild vom Kontext, in dem sich die Epidemie der Wut ausbreitete, zu zeichnen. Wir h\u00e4tten unseren Text auch mit diesem Punkt beginnen k\u00f6nnen, dann aber zu dem Preis, die Dimension der Geschehnisse zu entkr\u00e4ften. Jede Geschichte muss ihren Anfang haben, oder zumindest einen Ausl\u00f6ser und f\u00fcr uns war es die Geschichte, die in C\u00f3rdoba am 18. Dezember 1996 stattfand. Drei italienische Gef\u00e4hrten und einer aus Argentinien, damals f\u00fcr die Bewegung noch Unbekannte, versuchten eine Filiale der Bank Santander zu \u00fcberfallen. Die Geschichte ist weit bekannt und es lohnt sich nicht sie auszuweiten. Zwei Cops starben und die vier Angreifer wurden festgenommen. Ihre Namen: Giovanni Barcia, Michele Pontolillo, Giorgio Rodr\u00edguez und Claudio Lavazza.<\/p>\n<p>Im ersten Moment war es ein Ereignis, das eher f\u00fcr die Titelseiten der Zeitungen geeignet schien. Es ben\u00f6tige etwas Zeit und dass sie ihre Aktion als eine politische Tat erkl\u00e4rten, um die anarchistische Gesinnung der Angreifer und der Tat zu begreifen. Auch wenn sie in Spanien unbekannt waren, waren sie repr\u00e4sentativ f\u00fcr den Schwung der revolution\u00e4ren Bewegung in Italien der letzten 20 Jahre. Lavazza begann seinen Werdegang als Jugendlicher innerhalb der K\u00e4mpfe der Arbeiter*innen in den 70er Jahren. So, wie viele andere italienische Militante, entschied er sich die Waffen zu ergreifen. Er war Teil der Organisation <em>Proletari Armati per il Comunismo<\/em><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote19sym\"><em>19<\/em><\/a><em>,<\/em> die sich mit leninistischer Pr\u00e4gung an dem Kampf gegen das Knastsystem orientierte. Von dort aus entwickelte er sich hin zu anarchistischen Positionen, ohne dass er die Kreise des Untergrundes verlie\u00df.<\/p>\n<p>Pontolillo und Barcia waren sehr aktiv innerhalb aufst\u00e4ndischer Kreise im italienischen Anarchismus, die ihren Ursprung in den 80ern hatten. Der Erste hatte in Italien eine offene Haftstrafe wegen Totalverweigerung des Milit\u00e4rdienstes. Der Zweite war im Rahmen der \u201eMarini-Inszenierung\u201c angeklagt, dar\u00fcber werden wir sp\u00e4ter reden. Ihre Verbindung mit dem Anarchismus war daher nicht erst k\u00fcrzlich entstanden. Noch weniger war sie (wie einige mit Bosheit behaupteten) ein kalkulierter Opportunismus, um im Falle einer Verhaftung Unterst\u00fctzung zu bekommen.<\/p>\n<p>Fast ohne Kontakte zum spanischen Anarchismus brauchten ihre Stimmen eine gewisse Zeit, um aus dem Knast zu kommunizieren. Sie machten es letztendlich mittels der Seite des <em>Llar<\/em>, ein Bulletin aus Asturias, welches frei von jedem Dogmatismus war. Das Llar verband mit seinem verbl\u00fcffenden Layout ein viel saubereres Resultat im Vergleich zu den \u00fcblichen fotokopierten Fanzines der Zeit. Abgesehen davon, dass es gratis war und die Regelm\u00e4\u00dfigkeit mit einer bemerkenswerten Genauigkeit aufrecht erhalten wurde, genoss es au\u00dferdem eine au\u00dferordentliche Verbreitung, nicht nur in Asturias sondern in ganz Spanien. Alle Gewerkschaften der CNT und praktisch die Gesamtheit der antagonistischen Bandbreite: Kollektive, Vertriebe, besetzte H\u00e4user, usw. wurden erreicht.<\/p>\n<p>Durch all dies war Llar das Vehikel par excellence f\u00fcr eine Polemik, aus der die CNT nicht schlechter h\u00e4tte herauskommen k\u00f6nnen. Ab dem Moment, in dem das Bulletin aus Asturias die anarchistischen Positionen der Bankr\u00e4uber aus C\u00f3rdoba bekannt machte, erhoben sich die Stimmen, inner- und au\u00dferhalb der CNT, die verlangten, dass die Gewerkschaft sie zu unterst\u00fctzen habe. Zu Ehren der Wahrheit muss gesagt werden, dass eine Minderheit, aber eine bedeutende, an Militanten der Gewerkschaft daf\u00fcr waren, die Enteigner als eigene Gefangene zu \u00fcbernehmen. So, wie es Jahre zuvor mit dem Fall des libert\u00e4ren Gefangenen Pablo Serrano war, und es sogar einige Gewerkschaften, wie die aus Avil\u00e9s, dann auch machten. Diese CNT Mitglieder*innen tendierten dazu, sich mit anderen Gef\u00e4hrt*innen aus dem jugendlichen Antagonismus zu gruppieren, ohne die Gewerkschaft zu verlassen. So wurde die erste Generation von Gruppen der <em>Cruz Negra Anarquista<\/em> (CNA) in Granada, Villaverde und anderen Orten gegr\u00fcndet. Ihr Ziel, au\u00dfer dem \u00fcblichen \u201eKampf gegen die Kn\u00e4ste\u201c, war es, anarchistische Gefangene zu unterst\u00fctzten. Diese Gruppen waren kuriose Ph\u00e4nomene der \u201e\u00dcbergangszeit\u201c, da sie nicht von vornherein von einem Bruch a priori<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote20sym\">20<\/a> mit der CNT ausgingen und sich sogar in ihren R\u00e4umen trafen. Aber das Misstrauen, wenn nicht sogar eine offene Feindseligkeit seitens der Organisation, brachte sie dazu, ihre Illusionen \u00fcber die CNT abzulegen und andere Wege zu gehen.<\/p>\n<p>Abgesehen von diesen Ausnahmen, war die Organisation gr\u00f6\u00dftenteils mehr als z\u00f6gerlich, ja sogar offen abgeneigt, eine Form von Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Verhafteten aus C\u00f3rdoba zu leisten. Was vorherrschte war die Angst vor der Kriminalisierung. Die Abneigung der Organisation verstrickte sich in ideologischen Argumenten, inklusive einer Vorverurteilung der Protagonisten des \u00dcberfalls. Wie von uns gezeigt worden ist, entwickelte sich diese Polemik im Laufe des Jahres 1997 innerhalb einer \u201egewissen Ordnung\u201c vor allem auf den Seiten des <em>Llar<\/em>, mit einigen Interventionen aus der Zeitung <em>cnt<\/em>. Mitte 1997 fanden zwei Ereignisse statt, die eine unumkehrbare Polarisierung verursachten. Das Erste war der Beginn des Verfahrens, wegen dem \u00dcberfall in C\u00f3rdoba, bei dem auf einer Kundgebung zur Unterst\u00fctzung der italienischen Gef\u00e4hrten aufgerufen wurde. Einige Jugendliche von au\u00dferhalb erschienen, ohne irgendeine Gewerkschaft zu repr\u00e4sentieren, mit einer Fahne der CNT. Die Kommunikationsmedien gewichteten diesen Vorfall stark. Die CNT distanzierte sich g\u00e4nzlich davon, wodurch sie mit noch gr\u00f6\u00dferer Kritik, aus den wachsenden Unterst\u00fctzungsgruppen der gefangenen Enteigner, konfrontiert wurde.<\/p>\n<p>Das zweite wichtige Ereignis war die R\u00e4umung des <em>Centro Social Autogestionado (CSA) in Gij\u00f3n (abgesehen von anderen Gruppen war es auch der Treffpunkt der Llar) seitens der CNT, welche den Ort in Nie\u00dfbrauch<\/em><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote21sym\"><em>21<\/em><\/a><em>, als ein Teil des Patrimonio Sindical Acumulado<\/em><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote22sym\"><em>22<\/em><\/a><em> hatte. Die R\u00e4umung wurde mit Gewalt und ohne Warnung vollzogen. Die vorgebrachten schwachen Gr\u00fcnde der Gewerkschaft rechtfertigten eine solche Aktion, die sehr stark an die R\u00e4umung besetzter H\u00e4user erinnerte und wahre Emp\u00f6rung unter vielen Menschen verursachte, nicht. Die inoffiziellen Hauptgr\u00fcnde waren die Kritiken an der CNT, die an das Llar von ihren Leser*innen geschickt wurden und die das Llar p\u00fcnktlich ver\u00f6ffentlichte. Die Form, in der die R\u00e4umung stattfand, war au\u00dferdem repr\u00e4sentativ f\u00fcr den Paternalismus und die \u00dcberheblichkeit, mit der aus der CNT die \u201eandere\u201c libert\u00e4re Bewegung, nicht nur in Gij\u00f3n, behandelt wurde. Aufgrund dessen kam die Identifikation und die Solidarit\u00e4t vieler Leute mit dem CSA unverz\u00fcglich.<\/em><\/p>\n<p>Ab diesem Moment eskalierte die Polemik sehr schnell. Die Auflage des Llar, das an sich schon f\u00fcr eine gegeninformative Publikation sehr gro\u00df war, h\u00f6rte im Verlauf dieses Prozess nicht auf zu wachsen. Das Gleiche k\u00f6nnte \u00fcber ihre Unterst\u00fctzung gesagt werden. Von ihrer letzten Nummer (September 1999) erschienen 7.000 Exemplare. In der selben Zeit betrug die Auflage der Zeitung <em>cnt<\/em> 3.000 St\u00fcck, von denen ein Drittel bei den Gewerkschaften Staub sammelte, da sie sich nicht darum k\u00fcmmerten sie zu verteilen. Die gezielte und \u201einformelle\u201c Verteilung des Llar zeigte sich in diesem entscheidenden Moment viel breiter und wirksamer, als die verkn\u00f6cherte Presse der Gewerkschaft.<\/p>\n<p>Da es von Bedeutung war, wollen wir einige Bemerkungen \u00fcber die, von beiden Seiten, sehr niveaulose Polemik machen. Die CNT h\u00e4tte man mit einem einfachen und unwiderlegbarem Argument verteidigen k\u00f6nnen: dass sie keine Verpflichtung gegen\u00fcber Gefangenen hatte, die einer anderen Str\u00f6mung, welche noch dazu in Spanien unbekannt war, angeh\u00f6rten, und dass sie mit Mitteln, die den Methoden der CNT fremd waren, einseitig gehandelt hatten. Etwas, was so offensichtlich war, fiel niemanden ein. Der falsche Schritt der CNT-Mitglieder die intervenierten, auch wenn sie niemand darum gebeten hatte, war der Versuch zu kl\u00e4ren dass die Gefangenen aus C\u00f3rdoba keine Anarchisten sein konnten. Und zwar, weil weder ihre Methoden noch ihre Sichtweisen mit denen der heiligen Organisation \u00fcbereinstimmten. Sie waren ja seit langer Zeit daran gewohnt Zertifikate der anarchistischen Reinheit auszuh\u00e4ndigen und zweifelten daher keinen Moment daran, dass dies ein weiterer Fall war, in dem sie das auch machen durften. Sie erkannten nicht \u2013 der Kopf reichte daf\u00fcr nicht mehr aus \u2013 dass die doktrin\u00e4ren Exkommunizierungen des offiziellen Anarchismus nur dann funktionierten, wenn sie diese gegen ein Wesen \u201ezu ihrer Rechten\u201c anwandten. Aber die Positionen der Italiener waren viel radikaler als ihre eigenen, da sie den unmittelbaren revolution\u00e4ren Angriff verteidigten und zus\u00e4tzlich diesen auch aus\u00fcbten. Daher trafen die armen Inquisitoren auf eine offene Rebellion von einem Haufen an Leuten, die seit Jahren ihren Schwachsinn im Stillen ausgehalten hatten. Verwirrt durch dieses unerwarteten Ereignis, f\u00fcr das ihre Programmierung keine schnelle Antwort fand, kamen sie mit nichts mehr zurecht und ihnen fiel nichts besseres ein. Sie begannen moralisch zu urteilen.<\/p>\n<p>Das zugrunde liegende Problem lag darin, dass ein Umfeld der CNT, welches sie f\u00fcr einen Referenzpunkt gehalten hatte, von ihnen verlangte, auf der H\u00f6he des verbalen Extremismus zu sein, den sie seit Jahren verbreitet hatte. Da nicht \u00fcber Theorien diskutiert wurde, sondern \u00fcber sehr ernste vollendete Tatsachen, die ihr medial sehr schaden konnten, war die CNT in Panik geraten. Es stellte sich heraus, dass ihre Radikalit\u00e4t nur Geschw\u00e4tz war und das ihre Selbstisolierung nur eine Form der Integration in das System war, welches sie vorgab zu bek\u00e4mpfen. Was auf den Seiten des Llar w\u00e4hrend vieler Monate gesehen werden konnte (es muss noch gesagt werden, dass es noch kein Internet gab) war eine Wiederholung des M\u00e4rchens, in dem ein Kind in seiner Unschuld aufzeigt, dass der Kaiser nackt ist, so dass es keiner mehr leugnen kann. In diesem Falle hie\u00df das Kind Michele Pontolillo. Seine \u201eUnschuld\u201c entsprang aus der Tatsache, dass er sich anderswo gebildet und frei jeder Vergiftung und Konventionen war, die dem iberischen Anarchismus so eigen waren.<\/p>\n<p>Ab der R\u00e4umung des CSA in Gij\u00f3n war der Bruch unumkehrbar. Die libert\u00e4re Bewegung in Gro\u00dfbuchstaben verlor in einigen Monaten das Monopol des Anarchismus, welches sie so eifers\u00fcchtig zwei Jahrzehnte lang verteidigt hatte. Ende 1998 hat es zwei, klar definierte Seiten gegeben. Die Eine, die des offiziellen Anarchismus, welche mit ihrer ganzen doktrin\u00e4ren Tr\u00e4gheit in der Defensive war. Die Andere, die eines viel radikalisierteren Anarchismus, welche sich auf einen Schlag aus ihrer Linken kristallisiert hatte und im Moment, als gemeinsamen Nenner, nur ihre Ablehnung des Vorherigen und die Unterst\u00fctzung der Gefangen in C\u00f3rdoba hatte.<\/p>\n<p>Die organisatorischen Krisen sind treue Gef\u00e4hrt*innen der historischen Weggabelungen. Der spanische Anarchismus \u2013 der auf viele Arten gl\u00e4nzte, aber niemals auf jene der Theorie \u2013 hat immer versucht diese mit einer Flucht nach vorne, durch den Ausweg des Aktivismus, zu l\u00f6sen. Mit diesen Vorgeschichten war es r\u00fcckblickend betrachtet nicht verwunderlich, dass sich das, was als \u201eInsurrektionalismus\u201c bezeichnet wurde, im Eiltempo verbreitete. Diese neuartige anarchistische Str\u00f6mung und ihre Kritik an der B\u00fcrokratisierung, dem Dogmatismus und der Unbeweglichkeit des offiziellen Anarchismus, hat in den darauffolgenden Jahren eine sehr starke Anziehungskraft auf die j\u00fcngeren Militanten der CNT ausge\u00fcbt. Diese haben in einem authentischen Generationsexodus, von dem keine Gewerkschaft verschont blieb, die CNT verlassen. Die aufst\u00e4ndischen Positionen \u00fcbten gleicherma\u00dfen eine Anziehungskraft auf die Gef\u00e4hrt*innen aus den Kreisen des jugendlichen Antagonismus aus. Die Bedeutung dieser verschiedenen Urspr\u00fcnge wird in der Bildung differenzierter \u201einformeller\u201c Kreise sp\u00fcrbar werden. Diese werden in den folgenden Jahren gemeinsam agieren, aber sich nicht durchmischen.<\/p>\n<p><strong>II. Die Rolle des Insurrektionalismu<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Das Einfallen des Insurrektionalismus<\/strong><\/p>\n<p>In ihren Briefen an den Llar, stellten die gefangenen Gef\u00e4hrten des Bank\u00fcberfalles in C\u00f3rdoba ihre Positionen denen der, in demselben Bulletin schreibenden, CNT Mitglieder gegen\u00fcber. Diese Positionen waren die des aufst\u00e4ndischen Anarchismus<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote23sym\">23<\/a>. Sie erzeugten \u00fcber diese Seiten zum ersten Mal ein Echo in Spanien. Anfang 1997 wurde in Barcelona auch Alfredo Bonanos Pamphlet <em>Die anarchistische Spannung <\/em>ver\u00f6ffentlicht. Dies war praktisch alles, was die Verteidiger und Verleumder des Insurrektionalismus \u00fcber dieses Thema in Spanien wissen konnten. Das und das praktische Beispiel der Gefangenen aus C\u00f3rdoba, erzeugte von Anfang an ein Missverst\u00e4ndnis. Denn nun glaubten viele, dass die aufst\u00e4ndischen Ideen sich auf Enteignungen beschr\u00e4nkten, oder dass \u00dcberf\u00e4lle die aufst\u00e4ndische Praxis par excellence waren.<\/p>\n<p>Jedoch war es nicht das erste Mal, dass auf der Halbinsel \u00fcber Insurrektionalismus gesprochen wurde. Kurios erscheint uns, dass sogar die Zeitung <em>cnt <\/em>gelegentlich Artikel von Bonanno ver\u00f6ffentlicht hatte. Diese verursachten unter den Leser*innen Verwirrung, wenn nicht sogar einen Skandal. Die nicht mehr existierende Gruppe \u201eRevolte\u201c aus Cornell\u00e0<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote24sym\">24<\/a>, hatte jahrelang Informationen \u00fcber den revolution\u00e4ren Anarchismus in Italien verbreitet. In ihrem Bulletin wurden Informationen \u00fcber den Verlauf der \u201eMarini-Inszenierung<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote25sym\">25<\/a>\u201c sowie \u00d6kosabotagen und Antientwicklungsk\u00e4mpfe, die sich auf den TAV und AKWs konzentrierten, und Kommuniqu\u00e9s von inhaftierten anarchistischen Gef\u00e4hrten wie Marco Camenisch ver\u00f6ffentlicht. Aber bei der Priorisierung der fragmentierten Informationen \u00fcber theoretische Texte, blieb der Hintergrund der Fragen im Gro\u00dfen und Ganzen verschwommen.<\/p>\n<p>Die selbe Gruppe \u201eRevolte\u201c verbreitete 1996 den Aufruf f\u00fcr das Gr\u00fcndungstreffen der <em>Insurrektionalistischen Antiautorit\u00e4ren Internationale<\/em><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote26sym\"><em>26<\/em><\/a> (IAI) im Land. An diesem beteiligten sich Gef\u00e4hrt*innen aus verschiedenen Teilen des Landes. Der Aufruf erreichte z.B. auch die FIJL, als sie noch die CNT als ihren Mittelpunkt hatte. In diesem Moment \u2013 kurz vor den Ereignissen in C\u00f3rdoba \u2013 nahm die Jugendf\u00f6deration die Vorschl\u00e4ge mit einem gewissen Misstrauen, vor allem wegen fehlender Informationen, auf. Obwohl das Interesse an der Einladung zunahm, um mitten in einer Debatte, \u00fcber die Gr\u00fcndung einer internationalen anarchistischen Jugend, Fu\u00df zu fassen (welche jedoch nicht zu Stande kam), gewann in dem Moment die \u201eAngst vor dem Unbekannten\u201c die Oberhand. Wir bedauern dies, weil die Kontaktaufnahme mit der italienischen Erfahrung in Spanien ein besseres Verst\u00e4ndnis \u2013 im guten wie im schlechten Sinne \u2013 des aufst\u00e4ndischen Diskurses beg\u00fcnstigt h\u00e4tte. Die Verbreitung derselben Ideen w\u00e4re, ohne von den Geschehnissen in C\u00f3rdoba belastet zu sein, m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Keiner dieser Versuche trug Fr\u00fcchte, weil die iberischen Bedingungen es nicht erlaubten. Der jugendliche Antagonismus war noch nicht ausgereift. Auch der offizielle Anarchismus war noch nicht so weit verdorben,dass ein Bruch der Fronten durch die ganze libert\u00e4re Jugend stattfand. Erst als dieser Moment erreicht war, erlangte der aufst\u00e4ndische Diskurs einen realen Durchbruch. Doch dieser Durchbruch war im Gro\u00dfen und Ganzen durch die spezifischen iberischen Bedingungen gepr\u00e4gt, die zu einer langen Liste an Missverst\u00e4ndnissen, auf die wir sp\u00e4ter eingehen werden, f\u00fchrten.<\/p>\n<p>An diesen Punkt angekommen m\u00fcssen wir einige Dinge pr\u00e4zisieren. Das, was wir als \u201eEpidemie der Wut\u201c bezeichnen wollen, war ein kollektiver, aber weder einheitlicher, noch koordinierter Versuch, die Ohnmacht und die L\u00e4hmung der politischen Werkzeuge, die in Spanien \u201eantikapitalistisch\u201c und \u201erevolution\u00e4r\u201c zu sein beabsichtigten, zu \u00fcberwinden. Wenn wir dem Ganzen einen derma\u00dfen lyrischen Namen gegeben haben, ging es nicht darum, das ganze Geschehen mit dem Teil zu verwechseln \u2013 sicherlich wichtig \u2013 der dem \u201eInsurrektionalismus\u201c nahesteht. Diese Variante des Anarchismus, zwischen Italien und Griechenland entwickelt und flott gemacht, hatte herausragende Einfl\u00fcsse im Kontext der Epidemie und war zum Teil bestimmend f\u00fcr ihre Entwicklung. Aber dies war nicht die einzige Komponente und reicht nicht aus, um alles zu erkl\u00e4ren. Die Epidemie der Wut wurde auf der Halbinsel durch Dynamiken erzeugt, die wir im ersten Teil dieses Textes zu erkl\u00e4ren versuchten. Der unkritische Import des Insurrektionalismus war nicht die Ursache dieser Dynamiken, sondern ihre Folge.<\/p>\n<p>Der Insurrektionalismus war nicht die einzige neuartige Str\u00f6mung<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote27sym\">27<\/a>, die durch den offenen Bruch rund um die Geschehnisse von C\u00f3rdoba in in das libert\u00e4re Lager eindrang. Jetzt, da das ideologische Monopol, welches der offizielle Anarchismus in diesem Lager aus\u00fcbte, gebrochen war, begannen durch dieselben Risse, diverse Positionen und Ideen zu sickern. Einige, wie der Primitivismus, erwiesen sich als nicht mehr als kurzlebige ideologische Moden. Andere, wie die antiindustrielle Kritik, haben gr\u00f6\u00dfere theoretische Standfestigkeit bewiesen. Es wurden alte marxistische Str\u00f6mungen, wie der R\u00e4tekommunismus, ausgegraben, und mit allem Idealismus der Welt sollte geglaubt werden, sie w\u00e4ren von dringendster Aktualit\u00e4t. Auch wenn es nicht so war, diente ihre Verbreitung mindestens, um den uralten Antikommunismus des spanischen Anarchismus zu schw\u00e4chen: wir entdeckten jetzt einen Marx der uns viel n\u00e4her stand, der weder der Patriarch des scholastischen Leninismus, noch der gezeichnete Satan des Anarchismus war. In diesem Sinne entfalteten die situationistischen Theorien, die durch die Arbeit von <em>Literatura Gris <\/em>das erste Mal komplett auf spanisch zug\u00e4nglich waren, eine starke Auswirkung auf uns.<\/p>\n<p>Man kann zusammenfassend sagen, dass ab dem Jahre 1998, f\u00fcr mindestens f\u00fcnf Jahre, viele Ideen in einem schwindelerregenden Rhythmus in Betracht gezogen worden. Wir schon erw\u00e4hnt, fand in dieser Zeit eine allgemeine Ver\u00e4nderung nicht nur des Anarchismus, sondern aller Bewegungen, die jenseits der institutionalisierten Linken standen, statt. Diese Transformation \u00f6ffnete R\u00e4ume f\u00fcr Debatten, wo es vorher gar keine gab und erzwang die st\u00e4ndige Aktualisierung des allgemeinen Wissensstandes. Dies wurde durch eine \u201eantagonistische\u201c verlegerische Explosion, wie sie seit den 70ern nicht mehr stattfand, begleitet. Ein charakteristisches Ph\u00e4nomen des Momentes \u2013 kurz vor dem Erscheinen des Internets \u2013 war die Verbreitung der fotokopierten Pamphlete und Brosch\u00fcren. Diese dienten als St\u00fctze von l\u00e4ngeren und tieferen Texten, die in den \u00fcblichen Fanzines und Bulletins ver\u00f6ffentlicht wurden. Ohne die Verpflichtung, das Sprachrohr irgendeiner Gruppe oder Kollektives zu sein, waren Brosch\u00fcren eine herausragendes Vehikel der Kommunikation. Aufgrund ihrer niedrigen Kosten und leichten Herstellung, dienten sie der enorm schnellen Verbreitung von Ideen.<\/p>\n<p>So wurden die Erinnerungen an viele historische Momente, die Theorie und Praxis vieler K\u00e4mpfe sind, nachdem sie absichtlich von den Traditionen der spanischen extremen Linken vergessen, verdreht oder exorziert wurden, gerettet. Sie sind wichtige Lehren der Geschichte, die uns wissen lie\u00dfen das wir nicht aus dem Nichts kamen. Andererseits, war durch den Faden der Aneignung der Geschichte von antiautorit\u00e4ren bewaffneten Erfahrungen \u2013 MIL, Comandos Aut\u00f3nomos, Rote Zora und vieler anderer \u2013 politische Gewalt kein tabuisiertes Thema, innerhalb der libert\u00e4ren Bewegung, mehr. Alles in allem kam es von einem absoluten Mangel an Materialien und Informationen, zu einem \u00dcberfluss von ihnen, was so einige Verdauungsprobleme verursachte. Die Epidemie der Wut ern\u00e4hrte sich auch von diesen, in ihr mehr oder weniger pr\u00e4senten Themen, Lekt\u00fcren und Ideen.<\/p>\n<p>Das Thema dieses Artikels ist jedoch nicht der Insurrektionalismus an sich, sondern die Zusammenfassung und kritische Bilanz einer kollektiven Erfahrung. Sie zog sich \u00fcber ein Jahrzehnt hinaus und es nahmen Menschen an ihr teil, die sich selbst nicht als aufst\u00e4ndisch und oftmals nicht mal als Anarchist*innen bezeichneten. Wenn wir es f\u00fcr unbedingt notwendig halten die Beziehung dieser Erfahrung zu machen \u2013 es w\u00e4re \u00fcbertrieben sie als \u201eBewegung\u201c zu bezeichnen &#8211; m\u00fcssen wir sagen, dass all ihre Komponenten, sich um die hier behandelten zentralen Fragen drehten. Der Insurrektionalismus dr\u00e4ngte nicht allen Antworten auf, wie jedes \u00fcbliche Dogma es machen w\u00fcrde, aber er stellte die Fragen, auf die wir seit Jahren zu antworten versuchten. In diesem Sinne haben wir im ersten Teil dieses Artikels festgestellt, dass die aufst\u00e4ndischen Ideen in diesem Moment \u201eTreffpunkt und gemeinsamer Nenner\u201c waren.<\/p>\n<p>Damit die Erz\u00e4hlung, die wir hier vornehmen, klarer wird, m\u00fcssen wir einige relevante Aspekte des Insurrektionalismus angehen. Denn es ist notwendig aufzuzeigen, dass dieser weit entfernt von einer strukturierten Doktrin war, insbesondere da organisatorische Instanzen, die sich um seine \u201eReinheit\u201c k\u00fcmmerten, nicht vorhanden waren. Dies macht seine kritische Analyse schwer. Nichts desto trotz werden wir sie anhand einiger Texte, die f\u00fcr uns repr\u00e4sentativ sind, versuchen, ohne dass sich dieses Thema in ihnen ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p><strong>2. Ein avantgardistischer Individualismus?<\/strong><\/p>\n<p>Der Insurrektionalismus behauptete, dass der revolution\u00e4re Angriff gegen das Kapital und den Staat hier und jetzt von selbst m\u00f6glich war, unabh\u00e4ngig davon, ob die historischen Umst\u00e4nde die radikale Ver\u00e4nderung der Gesellschaft beg\u00fcnstigte oder nicht. Laut Bonanno, hatte das System ein solches Niveau an Komplexit\u00e4t erreicht, dass es unm\u00f6glich war, egal welche strategische Prognose zu machen<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote28sym\">28<\/a>. Daher war es nur m\u00f6glich, einen st\u00e4ndigen Angriff auf seine Flanken auszu\u00fcben, wo nach der Meinung der Revolution\u00e4re am meisten Schaden anzurichten sei, oder M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Verbreitung des Kampfes existieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wenn diese Herabsetzung der historischen und soziologischen Bedingungen durchgef\u00fchrt wurden \u2013 mehr oder weniger offen, je nach dem aufst\u00e4ndischen Theoretiker mit dem man sich auseinandersetzt \u2013 konnte das revolution\u00e4re Subjekt und Protagonist des Angriffes nur der Anarchist selbst sein, das hei\u00dft, das k\u00e4mpfende Individuum gegen das System welches es unterdr\u00fcckt. Dieser \u201eRebell\u201c wird in der aufst\u00e4ndischen Literatur mit verschiedenen Namen benannt, aber er konstituiert einen der theoretischen, zentralen und unver\u00e4nderlichen Bezugspunkte.<\/p>\n<p>So tr\u00e4gt der Insurrektionalismus in sich eine sehr starke individualistische Komponente. Im Gegensatz dazu, wurde darauf verzichtet ein kollektives Subjekt, au\u00dfer bei vagen Andeutungen auf die \u201eUnterdr\u00fcckten\u201c, \u201edie Ausgebeuteten\u201c oder \u201edie Marginalisierten\u201c, klar zu benennen, welches f\u00fcr den Angriff gegen das System empf\u00e4nglich w\u00e4re. Die sp\u00e4rliche Strukturierung der aufst\u00e4ndischen Theorien, verbunden mit ihrer Unklarheit, \u00f6ffnete eine weite Interpretation, um dieser oder jener soziologischen Figur die Mission zu geben, dem kapitalistischen Durcheinander ein Ende zu setzten. Zumindest sollte diese eine Konfrontation auf den Tod und ohne Absprachen vorantreiben. Im spanischen Falle gab es jene, die glaubten, dass diese Rolle den Gefangenen entsprach und es gab jene, die zu den alten Essenzen des revolution\u00e4ren Proletariats zur\u00fcck wollten. Einige k\u00fcrzliche Entwicklungen, haben das auswechselbare Subjekt in den Ausgeschlossenen gefunden, die sich in der Peripherie der Metropole, vor allem nach den franz\u00f6sischen Revolten von 2005, zusammen pferchen<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote29sym\">29<\/a>. Nichts von dem ist ausreichend, um ohne Zweifel die individualistischen Grundlagen dieser Ideologie auszugleichen \u2013 von allen anderen komplett \u00fcbernommen<strong> \u2013<\/strong> nicht mal um den kollektiven Kampf zu festigen, auch wenn die Versuche in diesem Sinne nicht fehlten.<\/p>\n<p>Innerhalb der aufst\u00e4ndischen Konzeption, war der Verzicht auf jede strategische Projektion und das Verst\u00e4ndnis des sozialen Krieges, als eine strikt private Abrechnung, das, was der Aktion einen wesentlichen Wert verlieh. Allerdings teilt sich die aufst\u00e4ndische Aktion in zwei Varianten auf, die von einigen Autoren der Innung<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote30sym\">30<\/a> perfekt differenziert wurde, auch wenn sie sie verschieden nannten. Wir differenzieren sie hier als den \u201ediffusen Angriff\u201c und die \u201eRadikalisierung der K\u00e4mpfe\u201c. Beide dienten als Ersatzmittel der strategischen Perspektive, die der Insurrektionalismus freiwillig aufgegeben hatte. Der diffuse Angriff sollte eine Praxis der Sabotage werden, die sich von jedem Konflikt oder jeder konkreten Forderung l\u00f6ste. Da sie alle Bereiche des Lebens erreicht, bot die Herrschaft verschiedene w\u00e4hlbare Fl\u00e4chen, auf denen sie angegriffen werden konnte.<\/p>\n<p>Die \u201eRadikalisierung der K\u00e4mpfe\u201c hatte schon andere Konnotationen. Hier offenbarte der Insurrektionalismus einen Hintergrund, den wir nur als Avantgarde bezeichnen k\u00f6nnen. Um dies zu erkl\u00e4ren, erlauben wir uns einige Texte zu zitieren, die wir wegen der Bedeutung, welche sie innerhalb der Kreise des aufst\u00e4ndischen Denkens haben, ausw\u00e4hlten:<\/p>\n<p>\u201eJegliches spezifische Kampfziel enth\u00e4lt in sich, zum explodieren bereit, die Gewalt aller sozialen Beziehungen. Wie wir wissen, ist die Banalit\u00e4t ihres unmittelbaren Anlasses, die Visitenkarte der Revolten im Verlaufe der Geschichte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas k\u00f6nnte eine Gruppe von entschlossenen Gef\u00e4hrten in solchen Situationen tun? (\u2026)\u201c<\/p>\n<p>\u201e[&#8230;] ist es ziemlich klar, dass die Unterbrechung der sozialen Aktivit\u00e4t ein entscheidender Punkt bleibt. Was auch immer der Grund des aufst\u00e4ndischen Konfliktes ist, die subversive Aktion muss auf eben diese L\u00e4hmung der Normalit\u00e4t abzielen. [&#8230;] Die revolution\u00e4re Praxis bliebe den Leuten stets <em>aufgesetzt<\/em>. [&#8230;] Libert\u00e4re, die durch ihre Methoden (individuelle Autonomie, direkte Aktion, permanente Konfliktualit\u00e4t) danach dr\u00e4ngen, k\u00f6nnen den Rahmen der Forderung \u00fcbersteigen und alle sozialen Identit\u00e4ten (Professor, Angestellter, Arbeiter, usw.) negieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIm Moment kann man nicht sagen, dass die Kapazit\u00e4t der Subversiven soziale K\u00e4mpfe (anti-militaristisch, gegen Umweltverschmutzung, usw.) zu lancieren, bemerkenswert ist. Es bleibt noch immer die andere Hypothese [&#8230;], jene einer autonomen Intervention in die K\u00e4mpfe \u2013 oder in die mehr oder weniger breiten Revolten \u2013, die spontan entstehen. [&#8230;] Wenn man denkt, man m\u00fcsse, w\u00e4hrend die Arbeitslosen vom Recht auf Arbeit sprechen, dies ebenso tun [&#8230;] dann wird der mit Demonstranten gef\u00fcllte Platz der einzige <em>Handlungsort<\/em> sein.\u201c (Ai ferri corti, In offener Feindschaft)<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote31sym\">31<\/a><\/p>\n<p>\u201e Eine Palette an konkreten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Macht zu \u00f6ffnen, bedeutet die Spannung des individuellen Aufstandes mit den Momenten im Sozialen selbst, dr\u00fcber hinaus von einem anarchistischen Handeln, sich mit Ausdr\u00fccken der Selbstbestimmung oder des Bruches mit der auferlegten Ordnung, zu verbinden. Diese Verbindung, schlie\u00dft jede Instrumentalisierung und jede Avantgarde aus. Die Anarchist*innen haben nichts \u00fcber die Revolte gegen die auferlegte Herrschaft zu lehren. Da die Verbindung zwischen der anarchistischen Spannung und den rebellischen sozialen Kr\u00e4ften stattfindet, sich als ein Reiz der Radikalit\u00e4t des Kampfes und der Rebellion materialisiert, werden Elemente der Selbstbestimmung versch\u00e4rft und andere vertieft.<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote32sym\">32<\/a><\/p>\n<p>\u201e[&#8230;] wir werden Affinit\u00e4tsgruppen aufbauen m\u00fcssen, bestehend aus einer nicht sehr umfangreichen Anzahl Gef\u00e4hrt*innen [&#8230;].\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Affinit\u00e4tsgruppen ihrerseits k\u00f6nnen zur Bildung von Basiskernen beitragen. Das Ziel von diesen Strukturen ist es, in den Teilbereichsk\u00e4mpfen die alten syndikalistischen Widerstandsorganisationen zu ersetzen [&#8230;].\u201c<\/p>\n<p>\u201eJeder Basiskern wird meist, angetrieben durch die Aktion der insurrektionalistischen Anarchisten, gegr\u00fcndet, aber nicht nur von Anarchisten gebildet. In seiner versammlungsbasierenden Verwaltung m\u00fcssen die Anarchisten ihre antreibende Aufgabe gegen die Ziele des Klassenfeindes maximal entwickeln. [&#8230;]\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Aktionsfeld der Affinit\u00e4tsgruppen und der Basiskerne besteht aus den Massenk\u00e4mpfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDiese K\u00e4mpfe sind fast immer Teilbereichsk\u00e4mpfe, die keinen direkten und unmittelbaren zerst\u00f6rerischen Charakter haben, sondern sich oft als schlichte Forderungen pr\u00e4sentieren, w\u00e4hrend sie zum Ziel haben, mehr Kr\u00e4fte aufzusammeln, um den Kampf gegen andere Ziele besser entwickeln zu k\u00f6nnen. .\u201c (Alfredo Bonanno)<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote33sym\">33<\/a><\/p>\n<p>All diese Aussagen \u2013 und viele andere die zitiert werden k\u00f6nnten \u2013 teilen einen gemeinsamen Charakterzug: die absolute Verachtung der Autonomie der sozialen K\u00e4mpfe, der Interessen und der unmittelbaren Notwendigkeiten der Menschen die sie vorantreiben, sowie den offenkundigen parasit\u00e4ren Willen, diese K\u00e4mpfe als Plattform f\u00fcr die eigene Ideologie zu benutzten. Denn so wie es voller Zynismus in<em>In Offener Feindschaft <\/em>ausgedr\u00fcckt wird, \u201ekann man im Moment nicht sagen, dass die Kapazit\u00e4t der Subversiven, soziale K\u00e4mpfe [\u2026] zu lancieren bemerkenswert ist.\u201c Daher muss man sich auf jene K\u00e4mpfe werfen, die \u201espontan\u201c au\u00dferhalb der eingeengten subversiven Kreise entstehen. Um hier nicht ewig in die Tiefe zu gehen, lassen wir den Lesenden die Aufgabe die Bedeutungen und Auswirkungen dieser Positionen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Zwischen dem \u201ediffusen Angriff\u201c und der \u201eRadikalisierung der K\u00e4mpfe\u201c eingezw\u00e4ngt, betrachtete der Insurrektionalismus den Weg nicht, der von gr\u00f6\u00dferem Interesse gewesen w\u00e4re: den einer Praxis der Sabotage die von strategischen \u00dcberlegungen geleitet und von kollektiven Interessen ausgegangen w\u00e4re, die nicht unbedingt durch die vorherige Existenz sozialer Bewegung bedingt gewesen w\u00e4re, aber sich in allen F\u00e4llen ihrem Entstehen bewusst ist, sowie respektvoll mit ihnen und ihren Umst\u00e4nden umgeht.<\/p>\n<p>Wir haben kurz die Antworten \u00fcberpr\u00fcft, die der Insurrektionalismus auf die Fragen der revolution\u00e4ren Praxis und des Subjektes, welches diese vorantreiben w\u00fcrde, gab. Wir k\u00f6nnen dieses kurze Res\u00fcmee nicht beenden \u2013 welches das Thema sowieso nicht aussch\u00f6pft \u2013 ohne den Blick auf ein weiteres Schl\u00fcsselproblem zu lenken: dass der Organisation. Erstens, weil die aufst\u00e4ndischen Ideen diesbez\u00fcglich ein gro\u00dfes Interesses f\u00fcr diese Str\u00f6mung und die Originalit\u00e4t ihrer Aspekte erweckten. Zweitens, weil im iberischen Fall die aufst\u00e4ndische Kritik an den traditionellen Formen der Organisation und ihre positiven Vorschl\u00e4ge auf diesem Feld, sehr gro\u00dfen Eindruck auf unsere Generation von Militanten gemacht haben. In Wirklichkeit war es dies, was in dem Moment am meisten die Verbreitung dieses Diskurses erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n<p>Der organisatorische Vorschlag des Insurrektionalismus dreht sich um die sogenannte \u201einformelle Organisation\u201c. Nach ihren theoretischen Ans\u00e4tzen, strebt die informelle Organisation weder danach auf Dauer zu bestehen, noch irgendeine Art von Hegemonie zu erlangen. Aufgrund dessen konnte sie auf Abk\u00fcrzungen und die \u00fcblichen rekrutierenden Begleitumst\u00e4nde verzichten. Die informelle Organisation befand sich \u2013 um einen jetzigen Modeausdruck zu verwenden &#8211; \u201eim permanentem Aufbau\u201c. Sie keime aus den Beziehungen der Affinit\u00e4t, des Vertrauens und der gegenseitigen Kenntnis unter den Gef\u00e4hrt*innen. Sie formte sich um genaue Aufgaben und Projekte, Momente der \u00dcbereinstimmung oder um konkrete Situationen des Konfliktes. In ihr fand die Kommunikation und die Einigung in einer flie\u00dfenden Art und nicht mittels Kongressen, Delegationen und regelm\u00e4\u00dfigen Treffen etc., statt. Die treibende Idee war, die vollst\u00e4ndige Autonomie jeder Gruppe oder jedes Individuums zu bewahren. Diese sollte dem Willen zur Vereinigung nicht geopfert werden. Bonanno selber nannte dies die \u201eOrganisation der Synthese\u201c.<\/p>\n<p>\u00dcber das bisher Gesagte kann man diskutieren. Wir wollen aber auch eine Reihe positiver Auswirkungen, welche diese Ans\u00e4tze hatten, hervorheben. Als Erstes wurden mit einem Schlag die Organisationsarten entweiht. Nicht nur die konkreten Organisationsformen des iberischen Anarchismus, sondern auch die Organisationsformen im Allgemeinen und Abstrakten. Es war wieder m\u00f6glich Organisationen als ein Mittel zu verstehen und nicht als einen Zweck f\u00fcr sich selbst. Also als etwas, was sich im Takt der geschichtlichen Ver\u00e4nderungen und der Bedingungen des Kampfes, entwickeln und \u2013 gegebenenfalls \u2013 aufl\u00f6sen konnte und musste. Die qualitativen Aspekte wurden \u00fcber die quantitativen gestellt. F\u00fcr all dies, wurde das Problem der Organisation freigelegt und eine Flexibilit\u00e4t geschaffen, die innerhalb des iberischen Anarchismus komplett ausgestorben war. Die T\u00fcren f\u00fcr ein kreatives Experimentieren mit den Organisationsformen \u00f6ffneten sich.<\/p>\n<p>Zweitens, gab es innerhalb der informellen Organisation keinen Platz f\u00fcr Militanz<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote34sym\">34<\/a>. Um es anders zu sagen: es gab keinen Platz f\u00fcr die Entfremdung in Bezug auf die eigene Militanz. Die informelle Organisation zwang den Militanten nicht den Druck einer Reihe von Rhythmen, die von h\u00f6heren Instanzen der Koordination entschieden wurden, auf. Keiner musste sich wie ein Wurm f\u00fchlen, welcher der \u201eGr\u00f6\u00dfe\u201c der Organisation und ihrer mystischen Geschichte gewachsen sein musste. Sie erlaubte einem Alles, in jedem Moment, in Frage stellen zu k\u00f6nnen. Die informelle Organisation verhinderte, alles in allem, die Erscheinung eines Fetischismus der Organisation.<\/p>\n<p>Als Letztes griffen die Ans\u00e4tze der informellen Organisation eine Frage auf, die innerhalb unserer Kreise komplett umgegangen wurde. N\u00e4mlich wie die Qualit\u00e4t der menschlichen Beziehungen im Scho\u00df der Organisation war. Es war nicht mehr das Besitzen eines Mitgliedsausweises oder die Unterwerfung unter einige \u201ePrinzipien, Taktiken und Ziele\u201c was uns mit Personen, die wir in Wirklichkeit nicht kannten, zu \u201eGef\u00e4hrt*innen\u201c machte. F\u00fcr die informelle Organisation waren die Beziehungen der Solidarit\u00e4t und der Gef\u00e4hrt*innenschaft durch ein gegenseitiges direktes Kennen, aufgrund von Diskussionen und praktischer Zusammenarbeit bestimmt. Es waren daher konkrete Beziehungen und nicht abstrakte, wie es bis dahin in vielen F\u00e4llen gewesen war.<\/p>\n<p>Es handelt sich, wie wir gesagt haben, um die positive Beteiligung, die potenziell innerhalb der Konzepte der informellen Organisation inbegriffen waren. Im Allgemeinen wurden sie nicht aus den aufst\u00e4ndischen Texten entwickelt, sondern sie entsprangen aus den Erfahrungen jener, die in der Praxis diese Umsetzung der informellen Organisation \u2013 sehr oft sehr vage \u2013 versuchten.<\/p>\n<p><strong>3. Die iberische Abwandlung der aufst\u00e4ndischen Ideen<\/strong><\/p>\n<p>Im Moment seines Sprungs auf die iberische Halbinsel, war der Insurrektionalismus ein Wirrwarr von Positionen. Er wurde kollektiv zwischen Italien und Griechenland geformt, wo es einen gewissen Konsens der Gef\u00e4hrt*innen jener Kreise gab. In Italien hatte sich der Diskurs innerhalb einer Reihe von K\u00e4mpfen eines Bereichs des italienischen Anarchismus, der die Erfahrungen mehrerer Generationen an Gef\u00e4hrt*innen gesammelt hatte, seit den 60ern Schritt f\u00fcr Schritt entwickelt. Ohne der H\u00f6hepunkt des revolution\u00e4ren Denken zu sein, hatte der Insurrektionalismus in Wahrheit f\u00fcr die Italiener*innen einen Nuancenreichtum, von dem wir zu weit entfernt waren, um ihn zu erkennen und zu sch\u00e4tzen. Dies kommt daher, weil er aus einem theoretischen Wissen einer k\u00fcrzlich gemachten Erfahrung wuchs, welche mehrere Referenzpunkte hatte, von denen wir einige erraten konnten, die hier aber nicht vorhanden waren. Den Italiener*innen war klar, dass diese Ideen Teil eines offenen Prozesses waren, der andauerte und dass sie daher der Debatte und deren Entwicklung verbunden waren. In Spanien jedoch, wurden ab dem ersten Moment diese Ideen im Block aufgenommen, wie ein geschlossener doktrin\u00e4rer K\u00f6rper, der nur noch in die Praxis umgesetzt werden musste: eine weitere Ideologie. Diese Art der Rezeption, welche sehr negative Konsequenzen mit sich brachte, wurde von zwei Faktoren bestimmt.<\/p>\n<p>Der Erste davon entsprang folgendem Umstand: der Insurrektionalismus wurde nicht allm\u00e4hlich, durch einen Prozess der Debatte, gefiltert. Er \u201eknallte\u201c auf eine bissige Polemik, die sich aus den Ereignissen in C\u00f3rdoba herleitete. In ihr gab es wenig Platz f\u00fcr Nuancen und Absch\u00e4tzungen\/Abw\u00e4gungen<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote35sym\">35<\/a>. Der zweite Faktor war strukturell: der inh\u00e4rente Dogmatismus in der spanischen libert\u00e4ren Bewegung, sei es in ihrer traditionalistischen oder jugendlichen Variante. Jede neuartige Idee wurde mit Misstrauen be\u00e4ugt. Es gab nicht das geringste Bewusstsein der Notwendigkeit und des Wertes der Theorie. Dies war, aufgrund der antiintellektuellen Traditionen des iberischen Anarchismus, nicht \u00fcberraschend. Dogmatische Starre und theoretische Armut gingen Hand in Hand. Sie waren Ursache und Wirkung der Abwesenheit einer Tradition von kritischen Debatten. Solche fanden keinen Platz, um sich zu entwickeln. Das Erste, das jeder Militante lernte, war die \u201eBewegung\u201c und die \u201eOrganisation\u201c als etwas Unersch\u00fctterliches, Unver\u00e4nderliches, Ewiges und Unbestreitbares zu betrachten. Sogar in ihren sekund\u00e4ren Aspekten. Dieses Fehlen an Flexibilit\u00e4t des iberischen Anarchismus, sowie seine Unf\u00e4higkeit, neue Sichtweisen zu integrieren, bestimmte zum Teil die Gewalt des Bruches.<\/p>\n<p>Wir alle trugen Teile dessen mehr oder weniger in uns. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Insurrektionalismus sofort auf eine Art Karikatur von sich selbst reduziert wurde. Dies war sehr n\u00fctzlich um von Heute auf Morgen eine kollektive Identit\u00e4t aufzuziehen, die immer selbstbezogener wurde. Die Art die wir hatten, um sie anzunehmen, ist ein Anzeichen f\u00fcr die Beschr\u00e4nkungen des iberischen Anarchismus zu dieser Zeit, Beschr\u00e4nkungen von denen wir logischerweise die Tr\u00e4ger und Verst\u00e4rker waren. Bei so viel Verwirrung, nutzten die f\u00fcrchterlichen \u00dcbersetzungen der italienischen Texte auch nicht wirklich viel (einige davon waren von sich aus sehr verworren). Genauso wenig half es, dass sie in einem v\u00f6lligen chronologischen Durcheinander ankamen. So wurde das Verst\u00e4ndnis der Erfahrungen der K\u00e4mpfe, aus denen sie stammten, erschwert.<\/p>\n<p>Zum Beginn unserer Kritik des iberischen Insurrektionalismus soll uns einer der wenigen erschienenen, lokalen, bemerkenswerten Beitr\u00e4ge reichen. Es handelt sich um den Text <em>31 aufst\u00e4ndische Thesen. Fragen zur Organisation<\/em>, welcher, unterschrieben vom<em> Kollektiv Nichts,<\/em> Anfang 2001 erschien. Dieser Text spielte eine Rolle in der Verbreitung der Epidemie der Wut, unter den, vom offiziellen Anarchismus entt\u00e4uschten, Militanten. Was wir jetzt angehen wollen, ist eher weniger, was darin gesagt wurde, sondern was vermieden wurde. Denn was vermieden wurde, war die Repression: die logische und voraussehbare Antwort des Staates auf die praktische Umsetzung von alldem was der Text in abstrakten Ausdr\u00fccken postulierte. Was vom Staat, wenn der \u201eAngriff\u201c und die \u201ekontinuierliche Konfrontation\u201c vorbei w\u00e4ren, zu erwarten war, wurde auf eine ritualisierte Art in einem Absatz von vier S\u00e4tzen innerhalb eines achtzehn seitigen Textes runtergerattert:<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr die informelle Organisation besteht die Notwendigkeit sich mit materiellen Mitteln auszustatten, um die Repression zu bek\u00e4mpfen. Die Solidarit\u00e4t mit den (von Repressalien Betroffenen) muss eine vorrangige Konstante sein, da sie die einzige Verteidigung der Revolution\u00e4re ist. Die Solidarit\u00e4t mit den von Repressalien betroffenen Gef\u00e4hrt*innen kann nicht eine Pose oder eine gelegentliche Aktivit\u00e4t bleiben\u201c (These Nummer XX).<\/p>\n<p>Und das war Alles. Dieses Vergessen, oder besser gesagt, diese schreckenerregende Naivit\u00e4t, die zu einer Zeit stattfand, in der schon mehrere heftige repressive Schl\u00e4ge stattgefunden hatten, war kein Fehler, der nur den Autoren der 31 Thesen unterlief. Diese waren eher generalisiert und dass es sich in diesem Texte spiegelte, war rein symptomatisch f\u00fcr den Grad kollektiver Bewusstlosigkeit: es wurde losgelegt, ohne vorheriges Nachdenken \u00fcber die hypothetischen Ausma\u00dfe der Repression, die eintritt, sobald gewisse Ideen in die Praxis umgesetzt werden w\u00fcrden. Daraus leiteten sich unz\u00e4hlige Fahrl\u00e4ssigkeiten, kontinuierliche Fehler an Sicherheit und Diskretion, und schlampige und waghalsige Aktionen ab. Wo die Italiener*innen ihre \u201eMarini-Inszenierung\u201c hatten, wobei mit einem einzigen beispielhaften repressiven Schlag versucht wurde, sie alle fertig zu machen, fand hier eine Reihe repressiver Schl\u00e4ge statt, auf die wir sp\u00e4ter eingehen werden. Die Geschichte der Epidemie der Wut kann wie eine Folge an Verhaftungen von Gef\u00e4hrt*innen, in der jede eine Etappe kennzeichnet, betrachtet werden. Die Repression, mit der nicht gerechnet wurde, entwickelte sich letztendlich zum entscheidenden Faktor dieses Prozesses.<\/p>\n<p>Die 31 Thesen waren in der Realit\u00e4t nichts anderes als ein Luftschloss. Sie setzten alles auf die Erscheinung einer hypothetischen, \u00e4u\u00dferst radikalen \u201eautonomen sozialen Bewegung\u201c, die wir am Ende nirgendwo gesehen haben (au\u00dfer eventuell im Knast). Zumindest dr\u00fcckten die 31 Thesen ihr Streben in Ausdr\u00fccken des kollektiven Kampfes aus, etwas was mit der Zeit immer seltener wurde.<\/p>\n<p>Denn nach den Momenten des anf\u00e4nglichen Enthusiasmus zeigte sich, dass die Verbreitung des Kampfes nicht so leicht fallen w\u00fcrde wie man dachte. Eine gewisse Frustration machte sich breit, als nach dem H\u00f6hepunkt von Genua und der Ausstrahlung von Carlos Giulianis Hinrichtung, der Tourismus der Antiglobalisierungsbewegung zerfiel und die moderaten Elemente darin es erreichten, den Schwarzen Block im Zaum zu halten. Das Spektakel der Revolte hatte nichts mehr zu bieten. Das Ende des Kampfzyklus der Knastk\u00e4mpfe von 1999 bis 2002 hatte zu diesen Gef\u00fchl auch viel beigetragen. Ab diesen Moment wurde das \u201eIndividuum im Kampf\u201c, der \u201esoziale Rebell\u201c hervor geholt, der als rhetorische Figur, seit dem ersten Moment in geduckter Stellung stand und gerade auf der Bildfl\u00e4che erschien. Dieser gewann zunehmend einen Protagonismus, welcher \u00fcber den eingeschlafenen kollektiven Subjekten stand.<\/p>\n<p>Wir wissen nicht ob es in Italien so war, aber in der spanischen Variante war der \u201eRebell\u201c das aufst\u00e4ndische Ideal eines tragischen Helden. Sein Heldentum wohnte in der fortdauernden Anstrengung, sich von jeder systematischen Verpflichtung zu befreien. Seine Trag\u00f6die ging aus den direkten und praktischen Konsequenzen solcher Verpflichtungen und aus einem so ungleichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses, das keinen Platz f\u00fcr irgendwelche Hoffnungen bot, hervor. Das \u201eSystem\u201c war ein zu schlagender Schatten. Das war der Vorwand, der die pers\u00f6nliche Odyssee des Individuums im Kampf in Gang setzte. Daher kamen so viele Schriften aus dieser Str\u00f6mung, die bis heute voll sind, mit befehlenden Predigten f\u00fcr die Aktion, den gewaltsamen Bruch mit den allt\u00e4glichen Gewohnheiten, f\u00fcr die \u201eKoh\u00e4renz\u201c, f\u00fcr die Selbst\u00fcberwindung, um aus der Herde zu fliehen, die Angst zu besiegen, etc.<\/p>\n<p>Dieses \u201eIndividuum im Kampf\u201c, frei von strategischen \u00dcberlegungen und kollektiven Bezugspunkten, ist gezwungen, die Motivation f\u00fcr seine Rebellion in seinem eigenen Inneren zu suchen. So begann ein starkes existentialistisches Abdriften, was in vielen Texten und Pamphleten offensichtlich wahrgenommen werden kann. Insbesondere in jenen die das Wappen der <em>Federaci\u00f3n Ib\u00e9rica de Juventudes Libertarias<\/em> trugen. Die \u00fcbliche tollw\u00fctige Rhetorik der Texte, Kommuniqu\u00e9s und Pamphlete begann, sich mit einer subjektiven Lyrik der \u00fcbelsten Sorte zu f\u00fcllen. Es wurde ohne Unterschied, jeder Autor mit einem verdammten Heiligenschein versehen und dies fast immer ohne Kenntnis der jeweiligen Publikation. Es wurde vor allem, das Allerschlechteste der <em>Situationistischen Internationale<\/em> bevorzugt. Gemeint ist der hedonistische Mystizismus von Raoul Vaneigem. Das Buch <em>Afilando nuestras vidas<\/em>, im Jahr 2003 von der FIJL herausgegeben, ist ein guter Beleg f\u00fcr diese geistige kollektive Verwirrung. Es beinhaltet eine Aneinanderreihung vieler individueller Verwirrungen. Der n\u00e4chste logische Schritt war die Verteidigung des Nihilismus, der Irrationalit\u00e4t und sogar des Selbstmordes. Dies wurde durch Publikationen ausgedr\u00fcckt, die immer unleserlicher und selbstbezogener waren.<\/p>\n<p>Andererseits war es so, dass die ausgearbeiteten Texte des Insurrektionalismus, auch wenn sie vorsichtiger geworden waren und begannen zu nuancieren und zu betonen, dass die \u201eAktion\u201c nicht unbedingt eine gewaltt\u00e4tige oder illegale sein m\u00fcsse, die Aktion an und f\u00fcr sich verteidigten. Dies f\u00fchrte direkt zu einer Fetischisierung der Gewalt, was in der Folge die illegale Aktion \u00fcber alle anderen stellte. Dieser Fetischismus wurde in den Bildern verschiedener Bulletins, die voller Molotowcocktails und Handfeuerwaffen waren, deutlich. Es war ein trauriger Fetischismus, da das wirkliche ausge\u00fcbte Niveau an Gewalt niemals auf der H\u00f6he der rhetorischen Aufrufe f\u00fcr eine kataklystische, ma\u00dflose und totale Gewalt, die Tabula rasa mit allem machen und alles kurz und klein hauen w\u00fcrde, waren.<a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote36sym\">36<\/a><\/p>\n<p>Als dann auf eine systematische Art, der \u201ediffuse Angriff\u201c ausge\u00fcbt wurde, wurde ehrlich daran geglaubt, dass sich diese Aktionen von selbst erkl\u00e4ren und dazu tendieren w\u00fcrden, sich immer mehr zu verbreiten. Es wurde geglaubt, dass die anonyme Masse in Wahrheit voll sei mit potenziellen Saboteuren, die die allt\u00e4gliche Entfremdung satt hatten, die dem Beispiel folgen und es weiter treiben w\u00fcrden. Nichts von Alldem passierte. Der \u201ediffuse Angriff\u201c verfiel fortschreitend, bestenfalls zu einen simplen Ausdruck der Wut. Zu desorientiertem Vandalismus, Riten von Gruppenidentit\u00e4t oder besoffenem Zeitvertrieb im schlimmsten Fall. Der Schaden war jedenfalls enorm. Dies belegen zahlreiche \u201eChronologien\u201c von Aktionen, die so lange auf verschiedenen Bulletins ver\u00f6ffentlicht wurden, bis irgendjemand dahinter kam, dass die Cops diese auch mit viel Interesse lasen. Das Einbinden von Militanten, die stark durch den Insurrektionalismus ideologisiert waren, in reale soziale K\u00e4mpfe war problematisch und in einigen F\u00e4llen sogar negativ. Das hatte mit der Verachtung dieser Militanten zu tun, die sie gegen\u00fcber jeder Art von Teilforderung hatten und mit dem verinnerlichten Avantgardismus zu der aufst\u00e4ndischen Ideologie, welche weiter oben angeschnitten wurde. Die wichtigste Ausnahme dieser Regel waren die, im Jahr 1999 begonnen, Knastk\u00e4mpfe, \u00fcber die wir sp\u00e4ter reden werden.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser erb\u00e4rmlichen spanischen Adaption des aufst\u00e4ndischen Diskurses, wurde die Vorstellung der \u201einformellen Organisation\u201c an irgendeinen Punkt, durch die der \u201eorganisierten Informalit\u00e4t\u201c ersetzt, was die W\u00f6rter bedeutend verdrehte und Nomen und Adjektive vertauschte. Der Schwerpunkt verlagerte sich von, in einer Organisation zu sein, auf, in der Informalit\u00e4t zu sein, mit all den leicht vorstellbaren Konsequenzen. Von der Organisation zu reden wurde immer schwieriger. Wir glauben, dass die Konditionierung vieler Militanter dadurch beeinflusst wurde, dass sie mit dem Erw\u00e4hnen der CNT, nicht als eine Organisation, sondern als <em>Die Organisation <\/em>aufgewachsen sind. W\u00f6rter sind wichtig, und nach dem Bruch war in vielen Kreisen der Ekel, zu den Ritualen und Mythen des offiziellen Anarchismus so gro\u00df, dass dies auf die Idee der Organisation selbst \u00fcberging. Dazu wurden andere Elemente, wie die der Kommunikation, Selbstlosigkeit, Verpflichtung, Verantwortung, Anstrengung und Arbeit, um den freiwillig ausgesuchten Zielen nachzugehen, abgewertet. In Alldem spielte das existentialistische Abdriften, welches wir schon erw\u00e4hnt haben, seine Rolle. Vor allem im Diskurs der \u201eFreude\u201c &#8211; dem zigsten Schinken von Vaneigem \u2013 wonach Sachen aus Freude gemacht wurden, oder sie wurden gar nicht gemacht, driftete die Kritik der Entfremdung der Militanz ab. Die anti-organisatorischen Diskurse landeten letztendlich in bereits \u00fcbel zugerichteten Netzwerken und beschleunigten die Atomisierung und die Isolation.<\/p>\n<p>Die \u201eInformalit\u00e4t\u201c dehnte sich au\u00dferdem auf das allt\u00e4gliche Leben aus. Fliehend aus der Arbeitsausbeutung und allgemeiner aus der, vom System in die Weide getriebene, \u201eHerde\u201c, zerfiel man in Lebensformen, die extrem prek\u00e4r und stammes\u00e4hnlich waren und die sp\u00e4ter dementsprechend verteidigt wurden. So ging man von der Kritik des Prek\u00e4ren, zu der Verherrlichung des Prek\u00e4ren \u00fcber. All dies wurde von dem entsprechenden \u00e4sthetischen Zw\u00e4ngen begleitet, wodurch die \u201eInformalit\u00e4t\u201c sich immer deutlicher in geschlossene Kreise, die immer isolierter und enger waren, entwickelte.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen hatte jede Abhandlung \u00fcber den Insurrektionalismus, eine groteske \u00dcbersetzung auf dem iberischen Boden. Zumindest ist dies die kollektive Wahrnehmung, die geblieben ist. Viele Gef\u00e4hrt*innen erkl\u00e4ren dieses Ph\u00e4nomen mit einer kuriosen Bezeichnung: \u201edie falsch verstandene Informalit\u00e4t\u201c. Diese Bezeichnung war erfolgreich, ohne das jemals dar\u00fcber reflektiert wurde. Sie w\u00fcrde aber bedeuten, dass eine \u201everstandene Informalit\u00e4t\u201c existierte, die ungeachtet dessen, niemals von irgendwem pr\u00e4zise definiert wurde oder in der Praxis umgesetzt und sofort verallgemeinert wurde, auch wenn es daf\u00fcr viel Zeit gab. Doch es gibt keine \u201eInformalit\u00e4t\u201c die gilt, weder verstandene noch unverstandene: diese Vorstellung wurde gepr\u00e4gt, um aus der anderen \u201eOrganisation\u201c zu fliehen. Andersherum, wenn die Dinge \u201efalsch verstanden\u201c wurden, bedeutet dies, dass das Problem in uns und unseren Bedingungen lag und nicht in den, bis heute aus diesem Aspekt unkritisierbaren, aufst\u00e4ndischen Ideen, wie sie aus Italien kamen. Im Gegensatz dazu denken wir, dass ein wichtiger Teil der sp\u00e4teren Ausrutscher, in der Schw\u00e4che der theoretischen Ans\u00e4tze enthalten waren: die Unf\u00e4higkeit zur Analyse der Realit\u00e4t in der wir uns bewegten, wenn nicht sogar die Verachtung derselben. In ihrer individualistischen Wurzel, in ihrem schlecht verborgenen Avantgardismus, in ihrer willentlichen Unklarheit, in ihrer fehlenden Artikulationund Genauigkeit. Dass im italienischen Kontext diese Ideen \u2013 genauso idealisiert \u2013 mehr Auswirkungen hatten, liegt genau daran: am Kontext. Ein reicher Kontext, viel breiter, mit Generationskontinuit\u00e4ten, die hier gefehlt haben, mit einer gr\u00f6\u00dferen Verankerung der K\u00e4mpfe, den Erfahrungen, etc. Diese Ideen n\u00fctzten nicht viel im Abstrakten, in der \u201ereinen Darstellung\u201c. Aber genauso haben wir sie angenommen. Komplett von den Erfahrungen, die ihnen so viel Sinn gegeben haben, entbunden.<\/p>\n<p>Nun gut, wir werden nicht zulassen, dass alles auf dem Scheiterhaufen endet. Die aufst\u00e4ndischen Ideen spielten eine positive Rolle, und wir werden nicht m\u00fcde dies zu sagen. Jene, die sie damals umarmten und verbreiteten lagen nicht falsch: sie brachen viele Blockaden, die uns erstickten und heizten die Situation um den eingeschlafenen offiziellen Anarchismus auf. Das Falsche w\u00e4re, auf Positionen, die in der Praxis ersch\u00f6pft worden sind und die von sich aus nichts mehr geben, zu beharren. Und vor Allem, dr\u00fcckte der Insurrektionalismus gewisse Wahrheiten aus, die uns heutzutage als Fortschritte erscheinen, hinter die man nicht mehr zur\u00fcckfallen kann. Fortschritte, die, f\u00fcr sich alleine genommen, nicht weitgehend genug, aber notwendig sind, um andere Dinge aufzubauen. Unter anderem haben wir bereits das dynamische Verst\u00e4ndnis der Organisation und der Zur\u00fcckweisung der militanten Entfremdung erw\u00e4hnt. Wir wollen jetzt noch die Idee beitragen, dass unter den jetzigen Bedingungen eine antikapitalistische und subversive Praxis nicht auf das Warten auf die \u201eMassen\u201c beharren kann. Weder kann man sich auf die Unterst\u00fctzung breiter Bereiche der Bev\u00f6lkerung, noch auf ihre Zukunftsperspektiven verlassen.<\/p>\n<p><strong>Publicaci\u00f3n Resquicios, Nummer 4 und 5, 2007-08.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote1anc\">1<\/a>A.d.\u00dc., In den K\u00fcnsten ist Maximalismus, eine Reaktion gegen Minimalismus, eine \u00c4sthetik des \u00dcberflusses und der Redundanz. Die Philosophie l\u00e4sst sich so zusammenfassen, wie \u201emehr ist mehr\u201c, im Gegensatz zum minimalistischen Motto \u201eweniger ist mehr\u201c. Im politischen ist der Maximalismus die Verhaltensweise der teilnehmenden Person f\u00fcr extreme Ergebnisse jeglicher Aspiration. Der Maximalismus war auch eine Str\u00f6mung in der anarchistischen Bewegung in Russland bis zur russischen Revolution von 1917.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote2anc\">2<\/a>Anm. d. Verf., nach einer internen realisierten Statistik, nach dem VIII. Kongress<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote3anc\">3<\/a>A.d.\u00dc., die FIJL war eine im Jahr 1932, in Madrid, gegr\u00fcndete anarchistische Jugendorganisation. Sie wurde 2003 von ihren Mitgliedern selbst aufgel\u00f6st. Hier findet man auf spanisch die <a href=\"http:\/\/www.alasbarricadas.org\/noticias\/node\/20201\">Aufl\u00f6sungserkl\u00e4rung<\/a>. Wurde 2007 von neuen Personen neu gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote4anc\">4<\/a>A.d.\u00dc., im spanischen Staat bezeichnet man als \u201eDoppelmilitanz\u201c die Zugeh\u00f6rigkeit an zwei verschiedenen Gruppen oder Organisationen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote5anc\">5<\/a>A.d.\u00dc., \u201eDesf\u00f6deration\u201c ist der f\u00f6rmliche Begriff f\u00fcr den Rauswurf einer Ortsgruppe aus einer F\u00f6deration, oder im Fall der CNT, einer Konf\u00f6deration.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote6anc\">6<\/a>A.d.\u00dc., Namen der Allgemeinen Gewerkschaft innerhalb der CNT.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote7anc\">7<\/a>A.d.\u00dc., als \u201eunverantwortlich\u201c wurde die Aktion einer Gruppe von jungen Anarchist*innen, seitens der alten Garde der CNT, bezeichnet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote8anc\">8<\/a>A.d.\u00dc., Zitat der damaligen Geschehnissen: \u201eOhne Zweifel, am meisten wurde \u00fcber die Aktion gesprochen die am 5. Dezember 1996 in Madrid stattfand. Hunderte von Menschen, die meisten Mitglieder der CNT, machten eine Kundgebung vom dem Sozialen- und Wirtschaftszentrum (CES). Ein Ort wo Arbeitgeber, UGT und CCOO die j\u00e4hrliche Niederlage der Arbeiter*innenklasse zustimmten. \u00dcber hundert Mitglieder der CNT entschieden sich das Geb\u00e4ude zu st\u00fcrmen um es symbolisch zu besetzten. Der damaliger Arbeitsminister, damals war es Javier Arenas (PP), wurde aufgefordert ein Treffen zu machen, um das Thema der alten R\u00e4umlichkeiten der CNT zu behandeln, auf die sie seit 20 Jahre wartete (A.d.\u00dc., 1939 konfiszierte der spanische Staat unter Franco alle R\u00e4umlichkeiten der CNT, es handelt sich um hunderte von Objekten im ganzen Land, die meisten wurden der CNT nie zur\u00fcck gegeben). Die Verweigerung seitens des Ministeriums war klar und schickte die Riotbullen rein um das Geb\u00e4ude von Besetzter*innen schleunigst zu r\u00e4umen. Dies passierte dann auch und mehrere Personen wurden festgenommen. Die Bullen zerst\u00f6rten einiges im Geb\u00e4ude, was sp\u00e4ter den Mitgliedern der CNT in die Schuhe geschoben wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote9anc\">9<\/a>Anm. d. Verf., wir werden nur einige zitieren: Vereinbarungen \u00fcber die Beschl\u00fcsse die vor den Abstimmungen \u201erauskommen m\u00fcssen\u201c; Bildung von Geistergewerkschaften (ohne die Mindestanzahl an Mitgliedern) oder die \u00dcbertreibung an Mitgliedern um an die Plenarsitzungen und Kongressen, mit hoher Stimmzahl teilnehmen zu k\u00f6nnen; b\u00fcrokratische Netzwerke die per Telefonschlag funktionierten; Belagerung der Komitees mit der nachfolgenden Kontrolle der Informationsfl\u00fcsse; Verwendung systematischer Verleumdung gegen die \u00fcblichen Dissident*innen und vor allem mit der Beschuldigung des \u201eInfiltrierten\u201c und ein langes et cetera. Eins der Dogmen der CNT-Ideologie ist die der Struktur, die perfekt horizontal und demokratisch sei und dass es keine Hierarchien geben w\u00fcrde. Dieses Dogma des Glaubens \u00e4ndert an sich nicht die Realit\u00e4t der Tatsachen: dass aus den Komitees eine relative Kontrolle \u00fcber die Organisation genossen wird; dass sich eine K\u00f6rperschaft an \u201eExpert*innen\u201c gebildet hat, die sich in der Regel in die Plena und Treffen einfinden und de facto die Organisation regieren. Da nicht mal die Annahme einer m\u00f6glichen \u201eHierarchie\u201c erlaubt wird, wird diese getarnt, sie wird informell und daher schwieriger zu kontrollieren, wie die der \u201eautorit\u00e4ren\u201c Organisationen, die normalerweise auf formelle Mechanismen z\u00e4hlen k\u00f6nnen um die Macht der Leitung einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote10anc\">10<\/a>Als \u201eSchwesterorganisation\u201c, nahm die CNT die FIJL in ihre R\u00e4umlichkeiten auf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote11anc\">11<\/a>A.d.\u00dc., auf Spanisch, \u201eDistribuidora\u201c, was Vertrieb hei\u00dft, dessen Projekte waren die Infotische mit Propaganda.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote12anc\">12<\/a>A.d.\u00dc., Movimiento Comunista (Kommunistische Bewegung), war eine marxistisch-leninistische Partei, die ihre Urspr\u00fcnge bei einem Ausschluss bei der VI. Vollversammlung von Euskadi Ta Askatasuna im Jahr 1966 hatten. Sie wurden als spanische Nationalist*innen bezeichnet, weil sie eine kritische Haltung zum baskischen Nationalismus hatten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote13anc\">13<\/a>A.d.\u00dc., Liga Comunista Revolucionaria (Revolution\u00e4re Kommunistische Liga), war eine trotzkistische Gruppe die 1971 gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote14anc\">14<\/a>A.d.\u00dc., 1992 fanden in Barcelona die Olympische Spiele statt und das war der Beginn einer General\u00fcberholung der Stadt, in der sie zu dem Tourismuszentrum geworden ist, welche sie heutzutage ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote15anc\">15<\/a>A.d.\u00dc., <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=llUc5k2NVrk\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=llUc5k2NVrk<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote16anc\">16<\/a>A.d.\u00dc., <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gVnSBJYZS8Q\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gVnSBJYZS8Q<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote17anc\">17<\/a>A.d.\u00dc., auf Spanisch \u201eusurpaci\u00f3n\u201c bezeichnet jede m\u00f6gliche Art von widerrechtlicher Entnahme Privateigentums.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote18anc\">18<\/a>A.d.\u00dc., \u201eMono Blanco\u201c hei\u00dft wei\u00dfer Blaumann\/Overall. Ist ein Wortspiel im Bezug auf die \u201eTutti Bianche\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote19anc\">19<\/a>A.d.\u00dc., auf italienisch \u201eProletari Armati per il Comunismo\u201c, bedeutet \u201eBewaffnete Proletarier f\u00fcr den Kommunismus, war eine bewaffnete Gruppe in Italien die in den 70ern und 80ern aktiv war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote20anc\">20<\/a>A.d.\u00dc., von vorne herein<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote21anc\">21<\/a>A.d.\u00dc., das Eigentum an einer Sache verleiht dem Eigent\u00fcmer im Wesentlichen drei Rechte: Nutzung (lateinisch <em>usus<\/em>), Fruchtziehung (lat. <em>fructus<\/em>) und Verf\u00fcgung (lat. <em>abusus<\/em>). Durch die Begr\u00fcndung des Nie\u00dfbrauchs \u00fcbertr\u00e4gt der Eigent\u00fcmer einer Sache das Recht zur Nutzung und zur Fruchtziehung an einen Dritten und beh\u00e4lt nur das Verf\u00fcgungsrecht f\u00fcr sich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote22anc\">22<\/a>A.d.\u00dc., hier handelt es sich um die R\u00fcckerstattung der R\u00e4umlichkeiten der CNT seitens der spanischen Regierung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote23anc\">23<\/a>Anm. d. Verf., derselbe Begriff \u201eInsurrektionalismus\/aufst\u00e4ndischer Anarchismus ist problematisch, da viele diesen Begriff als eine spektakul\u00e4re Etikette, oder als eine neue Form des Abstempels ablehnten und andere diesen ohne weitere Schwierigkeiten annahmen. Um eine weitere Darstellung zu beg\u00fcnstigen, haben wir uns entschieden diesen Begriff ohne viele Komplexe zu verwenden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote24anc\">24<\/a>A.d.\u00dc., Cornell\u00e0 ist eine Stadt bei Barcelona.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote25anc\">25<\/a>Anm. d. Verf., die \u201eMarini-Inszenierung\u201c, die zwischen 1994 und 2004 entwickelt wurde, war die wichtigste richterlich angeordnete Bullenoperation, durch die in Italien versucht wurde den k\u00e4mpferischen Teil der anarchistischen Bewegung zu zerst\u00f6ren. Der Name stammt vom Staatsanwalt Marini, der mittels eines spektakul\u00e4ren Terrorismus versuchte die Gef\u00e4hrt*innen mit h\u00e4rteren Strafen zu bestrafen. Sie waren einen solchen (Terrorismus) fremd und aufgrund dessen wurde eine gespenstische \u201eterroristische Organisation\u201c erfunden, die hierarchisch und zentralistisch sein sollte, die mit dem Namen ORAI (Organizzazione Rivoluzionaria Anarchica Insurrezionalista\/Insurrektionalistische Revolution\u00e4re Anarchistische Organisation) getauft wurde. \u00dcber Alfredo Bonanno, z.B., fiel die Anklage der \u201eAnf\u00fchrer\u201c dieser nicht existierenden Organisation zu sein. Das Resultat des Verfahrens war die Inhaftierung einiger Gef\u00e4hrt*innen, die bis heute im Knast sitzen. Abgesehen von einigen Brosch\u00fcren, die seit 1997 erschienen sind, gibt es eine gute Sammlung an Texten auf spanisch \u00fcber die Marini-Inszenierung, die im Buch <em>\u201eIhr k\u00f6nnt uns nicht aufhalten, der revolution\u00e4re anarchistische Kampf in Italien\u201c <\/em>beim Verlag Klinamen\/Conspiraci\u00f3n im Jahr 2005 ver\u00f6ffentlicht worden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote26anc\">26<\/a>A.d.\u00dc., Insurrektionalistischen Antiautorit\u00e4ren Internationale, erh\u00e4ltlich bei Konterband Edition (Z\u00fcrich)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote27anc\">27<\/a>Anm. d. Verf., wenn auch f\u00fcr uns all dies eine unzweifelhafte \u201eErneuerung\u201c war, muss darauf hingewiesen werden dass der Insurrektionalismus nichts anderes tat, als viele alte Bestandteile der anarchistischen Tradition zusammenzubringen, die in der Vergangenheit anwesend waren. Im Fall des spanischen Anarchismus waren diese Bestandteile \u2013 der Individualismus, der Illegalismus, die Informalit\u00e4t \u2013 durch den historischen Elan ihrer syndikalistischen\/gewerkschaftlichen Organisation auf eine sekund\u00e4re Rolle geschoben worden, wonach sie auch auf einer Art und Weise untergeordnet wurden. Aber nicht deswegen kann gesagt werden, dass sie komplett abwesend gewesen w\u00e4ren: sie wurden einfach durch die akademische und anarchistische Geschichtsschreibung umgangen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote28anc\">28<\/a>Anm. d. Verf., dar\u00fcber kann in seinen Text \u201eNeue Wenden des Kapitalismus\u201c (A.d.\u00dc., Konterband Editionen) nachgeschaut werden, der auch in der erw\u00e4hnten Sammlung \u201eIhr k\u00f6nnt uns nicht aufhalten\u201c erscheint. Nichtsdestotrotz bringt Bonanno in seiner Einleitung f\u00fcr das Treffen der <em>Insurrektionalistischen Antiautorit\u00e4ren Internationale, <\/em>in Form einer strategischen Perspektive, die Idee ein, dass die L\u00e4ndern um den Mittelmeer am anf\u00e4lligsten f\u00fcr aufst\u00e4ndische Ausbr\u00fcche w\u00e4ren. Eine Vorhersage, die nach zehn Jahren seit ihrer Formulierung, keine Anzeichen macht zuzutreffen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote29anc\">29<\/a>Anm. d. Verf., zwei repr\u00e4sentative Texte f\u00fcr diese Tendenz sind <em>\u201eDie schlechten Zeiten werden brennen\u201c<\/em>, von der Surrealistischen Gruppe Madrid und anderen Kollektive und <em>\u201eBarbaren, ein unordentlicher Aufruhr von Crisso und Odoteo\u201c<\/em>, von der <em>Biblioteca Social Hermanos Quero im Jahr 2006 ver\u00f6ffentlicht (A.d.\u00dc., auf Deutsch von Unruhen ver\u00f6ffentlicht). Beide waren Gegenstand einer kritischen Analyse in der ersten und zweiten Ausgabe von Resquicios.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote30anc\">30<\/a>A.d.\u00dc., im spanischen steht tats\u00e4chlich Innung (Gremio), was auf eine Wortspielerei und Kritik eingeht, indem man solche Kreise als eine Innung bezeichnet, als Spezialist*innen, wo es doch im Anarchismus keine geben kann und darf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote31anc\">31<\/a>Anm. d. Verf., <em>In offener Feindschaft mit dem Bestehenden, seinen Verteidigern und falschen Kritikern<\/em>, Muturreko Burutazioak, 2001, Seiten 42-46. (A.d.\u00dc., auf deutsch im Internet zu finden bei <a href=\"https:\/\/anarchistischebibliothek.org\">https:\/\/anarchistischebibliothek.org<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote32anc\">32<\/a>Anm. d. Verf.,<em>der Anarchismus in der postindustriellen Gesellschaft: Insurrektionalismus, Informalit\u00e4t und anarchistische Projektualit\u00e4t anfang 2000<\/em>, Llavors d\u00b4Anarquia, Seite 21.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote33anc\">33<\/a>Anm. d. Verf., <em>\u201eNeue Wenden des Kapitalismus\u201c<\/em>, im zitierten Buch <em>Ihr k\u00f6nnt uns nicht aufhalten<\/em> mit aufgef\u00fchrt, Seiten 33-35.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote34anc\">34<\/a>A.d.\u00dc., au\u00dferhalb von Deutschland werden politisch engagierte und\/oder organisierte Menschen als Militante bezeichnet. In gewissen anarchistischen, autonomen und kommunistischen Gruppen\/Kreisen wird dieser Begriff auch negativ und kritisch verwendet. Als die Entfremdung und Verdinglichung des Subjektes gegen\u00fcber einer Organisation und Ideologie. Daher ist die Militanz, auf spanisch Militantismo, als die Ideologie des falschen Handelns, unter falschen Voraussetzungen, Bedingungen und Methoden, zu verstehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote35anc\">35<\/a>A.d.\u00dc., im Originaltext steht \u00c4quidistanz, was eine Eigenschaft von Punkten bzgl. zweier geometrischer Objekte ist, wie auch die H\u00f6hendifferenz zwischen zwei benachbarten H\u00f6henlinien in einer Karte und ein gleicher ideologischer Abstand zu anderen politischen Akteuren, unter einigen\u2026usw.usf. Wir haben dies umschrieben weil es doch ansonsten kein Schwein verstanden h\u00e4tte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/30489#sdfootnote36anc\">36<\/a>Anm. d. Verf., da wir den Text nicht mit Anf\u00fchrungszeichen vollstopfen wollen, machen wir die rituelle verpflichtende Erkl\u00e4rung: hier verwenden wir den Begriff von \u201eGewalt\u201c ohne irgendeiner moralisierenden Absicht, weder ein einbezogenes Urteil gegen\u00fcber denen, die sich entschieden haben den Kampf jenseits der legalen Bedingungen zu f\u00fchren. Genauso wenig verurteilen wir a priori den Gebrauch von Gewalt gegen\u00fcber von Menschen und Sachen, im Kontext des sozialen Krieges. Aber wir verherrlichen sie auch nicht als ob diese eine innewohnende Tugend besitzen w\u00fcrde, die sich von jeder konkreten Situation entbinden k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: panopticon Letzter Text der Reihe. Reflektion \u00fcber die anarchistische Bewegung auf der iberischen Halbinsel vor ungef\u00e4hr 22 Jahre&#8230; Einleitung von der Soligruppe f\u00fcr Gefangene zu dem Text \u201eEpidemia de la R\u00e1bia\u201c Allererstens, danke an alle die mit der Korrektur geholfen haben. Die \u00dcbersetzung von diesem Text war an einigen Stellen mehr als eine Herausforderung. 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