{"id":7049,"date":"2019-03-24T23:11:48","date_gmt":"2019-03-24T22:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7049"},"modified":"2019-03-24T23:11:48","modified_gmt":"2019-03-24T22:11:48","slug":"italien-das-schonste-geschenk-antonio-beppe-lorenzo-und-niccolo-aus-dem-gefangnis-in-ferrara","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7049","title":{"rendered":"[Italien] &#8222;Das sch\u00f6nste Geschenk&#8220; &#8211; Antonio, Beppe, Lorenzo und Niccol\u00f2 aus dem Gef\u00e4ngnis in Ferrara"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/actforfree.nostate.net\/?p=33041\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">act for freedom<\/a>, \u00fcbersetzt von abc wien<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=7050\" rel=\"attachment wp-att-7050\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7050\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/2019-02-28-18.39.44-450x330-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Im Laufe der Jahre haben wir oft mit unserer Vorstellungskraft gespielt und \u00fcberlegt, wie und wann Asilo ger\u00e4umt werden w\u00fcrde. Wie viele Polizist*innen in das Viertel eindringen, wie lange die Barrikaden halten, wie lange diejenigen, die es auf das Dach geschafft haben, Widerstand leisten k\u00f6nnen, ob die R\u00e4umung mit einer repressiven Operation verbunden w\u00e4re, wie die Reaktionen drau\u00dfen aussehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zwei Wochen sind vergangen, und bis heute wurden viele Fragen beantwortet. Aber wir kommen noch immer nicht dar\u00fcber hinweg.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vielleicht, weil sie uns nacheinander weggebracht haben, zuerst nach Le Vallette in Einzelhaft, dann in das \u201eSpecial Unit\u201c des Gef\u00e4ngnisses von Ferrara. Wir waren \u00fcber die Ermittlungen erstaunt, die uns als interne Sekte darstellen, die von einer breiteren Struktur derjenigen verborgen sei, die sich im Laufe der Jahre im Asilo organisiert haben. Eine Anklage, die auf ekelhafte Weise private, politische und freundschaftliche Gespr\u00e4che ausw\u00e4hlt und verdreht, mit der Absicht, die Behauptungen der Ermittlungen zu st\u00fctzen. Eine Rekonstruktion, die in keiner Weise die Vielfalt der rebellischen Spannungen, Ideen und Impulse erfassen kann, die von diesem Ort in die Welt ausgingen.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt es daran, dass wir seit \u00fcber einer Woche keine gepanzerten Transporter und Antiriot-Cops gesehen haben, die ganze Teile der Nachbarschaft abriegelten indem sie jede*n, der*die nicht dort lebte oder es nachweisen konnte, fernhielten, um das zu isolieren was mittlerweile die ehemalige H\u00f6hle der Subversiven ist. Vielleicht liegt es daran, dass wir keine Arbeiter*innen h\u00f6rten, die Tag und Nacht darum bem\u00fcht waren, das Geb\u00e4ude unzug\u00e4nglich und vor allem unbewohnbar zu machen. Vielleicht liegt es daran, dass es uns nicht wirklich wichtig ist. Diese ersten Tage hier drin vergingen nicht in Nostalgie, sie wurden nicht mit dem Zur\u00fcckblicken auf die vielen Erinnerungen und Momente, die an diesem Ort gelebt wurden und was es f\u00fcr jeden von uns bedeutete und dem Kampf, der von dort ausging und \u00fcber die Jahre andauerte, verbracht, sondern in dem Bedauern, in diesen Tagen nicht bei euch da drau\u00dfen gewesen zu sein: auf dem Weg vom Zentrum nach Aurora, in aufgeheizten Versammlungen, in einer Bar, um das Tr\u00e4nengas abzuwaschen.<\/p>\n<p>Denn wenn Menschen mit der R\u00e4umung ein Zuhause verloren haben, einen Ort, an dem man sich organisieren und diskutieren kann, f\u00fchlten sich viele eines St\u00fcckes Freiheit beraubt, herausgerissen mit einer solchen Kraft, dass es einen Punkt ohne R\u00fcckkehr markiert. Ein &#8222;Funke&#8220;. Eine Kriegserkl\u00e4rung, auf die jede*r antworten wollte und deren Echo \u00fcber die Kilometer, Mauern und Gitter, die uns trennen, hinausreicht.&nbsp;<\/p>\n<p>Dies ist das sch\u00f6nste Geschenk, das sie uns machen konnten: zu wissen, dass die R\u00e4umung vom Asilo und die Reaktion auf die Ermittlungen Gelegenheiten f\u00fcr jede*n Einzelne*n waren, das Unwohlsein, die Wut und die Rebellion weit \u00fcber die einzelnen K\u00e4mpfe und Aktionen derer hinaus auszudr\u00fccken, die sich dort seit Jahren st\u00e4ndig organisierten.<\/p>\n<p>Und dann spielt es keine Rolle, ob wir Asilo wiedererkennen werden, wenn wir rauskommen; wir werden in den Augen derer, die dort sein werden, die gleiche Liebe und Wut erkennen, die heute in Turin zu finden ist.<\/p>\n<p>Es gibt Hoffnung. Eine Hoffnung, die nicht im besetzten Asilo liegt, sondern in den Herzen, K\u00f6pfen und H\u00e4nden derer, die sich entschieden haben.<\/p>\n<p>&#8222;die Gefangenen&#8220;.<\/p>\n<p>Antonio, Beppe, Lorenzo und Niccol\u00f2&#8216;.<\/p>\n<p>Ferrara, 18. Februar 2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: act for freedom, \u00fcbersetzt von abc wien Im Laufe der Jahre haben wir oft mit unserer Vorstellungskraft gespielt und \u00fcberlegt, wie und wann Asilo ger\u00e4umt werden w\u00fcrde. 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