{"id":7027,"date":"2019-03-24T16:17:45","date_gmt":"2019-03-24T15:17:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7027"},"modified":"2019-03-24T16:49:05","modified_gmt":"2019-03-24T15:49:05","slug":"deutschland-interview-mit-dem-anarchist-black-cross-dresden-non-direkte-aktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=7027","title":{"rendered":"[Deutschland] Interview mit dem Anarchist Black Cross Dresden von Direkte Aktion"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/abcdd.org\/2019\/03\/23\/interview-mit-dem-anarchist-black-cross-dresden-von-direkte-aktion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abc dresen<\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=7028\" rel=\"attachment wp-att-7028\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7028\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Unsere-Solidarit\u00e4t-ist-st\u00e4rker-als-jede-Mauer-1024x509-1024x509-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>DA: Ihr seid das Anarchist Black Cross Dresden. Diese Bewegung, dessen lokale Gruppe ihr bildet, ist schon recht alt. M\u00f6gt ihr erz\u00e4hlen, warum ihr euch als ABC organisiert, welche Idee dahinter steckt und welche Geschichte diese Bewegung hat?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ABC DD:<\/strong> Das Anarchist Black Cross ist tats\u00e4chlich schon ziemlich alt. Seine Geschichte geht immerhin bis zu den revolution\u00e4ren Zeiten des russischen Kaiserreichs zur\u00fcck. Anfangs organisierten sich Anarchist*innen, Marxist*innen und Sozialist*innen zusammen, um politische Gefangene zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Irgendwann, zwischen 1900 und 1905, f\u00fchrte die Verweigerung, ebenfalls anarchistische Gefangene zu unterst\u00fctzen, zu der Gr\u00fcndung einer eigenen libert\u00e4ren Organisation mit dem Namen Anarchist Red Cross. Um Verwechslungen mit dem \u201cRoten Kreuz\u201d zu verhindern, wurde der Name sp\u00e4ter zu dem uns allen bekannten Anarchist Black Cross ge\u00e4ndert. Nach der gescheiterten Revolution von 1905 (bis 1907) verlie\u00dfen viele Anarchist*innen Russland in die unterschiedlichsten Richtungen. Sie nahmen die Ideen des Anarchist Black Cross dahin mit. Von dort unterst\u00fctzen sie zun\u00e4chst russische Gefangene durch Fundraising und solidarische Events, sie hielten Kontakt mit den Inhaftierten und arrangierten die Flucht aus der Katorga<sup>[1]<\/sup>.<\/p>\n<p>Insgesamt lag der Fokus der unterschiedlichen ABC-Gruppen bis 1917 haupts\u00e4chlich auf der Unterst\u00fctzung der revolution\u00e4ren Bestrebungen Russlands. Nach der Oktoberrevolution haben einige Gruppen einfach aufgeh\u00f6rt zu existieren, w\u00e4hrend andere es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die strafrechtlich verfolgten Anarchist*innen des Bolschewiki Regimes zu unterst\u00fctzen. Bekannte Mitglieder von ABC-Gruppen waren ebenfalls von Repressionen betroffen. Bis zum Ende der 1930er waren alle ABC-Gruppen und andere Solidarit\u00e4tsorganisationen in Russland durch die Bolschewiki zerst\u00f6rt. \u00dcber Aktivit\u00e4ten des ABCs zwischen 1930 bis 1960 sind kaum Informationen verf\u00fcgbar. In den 60\u2019ern tauchten dann Gruppen in Gro\u00dfbritannien auf, die sich im Besonderen solidarisch mit den verfolgten Revolution\u00e4r*innen Spaniens zeigten.<\/p>\n<p>In den 90\u2019ern gr\u00fcndeten verschiedene Gruppen aus Nordamerika die Anarchist Black Cross Federation, die bis heute existiert. Parallel dazu entstand auch in Europa ein Netzwerk aus ABC-Gruppen. Jedoch war dieses nicht von langer Dauer, so k\u00f6nnen die letzten Spuren von Aktivit\u00e4ten Anfang der 2000er gefunden werden. Mit der Ausbreitung des Internets verbreitete sich auch das ABC-Konzept viel schneller als je zuvor und damit auch das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Wichtigkeit der Antirepressions- und Antiknastarbeit, die einen entscheidenden Teil dazu beitr\u00e4gt, eine best\u00e4ndige revolution\u00e4re Bewegung zu gew\u00e4hrleisten. Dazu wollen auch wir unseren Beitrag leisten. Soweit uns bekannt ist, gibt es aktuell <a href=\"http:\/\/umap.openstreetmap.fr\/en\/map\/abc-groups-around-the-world_166381#2\/41.5\/9.5\">weltweit mehr als 40 ABC-Gruppen<\/a>.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns als Anarchist*innen ist die dezentrale Organisierung sehr wichtig, das beugt Hierarchien, wie in zentralistischen Organisationen, vor und macht eine Antirepressionsstruktur nicht so leicht angreifbar. Au\u00dferdem verstehen wir uns auch nicht nur als Antirepressions-, sondern auch als Antiknastgruppe. Wir lehnen das Bestrafungs- und Justizsystem, dass unsere Gesellschaft pr\u00e4gt, grundlegend ab, und k\u00e4mpfen f\u00fcr eine Gesellschaft ohne Kn\u00e4ste.<\/p>\n<p><strong>DA: Am 18. M\u00e4rz ist der internationale Tag der politischen Gefangenen. Bei der Recherche zum Thema konnten wir lesen, dass ihr keinen Unterschied zwischen politischen und \u201cnormalen\u201d Gefangenen macht? Welcher Gedanke steckt dahinter?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ABC DD:<\/strong> Dahinter stecken tats\u00e4chlich verschiedene Aspekte. Diejenigen, die durch Strafe und Gef\u00e4ngnis diszipliniert werden sollen, sind jene Menschen, die schon vorher aufgrund ihrer Klasse, politischen \u00dcberzeugung, Ethnizit\u00e4t, Religion, \u00e4u\u00dferlichen Merkmalen (bspw. Hautfarbe) oder Geschlecht durch Regierungen, Institutionen und die Gesellschaft unterdr\u00fcckt sind. Das macht den Gef\u00e4ngniskomplex zu einer politischen Angelegenheit an sich. Daher soll sich unsere Solidarit\u00e4t mit Gefangenen nicht zwangsl\u00e4ufig auf politische Gefangene begrenzen, da ein*e soziale*r Gefangene*r zu sein, selbst eine politische Angelegenheit und Erfahrung an sich ist. So richtet sich unsere Knastkritik gegen das System an sich und wir vertreten die Meinung, dass jegliche Zwangsanstalten \u2013 alle Kn\u00e4ste, Abschiebekn\u00e4ste, Zwangspsychiatrien \u2013 besser Baul\u00fccken sein sollten.<\/p>\n<p>Der \u00fcberwiegende Teil der Menschen, die im Knast sitzen, tut dies auf Grund der von uns kritisierten und oben bereits angef\u00fchrten Aspekte. Die wenigsten wegen Mord- und Totschlag. Unsere Motivation, Kn\u00e4ste abzuschaffen, liegt nat\u00fcrlich nicht darin, dass wir gewaltvolles Verhalten legitim finden. Uns geht es nicht um die moralische Bewertung der Ursachen. Das Problem ist, dass Knast an sich ein zwanghaftes, gewaltvolles und erniedrigendes System ist, das genau solches Verhalten reproduziert, also wieder hervorbringt. Knast ist nicht daf\u00fcr da, Gewalt zu verhindern, es verlagert sie h\u00f6chstens. Hinzu kommt, dass in der kapitalistischen Welt, in der wir leben, Kn\u00e4ste die Orte sind, an denen Menschen ausgebeutet werden. Knast ist schon lange kein Ort der Resozialisierung mehr, falls er das \u00fcberhaupt je war. Es ist ein Ort, an dem Menschen f\u00fcr wenig Lohn, ohne Arbeitnehmer*innenrechte, ohne Rentenanspruch, mit schlechter medizinischer Versorgung, zum Arbeiten gezwungen werden.<br \/>\nWir haben es also mit einem System zu tun, dass Menschen unterdr\u00fcckt, ausbeutet und erniedrigt, dies ist politisch motiviert und muss deshalb als Ganzes abgelehnt werden. Wir m\u00fcssen uns solidarisch mit Allen zeigen und uns dagegen wehren. Deshalb finden wir die Kategorisierung in politisch und unpolitisch an sich nicht gut.<\/p>\n<p>Menschen, die sich ihre Lebensmittel im Supermarkt klauen, oder ohne Ticket Bahn fahren und im Gef\u00e4ngnis landen, sind in den Augen vieler keine politischen Gefangenen. Ein Nazi im Knast ist hingegen ein politischer Gefangener, wird aber meist nicht gemeint wenn von \u201cFreiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\u201d die Rede ist. Die Bedeutung des Begriffs ist also nicht sehr klar definiert, sondern sehr abstrakt. Er wird meistens benutzt, um die Leute zu beschreiben, die mehr oder weniger die eigenen Ideen oder Ideologien vertreten.<\/p>\n<p>Aber wo ist die Grenze und wer legt die fest? Wer entscheidet, dass du eine politische Gefangene bist? Der Staat, die Repressionsbeh\u00f6rden, du selber, die politische Gruppe, die solidarisch sein will? Widerst\u00e4ndiges Verhalten setzt nicht voraus, dass du eine politische Aktivist*in bist. Widerst\u00e4ndiges Verhalten f\u00fchrt in dieser Gesellschaft aber zu Repression, egal ob drinnen oder drau\u00dfen, aber macht dich das zu einer politischen Gefangenen?<\/p>\n<p>Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr eine Welt ohne Kn\u00e4ste. Da soll es dann logischerweise gar keine Gefangenen geben. Nichtsdestotrotz haben auch wir begrenzte Kapazit\u00e4ten. Aufgrund dessen konzentriert sich unsere Unterst\u00fctzung prim\u00e4r auf anarchistische und soziale Gefangene, die ihre K\u00e4mpfe mit emanzipatorischen Inhalten gef\u00fcllt haben.<\/p>\n<p>Zudem finden wir das Konzept gut, dass sich \u00fcber die Jahre etabliert hat, gezielte Aktionstage zu initiieren. Diese erinnern dann ganz konkret an eine bestimmte Gruppen und r\u00fccken deren spezifische Probleme in den Fokus, wie etwa der 22. Januar \u2013 der <a href=\"https:\/\/transprisoners.wordpress.com\/\">Aktions- und Solidarit\u00e4tstag mit Trans-Gefangenen<\/a>, oder die <a href=\"https:\/\/solidarity.international\/\">Internationale Aktionswoche f\u00fcr Anarchistische Gefangene<\/a> vom 23.-30. August, oder die Demo zum 8. M\u00e4rz zur JVA in Chemnitz, wo sich mit der <a href=\"https:\/\/direkteaktion.org\/solidaritaet-statt-angst-die-gefangenengewerkschaft-gg-bo-kaempft-fuer-grundrechte-hinter-gefaengnismauern\/\">GGBO<\/a> (Gefangenengewerkschaft), den Arbeiter*innen und deren Arbeitskampf solidarisiert wird und explizit auch auf den patriarchalen Aspekt von Strafvollzug hingewiesen wird.<\/p>\n<p><strong>DA: Die Rote Hilfe ist zuletzt durch die Politik massiv unter Druck geraten, die Presse spekulierte, dass es offenbar Pl\u00e4ne im Innenministerium gibt, sie zu verbieten. Ergeht es euch genauso? K\u00f6nnt ihr noch in Ruhe arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ABC DD:<\/strong> Wir sind wahrscheinlich zu klein, um derzeit in den Fokus von Horst Seehofer zu gelangen. Wir sehen in dem geplanten Rote Hilfe Verbot aber eine Gefahr f\u00fcr alle politischen Gruppen. Nach Indymedia wird hier wohl wieder das Vereinsverbot als Repressionsmittel angewandt. Dabei scheint es erstmal egal zu sein, ob es wirklich einen Verein gibt, oder das Innenministerium sich etwas zusammenreimt. Wenn sich diese Methode etabliert, kann das irgendwann auch kleinere Gruppen betreffen. Es ist aber sicherlich schwieriger, viele kleine Gruppen zu verbieten, als eine gro\u00dfe Struktur. Dezentralisation k\u00f6nnte also eine Antwort auf diese Art von Repression sein.<\/p>\n<p><strong>DA: Allgemein sp\u00fcren die linke Szene, aber auch Gewerkschafter*innen, die Tendenz, zunehmend kriminalisiert zu werden. Wie kann man sich sch\u00fctzen? Warum ist es wichtig, sich zu organisieren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ABC DD:<\/strong> Der Druck, der auf uns ausge\u00fcbt wird, ver\u00e4ndert sich stetig. Erstens erm\u00f6glichen es neue Technologien, widerst\u00e4ndiges Verhalten immer leichter, effizienter und effektiver kriminalisieren zu k\u00f6nnen. Dagegen kann man sich beispielsweise sch\u00fctzen, in dem man verschl\u00fcsselt kommuniziert, oder bei bestimmten Themen ganz auf technische Ger\u00e4te verzichtet. Das gute alte pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch ohne Handy sollte nicht aus der Mode kommen.<\/p>\n<p>Zweitens haben viele gr\u00f6\u00dfere Ereignisse der letzten Jahre, wie etwa der Widerstand gegen die gewaltsame R\u00e4umung des Hambacher Forstes, oder die Proteste gegen den G20-Gipfel, den Fokus der \u00d6ffentlichkeit auf sogenannten \u201cLinksextremismus\u201d gelenkt. Dem Wunsch nach h\u00e4rterer Bestrafung von linken Aktivist*innen kommen sowohl konservative Politiker*innen, als auch Repressionsbeh\u00f6rden allzu gern nach. Mit unseren Infoveranstaltungen zu eben diesen Themen, versuchen wir, den Kreis derer, die sich mit Aktivist*innen solidarisieren, zu erweitern und die Debatte zu verschieben.<\/p>\n<p>Ein dritter Punkt in dieser Reihe sind Gesetzesversch\u00e4rfungen. Die fehlende M\u00f6glichkeit, sich anonym SIM-Karten zu besorgen, erschwert politisches Engagement. Die Gesetzesversch\u00e4rfungen der Paragraphen 113-115 StGB, dem sogenannten Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, dient in erster Linie der leichteren Kriminalisierung unbeugsamer Proteste. Eine gro\u00dfe Rolle spielen in diesem Zusammenhang auch die Polizeigesetze, welche in vielen Bundesl\u00e4ndern (unter anderem bei uns in Sachsen) vor der T\u00fcr stehen. Massive Eingriffe in Grundrechte und massive Kompetenzerweiterungen der Cops sind darin vorgesehen. Bei uns in Sachsen hat sich neben dem sachsen-weiten B\u00fcndnis \u201cPolizeigesetz stoppen!\u201d auch das regionale B\u00fcndnis \u201cSachsens Demokratie\u201d zusammengefunden, welche die Gegenwehr zu dem geplanten s\u00e4chsischen Polizeigesetz organisieren.<\/p>\n<p>Es ist also durchaus sp\u00fcrbar, dass der Druck auf die \u201clinke Szene\u201d in den letzten Jahren zunimmt. Nur wenn wir uns organisieren, k\u00f6nnen wir uns gemeinsam dagegen sch\u00fctzen. Vor allem f\u00fcr uns in Sachsen, wo eine Regierungsbeteiligung der AfD immer realistischer wird, ist es notwendig , dass wir zusammenstehen. Insgesamt finden wir es wichtig, sich einen Kreis von solidarischen Personen aufzubauen \u2013 am besten, lange bevor ein Repressionsfall entsteht. So steht mensch nicht alleine da und hat Leute um sich, denen er*sie vertraut.<\/p>\n<p><strong>DA: Hat die anarchistische Szene ein Bewusstsein f\u00fcr inhaftierte Gef\u00e4hrt*innen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ABC DD:<\/strong> Auf einem Vortrag in Hamburg hat eine ehemalige Gefangene mal gesagt, dass die 1990\u2019er keine guten Zeiten mehr waren, im Knast zu sein, da die Bewegung, und das meinte nicht explizit die anarchistische, Gefangene kaum mehr unterst\u00fctzt hat. In der Tat gab es eigentlich keine Antiknastbewegung mehr und kaum Solidarit\u00e4t. Mittlerweile hat sich das etwas ge\u00e4ndert, das Thema erf\u00e4hrt wieder viel mehr Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt, weil durch den Hambacher Forst und sp\u00e4testens mit G20 in Hamburg sehr viele Menschen immer wieder im Knast landen, die Szene also selbst massiv betroffen war und ist. Aber das erm\u00f6glicht nun auch das Thema allgemein wieder aufzugreifen und Knastkritik grunds\u00e4tzlich zu diskutieren, wie beim Anti-Knast-Camp 2017, den Anti-Knast-Tagen oder Tattoo-Circus`e mit dem Themenschwerpunkt Gef\u00e4ngnis und Strafe. Alternativen zu solch einem repressiven System, wie das aus den USA stammende Community-Accountability-Konzept, finden auch immer mehr Interessent*innen und praktische Anwendung. Oder so einfache Sachen wie Briefschreib-Caf\u00e9s tauchen immer mehr auf. Diese Entwicklungen freuen uns nat\u00fcrlich ungemein.<\/p>\n<p>Aber \u201causreichend Unterst\u00fctzung\u201d w\u00e4re schwer zu bejahen. Es k\u00f6nnte selbstverst\u00e4ndlich immer besser sein. Oftmals werden Anarchist*innen noch als Chaot*innen von der Allgemeinheit und als realit\u00e4tsferne Tr\u00e4umer*innen innerhalb \u201cder Szene\u201d wahrgenommen. Daher schaffen unsere Ideen und unsere Kritik selten eine gro\u00dfe Reichweite an Menschen. Das hoffen wir, k\u00fcnftig noch ausweiten zu k\u00f6nnen, f\u00fcr unser Ziel einer Gesellschaft, die Gef\u00e4ngnisse nicht mehr braucht, weil sie nicht auf Geld und Profiten, sondern auf Freiheit und Solidarit\u00e4t basiert.<\/p>\n<p>Anarchist*innen mit denselben Vorstellungen einer Utopie haben da schon eher ein Bewusstsein und Offenheit f\u00fcr inhaftierte Genoss*innen und unsere Arbeit. Aber wir k\u00e4mpfen, wie viele andere auch, mit dem Problem des Solidarit\u00e4tsverst\u00e4ndnisses der deutschen, linken und anarchistischen Szene. Jede Woche finden gef\u00fchlt Soli-Partys f\u00fcr jeden auch nur erdenklichen Zweck statt. Dort k\u00f6nnen dann Soli-Cocktails gekauft werden. Soli-Shirts, bedruckt mit der Message, f\u00fcr welchen Zweck gerade solidarisch gespendet wurde, sind an St\u00e4nden oder in Internetshops erh\u00e4ltlich. Das Spenden ist inzwischen unabdingbar mit einer Gegenleistung verbunden. Mensch kommt gar nicht mehr auf die Idee, dass es auch m\u00f6glich w\u00e4re, einfach ohne Gegenleistung zu spenden. Die Frage, was ist Solidarit\u00e4t und wie kann diese gelebt werden, ist deshalb bei uns auch immer wieder ein Thema.<\/p>\n<p><strong>DA: Wie k\u00f6nnte man euch unterst\u00fctzen? Wie ist eure Empfehlung, wenn man selbst aktiv werden m\u00f6chte?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ABC DD:<\/strong> Unterst\u00fctzung jeglicher Art ist nat\u00fcrlich immer willkommen und dringend notwendig. Besucht unsere Veranstaltungen und bewerbt sie zum Beispiel, oder spendet Geld, dass wir an Kampagnen und Menschen im Gef\u00e4ngnis weiterreichen. Am wichtigsten bleibt es aber, nicht in erster Linie \u201euns\u201d zu unterst\u00fctzen, sondern die Menschen, die aktiv Widerstand geleistet, die Herrschaft angegriffen haben und daf\u00fcr eingefahren sind. Schreibt ihnen Briefe in den Knast und tragt ihre Geschichten weiter. Eine \u201cHow to \u2026 Briefe schreiben an Menschen im Knast\u201d Brosch\u00fcre findet ihr <a href=\"https:\/\/abcdd.org\/material\/\">auf unserer Seite<\/a>. Die Gefangenen brauchen uns, damit der Staat merkt, dass hier drau\u00dfen keine Stille herrscht, dass sie eine Agenda haben, die sich f\u00fcr sie einsetzt und nat\u00fcrlich brauchen sie die Post, um ihrer Vereinzelung und Isolation entgegen zu wirken. Ach ja, nicht zu vergessen: F\u00fchrt ihre K\u00e4mpfe drau\u00dfen weiter! Das bleibt wohl die beste Form der direkten Hilfe.<\/p>\n<p>Es ist auch m\u00f6glich, eine eigene ABC-Gruppe in eurer Stadt zu gr\u00fcnden. Dazu gibt es eine <a href=\"https:\/\/solidarity.international\/index.php\/2018\/07\/07\/new-zine-starting-an-anarchist-black-cross-a-guide\/\">Brosch\u00fcre in englisch<\/a>, die alles erkl\u00e4rt. Was ihr unabh\u00e4ngig von Aktivismus und Spenden machen k\u00f6nnt, ist, euch zu beteiligen, \u00fcber die Rolle von Kn\u00e4sten in den herrschenden Zust\u00e4nden aufzukl\u00e4ren und den Antiknastgedanken zu verbreiten. Damit helft ihr uns, den Gefangenen von heute sowie denen von morgen, bis zu dem Moment, an dem wir alle frei sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Knastgitter und Grenzz\u00e4une zu Altmetall!<\/p>\n<p><strong>DA: Ich danke euch f\u00fcr das Interview!<\/strong><\/p>\n<p><strong>ABC DD:<\/strong> Gerne. Danke f\u00fcr euer Interesse!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: abc dresen DA: Ihr seid das Anarchist Black Cross Dresden. Diese Bewegung, dessen lokale Gruppe ihr bildet, ist schon recht alt. M\u00f6gt ihr erz\u00e4hlen, warum ihr euch als ABC organisiert, welche Idee dahinter steckt und welche Geschichte diese Bewegung hat? ABC DD: Das Anarchist Black Cross ist tats\u00e4chlich schon ziemlich alt. 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