{"id":6949,"date":"2019-03-14T20:30:38","date_gmt":"2019-03-14T19:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6949"},"modified":"2019-03-14T20:30:38","modified_gmt":"2019-03-14T19:30:38","slug":"deutschland-knastregeln-befolgen-in-der-hoffnung-auf-mildere-behandlung-oder-fruhere-entlassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6949","title":{"rendered":"[Deutschland] Knastregeln befolgen in der Hoffnung auf mildere Behandlung oder fr\u00fchere Entlassung?"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/ggboberlin.blackblogs.org\/knastregeln-befolgen-in-der-hoffnung-auf-mildere-behandlung-oder-fruehere-entlassung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GG\/BO Soligruppe Berlin<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=6001\" rel=\"attachment wp-att-6001\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6001 size-medium\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4-300x76.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"76\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4-300x76.jpg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4-768x194.jpg 768w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der folgende Bericht von Christian Schliewe, Gefangener der JVA B\u00fctzow, zeigt, dass eine totale Anpassung im Knast an vorherrschende Regeln offensichtlich nicht dazu f\u00fchrt, dass der*die Gefangene nicht sanktioniert, repressiv behandelt oder gar fr\u00fcher entlassen wird. Selbst f\u00fcr diejenigen, die in ihrer Haftzeit strategisch denken wollen, sich also zum Beispiel den Regeln und Bediensteten beugen, haben davon oft nicht den Nutzen, den sie sich erhoffen. Im Gegenteil.<\/p>\n<p><!--more-->Aus dem Bericht geht eindeutig hervor: selbst, wenn sich Gefangene absolut angepasst verhalten, sehen sie sich mit massiver Repression, Erniedrigung und Bestrafung konfrontiert. Auf Dauer macht das viele komplett kaputt. Christian fragt sich mittlerweile, ob nicht genau das auch die Motivation von der totalen staatlichen Institution sein k\u00f6nnte\u2026..<\/p>\n<p>\u201eIch befinde mich derzeit in der JVA B\u00fctzow wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung\/ r\u00e4uberischer Erpressung und habe eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten. Am 26.04.2011 stellte ich mich selbst meiner Haftstrafe \u2013 obwohl mir bewusst war, dass ich noch eine hohe Nachtragsstrafe erhalten werde. (\u2026) Zun\u00e4chst war ich in der JVA Waldeck und wurde dann im Mai 2011 in die JVA B\u00fctzow untergebracht, wo ich dann bis zum 07. Oktober 2015 blieb. Hier habe ich dann von 2011-2013 eine Trockenbauausbildung und von 2013-2015 eine B\u00e4ckerausbildung vollzogen und abgeschlossen. (\u2026)<\/p>\n<p>Zum Thema Suchtverhalten m\u00f6chte ich erw\u00e4hnen, dass die JVA B\u00fctzow seit mehreren Jahren darauf abstellt, das ich ein Suchtproblem mit Alkohol und diversen Drogen h\u00e4tte. Bei Antritt in die JVA gab es eine \u00e4rztliche Voruntersuchung und es wurden weder Symptome noch Auff\u00e4lligkeiten eines Suchtproblems festgestellt. Trotz alledem war und bin ich immer noch ein schwer Abh\u00e4ngiger, der dringend eine Therapie machen m\u00fcsse. Dies behauptet eine Justizbeh\u00f6rde, die sich weder darum schert, was mit uns ist oder passieren wird und Beratungsgespr\u00e4che verschwinden l\u00e4sst. In einem Gutachten des Hr. Dr. Ohlob aus dem Jahr 2013\/14, der als Gutachter im Strafverfahren diente, war hiervon keine Rede. Und bei meiner Person wurde weder ein Suchtverhalten festgestellt, noch ein Missbrauch oder Hang hierzu erkannt. (\u2026)<\/p>\n<p>Weiterhin wurden Stabilisierungsma\u00dfnahmen vollzogen, wie eine Straftataufarbeitung in der Auseinandersetzung mit der begangenen Straftat. Die vom hohen Gewicht war, um die Reflektion und Ursachen meiner Tat aufzuarbeiten. Des Weiteren wurden Anti-Gewaltgespr\u00e4che durchgef\u00fchrt, sowie ein PiaM-Projekt (Papa ist auf Montage), was zur Vater-Kind-Zusammenf\u00fchrung dienen soll. All diese Ma\u00dfnahmen durchlief ich bis 2015 mit der Ma\u00dfgabe des Resozialisierungsgedankens. Au\u00dfer ein paar kleinen Fehlern, die der Vollzug mit sich bringt (u.a. Handy gefunden und 2012 Alkohol konsumiert) bin ich weder Gewaltbereit aufgetreten, noch ist bis heute ein Vorfall k\u00f6rperlicher Gewalt aufgetreten. (\u2026)<\/p>\n<p>Im Jahr 2015 bin ich sodann in die JVA Waldeck verlegt worden, nachdem ich meine B\u00e4ckerlehre abgeschlossen hatte, um dort meine weitere Strafe abzusitzen. Aufgrund der guten Berichterstattung der Sachbearbeiter wurde 2016 ein Entlassungsplan erstellt. Dieser sah vor, dass meine Person in die Gesellschaft eingegliedert werden solle (Lockerung = offener Vollzug) und eine Entlassung bis Dezember 2017 erfolgen soll. Hiervon wurde auch meine Bew\u00e4hrungshilfe informiert von der Gerichts- und Bew\u00e4hrungshilfe in Schwerin. Aufgrund dessen fragte ich die JVA Waldeck, ob dies wirklich passiere und ob wir (meine Verlobte und ich) uns nun unserer Familienplanung widmen k\u00f6nnen, da wir uns sehnlichst ein Kind w\u00fcnschten. Der Vollzug stimmte auch gegen\u00fcber meiner Verlobten zu und meinte: \u201aSie k\u00f6nnen sich gewiss sein, Sie werden Weihnachten 2017 als Familie zusammen in Freiheit verbringen.\u2018 Und dann: \u201aEin Wunschkind w\u00fcrde ihre Resozialisierung beg\u00fcnstigen und Sie haben ein festes Familienprogramm, welches ihnen in Freiheit zahlreiche Aufgaben zuteilt, also setzen Sie es um.\u2018 (Aussage JVA Waldeck)<\/p>\n<p>Doch es kam ganz anders!!!<\/p>\n<p>Nunmehr hatte die JVA Waldeck, die vorher den Entlassungsplan erstellte und mir vorher zu einem Wunschkind geraten hatte, auf einmal nichts mehr davon wissen wollen. Man behauptete stattdessen: \u201aWir haben nichts gesagt und Sie h\u00e4tten ja kein Kind zeugen brauchen.\u2018 Aber der eigentliche Grund war: \u201aWir haben bei Ihnen vergessen die SothA (Sozialtherapeutische Anstalt) zu absolvieren.\u2018. Genau die SothA, die den psychologischen Dienst der JVA B\u00fctzow und der JVA Waldeck bis Ende 2016 verneinte und diesen als \u201anicht vorgesehen\u2018 in zahlreichen Vollzugspl\u00e4nen darlegte. Diese sollte ich nunmehr absolvieren, weil man es vergessen hatte und das kurz vor meiner Entlassung. Eine Entlassung oder Lockerung \u2013 davon war nun weder die Rede, noch hatte man diese vorgehabt. Trotz alledem lie\u00df ich mich hierzu herab und begab mich in die SothA! Diese Entscheidung sollte sich erneut als Trugschluss hervortun, denn nach meiner Meinung sind die Psychologen aus der SothA (JVA Waldeck) rein auf Psychoterror gestellt. Man wird gen\u00f6tigt, denunziert und herabw\u00fcrdigend behandelt. (\u2026)<\/p>\n<p>Aber wenn Sie denken, dass das schon alles gewesen ist, dann muss ich ihnen sagen, dass jetzt erst meine Tortour beginnt. Ich habe mit meiner Verlobten ein Wunschkind gezeugt, auf das wir uns sehnlichst freuten und unsere Zukunft planten \u2013 mit der Aussage von der JVA Waldeck: \u201aSie k\u00f6nnen ruhig ihr Wunschkind planen, sie sind Weihnachten zu Hause\u2018. In dieser Erwartung wurde nun unser Kind am 29.08.17 geboren (da ich ja Ende 2017 entlassen werden sollte). Die Familienplanung absolviert, doch nunmehr wollte niemand mehr was von meiner Entlassung wissen. Man fing an mich schlecht zu schreiben bzw. mich totzuschreiben, negative Dinge zu erfinden, die sich noch einige Monate davor ganz anders anh\u00f6rten, als der Entlassungsplan erstellt worden ist. Weder gab es jemals Gewaltvorf\u00e4lle in meiner ganzen Haftzeit, noch gab es negative Vorf\u00e4lle jeglicher Art. Meine Verlobte ist bis heute traumatisiert und wird auch jetzt noch bl\u00f6d angemacht und herabw\u00fcrdigend behandelt durch die JVA B\u00fctzow, in der ich mich seit April 2018 wieder befinde. Es hei\u00dft, ich w\u00e4re so gef\u00e4hrlich, dass man mich nicht entlassen kann bis Terminende und muss jetzt meine Strafe voll absitzen. (\u2026)<\/p>\n<p>Meine Verlobte sitzt psychisch angeschlagen zu Hause mit unserem Sohn und muss sich alleine durchschlagen. Wir h\u00e4tten dieses Kind niemals gezeugt, wenn die JVA einer Entlassung nicht zugestimmt oder vorausgesagt h\u00e4tte. Wir lieben unseren Sohn \u00fcber alles, aber das ist kein Zustand f\u00fcr eine Familie, die so hinters Licht gef\u00fchrt wurde von einer Justizbeh\u00f6rde, die resozialisieren soll und nicht Familien kaputt machen oder sie zerst\u00f6ren. (\u2026)<\/p>\n<p>Hier legt man nur noch Wert darauf, mich bis zum Schluss \u2013 nicht ein bisschen resozialisiert oder eingegliedert \u2013 hierzubehalten. Es wird lieber darauf Wert gelegt zu l\u00fcgen, betr\u00fcgen und Familien kaputt zu machen. (\u2026) Eigene Fehler der Vollzugsbeh\u00f6rden (Waldeck und B\u00fctzow) werden durch die Justiz Mecklenburg-Vorpommern gest\u00fctzt, gedeckt und vertuscht bzw. gegen mich verwendet. Damit der \u201ab\u00f6se Gefangene\u2018 keine Chance hat sich zu wehren bzw. keine neutrale Behandlung durch das Gericht erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Das ist meine Geschichte und ich m\u00f6chte hiermit auf die Gefahren der Justiz aufmerksam machen, die mich nach einer Vollverb\u00fc\u00dfung ohne Eingliederung einfach auf die Stra\u00dfe setzen will \u2013 ohne dass ich darauf vorbereitet wurde. Eine solche Situation ist mehr als traurig. Doch sie zeigt, dass sich das Land nicht an die eigenen Gesetze h\u00e4lt oder gar vereinbarungsf\u00e4hig ist. (\u2026)<\/p>\n<p>In der Gesellschaft sollte das Augenmerk darauf gelegt werde, dass man Straft\u00e4ter in der JVA B\u00fctzow und Waldeck noch aggressiver werden l\u00e4sst und diese dann nach jahrelangem Psychoterror auf die Gesellschaft losl\u00e4sst \u2013 um zu beweisen, wie angeblich unbelehrbar der Mensch sei.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte von Christian ist kein Einzellfall. Tagt\u00e4glich werden Gefangene in Kn\u00e4sten schikaniert, drangsaliert, repressiv behandelt und willk\u00fcrlich bestraft. Wundern sollte das nicht \u2013 Knast dient der Aufrechterhaltung der herrschenden Ordnung \u2013 und in dieser werden vor allem diejenigen unterdr\u00fcckt, welche eh schon von Politik und Gesellschaft marginalisiert worden sind.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Deswegen ist es mehr als n\u00f6tig, sich mit allen Gefangenen zu solidarisieren \u2013 um der vorherrschenden Ordnung etwas entgegenzusetzen, um gemeinsam Kr\u00e4fte- und Machtverh\u00e4ltnisse verschieben zu k\u00f6nnen und um Gefangenen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ggboberlin.blackblogs.org\/clickandact\/vordenknastmauern\/\">Solidarit\u00e4t geht auf ganz verschiedene Art und Weise.<\/a> Nutzt die verschiedenen M\u00f6glichkeiten bei Tag und Nacht.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ggboberlin.blackblogs.org\/den-tag-der-politischen-gefangenen-umgestalten-solidaritaet-mit-allen-gefangenen\/\">Zeigt euch vor allem am 18. M\u00e4rz solidarisch mit allen Gefangenen!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: GG\/BO Soligruppe Berlin Der folgende Bericht von Christian Schliewe, Gefangener der JVA B\u00fctzow, zeigt, dass eine totale Anpassung im Knast an vorherrschende Regeln offensichtlich nicht dazu f\u00fchrt, dass der*die Gefangene nicht sanktioniert, repressiv behandelt oder gar fr\u00fcher entlassen wird. 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