{"id":6851,"date":"2019-02-28T15:12:25","date_gmt":"2019-02-28T14:12:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6851"},"modified":"2019-02-28T15:12:25","modified_gmt":"2019-02-28T14:12:25","slug":"belarus-ubersicht-uber-repressionen-gegen-anarchistinnen-und-antifaschistinnen-in-belarus-im-jahr-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6851","title":{"rendered":"[Belarus] \u00dcbersicht \u00fcber Repressionen gegen Anarchist*innen und Antifaschist*innen in Belarus im Jahr 2018"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/abc-belarus.org\/?p=12124&amp;lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abc belarus<\/a>, \u00fcbersetzt von abc wien<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=6852\" rel=\"attachment wp-att-6852\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-6852\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ABC-Belarus-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Anfang des Jahres war der Schock \u00fcber den &#8222;Network-Fall&#8220; in Russland, in dem Anarchist*innen gefoltert und inhaftiert wurden, gro\u00df. Nach Angaben des FSB wurde eine Gruppe des &#8222;Networks&#8220; auch in Belarus betrieben. Der KGB reagierte zwar nicht \u00f6ffentlich auf diese Aussage, aber wir bemerkten verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen, Jugendliche zu rekrutieren, die mit der anarchistischen Bewegung in verschiedenen Teilen von Belarus in Verbindung stehen.<\/p>\n<p><strong>Winter<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Anfang Februar 2018 begann der KGB mit der Untersuchung der regionalen Bildungsorganisation \u201eCritical Thinking\u201c. Einer der Freiwilligen der Organisation wurde zu einem informellen Gespr\u00e4ch per Telefon gerufen &#8211; zuvor war er zusammen mit dem russischen Anarchisten Piotr Ryabov festgenommen und wegen &#8222;\u00f6ffentlicher Zurschaustellung von Nazi-Symbolen&#8220; [1] zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Au\u00dferdem wurde seine Festplatte beschlagnahmt. Gleichzeitig wurde seine Mutter zu einem informellen Gespr\u00e4ch geladen. Mehrere Freund*innen dieses Freiwilligen wurden von der Polizei abgeholt, verh\u00f6rt und sp\u00e4ter freigelassen. Die Polizei war an der T\u00e4tigkeit des Critical Thinking interessiert und versuchte, Menschen zum Unterschreiben von Kooperationspapiere zu zwingen [2].<\/p>\n<p>Am 8. Februar besuchte die antiextremistische Polizei in Mogilev die Eltern einer Aktivistin. Sie fragten nach der T\u00e4tigkeit ihres Kindes, ihren politischen Interessen etc. Grundlage der Durchsuchung der Wohnung war ein Haftbefehl, der im Rahmen eines im Jahr 2017 eingeleiteten Strafverfahrens ausgestellt wurde, da rote Farbe auf einer Statue Lenins in der Stadt verteilt wurde. Eine weitere Razzia fand in einer weiteren Wohnung der Eltern eine*r anderen Aktivist*in statt. Diese*r Aktivist*in galt als Zeug*in im gleichen Strafverfahren [3].<\/p>\n<p>Die Anarchisten Kirill A. und Igor M. wurden zu 3 Jahren Freiheitsbeschr\u00e4nkung verurteilt, weil sie eine Plakatwand mit Polizeiwerbung abgebrannt hatten. Eine dritte Person in dem Fall ist noch auf der Flucht.<\/p>\n<p>Im Februar besuchte die Polizei auch Aktivist*innen, die 2017 bei Protesten gegen das Gesetz \u00fcber Sozialparasiten [Anm. ABC Wien: Steuer auf Arbeitslosigkeit] inhaftiert wurden. Beamt*innen kamen zu den Meldeadressen und stellten Fragen \u00fcber die aktuellen Aktivit\u00e4ten von Menschen. Einige wurden dar\u00fcber informiert, dass die Untersuchung im Rahmen eines am 15. M\u00e4rz 2017 begonnenen Strafverfahrens durchgef\u00fchrt wurde [4].<\/p>\n<p>Am 23. Februar 2018 entf\u00fchrten zwei Polizist*innen aus Brest einen Punk in Stolin, brachten ihn in den Wald und dr\u00e4ngten ihn, Informationen \u00fcber lokale Anarchist*innen zu verraten. Irgendwann fragten sie ihn nach seinem letzten Wunsch und richteten eine Waffe auf seinen R\u00fccken. Kurz darauf boten sie der Person Geld f\u00fcr Informationen \u00fcber lokale Anarchist*innen an.<\/p>\n<p>Am 26. Februar 2018 fand in Minsk eine Razzia in der Wohnung eines Sozialaktivisten statt. Nach Angaben der Polizei suchten sie nach Waffen, Sprengstoffen und anderen verbotenen Materialien. Nichts davon wurde in der Wohnung gefunden, jedoch beschlagnahmte die Polizei einen Laptop, ein Telefon, Festplatten, Zeitungen und Flugbl\u00e4tter. Ansonsten haben die Bullen das Messer seines Vaters beschlagnahmt. Der Aktivist wies darauf hin, dass einige Wochen zuvor die Polizei angerufen und ihn zu einem Gespr\u00e4ch eingeladen hatte &#8211; er lehnte dies ab. Er verband die Razzia mit dem Versuch der Polizei, ihn daf\u00fcr zu bestrafen. Das Interesse der Polizei kann mit seiner aktiven Haltung zu den Entwicklungen in der Ukraine verbunden werden.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchling<\/strong><\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz 2018 wurde Svyatoslav Baranovich [5] zu 3 Jahren Haft verurteilt, weil er am 15. M\u00e4rz 2017 gegen das Parasitengesetz protestiert hatte. Baranovich half Anarchist*innen, den Verhaftungen zu entkommen und schlug in einem Handgemenge einen der Polizisten in Zivil.<\/p>\n<p>Am 26. M\u00e4rz 2018 wurde der Aktivist Ilya S. mit einer Geldstrafe von 200 Euro belegt, weil er Anrufe ignoriert hatte, zum KGB zu einem informellen Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p>Ab M\u00e4rz 2018 erschienen Informationen \u00fcber Anarchist*innen, denen die Einreise nach Russland verboten wurde. Diese Verbote werden denjenigen erteilt, die \u00fcber offizielle Grenz\u00fcberg\u00e4nge in das Land einreisen. Nach der Passkontrolle werden sie \u00fcber das Verbot informiert. Die Logik hinter diesen Aktionen ist unklar. Sie k\u00f6nnten unter anderem mit der Zusammenarbeit mit der belarussischen Geheimpolizei oder dem Fall &#8222;Network&#8220; zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Ein Antifaschist, Y., der beabsichtigte, zum Arbeiten nach Moskau zu gehen, wurde im Fr\u00fchjahr festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, ein Nazi-Propagandavideo ver\u00f6ffentlicht zu haben und er wurde der Anstiftung zum ethnischen Hass beschuldigt. Das Video wurde auf seiner privaten Seite geteilt mit einem Kommentar, der Nazis l\u00e4cherlich machte. Sein Haus wurde durchsucht und er verbrachte mehrere Tage in Haft. Er wartet auf die Verhandlung.<\/p>\n<p>Am 19. April 2018 wurde der Anarchist Fyodor B. von der anti-extremistischen Polizei wegen der Verbreitung von Pornografie festgenommen. Die Polizist*innen waren jedoch nicht an dem Video auf seinen sozialen Netzwerken interessiert, sondern an seiner T\u00e4tigkeit in der anarchistischen Bewegung, seinen Kontakten und seinem Privatleben. Derzeit unterliegt er Reisebeschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>Am 3. Mai 2018 wurden in Stolin drei Anarchist*innen und antiautorit\u00e4re Aktivist*innen von der Polizei \u00fcberfallen und verh\u00f6rt. Die Polizist*innen interessierten sich f\u00fcr Anarchist*innen und Punks &#8211; wer organisiert Konzerte, wie kommen die Minsker*innen zu den Veranstaltungen etc.<\/p>\n<p>Am 6. Mai 2018 wurde Aleksandr K. von der Polizei aufgesucht, die ihn nach der Aktion befragte, die einen Tag zuvor in Brest stattgefunden hatte, als die Autobahn M1 kurz zuvor aus Protest gegen den Bau einer Batteriefabrik blockiert worden war. Er weigerte sich eine offizielle Aussage zu machen und gab nur Informationen zu seinem Alibi f\u00fcr diesen Tag.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen des 16. Mai 2018 brach die Polizei in die Wohnung von Ilya M. ein und f\u00fchrte eine Durchsuchung [6] seiner Wohnung durch. Sie sagten, die Durchsuchung st\u00fcnde im Zusammenhang mit einer Blockade der Autobahn M1. Computer, Mobiltelefone, Flash-Laufwerke und eine Fotokamera wurden beschlagnahmt.<\/p>\n<p>Es ist auch bekannt, dass die Polizei im Zusammenhang mit derselben Aktion eine Wohnung in Baranovichi durchsuchte. Au\u00dferdem wurde in Minsk die Wohnung des Anarchisten Roman ebenfalls durchsucht.<\/p>\n<p>Der Anarchist Vanya K. wurde am 18. Mai 2018 \u00fcberfallen &#8211; Polizisten suchten nach extremistischen Materialien. Kleidung mit den Aufschriften &#8222;Animal Liberation&#8220;, &#8222;Anti-Globalism Marvin School&#8220; und &#8222;Destroy Capitalism&#8220; wurde beschlagnahmt. Abgesehen davon nahmen sie Festplatten, Flash-Laufwerke, Telefone und Briefe mit.<\/p>\n<p>Ende Mai 2018 durchsuchte die Polizei in Brest die Wohnung eines Aktivisten wegen einiger in einer anderen Stadt gemalten Graffiti. Sie \u00fcberpr\u00fcften seinen Computer und seine Kleidung. Sie beschlagnahmten ein Buch.<\/p>\n<p><strong>Sommer<\/strong><\/p>\n<p>Anfang Juni 2018 wurde ein antifaschistischer Fan des FC Viktoria, verhaftet. Er steht im Verdacht, Pornografie im Internet zu verbreiten. \u00c4hnliche Verfahren gegen Fu\u00dfballfans wurden in Gorodeya, Ivatsevichi, Gorki eingeleitet. Es gab mehrere \u00e4hnliche Situationen in Minsk. Es scheint ein koordinierter Angriff auf aktive Fu\u00dfballfans zu sein.<\/p>\n<p>Am 30. Juni 2018 griffen Spezialeinheiten und die anti-extremistische Polizei ein anarchistisches Camp in einem Wald bei der Stadt Krupki an. Nach einem Schuss in die Luft wurden alle Teilnehmer*innen des Camps gezwungen, sich auf den Boden zu legen. Die Aktivist*innen wurden nacheinander gezwungen, auf Knien ihre Namen vor der Kamera zu nennen. Alles in allem dauerte der gesamte \u00dcberfall mehr als 8 Stunden, wobei die Aktivist*innen die meiste Zeit bei starkem Regen auf dem nassen Boden lagen. Die Polizei beschlagnahmte Literatur und rief den Forstdienst. Zwei Aktiviste*innn wurden wegen illegaler Entfernung von Pflanzen und Verteilung extremistischer Materialien angeklagt.<\/p>\n<p>Im Juli wurde auf der anarchistischen Konferenz &#8222;Pryamukhino Readings&#8220; in Russland der belarussische Anarchist Artem M. von der Polizei festgenommen. Er wurde wegen Drogenkonsums angeklagt (Artem verweigerte sich einer medizinischen Untersuchung). Ihm wurde au\u00dferdem mitgeteilt, er solle das Gebiet der Russischen F\u00f6deration innerhalb von 5 Tagen verlassen, da er &#8222;eine Bedrohung f\u00fcr die nationale Sicherheit darstellt&#8220;.<\/p>\n<p>Ebenfalls im Juli 2018 wurde der Anarchist Nikolay D. vor seinem Haus festgenommen. Am selben Tag verurteilte ihn das Gericht zu einer Geldstrafe von 100 Euro f\u00fcr die Propaganda von Nazi-Symbolen. Der Fall stand im Zusammenhang mit seinem Anti-Nazi-Post auf Facebook vor einigen Jahren.<\/p>\n<p>Am selben Tag verurteilte das Gericht Maria R. zu einer Geldstrafe von 110 Euro f\u00fcr ein Foto mit Hut mit der Aufschrift &#8222;Class war&#8220;, das zuvor als extremistisch eingestuft worden war.<\/p>\n<p>Ende Juli 2018 begann die Polizei mit der \u00dcberpr\u00fcfung der Wohnungen von Personen, die zuvor im Wald festgehalten worden waren. Auch Verwandte von einigen wurden befragt.<\/p>\n<p>Im August 2018 kam die Polizei zu Vanya K., um ihn zu der Razzia zu befragen, die Anfang Mai stattfand. Die Polizisten teilten ihm mit, dass die Anklagepunkte von Verteilung extremistischer Materialien zu Hassverbrechen ge\u00e4ndert wurden. Vanya weigerte sich, mit den Bullen zu reden. Die Polizei teilte den Eltern des Aktivisten mit, dass er mit der anarchistischen Gruppe Wave Belarus verbunden sein k\u00f6nnte, was der Hauptgrund f\u00fcr den Beginn der Repressionen war.<\/p>\n<p>Am 29. August wurde eine Pr\u00e4sentation der Menschenrechtsinitiative &#8222;Pravovoye Deystviye&#8220;, die Antifaschist*innen und antiautorit\u00e4re Aktivist*innen unterst\u00fctzt, sabotiert &#8211; die Eigent\u00fcmer des Veranstaltungsortes sagten sie im letzten Moment ab.<\/p>\n<p>Am 30. August entschied das Gericht, dass ACAB und \u0421\u041b\u041e\u041d (Tod den Polizisten durch Messer) Slogans auf der Kleidung des Fu\u00dfballfans Aleksei S. extremistisch sind. Danach \u00fcberfiel die Polizei seine Wohnung und behauptete, sie w\u00fcrden nach Beweisen f\u00fcr Hassverbrechen suchen.<\/p>\n<p><strong>Herbst<\/strong><\/p>\n<p>Anfang September entdeckte eine Gruppe von Menschen in Grodno ein Feuer im Wald. Sie riefen die Feuerwehr. Am n\u00e4chsten Tag allerdings wurden sie f\u00fcr 8 Stunden in einer Polizeistation festgehalten, wo Polizist*innen sie wegen des Feuers anzuklagen versuchten, da einer der Leute in der Gruppe ein*e \u00d6koanarchist*in war. Am Abend wurden alle Leute entlassen.<\/p>\n<p>Am 12. Oktober \u00fcberfielen Polizist*innen die Wohnung von Aleksandr K. aus Brest. Ihm wurde vorgeworfen, ein Flugblatt an einem der H\u00e4user in der Stadt angebracht zu haben. W\u00e4hrend der Razzia waren die Polizist*innen nicht an Flugbl\u00e4ttern interessiert, sondern beschlagnahmten einen Laptop, Telefone und andere Ger\u00e4te.<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit \u00fcberfiel die Polizei das Haus von Dmitry L. und beschlagnahmte die Festplatte aus seinem Computer.<\/p>\n<p>Am 14. Oktober wurden beide auf der Polizeiwache verh\u00f6rt. Danach wurden sie bis zum Ende der Aktion &#8222;Tauben f\u00fcttern&#8220; festgehalten (w\u00f6chentlicher Protest in Brest gegen den Bau einer Batteriefabrik).<\/p>\n<p>Am 2. November wurde in Grodno der Musiker Ales D. wegen der Weiterverbreitung von Informationen von einer als extremistisch eingestuften anarchistischen Gruppe in sozialen Netzwerken mit einer Geldstrafe von 250 Euro belegt.<\/p>\n<p>Zwei Wochen sp\u00e4ter wurde der Antifaschist Vladislav S. wegen einer \u00e4hnlichen Tat zu einer Geldstrafe von 150 Euro verurteilt. Damals verb\u00fc\u00dfte Vladislav eine Strafe in einer offenen Strafanstalt (das hei\u00dft, er darf das Gef\u00e4ngnis zur Arbeit verlassen). Der administrative Fall k\u00f6nnte ein Versuch der Polizei gewesen sein, ein neues Strafverfahren gegen ihn wegen Verletzung der Auflagen einzuleiten.<\/p>\n<p>In derselben Stadt wurde Aleksandr G. am 20. November eine Geldstrafe von 300 Euro wegen Propaganda von Nazi-Symbolen und der Verbreitung extremistischer Materialien auferlegt [1].<\/p>\n<p><strong>Und wieder Winter<\/strong><\/p>\n<p>Am 2. Dezember wurden sechs Aktivist*innen festgenommen, weil sie einen Trauerkranz an der Statue eines Polizisten aus dem 19. Jahrhundert angebracht hatten.<\/p>\n<p>In Brest wurde Anfang Dezember der Antifaschist Dmitry K. zu 2 Jahren Freiheitsentzug verurteilt (\u00e4hnlich einem Hausarrest). Er wurde wegen einer Schl\u00e4gerei in einer Bar angeklagt, in der ein betrunkener Mann Dmitry angriff. Dmitry wehrte sich, und 6 weitere Leute kamen, um dem Betrunkenen zu helfen. Infolgedessen erlitten Dmitry und mehrere andere Beteiligte leichtere Verletzungen. Beide Seiten wollten keine Anzeige erstatten \u2013 die &nbsp;Polizei hat nun nur Dmitry wegen des Unfalls angeklagt.<\/p>\n<p>Am 11. Dezember wurde ein*e Kunstaktivist*in aus der Theaterwerkstatt Fortinbras f\u00fcr die wenige Tage zuvor durchgef\u00fchrte Aktion &#8222;Dekonstruktion der Miliz&#8220; zu einer Geldstrafe \u00fcber 110 Euro verurteilt. Die Aktion wurde zur Unterst\u00fctzung der LGBT-Gemeinschaft durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Drei Tage sp\u00e4ter wurde Dmitry Poliyenko mit einer Geldstrafe \u00fcber 400 Euro belegt, weil er &#8222;pr\u00e4ventive Gespr\u00e4che&#8220; auf der Polizeistation vermieden hatte. F\u00fcr den 19. Dezember war eine weitere Gerichtsverhandlung angesetzt, zu der Aktivist*innen jedoch nicht erschienen, so dass die Ergebnisse der Verhandlung noch unbekannt sind.<\/p>\n<p>Am 27. Dezember wurde Nikolai D. mit einer Geldstrafe von 400 Euro f\u00fcr die Propaganda der NS-Ideologie [1] (ein weiterer Beitrag auf Facebook) belegt.<\/p>\n<p>Uns sind einige weitere F\u00e4lle f\u00fcr das Weiterverbreiten in sozialen Netzwerken bekannt. Au\u00dferdem erhielten wir Informationen \u00fcber mehrere Razzien und informelle Gespr\u00e4che mit Antifaschist*innen. Die Informationen \u00fcber diese F\u00e4lle sind nicht \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p><strong>Die gute Nachricht<\/strong><\/p>\n<p>Am 25. April erhielt der Antifaschist Thomas K., der zuvor eine Strafe f\u00fcr eine Schl\u00e4gerei verb\u00fc\u00dfte, eine Verbesserung der Haftbedingungen und kann nun die restliche Haftzeit zu Hause absitzen.<\/p>\n<p>Am 24. Oktober wurde Dmitry Poliyenko freigelassen, nachdem er 2 Jahre f\u00fcr einen Angriff auf eine*n Stra\u00dfenpolizist*in w\u00e4hrend der Critical Mass im Gef\u00e4ngnis war. W\u00e4hrend seiner Zeit hinter Gittern hatte er zahlreiche Probleme im Gef\u00e4ngnis, die durch die Gef\u00e4ngnisverwaltung hervorgerufen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die anarchistische Liste der extremistischen Materialien wurde um 2 Brosch\u00fcren, 3 Flyer und 1 Aufkleber erweitert. 5 Internet-Websites wurden auf die schwarze Liste gesetzt, darunter die Website des Anarchist Black Cross Belarus. &#8220; Class War&#8220;, &#8220; Terror Machine &#8222;, &#8220; ACAB &#8220; und &#8220; \u0421\u041b\u041e\u041d &#8220; landeten ebenfalls auf der Liste der extremistischen Materialien. Von nun an kann die Verteilung und Aufbewahrung dieser Materialien als Rechtsverletzung verfolgt werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erstellen Polizist*innen der anti-extremistischen Polizei aktiv gef\u00e4lschte Seiten in sozialen Netzwerken, auf denen sie Materialien \u00fcber Anarchist*innen ver\u00f6ffentlichen, einschlie\u00dflich Bildern und privaten Informationen, die sie bei illegalen Razzien erhalten haben. Eine der Seiten wurde im Namen eine*r Anarchist*in erstellt, der*die eines Angriffs auf das KGB-Geb\u00e4ude im Jahr 2017 verd\u00e4chtigt wurde. Auf dieser Seite ver\u00f6ffentlicht die Polizei Profile verschiedener Anarchist*innen und Antifaschist*innen mit der Beschreibung ihres Lebens, ihrer Interessen und einigen Informationen, die innerhalb der anarchistischen Bewegung als provokativ angesehen werden k\u00f6nnen. Und nat\u00fcrlich wird das Verlinken extremistischer Materialien von diesen gef\u00e4lschten Seiten nicht weiter untersucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1: Derzeit verwendet die Polizei diesen Artikel, um Antifaschist*innen und Anarchist*innen f\u00fcr manche Bilder von Nazis oder antifaschistische Symbole, die Hakenkreuze enthalten (wie gekreuzte oder gebrochene Hakenkreuze), zu verfolgen.<\/p>\n<p>2: Diese Kooperationspapiere machen dich zu einem offiziellen Informanten der Polizei oder des KGB. Im Jahr 2015 kam es zu einem Skandal, als sich herausstellte, dass eine Reihe von Jugendlichen der rechten Opposition diese Papiere unterschrieben, darunter auch Spitzenaktivist*innen.<\/p>\n<p>3: Die Polizei f\u00fchrt in der Regel Razzien bei Aktivist*innen durch, die als Zeug*innen aufgef\u00fchrt sind, um sie direkt im Anschluss an die Razzien anzuklagen.<\/p>\n<p>4: An diesem Tag wurden \u00fcber 30 Anarchist*innen und ihre Anh\u00e4nger*innen nach Protest gegen das Parasitengesetz festgenommen. Die Polizei verwendetet Pfefferspray in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln, um Aktivist*innen aus den geschlossenen R\u00e4umen zu holen und verhaften zu k\u00f6nnen. Sp\u00e4ter k\u00fcndigte das Innenministerium an, ein Strafverfahren wegen eines Angriffs auf die Polizei mit Pfefferspray einzuleiten.<\/p>\n<p>5: https:\/\/abc-belarus.org\/?p=11506&amp;lang=de<\/p>\n<p>6: Nach wei\u00dfrussischem Verwaltungsrecht kann die Polizei Wohnpl\u00e4tze von B\u00fcrgern ohne Strafverfahren inspizieren, wenn sie gen\u00fcgend Gr\u00fcnde zu der Annahme hat, dass etwas Verd\u00e4chtiges vor sich geht. Dies wurde zu einer der beliebtesten Taktiken bei Razzien im Land, da es keine Notwendigkeit mehr gibt, im Vorfeld einen Fall zu konstruieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: abc belarus, \u00fcbersetzt von abc wien Anfang des Jahres war der Schock \u00fcber den &#8222;Network-Fall&#8220; in Russland, in dem Anarchist*innen gefoltert und inhaftiert wurden, gro\u00df. Nach Angaben des FSB wurde eine Gruppe des &#8222;Networks&#8220; auch in Belarus betrieben. 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