{"id":6803,"date":"2019-02-23T17:25:20","date_gmt":"2019-02-23T16:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6803"},"modified":"2019-02-23T17:25:20","modified_gmt":"2019-02-23T16:25:20","slug":"afund-herausforderungen-in-der-solidaritatsarbeit-interview-mit-freedom-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6803","title":{"rendered":"[Afund] Herausforderungen in der Solidarit\u00e4tsarbeit &#8211; Interview mit Freedom News"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/afund.antirep.net\/afund-on-challenges-in-solidarity-work-interview-to-freedom-news\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">afund<\/a>, \u00fcbersetzt von abc wien<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=4573\" rel=\"attachment wp-att-4573\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4573 size-medium\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/afund-400x267-300x200.gif\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"\/><\/a>Der International Anarchist Defence Fund wird in diesem Monat ein Jahr alt, und um dies zu feiern, teilt der IADF einige Gedanken \u00fcber die anarchistische Solidarit\u00e4tsarbeit und die Themen, die die Gr\u00fcndung des Kollektivs beeinflusst haben.<\/p>\n<p>Unsere kollektive Solidarit\u00e4tsstruktur unterst\u00fctzt Anarchist*innen und anarchistische Sympathisant*innen auf der ganzen Welt, die aufgrund ihrer politischen Ideen oder Aktivit\u00e4ten verfolgt werden oder sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Jede*r im Kollektiv &#8211; wahrscheinlich genau wie jede*r andere, der*die diesen Artikel liest &#8211; war entweder in bestehende Solidarit\u00e4tsgruppen eingebunden oder stand selbst vor Repression.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als wir \u00fcber die Gr\u00fcndung des &nbsp;&nbsp;Funds nachdachten, haben wir ihn daher als etwas konzipiert, das eine Reihe von Problemen im Zusammenhang mit der Solidarit\u00e4t in unseren Reihen l\u00f6sen sollte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal sollten wir sagen, dass der Fund kein Konkurrent der bestehenden Solidarit\u00e4ts- und Anti-Repressionsstrukturen ist, sondern eine Erg\u00e4nzung. Der A-Fund erhebt nicht den Anspruch, eine Gruppe zu sein, die langfristige Unterst\u00fctzung oder Rechtsberatung anbietet, Aktivist*innen im Umgang mit der Polizei aufkl\u00e4rt usw., wie es viele ABC-Gruppen tun. Wir bieten nur einmalige finanzielle Hilfe und einige informationelle Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p><strong>Warum halten wir dies f\u00fcr wichtig?<\/strong><\/p>\n<p>Hier kommt der erste Aspekt der Solidarit\u00e4t, und zwar die ungleiche Verteilung der Ressourcen. Die Zusammenh\u00e4nge, in die wir hineingeboren werden und unsere Hintergr\u00fcnde beeinflussen die H\u00f6he der m\u00f6glichen finanziellen Unterst\u00fctzung, die wir geben und erhalten k\u00f6nnen. Es geht nicht nur um das Familien- oder Berufsprivileg, sondern auch um die Solidarit\u00e4ts-Traditionen in der Bewegung, die Verf\u00fcgbarkeit von aktivistischer Infrastruktur oder einfach nur um Aktivist*innen, die Art und Weise, wie der Staat Menschen in der Region unterdr\u00fcckt, Verbindungen der Bewegung mit internationalen Gruppen, etc. Die Mischung dieser Faktoren f\u00fchrt zu Menschen, die umfangreiche Unterst\u00fctzung genie\u00dfen und im Handumdrehen Geld mit ihren Spendenaktionen sammeln, w\u00e4hrend wir nie von F\u00e4llen aus Regionen h\u00f6ren, die in internationalen \u00dcbersetzungen und Facebook-Werbung nicht so stark sind. Der A-Fund wurde eingerichtet, um den Status quo zu durchbrechen und den Zugang zu internationalem Geld weltweit zu erleichtern. Dies ist einer der Gr\u00fcnde, warum wir versuchen, sprachlich zug\u00e4nglich zu sein &#8211; unsere Website umfasst derzeit sieben Sprachen, und weitere kommen noch hinzu.<\/p>\n<p>Zusammen mit der regionalen Ungleichheit besteht die Tendenz, dass bekanntere Gefangene (oder Verfolgte) die gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzung erhalten. Leute, f\u00fcr die sich viele in der Bewegung verb\u00fcrgen, die zahlreiche soziale Verbindungen nach au\u00dfen haben oder hatten, die daf\u00fcr bekannt sind dies und das zu tun \u00fcberwiegen wahrscheinlich neue Aktivist*innen, die nicht so lautstark dar\u00fcber sprechen, was sie tun, oder die einfach nicht sozial genug sind. Manchmal bist du der*die einzige Aktivist*in in deiner Stadt &#8211; wer wird f\u00fcr dich eine Solidarit\u00e4tsgruppe aufbauen? Wir glauben, dass der Zugang zu den Geldern des Funds diese Tendenz \u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Ein weiterer Unterschied des Funds zu den \u00fcblichen Solidarit\u00e4tsstrukturen besteht in der M\u00f6glichkeit der direkten Beteiligung der Geldgeber*innen an der Verteilung des von ihnen gespendeten Geldes. Jede*r, der*die j\u00e4hrlich 20 \u20ac oder mehr spendet, tritt der Entscheidungsgruppe bei, die alle Anfragen an den Fund pr\u00fcft. Dies f\u00fchrt unserer Meinung zu einer geringeren Entfremdung des Funds gegen\u00fcber dem anonymen Spenden von Geld bei einem bestimmten Anlass und dem Verlassen darauf, dass einige andere Personen die Entscheidung treffen, wohin dieses Geld flie\u00dft.<\/p>\n<p>Die meisten der heutigen solidarischen Crowdfunding-Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen als &#8222;wohlt\u00e4tig&#8220; bezeichnet werden, bei denen Menschen einen Cocktail oder eine Konzertkarte kaufen und dann vergessen, worum es eigentlich geht. Benefizveranstaltungen sind ein bedeutender und unverzichtbarer Beitrag zu Solidarit\u00e4tsfonds (einschlie\u00dflich unseres), aber sie schaffen die Situation, dass wir Massen von Gef\u00e4hrt*innen nutzen, um Geld durch Konsum oder Unterhaltung zu ernten, w\u00e4hrend sie das Geld auch ohne den Kauf eines weiteren T-Shirts oder Getr\u00e4nks f\u00fcr die Solidarit\u00e4tsarbeit h\u00e4tten verwenden k\u00f6nnen. F\u00fcr dieses Problem gibt es im Moment keine L\u00f6sung, aber wir bieten etwas mehr als das. Die direkte Beteiligung und Kontrolle dar\u00fcber, wohin das Geld flie\u00dft, k\u00f6nnte ein Gef\u00fchl der Beteiligung an pers\u00f6nlichen F\u00e4llen von Repressionen und sogar an der weiteren Solidarit\u00e4tsarbeit erzeugen.<\/p>\n<p>Die Teilnahme ist jedoch nicht verpflichtend, jeder kann sich jederzeit von der Liste abmelden. Relevant ist hier auch die Tatsache, dass das Kollektiv hinter dem A-Fund das Geld nicht kontrolliert. Demnach kann es nicht passieren, dass eine Person keine Unterst\u00fctzung bekommt, nur weil jemand aus dem Kollektiv diese Person nicht mag. Sicherlich ist es f\u00fcr die Person aus dem Kollektiv m\u00f6glich, dem Rest der Entscheidungscrew die Vorbehalte mitzuteilen und zu besprechen, aber es wird nur eine Stimme von vielen sein.<\/p>\n<p>Wir neigen dazu zu vergessen, dass die Repression weiter reicht, als bis zu direkt betroffenen Menschen, die im Gef\u00e4ngnis landen. Oftmals ignorieren wir diejenigen, die &#8222;einfache Geldstrafen&#8220; erhalten, von der Polizei nochmal wegkommen, aber am Ende angeschlagen sind, diejenigen, die Angeh\u00f6rige von direkt Unterdr\u00fcckten sind, die nach &#8222;Interaktionen&#8220; mit staatlicher Repression gesundheitliche oder psychische Probleme haben, und nicht von Menschen auf der Flucht zu sprechen, die jahrelang oder das ganze Leben lang im Untergrund bleiben m\u00fcssen. Letztere k\u00f6nnen nicht einfach \u00f6ffentlich \u00fcber ihre Situation berichten, damit andere aufgefordert werden, ihnen Geld dorthin zu schicken, wo sie sich verstecken, und ihre Gef\u00e4hrt*innen, die helfen m\u00f6chten, k\u00f6nnen dies auch nicht, um nicht zu zeigen, dass sie den Aufenthaltsort des*der gesuchten Gef\u00e4hrt*in kennen.<\/p>\n<p><strong>Bleiben wir ehrlich!<\/strong><\/p>\n<p>Der A-Fund ist f\u00fcr Anarchist*innen und anarchistische Sympathisant*innen, die auf welcher Art auch immer Probleme im Zusammenhang mit Repressionen haben. Im Gegensatz zu den meisten Solidarit\u00e4tsgruppen sind wir bei unseren Ausgaben v\u00f6llig transparent &#8211; auf unserer Website finden sich Berichte \u00fcber s\u00e4mtliche unserer Transaktionen. Gleichzeitig stehen den Entscheidungstr\u00e4ger*innen aus Sicherheitsgr\u00fcnden die Informationen \u00fcber die aktuelle H\u00f6he des Funds zur Verf\u00fcgung. Auch k\u00f6nnen wir auf Wunsch des*der Antragsteller*in die Transaktion an diese*n geheim oder anonym halten.<\/p>\n<p>Eine letzte Bemerkung ist der Missbrauch der Solidarit\u00e4t. Im Zeitalter der technischen Globalisierung kann leider jeder eine Webseite einrichten, ein paar nette Worte \u00fcber das nicht existente anarchistische Kollektiv schreiben und um Geld bitten. Der letzte beachtliche Fall war die Aktivit\u00e4t eines Tobi aus Indonesien, der von Crowdfunding besessen war und viel Geld, das f\u00fcr lokale Gruppen und verfolgte Aktivist*innen gesammelt wurde, f\u00fcr pers\u00f6nliche Dinge verwendete. ABC Indonesien hat seine Handlungen in einer <a href=\"https:\/\/mpalothia.net\/indonesia-palang-hitam-anarchist-black-cross-indonesia-m1-life-on-the-run-and-a-tale-of-treachery-by-a-comrade\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erkl\u00e4rung<\/a> \u00f6ffentlich verurteilt. In diesem Sinne verstehen wir, dass eine neue Struktur wie die Unsere Misstrauen hervorrufen kann, insbesondere wenn das Kollektiv \u2013 wie in unserem Fall &#8211; anonym ist. Wir versuchen, dies mit den Berichten \u00fcber jeden von uns unterst\u00fctzten Fall zu bek\u00e4mpfen und stellen eine Liste von B\u00fcrg*innen der anarchistischen Gemeinschaft zur Verf\u00fcgung, die uns unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Dilemma, das wir in diesem ersten Jahr hatten, war die Debatte \u00fcber symbolische und grundlegende Unterst\u00fctzung. Da wir jeweils nur 10 % der aktuellen Summe im Fund f\u00fcr einen positiven Antrag bereitstellen und die Gesamtmenge von der Anzahl der erhaltenen Spenden abh\u00e4ngt, waren unsere ersten Unterst\u00fctzungsbetr\u00e4ge haupts\u00e4chlich symbolisch. Wir m\u00f6chten, dass der A-Fund eine wichtige Hilfe darstellt, die den*die Antragsteller*in oder die Solidargemeinschaft von der notwendigen Mittelbeschaffung zumindest f\u00fcr einige Zeit befreit. In diesem Sinne versuchen wir, Menschen zu ermutigen, sich dem Fund anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Moment brauchen wir Freiwillige, die helfen, unser Projekt in ihrer Umgebung bekannt zu machen. Wir m\u00f6chten eine Liste von anarchistischen Gruppen, anarchistischen Zeitschriften, Webseiten und R\u00e4umen zusammenstellen, die wir ansprechen k\u00f6nnen, und um die Verteilung unserer Flyer, dem Platzieren unseres Banners auf ihren Webseiten oder einer Anzeige in ihrem Magazin oder Zeitschrift, etc. bitten. Wir sind auf der Suche nach Menschen, die uns helfen k\u00f6nnen eine solche Datenbank f\u00fcr ihre Region oder Stadt zu erstellen. Einzelne Menschen und Kollektive sind ebenfalls eingeladen, zu spenden und sich unserer Entscheidungsgruppe anzuschlie\u00dfen, Soliveranstaltungen zu organisieren, Spendenboxen zu installieren und so weiter. Wenn ihr eine Pr\u00e4sentation \u00fcber den A-Fund in eurer Stadt machen m\u00f6chtet, ist das auch fantastisch!<\/p>\n<p>Bitte verweist Menschen auf den A-Fund, wenn sie von Repression betroffen oder bedroht sind.<\/p>\n<p>Wenn ihr weitere Ideen habt, Informationen \u00fcber den A-Fund zu verbreiten oder Spenden zu gewinnen, kannst du uns gerne an a-fund@riseup.net. schreiben.<\/p>\n<p>Gemeinsam werden wir den Kampf gewinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: afund, \u00fcbersetzt von abc wien Der International Anarchist Defence Fund wird in diesem Monat ein Jahr alt, und um dies zu feiern, teilt der IADF einige Gedanken \u00fcber die anarchistische Solidarit\u00e4tsarbeit und die Themen, die die Gr\u00fcndung des Kollektivs beeinflusst haben. 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