{"id":6557,"date":"2019-01-13T20:13:19","date_gmt":"2019-01-13T19:13:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6557"},"modified":"2019-01-13T20:13:19","modified_gmt":"2019-01-13T19:13:19","slug":"deutschland-nero-der-bunker-das-beste-zum-schluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6557","title":{"rendered":"[Deutschland] Nero: &#8222;Der Bunker &#8211; Das Beste zum Schluss!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/28224\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">indymedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=4610\" rel=\"attachment wp-att-4610\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4610\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/free_nero-980x450-300x138.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"138\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/free_nero-980x450-300x138.jpg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/free_nero-980x450-768x353.jpg 768w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/free_nero-980x450.jpg 980w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ich habe wahrscheinlich die f\u00fcnf h\u00e4rtesten Tage meiner Haft hinter mir und sitze, gekleidet in Anstaltsklamotten, in meinem neuen Haftraum auf meiner neuen Station. Ich lausche dem Radio, um die Stille der letzten Tage zu vertreiben.<\/p>\n<p>Angefangen hat alles am letzten Freitag mit einer lauten Explosion w\u00e4hrend des Mittagsaufschlusses und dem anschlie\u00dfenden Anstaltsalarm.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich will es mir gerade mit meiner neuen Star Wars-DVD gem\u00fctlich machen, als drei aggressive Blaum\u00e4nner meine Zelle st\u00fcrmen, mich mitnehmen und in einen separaten Raum verbringen. Dort soll ich mich entkleiden. Mein Hinweis auf die fehlende Anordnung wird ignoriert (Gefahr im Vollzug oder Verzug, was wei\u00df ich), stattdessen stellt sich dieser Fisch dicht vor mich und schreit: \u201eAusziehen!\u201c.<\/p>\n<p>Ich lache ihn aus und lasse ihn abblitzen. W\u00fctend stampfend verl\u00e4sst er den Raum, um mit vier noch b\u00f6ser guckenden Visagen zur\u00fcckzukommen.<\/p>\n<p>Hektisch werden die St\u00fchle und der dazugeh\u00f6rige Tisch in die Ecke geschoben, um den Ernst ihrer Absicht zu unterstreichen. Aus Sorge um meine Klamotten f\u00fcge ich mich nun vor doppeltem Publikum. Nackt soll ich eine Kniebeuge machen. Diese Prozedur wird so noch zweimal mit neuen Schlie\u00dfern und in neuen Zellen wiederholt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie versuchen meine W\u00fcrde zu nehmen, nehmen andere meine Zelle auseinander.<\/p>\n<p>Wie ich nun wei\u00df, haben sie sich auf der Suche nach Pyrotechnik richtig ausgetobt. Bilder und Postkarten wurden von den W\u00e4nden gerissen, Schrankinhalt landete auf dem Boden, Geschirr und Gl\u00e4ser wurden zerbrochen.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist auch sicher, dass mich ein \u00fcberzeugter Almani angeschissen hat. Nazi w\u00e4re zu schmeichelhaft f\u00fcr dieses St\u00fcck Schei\u00dfe! Ich soll einen B\u00f6ller in die Zentrale geworfen haben.<\/p>\n<p>Nach anderthalb Stunden in einer Arrestzelle empfange ich den Teilanstaltsleiter und seine Entourage. In meinem Haftraum wurden ein Handy und ein Fernseher gefunden und das, obwohl er mir doch erst gestern pers\u00f6nlich eine Disziplinarma\u00dfnahme wegen Handybesitzes er\u00f6ffnet hat. Diese beinhaltete neben Freizeiteinschluss auch den Entzug meines Fernsehers. Dass ich nun einen Tag sp\u00e4ter im Besitz eines Handys und Fernsehers bin, beweise, dass ich das Ganze nicht ernst nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&#8211; Was f\u00fcr eine Auffassungsgabe &#8211;<\/p>\n<p>Das ist sehr dreist und ihm noch nicht untergekommen. Deswegen steckt er mich jetzt f\u00fcr f\u00fcnf Tage in Arrest. Ob das verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und m\u00f6glich ist, habe er extra nachgeschaut, beantwortet er meine Frage stolz. Es tue ihm ja leid, er k\u00f6nne da auch nichts machen und ich solle das doch \u201esportlich\u201c sehen.<\/p>\n<p>\u201eEs tut ihnen leid? Sie haben die Strafe doch verh\u00e4ngt!?\u201c Er verteidigt sich l\u00e4chelnd, achselzuckend.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass er vor Kurzem in derselben Station von einem Bruder einen Aschenbecher ins Gesicht bekommen hat.<\/p>\n<p>Heute wei\u00df ich, dass ein Handy und ein Fernseher ganz sicher kein Grund f\u00fcr eine Arrestma\u00dfnahme sind. In der Regel wird diese h\u00e4rteste Form der Bestrafung nach gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen oder Suizidversuchen gew\u00e4hlt. Es ist bezeichnend, dass diese Art der Folter so leichtfertig angewandt wird.<\/p>\n<p>Da sie mir den B\u00f6llerwurf nicht nachweisen konnten, ist es logisch, dass sie das Handy und den Fernseher als Vorwand benutzen.<\/p>\n<p>Kurz darauf finde ich mich in einer 12m\u00b2 gro\u00dfen, nackten Zelle mit einer Pritsche und einem Loch f\u00fcr\u2018s Gesch\u00e4ft wieder. Einzige Sonderausstattung: Die Fu\u00dfbodenheizung und die Kameras in den Ecken. Erstere machen den Bunker zur Sauna und Letztere beginne ich sofort mit nassem Klopapier zu verdecken.<\/p>\n<p>Nicht das Einzige, was zu Konflikten f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>Den ersten Tag versuche ich mein Recht auf Kontakt zu meinem Anwalt und ein Buch durchzusetzen. Telefonieren darf ich nur beim Teilanstaltsleiter und der ist bedauerlicherweise schon weg und als Buch gilt: Nur Bibel oder Koran. Ich entscheide mich f\u00fcr den Koran und bekomme irgendein \u201eArabisch f\u00fcr Anf\u00e4nger\u201c.<\/p>\n<p>Die Schikane erstreckt sich \u00fcber die f\u00fcnf Tage.<\/p>\n<p>Ich verlange nach meinen verschriebenen Medikamenten und bekomme sie nicht, weil ich mich weigere \u201eBitte\u201c zu sagen. In einer Nacht wird das Licht angelassen. Jackpot, wenn ich Z\u00e4hne putzen darf. Als der Teilanstaltsleiter nach dem Wochenende wieder da ist, darf ich meinen Anwalt nicht anrufen, da er sonst den Raum verlassen m\u00fcsse. Rechtsgeheimnis und so.. nachdem schon tausendmal meine Anwaltspost ge\u00f6ffnet wurde. Auch mit meiner Versicherung, dass ich niemanden rausschicken werde, bleibt mir mein Rechtsbeistand verwehrt. Letztendlich sorgt meine \u201eSozialarbeiterin\u201c daf\u00fcr, dass ich keine Post erhalte und tut so, als ob sie sich um meinen Anwaltsbesuch bem\u00fcht, welcher nat\u00fcrlich nicht stattfindet.<\/p>\n<p>Das Schlimmste ist aber, dass du nicht wei\u00dft, wie sp\u00e4t es ist. Und es kommt auf den Schlie\u00dfer an, ob er so g\u00fctig ist und auf seine Uhr schaut. Wo immer es geht, lassen sie mich ihre Macht sp\u00fcren. Irgendwie habe ich die f\u00fcnf Tage rumgekriegt. Ich wurde mit strengen Auflagen auf einen neuen Fl\u00fcgel verlegt und darf keine privaten Klamotten tragen und nur \u201edas N\u00f6tigste\u201c auf Zelle haben. Heisst: 10 x Unterw\u00e4sche, 10 x Fotos oder Postkarten und Essen. Dazu kommt der unterbrochene Freizeiteinschluss und die Fernsehsperre.<\/p>\n<p>Es ist immer wieder unfassbar, dass die machen k\u00f6nnen, was sie wollen. Abartig, dass Mensch dem so ausgeliefert ist und das, obwohl ich einen Anwalt habe, was bei Wenigen hier der Fall ist.<\/p>\n<p>Gegen eine Disziplinarma\u00dfnahme hat Mensch keine Handhabe. Falls das Gericht nach Monaten feststellen sollte, dass diese zu Unrecht verh\u00e4ngt wurde, hast du auch nichts mehr davon.<\/p>\n<p>Viele Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen auch gar nicht begr\u00fcndet werden. Beispielsweise das Verlegen auf eine andere Station oder die Nichtaufnahme in Gruppen- und Freizeitangeboten. Da ist dann gerade kein Platz oder aus logistischen Gr\u00fcnden ist die Zelle zu r\u00e4umen. Beides wird aktiv als Strafe genutzt.<\/p>\n<p>Ich bin froh, dass es bald vorbei ist. Aber ein Teil von mir will diese ganze Schei\u00dfe nicht so stehen lassen, sich dem nicht entziehen, meine Freunde und Br\u00fcder nicht dort zur\u00fccklassen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche euch allen weiterhin viel Kraft und Momente der Selbstbestimmung und -erm\u00e4chtigung!<\/p>\n<p>I stand by you! Wallah habbibi!<\/p>\n<p>Besondere Gr\u00fc\u00dfe an meine Br\u00fcder auf der Isostation, welche diese zu Silvester zerst\u00f6rten und zum Schwimmbad umfunktioniert haben.<\/p>\n<p>Nero<\/p>\n<p>20.12.18<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: indymedia Ich habe wahrscheinlich die f\u00fcnf h\u00e4rtesten Tage meiner Haft hinter mir und sitze, gekleidet in Anstaltsklamotten, in meinem neuen Haftraum auf meiner neuen Station. Ich lausche dem Radio, um die Stille der letzten Tage zu vertreiben. 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