{"id":6498,"date":"2019-01-02T11:15:55","date_gmt":"2019-01-02T10:15:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6498"},"modified":"2019-01-02T11:52:52","modified_gmt":"2019-01-02T10:52:52","slug":"6498","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6498","title":{"rendered":"[Deutschland] Berlin: AdBustings gegen Knast und Herrschaft"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/27574\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">indymedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=6499\" rel=\"attachment wp-att-6499\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6499 size-medium\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31909-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31909-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31909-768x508.jpg 768w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31909-1024x677.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Es ist der Morgen des 31.12., Silvester \u2013 unmittelbar vor den Knastmauern der JVA Moabit h\u00e4ngt ein gro\u00dfes Adbusting. Kein Einzelfall an diesem Morgen: im gesamten Stadtgebiet Berlins h\u00e4ngen in direkter N\u00e4he zu den dortigen Kn\u00e4sten Poster in Werbevitrinen, die verschiedene Aspekte des Knastes und das Konzept von Kn\u00e4sten als solche kritisieren.<\/p>\n<p>Die Kritik richtet sich explizit gegen exorbitante Preise f\u00fcr das Telefonieren im Knast, horrende Haftungsbedingungen u.a. in Trakt 2 der JVA Tegel und Suizide Gefangener. Es wird aber vor allem grundlegende Kritik am Herrschen, Wegsperren und Strafen ge\u00e4u\u00dfert-<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u2013 so z.B. der Zusammenhang zwischen Armut und Einsperrung und dem Knast als Strategie gegen Widerst\u00e4ndige die gegen Kapital, Staat, Nation und Patriarchat k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Auf den einzelnen Adbustings sind verschiedene Slogans zu lesen. Was alle eint ist der Spruch: \u201cWo Herrschaft sichtbar ist \u2013 Freiheit f\u00fcr alle Gefangenen\u201d. Laut den Aktivist*innen soll die Aktion mehr Aufmerksamkeit auf die Bereiche der Gesellschaft richten, bei denen die allgegenw\u00e4rtige Herrschaft und Unterdr\u00fcckung besonders hervorsticht. Aktivist*in Mel erg\u00e4nzt, &#8220; Gefangen-sein endet nicht an den Mauern der Kn\u00e4ste oder anderen Zwangsinstitutionen wie Schule \u2013 denn wer nicht selbst drin sitzt wird vom Staat, von Normen und anderen Mechanismen der Herrschaft, sei es in romantisierten Beziehungen oder bei der Ausbeutung durch Lohnarbeitsverh\u00e4ltnisse, stets terrorisiert und maximal kontrolliert.&#8220; Das Wegsperren von Personen in Kn\u00e4ste zeigt dabei somit nur die Spitze des Eisberges. Mensch wird von der Gesellschaft ausgeschlossen \u2013 Zutritt und einen Weg zur\u00fcck erh\u00e4lt nur, wer sich angepasst verh\u00e4lt und ausbeuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Vom Zusammenhang zwischen Armut und Freiheitsentzug<\/strong><\/p>\n<p>In der JVA Pl\u00f6tzensee ist jede Dritte Person aufgrund einer Ersatzfreiheitsstrafe gefangen. Eine solche Strafe erh\u00e4lt, wer eine Geldstrafe nicht zahlen kann und somit dazu gezwungen ist, das Bu\u00dfgeld in Tagess\u00e4tzen abzusitzen. Aber nicht nur bei Ersatzfreiheitsstrafen sind Menschen, die ohnehin schon durch kapitalistische Verwertungslogik, permanente Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, strukturelle Benachteiligung und Diskriminierung an den Rand der Gesellschaft getrieben wurden, besonders betroffen. Dies verwundert nicht, schlie\u00dflich sind Gesetze nicht vom Himmel gefallen und dienen den Interessen des Kapitals \u2013 so z.B. dem Erhalt von Eigentum und der Niederschlagung jeglichen Widerstandes. Dass es verboten ist, sich Obdach in leeren H\u00e4usern zu suchen oder weggeschmissenes Essen zu nehmen ist bezeichnend.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;Wo Widerstand zu Haft f\u00fchrt<\/strong><\/p>\n<p>\u201cWer sich gegen die Verh\u00e4ltnisse wehrt wird weggesperrt!\u201d steht auf einem anderen Poster. Hiermit wird darauf aufmerksam gemacht, dass auch Personen, die bewusst gegen die gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse und f\u00fcr eine befreite Gesellschaft aufbegehren \u2013 z.B. demonstrieren gehen, sich Wohnraum nehmen oder Spenden f\u00fcr politische Arbeit und Organisationen sammeln immer weiter kriminalisiert und nach M\u00f6glichkeit weggesperrt werden. Hier dienen unter anderem exorbitante Haft- und Bew\u00e4hrungsstrafen dazu Widerstand zu kriminalisieren, diffamieren und delegitimieren. \u201cWir w\u00fcnschen allen Gefangenen viel Kraft und wollen Ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Hinter den Knastmauern wird an sie gedacht, es wird gek\u00e4mpft und nicht aufgeh\u00f6rt gegen das System, welches sie einsperrt und uns alle gefangen h\u00e4lt anzugehen!\u201d sagt Aktivist*in Mel.<\/p>\n<p><strong>Herrschaft sichern \u2013 Leben zerst\u00f6ren<\/strong><\/p>\n<p>Mit den Plakaten vor der JVA Pl\u00f6tzensee soll auf die verheerenden (nicht nur) psychischen Konsequenzen von unw\u00fcrdigen Haftbedingungen und dem blo\u00dfen Fakt des Eingeknastet-Seins aufmerksam gemacht werden. In den vergangenen beiden Jahren nahmen sich allein 7 Personen im Knast ihr Leben. Im Oktober dieses Jahrs beging eine Person am zweiten Tag seiner Ersatzfreiheitsstrafe (s.o.) Selbstmord, nachdem das Justizpersonal ihn als psychisch auff\u00e4llig wahrnahm und einen Tag sp\u00e4ter auf Sicherheits- oder Kontrollma\u00dfnahmen verzichtete. Aktivisti Luca entgegnet dazu: \u201cDass die Einknastung selbst ein schwer zu ertragender psychischer Stressor ist wird kaum erfasst, stattdessen lamentiert der Justizvollzug in der besagten Debatte von \u201cSuizidprophylaxe\u201d und \u201cKrisenpr\u00e4vention\u201d.\u201d<\/p>\n<p><strong>T\u00e4gliche Schikane und Haftbedingungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Unw\u00fcrdigkeit des grundlegenden Wegsperr-Konzepts, wird durch vielseitige Formen der Schikane \u00fcberboten. Der Slogan \u201c30 Minuten telefonieren 10 Euro, nur ein Weg Gefangene zu schikanieren\u201d thematisiert die diffamierenden Eingriffe auf Kontakt zu Angeh\u00f6rigen durch die Preise des Gef\u00e4ngnistelefonanbieters Telio. Vor allem angesichts des ausbeuterischen Lohnes, den Gefangene f\u00fcr Arbeiten erhalten hat dies eine enorm isolierende Auswirkung. Wie so eine \u201eResozialisierung\u201c stattfinden soll ist fraglich. Dar\u00fcber hinaus wird mit einem weiteren Plakat auf den andauernden Rattenbefall von Geb\u00e4ude 2 der JVA Tegel hingewiesen, welcher es bisher nur in Bezug auf die K\u00e4tzenintervention zur Rattenbek\u00e4mpfung in die b\u00fcrgerlichen Medien geschafft hat. Dass die Situation der Menschen selbst, gemeinsam mit Ratten in einer Zelle zu sitzen, nie Thema der \u00f6ffentlichen Debatte war, zeugt davon wie sehr Menschen hinter Gittern aus unserem Bewusstsein verschwinden, indem Sprachrohre nach au\u00dfen gekappt und jegliche Form von Organisation unterbunden werden.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen erkennen, dass das, was Menschen in den Knast bringt oder zu Taten veranlasst gesellschaftliche Probleme sind, die nicht durch eine Strafe, ein Wegsperren gel\u00f6st werden. Deshalb sind es diese Verh\u00e4ltnisse (Armut, Missbrauch, Arbeitslosigkeit, Unterdr\u00fcckung, Ausgrenzung, Ausbeutung etc.) die wir angehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Hierzu rufen wir auch dazu auf, heute an der allj\u00e4hrlichen Antiknastdemo zu SIlvester zu beteiligen! Treffpunkt ist die Liebigstra\u00dfe 34, von wo aus es zum Frauen*knast nach Lichtenberg gehen wird!<\/p>\n<p>Free them all \u2013 free us all!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Infos zu:<\/p>\n<p>Knastkritik:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/download\">www.abc-berlin.net\/download<\/a><\/p>\n<p>Gefangenengewerkschaft:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ggbo.de\">ggbo.de<\/a>\/<\/p>\n<p>Ersatzfreiheitsstrafe:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/entknastung.org\">entknastung.org<\/a>\/<\/p>\n<p>Telefonpreisen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ggbo.de\/telio\">ggbo.de\/telio<\/a>\/<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=6502\" rel=\"attachment wp-att-6502\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-6502\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31916-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\" height=\"100%\"\/><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=6501\" rel=\"attachment wp-att-6501\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-6501\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31911-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\" height=\"100%\"\/><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=6500\" rel=\"attachment wp-att-6500\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-6500\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31910-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\" height=\"100%\"\/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: indymedia Es ist der Morgen des 31.12., Silvester \u2013 unmittelbar vor den Knastmauern der JVA Moabit h\u00e4ngt ein gro\u00dfes Adbusting. 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