{"id":6481,"date":"2018-12-30T20:26:46","date_gmt":"2018-12-30T19:26:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6481"},"modified":"2018-12-30T20:26:46","modified_gmt":"2018-12-30T19:26:46","slug":"deutschland-berlin-liebig34-silvester-zum-knast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6481","title":{"rendered":"[Deutschland] Berlin\/Liebig34: Silvester zum Knast"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/27538\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">indymedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=4665\" rel=\"attachment wp-att-4665\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-4665\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/mauern-einreissen-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Dieses Jahr starten wir am Dorfplatz in Friedrichshain vor der Liebig 34, einem separatistischen&nbsp; Hausprojekt, das sich ohne cis-M\u00e4nner organisiert. Am 31.12. um 00 Uhr l\u00e4uft der Pachtvertrag des Projekts aus und wird aller Voraussicht nach nicht verl\u00e4ngert werden.&nbsp;Was k\u00f6nnte passender sein, als in dem Moment, wo wir nicht mehr legal in unserem eigenen Zuhause leben und kriminalisiert werden, an andere Kriminalisierte zu denken, die schon im Knast sitzen? Wir werden daher unsere Solidarit\u00e4t mit den Eingeknasteten symbolisch vom Dorfplatz zum Frauen*gef\u00e4ngnis in Lichtenberg tragen. Die Gefangenen sind nicht vergessen!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Freund*innen sitzen im Knast, weil sie sich der herrschenden Ordnung entgegenstellen. Der Gef\u00e4ngniskomplex ist eine politische Angelegenheit an sich. Gef\u00e4ngnisse sind kein Ort au\u00dferhalb der Gesellschaft, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Techniken des \u00dcberwachens und Strafens, die eine kapitalistisch organisierte Gesellschaft aufrechterhalten. In Gef\u00e4ngnissen werden Menschen \u00fcber Jahre und Jahrzehnte auf wenigen Quadratmetern eingesperrt, kontrolliert, beobachtet und isoliert. Der Knast an sich ist eine der offensichtlichsten Formen von Kontrolle und legitimiert sich durch einen diffusen Sicherheitsbegriff. Aber auch au\u00dferhalb der Knastmauern werden wir aufgrund eben dieser Vorstellung von absoluter Sicherheit unter Kontrolle gehalten. Uns hier drau\u00dfen verkaufen sie dieses Leben als Freiheit.<\/p>\n<p>Aber was bedeutet Freiheit im kapitalistischen System? Die Freiheit im Kapitalismus ist eine vorgegaukelte. Freiheit im Kapitalismus hei\u00dft, sich zwischen Schei\u00dfe und Schei\u00dfe zu entscheiden. RTL oder ARD, CDU oder SPD, Mayo oder Ketchup. Freiheit im kapitalistischen System bedeutet, arbeitsf\u00e4hig und in diesem Sinne verwertbar zu sein. Freiheit im kapitalistischen System hei\u00dft, sich in eine von Gesetzen und Normen geformte Gesellschaft einzugliedern. Freiheit im kapitalistischen System bedeutet, im Konkurrenzkampf mit anderen Individuen m\u00f6glichst viel Macht anzuh\u00e4ufen. Freiheit im kapitalistischen System bedeutet, die eigene Kaufkraft in diesem Sinne auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Das Gef\u00e4ngnis ist nur eine Zuspitzung der hierarchischen Strukturen in den gesellschaftlichen Funktionen, in denen wir allt\u00e4glich gefangen sind. Schule, Arbeit, Beh\u00f6rden, und letztendlich einsperrende Institutionen wie Kn\u00e4ste, all dies sind hierarchische autorit\u00e4re Strukturen, durch die wir zugerichtet werden sollen.<\/p>\n<p>Eine solche Gesellschaft, die zudem auf Ungleichheit basiert, funktioniert nicht ohne Strafe. Dabei geht es aber nicht nur darum, einzelne Individuen zu bestrafen, sondern auch darum, die anderen abzuschrecken, damit diese sich nicht trauen, ihre W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume auszuleben.<\/p>\n<p>Bei Gef\u00e4ngnisstrafen geht es nicht um Gerechtigkeit. Es geht darum, dass wir uns nicht einfach die Lebensmittel im Laden nehmen, die uns zustehen. Dem widerlichen Macker nicht zwischen die Beine treten, wenn unsere Grenzen \u00fcberschritten werden. Nicht umsonst zu fahren mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln. Nicht \u00fcber unsere K\u00f6rper zu bestimmen, wie wir es wollen und beispielsweise ohne Zwangsberatung abzutreiben.<\/p>\n<p>Es geht darum, gewisse \u201eGruppen\u201c zu marginalisieren und gegeneinander auszuspielen, damit wir uns nicht gemeinsam auflehnen. Es wird gehetzt gegen PoCs, Illegalisierte, Arme, Arbeitslose, Wohnungslose und alle Menschen, die von der selbst ernannten &#8222;Mehrheitsgesellschaft&#8220; diskriminiert, ausgeschlossen und verfolgt werden. Dazu geh\u00f6rt auch die Diskriminierung von Menschen, die sich nicht in der konstruierten Zweigeschlechtlichkeit wiederfinden und einordnen k\u00f6nnen oder wollen.<\/p>\n<p>Besonders schwer haben es Trans, Inter, und genderqueers im Knast. Vorgesehen sind nur Kn\u00e4ste f\u00fcr Frauen* oder M\u00e4nner*. Trans und Inter Menschen werden ihrem im Ausweis beschriebenen Geschlecht zugeordnet und dementsprechend verwahrt, auch wenn das in keinster Weise mit ihrer gelebten Identit\u00e4t \u00fcbereinstimmt. So kommt es, dass trans-Frauen oft in M\u00e4nner*gef\u00e4ngnissen eingesperrt werden. Im Knast ist es au\u00dferdem noch schwieriger, Hormone und andere wichtige Behandlungen zu erhalten.<\/p>\n<p>Die logische Konsequenz dessen sind keine extra Kn\u00e4ste f\u00fcr Queers. Wir wollen keine Reformen, wir lehnen die Institution Knast an und f\u00fcr sich ab.<\/p>\n<p>Dass widerst\u00e4ndigen Praktiken versch\u00e4rft mit Repression begegnet wird, macht sich aktuell in Deutschland im \u00a7113 StGB (Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte) bemerkbar. Es sind nur kleine Gesetzes\u00e4nderungen, die gro\u00dfe Auswirkungen auf unser allt\u00e4gliches Leben haben.<\/p>\n<p>Solidarische Gr\u00fc\u00dfe an alle Gefangenen weltweit! Egal ob russische Anarchist_innen, kurdische Gefangene, Menschen in LGBTIQ-Kn\u00e4sten in der T\u00fcrkei oder Gefangene im Hungerstreik. Egal wo: Feuer allen Gef\u00e4ngnissen!<\/p>\n<p>Wir treffen uns um 22.30 Uhr zu w\u00e4rmendem Tee vor der Liebigstra\u00dfe 34. Um 23 Uhr gehen wir los, damit wir p\u00fcnktlich um 24 Uhr an der JVA f\u00fcr Frauen* in Lichtenberg sind, um unseren Freund*innen zu zeigen, dass sie da drinnen nicht allein sind.<\/p>\n<p>Die Demo wird angemeldet. Genauere Infos zur Route folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: indymedia Dieses Jahr starten wir am Dorfplatz in Friedrichshain vor der Liebig 34, einem separatistischen&nbsp; Hausprojekt, das sich ohne cis-M\u00e4nner organisiert. 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