{"id":6378,"date":"2018-12-13T22:51:24","date_gmt":"2018-12-13T21:51:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6378"},"modified":"2018-12-13T22:51:24","modified_gmt":"2018-12-13T21:51:24","slug":"deutschland-aufruf-an-alle-lohnarbeiterinnen-knastauftrage-sabotieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6378","title":{"rendered":"[Deutschland] Aufruf an alle Lohnarbeiter*innen &#8211; Knastauftr\u00e4ge sabotieren"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/ggboberlin.blackblogs.org\/aufruf-an-alle-lohnarbeiterinnen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gg\/bo soligruppe berlin<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=6001\" rel=\"attachment wp-att-6001\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6001\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4-300x76.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"76\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4-300x76.jpg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4-768x194.jpg 768w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-Titelbanner_Homepage_2018_v4.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Vor Kurzem lernten wir Alex kennen. Er arbeitet f\u00fcr ein Unternehmen, welches einen Auftrag f\u00fcr die JVA Pl\u00f6tzensee annehmen wollte. Alex war damit nicht einverstanden und wehrte sich gegen den Auftrag \u2013 mit Erfolg. Sein Unternehmen wird nun nicht f\u00fcr den Knast Pl\u00f6tzensee arbeiten und (durch Alex) wahrscheinlich auch in Zukunft keine Auftr\u00e4ge von Kn\u00e4sten annehmen. Die Art und Weise, wie Alex es erreichte, dass sein Unternehmen den Auftrag abgelehnte, hat uns als Soligruppe motiviert, lohnarbeitende Menschen zur Sabotage von Knast-Auftr\u00e4gen aufzurufen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aber fangen wir von vorne an:<\/p>\n<p>In Berliner Kn\u00e4sten sind Mitarbeiter*innen, welche sich technisch wie baulich mit den Anstalten besch\u00e4ftigen, beim \u201e<a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/lfg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Landesbetrieb f\u00fcr Geb\u00e4udebewirtschaftung<\/a>\u201c angestellt. F\u00fcr die Energieversorgung in den JVA\u2018s sind die \u201e<a href=\"https:\/\/berlinerstadtwerke.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berliner Stadtwerke<\/a>\u201c zust\u00e4ndig. F\u00fcr die Geb\u00e4ude in den JVA\u2018s ist das Berliner Immobilienmanagement GmbH (kurz \u201e<a href=\"https:\/\/www.bim-berlin.de\/unser-unternehmen\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BIM<\/a>\u201c) verantwortlich, wobei das Berliner Energiemanagement GmbH (kurz \u201e<a href=\"https:\/\/www.bim-berlin.de\/unser-unternehmen\/klimaschutz\/bem-berliner-energiemanagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BEM<\/a>\u201e) als Tochterunternehmen der \u201eBIM\u201c f\u00fcr die Dampfversorgung zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>In der JVA Pl\u00f6tzensee war die \u201e<a href=\"http:\/\/www.ig-w.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ingenieurgemeinschaft Wei\u00dfensee<\/a>\u201c f\u00fcr die Dampfversorgungsanlage zust\u00e4ndig, wobei sich die JVA beschwerte, dass diese nicht richtig funktioniere. Deswegen sollte die Anlage repariert werden. Weil die \u201eIngenieurgemeinschaft Wei\u00dfensee\u201c aber nicht mehr f\u00fcr die JVA Pl\u00f6tzensee arbeiten wollte, wurde die \u201e<a href=\"http:\/\/mutz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MUTZ GmbH\u201c<\/a> angefragt \u2013 f\u00fcr dieses Unternehmen arbeitet Alex. Die \u201eMUTZ Ingenieurgesellschaft mbH\u201c sollte nun also das Problem beheben, welches die \u201eIngenieurgemeinschaft Wei\u00dfensee\u201c laut der JVA verursacht hatte. Vor allem Alex sollte herausfinden, was die Ursache f\u00fcr die Probleme der Dampferzeuger sind, welche nicht mehr richtig arbeiteten und st\u00e4ndig Fehler verursachten.<\/p>\n<p><em>\u201eIch sollte herausfinden, weshalb die Dampferzeugung so schlecht funktioniert. Als ich von dem Auftrag h\u00f6rte, war ich zun\u00e4chst total \u00fcberfordert. Ich wusste, dass ich keine Lust habe, f\u00fcr einen Knast zu arbeiten, weil ich dadurch das Knastsystem ja nur noch effizienter machen w\u00fcrde. Ich selbst bezeichne mich als Gegner des derzeitigen Repressionsregimes. Knast ist ein Teil davon. Ich wollte diesen Auftrag also auf keinen Fall ausf\u00fchren und \u00fcberlegte mir dann, wie ich das verhindern kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Alex kontaktierte uns. Wir sprachen \u00fcber die M\u00f6glichkeiten des Widerstands \u2013 er entschied sich daf\u00fcr, mit seinen Mitarbeiter*innen, einschlie\u00dflich des Chefs, reden zu wollen, mit der Hoffnung, sie \u00fcberzeugen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>\u201eMit meiner Argumentation habe ich ganz simpel angefangen. Erstmal habe ich erkl\u00e4rt, warum die Ersatzfreiheitsstrafe ein Unding ist.<a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/justizvollzug\/service\/zahlen-und-fakten\/belegungsstatistik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> In der JVA Pl\u00f6tzensee sind ja viele Gefangene, welche eine solche Strafe absitzen m\u00fcssen<\/a>. Also Gefangene, welche ihre Geldstrafe nicht zahlen konnten und deswegen eine bestimmte Zeit ins Gef\u00e4ngnis m\u00fcssen. Ich habe klar gemacht, dass es nicht sein kann, dass Menschen in den Knast einwandern, nur weil sie kein Geld haben. Da haben mir alle Mitarbeiter*innen, auch mein Chef, zugestimmt. Dann dachte ich, dass ich einen Schritt weitergehen kann und habe erkl\u00e4rt, warum ich generell gegen Kn\u00e4ste bzw. f\u00fcr eine Welt ohne Kn\u00e4ste bin. Das war schon schwieriger, weil dabei ja meine Ablehnung zum Kapitalismus und zum Staat miteinbezogen werden musste. Das hat dann auch eine ganz sch\u00f6n heftige Diskussion unter einigen Mitarbeiter*innen ausgel\u00f6st. Wir haben dar\u00fcber diskutiert, inwiefern Knast mit Kapital und Staat zusammenh\u00e4ngt, wieso mensch generell gegen Kapital und Staat sein sollte und warum der Kampf gegen Kn\u00e4ste in dem Zusammenhang so wichtig ist. Wir haben viel dar\u00fcber gesprochen, dass es oft nicht \u201akriminelle Menschen\u2018 sind, die in Kn\u00e4sten sitzen, sondern Menschen, welche kriminalisiert werden. Die JVA Pl\u00f6tzensee war mit den vielen Gefangenen, welche nur einsitzen, weil sie die Geldstrafe nicht zahlen konnten, ein gutes Beispiel. Anhand dessen wurde eine allgemeine Debatte \u00fcber die sogenannte Klassenjustiz ausgel\u00f6st. Wir haben viel dar\u00fcber gesprochen, dass immer die Menschen, die keine (finanziellen) Mittel haben, weggesperrt und damit kriminalisiert werden \u2013 also vor allem arme Menschen f\u00fcr ihre Armut bestraft werden. Wir haben auch \u00fcber die wirtschaftliche Sinnlosigkeit gesprochen, also dass Menschen eigentlich eine Geldstrafe zahlen sollten, nun aber dem Staat durch ihre Knastzeit Geld kosten. Die Argumentationen gegen Kn\u00e4ste waren also vielf\u00e4ltig. Von Bestrafung der Armen (Klassenjustiz) , \u00fcber wirtschaftliche Faktoren bis hin zu gesamten Systemanalysen und der damit verbundenen Kritik haben wir alles diskutiert. Wir haben auch \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.transformativejustice.eu\/de\/was-sind-community-accountability-kollektive-verantwortungsuebernahme-transformative-justice-transformative-gerechtigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transformative Justice<\/a>, also einer Alternative zu Kn\u00e4sten, gesprochen. In dem Zusammenhang wurden unsere Diskussionen oft philosophisch, allerdings haben wir viele M\u00f6glichkeiten gefunden, wie auf Konflikte reagiert werden kann \u2013 ohne Knast. Nach vielen langen Diskussionen waren sich mehrere Mitarbeiter*innen einig: Knast ist schei\u00dfe, das wollen wir durch unsere Arbeit nicht unterst\u00fctzen. H\u00e4tten wir den Auftrag angenommen, h\u00e4tten wir das Knastsystem noch effizienter gemacht, bzw. mindestens zur Aufrechterhaltung des Knastsystems beigetragen. Das wollte nach den vielen Diskussionen schlussendlich niemand mehr. Einige Mitarbeiter*innen sagten letzten Endes sogar, dass die wahren Verbrecher*innen die Bosse von Gro\u00dfunternehmen, der Staat und die ausf\u00fchrenden Organe, wie die Polizei, sind. Diese Erkenntnis hat der Leiter der W\u00e4scherei in der JVA Pl\u00f6tzensee symbolisch auch noch einmal best\u00e4tigt. Einmal mussten wir ihn in seinem B\u00fcro, welches sich auf dem Gel\u00e4nde der JVA befindet, besuchen. Generell war er ein totaler Klugschei\u00dfer. Als ich dann aber auch sein B\u00fcro betrat und eine Karte vom preu\u00dfischen K\u00f6nigreich und ein Bild von preu\u00dfischen K\u00f6nigen direkt \u00fcber seinem Schreibtisch h\u00e4ngen sah, bekr\u00e4ftigte mich das in meiner Analyse von vor ein paar Tagen, dass vor allem Bosse von Unternehmen und ausf\u00fchrende Organe vom Staat (was er ja durch seine Arbeit im Knast und als Leiter der W\u00e4scherei beides ist) die waren Verbrecher*innen sind. Nat\u00fcrlich kann ich nicht sagen, dass die gesamte Belegschaft nun eine Anti-Knast Haltung hat. Aber einige haben wirklich, aufgrund der gef\u00fchrten Diskussionen, viel nachgedacht und sind schlussendlich zum Ergebnis gekommen, dass wir mit unserem Auftrag zur Erhaltung des Knastsystems beitragen und damit mitverantwortlich sind, wenn mal wieder Menschen weggesperrt werden, die (finanziell) an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngt wurden und werden. Hinzu kam, dass ich pers\u00f6nlich nicht erkannte, weswegen die Dampfanlage und die Dampfqualit\u00e4t so schlecht ist \u2013 allerdings war es ja meine Aufgabe, dass Problem zu erkennen. Ich redete also mit meinen Kolleg*innen und meinem Chef \u2013 und dieser lehnte dann den Auftrag ab.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, sich gegen Kn\u00e4ste zu wehren. Als Soligruppe der GG\/BO unterst\u00fctzen wir den Kampf von innen heraus. Gefangene wehren sich kollektiv gegen Arbeits- und Lebensbedingungen hinter Gittern, als Unterst\u00fctzer*innen versuchen wir, f\u00fcr diese K\u00e4mpfe eine \u00d6ffentlichkeit zu schaffen. Aber auch Menschen \u201edrau\u00dfen\u201c, welche nicht organisiert mit Gefangenen zusammen k\u00e4mpfen, k\u00f6nnen sich t\u00e4glich gegen Kn\u00e4ste wehren. Ex- und interne Auftr\u00e4ge f\u00fcr oder von Kn\u00e4sten k\u00f6nnen sabotiert oder gest\u00f6rt werden, die Funktion von Kn\u00e4sten kann in der breiten Gesellschaft diskutiert werden, lohnarbeitende Menschen k\u00f6nnen Auftr\u00e4ge, welche zur Aufrechterhaltung des aktuellen Status quo beitragen, verweigern usw.<\/p>\n<p>Alex hat eine M\u00f6glichkeit aufgezeigt, wie wir gemeinsam unser Selbstbewusstsein gegen Kn\u00e4ste st\u00e4rken, wie wir andere motivieren k\u00f6nnen, sich gegen Kn\u00e4ste zu wehren und so Schritt f\u00fcr Schritt eine breite Basis aufbauen k\u00f6nnen, die gemeinsam f\u00fcr eine bessere Welt ohne Kn\u00e4ste k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Mit dem Lebens-, Wohn- und Arbeitsumfeld in Kontakt treten, Diskussionen anregen und Standpunkte klar zu benennen hat in diesem Fall Wirkung gezeigt. Das ist nat\u00fcrlich keine Garantie f\u00fcr jede Diskussion. Aber es zeigt auf, dass es mehr als n\u00f6tig ist, in die Gesellschaft zu treten und unsere Haltungen verst\u00e4ndlich zu kommunizieren.<\/p>\n<p><strong>Wir rufen alle lohnarbeitenden Menschen, welche f\u00fcr Kn\u00e4ste arbeiten sollen, dazu auf, Auftr\u00e4ge zu verhindern! <\/strong><\/p>\n<p><strong>Diskutiert in eurer Belegschaft, stellt euch quer! <\/strong><\/p>\n<p><strong>Lasst uns zusammen mit verschiedenen Mitteln gegen Kn\u00e4ste k\u00e4mpfen \u2013 fangen wir in unseren allt\u00e4glichen Leben damit an!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: gg\/bo soligruppe berlin Vor Kurzem lernten wir Alex kennen. Er arbeitet f\u00fcr ein Unternehmen, welches einen Auftrag f\u00fcr die JVA Pl\u00f6tzensee annehmen wollte. Alex war damit nicht einverstanden und wehrte sich gegen den Auftrag \u2013 mit Erfolg. 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