{"id":6145,"date":"2018-11-10T14:29:45","date_gmt":"2018-11-10T13:29:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6145"},"modified":"2018-11-10T14:29:45","modified_gmt":"2018-11-10T13:29:45","slug":"russland-bombenanschlag-und-aktionen-der-spezialeineheiten-gegen-anarchisten-aufruf-zur-solidaritat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=6145","title":{"rendered":"[Russland] Bombenanschlag und Aktionen der Spezialeineheiten gegen Anarchisten. Aufruf zur Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/25825\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">indymedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=4298\" rel=\"attachment wp-att-4298\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-4298\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/state-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Die Geheimdienste in Russland bereiten sich aktuell darauf vor, die anarchistische Bewegung zu zerschlagen. Hintergrund ist der Bombenanschlag von jungen Anarchisten.<\/p>\n<p>Am Morgen des 31. Oktober sprengte sich der 17-j\u00e4hrige Anarchist Mikhail Zhlobitsky vor dem Geb\u00e4ude des FSB in die Luft. Er postete vor der Explosion Nachrichten in den sozialen Medien (VKontakte) und in der Telegram-Chatgruppe &#8222;Speeches of the Rebel&#8220; (t.me\/rebeltalk). In diesen Nachrichten warnte er vor der Aktion und benannte die Gr\u00fcnde: Propaganda der Tat und Rache f\u00fcr die Folter und Repression des FSB (Russischer Geheimdienst) gegen Anarchist*innen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am zweiten November wurde ein angeblicher Gef\u00e4hrte von Mikhail von Spezialeinheiten in Moskau festgenommen. Der Geheimdienst beschuldigt den 14-j\u00e4hrigen Kirill Kuzminkin der Vorbereitung eines Bombenanschlags auf einen Neonaziaufmarsch. Kiril bestreitet die Anschuldigungen. Die Polizei behauptet, dass in seinem Haus Materialien zur Herstellung von Sprengstoff gefunden wurden. Kirills Vater meint, dass es sich um Materialien zur Herstellungen von Feuerwerk handelt und die Spezialeinheiten versuchen den Teenager als Terroristen darzustellen.<\/p>\n<p>Zur selben Zeit verh\u00f6rten Polizei und Geheimdienste landesweit Anarchist*innen, Sozialisten*innen, Antifaschist*innen und sogar Liberale.<\/p>\n<p>Es gab massive Ermittlungen gegen Nutzer*innen von &#8222;Narodnaya Samooborona&#8220; (Selbstverteidigung des Volkes), der gr\u00f6\u00dften russischen anarchistischen Plattform, und der Telegram Chatgruppe &#8222;Speeches of the Rebel&#8220; in der Mikhail Zhlobitsky die Nachricht \u00fcber seine bevorstehende Aktion gegen den FSB gepostet hatte. So wurden beispielsweise in Krasnodar rund hundert Personen zu Verh\u00f6ren bei der Polizei vorgeladen. Sie wurden zu ihrer Einstellung zu &#8222;Narodnaya Samooborona&#8220; und der Aktion von Zhlobitsky befragt. Es wurde berichtet, dass die Polizei und der Geheimdienst plant, alle 26.000 Nutzer*innen von der Social Media Gruppe &#8222;Narodnaya Samooborona&#8220; zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Als Ergebnis der Polizeioperation wurden bereits neue Ermittlungsverfahren gegen Anarchist*innen er\u00f6ffnet. Am 4. November wurde der Anarchist Vyacheslav Lukinev in Kaliningrad inhaftiert. Er war in der anarchistischen Bewegung f\u00fcr seine Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Tierrechte und Antifaschismus bekannt. Vyacheslav wird beschuldigt, \u00f6ffentlich Terrorismus gerechtfertigt zu haben, indem er mit einem Post auf dem &#8222;Prometheus&#8220; Telegram-Kanal (t.me\/class_war) Mikhail Zhlobitskys Nachricht verbreitete. Ungeachtet dessen, dass diese Nachricht von unz\u00e4hligen Massenmedien im Land verbreitet wurde, erwarten ihn nun bis zu sieben Jahre Haft.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist offensichtlich, dass diese selektive &#8222;Justiz&#8220; mit der anarchistischen Einstellung von Vyacheslav und dem Hass der Spezialkr\u00e4fte auf Anarchist*innen und &#8222;Prometheus&#8220; zu tun hat. Der FSB versuchte zun\u00e4chst Vyacheslavs Partnerin f\u00fcr dieses &#8222;Verbrechen&#8220; anzuklagen. Danach hat er die Schuld daf\u00fcr \u00fcbernommen, um sie zu sch\u00fctzen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt viele Gr\u00fcnde zu bef\u00fcrchten, dass diese Festnahmen nur der Beginn einer neuen gro\u00dfen Repressionswelle gegen russische Anarchist*innen ist.<\/p>\n<p>Im Februar und M\u00e4rz diesen Jahres begann der FSB mit seiner Repression gegen &#8222;Narodnaya Samooborona&#8220;.<\/p>\n<p>Im Februar wurden in Chelyabinsk einige Anarchist*innen verhaftet. Sie werden verd\u00e4chtigt, ein Banner mit dem Spruch &#8222;Das FSB ist der wahre Terrorist&#8220; aufgeh\u00e4ngt zu haben. Sie wurden von Spezialeinheiten des Geheimdienstes festgenommen und mit Folter zu einem Gest\u00e4ndnis gezwungen, die Aktion durchgef\u00fchrt zu haben. Der FSB beschuldigt sie, eine lokale Zelle der &#8222;Narodnaya Samooborona&#8220;zu sein. Ziel ist es, die anarchistische Bewegung als extremistisch darzustellen um damit ein neues, gro\u00dfes Verfahren gegen Anarchist*innen zu beginnen.<\/p>\n<p>Im Februar wurde eine Reihe von Anarchist*innen festgenommen, denen ein Angriff auf Geb\u00e4ude der &#8222;Edinaya Rossiya&#8220;, der aktuell regierenden Partei, vorgeworfen wird. Im M\u00e4rz, genau am Tag der Pr\u00e4sidentschaftswahlen, wurde vom Geheimdienst und der politischen Polizei eine Reihe von Hausdurchsuchungen bei Anarchist*innen durchgef\u00fchrt. Einer der Betroffenen, Svyatoslav Rechkalov, der verd\u00e4chtigt wird Administrator von &#8222;Narodnaya Samooborona&#8220; zu sein, wurde mit Elektroschocks gefoltert. Dabei sollte er sich als &#8222;Anf\u00fchrer der Anarchist*innen&#8220; identifizieren, als Organisator von &#8222;Narodnaya Samooborona&#8220; und aller anarchistischen Kampagnen der letzten Zeit in Russland. W\u00e4hrend der Folter wurde ihm offen gesagt, die Repressionswelle f\u00e4nde aufgrund der verst\u00e4rkten Aktivit\u00e4ten anarchistischer Gruppen in letzter Zeit statt<\/p>\n<p>Das war jedoch bei Weitem nicht die einzige repressive Handlung gegen russische Anarchist*innen dieses Jahr. Fr\u00fcher dieses Jahr gab es eine Aktion des FSB aufgrund von Ermittlungen gegen eine vermutete anarchistische Vereinigung in Penza und St. Petersburg, mit dem Namen &#8222;das Netzwerk&#8220;. Auch hier wurden die Betroffenen gefoltert.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Im Februar und M\u00e4rz diesen Jahres gab es auch auf der annektierten Krim-Halbinsel Hausdurchsuchungen. Auch dort gab es Folter. Einer der Betroffenen, Evgeny Karakashev, befindet sich noch immer wegen Terrorismus-Vorw\u00fcrfen im Knast. Ein anderer anarchistischer Aktivist aus der Krim, Alexander Kolchenko, wurde f\u00fcr eine Aktion gemeinsam mit dem Filmemacher Oleg Sentsov, zu zehn Jahren Haft verurteilt.<\/p>\n<p>Auch der langj\u00e4hrige anarchistische Aktivist Ilya Romanov wurde wegen eines strafrechtlichen Vorwurfs verurteilt. Romanov startete seine anarchistischen Aktivit\u00e4ten noch in der UDSSR und wurde mehrmals zu Haftstrafen verurteilt. Aktuell befindet er sich f\u00fcr mehrere Jahre hinter Gittern wegen einer Explosion, die der FSB zu einer terroristischen Attacke aufgeblasen hat. Romanov erkl\u00e4rt, dass im Gef\u00e4ngniscamp, in dem er festgehalten wird, schon weitere Vorw\u00fcrfe gegen ihn konstruiert werden. Die Gef\u00e4ngnisadministration er\u00f6ffnete einen facebook-Account unter Romanovs Namen und ver\u00f6ffentlichte dort ein IS-Rekrutierungsvideo. Das reichte aus, um eine weitere Haftstrafe zu bekommen.<\/p>\n<p>In Chelyabinsk wurde gegen f\u00fcnf Anarchist*innen ein Verfahren er\u00f6ffnet. Ihnen werden Graffitis gegen die Pensionsreform vorgeworfen.<\/p>\n<p>In Irtkutsk l\u00e4uft der Prozess gegen den Anarchisten Dmitry Litvin weiter. Er ist wegen der \u201eHerabw\u00fcrdigung und Verspottung religi\u00f6ser Lehren\u201c angeklagt, da er in sozialen Netzwerken ein Foto gepostet haben soll, auf dem ein Mittelfinger mit einer Kirche im Hintergrund zu sehen ist. Letztes Jahr hat es wegen dieses Posts Razzien in Irtkutsk gegeben, bei denen Wohnungen von Anarchist*innen von Spezialeinheiten gest\u00fcrmt wurden.<\/p>\n<p>Aufgrund all dieser Repressionen und des Staatsterrors wird sich die Generation j\u00fcngerer Anarchist*innen dar\u00fcber bewusst, dass es keinen Unterschied zwischen bewaffnetem Kampf und legalem Protest gibt \u2013 du wirst so oder so Terrorist*in genannt und gefoltert.<\/p>\n<p>Das alles bringt junge Anarchist*innen dazu Bomben zu legen. Leider sind wir als Bewegung extrem gespalten, auch wenn es um die Unterst\u00fctzung untereinander bei Repression geht. Viele Anarchist*innen haben kaum gez\u00f6gert, sich von den jungen Gef\u00e4hrten abzugrenzen und zu versichern, dass diese keine Verbindungen zur anarchistischen Szene hatten. Die vorhergehende Repression gegen die anarchistische Bewegung wird ebenso ignoriert. Die unrechtm\u00e4\u00dfige Verfolgung von Anarchist*innen ist offensichtlich. Trotzdem werden die Informationen dar\u00fcber wegen pers\u00f6nlicher Antipathien oder Ger\u00fcchten zunehmend ignoriert.<\/p>\n<p>Wir rufen auf zur Solidarit\u00e4t mit allen von Repression betroffenen Anarchist*innen, in Penza, St. Petersburg, Moskau, Chelyabinsk, Kaliningrad, Irkutsk und der Krim. Die Entwicklung Russlands zu einer terroristischen Diktatur zwingt junge Anarchist*innen dazu, zu den Bomben zu greifen.<\/p>\n<p>Unser Kontakt: <a href=\"mailto:media_ns@riseup.net\">media_ns@riseup.net<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: indymedia Die Geheimdienste in Russland bereiten sich aktuell darauf vor, die anarchistische Bewegung zu zerschlagen. Hintergrund ist der Bombenanschlag von jungen Anarchisten. Am Morgen des 31. Oktober sprengte sich der 17-j\u00e4hrige Anarchist Mikhail Zhlobitsky vor dem Geb\u00e4ude des FSB in die Luft. 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