{"id":5607,"date":"2018-09-07T20:52:33","date_gmt":"2018-09-07T18:52:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=5607"},"modified":"2018-09-07T20:52:33","modified_gmt":"2018-09-07T18:52:33","slug":"deutschland-wissenswertes-zum-thema-dna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=5607","title":{"rendered":"[Deutschland] Wissenswertes zum Thema DNA"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/verfahrengebiet.noblogs.org\/post\/2018\/09\/04\/wissenswertes-zum-thema-dna\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verfahrengebiet<\/a><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=1488\" rel=\"attachment wp-att-1488\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1488\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/70342-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>In den letzten Monaten ist einiges \u00fcber die Bem\u00fchungen verschiedener Polizeibeh\u00f6rden bekannt geworden, m\u00f6glichst umfangreich DNA von Tatverd\u00e4chtigen und anderen Personen zu erlangen. Hier ist eine kurze Zusammenfassung der technischen Einzelheiten zu diesem Thema.<\/p>\n<p>Es gibt DNA-Personen-Profile und DNA-Spuren-Profile: DNA-Profile aus \u00bbSpuren\u00ab werden aus Zellmaterial gewonnen, das an Tatorten oder Asservaten gefunden wurde oder auch von \u00bbZeugInnen\u00ab genommen wurde (z.B. Hautabsch\u00fcrfungen nach einem Kampf). Personenprofile dienen zum Vergleich mit Spurenprofilen oder auch zum Abgleich mit anderen Personenprofilen bei der Kl\u00e4rung der Abstammung. Spurenprofile dienen dem Abgleich mit Personen-Profilen oder auch mit anderen Spurenprofilen zum Aufstellen von \u00bbSpur-Spur-Serien\u00ab.<\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Es gibt verschiedene Zugriffsm\u00f6glichkeiten, wie die Polizei an K\u00f6rperzellen f\u00fcr die Analyse pers\u00f6nlicher DNA-Profile kommen kann oder k\u00f6nnte: Durch eine Speichelprobe oder durch eine Blutprobe, durch Materialien aus verdeckter Observation (etwa aufgesammelte Kippen) und deren Analyse, durch das Konfiszieren von K\u00f6rpermaterialien oder Gewebeanalysen aus Biobanken.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung von DNA-Analyse-Methoden in den 1980er Jahren hat die Polizeiarbeit und sogar das Rechtssystem grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndert. Wichtig daf\u00fcr sind folgende Besonderheiten: Alle Menschen hinterlassen st\u00e4ndig und \u00fcberall DNA-Spuren in forensisch nutzbaren Mengen. Die Spuren sind langlebig. Und: Sie enthalten potenziell umfangreiche Informationen \u00fcber den oder die VerursacherIn. Alle K\u00f6rperzellen enthalten DNA (DNA \u2013 desoxyribonucleic acid \u2013 oder auf Deutsch: Desoxyribonukleins\u00e4ure, deswegen manchmal auch DNS abgek\u00fcrzt). Aus Polizeisicht besonders spannend sind Zigarettenkippen, Taschent\u00fccher, Gl\u00e4ser, aber auch angefasste Gegenst\u00e4nde oder Papier. Auch im Urin und Stuhl, in Sperma und Vaginalsekret sowie selbstverst\u00e4ndlich im Blut findet sich nutzbare DNA. Bei Haaren ist es etwas komplizierter: Einfach so ausgefallene Haare enthalten meist keine Zellkern-DNA. Nur ausgerissene Haare mit Haarwurzel erlauben die normale DNA-Profil-Analyse.<\/p>\n<p><b>Die Erstellung des DNA-Profils<\/b><\/p>\n<p>Dass nur winzigste Spuren zur Erstellung von DNA-Profilen reichen, liegt wesentlich an einer Technik mit Namen PCR (Polymerasekettenreaktion), die Anfang der 1980er Jahre erfunden wurde. Die PCR erm\u00f6glicht es, mit spezifischen Muster-DNAs (so genannten Primern) aus dem langen DNA-Doppel-Strang an bestimmten Stellen kleine Teilst\u00fccke herauszuschneiden und zu vervielfachen, um sie zu analysieren.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser als \u00bbnicht-kodierend\u00ab bezeichneten DNA gibt es Zonen, in denen eine Abfolge von Basenkombinationen einige oder viele Male wiederholt wird \u2013 im Jargon hei\u00dft dies Short Tandem Repeat oder STR. Im deutschen Rechtsargon wird ein bestimmtes STR auch \u00bbMerkmalsystem\u00ab genannt. Einige der STR sind zwischen verschiedenen Menschen ziemlich variabel. Es finden sich also ganz verschiedene Wiederholungszahlen in einer Bev\u00f6lkerung, was es erm\u00f6glicht, Menschen nach diesen STR-Varianten zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Wissenschaft und Industrie haben den STR Namen wie FGA, TH01 oder D3S1358 gegeben. Ein DNA-Profil besteht aus zwei Zahlen hinter dem spezifischen STR (also z.B.: FGA: 20, 23; TH01: 6,9), die die H\u00e4ufigkeit der Wiederholung (auf beiden Seiten des DNA-Doppelstrangs) angeben. Das BKA l\u00e4sst zurzeit mindestens 13 solcher STR bestimmen, meist sind es wegen derzeitig verf\u00fcgbarer Testkits sogar 16 (bis vor kurzem waren es noch 8, so dass viele schon gespeicherte DNA-Profile aus weniger Angaben bestehen). Andere L\u00e4nder \u2013 der Quasi-Standard CODIS wird von den USA gesetzt \u2013 bevorzugen mehr oder weniger, oder auch andere STR. Das h\u00e4ngt auch davon ab, welche Biotech-Firmen national das Rennen gemacht haben.<\/p>\n<p><b>Anwendungsbereiche der DNA-Profile<\/b><\/p>\n<p>Wahrscheinlichkeitsaussagen zur Identit\u00e4tsfeststellung: Die wichtigste Anwendung der DNA-Profile ist die Identit\u00e4tsfeststellung: Stimmen die 26 Zahlen (je 2 f\u00fcr 13 STR) \u00fcberein, handelt es sich bei den verglichenen Profilen h\u00f6chstwahrscheinlich um DNA derselben Person oder auch ihres eineiigen Zwillings. Oder aber es ist Zufall: Letzteres schlie\u00dfen die Beh\u00f6rden gerne kategorisch aus und erw\u00e4hnen zum Beweis die Berechnungen der \u00bbBiostatistik\u00ab.<\/p>\n<p>Die Argumentation ist, dass es z.B. bei f\u00fcnf m\u00f6glichen gleichh\u00e4ufig vorkommenden Wiederholungswerten f\u00fcr jeden STR bei 13 analysierten STR \u00fcber 1.000 Billiarden m\u00f6gliche Kombinationen gibt. In der Realit\u00e4t sind die Verh\u00e4ltnisse aber weitaus komplizierter, weil bestimmte Wiederholungsmuster eines STR und auch bestimmte Kombinationen zwischen verschiedenen STR h\u00e4ufiger vorkommen als andere. Zu hinterfragen sind insbesondere die Vergleichsbev\u00f6lkerungen, aus denen die H\u00e4ufigkeiten bestimmter Wiederholungsmuster der STR ermittelt werden und die als Grundlage der biostatistischen Berechnungen gelten. Insofern sind die Wahrscheinlichkeitsberechnungen, die die Beh\u00f6rden behaupten, mit gr\u00f6\u00dfter Vorsicht zu genie\u00dfen \u2013 und unter Umst\u00e4nden von einem unabh\u00e4ngigen Gutachten zu hinterfragen. Zudem geht es in vielen Verfahren nicht um vollst\u00e4ndige DNA-Profile, sondern nur um so genannte partielle oder Teilprofile, d.h. nicht alle STR konnten aus der Spur ermittelt werden. Dann sind die statistischen Wahrscheinlichkeitsaussagen oftmals wesentlich weniger beeindruckend.<\/p>\n<p><b>Andere M\u00f6glichkeiten, an die DNA einer Person zu kommen<\/b><\/p>\n<p>Konfiszierte polizeiliche Proben<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit der Polizei, an Euer DNA-Profil zu kommen, ist, dass die Polizei schon vorhandene polizeiliche K\u00f6rperzellen-Proben analysiert. Bekannt wurde etwa j\u00fcngst das Konfiszieren einer Alkoholblutprobe aus einer Verkehrskontrolle und deren molekulargenetische Untersuchung. Das d\u00fcrfen sie, wenn sie daf\u00fcr eine richterliche Anordnung nach \u00a781a und \u00a781e\/f bekommen haben. Wenn das Profil gespeichert werden soll, muss ein Gerichtsbeschluss nach \u00a781g vorliegen.<\/p>\n<p>Verdeckte Ermittlungen<\/p>\n<p>Auch bei verdeckten Ermittlungen sammelt die Polizei DNA-Proben: In dem Verfahren zum Aachen Bankraub wurde aktenkundig und vielfach schon beobachtet: Die ErmittlerInnen sammeln Kippen, Aufkleber, Gl\u00e4ser oder weggeworfenes Papier ein, um bei verdeckten Observationen DNA-Personenprofile zu erstellen. Ob sie das d\u00fcrfen, ist rechtlich umstritten: Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs etwa wies 2008 den Antrag der Staatsanwaltschaft auf verdeckte Ermittlungen zur DNA-Gewinnung zur\u00fcck und argumentierte, der Paragraph \u00a781a erlaube nur die \u00bboffene\u00ab Entnahme. 2007 entschied der Bundesgerichtshof demgegen\u00fcber, dies sei rechtm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>Es ist erfolgversprechend, Rechtsmittel dagegen einzulegen, wenn solche DNA-Profile aus verdeckten Ermittlungen in Ermittlungs- oder Strafverfahren verwendet werden. Dennoch: In bestimmten Zeiten, Situationen, bei bestimmten Aktivit\u00e4ten oder bei bestimmten Demonstrationen etc. ist es besser, keine Kippen oder Papier wegzuwerfen.<\/p>\n<p><b>OpSec zur informationellen Selbstbestimmung<\/b><\/p>\n<p>OpSec ist Milit\u00e4r- und Geheimdienstjargon f\u00fcr \u00bbOperational Security\u00ab und bezeichnet Techniken, die verhindern sollen, dass deren Leute w\u00e4hrend oder nach einer \u00bbOperation\u00ab erwischt werden. Dass wir bei Fragen wie der Wahrnehmung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit oder bei kleinen Akten zivilen Ungehorsams \u00fcberhaupt \u00fcber so etwas reden m\u00fcssen, ist ein klares Indiz daf\u00fcr, wie weit sich der staatliche Sicherheits- und Sammelwahn schon entwickelt hat. Kraft, die auf ein Zur\u00fcckdr\u00e4ngen des Sicherheitsapparats verwendet wird, ist in aller Regel besser investiert als ein Wettr\u00fcsten mit staatlichen Stellen auf dem Gebiet der Technik.<\/p>\n<p>Dennoch ist nat\u00fcrlich nichts verkehrt an Versuchen, den Sicherheitsbeh\u00f6rden nicht unn\u00f6tig viel Material in die H\u00e4nde zu geben und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung in die Tat umzusetzen. Um das Legen beil\u00e4ufiger Spuren zu verhindern oder zumindest deutlich einzuschr\u00e4nken, ist es n\u00f6tig, neue Handschuhe, Mundschutz, Haarnetz oder noch besser geschlossene Kopfbedeckung (z.B. Badekappe) und gewaschene Klamotten mit langen \u00c4rmeln und Hosenbeinen zu tragen.<\/p>\n<p>Allerdings hinterlassen normalerweise auch alle anderen Menschen Spuren, so dass an halbwegs \u00f6ffentlichen Orten die Polizei ein einfaches Zusammenfegen von Mischdreck nicht weiterbringen wird \u2013 und auch h\u00e4ufig angefasste Dinge f\u00fchren manchmal zu Mischspuren, die nicht ausgewertet werden k\u00f6nnen. Sich darauf zu verlassen, ist allerdings gef\u00e4hrlich: In manchen Ermittlungsverfahren werden aufwendige Analysen betrieben, und wenn Eure DNA auch unter vielen anderen gefunden wird, ist sie nun einmal da. Eine zentrale Herausforderung f\u00fcr die DNA-Forensik ist, Spuren zu finden, die mit der verfolgten \u00dcbertretung in Zusammenhang stehen. Der Polizei in die H\u00e4nde spielt, dass Kleiderfasern, auf die die Spurensicherungen dieses Planeten seit Jahrzehnten programmiert sind, fast regelm\u00e4\u00dfig verwertbare DNA der Tr\u00e4gerIn der Kleider zeigen. Auch Orte an denen gepinkelt wurde, k\u00f6nnen f\u00fcr die ErmittlerInnen von Interesse sein. Von legend\u00e4rer Popularit\u00e4t sind auch Zigarettenkippen oder Speichelreste an Briefmarken und Briefumschl\u00e4gen. Die \u00e4hnlich legend\u00e4ren Haare sind allerdings weniger geeignet, wenn sie keine Wurzel mehr enthalten. Nicht hilfreich zur Verwirrung der Polizei, sind \u00fcbrigens nicht- menschliche Zellen \u2013 die zur Analyse verwandten Primer, um einzelne DNA-Sequenzen zu isolieren, sind sehr artspezifisch. Es ist aber umgekehrt so, dass Haare eines bestimmten Hundes identifiziert werden k\u00f6nnen und der Polizei Hinweise geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In vielen Filmen gesehen, ist das Wegwischen von (\u00bbnormalen\u00ab) Fingerabdr\u00fccken. F\u00fcr die DNA ist das aber ungleich schwieriger. DNA-Spuren lassen sich durch Wischen und Desinfizieren allerh\u00f6chstens auf sehr glatten Oberfl\u00e4chen entfernen, und auch nur dann, wenn es keine Ritzen o.\u00e4. gibt. Werkzeug hingegen, Papier, Textilien oder sonstige Gegenst\u00e4nde mit rauhen Oberfl\u00e4chen sind auf diese Weise praktisch nicht zu reinigen, weder von menschlicher, noch tierischer, noch pflanzlicher DNA (auch diese DNA kann relevant sein, etwa, wenn an einer Gartenschere gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzenreste gefunden werden).<\/p>\n<p>DNA ist ein erstaunlich stabiles Molek\u00fcl. Daher ist auch eine chemische Entfernung von DNA-Spuren schwierig, zumal nicht ausreicht, was zur Sterilisation taugen mag (etwa einfaches Erhitzen oder Alkohol). Ihr m\u00fcsst die STRs zertr\u00fcmmern, und die sind klein. Was erfahrungsgem\u00e4\u00df ganz gut wirkt, ist Natriumhypochlorit, das aber nicht so leicht zu beschaffen ist. Eine Alternative sind Bleiche oder aggressive Putzmittel, in denen Natriumhypochlorit enthalten ist (siehe Inhaltsstoffe und Gebrauchsanweisung beachten). Handelsnamen sind etwa Dan Klorix oder Schimmelentferner mit Aktivchlor oder Clorox (amerikanisches Produkt). Hypochlorit ist nicht sehr stabil, daher empfiehlt es sich, immer eine neue Flasche zu benutzen. Es stinkt ziemlich, eben nach Chlor, und ist aggressiv gegen\u00fcber vielen Materialien, deswegen glatte und daf\u00fcr unempfindliche Arbeitsfl\u00e4chen benutzen wie eine Badewanne, intakte Gummihandschuhe und eventuell auch eine einfache Schutzbrille tragen.<\/p>\n<p>Vorsicht beim Umgang! Nicht mit anderen Reinigern zusammen nutzen. Und darauf achten, dass Ihr in alle Rillen und Ritzen damit vordringt. Es gibt im Laborfachhandel auch sonstige Produkte zum Zerst\u00f6ren von DNA wie DNA-Exitusplus oder DNA-ZAP (life technologies). Nach ver\u00f6ffentlichten Studien ist letzteres aber nicht effektiver als zehnprozentige Bleiche. Salzs\u00e4urebasierte Reiniger wirken dagegen schlechter. Erhitzen \u00fcber einige Zeit bei 250 Grad Celsius etwa von Metallgegenst\u00e4nden im Backofen zerst\u00f6rt die DNA ebenfalls. Was nicht mehr gebraucht wird, ist am sichersten durch Verbrennen zu vernichten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: verfahrengebiet In den letzten Monaten ist einiges \u00fcber die Bem\u00fchungen verschiedener Polizeibeh\u00f6rden bekannt geworden, m\u00f6glichst umfangreich DNA von Tatverd\u00e4chtigen und anderen Personen zu erlangen. Hier ist eine kurze Zusammenfassung der technischen Einzelheiten zu diesem Thema. 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