{"id":5211,"date":"2018-08-05T12:48:55","date_gmt":"2018-08-05T10:48:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=5211"},"modified":"2018-08-05T12:48:55","modified_gmt":"2018-08-05T10:48:55","slug":"deutschland-text-von-lisa-moderne-sklaverei-in-der-jva-willich-und-im-allgemeinen-in-deutschen-knasten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=5211","title":{"rendered":"[Deutschland] Text von Lisa: &#8222;Moderne Sklaverei in der JVA Willich und im allgemeinen in deutschen Kn\u00e4sten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/panopticon.blogsport.eu\/2018\/08\/04\/moderne-sklaverei-in-der-jva-willich-und-im-allgemeinen-in-deutschen-knaesten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">panopticon<\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=5212\" rel=\"attachment wp-att-5212\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5212\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/6239-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/6239-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/6239-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/6239.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Was unterscheidet ein Arbeitszwangslager des letzten Jahrhunderts von einer gew\u00f6hnlichen Justizvollzugsanstalt in Deutschland heute?<\/strong><\/p>\n<p>Ehrlich gesagt sehr wenig. Vielleicht wird heutzutage weniger physisch geschlagen und gefoltert als damals, aber die Logik und das System der Bestrafung, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung sind heutzutage ganz genau die gleichen wie immer schon. Warum ist die Politik der Justiz wieder um einiges h\u00e4rter geworden, warum landen viele Menschen f\u00fcr kleinere Kriminalit\u00e4t, Geldstrafen etc. schon im Knast oder werden viel h\u00e4rter f\u00fcr Delikte verurteilt, wof\u00fcr sie noch vor 5 oder 10 Jahren viel weniger bekommen h\u00e4tten oder auf Bew\u00e4hrung freigelassen w\u00e4ren? Warum wird wieder viel mehr von knallharter Bestrafung und dem Wegsperren gesprochen und weniger \u201eLockerungen\u201c und Reststrafenbew\u00e4hrungen zugestanden? Was bringt der\/die Gefangene dem Staat im Knast f\u00fcr einen Nutzen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ganz einfach: super billige und ausbeutbare Arbeitskraft, ein astreiner Supergewinn f\u00fcr jeden Konzern, der unsere Abh\u00e4ngigkeit und Unterdr\u00fcckung knallhart wie eine Zitrone auspressen kann. Wir als Gefangene arbeiten in deutschen Kn\u00e4sten sozusagen konkurrenzlos, f\u00fcr einen Hungerlohn, gezwungen zum Malochen um \u00fcberhaupt mal aus der Zelle rauszukommen und in Gemeinschaft sein zu d\u00fcrfen\u2026 und nat\u00fcrlich um ein wenig Geld zum \u00dcberleben im Knast zu haben.<\/p>\n<p>In Strafhaft herrscht Zwangsarbeit, wer nicht arbeitet, dem werden (zumindest in Willich) die Haftunterbringungskosten vom Knastkonto abgezogen, das hei\u00dft dass man kein Geld zum telefonieren, W\u00e4sche waschen, Miet-TV, Radio, CD, DVD \u2013 Player (Eigenger\u00e4te werden hier nicht zugelassen) etc. oder zum Einkaufen hat. Zwar bekommt man das Knastessen \u201ekostenlos\u201c, aber alles weitere wie Tabak, Kaffee, Wasser, S\u00fc\u00dfigkeiten, Hygieneartikel oder auch halbwegs gesunden Essen, wie Obst oder Gem\u00fcse, kann man sich nur zu au\u00dferdem total \u00fcberteuerten Preisen kaufen. Wer nicht arbeitet, kann gar nichts davon kriegen, denn in Deutschland ist es in Strafhaft nicht m\u00f6glich Geld von drau\u00dfen zu beziehen.<\/p>\n<p>Zudem arbeiten wir in Haft weiter unter dem Mindestlohn, ohne Vertr\u00e4ge, ohne K\u00fcndigungsfristen, ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, ohne Renteneinbezahlung, da die Arbeit hier nicht als Arbeit sondern als \u201eMa\u00dfnahme\u201c angesehen wird. Wer nach Jahren Knastarbeit entlassen wird, steht ohne nichts da \u2013 vom Knast in die Armut ausgespuckt, sich selbst \u00fcberlassen und in Hoffnung sich nach eigenen Mitteln und F\u00e4higkeiten zu arrangieren. Resozialisierung hei\u00dft nichts anderes als zun\u00e4chst innerhalb und dann auch au\u00dferhalb der Knastmauern sich als unterw\u00fcrfiges Arbeitstier in die kapitalistische und miserable Welt einf\u00fcgen zu sollen.<\/p>\n<p>So ist es auch in Willich. Teil der Knastarbeit ist zur Aufrechterhaltung des eigenen Knastes gedacht (Putzkr\u00e4fte, K\u00fcche, Garten Hausarbeiter*innen, Bekleidung, Kammer, etc.), au\u00dferdem gibt es externe Firmen wie z.B., Wenko, Suthor, u.v.a., die uns als fast kostenlose Arbeitskr\u00e4fte bekommen. Meistens geht es um absolut stupide Fabrikarbeit, wie zusammenstecken, kleben, etikettieren, aufbauen, etc. \u2026 f\u00fcr Arbeiten, die drau\u00dfen niemand f\u00fcr diesen Preis machen w\u00fcrde, f\u00fcr die sonst Menschen (oder Kinder) in Afrika oder Asien ausgebeutet werden w\u00fcrden. Das perverse ist bloss, dass das Thema Zwangsarbeit in deutschen Kn\u00e4sten in der Gesellschaft niemand interessiert, viele davon wohl auch gar nichts wissen oder wissen wollen \u2026 oder es sogar gut hei\u00dfen, das \u201eVerbrecher*innen\u201c auch noch von Firmen und dem Staat bis ins letzte ausgequetscht und sich an uns bereichert wird, sozusagen als zus\u00e4tzlich Entw\u00fcrdigung und Bestrafung. Oder als Abschreckung, damit wir uns demn\u00e4chst blo\u00df an die vorgesetzten Regeln der Herrschaft und der Macht halten sollen. An uns werden Gesetzte statuiert, das ganze Bestrafungssystem gerechtfertigt, eine l\u00e4cherliche Pseudo &#8211; \u201eResozialisierung\u201c vorgehalten, nur um uns in den \u00fcbelsten Bedingungen halten zu k\u00f6nnen, und um letztendlich das Einzige von uns Gefangenen herauszupressen, wof\u00fcr wir f\u00fcr die Gesellschaft noch wert sind: eben unsere produktive Arbeitskraft.<\/p>\n<p>Es ist schon verdammt traurig, wie wenig wir als Gefangene dagegen ausrichten, wie schwer es ist alleine gegen diese Zust\u00e4nde anzuk\u00e4mpfen, wenn der Gro\u00dfteil der Gefangenen diese Realit\u00e4t schon l\u00e4ngst geschluckt hat oder sich auch kollektiv nicht wehren will um m\u00f6gliche Lockerungen oder \u201ePrivilegien\u201c nicht aufs Spiel zu setzen. Dabei geht es letztendlich um unsere Existenz, unsere Gesundheit, unsere Bedingungen und unser (\u00dcber-) Leben. Aber sicherlich ist der Kampf gegen die Zwangsarbeit im Knast auch nicht ohne eine gr\u00f6\u00dfere Unterst\u00fctzung von drau\u00dfen m\u00f6glich, doch auch daf\u00fcr bedarf es zun\u00e4chst einer gr\u00f6\u00dferen Organisierung und Perspektiven von uns als Hauptbetroffene. Auch wenn es nur einzelne Gesten, kleine Risse, Sabotage oder Verweigerungen von Einzelnen in diesen miserablen Zust\u00e4nden sind, zeigen sie doch dass Widerstand m\u00f6glich ist und dieser Windsto\u00df so einiges befl\u00fcgeln kann.<\/p>\n<p><strong>GEGEN DAS KNASTSYSTEM, DIE ZWANGSARBEIT UND JEGLICHE FORM VON AUSBEUTUNG, HERRSCHAFT UND UNTERDR\u00dcCKUNG!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>FREIHEIT F\u00dcR ALLE! (A)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lisa, August 2018<\/p>\n<p>JVA Willich II<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: panopticon Was unterscheidet ein Arbeitszwangslager des letzten Jahrhunderts von einer gew\u00f6hnlichen Justizvollzugsanstalt in Deutschland heute? Ehrlich gesagt sehr wenig. Vielleicht wird heutzutage weniger physisch geschlagen und gefoltert als damals, aber die Logik und das System der Bestrafung, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung sind heutzutage ganz genau die gleichen wie immer schon. 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