{"id":4272,"date":"2017-12-15T18:29:52","date_gmt":"2017-12-15T17:29:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=4272"},"modified":"2017-12-15T18:31:45","modified_gmt":"2017-12-15T17:31:45","slug":"die-anti-knast-tage-2017-in-berlin-eine-auswertung-wie-sie-waren-was-fehlte-wie-geht-es-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=4272","title":{"rendered":"Die Anti-Knast-Tage 2017 in Berlin \u2013 Eine Auswertung, wie sie waren, was fehlte, wie geht es weiter?"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.gefangenen.info\/die-anti-knast-tage-2017-in-berlin-eine-auswertung-wie-sie-waren-was-fehlte-wie-geht-es-weiter\/\">gefangenen.info<\/a><\/p>\n<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4273\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/akt_2017_plakat_web-777x437-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"451\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/akt_2017_plakat_web-777x437-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/akt_2017_plakat_web-777x437-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/akt_2017_plakat_web-777x437.jpg 777w\" sizes=\"(max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Die Orgagruppe der Anti-Knast-Tage 2017<\/strong><\/p>\n<p>Vom 6ten bis 8ten Oktober fanden die Anti-Knast-Tage in Berlin statt. F\u00fcr uns, die Organisierenden, ist es sehr wichtig hier auch mal eine Auswertung zu machen und ein paar Fragen in den Raum zu werfen. Denn solche Ereignisse k\u00f6nnen immer besser gemacht werden, um auch mit den Gitterst\u00e4ben eines politischen Ghettos zu brechen und revolution\u00e4re Ideen im Alltag zu streuen. Um auch unser allt\u00e4gliches Leben zu revolutionieren.<br \/>\n19 Veranstaltungen mitsamt Diskussionen fanden an drei Tagen statt. Es war uns von Anfang an klar, dass dies ein sehr ambitioniertes Programm sein w\u00fcrde, trotz der Vielfalt und der vielen Veranstaltungen. Der Schwerpunkt lag f\u00fcr uns auf der Qualit\u00e4t der Diskussionen. Das tiefere Auseinandersetzungen zwischen den Besucher*innen stattfinden w\u00fcrden, daf\u00fcr das letztendlich sie die Protagonist*innen dieser Tage werden. Denn eine Veranstaltung ist immer nur dann so gut wie die der darauf folgende Diskussion\/Auseinandersetzung. Wir wollten nicht ein Podium f\u00fcr irgendwelche \u201eExpert*innen\u201c zum Thema Knast erschaffen, die die Besucher*innen die Realit\u00e4t zum Thema Knast erkl\u00e4rten, sondern um gemeinsam Perspektiven zu erschaffen wie kollektiv ein Kampf gegen die Knastgesellschaft stattfinden kann. Was dies bedeutet und wie dies ausschauen wird, wird die Zukunft zeigen.<\/p>\n<p><!--more-->Im gro\u00dfen und ganzen waren \u00fcber die drei Tage mehr Leute da, als wir erwartet haben. Wir waren sehr erfreut, dass Menschen au\u00dferhalb der typischen Politkreise sich durch die Plakate, oder Flyer angesprochen gef\u00fchlt haben um vorbei zu kommen. Auch dass der Umgang mit Menschen die sich \u00fcberhaupt noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben, sehr respektvoll war. Soweit wir erfahren haben, war auch Platz kontroverse Fragen zu stellen, ohne dass dies komisch r\u00fcber kam.<br \/>\nAn dieser Stelle sollte gesagt werden, dass die Erfahrung vor den Kn\u00e4sten zu mobilisieren gescheitert ist. Von Anfang an war es uns wichtig und auch klar das Angeh\u00f6rige und Freund*innen von Gefangenen einen Platz bei den Tagen haben sollten. Dies kann aber auch nur effektiv werden, wenn regelm\u00e4\u00dfig und kontinuierlich vor den Kn\u00e4sten agitiert wird. Wenn Verbindungen mit den anderen Menschen entstehen, durch geteilte Erfahrungen, wie die Probleme die immer wieder auftreten wenn Gefangene besucht werden, etc. Nicht desto trotz, lernen auch wir f\u00fcr die Zukunft.<br \/>\nW\u00e4hrend der Tage wurden fast alle Veranstaltungen sehr gut besucht und es wurde erstaunlicherweise viel diskutiert. Die eine oder andere Thematik hat viele Besucher*innen sehr gereizt, was uns zeigte, dass das Thema Knast nicht so sehr am Rande steht. Dass f\u00fcr einige Menschen diese Thematik doch wichtig ist.<br \/>\nF\u00fcr uns selber als Orgagruppen, war es schade, dass wir selbst keine Veranstaltungen auf die Beine stellen konnten. Es h\u00e4tte noch viele Themen zu Kn\u00e4sten gegeben, die wir gerne angesprochen h\u00e4tten. Wie zum Beispiel eine allgemeine anarchistische Kritik an Kn\u00e4sten, oder \u00fcber den Unsinn an der Aufteilung zwischen \u201epolitischen\u201c und \u201esozialen\u201c Gefangene, eine Veranstaltung zur verurteilten Anarchistin die wegen Bankraub in Aachen jetzt in K\u00f6ln sitzt, \u00fcber die Schuld- und Unschuldfrage und warum f\u00fcr uns dies nie ein Kriterium ist, um Menschen im Knast zu unterst\u00fctzen, eine Veranstaltung zu 40 Jahren Stammheim, zum Jubil\u00e4um der Ermordung der beiden italienischen Anarchist*innen Sacco und Vanzetti und die, wie oben erw\u00e4hnte, Auseinandersetzung zu Schuld und Unschuld und weitere Themen die in diese Richtung gehen.<br \/>\nGenauso wie praktische Aspekte zu den Anti-Knast-Tagen gefehlt haben. Wie z.B., Demos vor den Kn\u00e4sten, oder andere Aktionen zum Thema Knast und Solidarit\u00e4t mit Gefangenen zu machen.<br \/>\nDie Abschlussdiskussion fand leider mit eher wenig Beteiligung im Sinne des Weitergehens der Bek\u00e4mpfung von Kn\u00e4sten, im Sinne des Weitergehens der Anti-Knast-Tage statt, auch wenn sich Leute daf\u00fcr bereit erkl\u00e4rt haben diese n\u00e4chstes Jahr zu machen. Es fehlte von uns aus der Impuls um dies zu bewirken.<br \/>\nDie diesj\u00e4hrigen Anti-Knast-Tage wurden ohne F\u00f6rdergelder auf die Beine gestellt. Mehrere Gruppen haben uns finanziell damit geholfen und dank der Unterst\u00fctzung der Vok\u00fcs und der Spenden ist sogar etwas Geld \u00fcbrig geblieben, welches wir an Gefangene verteilen werden. F\u00fcr uns war der Aspekt der Selbstverwaltung von Anfang an sehr wichtig, denn auch wenn dies eine sehr unangenehme Auseinandersetzung ist, sind wir klar der Meinung, dass unsere Projekte durch uns selbst finanziert werden sollten. Wir teilen nicht die inflation\u00e4re Meinung alles stattfinden zu lassen, weil das mit dem Geld ja immer irgendwie gel\u00f6st ist, damit dann hunderte von Plakate, Flyer oder Publikationen, die gratis waren, in irgendwelchen Kisten Staub sammeln, weil f\u00fcr viele nicht die direkte Verbindung zu ihnen durch ihre Anstrengungen oder Interesse vorhanden sind.<br \/>\nWir bedanken uns auch ganz herzlich bei allen, die uns mit den Tagen geholfen haben, sei es beim Plakatieren, Flyern, Kochen, Veranstalter*innen, Infotische, Putzen, die Schichten an der Bar und bei allen Besucher*innen.<\/p>\n<p>Bei wem wir uns auch sehr ausdr\u00fccklich bedanken wollen, ist der Journalist Peter Nowak. Dieser n\u00e4mlich ver\u00f6ffentlichte einen Artikel in der Zeitung \u201eNeues Deutschland\u201c, \u201eZu kooperativ f\u00fcr Solidarit\u00e4t?1\u201c \u00fcber die Anti-Knast-Tage in Berlin. Wir wollen mal ein paar Dinge klarstellen, erstens, die Anti-Knast-Tage waren nicht von einem \u201e B\u00fcndnis verschiedener libert\u00e4rer Gruppen\u201c organisiert und es nahmen auch keine \u201eVertreterin*innen aus den Reihen (\u2026) der Roten Hilfe\u201c teil. Einige von uns sind Anarchist*innen, aber andere eben nicht und wir wollen dies betonen. Die Rote Hilfe wurde nicht eingeladen, weil sie nicht f\u00fcr die Abschaffung der Kn\u00e4ste stehen kann und steht, dies best\u00e4tigten uns auch einige ihrer Mitglieder. Diese Einstellung teilen nicht alle Mitglieder der RH, weil es auch dort Menschen gibt, die f\u00fcr die Abschaffung von Kn\u00e4sten sind, aber unter dem Motto k\u00f6nnten sie die Tage nicht unterst\u00fctzen. Genauso wenig ist die RH f\u00fcr die Freiheit aller Gefangenen und engagiert sich nur f\u00fcr \u201epolitische Gefangene\u201c, was wir nicht teilen. Was nicht bedeutet, dass die Rote Hilfe nicht trotzdem einen Infotisch ab dem Samstag aufgebaut hatte und es auch klar war, dass sie daf\u00fcr Platz h\u00e4tten.<br \/>\nWas uns auch sehr \u00e4rgerte ist das Peter Nowak, einen Veranstalter namentlich erw\u00e4hnte. Und zuletzt die Einsch\u00e4tzung von Peter Nowak, dass w\u00e4hrend der Anti-Knast-Tage \u201edie Frage des Umgangs mit Angeklagten (\u2026), die vor Gericht kooperieren\u201c sehr viel Raum eingenommen h\u00e4tte. Um diese Frage herum fand eine Veranstaltung statt, die von einer sehr langen Diskussion begleitet wurde. Aber es war nur eine von vielen. Dass daraus Peter Nowak die Schlussfolgerung zog, dass dies sich auf den Fall einer Person bezieht die in der Schweiz verurteilt wurde, war mehr als fragw\u00fcrdig und nicht nachvollziehbar. Unseres Erachtens nach spielte es evtl. nur in kleinen Gespr\u00e4chen eine Rolle, aber \u00fcber diesen Fall wurde nicht in den Diskussionen geredet. Wir wollen nicht sagen, dass Peter Nowak absichtlich gelogen hat, aber er hat definitiv nicht wenig falsch ver\u00f6ffentlicht. Er hat auch in keinem Moment mit irgendwem von uns geredet, bzw. erw\u00e4hnt, dass ein Artikel ver\u00f6ffentlicht werden w\u00fcrde. Dies h\u00e4tten wir so oder so verneint, weil wir die Kooperation mit b\u00fcrgerlichen Medien strikt verweigern. F\u00fcr uns ist es wichtig, dies klarzustellen, weil es uns selber sehr \u00fcberraschte einen Artikel dar\u00fcber zu lesen und es uns sehr \u00e4rgerte was drin stand. Wir haben Peter Nowak ganz pers\u00f6nlich die Leviten gelesen. Diese Zeilen sollten ihn also auch nicht mehr \u00fcberraschen.<\/p>\n<p>Jetzt stellt sich nochmals die Frage, wie es dann weitergeht. Wir waren in keinem Moment arrogant, selbsts\u00fcchtig und waren dem Glauben verfallen, dass wir mit den Anti-Knast-Tagen in Berlin was voll aufrei\u00dfen w\u00fcrden. Es ging uns auch niemals darum politisches Kapital daraus zu schlagen, unsere Projekte oder Gruppen zu profilieren, wie es meistens an solchen Tagen der Fall ist, sondern es war f\u00fcr uns wichtig dieser Thematik, mit der wir uns so oder so besch\u00e4ftigen, wieder mal einen gr\u00f6\u00dferen Raum zu geben. Wieder der Notwendigkeit einer fehlenden kollektiven Auseinandersetzung einen Raum und einen Protagonismus zu schenken. Dar\u00fcber hinaus haben wir nichts erwartet und uns auch nichts erhofft, au\u00dfer das zu machen was uns wichtig ist.<br \/>\nAber auch mit dem Bewusstsein, dass dies an sich kein Teilkampf ist, das wir die Rolle der Kn\u00e4ste als Hauptwiderspruch nicht sehen, sondern als einen Teil von einer Kette von gesellschaftlichen Widerspr\u00fcchen die sich im hier und jetzt st\u00e4ndig erg\u00e4nzen und best\u00e4tigen. Sowie viele andere Ausdr\u00fccke der herrschenden Klasse, sind die Kn\u00e4ste ein wichtiger Bestandteil f\u00fcr die Aufrechterhaltung des sozialen Friedens, f\u00fcr einen \u201ereibungslosen Ablauf\u201c der Herrschaft des Menschen durch den Menschen. Es ist nicht nur der Ort wo unsere Gef\u00e4hrt*innen und Genoss*innen landen, der Ort wo alle die gegen Ausbeutung, Krieg und Herrschaft k\u00e4mpfen landen. Sondern ein weiterer Mechanismus, eine weitere Institution die einen andauernden Krieg gegen die Habenichtse und die Verdammten dieser Erde f\u00fchrt. Sowie in der Realit\u00e4t der Lohnarbeit die Arbeiter*innen, und nicht diese prostituierte und bestochene Arbeiteraristokratie, die erb\u00e4rmlichen Hallen der Produktionsst\u00e4tten f\u00fcllen. Dieselben und jene die sogar au\u00dferhalb der Verwertung, des Mehrwertes sind, die f\u00fcllen definitiv die Mauern der Gef\u00e4ngnisse.<br \/>\nIn diesem und vielen anderen Sinnen, dass wir uns selber daher nicht als Antiknastgruppen sehen, sondern aus diesem Bereich heraus auf andere agieren. Denn nichts ist so verbunden wie die herrschenden Gedanken, die sich als Ideologien einzeln manifestieren, aber als eine Einheit agieren und zu verstehen sind. Denn darum geht es ja, die Gesamtheit der Herrschaft abzuschaffen, zerst\u00f6ren, \u00fcberwinden und aufzuheben.<br \/>\nDaher sollen die Anti-Knast-Tage als ein bescheidener Beitrag gelesen werden. Wir freuen uns sehr auf die kommenden Auseinandersetzungen und die Sch\u00e4rfe der Waffen der Kritik.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine Welt ohne Kn\u00e4ste, Schlie\u00dfer*innen, Kapitalismus und Herrschaft!<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWir werden das ganze Porzellan der Welt kaputt schlagen um das Leben zu ver\u00e4ndern. Ihr liebt zu sehr die Dinge und zu wenig den Menschen\u2026 Ihr liebt zu sehr die Menschen als Dinge und nicht gen\u00fcgend den Menschen\u201c <\/em>Pl\u00fcnderer aus Razumovskoe<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: gefangenen.info Die Orgagruppe der Anti-Knast-Tage 2017 Vom 6ten bis 8ten Oktober fanden die Anti-Knast-Tage in Berlin statt. F\u00fcr uns, die Organisierenden, ist es sehr wichtig hier auch mal eine Auswertung zu machen und ein paar Fragen in den Raum zu werfen. 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