{"id":4164,"date":"2017-11-06T22:08:22","date_gmt":"2017-11-06T21:08:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=4164"},"modified":"2018-02-01T10:36:55","modified_gmt":"2018-02-01T09:36:55","slug":"deutschland-brief-aus-dem-knast-von-unserem-gefahrten-andreas-krebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=4164","title":{"rendered":"[Deutschland] Brief aus dem Knast von unserem Gef\u00e4hrten Andreas Krebs"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/14814\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">indy.de<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-4165\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/burn-prisons-hug-cqts.jpg\" alt=\"\" height=\"360\" width=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/burn-prisons-hug-cqts.jpg 500w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/burn-prisons-hug-cqts-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/burn-prisons-hug-cqts-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/>Am 12. Oktober 2017 um 6.00 Uhr morgens startete der Tag wie jeder andere \u2013 morgendliches Wecken und Lebendkontrolle. Ich holte meine Morgenmedizin aus dem Dienstzimmer und ging anschlie\u00dfend duschen. Ich muss dazu sagen, dass von Montag bis Freitag von 6 bis 8 Uhr die Zellent\u00fcren ge\u00f6ffnet sind. Ich ging um kurz nach 7 Uhr kurz duschen und begab mich danach in meine Zelle. Pl\u00f6tzlich um ca. 7.12 Uhr kam eine Stationsbeamtin in meine Zelle und sagte, dass das LKA aus Berlin dann kommt und ich sollte mich gleich fertig machen.<\/p>\n<p>Da ich wissen wollte, was die Berliner Bullen von mir m\u00f6chten, da in mehreren Dingen gegen mich ermittelt wird, erkl\u00e4rte ich mich bereit anzuh\u00f6ren, was sie konkret von mir wollen. Unverz\u00fcglich ging ich auf der Station zu dem befindlichen Telefon und wollte sofort meine Frau anrufen um sie dar\u00fcber zu informieren und das sie auch die Anw\u00e4ltin kontaktiert. Ich gebe meinen Pin ein und pl\u00f6tzlich h\u00f6re ich die Ansage: Aus Sicherheitsgr\u00fcnden wurde mein Telefonkonto gesperrt.<br \/>\nTotal mi\u00dftrauisch und nach vier weiteren Versuchen ging ich zum Dienstzimmer des Pflegepersonals und fragte, warum das so ist, was die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Sperrung sind. Da wurde mir gesagt, dass das Telefon \u00f6fters Spinne und nicht immer richtig funktioniere. Ich also nochmals zum Telefon und wieder die gleiche Ansage. Ich ging in meine Zelle und gr\u00fcbelte dar\u00fcber nach,was hier nicht stimmt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein Gefangener kam zu mir in die Zelle, den ich fragte, der aber genauso \u00fcberrascht gewesen ist. Da in meinem Kopf alle Alarmglocken angingen, gab ich dem Kumpel ein paar verbotene Dinge aus meiner Zelle zum verstecken, weil ich ja im Laufe des Tages meine Zelle verlassen muss und in die Veranstaltung zum LKA Termin gebracht werde, um zu h\u00f6ren, was sie wollen.<\/p>\n<p>Ich traute der ganzen Situation nicht und bef\u00fcrchtete auch das meine Zelle durchsucht wird, wenn ich nicht da bin. Dieses Spiel kannte ich auch schon aus anderen Anstalten aus Bayern. Nur dass mit dem Telefon war mir neu, da es in ganz Bayern solche M\u00f6glichkeiten und Telefonanlagen f\u00fcr Gefangene nicht gibt.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kam schon wieder die Beamtin (es war kurz nach 7.30 Uhr) und meinte, ob ich fertig bin, da es los geht. Ich war wieder total \u00fcberrascht und meinte, dass das doch nicht normal ist, dass nun 7.30 Uhr jemand von au\u00dferhalb in die Anstalt kommt, worauf sie meinte, dass sie keine Ahnung h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Sie meinte nur, dass ich Anstaltskleidung anziehen m\u00fcsste, was ich dann machte. Sie brachte mich also nach vorne in Richtung Torwache, wo ein Geb\u00e4ude f\u00fcr Anwaltsbesuche und die Bekleidungskammer ist.<\/p>\n<p>Dort steckte man mich in einen Warteraum, wo allerdings ein Beamter bei mir blieb. Total komisch, die ganze Situation, auch das ich im Warteraum zus\u00e4tzlich bewacht werde! F\u00fcnf Minuten darauf kam ein weiterer Beamter und man ging mit mir in die Schleuse der Torwache, wo sehr viele Bullen in zivil, schwer bewaffnet und mit Schutzweste ausger\u00fcstet standen.<\/p>\n<p>Einer kam auf mich zu und meinte, dass ich zur Generalstaatsanwaltschaft nach Berlin gefahren werde. Ich fragte sofort nach meiner Anw\u00e4ltin, wo man meinte, dass diese dar\u00fcber verst\u00e4ndigt wird. Ich bemerkte, dass die komplette Torwache von der Polizei in zivil besetzt wurde und die Beamten der Anstalt in ihrem eigenen Bereich nicht das geringste zu melden hatten. Die Beamten waren sicherlich hilflos da gestanden und hatten selber keinerlei Ahnung, was da gerade passiert und die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Aufgebot und die Besetzung der Torwache. Ich war total sprachlos und f\u00fchlte mich in dem Augenblick eingesch\u00fcchtert.<\/p>\n<p>Die Bullen durchsuchten mich und brachten mich zu einem schwarzen Mercedes Bus mit get\u00f6nten Scheiben. Man fesselte mich an den Beinen und dann zog man mir eine schusssichere Weste dr\u00fcber, wo ein Polizist zu den dumm rein schauenden Beamten sagte: \u201eZur Sicherheit, nicht dass Herrn Krebs seine Freunde drau\u00dfen stehen.\u201c<\/p>\n<p>Dann wurden meine H\u00e4nde gefesselt, man setzte mich hinten ins Fahrzeug und sie fuhren aus der Schleuse, ohne ein weiteres Wort an die immer noch dumm schauenden Beamten zu sagen.<\/p>\n<p>Ich bemerkte vor der Anstalt einen weiteren mit schwarzen Scheiben versehenen Bus, der uns in sehr gro\u00dfem Abstand folgte. Das sah ich, weil ich mich regelm\u00e4\u00dfig umblickte. Nach ca. 30 Minuten stellten sich drei Mann vor, die hinten bei mir sa\u00dfen, und ich viel aus allen Wolken. Einer telefonierte, anscheinend mit einer h\u00f6heren Person, was ich nur bruchst\u00fcckhaft h\u00f6rte: \u201eJa, wir haben ihn und sind unterwegs.\u201c Es waren das LKA Brandenburg, das LKA Berlin und das LKA Niedersachsen.<\/p>\n<p>Ich fragte, ob man mich verarschen wollte und es kommen doch nicht drei Bundesl\u00e4nder an LKA-Beamten mit so einem Aufgebot zusammen nur um mich zum Staatsanwalt zu bringen. Einer lenkte ab und versuchte total hinterfotzig mich zu fragen, wie die Haft ist, und wurde langsam immer pers\u00f6nlicher. Ich sagte nur, dass alles l\u00e4uft und ich m\u00f6chte nicht weiter reden.<\/p>\n<p>In Magdeburg fuhr man ein gro\u00dfes Polizeigeb\u00e4ude an, fuhr auf den Hinterhof, wo man mir meine abgenommenen Zigaretten und mein Feuerzeug aush\u00e4ndigte. Ich rauchte im Abstand von ca. drei Metern zu den Bullen eine Zigarette und als ich fertig war, lud man mich wieder ein und es ging weiter. Dabei merkte ich bevor ich eingeladen wurde, dass das Fahrzeug ein Potsdamerkennzeichen hatte. Wieder unterwegs sprach kaum jemand und die drei bei mir hinten bl\u00e4tterten nur in ihren Unterlagen.<\/p>\n<p>Die Fahrt dauerte ewig und es war f\u00fcr mich sehr bedr\u00fcckend und irgendwie total unreal. Sie musterten mich st\u00e4ndig oder legten ihre Mappen so hin oder hielten sie bewusst damit ich das ein oder andere sehen konnte und sie beobachteten mich und wie ich wohl reagiere. Ich habe mir nichts anmerken lassen und blickte nur aus dem Fenster und achtete auf die Strecke, die gefahren wurde. Ab und zu schloss ich die Augen und versuchte zu entspannen, da mir total \u00fcbel gewesen ist und durch die schusssichere Weste schwitzte ich wie verr\u00fcckt. Mir kam der Weg verd\u00e4chtig lange vor und als ich nach drei Stunden Fahrt nach einem kurzen Schlaf wieder wach wurde, stellte ich anhand der Verkehrszeichen fest, dass wir in Brandenburg sind und nicht in Berlin. Da sagte der eine zu mir, dass sie mich belogen h\u00e4tten und sie fahren ein Anwesen an, was sie mir zeigen m\u00f6chten und ob ich dazu was sagen kann. Ich wollte sofort zur\u00fcck zum Knast und der eine meinte nur, dass wir gleich da sind.<\/p>\n<p>Ich war total durcheinander, weil mir so was auch noch nie passiert ist und ich auch nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hatte zu was diese Arschl\u00f6cher f\u00e4hig sind und mit welchen Methoden sie arbeiten. Sie fuhren an einem Anwesen langsam vorbei und sofort wurde auf ich eingeredet, ob ich dar\u00fcber etwas sagen kann, wer da wohnt und und und \u2026. Ich hatte nur gesagt, dass ich keine Ahnung h\u00e4tte und noch nicht einmal diesen Ort kenne.<\/p>\n<p>Dann r\u00fcckte einer mit der Sprache raus und er sagte, dass sie wissen, dass ich vor Monaten Kontakt zu zwei der gesuchten Ex-RAF Leuten gehabt h\u00e4tte und dabei wedelten sie mit Fotos von diesen Menschen vor mir rum. Ich erkl\u00e4rte, dass ich nur mit einer Anw\u00e4ltin rede.<\/p>\n<p>Dann wurde einer direkter, dass wenn ich ihnen helfe, dass es dann zu keiner Auslieferung kommen w\u00fcrde, die ich mir nicht einmal ertr\u00e4umen k\u00f6nnte. Sogar mit einer Belohnung von 80 Tausend k\u00f6nnte ich rechnen. Ich sagte die ganze Zeit kein Wort und dann sagte der eine, dass er wieder zur\u00fcck fahren k\u00f6nnte in die Haftanstalt. Die zwei Chefs unterhielten sich st\u00e4ndig und immer wieder dazwischen drin versuchten sie mit mir zu reden, einen auf guten Kumpel machen und ob sie mir was gutes tun k\u00f6nnen wie etwa Motorradzeitungen. Ich verneinte ALLES!<\/p>\n<p>Dann sagte der Chef aus Niedersachsen, dass man es sicher arrangieren k\u00f6nnte, dass ich ein Handy in der Zelle habe und sie w\u00fcrden das schon mit der Anstalt abkl\u00e4ren, so k\u00f6nne ich zu den Menschen besseren Kontakt herstellen. Dabei diskutierten sie welches f\u00fcr mich am Besten w\u00e4re. Und der Brandenburger LKA Chef meinte (er zeigte mir seine Uhr), dass eine Telefonuhr f\u00fcr mich gut w\u00e4re, aber ich d\u00fcrfte das keinen Mitgefangenen erz\u00e4hlen. Ich dachte echt ich spinne, was sie mir da angeboten haben. Ich wollte schon sagen, dass ich das nicht brauche, weil ich ja offiziell telefonieren darf. Aber das habe ich mir gleich verkniffen, nicht dass sie auf die Idee kommen, dass sie das Abh\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ganzen Fahrt zur\u00fcck sagte ich kaum ein Wort und immer wieder unterbrachen sie ihre eigene Unterhaltung und redeten auf mich ein, immer wieder mit dem Vorschieben der Auslieferung. Kurz vor der Anstalt sagte der aus Berlin, dass ich es mir \u00fcberlegen soll, dass ich niemanden davon erz\u00e4hlen darf, auch nicht meiner Anw\u00e4ltin, niemanden uns selbst die Anstalt wei\u00df von NICHTS., sondern ihnen wurde so wie mir auch erz\u00e4hlt, dass ich zur Generalstaatsanwaltschaft wegen der Auslieferung nach Berlin gefahren werde. Dann steckte einer mir seine Adresse in die Hosentasche und wir fuhren in die Schleuse, wo man mir die Fu\u00df- und Handfesseln ab machte und ich zog sofort die Weste aus. Ich bekam meine Zigaretten und mein Feuerzeug und ein Beamter brachte mich sofort zur\u00fcck auf die Station in mein Haus, wo gerade Aufschluss gemacht wurde.<\/p>\n<p>Der eine vom LKA wollte mir noch die Hand geben und verabschiedete sich. Ich sagte kein Wort und gab ihm auch nicht die Hand. Von den Beamten fragte mich niemand was das f\u00fcr eine Aktion bzw. Einsatz gewesen ist. Ich h\u00f6rte in der Schleuse Sekunden bevor ich zur\u00fcck gebracht wurde, wie der vom LKA Niedersachsen zum Beamten sagte, dass man das Telefon wieder frei schalten kann. Diese Wichser! Nun wei\u00df ich warum das Telefon f\u00fcr mich am Morgen gesperrt gewesen ist. Ich hatte den ganzen Tag nichts zum Essen und nichts zum Trinken, und ich rauchte nur zwei Zigaretten. Zur\u00fcck auf der Station rief ich gleich meine Frau an, erz\u00e4hlte ihr aber nichts von dem \u00dcberfall auf mich.<\/p>\n<p>Aber am n\u00e4chsten Tag fingen die ersten Probleme an. Ich unterhielt mich mit zwei Gefangenen mit denen ich mich hier abgebe (ich erz\u00e4hlte auch ihnen nichts) und Tags darauf kam gleich fr\u00fch einer von den beiden und erz\u00e4hlte mir, dass die Beamten durch die Blume ihn auf etwas angesprochen haben, was sie NICHT wissen k\u00f6nnen und \u00fcber das wir uns Tags zuvor unterhalten haben.<\/p>\n<p>Solche Ereignisse sind nun bis heute vier mal vorgekommen, zwei mal als wir das testeten, ob wir vielleicht nur paranoid sind und uns einbilden, aber ich bin mir nun sicher, dass ich abgeh\u00f6rt werde sobald ich mit einem anderen Gefangenen rede!<\/p>\n<p>Die Beamten k\u00f6nnen gewisse Dinge gar nicht wissen, unm\u00f6glich und niemand sonst hat es mitbekommen. Also bleibt nur noch das ich abgeh\u00f6rt werde. Die letzten Tage kommt pl\u00f6tzlich auch immer ein Gefangener vorbei, der mit mir gerbe einen auf guten Kumpel machen m\u00f6chte und das durchschaute ich sofort.<\/p>\n<p>Der wurde von den Beamten angesetzt. Ich sagte immer, wenn der Gefangene kam, ich h\u00e4tte keine zeit, sondern muss dieses oder jenes machen. Heute kam er noch kein einziges mal. Ich brauchte einige Tage, um das alles zu verarbeiten und schreibe heute das erste mal mit dem, wie sie versuchten mich zu erpressen.<\/p>\n<p>Ich bin fassungslos und schockiert, dass man versucht meine \u00c4ngste so auszunutzen. Als ich zur\u00fcck kam von den Schweinen, habe ich wirklich \u00fcberlegt, ob ich meinem Leben nicht doch am besten gleich ein Ende setzen soll. Und nachdem ich nun auch hier drinnen sehr auf der Hut sein muss, macht es das Leben f\u00fcr mich noch viel schwieriger, schon fast unertr\u00e4glich! Durch die Ver\u00f6ffentlichung dieser Zeilen will ich allen klar machen zu was sie im Stande sind und welche Macht sie aus\u00fcben k\u00f6nnen, diese Schweine!<\/p>\n<p>Seit meiner Inhaftierung war das LKA vor diesem Gro\u00dfeinsatz schon drei mal bei mir und versuchte mich zu bearbeiten. Diese verdammten asozialen Drecksschweine! Und man muss sich nun vorstellen, selbst ein Handy w\u00fcrden sie reinbringen, wof\u00fcr andere \u00fcber Wochen in den Arrest m\u00fcssen, wenn man sie erwischt. Selbst die Anstalt tanzt nach denen ihrer Pfeiffe.<\/p>\n<p>Ich muss die Tage so vorsichtig sein, mit und was ich rede. Denn sie versuchen um jeden Preis an Informationen zu kommen. Ich habe die Bef\u00fcrchtung und ernsthafte Sorge, dass wenn die Anw\u00e4ltin kommt, sie diese Unterhaltung genauso abh\u00f6ren. Damit muss ich rechnen und es w\u00e4re auch nicht das erste mal bei Gefangenen, dass solche staatlichen Praktiken angewendet werden. Ich erinnere nur an die damaligen Inhaftierten der RAF in Stammheim, wo die Gefangenen dann durch einen Test mit der \u00c4u\u00dferung zu einer Geiselnahme, die Schweine \u00fcberf\u00fchrten. Denn der Statt reagierte auf das abgeh\u00f6rte Gespr\u00e4ch zwischen den Verteidigern und Inhaftierten ohne zu wissen, dass dieses Gespr\u00e4ch nur ein Test gewesen ist. Jahre sp\u00e4ter r\u00e4umte ein Untersuchungsausschuss diese Abh\u00f6rma\u00dfnahme auch ein.<\/p>\n<p>Ich bekomme es auch auf andere Weise zu sp\u00fcren, hier in der Haft. Und zwar werden alle Antr\u00e4ge von mir, wirklich ALLE, entweder nicht er\u00f6ffnet, manche sind gar nicht mehr auffindbar, oder so wie ich es am Montag den 16.10. selbst gesehen habe: Ich sollte zu diesem verlogenen Arschloch an stellvertretenden Hausdienstleiter Herr Buchner. Arroganter Hund der Wunder was glaubt, was er ist. Ich musste zu ihm ins B\u00fcro, wo folgendes passiert ist: Er h\u00e4ndigte mir endlich nach mehreren Einbehaltungen, die letzten zwei Ausgaben der Gefangen Info aus, die man vorher zensierte und er sagte, sollte er bei irgendeinem anderen Gefangenen diese Zeitung oder andere Schriften finden, h\u00e4tte ich mit Konsequenzen zu rechnen.<\/p>\n<p>Ich war so sprachlos, dass ich nichts darauf erwiderte. Pl\u00f6tzlich sah ich auf seinem Tisch zwei Antr\u00e4ge von mir, in denen ich beantragte, dass man mich nach Berlin verlege, da dort meine Verlobte und alle Freunde wohnen und so weiter. Diese Antr\u00e4ge sind zwei Monate alt und wurden noch nicht einmal bearbeitet! Die lagen einfach nur da und man ignorierte das einfach. Er hat nicht damit gerechnet, dass ich die Antr\u00e4ge entdeckte und wahrscheinlich hat er auch nicht daran gedacht, diese wegzur\u00e4umen. Ich sagte sofort zu ihm, dass ich nun meine Anw\u00e4ltin kontaktiere und sie sich mit ihm in Verbindung setzen wird.<\/p>\n<p>Kein Wort sagte er dazu \u2013 nichts!<\/p>\n<p>Das einzige, was er machte, war sich im Namen der Anstalt zu entschuldigen, weil ich zwei Wochen auf eine Aush\u00e4ndigung von einem gro\u00dfen Brief mit dem Inhalt eines Stiftes f\u00fcr Kalligraphien warten musste, weil dieser Buchner im Urlaub war.<\/p>\n<p>So auch ein Einschreiben, ebenfalls mit einem F\u00fcller, den ich erst nach \u00fcber einer Woche ebenfalls durch ihn ausgeh\u00e4ndigt bekam.<\/p>\n<p>Wie sie gerade Lust haben, so teilen sie Einschreiben und genehmigte Zusendungen aus.<\/p>\n<p>Ich bitte, dass so mit Namen zu Ver\u00f6ffentlichen! Ich habe KEINE Angst! Ich werde mich NIEMALS hinter einer Anonymit\u00e4t verstecken, sondern ich stehe zu ALLEM was ich sage, dass ist mir ganz wichtig! W\u00fcrde ich mich nur einmal verstecken, ich k\u00f6nnte NIE mehr in den Spiegel sehen und ich w\u00fcrde meine Ehre verlieren! Mit so was k\u00f6nnte ich nicht leben! Und jeder der mich kennt, der wei\u00df, dass das mein Markenzeichen ist, dass es kein Verstecken gibt, egal welche Konsequenzen auch immer mich erwarten k\u00f6nnten!<\/p>\n<p>Dieser dreckige Naziknast \u00fcbertrifft alles! Drei Prozent Ausl\u00e4nderanteil und diese Gefangenen haben nur Angst. Denn die anderen Gefangenen machen hier ganz offiziell und auch auf den G\u00e4ngen vor den Beamten ihre Hitlerspr\u00fcche oder rechtsradikalen Begr\u00fc\u00dfungen. Die Beamten stehen nur l\u00e4chelnd da uns sympathisieren mit den Gefangenen. Hier ist das Verh\u00e4ltnis zwischen den Rechten und den Beamten so innig, dass sie gemeinsam lachen, rauchen, sich auf die Schippe nehmen, als ob sie die besten Freunde w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Gestern Abend zum Beispiel spielte \u00fcber mir ein Gefangener bei offenem Fenster mit seiner Gitarre rechte Lieder mit krassen Texten. Die anderen Gefangenen gr\u00f6lten und applaudierten.<\/p>\n<p>Das h\u00f6ren auch die Beamten, da sie f\u00fcnf Meter weiter ihr Rauchereck haben. Unabh\u00e4ngig aber davon ist es so laut, dass sie es gar nicht abstreiten k\u00f6nnen. Aber niemand unternimmt hier etwas dagegen. NIEMAND!<\/p>\n<p>Und fast alle Gefangenen fahren dieses Schiene! Wenn man als Neuer hier rein kommt, sieht man sofort bei den Mitgefangenen (75 Prozent) ihre rechten T\u00e4towierungen. Alles sichtbar, teilweise sogar am Hals, an den Armen und einigen sogar im Gesicht.<\/p>\n<p>Sie tragen es offen zur Schau. Ich unterhielt mich mit einem lieben Menschen aus Syrien, der mir im gebrochenen Deutsch sagte, dass die Beamten gemein zu ihm waren und nicht helfen, keine Hilfestellung geben bei Sachen, die den Vollzug betreffen. Ein anderer wurde von den Beamten schon so dumm angemacht, obwohl er kein Wort deutsch verstand. Seit Wochen ohne Fernseher und nicht zu den Beamten geht. Wenn ein Deutscher kommt und kein Fernseher oder Radio hat, bekommt er sp\u00e4testens einen Tag darauf alles, was er braucht. Tja, das ist der tiefe Osten und hier steht die Zeit still. Die wenigen ausl\u00e4ndischen Mitgefangenen sind alleine und gehen auf die Beamten nicht zu, genauso wenig zu den Deutschen. 200 Gefangene sind hier und davon 180 rechter Gesinnung, was ganz offen zur Schau gestellt wird, ohne das jemand einschreitet!<\/p>\n<p>Sollte mir hier innen nur einer zu nahe kommen, werde ich eine Lektion verpassen, die sie nicht vergessen werden. Vielleicht werde ich ja dann endlich verlegt.<\/p>\n<p>Das ist also meine derzeitige Haftsituation. Und es gibt noch viel viel mehr, was es zu erz\u00e4hlen g\u00e4be und was passiert ist.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass diese Zeilen eine breite \u00d6ffentlichkeit erreichen und dass vielleicht Menschen auf die Barrikaden gehen um diese Zust\u00e4nde zu beenden.<\/p>\n<p>Ich k\u00e4mpfe Tag f\u00fcr Tag, ich stecke Erniedrigungen, Ausgeliefert sein und meine Angstzust\u00e4nde wegen einer eventuellen Auslieferung nach Italien und was mich dann WIEDER erwartet, weg.<\/p>\n<p>Aber es ist schwer!<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte keine Angst mehr haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte so gern, dass mein Kopf wieder frei ist, ohne das Chaos darin.<\/p>\n<p>Diese Schweine haben so viel in mir kaputt gemacht und mit jedem Tag ein St\u00fcck mehr von mir!<\/p>\n<p>Andi, 22. Oktober 2017<\/p>\n<p>+++++++++++++++++++++++++<\/p>\n<blockquote><p><strong>Andreas freut sich \u00fcber jede Form der Unterst\u00fctzung, ob Infost\u00e4nde, Kundgebungen oder Farbe, die Wahl der MIttel kennt keine Grenzen!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schreibt ihm und Unterst\u00fctzt ihn! Andreas Krebs, JVA Volkstedt, Am Sandberg 11, 06295 Lutherstadt Eisleben<\/strong><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: indy.de Am 12. Oktober 2017 um 6.00 Uhr morgens startete der Tag wie jeder andere \u2013 morgendliches Wecken und Lebendkontrolle. Ich holte meine Morgenmedizin aus dem Dienstzimmer und ging anschlie\u00dfend duschen. Ich muss dazu sagen, dass von Montag bis Freitag von 6 bis 8 Uhr die Zellent\u00fcren ge\u00f6ffnet sind. 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