{"id":3639,"date":"2017-03-08T21:01:36","date_gmt":"2017-03-08T20:01:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=3639"},"modified":"2017-03-08T21:04:50","modified_gmt":"2017-03-08T20:04:50","slug":"nieder-mit-dem-patriarchat-worte-aus-dem-knast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=3639","title":{"rendered":"Nieder mit dem Patriarchat \u2013 Worte aus dem Knast"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/205865\" target=\"_blank\">linksunten<\/a><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3640\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/feministanarchistlogo195px.jpg\" alt=\"\" height=\"284\" width=\"240\"\/>Wir ver\u00f6ffentlichen hier den Brief einer anarchistischen Gef\u00e4hrtin, die seit einigen Monaten in Deutschland im Knast sitzt, da ihr vorgeworfen wird, eine Bank in Aachen \u00fcberfallen zu haben. Aktuell steht sie vor Gericht. Sie hat diesen Brief im Kontext des 08. M\u00e4rz, dem internationalen Frauenkampftag, geschrieben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nieder mit dem Patriarchat<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8211; \u00fcber soziale, rassistische und patriarchale Missst\u00e4nde &#8211; <\/strong><\/p>\n<p><strong>Das wir auch hier in Deutschland in einer total ungleichen Gesellschaft leben ist allgemein bekannt. Die Oberschicht ist gut abgesichert und wohl beh\u00fctet, hat keine existenziellen Sorgen und kann ihren Kindern trotz aller allgemeinen Problemen auf dieser Welt eine zuversichtliche Zukunft bieten, etwas, dass der Unterschicht nicht zusteht. W\u00e4hrend ein kleiner Teil der Menschen zudem immer reicher wird, soll ein gro\u00dfer Teil am Existenzminimum gehalten werden, arbeitet f\u00fcr einen beschissenen Niedriglohn und wird zum immer sinnloseren Konsum getrimmt, damit dieses profitgierige System in dem wir leben, aufrecht erhalten werden kann. W\u00e4hrend sich wenige auf ihren millionenteuren Yachten im Mittelmeer sonnen oder sich in ihren Privatjets \u00fcber den Erdball kutschieren lassen, k\u00f6nnen sich viele andere nicht einmal im Leben einen wirklichen Urlaub leisten, geschweige denn ihre Miete, die Stromrechnung oder ein paar neue Z\u00e4hne bezahlen. W\u00e4hrend die Superreichen ihren angescheffelten Reichtum vor den geltenden Steuerpflichten in irgendwelchen Steuerparadiesen oder \u00fcber ein paar Briefkastenfirmen retten und meist nicht einmal ernsthaft juristisch daf\u00fcr belangt werden, sitzen so manche Arme Monate oder Jahre f\u00fcr Geldstrafen oder Kleinstkriminalit\u00e4ten \u2013 f\u00fcr Betr\u00e4ge, die die Reichen t\u00e4glich in Minuten ausgeben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Staat und die Medien erz\u00e4hlen zwar jeder Mensch w\u00fcrde vor dem Gesetz gleich stehen, aber dabei wei\u00df jedes Kind, dass wer reich und m\u00e4chtig ist, nicht im Knast landet, da gute und teure Anw\u00e4lte ihn heraus hauen werden. Wer schlechte Anw\u00e4lte hat oder auch schon aus sozialen oder rassistischen Gr\u00fcnden als \u201e\u00fcbliche_r Verd\u00e4chtige_r\u201c gilt, hat w\u00e4hrenddessen einfach schlechte Karten. Und wer zudem nicht der deutschen Sprache m\u00e4chtig ist oder nicht lesen und schreiben kann, hat faktisch keine Verteidigungschancen und ist auf st\u00e4ndige Hilfe anderer angewiesen, die oft nicht da ist. Der Gesellschaft ist es schei\u00df egal. Es werden die \u00fcblichen Feindbilder der \u201ekriminellen Ausl\u00e4nder*innen\u201c, arabischen und nordafrikanischen \u201eTerrorist*innen\u201c und \u201egef\u00e4hrlichen Fl\u00fcchtlingen\u201c hochgehalten, die schnellstm\u00f6glich weg gesperrt oder abgeschoben werden sollen. Deutschland preist sich zwar gerne als weltoffenes Land an, das auch Fl\u00fcchtlinge aufnimmt, aber nur wenn sich diese erfolgreich in das Arbeitssystem integrieren, wirtschaftlich aus ihnen Profit zu schlagen ist oder sie sich als Opferrolle vermarkten lassen. Wenn sie allerdings in ihren Familien, oder sogenannten \u201eBanden\u201c, nach Deutschland kommen, um in einem reicheren Land logischerweise besser \u00fcberleben zu k\u00f6nnen oder denen nehmen, die mehr haben als sie, dann werden sie nicht nur weg gesperrt oder abgeschoben, sondern an ihnen noch fremdenfeindliche Politik statuiert und gerechtfertigt. Dabei geht es dem Staat vor allen Dingen um das Recht der Reichen und dem Schutz ihres Eigentums. Wer gegen Besitzverh\u00e4ltnisse verst\u00f6\u00dft, wird hier proportional am h\u00e4rtesten bestraft. Der Knast ist eben voll von sogenannten Einbrecher*innen, Betr\u00fcger*innen, R\u00e4uber*innen und Dieb*innen und nicht von M\u00f6rdern oder Vergewaltigern, wie so oft dargestellt. Und die Ausl\u00e4nderquote ist nat\u00fcrlich sehr hoch, aber nicht weil Ausl\u00e4nder*innen krimineller als Deutsche sind, sonder weil sie generell zur Unterschicht geh\u00f6ren. Das war in einem Einwanderland wie Deutschland schon immer so und wird auch weiter so bleiben.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Doch da gibt es noch einen anderen Punkt, der hier die ganzen benannten Ungerechtigkeiten und strukturellen Unterdr\u00fcckungen vielleicht sogar noch \u00fcbertrifft, n\u00e4mlich die patriarchale Gewalt. Und das trifft die Frauen im Knast noch einmal dreifach. Der Anteil der Frauen im Gesamtteil der Gefangenen ist ein absolut geringer. Deshalb werden die Bed\u00fcrfnisse der Frauen auch fast gar nicht wahrgenommen. Die gesundheitlichen, medizinischen und hygienischen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen und in frauenspezifischen Angelegenheiten sind erschreckend schlecht. Es gibt grunds\u00e4tzlich immer mehr Aktivit\u00e4ten, Sportm\u00f6glichkeiten und Aus- und Weiterbildungsoptionen f\u00fcr M\u00e4nner als f\u00fcr Frauen. Die meisten Frauen kommen mehr oder weniger direkt aus h\u00e4uslichen oder sexuellen Gewaltverh\u00e4ltnissen, oft wurden sie von ihren M\u00e4nnern oder V\u00e4tern zum klauen oder rauben gezwungen oder sind hier, weil sie sich gegen ihre Peiniger gewehrt haben. Der Staat und die Gesellschaft skandalieren auf sexistische Weise, wenn Frauen kriminelle Handlungen durchf\u00fchren, vor allen Dingen wenn sie besondere Positionen haben, die sonst gew\u00f6hnlich nur M\u00e4nner machen. Au\u00dferdem beh\u00e4lt sich auch heutzutage der Staat weiter vor \u00fcber den K\u00f6rper der Frau bestimmen zu d\u00fcrfen und die Frauen notfalls strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, wenn sie diese Herrschaft \u00fcber ihren K\u00f6rper nicht hergeben. Das hat sich auch seit dem Mittelalter nicht ge\u00e4ndert, blo\u00df werden sie jetzt nicht mehr als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sondern landen im Knast. W\u00e4hrend die M\u00e4nner im Knast oft von ihren Frauen besucht werden, ist das umgekehrt nur selten der Fall. Oft sind die M\u00e4nner der Frauen im Knast auch selbst in Haft, auf der Flucht oder k\u00fcmmern sich nicht um sie. Au\u00dferdem haben fast alle Frauen im Knast Kinder drau\u00dfen und somit oft das Problem wer sich um diese zwischenzeitlich k\u00fcmmert. Die Frau ist eben oft auch aus dem Knast heraus gezwungen ihr Familie zu versorgen und aufrecht zu halten und das obwohl es von hier heraus enorm schwierig ist so viel zu organisieren. Im besten Fall steht der Frau immer noch ihre eigenen Mutter zur Verf\u00fcgung. Denn am Ende ist die Frau im Knast in fast allen Kulturen verp\u00f6nt und verachtet und wenn sie angeblich gewaltt\u00e4tig geworden ist, dann noch mehr, da das klassische Rollenbild einer Frau ihr jegliche Art von Selbsterm\u00e4chtigung abspricht. Somit spielt die patriarchale Struktur des Staates und des Strafgesetzes zusammen mit den famili\u00e4ren Gewaltverh\u00e4ltnissen gegen die Frauen und f\u00fchrt zu ihrer Beherrschung und Unterdr\u00fcckung. Und trotz dieser niederschmetternden Realit\u00e4t gibt es doch immer wieder kleine hoffnungsvolle Selbstbestimmungs- und Selbstorganisierungsans\u00e4tze der Frauen untereinander im Knast. Vielleicht ist oft die Empathie gr\u00f6\u00dfer als zwischen M\u00e4nnern, in gewissen Situationen wird sich manchmal gegenseitig geholfen oder im einzelnen auch solidarisch gegen\u00fcber Schw\u00e4cheren, Unterprivilegierten oder Rebellinnen verhalten. Jede dieser auch noch so kleinsten Gesten und Haltungen sind nat\u00fcrlich lebensnotwendig \u2013 f\u00fcr jede einzelne im Weg durch den Knast aber auch als Zeichen gegen all diese Unterdr\u00fcckungen und Zwangssysteme.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Kampf geht weiter \u2013 bis alle Kn\u00e4ste nieder gest\u00fcrzt sind!<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die totale Befreiung von allen sozialen, rassistischen und patriarchalen Herrschaftssystemen. Kraft, Mut und Rebellion. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Freiheit f\u00fcr alle!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Januar 2017<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: linksunten Wir ver\u00f6ffentlichen hier den Brief einer anarchistischen Gef\u00e4hrtin, die seit einigen Monaten in Deutschland im Knast sitzt, da ihr vorgeworfen wird, eine Bank in Aachen \u00fcberfallen zu haben. Aktuell steht sie vor Gericht. Sie hat diesen Brief im Kontext des 08. 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