{"id":355,"date":"2011-01-13T12:58:20","date_gmt":"2011-01-13T11:58:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=355"},"modified":"2011-01-13T12:58:20","modified_gmt":"2011-01-13T11:58:20","slug":"solidaritatsaufruf-von-mitgliedern-der-gruppe-revolutionarer-kampf-aus-dem-gefangnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=355","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4tsaufruf von Mitgliedern der Gruppe &#8222;Revolution\u00e4rer Kampf&#8220; aus dem Gef\u00e4ngnis"},"content":{"rendered":"<p>Genossen und Genossinnen,<\/p>\n<p>wir sind drei politische Gefangene, Mitglieder der bewaffnet k&auml;mpfenden Organisation Revolution&auml;rer Kampf [<em>Epanastatikos Agonas<\/em>] und wir senden euch unsere k&auml;mpferischen Gr&uuml;&szlig;e aus den griechischen Gef&auml;ngnissen.<\/p>\n<p>Wir wurden im April 2010 zusammen mit drei weiteren Genossen festgenommen, die der Mitgliedschaft in der Organisation beschuldigt werden und sind seitdem in Untersuchungshaft, auf unseren Prozess in den ersten Monaten 2011 wartend.<\/p>\n<p>\tWir drei haben mit einer an die Gesellschaft gerichteten Botschaft die Verantwortung f&uuml;r die Teilnahme an der Organisation Revolution&auml;rer Kampf &uuml;bernommen. Auf diese Weise haben wir unsere Praxis verteidigt, die gegen das Kapital und den Staat gerichtet ist, wobei wir mit unseren Worten und Taten in Richtung auf den Sturz des Staats und des Kapitalismus beigetragen haben, in Richtung auf die gesellschaftliche Revolution f&uuml;r eine staatenlose, antiautorit&auml;re, kommunale und kommunistische Gesellschaft, in der die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Leitung und Verwaltung von den Versammlungen des Volkes und den R&auml;ten ausge&uuml;bt werden.<!--more--><\/p>\n<p>Mit der &Uuml;bernahme der Verantwortung wollten wir au&szlig;erdem den bewaffneten Kampf verteidigen, seine Zeitlosigkeit und seine Bedeutung als Teil des breiteren Kampfes f&uuml;r den Umsturz und die gesellschaftliche Revolution aufzeigen. Vor allem aber wollten wir aufzeigen, wie zeitgem&auml;&szlig; und notwendig er in unserem Zeitalter ist, dem Zeitalter der globalen wirtschaftlichen Krise, wo sich unserer Meinung nach die passenden objektiven Bedingungen f&uuml;r den Sturz des Kapitalismus mehr als in jeder anderen Epoche seit Ende des 2. Weltkrieges gebildet haben.<\/p>\n<p>Au&szlig;erdem wollten wir &uuml;ber die &Uuml;bernahme der Verantwortung Gedenken und Ehrung f&uuml;r unseren Genossen Lambros Fountas aufzeigen, der ein Mitglied des Revolution&auml;ren Kampfes war und bei einer bewaffneten Auseinandersetzung mit den Bullen im M&auml;rz 2010 get&ouml;tet wurde, w&auml;hrend des Versuchs, ein Auto zu enteignen, eine Aktion, die zur Vorbereitung eines breiteren Aktionsplans der Organisation diente.<\/p>\n<p>Das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld, in dem der Revolution&auml;re Kampf entstand und in Aktion trat ist sehr verschieden von dem, in dem die westeurop&auml;ischen Stadtguerillaorganisationen in den 70er und 80er Jahren bis zum Beginn der 90er agierten. Damals herrschte Bipolarit&auml;t, der Wettbewerb zwischen den USA und der UdSSR und ihrer politisch-&ouml;konomischen Systeme. Es war das Zeitalter, in der das Modell des Keynesianismus in der Krise und der politischen Verachtung versank, indem das Kapital seine Vormachtstellung gegen&uuml;ber dem Proletariat wiederherstellte, eine Regierung der westlichen L&auml;nder nach der anderen staatliche Interventionen in die Wirtschaft aufgaben, die sogenannte &bdquo;Nachfragewirtschaft&ldquo; durch die &bdquo;Angebotswirtschaft&ldquo; ersetzt wurde, w&auml;hrend die Staaten den Angriff auf die gesellschaftlichen Errungenschaften und die Errungenschaften der Arbeiter begannen, die Interessen der wirtschaftlich Starken vertretend und das neoliberale wirtschaftliche und politische Regierungsmodell aufzwingend.<\/p>\n<p>Das wirtschaftliche und politische Umfeld, in dem der Revolution&auml;re Kampf entstand, wurde bestimmt durch die Monokratie der USA, die wirtschaftliche Globalisierung, den Neoliberalismus und den Krieg gegen den Terror, der die Spitze der politisch-milit&auml;rischen Globalisierung bildet. Denn f&uuml;r uns bilden der &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; und der Totalitarismus der M&auml;rkte die beiden Seiten derselben Medaille, den politischen und den entsprechenden wirtschaftlichen Charakter der Globalisierung, die nicht mit den Waffen der Kapitalisten und der internationalen Wirtschaftsorganisationen (IWF, Weltbank, Welthandelsorganisation, Europ&auml;ische Zentralbank, US-amerikanische Zentralbank), mit den finanzwirtschaftlichen Werkzeugen der internationalen B&ouml;rsen, mit der Armut, dem Hunger und der Ausgrenzung aufgezwungen werden kann, sondern die aufgezwungen wird mit der Zuspitzung der staatlichen Gewalt und Macht, mit der Repression, mit dem Krieg und den milit&auml;rischen Interventionen, mit dem Feuer und dem Eisen.<\/p>\n<p>In der Periode von 2003, wo der Revolution&auml;re Kampf seine Praxis begann, bis 2007 und w&auml;hrend die intensivierte gesellschaftliche Krise starke gesellschaftliche Unzufriedenheit schuf, war das Einverst&auml;ndnis mit dem Neoliberalismus gro&szlig; aufgrund der Tatsache, dass die kapitalistische Entwicklung &bdquo;reibungslos&ldquo; auf Pump fortgesetzt wurde, als Blase weltweiten Ausma&szlig;es, die gegen die aufeinanderfolgenden, die Welt ersch&uuml;tternden Krisen wuchs (Krise in S&uuml;dostasien, wirtschaftlicher Zusammenbruch in Argentinien, Krise der Dotcom in den USA).<\/p>\n<p>Ab 2007, das Jahr in dem die erste &bdquo;Explosion&ldquo; aus dem Platzen der Hypothekenbaudarlehen in den USA zu verzeichnen war, die den Funken f&uuml;r den Ausbruch der weltweiten wirtschaftlichen Krise abgab, begann der Bankrott des neoliberalen Einverst&auml;ndnisses, in eine immer tiefere politische und gesellschaftliche Verachtung des Systems f&uuml;hrend.<\/p>\n<p>In der ersten Periode seiner Praxis setzte der Revolution&auml;re Kampf als Hauptthemen den &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; mit den milit&auml;rischen Interventionen der USA und ihrer westlichen Verb&uuml;ndeten in L&auml;ndern der Peripherie und mit der Steigerung der staatlichen Gewalt, der Repression und des Terrors in L&auml;ndern des kapitalistischen Zentrums und seine engeren Peripherie, zu der grunds&auml;tzlich Griechenland geh&ouml;rt (Angriff mit einer Rakete auf die Botschaft der USA, Angriff auf den fr&uuml;heren Minister f&uuml;r &Ouml;ffentliche Ordnung, gegen polizeiliche Ziele und Gerichte), den neoliberalen Angriff, die Vermarktung auch der letzten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktionen, den Angriff des Kapitals auf Errungenschaften der Arbeitenden (Angriffe mit Bomben auf die Ministerien f&uuml;r Besch&auml;ftigung und Wirtschaft).<\/p>\n<p>Im Folgenden und ab 2008 wurde die globale wirtschaftliche Krise f&uuml;r uns eine reale Herausforderung, unsere Praxis zu steigern, Angriffe auf wirtschaftliche Strukturen und Organismen wie die B&ouml;rse, die Banken Citibank und Eurobank durchf&uuml;hrend. Unser Ehrgeiz liegt darin, dem durch die Krise verwundbaren System den gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Schaden zuzuf&uuml;gen, militant die politischen Entscheidungen der griechischen Regierung und die &bdquo;Rettungspl&auml;ne&ldquo; des Landes, die auf Anweisung der Troika (IWF, EU, EZB) aufgezwungen werden, zu sabotieren.<\/p>\n<p>Das war genau das, was die PASOK Regierung am Revolution&auml;ren Kampf f&uuml;rchtete, da nach Verlautbarungen von Regierungsfunktion&auml;ren, die Organisation mit ihren Aktionen &bdquo;die wirtschaftlichen Ma&szlig;nahmen h&auml;tte in die Luft sprengen k&ouml;nnen&ldquo;. Deswegen wurden unsere Festnahmen, die wenige Tage bevor IWF, EU und EZB die Z&uuml;gel der Macht in Griechenland vollst&auml;ndig in die Hand nahmen stattfanden, von der griechischen Regierung sowie von europ&auml;ischen und US-amerikanischen politischen Akteuren als gro&szlig;er Erfolg bezeichnet.<br \/>\n\tF&uuml;r uns ist die wirtschaftliche Krise, die wir heute erleben, die erste tats&auml;chliche globale Krise in der Geschichte und die einzige seit der gro&szlig;en Rezession in den 30er Jahren, die mit derartiger Heftigkeit die Gesamtheit der L&auml;nder des kapitalistischen Zentrums ersch&uuml;ttert. Ihr Charakter ist systemisch, er betrifft die Natur des Kapitalismus selbst und der &Ouml;konomie der M&auml;rkte und sie hat viele Dimensionen, das sie au&szlig;er wirtschaftlich auch politisch, gesellschaftlich und &ouml;kologisch ist.<\/p>\n<p>Aus Anlass dieser Krise f&uuml;hren die wirtschaftlichen und politischen Eliten auf der Welt einen Angriff an allen Fronten gegen die Gesellschaften, begraben im Namen der Wettbewerbsf&auml;higkeit endg&uuml;ltig alte Errungenschaften der Arbeiterbewegung, der Sozialstaat ist ferne Vergangenheit w&auml;hrend Institutionen des Systems wie der Nationalstaat ihr Gewicht verlieren, Begriffe wie nationale Selbstst&auml;ndigkeit haben keine wesentliche Bedeutung und die repr&auml;sentative Demokratie in L&auml;ndern wie Griechenland, die unter die Aufsicht der &uuml;bernationalen Elite und ihrer wirtschaftlichen Organe (IWF, Zentralbanken, usw.) gestellt werden, wird blo&szlig;gestellt, indem in der Praxis eine Reihe Artikel der Verfassung au&szlig;er Kraft gesetzt werden und wird zum Hebel f&uuml;r die Errichtung eines globalisierten Totalitarismus der M&auml;rkte, der multinationalen Konzerne, der Banker und ihrer politischen Organe.<\/p>\n<p>Gegen die Attacke der wirtschaftlichen und politischen Elite gibt es keinen Spielraum f&uuml;r die Umsetzung keynesianischer Experimente und Reformen. Dies zeigte sich auch in der Art und Weise, in der die Regierungen auf die Krise antworteten, indem sie den brutalsten neoliberalen Angriff auf die mittleren und unteren gesellschaftlichen Schichten ausf&uuml;hrten, gegen den Willen der Mehrheit der Menschen. Mit dem Anlass der wirtschaftlichen Krise findet der gr&ouml;&szlig;te Raub und die gr&ouml;&szlig;te Pl&uuml;nderung in der Geschichte der Menschheit und die gr&ouml;&szlig;te Umverteilung von Reichtum von der Basis an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie statt, mit dem Ergebnis, dass immer mehr Menschen in Hunger, Verelendung, Ausgrenzung und Tod gef&uuml;hrt werden.<\/p>\n<p>F&uuml;r gro&szlig;e Teile der Gesellschaften, sowohl an den R&auml;ndern als auch im kapitalistischen Zentrum ist nicht nur das neoliberale Modell des Wirtschaftswachstums bankrott, sondern allgemein das bestehende wirtschaftliche System, w&auml;hrend das politische System der repr&auml;sentativen Demokratie das gleiche Schicksal teilt.<\/p>\n<p>Das Fehlen gesellschaftlichen Einverst&auml;ndnisses hindert die europ&auml;ischen Regierungen nicht daran, im Namen der &Uuml;berwindung der Krise fortlaufend zu politischen Putschen zu greifen, nunmehr gest&uuml;tzt auf Minderheiten, so die Wut und den &Auml;rger der gesellschaftlichen Mehrheiten provozierend, die sich immer &ouml;fter gewaltsam in den Stra&szlig;en der europ&auml;ischen St&auml;dte manifestieren (Frankreich, England, Griechenland, Irland, Italien&hellip;).<\/p>\n<p>Alles oben Angef&uuml;hrte beschreibt eine Reihe von Bedingungen, politische und gesellschaftliche, die f&uuml;r uns die nunmehr geeignetsten sind, um den internationalen proletarischen Gegenangriff in die Tat umzusetzen, damit wir den Sturz des Kapitalismus und des Staates durchf&uuml;hren, damit wir die Revolution wagen. Denn heute ist die Wahl f&uuml;r die Aktivisten aber auch f&uuml;r die Unterdr&uuml;ckten allgemein eine: gesellschaftliche Revolution oder vollst&auml;ndige Unterwerfung und Tod.<\/p>\n<p>Unsere Pflicht ist es, die subjektiven Bedingungen herzustellen, mit anderen Worten zur Bildung einer vielf&ouml;rmigen revolution&auml;ren Bewegung international und in jedem Land beizutragen, die die Bedingungen schafft, damit wir zur Umsetzung der gesellschaftlichen Revolution schreiten.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser politischen und gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse kann der bewaffnete Kampf eine bedeutsame und zentrale Rolle spielen, indem er die umfassende politische Konfrontation mit dem System ausdr&uuml;cken, den bewaffneten proletarischen Gegenangriff der V&ouml;lker verk&uuml;nden und auf nunmehr militanteste Art den Umsturz und die gesellschaftliche Revolution propagieren kann.<\/p>\n<p>Wir wollen, dass unser Prozess ein politisches Podium bildet, von dem wir diese politischen Thesen &ouml;ffentlich verk&uuml;nden, wir wollen, dass er als ein Moment des Kampfes f&uuml;r die Freiheit in die Geschichte eingeht. Dass wir die Bedeutung der gesellschaftlichen Revolution als die einzige Antwort auf die Krise aufzeigen, die die gr&ouml;&szlig;ten Teile der Gesellschaft zu wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vernichtung verurteilt.<\/p>\n<p>Dass er eine &ouml;ffentliche Verurteilung des Systems und jedes politischen Farbtons seiner Kollaborateure wird. Dass wir aufzeigen, wie lebendig und zeitgem&auml;&szlig; der bewaffnete Kampf ist, trotz der Schl&auml;ge des Staates und wie wichtig er in unserem Zeitalter f&uuml;r den Antrieb des revolution&auml;ren Projektes ist. Dass wir &uuml;ber die Notwendigkeit der Schaffung von revolution&auml;ren Bewegungen &uuml;berall reden, die in der Lage sein werden, die gesellschaftliche Revolution zu wagen.<\/p>\n<p>In einem solchen Prozess, glauben wir, sind die besten &bdquo;Zeugen der Verteidigung&ldquo; die Genossinnen und Genossen, die die militante Konfrontation mit dem System gew&auml;hlt haben. Es sind die Aktivisten, die Mitglieder von bewaffnet k&auml;mpfenden Organisationen waren und die ihre politischen &Uuml;berzeugungen nicht ge&auml;ndert oder bereut haben, die K&auml;mpfe ihrer Genossen und Genossinnen verteidigend, die im Gef&auml;ngnis gestorben sind oder viele Jahre eingesperrt verbracht haben.<\/p>\n<p>Mit ihrer politischen Aussage vor Gericht werden sie &uuml;ber ihre eigenen Erfahrungen, ihre eigenen K&auml;mpfe sprechen, so wie sie sie unter anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen erlebt haben. Sie werden &uuml;ber die Permanenz und die historische Fortsetzung des gesellschaftlichen und des Klassenkampfes sprechen, der bis zur vollst&auml;ndigen Zerst&ouml;rung des kapitalistischen Systems gef&uuml;hrt werden wird. Sie werden &uuml;ber den Kampf sprechen, der auch in den Gef&auml;ngnissen von den Gefangenen dieses Krieges weitergef&uuml;hrt wird. Denn wir haben den Weg des Kampfes nicht gew&auml;hlt, um die Gef&auml;ngnisbedingungen zu akzeptieren, die uns vom Feind aufgezwungen werden, um uns moralisch niederzuschlagen und uns zu politischer und sogar physischer Eliminierung zu f&uuml;hren.<\/p>\n<p>Das w&auml;re f&uuml;r uns der beste Ausdruck von Solidarit&auml;t. Dass dieser Prozess zu einem Schrei der Freiheit wird.<\/p>\n<p>Pola Roupa, Nikos Maziotis, Kostas Gournas<\/p>\n<p>\n\tvon: abc-berlin.net<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genossen und Genossinnen, wir sind drei politische Gefangene, Mitglieder der bewaffnet k&auml;mpfenden Organisation Revolution&auml;rer Kampf [Epanastatikos Agonas] und wir senden euch unsere k&auml;mpferischen Gr&uuml;&szlig;e aus den griechischen Gef&auml;ngnissen. 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