{"id":3269,"date":"2016-09-12T12:39:06","date_gmt":"2016-09-12T10:39:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=3269"},"modified":"2016-09-12T12:39:06","modified_gmt":"2016-09-12T10:39:06","slug":"berlin-gemeinsame-erklarung-aus-dem-knast-von-aaron-balu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=3269","title":{"rendered":"[Berlin] Gemeinsame Erkl\u00e4rung aus dem Knast von Aaron &#038; Balu"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/190128\" target=\"_blank\">linksunten<\/a><\/p>\n<div class=\"content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-3270\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/6188_faf4_480-300x300.jpeg\" alt=\"bad_boi\" width=\"249\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/6188_faf4_480-300x300.jpeg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/6188_faf4_480-150x150.jpeg 150w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/6188_faf4_480.jpeg 480w\" sizes=\"(max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/>Der 9. September markiert nicht nur zweimonatiges \u201eJubil\u00e4um\u201d in der JVA Moabit, sondern vielmehr den 45. Jahrestag des Gefangenenaufstands von Attica und die damit einhergehenden Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr Gefangene in aller Welt. Unsere Solidarit\u00e4t gilt an dieser Stelle allen die gegen die Ausbeutung von Knastarbeiter*innen k\u00e4mpfen, und Gefangene unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Unter dem Vorwand der Terrorismusbek\u00e4mpfung und in der Hoffnung des &#8211; mehr als fragw\u00fcrdigen &#8211; \u201eFl\u00fcchtlingsdeal\u201d mit der T\u00fcrkei aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen; um milit\u00e4rische, wirtschaftliche und geopolitische Interessen der BRD durchzusetzen, wird wieder zunehmend mit dem Totschlagparagraphen 129 \u201eargumentiert\u201d. Aktivist*innen, Unterst\u00fctzungsorganisationen und besonders Kurd*innen werden mit allen, dem Staat zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln, unterdr\u00fcckt und verfolgt.<\/p>\n<p>Zeitgleich nehmen neofaschistische Gewaltdelikte in Europa \u00fcberhand und offenkundig neofaschistische Vereinigungen finden immer mehr Zuspruch in allen Teilen der Gesellschaft. \u201eVerfassungssch\u00fctzer\u201d, die dubios in NSU-Morde verstrickt sind, werden nicht angeklagt. Stattdessen k\u00e4mpft der Staat erbittert gegen alternative Lebensformen, autonome Projekte und versucht den Widerstand gegen rassistische, repressive und ausbeutende Strukturen in der Gesellschaft zu kriminalisieren. Berechtigte Kritik und Aktionen gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse werden heute, mehr denn je, als \u201eTerrorismus\u201d betitelt und angeklagt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In diesem Sinne fordern wir die Freiheit aller politischen Gefangenen!<\/p>\n<p>In der Hysterie um den (islamistischen) Terrorismus will auch der deutsche Staat seine Rolle noch weiter ausbauen. Nach den Ereignissen in W\u00fcrzburg, Ansbach und M\u00fcnchen \u2013 die mitnichten in denselben Topf geh\u00f6ren \u2013 soll wieder einmal die subjektive \u201eSicherheit\u201d erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<p>In den Nachrichten wird stolz berichtet, dass im ersten Halbjahr 2016 schon mehr Menschen an den deutschen Grenzen abgewiesen wurden (ca. 13000), als im gesamten Jahr 2015 (ca. 9000). Die gr\u00f6\u00dfte Gruppe der abgewiesenen Menschen stellen Afghan*innen, gefolgt von Syrer*innen und Iraker*innen, deren L\u00e4nder in den letzten Jahren (auch) ma\u00dfgeblich durch westliche Milit\u00e4rallianzen zu Todeszonen geworden sind.<\/p>\n<p>Aber die Privilegien der wei\u00dfen Gesellschaften sollen nicht nur \u201eam Hindukusch\u201d verteidigt werden. Auch durch den Ausbau der Polizei, die Bewertung von Menschen anhand \u201e\u00f6konomscher Nutzenskriterien\u201d und die Ausweitung der Video\u00fcberwachung werden Gefl\u00fcchtete dikriminiert, unter Generalverdacht gestellt und kriminalisiert. Die geforderte Loyalit\u00e4t zu Kaltland soll einmal mehr durch den Pass symbolisiert werden. Alles zum Schutz des \u201edeutschen Volkes\u201d, dass in erschreckender Art und Weise seinen, ach so vermissten, Nationalstolz wieder offen zur Schau stellt.<\/p>\n<p>Aber wer sch\u00fctzt all die Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft oder Nonkonformit\u00e4t mit den kaltl\u00e4ndischen \u201eNormen und Werten\u201d, immer wieder angegriffen werden? Wie k\u00f6nnen diese Menschen sich selbst sch\u00fctzen?<\/p>\n<p>No Border Camps in Kaltland und Griechenland oder Hausbesetzungen zur kollektiven Aneignung von R\u00e4umen sind Schritte in die richtige Richtung. Jede dieser Aktionen sollte aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass in diesem Kampf vor allem Ausdauer und Konsequenz gefragt sind. Die letzten Wochen und Monate haben ihrerseits gezeigt, dass es \u00fcberall noch widerst\u00e4ndige Menschen gibt. Entschlossene, die immerwieder dazu in der Lage sind sich dem gewaltt\u00e4tigen Umfeld, dem Staat und dessen Maschinerie, effektiv zu widersetzen. Aber auch das darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass jederzeit auch die gegenteiligen Ergebnisse m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren. An einem Ort errungene Fortschritte d\u00fcrfen nicht dazu f\u00fchren, dass wir an anderen nachlassen.<\/p>\n<p>\u00dcberall wo alternative Projekte angegriffen werden \u2013 k\u00f6nnen und sollten wir aktiv werden! Auch die zunehmende Repression kann uns nicht davon abhalten unsere Tr\u00e4ume zu verwirklichen. Wir haben jederzeit und \u00fcberall die M\u00f6glichkeit Sand in das Getriebe zu streuen und unsere Leben an uns zu rei\u00dfen! Der umsichgreifende Staat, die (Re-)Militarisierung, das r\u00fccksichtslose kapitalistische System und nicht zuletzt das wieder agressiv auftretende \u201edeutsche Volk\u201d lassen ein weiteres abwarten nicht zu.<\/p>\n<p>Hier drinnen geben Eure netten Worte, Aktionen, Zines, Pamphlete, Zeichnungen und Gr\u00fc\u00dfe uns Ausdauer, L\u00e4cheln und Kraft. Der staatlichen Repression und Langeweile entgehen wir mit t\u00e4glichem Gel\u00e4chter beim Hofgang, gemeinsam zubereiteten Mahlzeiten und den Austausch mit anderen Gefangenen. Wir tun unser Bestes, denn unsere Tr\u00e4nen kriegen sie nie! Unsere Dankbarkeit f\u00fcr all die Solidarit\u00e4tsbekundungen ist schwer in Worte zu fassen. Wir sind hier absolut privilegiert; neben oft un\u00fcberwindlichen Sprachbarrieren und der Knastb\u00fcrokratie haben viele Gefangene kein Geld f\u00fcr eigenes Essen und Telephon, niemanden der ihnen schreibt, keine M\u00f6glichkeiten B\u00fccher zu lesen oder deutsch richtig zu lernen. Wir geben unser bestes auszuhelfen und vor allem zu \u00fcbersetzen, da Dolmetscher*innen, zumindest zeitnah, nicht vorhanden sind.<\/p>\n<p>Vergesst bitte nicht, dass wir nur zwei von mindestens 80, bei der Demo festgenommenen sind und das ein Haufen Verfahren zu erwarten sind. Auch allen diesen Menschen gilt unsere Solidarit\u00e4t!<\/p>\n<p>Auf eine freie, gerechte und gemeinsame Zukunft! F\u00fcr Tassen ohne Henkel! Parteipolitik und Wahlk\u00e4mpfe abschaffen! Solidarit\u00e4t mit allen autonomen Projekten!<\/p>\n<p>Aaron &amp; Balu<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: linksunten Der 9. September markiert nicht nur zweimonatiges \u201eJubil\u00e4um\u201d in der JVA Moabit, sondern vielmehr den 45. Jahrestag des Gefangenenaufstands von Attica und die damit einhergehenden Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr Gefangene in aller Welt. Unsere Solidarit\u00e4t gilt an dieser Stelle allen die gegen die Ausbeutung von Knastarbeiter*innen k\u00e4mpfen, und Gefangene unterst\u00fctzen. 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