{"id":2987,"date":"2016-05-11T15:26:40","date_gmt":"2016-05-11T13:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2987"},"modified":"2016-05-11T15:26:40","modified_gmt":"2016-05-11T13:26:40","slug":"nieder-mit-der-grenze-der-brenner-am-7-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2987","title":{"rendered":"Nieder mit der Grenze! Der Brenner am 7.Mai"},"content":{"rendered":"<p>(gefunden auf: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/178523\">linksunten.indymedia.org<\/a>)<\/p>\n<div class=\"content\">\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image image-thumbnail  alignleft\" title=\"Wecome\" src=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/system\/files\/images\/1928945675.thumbnail.jpg\" alt=\"Wecome\" width=\"200\" height=\"113\" \/>Bericht zu den Ereignissen am 7.Mai rund um den Brenner<\/em> &#8211; Am Samstag dem 7.Mai fand auf der italienischen Seite des Grenz\u00fcbergangs Brenner eine Demonstration mit etwa 400 Personen statt. Bereits einige Wochen zuvor, wurde, vor allem durch Gruppen aus Norditalien, aufgerufen am 7.Mai auf den Brenner zu kommen. Auf dem Blog abbatterelefrontiere.blogspot.nl\/ gab es einen Aufruftext, zudem wurde von den Genoss*innen aus Italien im Vorfeld ein mehrseitiger Text ver\u00f6ffentlicht und in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt, der eine Analyse der Debatte rund um den geplanten Zaunbau am Brenner beinhaltete, sowie einige \u00dcberlegungen zur strategischen Wichtigkeit des Ortes f\u00fcr den Widerstand gegen Grenzen. Zudem reisten einige Genoss*innen in den Wochen zuvor durch mehrere St\u00e4dte, um im Rahmen von Veranstaltungen f\u00fcr den 7.Mai zu mobilisieren.<\/p>\n<p><!--more-->Trotz der sorgf\u00e4ltigen Vorbereitung gab es bis zum Schluss einige schwer einsch\u00e4tzbare Faktoren. In den letzten Wochen kam es im Rahmen der \u00f6ffentlichen Debatte um den Zaunbau (kontrolliert wird die Grenze ja de facto schon seit mehreren Jahren an wieder strenger, z.b. in bestimmten Z\u00fcgen) immer wieder zu diplomatischen Zerw\u00fcrfnissen zwischen den Grenz- und Schengenl\u00e4ndern \u00d6sterreich und Italien. W\u00e4hrend \u00d6sterreich die rassistische Abschottungspolitik der letzten Wochen mit der Ank\u00fcndigung eines Grenzzauns am Brenner fortsetzt, wehrt sich Italien gegen diese Ma\u00dfnahme. Es ist dabei v\u00f6llig klar, und dies wird auch von keine*r dem*r Politiker*innen und Wirtschaftsanalyst*innen zu verstecken versucht, dass es dabei rein um den freien Fluss der Waren \u00fcber diese daf\u00fcr extrem wichtige Grenze geht. Aufgrund der Kosten, die ein Transport von Waren weiter westlich \u00fcber die Schweizer Grenze bedeuten w\u00fcrde, w\u00e4hlen viele Firmen den g\u00fcnstigeren -wenn auch l\u00e4ngeren- Weg \u00fcber den Brenner. Der ungehinderte Grenz\u00fcbergang von Waren und somit Kapital ist also der Hauptgrund des Widerstands des italienischen Staates. Das ihm die Lebenssituation der Migrant*innen genau so egal ist wie den anderen EU L\u00e4ndern, zeigen die kalkulierte Ausbeutung migrantischer Arbeitskraft und deren Entrechtung am Arbeitsmarkt sowie der betrieb zahlloser C.I.E. (Migrant*innenkn\u00e4ste) in denen es auch in den letzten Wochen vermehrt zu Aufst\u00e4nden kam. Der \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dferte Unmut des italienischen Staates gegen\u00fcber des Zaunbaus hatte auch zur Folge, dass unklar war, wie sich die italienische Polizei an diesem Tag verhalten w\u00fcrde. Es ist bekannt, dass die Carabinieri in Norditalien nicht zimperlich mit Personen umgehen, die auf der Stra\u00dfe ihre Meinung \u00e4u\u00dfern wollen. Dennoch standen sie w\u00e4hrend der kleineren Demonstration der letzten Wochen eher im Hintergrund und \u00fcberlie\u00dfen den \u00f6sterreichischen Kollegen die Arbeit.<\/p>\n<p>Dies sollte am 7. Mai anders werden. Bereits am Vormittag sammelten sich mehrere Gruppen vor dem Bahnhof in Trento (darunter auch einige Personen, die aus anderen L\u00e4ndern gekommen waren um sich dem Aufruf anzuschlie\u00dfen) um geschlossen auf den Brenner zu fahren. Ein Teil stieg dazu in den Zug, die etwa 25 anwesenden Carabinieri sahen dabei tatenlos zu, keine Person wurde kontrolliert. Auch die Ank\u00fcndigung, dass in Bozen Taschen durchsucht werden w\u00fcrden bewahrheitete sich nicht und so gestaltete sich die etwa 90-min\u00fctige Zugfahrt zum Brenner (f\u00fcr die keine der Anwesenden ein Ticket l\u00f6ste) ruhig. Am Bahnhof angekommen hie\u00df es erst einmal warten. Einerseits wurden die von italienischer Seite per Auto angereisten Genoss*innen kontrolliert (jedoch danach durchgelassen), andererseits sollte auf die Personen aus \u00d6sterreich gewartet werden, die ebenfalls gesammelt mit dem Zug aus Innsbruck anreisen sollten. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 20 Carabinieri lose in der N\u00e4he der Gleise aufgestellt.<\/p>\n<p>Als der Zug aus Innsbruck mit etwa 150 weiteren Personen sowie jene, die mit dem Auto unterwegs waren angekommen waren, bewegte sich die Demo langsam auf die Bundesstra\u00dfe (diese war bereits seit 9:00h gesperrt) vor dem Bahnhofsgeb\u00e4ude. W\u00e4hrend Parolen skandiert wurden bewegte sich die Gruppe langsam Richtung \u00f6sterreichische Seite, was anfangs auch problemlos m\u00f6glich war, die wenigen (inzwischen ca. 40) Carabinieri bewegten sich vor und seitlich mit der Demo.<\/p>\n<p>Als versucht wurde, im gleichem ruhigen Schrittempo nach rechts von der Bundesstra\u00dfe abzuweichen, offenbarte die Polizei jedoch ihr Rolle. In einem relativ schnellen Angriff begann ein Kordon Carabinieri in die rechte Flanke der Demo zu pr\u00fcgeln und versuchte sie dadurch zu spalten. Dies gelang allerdings nur bedingt, da mehrere Personen, vor allem im vorderen Bereich der Demo, auf solche Provokationen vorbereitet und mit diversem K\u00f6rperschutz (Helm, Schoner) als auch Fahnen zur Selbstverteidigung ausgestattet waren. Gleichzeitig flogen auch die ersten Tr\u00e4nengasgeschosse, was f\u00fcr all jene die nicht auf irgendeine Art mit Atemschutz und Brillen ausgestattet waren, erstmal den R\u00fcckzug bedeutete.<\/p>\n<p>Es folgte eine kurze Auseinandersetzung bei der einige Genoss*innen ziemlich Kn\u00fcppel abbekamen. Jedoch war es m\u00f6glich, in kurzer Zeit aus den vorhandenen Tretgittern Barrieren zu bauen um sich dahinter zu sammeln um den n\u00e4chsten Schritt zu setzen. In weiterer Folge bewegte sich die Demo in die andere Richtung und dort durch den Bahnhof aufs Gleisbett und blockierte die Gleise. Dieser Ort war f\u00fcr die Polizei von vorne nur schwer durch ein enges Tor zu erreichen, wo sie mit einer Vielzahl von Einzelteilen des Gleisbetts in Empfang genommen wurden. W\u00e4hrenddessen wurden im hinteren Bereich Parolen auf Zuge gespr\u00fcht und es gab die M\u00f6glichkeit, sich neu zu orientieren.<\/p>\n<p>Sobald die Demo aus dem Bahnhofsgel\u00e4nde, das die Bewegungsm\u00f6glichkeiten einerseits durch das Geb\u00e4ude auf der einen als auch die Frachtz\u00fcge auf der anderen Seite relativ stark einschr\u00e4nkte, herau\u00dfen war, war es m\u00f6glich, sich wieder breiter auf Bundesstra\u00dfe und den Gleisen aufzustellen. Der n\u00e4chste Schritt war nun eine entschlossene und schnell ausgef\u00fchrte Bewegung Richtung Autobahn. Dies gelang problemlos und es war m\u00f6glich die Brennerautobahn komplett zu blockieren sowie mit vorhandenen Gegenst\u00e4nden (Mistk\u00fcbel, Signalschilder,..) kleinere Barrieren zu errichten.<\/p>\n<p>Als die stetig wachsende Zahl der Carabinieri begann, die Gruppe von der Autobahn wegzupr\u00fcgeln, verlagerte sich das Geschehen wieder auf die Bundesstra\u00dfe. Zu diesem Zeitpunkt dauerte die Demo seit Betreten des Bahhofsvorplatzes etwa bereits etwa 2 \u00bd h an und war nach der letzten Aktion auf der Autobahn bereits etwa 1km von der Brennergrenze entfernt. Einige Personen waren zu diesem Zeitpunkt im Zuge der einzelnen Zusammest\u00f6\u00dfe aus den Reihen gerissen und festgenommen worden.<\/p>\n<p>Es schien in diesem Moment so, als w\u00fcrde sich die Lage langsam entspannen, die Anzahl der Carabinieri dezimierte sich und nur noch eine kleine Gruppe bewegte sich seitlich mit der auf der Bundesstra\u00dfe Richtung S\u00fcden sich langsam zur\u00fcckziehenden Demo von nunmehr etwa 200 Personen. Viele erachteten diesen Zeitpunkt auch als richtig, um ihr \u00c4u\u00dferes zu ver\u00e4ndern und diverse Utensilien wie Gasmasken oder \u00e4hnliches das bei einer Verhaftung problematisch werden k\u00f6nnte, loszuwerden. Dies nahm eine Gruppe von etwa 25 Carabinieri zum Anla\u00df, die Bundesstra\u00dfe nach vorn hin pl\u00f6tzlich zu versperren, um daraufhin nach einer kurzen Wartezeit die nun gro\u00dfteils ungesch\u00fctzte Demo mit Kn\u00fcppeln anzugreifen.<\/p>\n<p>Durch den B\u00f6schungsfluss und eine Br\u00fccke zog sich die Demo auf die steilen Wiesen seitlich des Brennerpasses zur\u00fcck, die Br\u00fccke wurde verbarrikatiert und es war m\u00f6glich, einen Moment Zeit zu bekommen um die Situation und die n\u00e4chsten Schritte abzuw\u00e4gen. Ab diesem Zeitpunkt zerlegte sich die Demo langsam in eine gro\u00dfe Gruppe die mehr oder weniger geschlossen langsam zur\u00fcck Richtung Brenner ging ohne von der Polizei angegriffen zu werden und mehrere kleinere Gruppen die sich entschlossen, den Weg in die Berge anzureten um einer weiteren Konfrontation mit der Polizei im Grenzort aus dem Weg zu gehen. Schlussendlich konnten jene Personen, die geschlossen zum Grenzort zur\u00fcckgingen nach Kontrollen und nach dem sie z.T. abgefilmt wurden, jedoch ohne weitere Probleme oder Angriffe in den Bahnhof um dort mit den Z\u00fcgen nach Norden oder S\u00fcden (Der Zug nach Italien wurde zun\u00e4chst 2h aufgehalten) abzufahren.<\/p>\n<p>Die Gefangenen mit \u00f6sterreichischer Staatsb\u00fcrger*innenschaft konnten noch am gleichen Tag aus dem Knast geholt werden, w\u00e4hrend sechs Gefangene auf italienischer Seite auch Sonntags noch in Gef\u00e4ngnissen in Bozen (wo es Sonntags auch eine Solidemo gab) und Trient sa\u00dfen. Organisiert worden waren im Vorfeld eine Rechtshilfe sowohl auf \u00f6sterreichischer als auch auf italienischer Seite.<\/p>\n<p>Es war am 7.Mai m\u00f6glich, massiv in den Ablauf der Grenzmaschine Brenner einzugreifen sowie der Polizei, die schlu\u00dfendlich jene sind, die die rassistischen Gesetze in der Praxis durchsetzen, zu zeigen, dass sie mit Widerstand zu rechnen haben. Sei es in den CIE Italiens, den Lagern Griechenlands den Stra\u00dfen Barcelonas oder den Grenzen der Festung Europa und seiner Staaten.<\/p>\n<p>Die am Samstag gemachten Erfahrungen sind eine weitere M\u00f6glichkeit, sich in den eigenen Bezugsgruppen \u00fcber Strategien und Handlungsoptionen (auch n\u00f6rdlich der Grenze) auszutauschen. Die sich sonst auch h\u00e4ufig in unserer eigenen Organisierung fortschreibenden Nationalgrenzen wurden an diesem Tag in jedem Fall \u00fcberschritten, um gemeinsam mit den Genoss*innen aus Italien f\u00fcr eine Welt ohne Grenzen und Unterdr\u00fcckung zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gefunden auf: linksunten.indymedia.org) Bericht zu den Ereignissen am 7.Mai rund um den Brenner &#8211; Am Samstag dem 7.Mai fand auf der italienischen Seite des Grenz\u00fcbergangs Brenner eine Demonstration mit etwa 400 Personen statt. Bereits einige Wochen zuvor, wurde, vor allem durch Gruppen aus Norditalien, aufgerufen am 7.Mai auf den Brenner zu kommen. 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