{"id":2933,"date":"2016-04-01T07:56:30","date_gmt":"2016-04-01T05:56:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2933"},"modified":"2016-04-06T08:00:15","modified_gmt":"2016-04-06T06:00:15","slug":"griechenland-offener-brief-von-pola-roupa-zum-versuch-nikos-maziotis-aus-dem-korydallos-gefangnis-zu-befreien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2933","title":{"rendered":"[Griechenland] Offener Brief von Pola Roupa zum Versuch Nikos Maziotis aus dem Korydallos-Gef\u00e4ngnis zu befreien"},"content":{"rendered":"<p>(gefunden auf: <a href=\"https:\/\/de-contrainfo.espiv.net\/2016\/03\/20\/griechenland-offener-brief-von-pola-roupa-zum-versuch-nikos-maziotis-aus-dem-korydallos-gefangnis-zu-befreien\/\" target=\"_blank\">de-contrainfo.espiv.net<\/a>)<\/p>\n<div class=\"post-bodycopy clearfix\">\n<div class=\"content\">\n<p>Es folgt der erste Teil des <a href=\"https:\/\/gr-contrainfo.espiv.net\/files\/2016\/03\/PR08032016.pdf\" target=\"_blank\"><strong>langen Briefes der Gef\u00e4hrtin<\/strong><\/a>; original in Griechisch ver\u00f6ffentlicht auf <a href=\"https:\/\/athens.indymedia.org\/post\/1556345\/\" target=\"_blank\"><strong>Indymedia Athen<\/strong><\/a> (8.M\u00e4rz 2016).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de-contrainfo.espiv.net\/files\/2016\/03\/chile.jpg\" rel=\"attachment wp-att-10418\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10418 aligncenter\" src=\"https:\/\/de-contrainfo.espiv.net\/files\/2016\/03\/chile.jpg\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" srcset=\"https:\/\/de-contrainfo.espiv.net\/files\/2016\/03\/chile-276x300.jpg 276w, https:\/\/de-contrainfo.espiv.net\/files\/2016\/03\/chile-138x150.jpg 138w, https:\/\/de-contrainfo.espiv.net\/files\/2016\/03\/chile-400x435.jpg 400w, https:\/\/de-contrainfo.espiv.net\/files\/2016\/03\/chile.jpg 677w\" alt=\"chile\" width=\"540\" height=\"588\" \/><\/a>Unter anderen Umst\u00e4nden w\u00e4re dieser Text geschrieben vom Revolution\u00e4ren Kampf geschrieben worden. Nach dem Ergebnis des Versuchs den Gef\u00e4hrten Nikos Maziotis aus dem Knast von Korydallos herauszuholen, obliegt es mir pers\u00f6nlich zu sprechen.<\/p>\n<p>Am 21. Februar [2016] versuchte ich das Mitglied von Epanastatikos Agonas, Nikos Maziotis mit Hilfe eines Hubschraubers zu befreien. Die Operation war so geplant auch anderen politischen Gefangenen, die den Wunsch hegen sollten sich auf den Weg in die Freiheit zu machen, zu erm\u00f6glichen sich anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Genauere Details, wie es mir gelang Sicherheitsma\u00dfnahmen zu umgehen und bewaffnet an Bord des Hubschraubers zu gelangen, spielen keine besondere Rolle und werden von mir nicht weiter erw\u00e4hnt, au\u00dfer im Zusammenhang mit den vielen verbreiteten Falschinformationen. Nur als Klarstellung sei erw\u00e4hnt, da\u00df der Plan auf keine vorherigen Knastausbr\u00fcche per Hubschrauber basierte, auch nicht in Verbindung steht zu irgendwelchen entdeckten und bisher nicht ausgef\u00fchrten Pl\u00e4nen und ich stehe auch nicht in Verbindung zu einer bestimmten Person, die sich auf der Flucht befindet, auch wenn sich einige Medien das Gegenteil zusammen reimen.<\/p>\n<p>Nach einem Viertel der Reise seit unserem Start in Thermisia auf der Argolis zog ich meine Waffe und ersuchte den Piloten den Kurs zu \u00e4ndern. Obwohl er nicht verstand wer ich bin, raffte er schnell, da\u00df es sich um einen Gef\u00e4ngnisbesuch handelte und geriet in Panik. Er griff mich an und zog eine Pistole \u2013 eine Tatsache die er anschliessend verschwieg \u2013 und auch weil die derzeitige Bullenversion es unter den Tisch kehrt, sei darauf verwiesen, da\u00df es \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Berichte \u00fcber zwei verschiedene Magazine gibt, die im Hubschrauber gefunden wurden; eins davon geh\u00f6rte mir, das zweite allerdings nicht, es geh\u00f6rte zu seiner Knarre, die er bei unserem Gerangel verloren hatte und was mich betrifft, nat\u00fcrlich hatte ich ein zweites Magazin dabei, w\u00fcrde ich zu so einer Aktion nur eins mitnehmen? Er verlor die Kontrolle \u00fcber den Helikopter und schrie in Panik \u201ewir werden draufgehen!\u201c Die \u00f6ffentlich pr\u00e4sentierte Beschreibung eines au\u00dfer Kontrolle geratenen Hubschraubers entspricht der Wahrheit, aber das war kein Resultat meiner Aktionen, sondern seiner. Der Helikopter verlor an H\u00f6he und kam ins Trudeln, wir flogen nur ein paar Meter \u00fcber Strommasten und ich schrie ihn an er soll den Hubschrauber hoch ziehen, machen was ich ihm sage und niemand wird verletzt. Ruckzuck fanden wir uns auf dem Boden wieder, diejenigen, die die coole Reaktion des Piloten preisen, m\u00f6gen vom Resultat ausgehen, haben aber keine Ahnung wor\u00fcber sie reden. Anstatt mir Folge zu leisten, zog er es vor mit mir zusammen abzust\u00fcrzen, was letztlich nur der Zufall verhinderte. Ganz zu schweigen davon, da\u00df ich meine Entscheidungen l\u00e4ngst getroffen hatte, bevor ich den Hubschrauber bestieg und versuchte das Kommando zu \u00fcbernehmen und zum Knast umzuleiten; wenn er sich weigern w\u00fcrde, m\u00fc\u00dfte ich nat\u00fcrlich reagieren. Was erwarten diejenigen, die mir vorwerfen, ich sei verantwortlich daf\u00fcr, da\u00df der Helikopter von einer Meile H\u00f6he bis zum Boden unkontrolliert absank? Dass ich sage: \u201eWenn Du nicht zum Knast fliegen willst, alles klar, kein Problem?\u201c Ich feuerte meine Waffe und wir hatten ein Gerangel w\u00e4hrend des Fluges und wir beide waren bewaffnet. Er zog es vor einen Absturz in den Bergen zu riskieren anstatt mir Folge zu leisten und als wir mit voller Wucht auf den Boden landeten, hatte ich alle M\u00f6glichkeiten ihn zu erschie\u00dfen, auch weil ich wusste, da\u00df die Aktion fehl geschlagen hatte, aber ich entschied mich bewusst dagegen. Obwohl ich wusste, da\u00df ich damit mein Leben und meine Freiheit gef\u00e4hrde, entschied ich mich dagegen, obwohl ich die Chance hatte und er wei\u00df das ganz genau. Der einzige Faktor, der mich zur\u00fcck hielt, war mein politisches Bewusstsein und ich entschied mich daf\u00fcr, damit mein Leben riskierend und die M\u00f6glichkeit zu entkommen.<\/p>\n<p>Was die Ausbruchsaktion an sich angeht, ist es logisch, da\u00df alle m\u00f6glichen Sicherheitsma\u00dfnahmen meinerseits zur Absicherung unternommen wurden, gegen die bewaffneten Wachen, die auf dem Gef\u00e4ngnisgel\u00e4nde patrouillieren, ich hatte sogar eine kugelsichere Weste f\u00fcr den Piloten dabei, um die Risiken f\u00fcr den Hubschrauber, die Genossen und nat\u00fcrlich den Piloten so weit wie m\u00f6glich zu reduzieren. In derselben Art dachte ich, als wir zu Boden gingen, obwohl die Aktion wegen dem Piloten scheiterte und obwohl er bewaffnet war. Letztendlich achtete ich sein Leben mehr als meins und meine Sicherheit, aber ich mu\u00df diese Entscheidung wohl jetzt \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Den Ausbruch von Nikos Maziotis zu organisieren war eine politische Entscheidung, genauso wie es eine politische Entscheidung war weitere Politische Gefangene zu befreien. Es war keine pers\u00f6nliche Entscheidung, denn wenn ich nur meinen Gef\u00e4hrten Nikos Maziotis h\u00e4tte befreien wollen, h\u00e4tte ich keinen gro\u00dfen Helikopter chartern m\u00fcssen, was die Aktion zus\u00e4tzlich komplexer gestaltete. Das Ziel der Aktion war genauso die Befreiung weiterer Politischer Gefangener, eben jener, die es dann wirklich wollten, zusammen mit uns, auf dem Weg zur\u00fcck in die Freiheit. So gesehen war die Aktion trotz ihrer pers\u00f6nlichen Dimension keine pers\u00f6nliche, sondern eine politische Entscheidung. Es war ein Schritt auf dem Pfad der Revolution.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt auch f\u00fcr alle anderer Aktionen, die ich ausgef\u00fchrt habe und die ich in der Zukunft ausf\u00fchren werde. Dies sind Glieder eine Kette der revolution\u00e4ren Planung, die darauf abzielen, bessere politische und soziale Bedingungen zur Verbreiterung und zur St\u00e4rkung des revolution\u00e4ren Kampfes zu schaffen. Sp\u00e4ter werde ich mich zur politischen Basis dieser Entscheidung einlassen, aber zuerst mu\u00df ich \u00fcber Fakten reden und die Art und Weise wie ich bisher in Bezug auf diese Fakten agiert habe.<\/p>\n<p>Wie ich bereits erw\u00e4hnte, bezieht sich jede Aktion, die ich durchf\u00fchre, auf eine Handlung, die sich aus politischer Planung ergibt, im selben Kontext enteignete ich die Piraeus Bank auf dem Gel\u00e4nde des Sotiria Krankenhauses in Athen im Juni 2015. Mit dem Geld sicherte ich zus\u00e4tzlich zu meinem \u00dcberleben in der \u201eKlandestinit\u00e4t\u201c das Organisieren meiner Aktion ab und finanzierte die Operation zur Befreiung von Nikos Maziotis und anderer Politischer Gefangener aus dem Frauentrakt des Knastes von Korydallos. Der Grund warum ich mich auf diese Umverteilung beziehe \u2013 die strafrechtlichen Konsequenzen dieses \u201eGest\u00e4ndnisses\u201c k\u00f6nnten mir nicht weniger egal sein \u2013 ist der, da\u00df ich mich jetzt dazu einlassen mu\u00df, wie ich mit der Sicherheit von Zivilist*innen umzugehen pflege, wenn es vorkommt, da\u00df sie aufgrund bestimmter Umst\u00e4nde bei revolution\u00e4ren Aktionen, in denen ich involviert bin, anwesend sind und meiner aktualisierten Einsch\u00e4tzung folgend dem Ausbruchsversuch. Im Falle der Enteignung der Filiale der Piraeus Bank warnte ich die Angestellten nicht den Alarmknopf zu dr\u00fccken, da das ihre pers\u00f6nliche Sicherheit gef\u00e4hrden w\u00fcrde und ich nicht vorhatte die Bank ohne Geld zu verlassen. Ich bedrohte sie nicht, noch befanden sie sich jemals durch mich in Gefahr, die einzige Gefahr, die f\u00fcr sie bestand, ging von der Polizei aus, wenn Bullen kommen w\u00fcrden und wir einen bewaffneten Zusammensto\u00df haben w\u00fcrden. Aber die Polizei w\u00fcrde dort nur ankommen, wenn irgendein*e Angestellte*r diesen Alarm ausl\u00f6sen w\u00fcrde und das war eine Entwicklung, die sie selbst gerne vermeiden w\u00fcrden, denn Menschen, die zuf\u00e4llig bei derartigen Umverteilungen anwesend sind, haben nie Angst vor den Leuten, die die Umverteilung versuchen, sondern stattdessen vor dem Einschreiten der Polizei. Nebenbei es auch ziemlich d\u00e4mlich ist, Geld verteidigen zu wollen, da\u00df den Banken geh\u00f6rt und um es klarzustellen, als eine Angestellte zu mir meinte, da\u00df \u201ewir selbst auch arme Leute sind\u201c, schlug ich ihr vor, uns au\u00dferhalb des Blickfeldes der Kameras zu begeben und ich ihr 5000 Euros geben k\u00f6nnte, was sie allerdings ablehnte, sicherlich aus Angst. Wenn sie das Geld angenommen h\u00e4tte, kann sie sich sicher sein, da\u00df ich dar\u00fcber niemals \u00f6ffentlich reden w\u00fcrde. Und noch eins: Ich trug eine Arztsch\u00fcrze, um meine Waffe zu verdecken, w\u00e4hrend ich vor der Bank wartete, es war kein Handtuch(!), wie es einige Male behauptet wurde.<\/p>\n<p>Zu allen Zeiten der Geschichte, im Kampf f\u00fcr die Revolution \u2013 genauso wie es in allen Kriegen der Fall ist \u2013 ist es f\u00fcr Revolution\u00e4re notwendig die Unterst\u00fctzung von Zivilist*innen zu suchen. Die historischen Beispiele sind zu viele, sowohl in Griechenland als auch in bewaffneten Bewegungen und Organisationen in anderen L\u00e4ndern; der Versuch sie aufzulisten w\u00fcrde ein ganzes Buch f\u00fcllen und es ist jetzt nicht die Zeit daf\u00fcr. In solchen Situationen fragen wir die Betroffenen letztendlich sich f\u00fcr eine Seite des Krieges zu entscheiden und wenn sich jemand dagegen entscheidet zu helfen, ist es oft nicht einfach diese bestimmte Praxis, sondern eine generelle Feindschaft gegen\u00fcber der K\u00e4mpfe, sie gef\u00e4hrden oder beenden Unternehmungen, sie bringen das Leben von K\u00e4mpfer*innen in Gefahr, sie werfen Hindernisse in den Weg des revolution\u00e4ren Prozesses und sie nehmen eine Position ein gegen den Sozialen Krieg und den Klassenkampf.<\/p>\n<p>Weder bei der Filiale der Piraeus Bank, noch beim versuchten Hubschrauberausbruch enth\u00fcllte ich meine Identit\u00e4t und somit wusste niemand, da\u00df es sich um politische Aktionen handelte. Aber nach dem fehlgeschlagenen Ausbruch und weil ich, wie erw\u00e4hnt, die M\u00f6glichkeit hatte, den Piloten zu t\u00f6ten und es stattdessen unterlie\u00df und damit mein Leben in Gefahr brachte, mache ich das folgende \u00f6ffentlich: Von jetzt an, wenn ich jemals wieder die Hilfe von Zivilist*innen in Anspruch nehmen mu\u00df und wenn ich es n\u00f6tig erachte, meine Identit\u00e4t zu offenbaren, werde ich das von Anfang an tun und da meine Mission in jedem Fall die Werbung f\u00fcr den Kampf zum Umsturz dieses kriminellen Establishments betrifft, sollen allen wissen, da\u00df jede m\u00f6gliche Weigerung zur Kooperation und Versuche die Aktion zu unterbinden, entsprechend bedacht werden. Nat\u00fcrlich habe ich mich schlau gemacht \u00fcber die pers\u00f6nliche Situation des Piloten, aber ich habe nicht seine Familie bedroht, denn ich w\u00fcrde niemals Familien und Kinder bedrohen.<\/p>\n<p>Dies ist meine Bilanz nach dem Ausbruchsversuch, die ich \u00f6ffentlich machen mu\u00df.<\/p>\n<p><em>DIE OPERATION ZUM GEF\u00c4NGNISAUSBRUCH WAR EINE REVOLUTION\u00c4RE ENTSCHEIDUNG<\/em><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><em>ICH VERSUCHTE DEN GEF\u00c4NGNISAUSBRUCH IM KONTEXT DER SOZIALE REVOLUTION MEIN GANZES LEBEN K\u00c4MPFE ICH F\u00dcR DIE SOZIALE REVOLUTION ICH WERDE DEN KAMPF F\u00dcR DIE SOZIALE REVOLUTION FORTSETZEN<\/em><\/p>\n<p>Pola Roupa<\/p>\n<p><em>Mitglied des \u201eRevolution\u00e4ren Kampfes\u201c (Epanastatikos Agonas)<\/em><\/p>\n<p><em>auf<\/em> <strong><a href=\"https:\/\/en-contrainfo.espiv.net\/2016\/03\/13\/greece-open-letter-of-pola-roupa-about-the-attempt-to-break-nikos-maziotis-out-of-koridallos-prison\/\" target=\"_blank\">englisch<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gefunden auf: de-contrainfo.espiv.net) Es folgt der erste Teil des langen Briefes der Gef\u00e4hrtin; original in Griechisch ver\u00f6ffentlicht auf Indymedia Athen (8.M\u00e4rz 2016). 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