{"id":2857,"date":"2016-02-25T15:26:06","date_gmt":"2016-02-25T14:26:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2857"},"modified":"2016-02-25T15:28:35","modified_gmt":"2016-02-25T14:28:35","slug":"von-freiburg-nach-clausnitz-parallelen-im-rassistischen-diskurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2857","title":{"rendered":"Von Freiburg nach Clausnitz \u2013 Parallelen im rassistischen Diskurs"},"content":{"rendered":"<div class=\"content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image image-thumbnail alignleft\" title=\"Ortsschild Clausnitz\" src=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/system\/files\/images\/1480960792.thumbnail.jpg\" alt=\"Ortsschild Clausnitz\" width=\"200\" height=\"133\" \/>Nach Hinweisen auf eine bundesweit Schlagzeilen machende rassistische &#8218;T\u00fcr-Politik&#8216; Freiburger Clubs, nicht abebbenden rassistischen An- und \u00dcbergriffen, nun vor wenigen Tagen im s\u00e4chsischen Clausnitz der massive Polizeieinsatz um bedrohte Fl\u00fcchtlinge mit Gewalt in ihre Unterkunft zu \u201everbringen\u201c, sollen diese Ph\u00e4nomene in einem kurzen Beitrag n\u00e4her beleuchtet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Vorgeschichte\/n<\/b><\/p>\n<p>Anfang Januar 2016 machte u.a. der im s\u00fcdbadischen Freiburg residierende Club &#8218;White Rabbit&#8216; bundesweit Schlagzeilen, da man sich seitens dessen BetreiberInnen dazu entschieden hatte, Fl\u00fcchtlingen den Zutritt zu verweigern. Gerade weil es sich um einen emanzipatorischen Vorstellungen verpflichtet sehenden Club handelte, griff die Presse dieses Ereignis mit besonderem Nachdruck auf <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2016-01\/fluechtlinge-clubs-freiburg-verbot\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2016-01\/fluechtlinge-clubs-freiburg-verbot<\/a>. Und erst vor wenigen Tagen machte die s\u00e4chsische Gemeinde Clausnitz Schlagzeilen. Ein Bus mit Fl\u00fcchtlingen wurde von einem Mob &#8218;empfangen&#8216; der fremdenfeindliche Parolen br\u00fcllte. Die ver\u00e4ngstigten Fl\u00fcchtlinge weigerten sich den Bus zu verlassen, um die ihnen eigentlich dort zugewiesene Unterkunft zu beziehen. Sodann griff die anwesende Polizei nicht etwa gegen\u00fcber den DemonstrantInnen(hart) durch, sondern es waren die Fl\u00fcchtlinge, die Gewalt erfuhren: unter Anwendung \u201eunmittelbaren Zwangs\u201c wurden mehrere der Fl\u00fcchtlinge aus dem Bus in die Unterkunft gezerrt. Der Chemnitzer Polizeipr\u00e4sident verteidigte dieses Vorgehen als rechtm\u00e4\u00dfig und wies den Fl\u00fcchtlingen eine Mitschuld an der Situation zu, da aus dem Bus heraus DemonstrantInnen gefilmt worden seien; im \u00fcbrigen h\u00e4tten manche Fl\u00fcchtlinge \u201ebeleidigende Gesten\u201c gegen\u00fcber den DemonstrantInnen gezeigt <a href=\"http:\/\/m.spiegel.de\/politik\/deutschland\/a-1078463.html\" rel=\"nofollow\">http:\/\/m.spiegel.de\/politik\/deutschland\/a-1078463.html<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Rechtliche Aspekte<\/b><\/p>\n<p>Das die T\u00fcrpolitik des &#8218;White Rabbit&#8216;,die dort in der Zwischenzeit wieder ge\u00e4ndert wurde <a href=\"http:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/kts-kritisiert-clubszene-fuer-ihre-tuerpolitik\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/kts-kritisiert-clubszene-fuer-ihre-tuerpolitik<\/a><a href=\"http:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/kts-kritisiert-clubszene-fuer-ihre-tuerpolitik--116986236.html\" rel=\"nofollow\">\u2014116986236.html<\/a>, aber auch andere Clubs die vergleichbar agieren, gegen das Benachteiligungsverbot des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, insbesondere auch gegen Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz verst\u00f6\u00dft, ist evident, denn die nachteiligen Folgen werden unmittelbar angekn\u00fcpft an die Herkunft der Betroffenen.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Vorf\u00e4lle im s\u00e4chsischen Clausnitz ist zu bemerken, dass das Filmen aus dem Bus heraus zul\u00e4ssig gewesen sein d\u00fcrfte, schon um die Straftaten der DemonstrationsteilnehmerInnen zu dokumentieren. Was das Zeigen z.B. des &#8218;Mittelfingers&#8216; anbelangt, d\u00fcrfte, angesichts der rassistischen Anfeindungen die zuvor Anlass f\u00fcr diese Gesten gegeben hatten, entweder kein Staatsanwalt Anklage erheben, falls doch, w\u00fcrde wohl ein Gericht von \u00a7 199 Strafgesetzbuch Gebrauch machen, der bei wechselseitig begangenen Beleidigungen diese straffrei stellen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Eher Philosophische Aspekte<\/b><\/p>\n<p>Der seinerzeit schon \u00fcber 70-j\u00e4hrige Immanuel Kant schrieb in seiner 1795 erschienenen Schrift &#8218;Zum ewigen Frieden&#8216; \u00fcber das elementare &#8218;Recht eines Fremdlings (\u2026) nicht feindselig behandelt zu werden&#8216;, wenn er auf dem Boden eines anderen Staates ankomme.<\/p>\n<p>Jene &#8218;Fremden&#8216;, f\u00fcr uns noch namenlos, jede und jeder mit einem schweren Schicksal beladen, scheinen f\u00fcr viele Menschen eine Quelle der Angst darzustellen. Und dann erz\u00e4hlen solche Menschen Geschichten; das Internet ist voll von &#8218;Erz\u00e4hlungen&#8216; \u00fcber angebliche Erlebnisse mit Fl\u00fcchtlingen, angebliche Straftaten. Was sollen diese Geschichten, was ist deren Funktion? Im harmlosesten Falle vertreiben diese die Zeit und ansonsten und schwerwiegender: die Furcht (vgl. Blumenberg, &#8218;Arbeit am Mythos&#8216; ).<\/p>\n<p>Jedoch, Furcht vor wem, Furcht wovor? Die Urerfahrung des Menschen, seit dieser \u00fcberhaupt vor \u00c4onen ein Bewusstsein entwickelte, ist die Angst. Die Angst, eine Welt bewusst zu erleben, die man nicht versteht. Erz\u00e4hlungen hatten seit jeher und haben dies auch heute noch, die Funktion, das Unerkl\u00e4rliche zu erkl\u00e4ren, das Unbenennbare zu benennen und handhabbar zu machen. Durch Benennung und Namhaftmachung, wird so etwas wie Ordnung im Chaos geschaffen; durch den Namen bekommt jemand eine Identit\u00e4t, wird in eine Gemeinschaft gestellt und ist jetzt erst wirklich (vgl. Liessmann, &#8218; Vom Nutzen und Nachteil des Denkens f\u00fcr das Leben&#8216;, Seite 47).<\/p>\n<p>Hierin liegen Chance und Risiko zugleich, denn Etwas als etwas und Jemanden als jemand anzusprechen bedeutet, dieses Etwas als etwas festzulegen, obwohl es auch etwas Anderes ist, und jemanden auf eine Weise als jemanden zu identifizieren, sein Anderssein und seine Ver\u00e4nderbarkeit zu \u00fcbersehen (vgl. Wilhelm Schmid, &#8218;Philosophie der Lebenskunst&#8216;, S.250).<\/p>\n<p>Und genau hierin \u00e4hneln sich die Vorg\u00e4nge von Freiburg im Januar 2016 und im s\u00e4chsischen Clausnitz im Februar 2016 !.<\/p>\n<p>Menschen werden feindselig behandelt, der Angst vor dem Unbekannten wird ein solch breiter Raum belassen, dass darin menschenfeindliche Str\u00f6mungen erstarken k\u00f6nnen, die durch ihre vielfach auch v\u00f6llig falschen Erz\u00e4hlungen den Diskurs dominieren, dabei die eigentliche Funktion von Geschichten, n\u00e4mlich Angst zu mindern, pervertieren und gezielt (versuche n) \u00c4ngste zu sch\u00fcren, oder zu wecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Eher politische Aspekte<\/b><\/p>\n<p>\u201eAn die dumme Stirn geh\u00f6rt von Rechts wegen die geballte Faust\u201c, so schrieb es Nietzsche, und zwar, wie er meinte, als Argument. In der Tat, es gibt ein Stadium der Menschenfeindlichkeit wo alles sachliche argumentieren endet, enden muss, denn andernfalls w\u00fcrde man sich gemein machen mit den Menschenfeinden.<\/p>\n<p>Die im GR\u00dcNEN-Wohlf\u00fchlst\u00e4dtchen etablierten Clubs agieren auf intellektuell etwas anspruchsvollerem Niveau, als der Mob der in Clausnitz aufmarschierte; jedoch \u00e4hneln sie sich einander mehr, als sie m\u00f6glicherweise selbst vermuten oder erwarten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Beide senden eine politische Botschaft in den Diskussions- und Diskurs-Raum; dass sie n\u00e4mlich, wie die Menschen vor 500.000 Jahren lieber Mythen anh\u00e4ngen und an liebsten jeden Fremden erschl\u00fcgen, anstatt ihn namhaft zu machen und so in die Gemeinschaft aufzunehmen.<\/p>\n<p><em><strong>Und dieser Menschenfeindlichkeit gilt es sich entgegen zu stellen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Gestern! Heute ! Morgen ! Immerzu !<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"content\"><\/div>\n<div class=\"content\"><\/div>\n<div class=\"content\">Thomas Meyer-Falk<\/div>\n<div class=\"content\">z.Zt. JVA (SV)<\/div>\n<div class=\"content\">Hermann-Herder-Str. 8<\/div>\n<div class=\"content\">D-79104 Freiburg<\/div>\n<div class=\"content\"><a href=\"https:\/\/freedomforthomas.wordpress.com\/\" rel=\"nofollow\">https:\/\/freedomforthomas.wordpress.com<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Hinweisen auf eine bundesweit Schlagzeilen machende rassistische &#8218;T\u00fcr-Politik&#8216; Freiburger Clubs, nicht abebbenden rassistischen An- und \u00dcbergriffen, nun vor wenigen Tagen im s\u00e4chsischen Clausnitz der massive Polizeieinsatz um bedrohte Fl\u00fcchtlinge mit Gewalt in ihre Unterkunft zu \u201everbringen\u201c, sollen diese Ph\u00e4nomene in einem kurzen Beitrag n\u00e4her beleuchtet werden. &nbsp; Vorgeschichte\/n Anfang Januar 2016 machte u.a. der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[114,469,118,125],"tags":[123,160,484,212,214],"class_list":["post-2857","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anarchismus","category-antifaschismus","category-kritikselbstkritik","category-repression","tag-anarchist","tag-deutschland","tag-rassismus","tag-texte-von-gefangenen","tag-thomas-meyer-falk"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2857"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2857"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2861,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2857\/revisions\/2861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}