{"id":2632,"date":"2015-11-30T12:42:55","date_gmt":"2015-11-30T11:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2632"},"modified":"2015-12-04T12:44:00","modified_gmt":"2015-12-04T11:44:00","slug":"festung-europa-sabotieren-wir-schaffen-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2632","title":{"rendered":"Festung Europa sabotieren \u2013 wir schaffen das"},"content":{"rendered":"<p>(gefunden auf: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/160737\" target=\"_blank\">linksunten.indymedia.org<\/a>)<\/p>\n<div class=\"content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image image-thumbnail alignleft\" title=\"Fight Fortress Europe\" src=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/system\/files\/images\/1592532796.thumbnail.jpg\" alt=\"Fight Fortress Europe\" width=\"200\" height=\"191\" \/>Die Unordnung der einen ist der Freiraum der anderen: Dem Staat mag einiges entglitten sein, die Registrierung der Fl\u00fcchtlinge, die Kontrolle ihrer Wege und Ziele, der selbstorganisiert helfende Aktivismus eines Teils seiner eigenen B\u00fcrgerInnen. Darauf reagieren der Staat und die WohlstandschauvinistInnen mit Repression, Angriffen und Militarisierung. Wir rufen auf zu Anschl\u00e4gen auf Infrastruktureinrichtungen, die den Zusammenhalt und das Funktionieren der Festung Europa nach innen und au\u00dfen garantieren. Die Festung Europa ist in ihrer wirtschaftlichen Funktionsf\u00e4higkeit zu sabotieren!<\/p>\n<p>Noch w\u00e4hrend die Fl\u00fcchtenden von freiwilligen HelferInnen, von mitf\u00fchlenden AktivistInnen, von solidarischen Menschen an den Bahnh\u00f6fen begr\u00fc\u00dft wurden, versch\u00e4rften die MachthaberInnen die rechtlichen H\u00fcrden f\u00fcr Flucht und Migration beinahe t\u00e4glich. Dabei geht es nicht um reine Abschottung, sondern um Sortierung &#8211; in \u201egute\u201c, \u201everwertbare\u201c und \u201eweniger gute\u201c, kaum zu \u201everwertende\u201c Gefl\u00fcchtete. F\u00fchrende Vertreter der Wirtschaftseliten w\u00fcnschen sich ein begrenztes Potential an gut ausgebildeten Billigarbeitskr\u00e4ften. Menschen, die die Bereitschaft und Motivation mitbringen, jeden Strohhalm zu ergreifen, um den Kriegsverh\u00e4ltnissen zu entkommen, vor denen sie gefl\u00fcchtet sind, sollen integriert werden \u2013 falls ihre Arbeitskraft f\u00fcr den Fortbestand des Standortes Deutschlands n\u00fctzlich sein k\u00f6nnte. So erm\u00f6glichen Krieg, wirtschaftliche Not und Flucht den Unternehmen und dem Standort eine neue Runde der Lohndr\u00fcckerei, unter dem Vorwand, ein vermeintliches demographisches Problem auszugleichen.<\/p>\n<p>Angesichts dieses Selektionsziels \u2013 wir benutzen die Vokabeln bewusst, da wir widerliche Verh\u00e4ltnisse nicht durch politisch korrekte Bezeichnungen auch noch sch\u00f6nreden wollen \u2013 leuchtet es uns ein, warum die politisch Verantwortlichen in Kauf nehmen, dass Familien bei K\u00e4lte, Regen und mittlerweile Schnee im Freien vor dem \u201eLandesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales\u201c in Berlin, dem \u201eLaGeSo\u201c, die N\u00e4chte und Wochen hindurch f\u00fcr ihre Termine anstehen m\u00fcssen. Das so entstehende \u00f6ffentliche Bild ist durchschaubar: Die \u201eunhaltbaren Zust\u00e4nde\u201c, die \u201e\u00dcberforderung\u201c kann dann Thema in der \u00f6ffentlichen Propaganda werden. Den WohlstandschauvinistInnen aller F\u00e4rbungen und Parteien dient es als Zunder f\u00fcr ihre geistige Brandstifterei. Aktivistisch orientierte Nazis setzen die so erzeugte Stimmung in Brand- und Mordanschl\u00e4ge um. Der Verfassungsschutz wird sie &#8211; wie gewohnt (Stichwort: NSU) \u2013 gew\u00e4hren lassen, steuern und bereitwillig Aufbauhilfe leisten, siehe Hogesa: Ein V-Mann des Verfassungsschutzes hatte die \u201eHooligens gegen Salafismus\u201c gegr\u00fcndet, die bekannt wurden durch ihren Innenstadt-Terror in K\u00f6ln mit mehreren tausend Beteiligten.<\/p>\n<p>Nicht nur die Nazis greifen Fl\u00fcchtende und ihre Orte an: Die Polizei r\u00e4umte das selbstorganisierte Camp k\u00e4mpfender Refugees am Oranienplatz in Berlin. Sie \u00fcberfiel das von Refugees besetzte Schulgeb\u00e4ude in der Ohlauerstra\u00dfe und verh\u00e4ngten einen mehrt\u00e4gigen Ausnahmezustand \u00fcber das Viertel. Auf die Besetzung eines Hostels in der Friedrichshainer G\u00fcrtelstrasse antwortete sie mit der Abriegelung des Wohnblocks und einer Strategie des Aushungerns. Im Kleinen wie im Gro\u00dfen zeigt sich: Die Festung Europa kann nicht anders als milit\u00e4risch gegen die Menschen in der Migration, die sie die \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c nennen, vorgehen. Wer das alles \u00fcberlebt und ertr\u00e4gt, darf vielleicht bleiben und sich integrieren, so die Logik dieses buchhalterisch Kosten und Nutzen verrechnenden \u201eMigrationsregimes\u201c.<\/p>\n<p>Allerdings haben sich Mitmenschlichkeit und Empathie eines Teils der Bev\u00f6lkerung in Deutschland und in vielen anderen L\u00e4ndern in solidarisches Handeln verwandelt und damit diese Festung durchbrochen. Und das ganz ohne staatliche Steuerung und regierungsamtliche Lichterketten \u2013 auch als praktische Antwort von Unten auf den Hass der Vertreter der rassistischen wei\u00dfen Herrenrasse mit ihren Brandanschl\u00e4gen. Gleichzeitig haben die Herrschenden kein anderes Problem als \u201edie Ordnung wieder herzustellen\u201c, sprich: die unkontrollierten Unterst\u00fctzungsbewegungen wieder einzufangen und selbstbewusste, selbstorganisierte Fl\u00fcchtende zu stoppen, die die Grenzen notfalls auch zu Fu\u00df und quer \u00fcber die Felder schaffen.<\/p>\n<p>Der institutionelle Rassismus, wie er im abschiebungsorientierten Streben nach Wiederherstellung der Ordnung zum Ausdruck kommt, h\u00e4ngt mit Nazimorden und -brandstiftungen und der geheimdienstlichen Unterst\u00fctzung beim Aufbau faschistischer Organisationen zusammen. Die vom Verfassungsschutz aufgebauten und teilweise durch V-Leute sogar gef\u00fchrten Zusammenh\u00e4nge (Stichwort: Hogesa) bilden eine terroristische Reservearmee in diesem Land, die den kolonialen und rassistischen Chauvinismus als Leitkultur absichern soll, wenn es \u201eeng\u201c wird. \u201eEng\u201c wird es dann, wenn soziale Konfliktlinien aufbrechen und revolution\u00e4re K\u00e4mpfe daraus entstehen k\u00f6nnten \u2013 z.B. aus der Zusammenarbeit von Refugees und anderen verarmten oder empathischen\u00a0 Bev\u00f6lkerungsteilen.<\/p>\n<p>Die Unordnung der einen ist der Freiraum der anderen: Dem Staat mag einiges entglitten sein, die Registrierung der Fl\u00fcchtlinge, die Kontrolle ihrer Wege und Ziele, der selbstorganisiert helfende Aktivismus eines Teils seiner eigenen B\u00fcrgerInnen. Die Menschen auf der Flucht haben die Unordnung durchgesetzt mit ihrer Mobilit\u00e4t, Kreativit\u00e4t, ihren Ideen und Strukturen, sei es in Deutschland, an den Grenzen der Balkanstaaten oder sonstwo unterwegs. F\u00fcr sie ist die Unordnung eine Chance: Sie nutzen die Situation, indem sie sich ihr eigenes Zielland suchen, sich selbst entscheiden, welchen Zug sie nehmen und wo sie aussteigen und dabei weiter die ordnende, registrierende, sortierende und letztlich abschiebende Beh\u00f6rdent\u00e4tigkeit unterlaufen. Daher das krampfhafte Bem\u00fchen um die \u201eWiederherstellung der Ordnung\u201c. W\u00fcrden in einer solchen Situation viele Menschen im Inneren der Festung Europa zu Sabotageaktionen \u00fcbergehen, dann w\u00e4re das auch nicht gerade ein Beitrag zur Wiederherstellung der Ordnung.<br \/>\nWenn es keine Reisefreiheit f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge in Europa gibt und solange die Grenzen nur f\u00fcr jene offen sind, die den richtigen Pass besitzen, die richtige Sprache sprechen, die richtige Hautfarbe haben, solange ernsthaft erwogen wird, in als &#8222;sicher&#8220; deklarierte Zonen innerhalb von Kriegsgebieten abzuschieben, darf es innerhalb der Festung Europa keine Ruhe und Ordnung geben.<\/p>\n<p>Die Herrenm\u00e4nner und -frauen, diese \u201eBlut und Boden\u201c-Hetzer und die Patrioten, eingewickelt in ihre Deutschlandfahnen mit ihren tagt\u00e4glichen Angriffen auf Fl\u00fcchtlinge, deren Unterst\u00fctzerInnen und alle die sich nicht in ihre Deutschwelt einf\u00fcgen wollen, fordern ein Signal heraus, dass ihnen jede weitere Lust auf \u00dcbergriffe nachhaltig vergeht. Diese K\u00e4lte, dieser Hass auf Fremde, diese k\u00fchle rationale Denkweise \u00fcber N\u00fctzlichkeit und Verwertung durchzieht die Geschichte von Herrschaft.<\/p>\n<p>Wenn Fl\u00fcchtlinge auf Demonstrationen rufen: \u201eWir sind hier, weil ihr unsere L\u00e4nder zerst\u00f6rt!\u201c, dann weil Ressourcenraub, Waffenexporte, koloniale Unterdr\u00fcckung \u00fcber Jahrhunderte hinweg, jetzt dorthin zur\u00fcckwirken, wo sie ihren Ausgang nahmen und nehmen. Deutschland ist, historisch wie aktuell, an der Zerst\u00f6rung der Lebensbedingungen in vielen L\u00e4ndern mitverantwortlich. Es hat durch Raubbau, durch Freihandel und Ausbeutung in Billiglohnverh\u00e4ltnissen, durch Waffenlieferungen, durch die Kumpanei mit korrupten Autokraten, \u00d6l- und Gas-Diktatoren, durch Export zweifelhaften Industrieschrotts und der demokratischen Herrschaftsform, durch eigenn\u00fctzige Entwicklungshilfe und andere fragw\u00fcrdige zivilisatorische Errungenschaften andere L\u00e4nder dominiert, diese an sich gebunden, abh\u00e4ngig gemacht, ausgesaugt, wieder fallen gelassen und zerst\u00f6rt. Das Land, in dem wir leben und in dem sich fast alle \u00fcber die \u201eFl\u00fcchtlinge\u201c als \u201eKrise\u201c einig sind, ist aber nicht etwa Opfer einer Krise. Dieser Staat mit seiner Wirtschaft und allen, die ihn st\u00fctzen, ist T\u00e4ter und Profiteur im globalen Krieg, der immer neue Grenzen \u00fcberschreitet, schnell wechselnde Fronten und B\u00fcndnisse hervorbringt und \u00fcber den in den privaten und staatlichen Medien berichtet wird, als ob nichts anderes m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wer zum Beispiel aus Paris nicht die Lehre zieht, jegliche Waffenproduktionen und den Handeln damit international zu \u00e4chten, wird noch mehr Waffen bauen um diese auch einzusetzen. Soziale Konflikte werden nur noch militarisiert gedacht und ausgetragen. Eine Frage der Zeit, wann die n\u00e4chste Asylrechtsversch\u00e4rfung die aktuelle \u00fcberfl\u00fcgelt, die n\u00e4chsten Sicherheitsgesetze die Luft zum Atmen weiter abschn\u00fcren, wann die Festung Europa rein milit\u00e4risch gesichert wird, wann an den Grenzen auf Fl\u00fcchtlinge auch offiziell geschossen werden darf (ge- und erschossen wurde bereits) und wann der Einsatz deutscher Bodentruppen in Kampfhandlungen allt\u00e4glich wird. Alles wird Krieg und Deutschland als einer der weltgr\u00f6\u00dften Waffenexporteure verdient daran.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr freies Fluten\u201c war die Parole militanter Gruppen im letzten Jahrhundert als Antwort auf die \u201eFl\u00fcchtlingsflut\u201c (neuerdings auch gerne &#8222;-orkan&#8220;), das paranoide Bild, mit dem gegen Menschen auf der Flucht und in der Migration gehetzt und schlie\u00dflich das Asylrecht durch eine gro\u00dfe Koalition schon damals, 1992, de facto abgeschafft wurde. \u201eF\u00fcr freies Fluten\u201c setzen diese Menschen jetzt ohne nennenswerten Anteil militanter Gruppen in die Wirklichkeit um. Mit all den Chancen und Widerspr\u00fcchen.<br \/>\nWir sehen unseren Platz an der Seite derer, die in dieses Land wollen und ihr Lebensrecht einfordern: Refugees welcome! Bring your families and comrades!<\/p>\n<p>Die chauvinistische Mobilmachung gegen Refugees braucht ein starkes Kontra. Es gilt den Preis und den Schaden f\u00fcr die menschenverachtende Politik in absehbarer Zeit so hochzutreiben, dass ein Zwang zur Kurs\u00e4nderung entsteht.\u00a0 Wie sonst k\u00f6nnte die gesellschaftliche M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet werden, dass alle Geflohenen ins Land kommen k\u00f6nnen, die hier her wollen.<\/p>\n<p>Wir rufen dazu auf, alle Strukturen unkontrollierter, selbstorganisierter Bewegung und der \u201eWillkommenskultur\u201c selbstbewusst auszubauen und staatliche und polizeiliche Vereinnahmungsversuche zur\u00fcckzuweisen.<br \/>\nWir rufen zur subversiven Unterst\u00fctzung f\u00fcr nachfolgende Aktivit\u00e4ten und Solidarit\u00e4t im Falle der Repression auf:<br \/>\nWir rufen zur aktiven Fluchthilfe und Unterbringung illegalisierter Fl\u00fcchtlinge auf.<br \/>\nWir rufen zu Sabotage aller Formen von milit\u00e4rischer Ausr\u00fcstung und aller Produktion f\u00fcrs Milit\u00e4r auf.<br \/>\nWir rufen zum Hacken aller milit\u00e4rischer Kommunikationen weltweit auf.<br \/>\nWir rufen dazu auf, durch gezielte Anschl\u00e4ge auf Nazis und deren Strukturen deren Kr\u00e4fte zu binden und dadurch Fl\u00fcchtlingen und deren Unterst\u00fctzerInnen den R\u00fccken freizuhalten.<br \/>\nWir rufen auf zu Anschl\u00e4gen auf alle Beh\u00f6rden, deren Zweck es ist, Menschen nach ihrer Verwendbarkeit im Kapitalismus zu sortieren und alle \u00dcberfl\u00fcssigen abzuschieben.<br \/>\nWir rufen allerorten auf zu Anschl\u00e4gen auf Infrastruktureinrichtungen aller Art, die dazu dienen, die Normalit\u00e4t und Ordnung aufrecht zu erhalten, die den Zusammenhalt und das Funktionieren der Festung Europa nach innen und au\u00dfen garantieren. Die Festung Europa ist in ihrer wirtschaftlichen Funktionsf\u00e4higkeit zu ersch\u00fcttern und zu sabotieren!<\/p>\n<p>Wir werden Gefl\u00fcchtete verstecken und gemeinsam neue Orte schaffen, wir werden lernen diese Orte entschieden zu verteidigen, wir werden L\u00f6cher in die Z\u00e4une schneiden \u2013 konkret und im \u00fcbertragenen Sinne.<\/p>\n<p><strong><em>Vulkangruppe: Festung Europa sabotieren \u2013 wir schaffen das<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gefunden auf: linksunten.indymedia.org) Die Unordnung der einen ist der Freiraum der anderen: Dem Staat mag einiges entglitten sein, die Registrierung der Fl\u00fcchtlinge, die Kontrolle ihrer Wege und Ziele, der selbstorganisiert helfende Aktivismus eines Teils seiner eigenen B\u00fcrgerInnen. Darauf reagieren der Staat und die WohlstandschauvinistInnen mit Repression, Angriffen und Militarisierung. 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