{"id":2449,"date":"2015-09-30T15:08:23","date_gmt":"2015-09-30T13:08:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2449"},"modified":"2015-09-30T15:08:23","modified_gmt":"2015-09-30T13:08:23","slug":"der-charakter-der-strafe-entlarvt-sich-in-der-architektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2449","title":{"rendered":"Der Charakter der Strafe entlarvt sich in der Architektur"},"content":{"rendered":"<p>(gefunden auf: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/154366\" target=\"_blank\">linksunten.indymedia.org<\/a>)<\/p>\n<div class=\"content\">\n<p><em>\u00dcber individuelle Verantwortung, Knastbau und Justizzentrum<\/em> &#8211;<\/p>\n<p>Der Traum der Resozialisierung durch Einsperrung ist seit langem \u00fcberholt. Dennoch ist die Resozialisierung das Ideal, das ihre Architektur und alles, was in den Kn\u00e4sten mit den Gefangenen geschieht, rechtfertigt. Der Sinn der Strafe durch Einsperrung, aber auch ihr Ziel, hat sich \u00fcber die Jahre ver\u00e4ndert. Heute dient die Strafe der Isolierung und Trennung unruhestiftender Elemente von den funktionsf\u00e4higen Elementen der Gesellschaft, um eine Infektion zu verhindern.<\/p>\n<p>Eine Infektion der \u201egesunden\u201c Teile der Gesellschaft, die in Zeiten zunehmender Zuspitzung sozialer Konflikte und Widerspr\u00fcche, der Versch\u00e4rfung der Lebensbedingungen gro\u00dfer Teile und dem Aufl\u00f6sen des Sozialstaates, aber auch den sich h\u00e4ufenden internationalen Kriegen und Aufst\u00e4nden, akuter wird. Eine Infektion, die durch Kommunikation im weitesten Sinne geschieht, also durch Beispiele (Taten) und deren inspirierende Wirkung auf andere, aber auch durch direkteren Austausch \u00fcber die M\u00f6glichkeiten sein \u00dcberleben au\u00dferhalb der legalen \u00d6konomie und der Abh\u00e4ngigkeit von Lohnarbeit zu gew\u00e4hrleisten. Einsperrung soll also ruhigstellen, abschrecken, sozial isolieren, Feinde gesellschaftlicher Interessen konstruieren, S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr gesellschaftliche Missst\u00e4nde bieten, Probleme und Konflikte hinter Mauern verstecken, also im gro\u00dfen und ganzen diese jetzt existierenden (Eigentums-)Verh\u00e4ltnisse sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Knast wird immer mehr zu einer produzierenden Industrie, innerhalb der die Arbeiter, also die Gefangenen, zu Sklaven mit den irrwitzigsten Hungerl\u00f6hnen werden und den involvierten Unternehmen billigste Arbeit anbieten (und das nicht freiwillig). So wird eine Arbeitnehmerschaft (Ausgebeutete) garantiert, die keine Rechte hat, gezwungen ist zu arbeiten und nicht aufbegehrt. Dazu gewinnen die Landesjustizkassen immense Summen durch die Verwaltung des Kapitals, das sich durch die Knastarbeit und die Existenz von Kn\u00e4sten anh\u00e4uft.<\/p>\n<p><!--more-->\u201eDie Gefangenen sollen Verantwortung \u00fcbernehmen und ihre Selbstbestimmung erlernen. Ihnen soll eine Struktur gegeben werden, damit sie sich als verantwortliche Elemente in die gesellschaftlichen Prozesse einordnen k\u00f6nnen\u201c, so lautet einer der zynischsten Witze derer, die das Knastsystem verteidigen und verbessern wollen. Der Alltag im Knast, neben der Unfreiwilligkeit der Inhaftierung und Einsperrung (zumindest bei denen, die nicht reuig sind), ist gepr\u00e4gt von der absoluten Fremdbestimmung und der Willk\u00fcr der Schlie\u00dfer (die Drecks\u00e4cke also, die den Schl\u00fcssel mit diesem metallischen Klang im Schloss umdrehen). Minuti\u00f6s ist der Ablauf f\u00fcr die einzelnen Gefangenen geplant, vom Aufstehen bis zum Abschalten des Stroms. Die Wege, die man gehen kann bzw. muss, die b\u00fcrokratischen Wege, die man gehen muss, um beispielsweise Sport zu machen, der Zeitpunkt des Essens, Aufschluss und Einschluss, der Kontakt zu anderen Inhaftierten, die Post, der Besuch, die Aktivit\u00e4ten von denen, die vom Knast angeboten werden bis zu den eigenen, werden kontrolliert, zurechtgestutzt, limitiert und zeitlich festgelegt. Die alleinige Aufteilung des Raums (Trennen der R\u00e4ume durch Mauern und T\u00fcren, durch die man nur mit Erlaubnis kommt), reicht nicht aus, um das Ziel der Strafe zu erreichen, also f\u00fchrt der Staat totalit\u00e4re Zeitpl\u00e4ne ein. Deine eigene Zeit liegt also nicht in deinen eigenen H\u00e4nde. (Siehst du Parallelen zum Alltag? Zur Schule? Zum Amt?)<\/p>\n<p>Um den Witz eingangs nochmal aufzugreifen: Wer ihm glauben schenkt, hat eine sehr eigenartige Vorstellung von Selbstbestimmung und Verantwortung. Die Gefangenen sollen lernen, eine Rolle, eine Arbeit zu \u00fcbernehmen und ihr gewissenhaft, soll hei\u00dfen ohne Beanstandung nachzukommen, Chef und Staat Profit und Steuern zu garantieren, sich selbst zu unterhalten, um nicht auf \u201eb\u00f6se\u201c Ideen zu kommen. Der Gefangene soll lernen, wie alle anderen auch, sich zu unterwerfen. Er soll dadurch diszipliniert, dressiert und geh\u00f6rig gemacht werden. Die daf\u00fcr eingesetzten Techniken, wie die Vereinzelung, \u00dcberwachung und Disziplinierung schlagen sich auch in der geplanten Raumaufteilung nieder, der Architektur des Gef\u00e4ngnisses.<\/p>\n<p>Das Gef\u00e4ngnis repr\u00e4sentiert nach au\u00dfen, wer die Macht hat, zu verurteilen und einzusperren, wer die Regeln macht. Nach innen wird den einzelnen Individuen ein Bereich zugeteilt, der den Kriterien der Kontrolle, Bestrafung und Dressur entspricht. Diese architektonische Einteilung erm\u00f6glicht eine permanente \u00dcberwachung, produziert das Gef\u00fchl, st\u00e4ndig gesehen zu werden. Dieses st\u00e4ndig-gesehen-werden ist aber nur scheinbar und nicht notwendig, weil die bauliche Anlage selbst, ein Machtverh\u00e4ltnis verk\u00f6rpert, durch das der Gefangene zu einer sich selbst-disziplinierenden Marionette gemacht werden soll. Diese architektonische Zu- und Anordnung von Raumeinheiten verbunden mit den Techniken der Kontrolle, Einsperrung, Isolierung und Erfassung l\u00e4sst sich auf die verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche \u00fcbertragen. Die Architektur der Kn\u00e4ste erm\u00f6glicht immer weniger Personen Macht \u00fcber immer mehr Personen auszu\u00fcben und auf diese Weise eine Aufgabe oder ein Verhalten aufzuzwingen.<\/p>\n<p>Strafe richtet sich aber nicht nur gegen den K\u00f6rper, sondern auch gegen den Geist, denn die Strafe will ein Umdenken des Bestraften erzwingen, seine Identit\u00e4t brechen, um ihn dann \u201egebessert\u201c, also angepasst, wieder zu entlassen. Der Gefangene ist in deutschen Kn\u00e4sten je nach Knast und Situation bis zu 23 Stunden in einer Zelle von acht Quadratmetern eingesperrt, so soll er gen\u00fcgend Zeit finden, sich mit sich selbst und seinen Handlungen auseinanderzusetzen. Und der Tag hat 24 Stunden. Alle Erinnerungen, die man im Leben doch so gerne hat, spielen sich innerhalb dieser vier W\u00e4nde ab, die v\u00f6llige Abstumpfung ohne Sinnlichkeit. Durch die Einf\u00fchrung von Privilegien und die M\u00f6glichkeit ihres Entzugs oder Ausschluss von diesen, wurde gleichzeitig auch ein System zur weiteren Konditionierung eingef\u00fchrt, so wird gutes Verhalten, wie Arbeiten, \u00dcbernahme von Knast-erhaltenden Pflichten, Kooperation wie Verrat und Wegsehen bei Missbrauch belohnt und schlechtes Verhalten, wie Widerstand, Rebellion, Verweigerung, Beanspruchen von (Menschen-)Rechten, stillschweigend bestraft. Der Gefangene soll also immer mehr zu seinem eigenen Bullen und Richter werden, aber auch gegen\u00fcber den Mitgefangenen die Rolle derer \u00fcbernehmen, die die Gefangenen einsperren. Was f\u00fcr ein Widerspruch: sich mit seinen Entf\u00fchrern solidarisieren. Daher k\u00f6nnen die Gef\u00e4ngnisse immer mehr nach der Zuverl\u00e4ssigkeit der Einzelpersonen strukturiert werden, die Braven mit den Braven und die Gef\u00e4hrlichen und Rebellen m\u00f6glichst allein. Die Verbreitung und Entwicklung von Technologien zur \u00dcberwachung, erlaubt immer mehr die Abwesenheit von Schlie\u00dfern, die unter strengster Isolation die einzigen menschlichen Kontakte darstellen. Was f\u00fcr mich nicht bedeutet, sich folglich ihnen anzubiedern, schlie\u00dflich sind sie es ja, die diese Folter direkt aus\u00fcben. Da der offensiv repressive Knast in den westlichen Demokratien nicht aufrechterhalten werden kann, muss die Bestrafung, in Hinsicht auf Schnelligkeit der Brechung der Individuen und deren Unterwerfung, verbessert, am Knast die frische Farbe der Menschlichkeit angebracht werden. Einsperrung ist also nicht nur eine Praxis, sie ist eine Wissenschaft, die st\u00e4ndig durch die Zusammenarbeit von Sozialarbeitern, Therapeuten, Psychiatern, Ingenieuren, Architekten, Bullen, Schlie\u00dfern, etc. entwickelt und perfektioniert wird.<\/p>\n<p>Untersch\u00e4tzen wir n\u00e4mlich nicht, inwiefern der Verbrecher gerade durch den Anblick der gerichtlichen und vollziehenden Prozeduren selbst verhindert wird, seine That, die Art seiner Handlung, an sich als verwerflich zu empfinden: denn er sieht genau die gleiche Art von Handlungen im Dienst der Gerechtigkeit ver\u00fcbt und dann gut geheissen, mit gutem Gewissen ver\u00fcbt: also Spionage, \u00dcberlistung, Bestechung, Fallenstellen, die ganze kniffliche und durchtriebene Polizisten- und Ankl\u00e4gerkunst, sodann das grunds\u00e4tzliche, selbst nicht durch den Affekt entschuldigte Berauben, \u00dcberw\u00e4ltigen, Beschimpfen, Gefangennehmen, Foltern, Morden, wie es in den verschiedenen Arten der Strafe sich auspr\u00e4gt, \u2013 Alles somit von seinen Richtern keineswegs an sich verworfene und verurtheilte Handlungen, sondern nur in einer gewissen Hinsicht und Nutzanwendung.<\/p>\n<p>\u2013 Nietzsche<\/p>\n<p><strong><br \/>\nDie Existenz von Kn\u00e4sten entbl\u00f6\u00dft die gesellschaftliche Illusion von Freiheit&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Um das Wesen der Strafe zu entlarven, m\u00fcssen wir die Architektur ansehen. Um das Wesen der Gesellschaft zu entlarven, m\u00fcssen wir ihre Strafen betrachten. Eine Gesellschaft, in der Kn\u00e4ste existieren, in der Menschen von anderen Menschen eingesperrt, gebrochen, entm\u00fcndigt und unterdr\u00fcckt werden, offenbart nicht nur ihren freiheitst\u00f6tenden Charakter, legt nicht nur ihre Unf\u00e4higkeit offen sich den Konflikten, die sie produziert zu stellen, sondern entbl\u00f6\u00dft auch ihren armseligen Begriff von Freiheit. In dieser sich selbst einsperrenden Welt, verl\u00e4uft die Grenze der eigenen Freiheit an der Grenze des anderen. Ein Mensch ist so frei wie er Eigentum sein nennen kann. Die Freiheit ist nichts Flie\u00dfendes, das mit der Freiheit der anderen w\u00e4chst und f\u00e4llt, sondern etwas Starres, Unbewegliches, das man hat. F\u00fcr das man also nicht zu k\u00e4mpfen braucht, sondern zu arbeiten, das man verwirkt hat, wenn man entgegen der Konventionen handelt, das verletzt wird, wenn Eigentum besch\u00e4digt wird, das einem genommen wurde, wenn man im Knast ist. In dieser Welt ist Freiheit eine Ware.<\/p>\n<p>Die Verteidiger, die Bef\u00fcrworter, die Bauplaner eben dieser Welt, stellen sich Freiheit als nichts anderes vor, die Welt, die sie anstreben und aufzwingen wollen, gr\u00fcndet eben genau auf dieser Illusion und damit einhergehend auch mit dem Willen zu bestrafen; jene zu bestrafen, die sich eine andere Welt vorstellen oder sich nicht eingliedern k\u00f6nnen. Ein autorit\u00e4rer Mensch, sieht nur die M\u00f6glichkeit von Herrschenden und Unterdr\u00fcckten. Ein Knast-Architekt ist zweifellos ein autorit\u00e4rer Mensch, der sich eben in einer getrennten Welt einer bestimmten Aufgabe widmet, die ihm als notwendig zu ihrer Aufrechterhaltung erscheint. Die Frage nach der Existenz der Kn\u00e4ste selbst zu stellen, richtet sich nicht nur gegen ihre Arbeit, sondern gegen ihre Ideen, ihren Wunsch von dieser Welt.<\/p>\n<p>Die blo\u00dfe Existenz von Gef\u00e4ngnissen und ihren dazugeh\u00f6rigen Strukturen und Ideen, sind schon Beweis daf\u00fcr, das diese Art der Gesellschaftsordnung Konflikte produziert, und diesen mit der H\u00e4rte und der Zerst\u00f6rungskraft jeder Einsperrung begegnen muss, da sie sich ansonsten mit einer Infragestellung der Sinnhaftigkeit ihres eigenen Bestehens konfrontiert sehen w\u00fcrde. Der unmessbar gr\u00f6\u00dfere Teil der \u201eVerbrechen\u201c entsteht als Antwort auf die Umst\u00e4nde, Zw\u00e4nge und Gewalt \u2013 auch die institutionalisierte Gewalt \u2013 die man t\u00e4glich erlebt und ist folglich nur zu \u201el\u00f6sen\u201c indem die Umst\u00e4nde, die Zw\u00e4nge und die Gewalt vernichtet wird, also unser Leben auf ganz anderen Grundlagen selbstbestimmt selbst organisiert wird.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nUm zu wissen wer wer ist, muss man schauen wer was macht&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Moderne Knast-Architektur soll jede unkontrollierte Kommunikation unter den H\u00e4ftlingen und von innen nach au\u00dfen unterbinden. Daf\u00fcr werden die Zellen nicht nur so angelegt und die gemeinschaftlichen Momente und R\u00e4ume so organisiert, dass die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Isolierung und Kontrolle innerhalb gew\u00e4hrleistet werden kann, sondern auch von au\u00dfen abgetrennt. So zeigen die Zellenfenster nicht mehr auf die Stra\u00dfe, sondern in den Innenhof um Kontakt zu verhindern. Auch die Fenster von den Korridoren, die die Gefangenen auf ihren Wegen durchwandern m\u00fcssen, zeigen nach innen. Durch diese Abtrennung vom Leben au\u00dferhalb, verliert man v\u00f6llig jedes (Zeit-)Gef\u00fchl und Sinn f\u00fcr die Existenz von etwas anderem. So wird die Zeit noch vielmehr zu etwas, das ohne den Ausgelieferten geschieht, dem Individuum wird seine Wertlosigkeit schmerzhaft klar gemacht. Man wird nicht nur von jeder Zeit getrennt, sondern auch vom Raum, auch vom sozialen Raum. Man wei\u00df zwar, dass man im Knast ist, auch ungef\u00e4hr wo, aber jede Orientierung wird ausgemerzt, weil man nichts au\u00dfer Mauer und vielleicht bew\u00f6lkten Himmel sehen kann. Diese Mechanismen, ausgel\u00f6st durch die Architektur, entm\u00fcndigen und leugnen den freien Willen jedes Individuums, nicht nur derer, die eingeschlossen sind, sondern jedes Individuums, das potentiell eingesperrt wird, sprich von allen. Sie isolieren und zerbrechen die Einzelnen und bieten im Ausgleich sich selbst als die einzigen Bezugspunkte, an die man sich wenden kann. Die Macht, der Knast und seine Schergen als Freunde? Niemals!<\/p>\n<p>Ein Knast-Architekt entwirft also nicht nur ein Haus. Sondern er entwirft ein Geb\u00e4ude nach all den Regeln der Kunst der Unterdr\u00fcckung. Ein Knast-Architekt hat die staatliche Ideologie verinnerlicht, so weit sogar, dass er nicht mehr Wirt sondern Parasit geworden ist, dass er Teil vom Staat, sein Werkzeug, sein Handlanger geworden ist. Er ist nicht mehr f\u00e4hig, \u00fcber Freiheit, Selbstbestimmung, Lernen, Solidarit\u00e4t, W\u00fcrde und Respekt, Verantwortung anders nachzudenken, als in den Begriffen von Einsperrung, Anpassung, Unterwerfung, Schuld und Pflicht, Eigentum und Zwang. So auch die Architekten der Frauen- und Jugend-JVA an der Stadelheimerstra\u00dfe in Giesing. Diese Wissenschaftler der Einsperrung und Entmenschlichung, die Meister des langsamen Todes mit ihren Gr\u00e4bern aus Beton, br\u00fcsten sich damit, die Innenw\u00e4nde von Gemeinschaftsr\u00e4umen, Jugendzellen bis zu den Zellen, die als Kinderzimmer dienen, im Trakt der Frauen mit kraftvollen Farben streichen zu lassen, um so \u201eFrische\u201c in die R\u00e4ume zu bringen und die Identifikation mit seinem eigenen Knast zu f\u00f6rdern. Diese Architekten aus Giesing (Tegernseerlandstra\u00dfe 38) mit den Namen Frick, Kr\u00fcger und Nusser (plan2 Gmbh) haben in ihrer elendigen Existenz bereits 11 Gef\u00e4ngnisse gebaut, auch in Sarajevo. Derzeit werden ihre Pl\u00e4ne von einem Justizpalast in Lyon (Frankreich) und des neuen (Straf-) und Justizzentrums in M\u00fcnchen am Leonrodplatz umgesetzt. Diese Experten der Unterdr\u00fcckung schreiben zu ihren Einsperrungsprojekten, dass es ihnen beispielsweise bei der JVA Bremerv\u00f6rde mit ihrem Vertragspartner BAM Deutschland gelungen ist eine positive und freundliche Atmosph\u00e4re zu schaffen, so soll doch die totale Fremdbestimmung zumindest in einem \u201eansehnlichen\u201c Umfeld vollstreckt werden. Auch \u00fcber die Fassadengestaltung bei der, von der Hessischen Baumanagement Niederlassung Rhein-Main (hbm) in Auftrag gegebene JVA Frankfurt a. M., scheinen sie sich zu freuen. Bei der JVA H\u00fcnfeld, einem Pilotprojekt der Privatisierung, ist ihnen trotz der Gr\u00f6\u00dfe dieses Betongrabes offensichtlich gelungen die Kosten f\u00fcr die Einschlie\u00dfung zu reduzieren und \u00f6konomischer zumachen, indem sie durch kurze Verbindungswege die Kosten der \u00dcberwachung senkten. Weil bei diesem Knast keine Au\u00dfenmauer m\u00f6glich war, sollen die Gefangenen sogar in das Vergn\u00fcgen kommen den Ausblick auf die osthessische H\u00fcgellandschaft zu genie\u00dfen, um dabei blo\u00df nicht zu vergessen in wessen H\u00e4nden sie sich befinden. Die JVA H\u00fcnfeld wird von der Fa. Steep Gmbh (ehemals Serco Gmbh.) aus Bonn betrieben. Auch die JVA Offenburg ist ein teilprivatisierter Knast, der von dem Generalunternehmer Ed. Z\u00fcblin AG in Auftrag gegeben wurde. F\u00fcr ihre JVA Dresden nutzten sie eine kl\u00f6sterliche Anlage als Leitbild f\u00fcr den Entwurf, wie passend: Knast und Religion passen ja ohnehin gut zusammen. Den Gefangenen soll hier durch die verwendeten Materialien zur Einkehr in sich gezwungen werden, sie sollen diese Zeit, die ihnen geraubt wird nutzen, sich der Sklavenrolle, die ihnen au\u00dferhalb abverlangt wird f\u00fcgen. Der Entwurf f\u00fcr die JVA Hamburg-Billwerder kommt von dem (Hamburger) B\u00fcro HPP und wurde von M\u00fcller-Altvatter Generalunternehmung in Auftrag gegeben. Die JVA Saarbr\u00fccken entstand durch die Arbeitsgemeinschaft mit den B\u00fcros ARUS und Dittmar. Neben Kn\u00e4sten sind die selben Architekten mit ihrem Kontaktarchitekten Arodie Damian Paris-Lyon f\u00fcr den neuen Justizpalast Bourge-en-Bresse in Lyon verantwortlich. Hier wurde das Generalunternehmen GTM<strong>*<\/strong> (Batiment Lyon) beauftragt und der Bau soll Ende 2015 abgeschlossen werden. Die Eingangshallen, speziell von Justizgeb\u00e4uden hei\u00dfen \u201eHallen der verlorenen Schritte\u201c; welche Schritte also ein Angeklagter macht ist ja offensichtlich. Die Architektur soll, laut ihnen die Transparenz im Entscheidungsfindungsprozess der Justiz repr\u00e4sentieren, wohl eher verschleiern, denn dabei sollte allen klar sein, was f\u00fcr eine geschlossene Kaste die Justiz ist und gegen wen sie sich richtet.<\/p>\n<p>Wir sehen diese Architekten wirken mit Leidenschaft, Zynismus, einer geh\u00f6rigen Portion K\u00e4lte gemischt mit der notwendigen wissenschaftlichen Vertiefung von Folter und Einsperrung, wenn sie ihre Kn\u00e4ste entwerfen. Wer so von der Gestaltung von Kn\u00e4sten spricht, muss sich in einsperrenden Verh\u00e4ltnissen, ob nun au\u00dferhalb der Mauern oder in einer Zelle wohlf\u00fchlen. Damit will ich nicht fordern sie einzusperren, denn eingesperrt sein w\u00fcnsche ich niemanden und dabei ist es egal, ob es ein Individuum macht oder viele Individuen mit Hilfe von Knast und staatlicher Rechtfertigung.<\/p>\n<p>Da diese Welt nicht ohne die notwendige Zustimmung der Menschen auskommt, der Beteiligung der Mehrheit an all diesen unterdr\u00fcckerischen Prozessen und Abl\u00e4ufen und vor allem nicht ohne die \u201eAufopferung\u201c weniger, die sich besonders geschickt in der Aus\u00fcbung ihrer Funktion anstellen, also Aufrechterhaltung und Verteidigung der Verh\u00e4ltnisse, m\u00fcssen wir uns und auch allen anderen mit der Verantwortlichkeit, die jeder von uns tr\u00e4gt, begegnen. Bei einem Knastarchitekten bedeutet das, ihm als Feind jeder Freiheit zu begegnen.<\/p>\n<p><em><strong>*<\/strong>GTM ist ein Bauunternehmen, dass sich bereits in den 80er Jahren an dem Projekt der \u201e13 000\u201c Zellen der franz\u00f6sischen Regierung beteiligte und seit jeher bei Kn\u00e4sten mitbaut. Auch die Os Cangaceiros, eine Anti-Knast-Gruppe aus Frankreich, sorgten bei ihren Baustellen und Filialen f\u00fcr ordentliche Unordnung. Zum weiterlesen: \u201eOs Cangaceiros \u2013 Ein Verbrechen namens Freiheit\u201c, pdf zum download: unruhen.org\/buch-os-cangaceiros-ein-verbrechen-namens-freiheit\/#more-421<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gefunden auf: linksunten.indymedia.org) \u00dcber individuelle Verantwortung, Knastbau und Justizzentrum &#8211; Der Traum der Resozialisierung durch Einsperrung ist seit langem \u00fcberholt. 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