{"id":2312,"date":"2015-08-10T11:07:24","date_gmt":"2015-08-10T09:07:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2312"},"modified":"2015-08-10T11:07:24","modified_gmt":"2015-08-10T09:07:24","slug":"repression-in-belarus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2312","title":{"rendered":"Repression in Belarus"},"content":{"rendered":"<p>(gefunden auf: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/150441\" target=\"_blank\">linksunten.indymedia.org<\/a>)<\/p>\n<div class=\"content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image image-thumbnail  alignleft\" title=\"Omon-Einheit\" src=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/system\/files\/images\/1900758501.jpg\" alt=\"Omon-Einheit\" width=\"140\" height=\"112\" \/>Am Samstag, dem 1. August 2015, fand in Minsk, Belarus, ein unangemeldetes Punk-Rock Konzert in einem Waldst\u00fcck am Stadtrand statt. Dieses wurde gewaltsam von den Einheiten der OMON sowie anderen \f (Zivi-) Cops nach ca. 2 Stunden beendet. Es ist die zweite repressive Ma\u00dfnahme in dieser Form seitens des diktatorischen Staates seit <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/node\/131603\" rel=\"nofollow\">Januar 2015<\/a>. Von etwa 50 BesucherInnen des Konzertes wurden die Personalien aufgenommen; 3 davon m\u00fcssen mit einer Gef\u00e4ngnisstrafe rechnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zum genaueren Verlauf der Ereignisse:<\/p>\n<p>Im \u0420\u0430\u0439\u043e\u043d \u0416\u0435\u043b\u0435\u0437\u043d\u043e\u0434\u043e\u0440\u043e\u0436\u043d\u043e\u0439, etwas au\u00dferhalb von Minsk, fand also oben genanntes Konzert um 20:00 Ortszeit statt. Es spielten u.a. die schon l\u00e4nger in der Szene etablierte Band \u201eThe Destroyers\u201c, sowie 7 weitere. Gegen 22:00 tauchten wie aus dem Nichts etwa 20-30 OMON-Cops, sowie weitere Einheiten, auch in Zivil, auf und begannen willk\u00fcrlich auf die Leute (insbesondere die zum Zeitpunkt spielende Band) einzukn\u00fcppeln. Einige mussten sich mit den Gesichtern zum Boden hinlegen, andere sollten sich um das Lagerfeuer versammeln, w\u00e4hrend die Bullen versuchten, die OrganisatorInnen des Konzertes ausfindig zu machen. Nach ca. einer weiteren Stunde, in denen einige wenige nach Bezahlung einer Strafe wegen \u201eunangemessenen Parken\u201c nach Hause fahren durften, nahmen die Cops ca. 40-50 Leute mit auf die nahe gelegene Milizstation. Von Letzteren wurden die Personalien aufgenommen und \u201eHooliganismus\u201c in der Akte vermerkt. Betroffen von jeglicher Gewalt, sowie weitergehenden repressiven Ma\u00dfnahmen (au\u00dfer der Vorwurf \u201eHooliganismus\u201c sowie das Aufnehmen der Personalien), waren ausschlie\u00dflich M\u00e4nner. Die BesucherInnen wurden im Gefangenentransport zur Milizstation gefahren. Der Gro\u00dfteil der Leute wurde dort nach Feststellen der Personalien freigelassen und durfte nach Hause gehen. Im Gefangenentransport selber wurden 5 der m\u00e4nnlichen Besucher in den Zellen des Wagens von der OMON verpr\u00fcgelt. Damit die Schreie der Opfer nicht zu h\u00f6ren waren, drehten die Bullen laute Musik auf. Dennoch waren deutlich Schreie au\u00dferhalb der Zelle zu vernehmen, sowie das Aufprallen der Schlagst\u00f6cke. Aufforderungen von ZeugInnen, die Gewalt zu unterlassen, wurden mit sp\u00f6ttischem Lachen und Witzen beantwortet. Das alles dauerte etwas eine Minute.<\/p>\n<p>Auf der Station selber wurde einer der Gefangenen abermals in eine Zelle gesperrt, in der weiter auf ihn eingeschlagen wurde. Sp\u00e4ter wurde von den Bullen in der Zelle die T\u00fcr ge\u00f6ffnet, um zwei weitere Kollegen zum Verpr\u00fcgeln dazu zu holen. Dabei sah man, laut Zeugenberichten, den Gefangenen deutlich st\u00f6hnend auf dem Boden liegen. Nichtsdestotrotz wurde dann zu Viert weiter gepr\u00fcgelt, wobei die ZeugInnen au\u00dferhalb der Zelle das Br\u00fcllen und die Schreie des Opfers vernahmen, jedoch nicht in der Lage waren, ihm zu Hilfe zu kommen. Die notwendige medizinische Versorgung wurde nat\u00fcrlich nicht gew\u00e4hrleistet. Ein Einfordern dessen war von Vornherein nicht m\u00f6glich. Die Inhaftierten haben auf der Bullenstation mehr als 10 Stunden ohne Nahrung und Wasser verbringen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Am Montag, dem 2. August 2015, knapp einen Tag nach dem Geschehnis, mussten sich die 3 Inhaftierten vor Gericht verantworten. Der Vorw\u00fcrfe lauteten:<\/p>\n<p>1. laut \u00a7 234 des Gesetzes \u00fcber Ordnungswidrigkeiten:<br \/>\n\u201e Widerstand gegen Vollzugsbeamte\u201c<br \/>\n2. laut \u00a7 173 des Gesetzes \u00fcber Ordnungswidrigkeiten<br \/>\n\u201eTrinken von Alkohol, Softdrinks oder Bier am \u00f6ffentlichen Ort oder das Erscheinen im Rauschzustand am \u00f6ffentlichen Ort\u201c<br \/>\n(laut einem Betroffenen wurde kein Alkoholtest durchgef\u00fchrt)<br \/>\n3. Die Teilnahme an- sowie Organisation eines unangemeldeten Konzertes<\/p>\n<p>Nachdem sich Richter S. Tkachuk mit den Protokollen der Bullen vertraut gemacht hatte, kam er zum Schluss, dass \u201eWiderstand gegen Vollzugsbeamte\u201c, wie er im Gefangenentransport angeblich passiert sei, noch nicht Grund genug f\u00fcr die Inhaftierung darstelle. So wurden alle administrativen Unterlagen zur \u201e\u00dcberarbeitung\u201c der Bullenstation des Bezirks zur\u00fcckgegeben. Das Datum f\u00fcr eine weitere Anh\u00f6rung ist bisher unbekannt.<br \/>\nAls weitere repressive Ma\u00dfnahme wurde w\u00e4hrend des Konzerts das gesamte Musik-Equipment im Wert von ca. 5000$ durch die Milizion\u00e4re beschlagnahmt. Dies ist jedoch nirgendwo dokumentiert und was damit passieren wird, ist bis dato unklar.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten im Folgenden ein paar weiterf\u00fchrende Worte zum Vorfall in Minsk schreiben; sozusagen ein wenig Hintergrundwissen zur momentanen Lage in Belarus von linken\/anarchistischen\/alternativen Menschen allgemein vermitteln. Auf Basis dieses Wissens sind die Vorkommnisse vom 01.08. insbesondere, aber auch allgemein die Situation vor Ort einfacher nachvollziehbar.<br \/>\nAuch ist es uns wichtig, den Fokus durch diesen Bericht etwas mehr auf die belarussische linke Szene zu legen und alle zu Solidarit\u00e4t aufzufordern, denn sie ist das, was den Menschen dort R\u00fcckhalt, Zuspruch und Kraft geben kann.<\/p>\n<p>Am 11. Oktober diesen Jahres wird es erneut Pr\u00e4sidentschaftswahlen geben. Zur Wahl stehen 8 potenzielle KandidatInnen; allen voran nat\u00fcrlich Lukaschenko, der das Land seit 1994 diktatorisch regiert.<br \/>\nZu Lukaschenko muss man nicht unbedingt viel schreiben; er lebt ganz frei nach dem Motto \u201eBesser Diktator, als schwul\u201c (Zitat seinerseits). Die Gesellschaft dieses Landes kann man mit dem Wort \u201egeradlinig\u201c ganz gut beschreiben; das Bild, was sich einem auf der Stra\u00dfe in den belarussischen St\u00e4dten liefert, ist \u00fcberwiegend gepr\u00e4gt von Milizion\u00e4ren \u2013 in Gruppen, alleine in der Metro, in den Cafes, an den Bushaltestellen (es kommt laut Statistik ca. 1 Cop auf 100 B\u00fcrgerInnen)\u2013 Frauen* auf Absatzschuhen; \u201eperfekt gestylt\u201c, sowie Sauberkeit und den damit verbundenen umherziehenden Putzkolonnen. Alles ist gleich oder \u00e4hnlich; die Stadt ist ein Ort, in dem die Menschen wie die grauen Herren bei Momo aneinander vorbeiziehen; ein Ort, an dem fast alle Bereiche des Lebens gleich geschaltet sind . Aus westlicher Perspektive allt\u00e4gliche Verhaltensweisen, wie z.B. sich an einer Bushaltestelle oder auf der Stra\u00dfe einfach auf den Boden zu flezen sind zwar m\u00f6glich, aber unangenehm, da mensch\u00a0 stets damit zu rechnen hat, von irgendwelchen PassantInnen dumm angequatscht zu werden, was das soll oder von der Miliz den Satz h\u00f6ren zu m\u00fcssen \u201eDas ist illegal, unterlasse das!&#8230;\u201c<br \/>\nEs gibt den \u201eechten Mann\u201c und die \u201egute Hausfrau\u201c, die mit sp\u00e4testens Mitte 20 ihr erstes Kind bekommt und geheiratet hat. Die Frau* muss allseits bereit sein, den potenziellen Ehemann zu finden, was das obig beschriebene Bild erkl\u00e4rt. Der krasse Sexismus in der Gesellschaft erkl\u00e4rt auch, warum w\u00e4hrend des \u00dcberfalls beim Konzert den weiblichen Teilnehmerinnen nichts getan wurde, w\u00e4hrend die m\u00e4nnlichen Teilnehmer teils aufs \u00dcbelste zusammengeschlagen worden sind. Frauen* sind also sozusagen weitestgehend aus dem Schneider; der \u201eKonflikt\u201c wurde \u201eunter M\u00e4nnern\u201c \u201eausgehandelt\u201c; Frauen* wird so ein politisches Engagement oder auch der Wille und die Kraft, das System zu verneinen und zur Not auch anzugreifen, faktisch abgesprochen.<br \/>\nAlles, was in Belarus \u00fcber der vom Staat propagierten Norm hinaus an alternativen Lebensformen besteht, bekommt die Intoleranz der Gesellschaft und des Staates drastisch zu sp\u00fcren.<br \/>\nSo ist ein Leben jenseits der etablierten homogenen Gesellschaft zwar m\u00f6glich, aber von weitreichenden Repressionen \u00fcberschattet, die, ganz einfach gesagt, zum Kotzen sind.<br \/>\nDarum also wurde auch das Konzert am 01.08. nicht angemeldet, sondern der Ort daf\u00fcr in den Wald verlagert, um einen Abend ohne die Augen des Staates ein Punk-Rock Konzert veranstalten zu k\u00f6nnen; zu konsumieren, wie mensch will und einfach nur mit den Leuten zu chillen, die \u00e4hnlich denken wie mensch selber.<br \/>\nIn Belarus ist die Verlagerung der Szene-Treffpunkte von der Stadt in die Natur im Laufe der Jahre immer \u00fcblicher geworden, da auch die Repressionen und die Schikane seitens der Bullen, vor allem seit der letzten Gro\u00dfdemonstration zu den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2010, immer st\u00e4rker geworden sind.<br \/>\nViele AntifaschistInnen\/AnarchistInnen oder einfach nur Menschen mit einem \u201ealternativen\u201c, von der Norm abweichenden Lebensstil sind aus diesem Grund in den letzten Jahren emigriert oder aber eingeknastet worden. Letztere nicht immer nur f\u00fcr politisches Engagement in welchem Umfang auch immer, sondern manche bspw. ganz einfach aus dem Grund, dass sie Gras rauchen\/geraucht haben (der Anbau von Gras kann mit bis zu 7 Jahren Haft bestraft werden). Die anstehenden Wahlen sind f\u00fcr die Staatsmacht Anlass f\u00fcr noch st\u00e4rkere Kontrollen, \u00dcberwachung und Razzien. Wer kann, verpisst sich f\u00fcr die kommenden Monate oder f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>Das Leben derer, die momentan in Belarus leben und das sexistische, homophobe, rassistische und generell faschistische System ablehnen, ist kein leichtes und Solidarit\u00e4t f\u00fcr jene, die jeden Tag dagegen k\u00e4mpfen m\u00fcssen oder durch ihre K\u00e4mpfe im Knast sitzen, ist zwingend notwendig!<br \/>\nAlso; zeigen wir uns solidarisch mit den AntifaschistInnen, AnarchistInnen und Punks in Belarus!<br \/>\nSolidarit\u00e4t ist eine Waffe \u2013 benutzen wir sie!<\/p>\n<p>Es gibt einige Wege, auf denen mensch sich solidarisch zeigen kann und den Leuten vor Ort helfen kann. Zentral hierbei ist das Anarchistic Black Cross Belarus, das sich im Allgemeinen um von Repressionen betroffene AktivistInnen k\u00fcmmert; sei es durch Gelder, \u00d6ffentlichkeitsarbeit oder Briefe f\u00fcr die derzeit politischen Gefangenen.<br \/>\nAuf ihrer Internetseite kann mensch spenden, selber Briefe schreiben oder sich informieren; die Seite gibt es in russischer und englischer Sprache.<\/p>\n<p><a title=\"http:\/\/abc-belarus.org\/?lang=en\" href=\"http:\/\/abc-belarus.org\/?lang=en\" rel=\"nofollow\">http:\/\/abc-belarus.org\/?lang=en<\/a><\/p>\n<p>Abgesehen davon kann man nat\u00fcrlich jederzeit Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das Thema schaffen, indem man ganz einfach dar\u00fcber spricht; Vortr\u00e4ge organisiert. Das ist u.a. ganz besonders wichtig, da Belarus ein Land ist, welches in den westlichen Meiden so gut wie nie auftaucht und weitestgehend isoliert ist, was sich als Konsequenz in unterschiedlicher Weise auf das Leben der Menschen dort auswirkt.<\/p>\n<p>Ansonsten gibt es viele andere M\u00f6glichkeiten; wie eine kleine Aktion in Vilnius beispielsweise zeigt:<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"\u041f\u0456\u043a\u0435\u0442 \u0441\u0430\u043b\u0456\u0434\u0430\u0440\u043d\u0430\u0441\u0446\u0456 \u0437 \u0440\u044d\u043f\u0440\u044d\u0441\u0430\u0432\u0430\u043d\u044b\u043c\u0456 \u0430\u043d\u0430\u0440\u0445\u0456\u0441\u0442\u0430\u043c\u0456. \u0412\u0456\u043b\u044c\u043d\u044f\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6bp8xvywVU4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Quellen:<br \/>\n<a title=\"http:\/\/abc-belarus.org\/?p=6260\" href=\"http:\/\/abc-belarus.org\/?p=6260\" rel=\"nofollow\">http:\/\/abc-belarus.org\/?p=6260<\/a><br \/>\n<a title=\"http:\/\/abc-belarus.org\/?p=6268\" href=\"http:\/\/abc-belarus.org\/?p=6268\" rel=\"nofollow\">http:\/\/abc-belarus.org\/?p=6268<\/a><br \/>\nnews.tut.by\/society\/458681.html&lt;\/p&gt;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gefunden auf: linksunten.indymedia.org) Am Samstag, dem 1. 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