{"id":2172,"date":"2015-07-02T21:07:36","date_gmt":"2015-07-02T19:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2172"},"modified":"2016-01-16T11:21:45","modified_gmt":"2016-01-16T10:21:45","slug":"es-war-das-werk-von-spitzeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=2172","title":{"rendered":"[CZ\/Operace F\u00e9nix] Es war das Werk von Spitzeln"},"content":{"rendered":"<p>(gefunden auf: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/146743\" target=\"_blank\">linksunten.indymedia.org<\/a>)<\/p>\n<p>In den Morgenstunden des 28.4.15 startete die tschechischen Polizei die &#8222;Operation Ph\u00f6nix&#8220;, die auf die Verfolgung der anarchistischen Bewegung und der radikalen Linken in Tschechien abzielt. Die meisten der Festgenommenen wurden bald ohne Anklage freigelassen. Drei Anarchisten sitzen aber noch im Gef\u00e4ngnis, w\u00e4hrend gegen noch drei weitere Ermittlungen gef\u00fchrt werden. Den Gefangenen wurden Anklagen wegen unerlaubter Bewaffnung und Terrorismus im Planungsstadium zugestellt. Trotz des verh\u00e4ngten Informationsembargos wurde in den Medien schnell von zwei Polizeispitzeln berichtet, die in dem Fall eine Rolle spielten. Diese Informationen blieben aber unkonkret und oberfl\u00e4chlich. Asociace Alerta hat darum nun detailiertere Informationen und Fotos dieser Agenten ver\u00f6ffentlicht, die ich hier gek\u00fcrzt wiedergeben will.<!--more-->Zwei der Inhaftierten wird vorgeworfen, an der Planung eines Anschlages auf einen Zug mit Milit\u00e4rmaterial oder Autos der Marke Hyundai beteiligt gewesen zu sein. Die Angeklagten sollten angeblich Flaschen mit Brennstoff vorbereiten, testen und die Logistik des Anschlages planen. Die L\u00e4cherlichkeit der Behauptung, jemand w\u00fcrde versuchen mit solchen Brands\u00e4tzen einen rundum gepanzerten Zug anzuz\u00fcnden und zu zerst\u00f6ren, soll hier mal keine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Konzentrieren wir uns auf die wichtigen Fakten. Anders als behauptet, handelte es sich bei der Wohnung, wo die angeblichen Treffen der terroristischen Gruppe stattgefunden haben sollen nicht um eine konspirative Wohnung. Es ist eine ganz gew\u00f6hnliche Wohnung, in der mehrere Personen aus der anarchistischen Bewegung wohnten. Sie wohnten auch nicht aus konspirativen Gr\u00fcnden gemeinsam, sondern um ganz einfach Wohnkosten zu sparen. Gemeinschaftliches Wohnen ist heutzutage nicht nur unter Anarchisten nicht un\u00fcblich.<\/p>\n<p>Wer in der erw\u00e4hnten Wohnung lebte war nie ein Geheimnis. Gerade darum war es f\u00fcr die Agenten so einfach, dort nicht nur Menschen zu treffen, die da wohnten. Es war kein Geheimnis, dass dort auch aktivistische Treffen stattfanden, auf denen die normale Agenda der Gegenwart besprochen wurde. Es ging um Werbekampagnen, Benefizkonzerte, \u00f6ffentliche Versammlungen, Kochen f\u00fcr Obdachlose und andere Themen, die garantiert nicht in die Kategorie Terrorismus fallen. Dabei ist selbstverst\u00e4ndlich nur die Rede von den inhaftierten oder anderweitig verfolgten Anarchisten, mitnichten von den Polizeispitzeln. Gerade diese Spitzel versuchten, diese und andere Treffen zu Provokationen zu nutzen.<\/p>\n<p>Von den Agenten kamen Appelle, dass Plakate kleben nicht reiche und h\u00e4rtere Aktionen n\u00f6tig w\u00e4ren, verbunden mit Angeberei, welche Aktionen sie schon mitgemacht h\u00e4tten. Die Verfolgten Anarchisten und Andere, die mit den Agenten in Kontakt standen legen nahe, dass auch die beschriebenen Anschlagspl\u00e4ne aus der Feder der Spitzel stammten, ohne dass sich die jetzt Gefangenen aktiv daran beteiligt h\u00e4tten. Martin I. schrieb dazu aus dem Gef\u00e4ngnis Praha-Pankr\u00e1c:<\/p>\n<p><i> &#8222;Operation Ph\u00f6nix&#8220; gr\u00fcndet sich auf die Provokation von Polizeispitzeln. Ihr Ziel war, uns da hineinzuziehen und alles auf uns abzuwerfen. Ich habe den Verdacht, dass die Polizei und Ermittler Beweise manipulieren. Sie glauben, wir w\u00fcrden alles gestehen, aber unser Gest\u00e4ndnis w\u00e4re blanke L\u00fcge, was wir nicht zulassen k\u00f6nnen! Es ist interessant, wie mensch Opfer von Repression werden kann, nur durch die Hilfe von Agenten und Polizei. Alles war so organisiert, dass die &#8222;Schuld&#8220; auf uns f\u00e4llt. Sie taten das mit einem klaren Ziel und so, dass sie viele Menschen mit hineinstie\u00dfen. Sie wollten einen Fall von Terrorismus, also haben sie ihn sich selbst geschaffen. <\/i><\/p>\n<p>Wer sind sie, woher kamen sie?<\/p>\n<p>Die auf den Fotos abgebildeten Spitzel h\u00f6ren auf die Decknamen Petr und Robert. In einer ersten Phase ihrer T\u00e4tigkeit schlossen sie sich Personen im Umkreis der Voice of Anarchopacifism (VAP) an, losen Verbindung anarchistischer Gruppen. Durch ihre relativ offene und informelle &#8222;Struktur&#8220; wurde die VAP verst\u00e4ndlicherwei\u00dfe zum leichten Sprungbrett f\u00fcr die Polizeiagenten.<\/p>\n<p>Die zeigten sich allm\u00e4hlich auf verschiedenen \u00f6ffentlichen und klandestinen Aktionen, damit die Menschen in der Bewegung das Gef\u00fchl bek\u00e4men, sie geh\u00f6rten dazu. Sonderlich gut gelang ihnen das aber nicht und auch wenn Beweise fehlten, betrachteten einige Anarchisten sie als verd\u00e4chtig und mieden ihre Mitarbeit. Solang es sich nur um unbest\u00e4tigte Behauptungen und Annahmen handelte, verwehrte ihnen aber niemand, an einigen Aktionen der anarchistischen Bewegung teilzunehmen. So nahmen sie auch an klandestinen Aktionen teil, wie Plakate kleben oder Banner aufh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Es kann verschiedene Gr\u00fcnde geben, warum die Agenten vor ihrer Enttarnung einige Anarchisten zur Mitarbeit gewannen. Die Menschen, die mit ihnen in Kontakt waren, sind sich aber in einer Sache einig. Die Agenten boten gern materielle und andere Unterst\u00fctzung da, wo sie gebraucht wurde. Erschien ein anarchistisches Plakat oder eine Zeitung, verbreiteten sie es. Brauchte jemand Internetzugang oder musste telefonieren, erm\u00f6glichten sie es. Musste irgendwo eine gr\u00f6\u00dfere Ladung oder mehrere Menschen abgeholt werden, boten die Spitzel ihre zwei Lieferwagen an und trugen die Spritkosten. Eines ihrer Autos war schwarz und es gelang nicht, das Kennzeichen zu dokumentieren. Das andere, rote Auto ist auf einem der Fotos zu sehen, das Kennzeichen lautet OCM-63-80.<\/p>\n<p>Sie bringen uns nicht zu schweigen, sie stoppen uns nicht<\/p>\n<p>Welche Schl\u00fcsse k\u00f6nnen aus diesen Informationen gezogen werden? Die gute Nachricht ist, dass die anarchistische Bewegung den Herrschenden wirklich ein Dorn im Auge ist. Anarchisten stellen sich offen in gegen Unterdr\u00fcckung und die Vorherrschaft von Menschen \u00fcber Menschen. Es \u00fcberrascht also nicht, dass der Staat und Polizeieinheiten versuchen, solch eine Bewegung zu unterdr\u00fccken. Es sind ja gerade die staatlichen Institutionen, deren historische Aufgabe ist, gesellschaftliche Hierarchien und die Herrschaft der kapitalistischen Klasse sicherzustellen.<\/p>\n<p>Die Operation Ph\u00f6nix und der Einsatz verdeckter Ermittler erinnert uns von Neuem an die gut bekannte Wirklichkeit. Der Staat z\u00f6gert nicht, die niedertr\u00e4chtigsten Methoden anzuwenden, die anarchistische Bewegung zu diskreditieren, zu spalten und unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die historische Erfahrung zeigt aber auch, dass sich die anarchistischen Prinzipien nie ganz unterdr\u00fccken lassen und immer eine Reihe Anh\u00e4ngern finden, die sie in der Praxis umsetzen. Die Polizei \u00fcberf\u00e4llt, bestiehlt und terrorisiert uns und nimmt unsere Genossen gefangen. Das alles \u00e4ndert aber nichts daran, dass der anarchistischer Widerstand ein Teil der t\u00e4glichen Realit\u00e4t bleibt. Wir versuchen weiter, diese Realit\u00e4t zu aktive zu beeinflussen, mit Worten und Taten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image image-thumbnail alignleft\" title=\"Polizeispitzel\" src=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/system\/files\/images\/1547349835.thumbnail.jpg\" alt=\"Polizeispitzel\" width=\"200\" height=\"118\" \/><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/146744\" target=\"_blank\">Polizeispitzel<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image image-thumbnail alignleft\" title=\"Ein Auto der Spitzel\" src=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/system\/files\/images\/1395797882.thumbnail.jpg\" alt=\"Ein Auto der Spitzel\" width=\"200\" height=\"127\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/146745\" target=\"_blank\">Ein Auto der Spitzel<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image image-thumbnail alignleft\" title=\"&quot;Wenn die Worte ausgehen ist Kampf der einzige Weg. Solidarit\u00e4t mit der Klinik&quot;\" src=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/system\/files\/images\/1605318425.thumbnail.jpg\" alt=\"&quot;Wenn die Worte ausgehen ist Kampf der einzige Weg. Solidarit\u00e4t mit der Klinik&quot;\" width=\"200\" height=\"185\" \/><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/146746\" target=\"_blank\">&#8222;Wenn die Worte ausgehen ist Kampf der einzige Weg. Solidarit\u00e4t mit der Klinik.&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gefunden auf: linksunten.indymedia.org) In den Morgenstunden des 28.4.15 startete die tschechischen Polizei die &#8222;Operation Ph\u00f6nix&#8220;, die auf die Verfolgung der anarchistischen Bewegung und der radikalen Linken in Tschechien abzielt. Die meisten der Festgenommenen wurden bald ohne Anklage freigelassen. Drei Anarchisten sitzen aber noch im Gef\u00e4ngnis, w\u00e4hrend gegen noch drei weitere Ermittlungen gef\u00fchrt werden. 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