{"id":1736,"date":"2014-12-20T18:10:43","date_gmt":"2014-12-20T17:10:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1736"},"modified":"2014-12-20T16:47:11","modified_gmt":"2014-12-20T15:47:11","slug":"grenzenlos-nr-3-anarchistische-zeitschrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1736","title":{"rendered":"&#8218;GRENZENLOS&#8216; Nr. 3 (Anarchistische Zeitschrift)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/grenzenlos3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1760 alignleft\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/grenzenlos3.jpg\" alt=\"grenzenlos3\" width=\"246\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/grenzenlos3.jpg 414w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/grenzenlos3-207x300.jpg 207w\" sizes=\"(max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/a>Vor Kurzem ist die 3. Ausgabe der anarchistischen Zeitschrift &#8222;Grenzenlos&#8220; erschienen. Nachfolgend das Editorial und das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe. Die Zeitschrift kann per Mail \u00fcber &#8222;grenzenlos-zeitschrift [at] riseup [.] net&#8220; oder per Post \u00fcber &#8222;Grenzenlos c\/o Anarchistische Bibliothek FERMENTO, Rosengartenstr. 10, 8037 Z\u00fcrich&#8220; bestellt werden. Der Preis w\u00e4ren die Versandkosten plus ungef\u00e4hr 1 Euro pro ausgabe.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>&#8222;Grenzenlos&#8220;, Anarchistische Zeitschrift, Ausgabe Nr. 3, Z\u00fcrich, Oktober 2014<\/p>\n<p>Format: 76 Seiten, A4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Editorial<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Doch noch eine dritte Ausgabe der Grenzenlos. Es hat lange gedauert. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind viele. Sicherlich nicht die Unt\u00e4tigkeit. Einer der Hauptgr\u00fcnde war vielmehr die Unentschlossenheit \u00fcber Form und Funktion, die diese Zeitschrift annehmen soll. Der Spagat zwischen Revue und Agitationszeitung, der Versuch, einerseits eine theoretische Vertiefung der hiesigen und internationalen Debatten unter Anarchisten und andererseits aktuelle Dokumente und Informationen zu spezifischen K\u00e4mpfen sowie der sozialen Konfliktualit\u00e4t im Allgemeinen zusammenzutragen, zeigte sich immer schwieriger in einer einzigen Zeitschrift tragbar. Es dr\u00e4ngte sich eine Entscheidung auf. Wie bereits in der ersten Ausgabe angemerkt, \u00ab\u2008wird diese Zeitschrift in Form, Umfang und Schwerpunkten variieren und sich ihren Platz fortw\u00e4hrend suchen\u2008\u00bb. Aber in welche Richtung? Bereits in der letzten Ausgabe zeigte sich die Tendenz, den Anspruch einer Dokumentation der K\u00e4mpfe und Konflikte, in ihren chronologischen Begebenheiten, zu vernachl\u00e4ssigen, um mehr den theoretischen Vertiefungen Platz zu geben, die daran gebunden sind. Nicht nur, weil die mangelnde Periodizit\u00e4t und somit Aktualit\u00e4t von dieser Zeitschrift den Sinn einer solchen informativen Arbeit, offensichtlicherweise, fraglich macht, sondern auch, weil wir der Ansicht sind, dass die Erfordernis, die wir um uns sp\u00fcren, um voranzukommen, eine andere ist. Nicht schlicht die Information. Im Gegenteil, die \u00dcbers\u00e4ttigung mit Informationen, meistens knapp, verzerrt und abgeflacht, mit geringer inhaltlicher Auseinandersetzung und Kontextualisierung, wie sie in unserem Zeitalter durch die allgegenw\u00e4rtigen Kommunikationstechnologien besorgt wird, tr\u00e4gt oft eher dazu bei, jenen grundlegenden Punkt zu \u00fcbersch\u00fctten, von dem es auszugehen gilt: dass es keinen \u00e4usseren Mechanismus gibt, der an unserer Stelle wirkt, den es bloss zu verfolgen und abzuwarten gilt, dass wir es sind, die ein Projekt aufbauen m\u00fcssen, ohne uns in der Virtualit\u00e4t der Informationen oder im Rausch des Tuns zu verlieren, dass wir es sind, die eine Br\u00fccke zwischen der uns umgebenden Realit\u00e4t und der freiheitlichen Zukunft aufbauen m\u00fcssen, die wir uns w\u00fcnschen. Und dazu reicht keine blosse Informiertheit \u00fcber Ereignisse und Begebenheiten, sondern brauchen wir Ideen und Analysen. Ideen, welche die Methodologie bestimmen, wie wir, als Anarchisten, in die Realit\u00e4t des sozialen Konfliktes intervenieren, und die nicht blosse Intuitionen bleiben k\u00f6nnen, sondern ein Fundament brauchen, um darauf bauen zu k\u00f6nnen, um sie auch einer gewissen Belastung unterstellen zu k\u00f6nnen. Analysen, die es uns erlauben, die Realit\u00e4t besser zu verstehen, die Bewegungen und Entwicklungen des Feindes (des Staates, des Kapitals, ihrer repressiven, produktiven und konsensbeschaffenden Strukturen) zu erkennen, und die sozialen Spannungen ausfindig zu machen, um, unsererseits, die Initiative zu ergreifen und anzugreifen. Und in diese Richtung gibt es, mit Sicherheit, noch viel Arbeit zu tun. Die verschiedenen internationalistischen Initiativen, die in den letzten Jahren aufkamen, k\u00f6nnen dazu, unserer Ansicht nach, sehr hilfreich sein.<br \/>\n<!--more--><em><strong>Projektualit\u00e4t<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Wenn in dem vergangenen Jahr, hier in Z\u00fcrich, Vortr\u00e4ge und Diskussionen \u00fcber die Ideen und Aktionen von Anarchisten wie Severino Di Giovanni, Francisco Sabat\u00e9 und Albert Libertad gehalten wurden, so war das, scheinbar, weil es in diesen Anarchisten, wie in vielen anderen, etwas gibt, das sie gemeinsam haben, etwas, das unser Interesse weckt.<br \/>\nSeverino Di Giovanni, ein ungest\u00fcmer Mann der Aktion, Autor zahlreicher Enteignungen von Kapitalisten und Anschl\u00e4ge gegen die Verantwortlichen der Unterdr\u00fcckung, aber auch einer anarchistischen Zeitung, \u201cCulmine\u201d, die er herausgab, worin er seine Ideen ausdr\u00fcckte und Analysen des s\u00fcdamerikanischen Kontexts entwickelte, in dem er mit seinen Gef\u00e4hrten agierte, stets auf der Suche nach den Punkten, worauf es zu pressen gilt, um die Ausgebeuteten zu einem generalisierten Aufstand anzutreiben, ein Mann von ebenso grossem Durst nach Aktion wie nach Bildung, selbst bereit, seine Freiheit zu riskieren, um, obwohl er \u00fcberall gesucht wurde, pers\u00f6nlich die Matrizen f\u00fcr ein Buch von \u00c9li\u00e9e Reclus abzuholen, das er mit seinem Verlag zu drucken beabsichtigte, was schliesslich zu seiner Verhaftung f\u00fchrte.<br \/>\nDann Francisco Sabat\u00e9, ein unerm\u00fcdlicher Rebell, von den Aufst\u00e4nden von 1933 gegen die Spanische Republik, durch den Verlauf des B\u00fcrgerkrieges, bis hinein ins Franco-Regime, wogegen er ununterbrochen weiterk\u00e4mpfte, w\u00e4hrend er mit Aktionen wie aus einem Taxi \u00fcber den Paraden abgeschossenen Flugbl\u00e4ttern genauso wie mit bewaffneten Angriffen versuchte, die Leute zur Auflehnung zu ermutigen, jemand, der mit seinen Enteignungen der anarchistischen Bewegung einen betr\u00e4chtlichen Anteil an finanziellen Mitteln verschaffte, ungeachtet der Missachtung und des Argwohns, den die F\u00fchrer der vorherrschenden anarchistischen Organisation, der CNT, f\u00fcr ihn \u00fcbrig hatten, da seine Aktionen, die keine Kompromisse akzeptierten, ihrem opportunistischen Paktieren im Wege standen.<br \/>\nUnd schliesslich Albert Libertad, ein feuriger Agitator, der kein Blatt vor den Mund nahm und mit seinen Ideen in Versammlungen aller Art intervenierte, Herausgeber der anarchistischen Wochenzeitung \u201cL\u2019Anarchie\u201d, mit einem journalistischen und literarischen Talent, das sich in der Geschichte der anarchistischen Propaganda kaum zweimal finden l\u00e4sst, Initiator der \u201cCauseries Populaires\u201d, \u00f6ffentliche Debattieranl\u00e4sse, die sich im Paris des anbrechenden 19. Jahrhunderts rasch weiterverbreiteten und rege Beteiligung fanden, und gleichzeitig ein F\u00f6rderer der Revolte, der Dringlichkeit des Angriffs, der, trotz seiner Kr\u00fccken, nicht z\u00f6gerte, mit seinen Gef\u00e4hrten einem Streik der Arbeiter bewaffnet zur Seite zu stehen, als dieser begann, aufst\u00e4ndische Charakteristiken anzunehmen.<br \/>\nNun, was ist es also, was diese Menschen, so unterschiedlich in ihrer pers\u00f6nlichen, sozialen und zeitlichen Realit\u00e4t, miteinander gemeinsam haben? Eine ununterbrochene Wechselwirkung zwischen Gedanken und Aktion, Theorie und Praxis, der Entwicklung und Vertiefung von Ideen und Analysen und der praktischen Realisierungen von Kampfprojekten und Angriffen. Kurz: eine revolution\u00e4re Totalit\u00e4t, die alles miteinschliesst, und die einheitlich darauf ausgerichtet ist, ausgehend von wo auch immer man sich befindet, zur Kreierung jener aufst\u00e4ndischen Bewegungen beizutragen, die der unumg\u00e4ngliche Weg zur Anarchie sind. Ihre T\u00e4tigkeiten, von den gedruckten Schriften bis zu den bewaffneten Aktionen, von der theoretischen Ausarbeitung bis zur Beschaffung von Mitteln, geschahen nicht als separate Tatsachen, sondern als Bausteine ihrer eigenen revolution\u00e4ren Projektualit\u00e4t.<br \/>\nEben dieser Sinn f\u00fcr eine revolution\u00e4re Projektualit\u00e4t ist etwas, das heute oft selten geworden ist, und das wir unbedingt zur\u00fcckerlangen m\u00fcssen, wenn wir nicht in der Folklore der Geschichte verschwinden wollen. Wenn wir eine treibende Kraft in den gegenw\u00e4rtigen und kommenden Konflikten sein wollen.<br \/>\nAber die Bedingungen um uns herum haben sich ver\u00e4ndert seit der Zeit von Di Giovanni, Sabat\u00e9 und Libertad, und zwar grunds\u00e4tzlich. Auch wenn die Methoden, wie wir als Anarchisten k\u00e4mpfen wollen, dieselben bleiben, so werden die revolution\u00e4ren Strategien heute anders aussehen m\u00fcssen. Es ist deshalb unentbehrlich, unsere Bedingungen und die tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen, die erfolgt sind, zu analysieren.<br \/>\n<em><strong>Ideen und Mittel<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Um \u00fcberhaupt so etwas wie eine Projektualit\u00e4t entwickeln zu k\u00f6nnen, brauchen wir also grunds\u00e4tzlich zwei Dinge: Ideen und Mittel. Wenn wir die anarchistische Bewegung von heute mit jener zur Zeit der obengenannten Gef\u00e4hrten vergleichen, ist der Verlust an kulturellen und praktischen Grundlagen un\u00fcbersehbar. Korrespondenzen, Zeitungen und B\u00fccher sind selten geworden, viel technisches Wissen ist abhanden gekommen. Analysen sind oft inhaltsarm, Angriffe oft platonisch. Eine Tendenz, die nicht losgel\u00f6st von den Ver\u00e4nderungen betrachtet werden kann, die auf gesellschaftlicher Ebene erfolgt sind. In diesem Sinne ist es \u201cnormal\u201d, dass sich die allgemeine kulturelle und sprachliche Verarmung, die Entwicklung einer flexiblen, demokratischen Mentalit\u00e4t und die Produktion von sozialem Frieden auch in der anarchistischen Bewegung widerspiegeln. Das \u00e4ndert jedoch nichts an der Tatsache, dass wir eben dieser Tendenz entgegenwirken m\u00fcssen, wenn wir aus unserer selbstgemachten Marginalisierung ausbrechen wollen. Dass wir uns anstrengen m\u00fcssen, diese kulturellen und praktischen Grundlagen so weit es geht zur\u00fcckzuerobern, als Waffen im Kampf gegen die Macht, deren man uns berauben will. Ansonsten k\u00f6nnten wir schneller, als wir es erwarten, von Ereignissen \u00fcberrollt werden, die uns verst\u00e4ndnislos und entwaffnet dastehen sehen&#8230;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Inhaltsverzeichnis<\/p>\n<p>&#8211; Editorial<br \/>\n&#8211; Zur Analyse der Situation in der Schweiz<br \/>\n&#8211; Revolution\u00e4re Perspektiven<br \/>\n&#8211; Ansatzpunkte f\u00fcr einen Diskussionszyklus<br \/>\n&#8211; Sitzen wir alle im selben Boot?<br \/>\n&#8211; PJZ Niemals!<br \/>\n&#8211; Die revolution\u00e4re Frage<br \/>\n&#8211; Der Bau des PJZ kann verhindert werden<br \/>\n&#8211; Gefangene der Geschichte<br \/>\n&#8211; Vortrag<br \/>\n&#8211; Notizen zum Kampf gegen das PJZ<\/p>\n<p>&#8211; Insurrektionismus oder Evolutionismus?<br \/>\n&#8211; Historische Entwicklung des anarchistischen Insurrektionalismus<br \/>\n&#8211; Neue Wenden des Kapitalismus<br \/>\n&#8211; Ein spezifischer Organisationsvorschlag<br \/>\n&#8211; Organisationsdokument der selbstverwalteten Ligen<br \/>\n&#8211; Ein Massenembryo<br \/>\n&#8211; Selbstverwaltung als anarchistische Kampfmethode<br \/>\n&#8211; Kurze Klarstellung \u00fcber unsere Weise, den aufst\u00e4ndischen Kampf anzugehen<\/p>\n<p>Internationales anarchistisches Treffen in Z\u00fcrich vom November 2012<\/p>\n<p>&#8211; Neue Realit\u00e4ten, alte Verlangen<br \/>\n&#8211; \u00dcber die Kommunikation<br \/>\n&#8211; Etwas, das fehlt<br \/>\n&#8211; Barbarenbeitrag<br \/>\n&#8211; Einige Schritte auf dem Terrain der Informalit\u00e4t<\/p>\n<p>&#8211; Redebeitr\u00e4ge am Treffen von Velletri<br \/>\n&#8211; Das Unvorhergesehene<br \/>\n&#8211; Ja, der Reichstag brennt<br \/>\n&#8211; Buchrezension: \u00dcber den Terrorismus und den Staat<br \/>\n&#8211; Wenn das Vorurteil zur Gewissheit wird<br \/>\n&#8211; Vierzig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Kurzem ist die 3. 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