{"id":1662,"date":"2014-11-14T21:16:13","date_gmt":"2014-11-14T20:16:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1662"},"modified":"2014-11-19T21:19:02","modified_gmt":"2014-11-19T20:19:02","slug":"griechische-gefangnisse-anarchistischer-genosse-nikos-romanos-erklart-hungerstreik-ab-10-november-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1662","title":{"rendered":"Griechische Gef\u00e4ngnisse: Anarchistischer Genosse Nikos Romanos erkl\u00e4rt Hungerstreik ab 10. November 2014"},"content":{"rendered":"<p>(gefunden auf: <a href=\"http:\/\/de.contrainfo.espiv.net\/2014\/11\/13\/griechische-gefangnisse-anarchistischer-genosse-nikos-romanos-erklart-hungerstreik-ab-10-november-2014\/\" target=\"_blank\">de.contrainfo.espiv.net<\/a>)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8242\" src=\"https:\/\/de.contrainfo.espiv.net\/files\/2014\/11\/nikos-romanos-hunger-strike.jpg\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"330\" \/><\/p>\n<p>ANK\u00dcNDIGUNG DES HUNGERSTREIKS<\/p>\n<p><strong><em>Ersticken f\u00fcr einen Atemzug Freiheit<\/em><\/strong><strong>.<\/strong><\/p>\n<p>Im vorigen Fr\u00fchling beteiligte ich mich vom Gef\u00e4ngnis aus an Aufnahmepr\u00fcfungen verschiedener Universit\u00e4ten und wurde an einer Fakult\u00e4t in Athen angenommen. Ihren Gesetzen entsprechend habe ich seit September 2014 das Recht auf Bildungsurlaub, um ab dem Beginn des Semesters regelm\u00e4\u00dfig an Lehrveranstaltungen teilnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie erwartet trafen meine Anfragen hierf\u00fcr auf taube Ohren, was mich dazu bringt, meiner Forderung nach Hafturlaub Nachdruck zu verleihen, indem ich meinen K\u00f6rper als Barrikade benutze.<\/p>\n<p>An dieser Stelle scheint es mir notwendig, meine fundamentalen Beweggr\u00fcnde zu erl\u00e4utern, um den Kontext meiner Entscheidung zu zeigen.<\/p>\n<p>Gesetze werden, au\u00dfer Instrumente zur Kontrolle und Repression zu sein, auch daf\u00fcr angewendet, Gleichgewichte \u2013 auch Sozialvertr\u00e4ge genannt \u2013 aufrechtzuerhalten, sozio-politische Wechselbeziehungen wiederzugeben und teilweise daf\u00fcr, bestimmte Positionen f\u00fcr die F\u00fchrung des sozialen Krieges zu bilden.<\/p>\n<p>Deswegen m\u00f6chte ich meine Entscheidung so deutlich wie m\u00f6glich machen: Ich verteidige nicht ihre Legitimit\u00e4t; im Gegenteil, ich verwende das politische Mittel der Erpressung, um Atemz\u00fcge der Freiheit aus den vernichtenden Bedingungen der Einkerkerung zu gewinnen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle kommt die Frage auf, was unsere Forderungen in Gefangenschaft betrifft. Es sollte als selbstverst\u00e4ndlich gelten, dass es unter solchen Bedingungen immer Widerspr\u00fcche gegeben hat und geben wird. Beispielsweise als wir uns, obwohl wir fanatische Feinde aller Gesetze sind, an dem massiven Hungerstreik der Gefangenen gegen das neue Gesetz f\u00fcr Hochsicherheitsgef\u00e4ngnisse beteiligt haben. Viele Genossen haben in \u00e4hnlicher Weise \u00fcber ihre Haftbedingungen verhandelt (gegen \u201erechtswidrige\u201c Untersuchungshaft, gegen Leibesvisitation, f\u00fcr den Verbleib in einem bestimmten Gef\u00e4ngnis) und ihren K\u00f6rper als Barrikade benutzt, und es ist eine gute Sache, die sie gemacht haben.<\/p>\n<p>Dann kommen wir zu der Schlussfolgerung, dass wir unter solchen Umst\u00e4nden oft gezwungen sind, in einen strategischen Krieg der Positionen zu treten, was in unserer Situation ein notwendiges \u00dcbel ist.<\/p>\n<p>Schon im Titel dieses Textes habe ich den politischen Charakter meiner Entscheidung angegeben, was die M\u00f6glichkeit einer neuen Kampffront er\u00f6ffnet, jetzt, da wir alle uns an einem sehr kritischen Punkt befinden.<\/p>\n<p>\u201ePoesie ist die Kunst, die bleibt. Sie ist weiterhin unbezwungen, wenn schon alle Diskurse der Ordnung des Substanzlosen unterworfen sind; wenn jedes Wort sorgf\u00e4ltig desinfiziert und dekoriert ist, einer Marquise am Hof gleich, die mit dem Prinzen im Bett landet, so unheimlich ihr das auch scheinen mag, die sich anst\u00e4ndig gibt und behauptet, Tugenden zu besitzen, die sie schon l\u00e4ngst verloren hat im Sumpf von Kompromiss und Prostitution. Poesie ist inkompatibel oder sie ist keine.\u201c (Jean-Marc Rouillan)<\/p>\n<p>Genossinnen und Genossen, wir sind jetzt schon seit geraumer Zeit eingemauert. Von den Polizeiblockaden und Antiterror-Pogromen bis zu den Vorst\u00e4nden der Wirtschaftswissenschaft, die jene ausl\u00f6schen, welche nicht in ihre Statistiken passen; von den griechischen Industriellen, die sich gegen den Angriff multinationaler Giganten durch die Unterst\u00fctzung des Sp\u00e4tsozialismus der Syriza-Partei wehren, bis zum Ausnahmezustand, in dem Politiker das Kost\u00fcm der Ultra-Patrioten anprobieren, allzeit im Dienst f\u00fcr das Wohl des Landes; von den Bullen und der Armee, deren Waffen und Ausr\u00fcstung auf dem neuesten Stand sind, um Rebellionen zu unterdr\u00fccken, bis zu den Maximumsicherheitsgef\u00e4ngnissen.<\/p>\n<p>Lasst uns die Dinge beim richtigen Namen nennen: was der Staat sich zunutze macht, ist nichts anderes als die Passivit\u00e4t, die sich als Normalzustand etabliert hat.<\/p>\n<p>Bald wird es zu sp\u00e4t sein, und die Macht wird ihren Zauberstab halten und nur mit jenen ein Nachsehen haben, die unterw\u00fcrfig vor ihrer Allmacht knien.<\/p>\n<p>Das System sieht eine Zukunft vor, in der Revolution\u00e4re in \u201eIntensivbehandlungen\u201c von \u201eKorrektionsanstalten\u201c lebendig begraben und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter k\u00f6rperlich, seelisch und moralisch zerst\u00f6rt sind.<\/p>\n<p>Ein innovatives Museum menschlichen Horrors, in dem lebende Ausstellungsst\u00fccke gezeigt werden mit Schildern um den Hals: \u201eEin zu vermeidendes Beispiel\u201c, und in dem alle sadistischen Absichten der Macht an menschlichen Versuchskaninchen getestet werden.<\/p>\n<p>Jede und jeder kann eine Antwort auf Dilemmas vorschlagen und eigene Entscheidungen treffen. Entweder Zuschauer in abgeschiedenen Sesseln, die ein kastriertes Leben f\u00fchren, oder Akteure der Ereignisse, die den Lauf der Geschichte bestimmen.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><em>In jener Nacht hielten wir den Blick auf den Horizont gerichtet und sahen viele Sternschnuppen, die ihre eigenen chaotischen Bahnen zogen. Und wir z\u00e4hlten sie wieder und wieder, wir w\u00fcnschten uns etwas, wir rechneten uns die Chancen aus. Wir wussten, dass unser Wunsch nach einem freien Leben \u00fcber all das hinwegsteigen musste, was uns unterdr\u00fcckt, uns ermordet, uns zerst\u00f6rt, so tauchten wir ins Leere genau so wie die Sternschnuppen, die wir beobachtet hatten.<\/em><\/p>\n<p><em> Seitdem sind unz\u00e4hlige Sterne gefallen; vielleicht ist es an der Zeit, dass unser Stern f\u00e4llt, doch wer wei\u00df? Wenn wir vorgefertigte Antworten parat h\u00e4tten, w\u00e4ren wir nicht zu dem geworden, was wir sind, sondern zu selbsts\u00fcchtigen Bastarden, die anderen Menschen beibringen, wie sie zu Nagetieren werden, die sich gegenseitig auffressen, so wie es heute normal ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenigstens sind wir immer noch unvers\u00f6hnlich und haben einen starken Willen wie die Leute unseres Schlags. Und jene von uns, die ihre Augen im Schmerz geschlossen haben und weit gereist sind, halten auch weiterhin ihren Blick fest auf den Nachthimmel gerichtet, den wir beobachteten. Und sie sehen uns zu, wie wir fallen, sch\u00f6ne und leuchtende Sterne. Jetzt sind wir an der Reihe. Jetzt, ohne zu z\u00f6gern, fallen wir.<\/em><\/p>\n<p>Ich trete am Montag, den 10. November 2014 in Hungerstreik. Keinen Schritt zur\u00fcck, mit Anarchie f\u00fcr immer in meinem Herzen.<\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr jeden Tag des Hungerstreiks und was immer von diesem Punkt an geschieht, ist die Gef\u00e4ngnisleitung, vor allem der Staatsanwalt Nikolaos Poimenidis, der Direktor Charalambia Koutsomichali und Assistent der Sozialarbeit.<\/p>\n<h3><strong>SOLIDARIT\u00c4T HEISST ANGRIFF<\/strong><\/h3>\n<p>PS. An alle Sessel\u201ek\u00e4mpfer\u201c, professionelle Humanisten, \u201esensitive\u201c Intellektuelle und spirituelle Pers\u00f6nlichkeiten, im voraus: Und Tsch\u00fcss!<\/p>\n<p><strong><em>Nikos Romanos<br \/>\n<\/em><\/strong>Dikastiki Filaki Koridallou, \u0395 Pteryga<br \/>\n(Haftanstalt Koridallou, \u0395-Fl\u00fcgel)<br \/>\n18110 Koridallos, Athen, Griechenland<br \/>\n_<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/gr.contrainfo.espiv.net\/2014\/11\/08\/nikos-romanos-hunger-strike-announcement\/\" target=\"_blank\">gr<\/a>, <a href=\"http:\/\/en.contrainfo.espiv.net\/2014\/11\/08\/greek-prisons-anarchist-comrade-nikos-romanos-declares-hunger-strike-from-november-10th-2014\/\" target=\"_blank\">en<\/a>, <a href=\"http:\/\/es.contrainfo.espiv.net\/2014\/11\/08\/prisiones-griegas-el-compa-nikos-romanos-se-declara-en-huelga-de-hambre-desde-el-10-de-noviembre\/\" target=\"_blank\">es<\/a>, <a href=\"http:\/\/pt.contrainfo.espiv.net\/2014\/11\/08\/prisoes-gregas-o-compa-nikos-romanos-declara-se-em-greve-de-fome-a-partir-de-10-de-novembro\/\" target=\"_blank\">pt<\/a>, <a href=\"http:\/\/fr.contrainfo.espiv.net\/2014\/11\/10\/prisons-grecques-le-compagnon-nikos-romanos-en-greve-de-la-faim-depuis-le-10-novembre\/\" target=\"_blank\">fr<\/a>, <a href=\"http:\/\/tr.contrainfo.espiv.net\/2014\/11\/12\/yunan-hapishaneleri-anarsist-yoldas-nikos-romanos-10-kasim-2014ten-itibaren-aclik-grevine-cikacagini-acikladi\" target=\"_blank\">tr<\/a>, <a href=\"http:\/\/atenecalling.blogspot.com\/2014\/11\/lanarchico-nikos-romanos-si-dichiara-in.html\" target=\"_blank\">it<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>(das Zitat stammt aus Rouillans \u201eLettre \u00e0 Jules\u201c)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gefunden auf: de.contrainfo.espiv.net) ANK\u00dcNDIGUNG DES HUNGERSTREIKS Ersticken f\u00fcr einen Atemzug Freiheit. 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