{"id":1649,"date":"2014-11-04T01:28:11","date_gmt":"2014-11-04T00:28:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1649"},"modified":"2014-11-04T01:44:17","modified_gmt":"2014-11-04T00:44:17","slug":"antiknasttage-2014-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1649","title":{"rendered":"Antiknasttage 2014 &#8211; Wien"},"content":{"rendered":"<div id=\"node-126586\" class=\"node clear-block\">\n<div>\n<div class=\"teaserimage-body\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/antiknasttage2014.noblogs.org\/files\/2014\/09\/akt2014.jpg\" alt=\"\" width=\"476\" height=\"183\" \/><\/div>\n<div class=\"content\">\n<p>Vom 07. &#8211; 09.11.2014 werden in Wien die Antiknasttage stattfinden. Weitere Informationen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/antiknasttage2014.noblogs.org\" rel=\"nofollow\">antiknasttage2014.noblogs.org<\/a>.<\/p>\n<p><em><strong>PROGRAMM:<\/strong><\/em><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><em><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">FREITAG 07. 11.<\/span><br \/>\n<\/strong><\/em><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Alle Veranstaltungen finden in der Medienwerkstatt (2. Stock) statt.<\/em><\/p>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><em><strong>18:00 Uhr: ABC Wien zur Situation in den \u00f6sterreichischen Kn\u00e4sten<\/strong><\/em><\/div>\n<div>\n<p>In den \u00f6sterreichischen Gef\u00e4ngnissen mehren sich gewaltt\u00e4tige Vorf\u00e4lle wie \u00dcbergriffe oder Misshandlungen gegen Gefangene. Aber auch Berichte \u00fcber Widerstandsformen wie Sachbesch\u00e4digung, Ausbr\u00fcche und Angriffe auf das Bewachungspersonal finden sich regelm\u00e4\u00dfig in der Presse. In den letzten Jahren kam es zu diversen Umgestaltungen im \u00f6sterreichischen Strafvollzug, in der Form von Einf\u00fchrung neuer Repressionsmethoden (Fussfessel u.\u00e4.) oder der Verwirklichung von Bauprojekten neuer Kn\u00e4ste. Dies betraf den Strafvollzug auf selbe Art und Weise, wie die sogenannte Schubhaft und geht einher mit, beziehungsweise resultiert aus, der Forderung der Justiz nach neuen Einsperrungsm\u00f6glichkeiten. Aufgrund von \u00dcberbelegung oder dem Fehlen von speziellen Kn\u00e4sten (beispielsweise f\u00fcr den Jugendstrafvollzug oder den Ma\u00dfnahmenvollzug). Aktuell wird an der Reformierung des Jugendstrafvollzugs gearbeitet. In einem weiteren Teil der Veranstaltung wird es um die Repression und Taktiken der Polizei, gegen jedes noch so kleine Aufkeimen von Widerstand gegen\u00fcber der bestehenden Ordnung gehen. Zuletzt wollen wir noch \u00fcber einige Initiativen sprechen, die in den letzten Jahren bez\u00fcglich des Kampfes gegen das Gef\u00e4ngnis und die Repression unternommen wurden.<\/p>\n<hr \/>\n<div>\u00a0<em><strong>21:00 Uhr: Zur Situation der gefangenen AnarchistInnen Monica und Francisco in Spanien<\/strong><\/em><\/div>\n<p>Im November 2013 wurden zwei AnarchistInnen in Barcelona verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen einen Sprengk\u00f6rper platziert zu haben, der am 2. Oktober in der Bas\u00edlica del Pilar in Zaragoza explodierte. Unter dem Anti-Terror-Gesetz inhaftiert werden sie seitdem vom spanischen Staat gefangengehalten. Die Vortragenden werden \u00fcber die Geschehnisse und die aktuelle Situation von Monica Caballero und Francisco Solar informieren.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Ab 15:00 Uhr wird der Infoladen (\u2018Infomaden\u2019) im Erdgeschoss\/Portiersloge im EKH als Anlaufpunkt offen sein.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ab 20:00 Uhr wird die Bar im Erdgeschoss ge\u00f6ffnet sein. Dort wird es auch ab 20:00 Uhr warmes Essen geben.<\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<div><\/div>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><em>SAMSTAG 08.11.<\/em><\/strong><\/span><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Alle Veranstalungen finden in der Medienwerkstatt (2. Stock) statt.<\/em><\/p>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><em><strong>11:30 Uhr: Veranstaltung: Drinnen und Draussen. Oder Dazwischen.<\/strong><\/em><\/div>\n<p>Ein Teil der Realit\u00e4t eingeschlossen zu sein ist, dass der Kontakt zu<br \/>\njenen, die zumindestens nicht\u00a0 hinter materiellen\u00a0 Mauern isoliert sind, umso wichtiger wird.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten mit euch \u00fcber Wege diskutieren um Kommunikation aufzubauen, aber auch \u00fcber die verschiedenen Aspekte, warum der Kontakt zu Menschen, die von der \u201cGesellschaft\u201d als Kriminelle marginalisiert werden, von Bedeutung ist.<\/p>\n<p>Briefpapier, Stifte und Adressen werden nat\u00fcrlich auch vor Ort sein um gemeinsam Briefe zu schreiben!<\/p>\n<hr \/>\n<div><\/div>\n<div><em><strong>14:00 Uhr: Perspektiven einer Anti-Knast Arbeit im Knast \u2013 Diskussionsveranstaltung<\/strong><\/em><\/div>\n<div>\n<p>Es gibt unz\u00e4hlige kritische, theoretisch Auseinandersetzungen mit dem Thema Knast und dessen Abschaffung. An dieser Stelle soll ein anderer Ansatz diskutiert werden, die Innenperspektive als Mitarbeiterin in einem Gef\u00e4ngnis. Zum ersten als wissenschaftliche Mitarbeiterin im wissenschaftlichen Dienst im Gef\u00e4ngnis und als ehrenamtliche Mitarbeiterin in einem Bew\u00e4hrungshilfeverein. Es soll versucht werden, im Rahmen dieser Arbeit, neue Perspektiven einer Anti-Knast Arbeit herauszubilden. Auch ob praktische Anti-Knast Arbeit auch dar\u00fcber hinaus gehen kann, Gefangen Briefe zu schreiben oder sie zu besuchen. Dabei soll es nicht nur um politische Gefangenen gehen, das Gef\u00e4ngnissystem als ganzes soll ins Auge gefasst und aus einer Innenperspektive heraus analysiert werden.<\/p>\n<p>Fragen die sich dabei stellen:<br \/>\nIn wie weit ist eine solche Arbeit systemerhaltend, ist es m\u00f6glich hier klar abzugrenzen?<br \/>\nAn welche Informationen kann herangekommen werden und wozu k\u00f6nnen sie genutzt werden?<br \/>\nWie kann Gefangenen praktisch, aus dieser Roller heraus, geholfen werden?<br \/>\nKann so eine Arbeit auch im Hinblick auf Selbsterm\u00e4chtigung von<br \/>\nGefangenen hilfreich sein?<\/p>\n<hr \/>\n<\/div>\n<div>\u00a0<strong><em>17:00 Uhr: Veranstaltung zur Gefangenen-Gewerkschaft in der BRD<\/em><\/strong><\/div>\n<p>Mit der Gr\u00fcndung der Gefangenen-Gewerkschaft\/Bundesweite Organisation (GG\/BO) im Mai dieses Jahres haben sich Gefangene in der BRD eine autonome Form der Organisierung hinter Gittern geschaffen. Die anf\u00e4nglichen Angriffe seitens der Anstaltsleitung in der JVA Tegel-Berlin (u.a. Zellenrazzien) liefen formaljuristisch nicht nur ins Leere, sondern l\u00f6sten innerhalb und au\u00dferhalb der Knastanlagen einen Solidarisierungseffekt aus. Ein Ergebnis war u.a., dass seitdem in einem halben Dutzend Kn\u00e4sten Sektionen der GG\/BO aufgemacht werden konnten und derweil etwa 250 Gefangene der GG\/BO beigetreten sind.<\/p>\n<p>Der auf der Veranstaltung anwesende Sprecher der GG\/BO, Oliver Rast, wird zum einen \u00fcber die Entstehungshintergr\u00fcnde der GG\/BO berichten, und zum anderen \u00fcber die (konkreten) Aussichten, die volle Gewerkschaftsfreiheit in der Unfreiheit durchzusetzen.<\/p>\n<p>Mit den zentralen Forderungen der GG\/BO nach einem Mindestlohn f\u00fcr Gefangenenarbeit und Rentenanspr\u00fcche f\u00fcr Inhaftierte klinken sich die gefangenen Basis-Gewerkschafter_innen bewusst in aktuelle \u00f6ffentliche Debatten ein, um ein nicht mehr wegzudenkender Teil derselben zu werden. Das Vortragen und Einbringen von Gefangenen-Forderungen ist, auch wenn sie zun\u00e4chst einen sozialreformerischen Touch tragen, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Infragestellung von Zwangsanstalten insgesamt \u2013 denn: ein eigenst\u00e4ndiges und selbstbestimmtes Agieren von und unter Gefangenen ist das Letzte, was JVA-Leitungen und Justizministerien sehen wollen\u2026<\/p>\n<p>Weitere Infos unter: <a href=\"http:\/\/www.gefangenengewerkschaft.de\/\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.gefangenengewerkschaft.de\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p><strong><em>20:00 Uhr: Veranstaltung zu Haftbedingungen und -versch\u00e4rfungen in Griechenland<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dass die Zust\u00e4nde in griechischen Gef\u00e4ngnissen sehr schlecht sind, ist selbst der Europ\u00e4ischen Union bekannt. So wurde der griechische Staat in den vergangenen Jahren mehrfach aufgefordert, die Bedingungen in den Haftanstalten zu verbessern. Hungerstreiks und Klagen von Einzelpersonen vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR)[1] h\u00e4ufen sich und gro\u00dfe Gef\u00e4ngnisrevolten sind seit den 1980er Jahren keine Seltenheit. Ungeachtet dessen geschah bislang kaum etwas. Auch der Einsatz der Untersuchungshaft als Pr\u00e4ventivstrafe durch die griechische Justiz, ist sp\u00e4testens seit dem Fall von Kostas Sakkas [2] auch der \u00d6ffentlichkeit bekannt geworden. Im Schatten der Europa-Wahl im Mai soll nun \u00fcber die geplanten Haftversch\u00e4rfungen, u.a. die Einf\u00fchrung der Isolationshaft und die Errichtung sogenannter Hochsicherheitsgef\u00e4ngnisse, entschieden werden. Eine ohnehin sehr kritische Entwicklung die angesichts anhaltender und rigider K\u00fcrzungsma\u00dfnahmen noch unverst\u00e4ndlicher erscheint.<\/p>\n<p>Der Vortragende Sven Wegner sprach Ende April mit mehreren Anw\u00e4lt*innen in Griechenland [3] \u00fcber die geplanten Versch\u00e4rfungen im Haftrecht, die generellen Zust\u00e4nde in Griechenlands Gef\u00e4ngnissen und \u00fcber die Verh\u00e4ngung der Untersuchungshaft als Pr\u00e4ventivstrafe.\u00a0 In seinem Vortrag wird er \u00fcber die Gespr\u00e4che und den Widerstand gegen die Vorhaben der Regierung Samaras berichten. Spenden sind gern gesehen und werden an die Gruppe Ausser Kontrolle [4] weitergeleitet, um weitere Projekte und Vortr\u00e4ge [5] zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>[1]<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/europa\/Gefaehrliche-Zustaende-in-griechischen-Gefaengnissen\/story\/11820315%20\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/europa\/Gefaehrliche-Zustaende-in-griechischen-Gefaengnissen\/story\/11820315 <\/a><br \/>\n[2]<a href=\"http:\/\/www.18maerz.de\/web\/images\/neu1\/beilage18maerz2014.pdf%20\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.18maerz.de\/web\/images\/neu1\/beilage18maerz2014.pdf <\/a><br \/>\n[3]<a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2014\/18\/49795.html%20\" rel=\"nofollow\">http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2014\/18\/49795.html <\/a><br \/>\n[4]<a href=\"http:\/\/ausserkontrolle.blogsport.de\/\" rel=\"nofollow\">http:\/\/ausserkontrolle.blogsport.de\/<\/a><br \/>\n[5]<a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/97537\">https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/97537<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Am Samstag gibt es ab 10:00 Uhr ein Fr\u00fchst\u00fccksbuffet in der Medienwerkstatt. <\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ab 15:00 Uhr wird der Infoladen (\u2018Infomaden\u2019) im Erdgeschoss\/Portiersloge als Anlaufpunkt offen sein. Es wird dort Kaffee und Kuchen geben.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ab 20:00 Uhr wird die Bar im Erdgeschoss ge\u00f6ffnet sein. Dort gibt es auch ab 20:00 Uhr warmes Essen. Au\u00dferdem wird danach noch ein Konzert stattfinden.<\/strong><\/em><\/p>\n<div>\n<hr \/>\n<div><\/div>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><em><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">SONNTAG 09. 11.<\/span><br \/>\n<\/strong><\/em> <em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/h2>\n<div><em><strong>12:00 Uhr: Abschlussdiskussion<\/strong><\/em><\/div>\n<div>Abschlie\u00dfende Reflexion zu den Diskussionen des Wochenendes\u2026<\/div>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Am Sonntag gibt es ab 11 Uhr Fr\u00fchst\u00fcck in der Medienwerkstatt (2. Stock).<\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><em><strong>Aufruf<\/strong> <\/em><\/span><\/h2>\n<h3><\/h3>\n<h3><em><strong>Kein H\u00e4fn f\u00fcr niemand!<\/strong><\/em><\/h3>\n<p><em><strong>Aufruf zu den Anti-Knast-Tagen in Wien von 7. \u2013 9. 11. 2014<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Knast hei\u00dft in \u00d6sterreich H\u00e4fn, gemeint ist jedoch immer das eine: Gef\u00e4ngnis, Gitter, hohe Mauern, Stacheldraht, dahinter Menschen, die weggesperrt werden. Zum Schutz der Gesellschaft, als Strafe, zur Abschreckung, aus Rache, weil sie keinen Aufenthaltsstatus innerhalb der Festung Europa haben usw. \u2013 Gr\u00fcnde f\u00fcrs Gef\u00e4ngnis kennt der Rechtsstaat viele. In demokratischen Zeiten sind diese Gr\u00fcnde \u201ehuman\u201c, soll doch der Strafvollzug \u201emenschlich\u201c sein, das geringere \u00dcbel in Zeiten der gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Freiheit im Kapitalismus, dem angeblich besten, weil nicht totzukriegenden System.<\/p>\n<p>An den Kn\u00e4sten dieser Welt manifestiert sich der Glaube an eine Freiheit, die angeblich diejenigen haben, die drau\u00dfen sind \u2013 jenseits der Mauern und Gitter. Dieser Glaube ist tr\u00fcgerisch, denn wir glauben nicht an (die) Freiheit in der kapitalistischen Verwertungsgesellschaft, an die Reformierung der Warenlogik und der Gesellschaft des Spektakels und wir haben keine Hoffnung, innerhalb dieses Systems zu einer besseren, zu einer anderen Welt zu finden. Freir\u00e4ume, Kuschelecken, Nischen, in denen wir uns un\u00fcberwacht, fern von der Kontrolle und Macht der Herrschenden bewegen k\u00f6nnen, existieren \u2013 wenn dann \u2013 nur in unseren K\u00f6pfen und da auch nur gerne zum Zweck des Selbstbetrugs, um es irgendwie in diesem System aushalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir sparen uns an dieser Stelle mannigfaltige Argumente gegen den Knast \u2013 die meisten sind ohnehin bekannt oder nachzulesen (z.B. <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/stein-fuer-stein-kaempfen-gegen-das-gefaengnis-und-seine-welt\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.abc-berlin.net\/stein-fuer-stein-kaempfen-gegen-das-gefaengnis-und-seine-welt<\/a>). Vielmehr wollen wir unsere eigenen Beweggr\u00fcnde darlegen, warum f\u00fcr uns der Kampf gegen die Kn\u00e4ste nicht zu denken ist ohne einen Kampf gegen das staatliche Konstrukt, in dem wir gezwungen sind zu leben.<\/p>\n<p>Vielleicht ist ein Gef\u00e4ngnis die totalit\u00e4rste Institution der demokratischen Gesellschaft, der Diktatur der wenigen Parlamentarier_innen \u00fcber alle anderen Menschen, denen in heuchlerischer Weise gew\u00e4hrt wird gelegentlich zwischen Pest und Cholera zu w\u00e4hlen. Im Gef\u00e4ngnis bekommt der Mensch das Ausgegrenzt sein, das Nicht-Dazu-Geh\u00f6ren-D\u00fcrfen durch die physische Pr\u00e4senz der permanenten \u00dcberwachung wortw\u00f6rtlich am eigenen Leib zu sp\u00fcren. S\u00e4mtliche Kontakte zur Au\u00dfenwelt werden reguliert \u2013 das Gef\u00e4ngnis bestimmt, wann, wie, was gegessen, geschlafen, gearbeitet, geduscht oder Sport betrieben werden darf. Dinge, die die meisten von uns au\u00dferhalb von Gef\u00e4ngnismauern zumindest teilweise selbstbestimmt entscheiden k\u00f6nnen. Doch auch andere Institutionen wie Kasernen, Krankenh\u00e4user, Psychiatrien oder Schulen f\u00fchren uns vor Augen, dass wir uns nicht selbst geh\u00f6ren und sowohl unsere K\u00f6rper als auch unsere Gedanken \u00fcberwacht, normiert und im Geiste der Staatsmacht erzogen werden m\u00fcssen. Von der Wiege bis zur Bahre werden wir von der stumpfsinnigen B\u00fcrokratie verwaltet, eingeordnet, zu braven B\u00fcrger_innen des Systems gemacht \u2013 aufbegehren und die eigene Meinung sagen inklusive. Selbst wenn in Schulen engagierte Lehrer_innen Kindern Mut machen, das System in Frage zu stellen oder nette Sozialarbeiter_innen Jugendliche R\u00e4ume bieten, in denen sie nichts leisten m\u00fcssen und einfach nur sein d\u00fcrfen, so sind es auch genau diese Rollen, die das System st\u00fctzen und stabilisieren. Ebenso wie Parteien, Religionen, die heilige Kuh Arbeit oder andere Zw\u00e4nge und Normvorstellungen.<\/p>\n<p>Die Schere im Kopf wirkt so oder so: Wir wachsen auf mit dem Wissen, was erlaubt und was verboten ist. Wo wir anecken k\u00f6nnen\/d\u00fcrfen und wann wir besser unseren Mund halten. Die Foucaultsche Disziplinargesellschaft* hat gewonnen, wenn die Herrschenden \u00fcber uns nicht mehr (so stark) ben\u00f6tigt werden, um uns einzuschr\u00e4nken, weil wir es bereits selber tun \u2013 in unseren Tr\u00e4umen, Aktionen und in unseren t\u00e4glichen Handlungen. Wir passen unser Leben an das Zeitalter der \u00dcberwachung und Kontrolle an, stellen Routine und Alltag gar nicht mehr in Frage, empfinden Kameras an allen Orten der \u00d6ffentlichkeit weder als St\u00f6rung noch als Ansto\u00df, zu sehr haben wir uns an deren Anblick gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Wir sind nicht frei. Weder drinnen im Knast, noch drau\u00dfen au\u00dferhalb der Mauern. Die Gitterst\u00e4be sind vielleicht in der Zelle gegenw\u00e4rtiger als auf der Stra\u00dfe, im Park oder im Supermarkt \u2013 zu st\u00f6ren scheinen sie zumindest \u201edrau\u00dfen\u201c nur wenige, ja, viele sehen sie nicht einmal. Wenn zum Beispiel zum hundertsten Mal der Begriff der \u201epolitischen Gefangenen\u201c zelebriert wird, um alle anderen davon auszuschlie\u00dfen, die aus Gr\u00fcnden wie Hunger, Armut, Krankheit oder schlichtweg Verzweiflung hinter Gitter sitzen, dann scheint es, als ob hier willk\u00fcrlich Grenzen gezogen werden zwischen dem Elend der einen und dem der anderen. Wir lehnen den Begriff der \u201epolitischen Gefangenen\u201c ab, weil wir Kn\u00e4ste \u2013 neben der Polizei, Gesetzen, Zucht und Ordnung \u2013 als ein Unterdr\u00fcckungswerkzeug von vielen sehen, das wir aktiv bek\u00e4mpfen wollen. Wer warum im Knast sitzt, interessiert uns wenig bei dem Wunsch nach der Abschaffung der Institution Gef\u00e4ngnis und der Gesellschaft, die es ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die diesj\u00e4hrigen Antiknasttage finden in Wien statt, einer Stadt, die aktuell vier (gro\u00dfe) H\u00e4fn mitten in der Stadt bzw. an deren R\u00e4ndern vorzuweisen hat. Der Kampf gegen die Kn\u00e4ste ist hier ein kleiner, wenn auch stetiger. Nicht viele haben Interesse daran und nicht viele scheint das Leben im Kapitalismus sonderlich zu st\u00f6ren \u2013 kein Wunder, zum Fressen haben alle (noch) genug und im postfaschistischen \u00d6sterreich steht das antifaschistische Engagement nach wie vor ganz oben auf der Liste der linksradikalen Politiken. Da wird gern Knast f\u00fcr Nazis, h\u00e4rtere Strafen und ein pr\u00e4ziseres Durchgreifen der Polizei gegen die politischen Feind_innen gefordert und im n\u00e4chsten Atemzug gegen Repression gewettert. Ein Gedankengang, der verst\u00e4ndlich ist, wenn man sich wohl oder \u00fcbel zur demokratischen Gesellschaftsordnung mit ihren Werten bekennt oder die Logik der Staatsmacht nur zum Teil in Frage stellt. Themen wie die geplante Reformierung des Jugendstrafvollzugs, Knast-Neubauprojekte, die Einf\u00fchrung \u201emoderner\u201c Bestrafungssysteme wie die Fussfessel oder permanete Berichte \u00fcber Selbstmord, Misshandlungen, \u00dcbergriffe oder Verwahrlosungen innerhalb von (\u00f6sterreichischen) Gef\u00e4ngnismauern werden nur von wenigen aufgegriffen oder thematisiert.<\/p>\n<p>Wir laden nach Wien ein, um gemeinsam \u00fcber eine Welt ohne Mauern, Gittern und Grenzen nachzudenken, zu diskutieren und Wege zu finden, wie diese Welt, die wir so sehr ablehnen, zu bek\u00e4mpfen ist. Wir wollen uns zwei Tage lang \u00fcber diverse Projekte, aktuelle Gefangene, Repression, Knastk\u00e4mpfe und unterschiedliche Anti-Knast-Zug\u00e4nge austauschen, vernetzen und informieren. Wir m\u00f6chten alle ermutigen, sich auf die ein oder andere Art zu beteiligen \u2013 auch wenn inhaltlich unterschiedliche Positionen zum Kampf gegen das Gef\u00e4ngnis vorhanden sind. Sind es doch vielleicht gerad die kontroversiellen Diskussionen, die unsere (selbstreflexive) Kritik anregen und dazu f\u00fchren unsere Analysen und Schlu\u00dffolgerungen zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen und freuen uns daher \u00fcber eine aktive und rege Beteiligung von interessierten Menschen \u2013 egal ob innerhalb oder au\u00dferhalb von Kn\u00e4sten.<\/p>\n<p><strong><em>Gegen alle Formen der Kontrolle, der Einsperrung und der Autorit\u00e4t!<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Wien, September 2014<\/em><\/p>\n<p>Infos, Programm, M\u00f6glichkeiten zur Beteiligung, Ideen f\u00fcr Workshops oder Pennpl\u00e4tze \u2013 get in contact with us: <a href=\"http:\/\/antiknasttage2014.noblogs.org\/\" rel=\"nofollow\">http:\/\/antiknasttage2014.noblogs.org<\/a><\/p>\n<p>* Viele B\u00fccher wurden \u00fcber Kn\u00e4ste verfasst, Michel Foucault schrieb eines davon. In \u201e\u00dcberwachen und Strafen: Die Geburt des Gef\u00e4ngnisses\u201c analysiert er die Entwicklung der Bestrafungsstrukturen bis hin zum modernen Staat, in der Macht sich bis in die kleinsten Bereiche fortsetzt und diese durchdringt. Die Disziplnierung des Individuums geht demnach nicht mehr nur von einer repressiven, \u00fcbergeordneten Instanz aus sondern von allen Teilnehmer_innen der Gesellschaft.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><em><strong>Statements zu den Antiknasttagen:<\/strong><\/em><\/span><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>S<em><strong>tatement zu den Antiknasttagen \u2013 von Manfred \u2018Iceman\u2019 Peter<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Man kann dem politischen Mainstream in Europa nicht viel entgegen setzen, jedoch d\u00fcrfen wir Antiknast- und Psychiatrie Aktivisten nicht aufgeben, unsere Arbeit konstruktiv, produktiv und m\u00f6glichst effizient in die K\u00f6pfe des Otto-Normal-B\u00fcrgers zu pflanzen. Das hei\u00dft f\u00fcr uns ohne Unterlass weiter zu machen und der europ\u00e4ischen \u2018Demokratur\u2019 und anderswo ein Schnippchen zu schlagen.<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlte Vollstrecker, Polizei, \u00dcberwachung, Psychiatrien und Kn\u00e4ste sind einige der Werkzeuge die dazu dienen, uns unter Kontrolle und gef\u00fcgig zu halten. Ihr alle da drau\u00dfen seit gemeint: Wehrt Euch \u2013 beugt Euch nicht \u2013 arbeitet f\u00fcr mehr Freir\u00e4ume f\u00fcr alle; Resignation und Ohnmacht w\u00e4ren keine guten Berater. Nehmt mutig den Kampf gegen repressive, ausbeutende und unterdr\u00fcckende Strukturen auf und fordert weiterhin eure Rechte und die Rechte der Schw\u00e4chsten innerhalb der Gesellschaft in Europa.<\/p>\n<p>Ich sitze nun seit 23 Jahren im Vollzug, das ist die H\u00e4lfte meiner Lebenszeit \u2013 aber brechen konnten \u2018die\u2019 mich niemals. Sie hatten sogar versucht mich zu t\u00f6ten. Fakt ist, es ist den Schergen nicht gelungen! Solange ich lebe, werde ich mich gegen das System wenden und biete die Stirn!<\/p>\n<p><em><strong>Revolution\u00e4re Gr\u00fc\u00dfe nach Wien<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>an alle schwarzen W\u00f6lfe<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>-Iceman-<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Manfred Peter<\/strong> <\/em><\/p>\n<hr \/>\n<div>\u00a0<em><strong>Thomas Meyer-Falk \u2013 \u2018Kn\u00e4ste sind nekrophile Orte\u2019 (Beitrag zu den Antiknasttagen)<\/strong><\/em><\/div>\n<p>Vielen von uns ist das ganz spontan und l\u00e4ngst bewusst: Gef\u00e4ngnisse sind Orte das Verfalls. Ethisch, menschlich, moralisch und kulturell. Dort wird keine Lust auf Leben, Freiheit, Menschlichkeit vermittelt, sondern die W\u00e4rter*innen und sonstigen Besch\u00e4ftigten, behandeln die Inhaftierten wie tote Gegenst\u00e4nde, sie verwalten Menschen wie St\u00fcckgut in einem Lagerhaus.<br \/>\nKn\u00e4ste also sind nekrophile Orte.<\/p>\n<p>Erst vor wenigen Wochen verhungerte in Deutschland ein Insasse, der seit mehreren Jahren in Isolationshaft gehalten wurde, nachdem er 2012 einem W\u00e4rter mit einem Kopfsto\u00df das Nasenbein brach.<\/p>\n<p>Koala Rosmane wurde nur 33 Jahre, er stammte aus Burkina Faso, wo er als Kindersoldat zwangsrekrutiert wurde.<\/p>\n<p>Nach seinem Tod erhob ein Rechtsanwalt Anschuldigungen gegen die zust\u00e4ndige Leitung der Haftanstalt, da es dort ein rechtsextremistisches Netzwerk gebe. \u00dcberraschenderweise wurde der Gef\u00e4ngnisdirektor, Thomas M\u00fcller nach dem Tod von Koala Rosmane suspendiert.<\/p>\n<p>Sehenden Auges hatte man ihn sterben lassen.<\/p>\n<p>Dies mag illustrieren was wir uns unter einem nekrophilen Ort vorzustellen haben.<\/p>\n<p>Wir setzen dem unsere Liebe zur Freiheit entgegen, zum Leben, zur Vielfalt und Buntheit. Der Kampf f\u00fcr Freiheit bedeutet sicher auch, Opfer zu bringen, denn die Staatsmacht tut alles, um weiterhin die Kontrolle zu behalten.<\/p>\n<p>Freiheit wird einem nicht gegeben, wir m\u00fcssen sie uns nehmen, sie erk\u00e4mpfen und verteidigen.<\/p>\n<p>Wenn sie uns dann in ihren Kn\u00e4sten einsperren, versuchen mundtot zu machen, und das mit allen Mitteln, ist eine solidarische Bewegung vor den Knastmauern \u00fcberlebenswichtig.<\/p>\n<p><em><strong>F\u00fcr das Leben und die Freiheit!<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Thomas Meyer-Falk<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>zur Zeit: JVA Freiburg<\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><em>Worte zu den Anti-Knast-Tagen in Wien<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die diesj\u00e4hrigen Anti-Knast-Tage finden Anfang November in Wien statt. Der Aufruf macht klar, dass Anti-Knast-K\u00e4mpfe gesamtgesellschaftlicher Natur bed\u00fcrfen; und dass es neben den sichtbaren offensichtlichen Gitterst\u00e4ben und Mauern auch eine Vielzahl an unsichtbaren oder verdr\u00e4ngten Ketten gibt, die es zu sprengen gilt. Folgerichtig gibt es eine Vielzahl an Personen, die sich an der Manifestierung von Machtstrukturen beteiligen: Vom Bullen bis zum linken Sozialarbeiter, vom Richter bis zum \u201caufmerksamen\u201d B\u00fcrger von Nebenan, vom Politiker bis zum (z.B. Antifa-)Kampagnensprecher. Sie alle reden mit autorit\u00e4ren Zungen. Sie alle stinken nach Feigheit, Habgier und dem Wunsch nach Ruhm. Sie alle haben eine Ladung Spucke, F\u00e4uste, Steine und ??? verdient!<\/p>\n<p>Ob das Programm und die Diskusionen dem Aufruf gerecht werden? H\u00e4ngt nat\u00fcrlich von (uns) allen ab!<\/p>\n<p>Ob auch au\u00dferhalb von Anti-Knast-Tagen der \u201cWunsch nach der Abschaffung der Institution Gef\u00e4ngnis und der Gesellschaft, die es ben\u00f6tigt\u201d praktisch wird? H\u00e4ngt nat\u00fcrlich von dir und dir und dir und dir \u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.ab!<\/p>\n<p><em><strong>F\u00fcr die Zerst\u00f6rung aller Gef\u00e4ngnisse, auch in deinem Kopf!<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 07. &#8211; 09.11.2014 werden in Wien die Antiknasttage stattfinden. Weitere Informationen findet ihr unter antiknasttage2014.noblogs.org. PROGRAMM: FREITAG 07. 11. &nbsp; Alle Veranstaltungen finden in der Medienwerkstatt (2. Stock) statt. 18:00 Uhr: ABC Wien zur Situation in den \u00f6sterreichischen Kn\u00e4sten In den \u00f6sterreichischen Gef\u00e4ngnissen mehren sich gewaltt\u00e4tige Vorf\u00e4lle wie \u00dcbergriffe oder Misshandlungen gegen Gefangene. 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