{"id":1448,"date":"2014-08-19T23:28:27","date_gmt":"2014-08-19T21:28:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1448"},"modified":"2014-08-19T23:49:41","modified_gmt":"2014-08-19T21:49:41","slug":"interview-mit-nikos-maziotis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=1448","title":{"rendered":"Interview mit Nikos Maziotis"},"content":{"rendered":"<h3>\n\t<em><strong>Erstes Interview mit Nikos Maziotis nach seiner Festnahme,<br \/>\n\tver&ouml;ffentlicht in der griechischen Zeitung &quot;Efimerida Tonne Sintaktion&quot;<\/strong><\/em><br \/>\n<\/h3>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p>\n\t<em><strong>Du bist Mitglied des revolution&auml;ren Kampfes, eine bewaffnete anarchistische Organisation. Warum hast du den bewaffneten Kampf als Aktions-Methode gew&auml;hlt?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tDer bewaffnete Kampf ist ein integraler Teil des Kampfes f&uuml;r die soziale Revolution. Er ist ein integraler Bestandteil einer revolution&auml;ren Bewegung, die den Sturz des Kapitals und des Staates sucht. Da ist ein untrennbarer Zusammenhang zwischen der Bewegung und dem bewaffneten Kampf in einem&nbsp; Ausmass, dass eine Bewegung, um wirklich revolution&auml;r zu sein, den bewaffneten Kampf zu ihren Zielen hinzuf&uuml;gen muss. Im Laufe der Geschichte gab es noch nie eine siegreiche Revolution, die nicht bewaffnet war. Bewaffneter Kampf oder in anderen Worten, bewaffnete Propaganda, ist ein sehr m&auml;chtiges Werkzeug f&uuml;r den Kampf, und seine politischen Botschaften k&ouml;nnen sehr stark sein, solange es ein umfassendes politisches Konzept und eine Analyse dar&uuml;ber gibt, wo wir handeln, was wir wollen und was wir anstreben. In Revolution&auml;rer Kampf glauben wir, dass bewaffnete Aktionen bewirken, dass sich soziale- und Volks-Klassen aufl&ouml;sen, die Notwendigkeit der sozialen Revolution klar wird und zum Sturz des Kapitals und des Staates f&uuml;hrt. Heute, vor allem in Griechenland, aber nicht nur, w&auml;hrend der heftigsten Angriffe des imperialistischen Kapitals, w&auml;hrend dem die Troika und der griechische Staat eine Politik des sozialen V&ouml;lkermordes durchf&uuml;hren, ist der bewaffnete Kampf so notwendig und zeitgem&auml;ss wie eh und je. Im Jahr 2009, zu Beginn der Krise, die damals immer noch die Merkmale einer Krise des Finanzsystems hatte, bevor sie zu einer Schuldenkrise wurde, waren wir der Ansicht, dass eine grosse Chance f&uuml;r eine revolution&auml;re &Auml;ra in Griechenland angebrochen sei, weil in den Augen der Mehrheit die Folge der Krise das Ende des neoliberalen Konsens und die Delegitimierung des wirtschaftlichen und politischen Systems war. Unter diesen Umst&auml;nden kann gezielte bewaffnete Aktion gegen das Regime zu einer Vervielf&auml;ltigung der Probleme f&uuml;hren f&uuml;r ein System mit grossen Abh&auml;ngigkeiten in allen Bereichen und Aktivit&auml;ten und kann ein Risiko f&uuml;r eine Ausbreitung der Destabilisierung sein. Da die wirtschaftliche und politische Globalisierung deutlich fortgeschritten ist, und mit ihr die Abh&auml;ngigkeiten zugenommen haben, hat sich unsere Sicht, dass der bewaffnete Kampf jetzt mehr denn je nicht nur politisch notwendig und machbar ist, sondern auch entscheidend f&uuml;r die Sichtbarmachung der systemischen Probleme und Konflikte ist, die das System wirksam untergraben werden, bis zu seinem endg&uuml;ltigen Fall. Aber dies erfordert eine revolution&auml;re Bewegung, die zu den Waffen greift.\n<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\n\t<em><strong>Als du im Jahr 2010 festgenommen wurdest, &uuml;bernahmst du politische Verantwortung f&uuml;r die Teilnahme im Revolution&auml;rer Kampf. Was bedeutet politische Verantwortung?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tAls K&auml;mpfer und als Mitglied einer bewaffneten Gruppe tat ich, was ich als selbstverst&auml;ndlich sehe. Ich verteidigte die Organisation, der ich angeh&ouml;re, ich verteidigte die Angriffe durch die Organisation, ich verteidigte Lambros Foundas, ein Mitglied der Organisation, der in einem bewaffneten Konflikt mit der Polizei get&ouml;tet wurde, w&auml;hrend er einen Schlag auf das Regime am vorbereiten war, um die griechische Regierung, den Internationalen W&auml;hrungsfonds, die Europ&auml;ische Kommission und die Europ&auml;ische Zentralbank an der Inbesitznahme des Landes zu hindern und um die aktuelle Junta von Kapital und Staat, den neuen Totalitarismus, den die supranationalen wirtschaftlichen und politischen Eliten&nbsp; auf dem gesamten Planeten einf&uuml;hren wollen wof&uuml;r sie die Weltwirtschaftskrise nutzen, zu hindern.\n<\/p>\n<p>\n\tDiese Haltung, die wir angenommen hatten, war f&uuml;r uns eine Frage der Integrit&auml;t. Wir haben nicht versucht uns selbst zu retten. Politische Verantwortung zu &uuml;bernehmen war f&uuml;r uns, die wir beschlossen hatten dies zu tun, eine kollektive und keine individuelle Entscheidung, deshalb gelang es uns nach unserer Festnahme, unser Kollektiv intakt zu halten, die inhaftierten Mitglieder des Revolution&auml;ren Kampfes schlugen zur&uuml;ck und wir sprachen weiter &uuml;ber die Notwendigkeit des modernen proletarischen Gegenangriffes und der sozialen Revolution und mischten uns mit unseren Kommentaren in die grossen Streiks und Proteste der Bev&ouml;lkerung gegen das Memorandum 2010-2011 ein. W&auml;hrend des Prozesses hatten wir die gleiche Haltung. Jede andere Haltung, als die, die politische Verantwortung zu &uuml;bernehmen, w&auml;re ein Verrat unserer Prinzipien und unserer Ideale gewesen und respektlos gegen&uuml;ber den Toten, wie Lambros Foundas.\n<\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\t<em><strong>Wie antwortest du denjenigen, die behaupten, dass bewaffnete Aktionen Repression bewirken? Zum Beispiel, nachdem Christodoulos Xiros aus dem Gef&auml;ngnis geflohen ist, hat die Regierung&nbsp; das Gesetz f&uuml;r Typ-C-Gef&auml;ngnisse, f&uuml;r die Mitglieder der bewaffneten revolution&auml;ren Organisationen gemacht.<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tEs ist dumm zu glauben, dass der Kampf f&uuml;r die Freiheit ohne eine Antwort des Staates bleibt und keine schwerwiegenden Folgen haben wird. Der Kampf hat als Kompass die soziale Revolution und dem Sturz des Kapitals und des Staates, und es ist offensichtlich, dass er nicht durch das Strafgesetzbuch und die Gesetze des Feindes geregelt ist und wird deshalb zwangsl&auml;ufig illegale Aktionsformen, wie den bewaffneten Kampf, jenseits gesetzlicher Aktionen benutzen. Im Kampf f&uuml;r Freiheit und Revolution, Klasse und sozialen Krieg, gibt es Blutvergiessen, wird es Tote geben, werden wir in Gef&auml;ngnisse gesperrt, wird es spezielle Anti-Terror-Gesetze und spezielle Gef&auml;ngnisse f&uuml;r Mitglieder der bewaffneten Organisationen geben. Christos Kassimis, Christos Tsoutsouvis, Christopher Marino, Lambros Fountas haben f&uuml;r den Umsturz und die Revolution mit der Waffe in der Hand gek&auml;mpft und daf&uuml;r mit ihrem Leben bezahlt, so wie in anderen historischen Epochen, die Guerilla von ELAS und der Demokratischen Armee in Griechenland und die Mitglieder der bewaffneten Organisationen in Europa und Lateinamerika, wie die Tupamaros, die Roten Brigaden, die Mitglieder der RAF, die Mitglieder der Action Directe oder Mitglieder der bewaffneten Organisationen in der T&uuml;rkei. Der Preis, den sie zahlten, war Tod bei bewaffneten Zwischenf&auml;llen, Tod bei Hungerstreiks im Gef&auml;ngnis und Jahre des Eingesperrtseins. Als Mitglied des Revolution&auml;rer Kampf hatte ich immer im Kopf, dass der Preis f&uuml;r meine Entscheidungen entweder eine lange, schwere Haftstrafe im Gef&auml;ngnis sein wird, die ich bereits erhalten habe, oder der Tod in einem Kampf mit den Hunden des Staates. Ich h&auml;tte bei Monastiraki get&ouml;tet werden k&ouml;nnen. Ich wusste, dass das passieren k&ouml;nnte. Die Kosten und Konsequenzen des Kampfes f&uuml;r den Sturz und die Revolution bedeuten nicht, dass wir aufgeben sollten. Die einzige verlorene Sache ist die f&uuml;r die nie gek&auml;mpft wurde. Es ist jedoch zu beachten, dass der Preis einer solchen Option eine zweite Seite hat: Zum Beispiel, hat der Feind einen hohen Preis bezahlt, da viele Polizisten von bewaffneten Rebellengruppen get&ouml;tet wurden und f&uuml;r ihre Wahl, die Hunde der Bosse zu sein, bezahlt haben. Das gleiche gilt f&uuml;r Politiker, Richter und Gesch&auml;ftsleute. Damit argumentierte ich beim Prozess und damit rechtfertigte ich den Angriff des Revolution&auml;rer Kampf mit Kalaschnikows gegen die drei Polizisten in Eksarhia im Januar 2009, der als Vergeltung f&uuml;r den Mord an Alexandros Grigoropoulos durchgef&uuml;hrt wurde, und zu der schweren Verletzung von Adamantios Mantzounis f&uuml;hrte. Mantzounis bezahlte den Preis daf&uuml;r Polizist zu sein und war seitdem nicht mehr bei der Polizei. Darum, im Gegensatz zu den Behauptungen, dass bewaffnete Aktionen die Unterdr&uuml;ckung versch&auml;rfen, antworte ich, dass die Angriffe von bewaffneten Rebellengruppen gegen die Kr&auml;fte der Repression als Abschreckung f&uuml;r Polizeigewalt wirken. Im Gegenteil, das Fehlen von bewaffneten Aktionen und damit das Fehlen der Androhung von Vergeltungsmassnahmen, f&uuml;hrt zu mehr repressiven Massnahmen. Wer glaubt, dass er ein K&auml;mpfer oder ein Anarchist ist und glaubt, dass er innerhalb der Grenzen der Legalit&auml;t handeln muss, sollte am besten einer legalen parlamentarischen Partei beitreten und sich dem System anschliessen und soll aufh&ouml;ren vorzugeben, ein militanter oder revolution&auml;rer Anarchist zu sein. Beim Kampf den Staat zu provozieren ist normal. Man sollte sich mehr Sorgen dar&uuml;ber machen nicht zu reagieren denn es zeigt, dass wir nicht auf dem richtigen Weg sind, wenn der Feind uns als ungef&auml;hrlich einsch&auml;tzt.\n<\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\t<em><strong>Im Jahr 2012, w&auml;hrend ihr, du und Paula Roupa, noch f&uuml;r den Revolution&auml;rer Kampf vor Gericht wart, habt ihr eure Kaution verletzt und entschieden in den Untergrund zu gehen. Warum habt ihr euch daf&uuml;r entschieden?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tIm den Untergrund zu gehen war etwas, das wir seit unserer Freilassung beschlossen hatten, aufgrund der Zeit von 18 Monaten, ohne abschliessende Verurteilung. Wir wussten, dass wir zu 25 Jahren Haft verurteilt werden, und wir waren nicht bereit, dies passiv zu akzeptieren. Zu der Zeit als wir uns entschieden in den Untergrund zu gehen, war die Phase vorbei, in der die Anklage Zeugen im Zusammenhang mit der Funktion der Organisation vernahm. W&auml;hrend dieser Zeit haben wir monatelang daf&uuml;r gek&auml;mpft die Aktionen der Organisation zu verteidigen, eine nach der anderen, wir blieben, um unseren Prozess zu einem Forum f&uuml;r die Verteidigung des revolution&auml;ren Kampfes, der bewaffneten Aktion und der sozialen Revolution zu machen. Wir waren nicht damit zufrieden, am Ende der Verhandlung politisch Stellung zu nehmen, in der Phase, wo die Verteidigung des Angeklagten eine Aussage in der Form einer &quot;Entschuldigung&quot; macht, also nahmen wir von Anfang an eine politische Haltung zu allen unseren Handlungen ein. Wir sind aus offensichtlichen Gr&uuml;nden in den Untergrund gegangen: Um frei zu sein, den bewaffneten Kampf fortzusetzen, um weiterhin f&uuml;r die Notwendigkeit der sozialen Revolution zu k&auml;mpfen, die Notwendigkeit des bewaffneten Proletariats und um einen Gegenangriff gegen das Regime der Memoranden zu f&uuml;hren, gegen die Troika, den IWF, die Europ&auml;ische Kommission und die Europ&auml;ische Zentralbank, gegen die heftigsten Angriffe des imperialistischen Kapitals. Wir beschlossen in den Untergrund zu gehen, um den Kampf f&uuml;r den Sturz des Kapitals und des Staates, f&uuml;r den Libert&auml;ren Kommunismus und Anarchie zu f&uuml;hren. Eine wichtige Rolle f&uuml;r unsere Entscheidung in den Untergrund zu gehen war, dass wir unser Kind aufwachsen lassen wollten, ohne dass es uns hinter Gittern sehen sollte. In diesem Rahmen erfolgte die Reaktivierung des revolution&auml;ren Kampfes am 10. April 2014, mit dem Angriff gegen das Geb&auml;ude der Direktion f&uuml;r die Aufsicht &uuml;ber die Bank von Griechenland in der Americis Strasse, wo sich der Vertreter des IWF in Griechenland befindet. Als Mitglied des revolution&auml;ren Kampfes &uuml;bernehme ich die politische Verantwortung f&uuml;r diese Aktion.\n<\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\t<em><strong>Um der Verhaftung zu entgehen hast du in Monastiraki in einer Menschenmenge von ahnungslosen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern das Feuer er&ouml;ffnet. Das Ergebnis war, dass zwei Touristen leicht verwundet wurden. Was hast du dazu zu sagen?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tZun&auml;chst einmal es tut mir leid, dass die beiden Touristen auch nur leicht verletzt wurden. Das Leiden unbeteiligter B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger in irgendeiner Weise ist etwas, das wir im Revolution&auml;rer Kampf sorgf&auml;ltig vermeiden und dies machten wir w&auml;hrend dem Prozess gegen die Organisation in dem wir beschuldigt wurden, mit den Bombenanschl&auml;gen wahllos Menschenleben gef&auml;hrdet zu haben, klar. Nach einem langen Kampf vor Gericht wurde es weitgehend akzeptiert, dass unsere Erkl&auml;rungen richtig und die meisten Mordanschuldigungen falsch waren und nur jene, die die drei Polizisten in Eksarhia im Jahr 2009 betreffen, die von der Organisation als blutige Vergeltung f&uuml;r den Mord an Grigoropoulos erschossen wurden, richtig sind. Im Fall von Voulgarakis wurde beschlossen, dass die Ausf&uuml;hrung der Exekution dieses Schuftes abgebrochen wird, weil die Gefahr bestand, dass jemand die Bombe entdeckt, sie wurde in einer Zeit zur Explosion gebracht, als keine Gefahr f&uuml;r B&uuml;rgerInnen im Transit bestand, nicht einmal f&uuml;r den Polizisten, der in der N&auml;he von TEEM war. Im Fall des Angriffs auf das Wirtschaftsministerium beim Sintagma Platz, wo es kleinere Verletzungen von Zivilisten gab, nahm das Gericht zur Kenntnis, dass die Polizei trotz zwei Warnanrufen den Raum nicht isolierte und daher Leben von Menschen aufs Spiel setzte. Eine Frau, die verletzt wurde erhielt daf&uuml;r Entsch&auml;digung von der Regierung, w&auml;hrend einige Polizisten der zentralen Polizei f&uuml;r Fehler in dieser Sache verurteilt wurden, da die Polizei endlich zugegeben hat, dass ihre falschen Reaktionen Leben in Gefahr gebracht hatten. Es gibt Berichte von der amerikanischen Botschaft in Griechenland, die sagen, dass die Mitglieder des Revolution&auml;rer Kampf in ihren Aktionen Risiken eingehen, um keine Zivilisten zu verletzen. Die Geschichte selbst beweist, dass wir in unseren Aktionen immer Sorge um das Leben der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger tragen, unabh&auml;ngig vom Ziel. In Monastiraki sind die Verletzungen der beiden Touristen von Fragmenten und nicht von direkten Sch&uuml;ssen der Waffe wie es auch im Polizeibericht erw&auml;hnt wird. Die Wunden dieser beiden Menschen waren in den Beinen, was bedeutet, dass die Sch&uuml;sse tief waren. Dies zeigt, dass ich nicht auf diese Menschen gezielt habe. Wie kommt es, dass ich jetzt wegen versuchten Mordes dieser Menschen angeklagt bin, weil ich angeblich die M&ouml;glichkeit diese Menschen zu t&ouml;ten akzeptiert habe? Hier ist die Heuchelei un&uuml;bertreffbar. In drei F&auml;llen bei unseren Aktionen setzte die Polizei Menschenleben in Gefahr. Einmal in Sintagma, beim Finanzministerium, wo ihre Dummheit so weit ging, dass sie nicht einmal das Gebiet abgrenzten. Einmal beim Ministerium f&uuml;r Arbeit, wo die Spezialwache einem obdachlosen B&uuml;rger befahl, den Rucksack mit einer Bombe vom Eingang des Ministeriums etwas weiter entfernt hinzutragen. Das dritte Ereignis war bei der B&ouml;rse, wo die Polizei einige Wachen in benachbarten Geb&auml;uden nicht dar&uuml;ber informierte, dass sie diese verlassen sollten. Aber es gibt einen weiteren Fall, in dem die Polizei w&auml;hrend der Jagd eines Gesetzlosen den falschen Mann get&ouml;tet hat und es f&uuml;r die Polizei keine Konsequenzen gab. Im Februar 2010 w&auml;hrend der Festnahme von Marian Kola in Byron, t&ouml;teten 9 Polizeikugeln einen unschuldigen Passanten, Nikola Todi. Niemand wurde wegen versuchten Mordes angeklagt. Und der damalige Minister f&uuml;r &ouml;ffentliche Ordnung, Chryssochoidis erkl&auml;rte, ein Menschenleben sei verloren, aber das Wichtigste sei, dass zwei Kriminelle festgenommen wurden. &Uuml;berm&auml;ssige Heuchelei betreffend den Wert des menschlichen Lebens. Die Polizei ist in erster Linie um das Leben ihrer Herren und f&uuml;r den Schutz ihre Kollegen besorgt. Das gleiche gilt f&uuml;r Politiker, Regierungsbeamte und Kapitalisten, die nur daran interessiert sind das Leben ihrer Klassen zu sch&uuml;tzen, w&auml;hrend ihnen Leben im Allgemeinen v&ouml;llig egal ist. Sie haben die Frechheit, mich des versuchten Mordes zu beschuldigen, die gleichen Leute, die mit ihrer Sozialpolitik des V&ouml;lkermordes, ein Massensterben verursachen, 4000 Selbstmorde, Todesf&auml;lle wegen Knappheit in Krankenh&auml;usern, sie sind verantwortlich f&uuml;r Menschen die im M&uuml;ll nach Essbarem suchen, sie sind verantwortlich f&uuml;r Millionen Arbeitslose und f&uuml;r die Verarmung eines ganzen Volkes.\n<\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\t<em><strong>Dir werden zwei bewaffnete Bank&uuml;berf&auml;lle vorgeworfen. Glaubst du, dass Bank&uuml;berf&auml;lle ein revolution&auml;rer Akt sind?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tUnter bestimmten Bedingungen kann die Enteignung der r&auml;uberischen Finanzinstitute als Teil einer Politik des revolution&auml;ren Kampfes gesehen werden. Dies ist der Fall bei der Enteignung f&uuml;r die Finanzierung des Guerrilla-Krieges wie es in der Geschichte schon immer der Fall war.. Historisch gesehen haben alle Guerillaorganisationen, die Tupamaros, die Roten Brigaden, die RAF, die Action Directe, Bank&uuml;berf&auml;lle gemacht, um ihre Aktivit&auml;ten zu finanzieren. Enteignungen von Banken wurden von spanischen Anarchisten und Bolschewiki und auch in Griechenland von den Rebellen der dritten Division der Demokratischen Armee auf dem Peloponnes, die 1948 w&auml;hrend des B&uuml;rgerkriegs Enteignungen der Filialen der Nationalbank in Kalavrita und Amaliada durchf&uuml;hrten. Aber wenn die Enteignung eine individuelle Entscheidung ist, auch wenn es eine bewusste Handlung ist, dann ist es nichts als ein Beruf, der nicht mit politischer und revolution&auml;rer Aktion zu tun hat, da es keine sozialpolitische Aktion ist. In diese Kategorie fallen viele der sozialen Gefangenen, die aus diesem Grund verurteilt worden sind. Ob in diesem oder jenem Fall, da diese Handlungen nicht gegen B&uuml;rgerInnen, sondern gegen r&auml;uberische Finanzinstitute begangen werden, die mit der legalen Erlaubnis bewaffnet sind Menschen auszurauben, H&auml;user und Eigentum denen wegzunehmen, die nicht bezahlen k&ouml;nnen, dann ist daran nichts falsch. Mit der Krise haben wir Banken, lokale und ausl&auml;ndische, die f&uuml;r die Armut und das Elend der Menschen verantwortlich sind, verantwortlich f&uuml;r die Arbeitslosigkeit, f&uuml;r die soziale Politik des V&ouml;lkermords sind sie verantwortlich. Mit der Krise ist es zunehmend der Fall, dass der gesellschaftliche Reichtum von der sozialen Basis, in die Tresore der Banken umverteilt wird. Vergessen wir nicht, dass die multinationalen Banken, von denen einige Inhaber der Mehrheit der griechischen Schulden sind, auch den gr&ouml;ssten Teil der Weltwirtschaft kontrollieren, indem sie die Mehrheit der Industrie und des Handels steuern. So kann ich nichts Falsches in der Enteignung solch krimineller Institutionen sehen, in beiden F&auml;llen nicht &#8211; weder als Teil der revolution&auml;ren politischen Aktion noch als pers&ouml;nliche Entscheidung. Ohne ins Detail betreffend die zwei Raub&uuml;berf&auml;lle von Raubfinanzinstituten gehen zu wollen, alles was ich sagen kann ist, dass ich seitdem ich im Untergrund lebe nicht als Angestellter arbeiten konnte. Mein &Uuml;berleben hing von solchen Enteignungen ab.\n<\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\t<em><strong>Warum hattest du solche Eile das Krankenhaus &quot;Evangelizmos&quot; zu verlassen?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tDie Bedingungen f&uuml;r den Krankenhausaufenthalt in Evangelizmos beleidigen die Menschenw&uuml;rde. Ich war 24 Stunden in einem Zimmer mit ihrer Anti-Terror-Einheit mit Kapuzen, die um mein Bett standen und das Licht war 24 Stunden &quot;aus Sicherheitsgr&uuml;nden&quot; angeschaltet. Als es um das Entfernen des Katheters ging, versuchten sie &quot;aus Sicherheitsgr&uuml;nden&quot; nat&uuml;rlich, mit Befehl von oben wie der Polizeichef sagte, mich ans Bett zu fesseln, indem sie meine linke Hand in Handschellen legen wollten. Ich reagierte indem ich den Tropf mit Antibiotika rausriss und den &Auml;rzten sagte, dass ich keine Medikamente akzeptieren und einen Hungerstreik beginnen w&uuml;rde. Um zu pinkeln mussten sie aus &quot;sicherheitstechnischen Gr&uuml;nden&quot; die Badezimmert&uuml;r weit &ouml;ffnen nat&uuml;rlich um in der Lage zu sein, jede Bewegung zu &uuml;berwachen. Und ich muss hinzuf&uuml;gen, dass sie Tests in der Gegenwart der Kapuzen der EKAM machten, bevor sie meinen Arm operierten und kurz vor der Operation, als sie An&auml;sthesie zu wirken begann, war mir aufgefallen, dass die Polizei in medizinische Uniformen gekleidet bei der Operation aus Sicherheitsgr&uuml;nden dabei sein w&uuml;rde. Unter diesen Umst&auml;nden bevorzugte ich, schnell den Transfer in das Gef&auml;ngniskrankenhaus Korydalloy zu machen. Lass mich hinzuf&uuml;gen, dass Isolation im Gef&auml;ngniskrankenhaus auch durchgesetzt wurde, angewendet in Verletzung desselben Gef&auml;ngnis Codes, f&uuml;r den sie angeblich die Pflicht haben ihn umzusetzen. Zwei Tage lang wurde ich in einer Zelle isoliert, bis der Direktor des Gef&auml;ngnisses und der Vorstand beschlossen hatten, unter welchem Status das gemacht wurde. Schliesslich entschieden sie, dass ich 4 Stunden pro Tag aus der Zelle in einen Korridor gehen k&ouml;nne, der 10 Meter lang war, wo ich Zugang zu einem Telefon hatte, aber ich war immer noch isoliert damit ich nicht in Kontakt mit anderen Gefangenen kommen konnte, w&auml;hrend dem es mir verboten war, in den Gef&auml;ngnishof zu gehen, wozu jeder<br \/>\n\tGefangene das Recht hat.\n<\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\t<em><strong>Glaubest du, dass Revolution&auml;rer Kampf einen R&uuml;ckhalt in der Gesellschaft hat?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tIch glaube, dass, wenn eine bewaffnete revolution&auml;re Organisation solche Aktionen durchf&uuml;hrt, die auf die Probleme der Menschen und der Gesellschaft zielen, und wenn die Handlungen sich gegen die Unterdr&uuml;cker und Ausbeuter des Volkes richten, gegen die, die rauben, morden und sie sich elend f&uuml;hlen lassen, dann ist es klar, dass trotz der Mediengehirnw&auml;sche, die die Mitglieder der bewaffneten Organisationen als antisoziale und kriminelle Monster darstellt, ein grosser Teil der Gesellschaft die Aktionen der Rebellenorganisationen unterst&uuml;tzt. Da die Aktionen des Revolution&auml;rer Kampf diese Eigenschaften hat, glaube ich, dass ja, wir haben einen R&uuml;ckhalt in der Gesellschaft. Ich denke, dass viele,unter den gegenw&auml;rtigen Umst&auml;nden bereit w&auml;ren, zu den Waffen zu greifen, sich Kalaschnikows zu besorgen um die Henker des Volkes zu terminieren. Aber daf&uuml;r braucht es eine revolution&auml;re Bewegung, um sie zu organisieren. Die Tatsache, dass Revolution&auml;rer Kampf einen R&uuml;ckhalt hat ist auch offensichtlich durch die Tatsache, dass der Staat eine Belohnung in der H&ouml;he von 2 Mio. Euro auf unsere K&ouml;pfe ausgesetzt hat. Eine f&uuml;r mich und eine f&uuml;r Paula Roupa meine Gef&auml;hrtin. Wenn der Staat universellen Konsens h&auml;tte und es geschafft h&auml;tte, alle davon zu &uuml;berzeugen, dass unsere Aktionen gegen die Gesellschaft und die ArbeiterInnen gerichtet sind, dann h&auml;tten sie nicht zur hinterh&auml;ltigen Massnahme einer Fatwa, einer bezahlten Denunziation, greifen m&uuml;ssen, sie h&auml;tten sich auf die freiwillige Denunziation der sogenannten sozialen Verantwortung verlassen k&ouml;nnen. Wie gemein und ver&auml;chtlich es ist, ein Denunziant und mehr noch ein bezahlter zu sein, sieht man an der Tatsache, dass auch die Deutschen, bevor sie im Jahr 1944 aus Athen abzogen, alle DolmetscherInnen und InformantInnen exekutierten. Wer<br \/>\n\tsozial akzeptabel ist, zeigt die Tatsache, dass ich, Maziotis, als Mitglied des Revolution&auml;rer Kampf, durch die Strassen streifen und in der Gesellschaft leben konnte, als ich im Jahr 2011 freigelassen wurde. Jeder kannte uns. Auf der anderen Seite Samaras, Venizelos, Papandreou, Minister der Regierung, Parlaments Abgeordnete, die &uuml;ber Gesetze abstimmten und &uuml;ber alle unpopul&auml;ren Massnahmen entschieden, k&ouml;nnen nicht ohne bewaffnete Eskorten und Leibw&auml;chter durch die Strassen gehen.\n<\/p>\n<p>\n\t<br \/>\n\t<em><strong>Wenn du die M&ouml;glichkeit h&auml;ttest, eine Nachricht an Paula zu senden, was w&uuml;rdest du sagen?<\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p>\n\tIch w&uuml;rde sagen, dass es mir gut geht und ich in guter Verfassung bin, dass sie frei bleiben soll um unseren Sohn aufzuziehen, und dass trotz der Verluste, der Kampf weiter geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstes Interview mit Nikos Maziotis nach seiner Festnahme, ver&ouml;ffentlicht in der griechischen Zeitung &quot;Efimerida Tonne Sintaktion&quot; &nbsp; Du bist Mitglied des revolution&auml;ren Kampfes, eine bewaffnete anarchistische Organisation. 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